Skip to main content

Full text of "Basler Chroniken"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commcrcial parties, including placing technical restrictions on automatcd qucrying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send aulomated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogX'S "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct andhclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http : //books . google . com/| 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch fiir Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .corül durchsuchen. 




tmi» 




y 



BASLER CHRONIKEN 

HEKAUSGKGEÜEN 

VON DER HlSTOmSOHEX CSD ANTIQl'ARlSClIEi GESELLSCHAFT 
IS BASEL. ^ ; ■ . I . I 

VIERTER 1!ANU. 



liK.\kHF,ITi;T ' 



AUGUST BKUNÜULLI. 



lEirzio 

VERLAG VON S. IIIRZEL 



BASLER CHRONIKEN 

HERAUSOEOEBBN 

VON DER HISTORISCHEN UND ANTIQUARISCHE» GESELlSCHAn 
IN BASEL 



VIERTEE BAND 



BEARBEITET VON 
AUGUST BERNOULLI. 



LEIPZIG 

VERLAG VON 8. HIRZEL. 
1890. 



L 



THE N'EW YOR^ 

PUBLIC LIBRARY 

406544A 

A;'rOF:, LF.NOX AND 

TILÜLN f ; 'Nl^A'IIuNS 

1^ 19:.'9 L 



1 






• •• • 






• • ■ 

• •• • 



• •• 



.• •< 



• •• • 



• •• • ■ 

• • • • 

• ••• • • 

• • • • • 



•• • 

• •• 



.•• 






*•• • • 

• • • • I 



• • «•• • 

" •• ••• • 

• • * • • 



• « 



>• • • • 



V o r r e (1 e. 



Der Inhalt des vorliegenden vierten Bandes wurde im 
Wesentlichen noch bei Lebzeiten Wilhelm Vischers, des leider 
zu früh verstorbenen Begründers der Basler Chroniken, und 
mit seinem Einverständnisse festgestellt. \'or allem veröffent- 
lichen wir hier das Wenige, was aus älterer Zeit noch von 
amtlicher Geschichtschreibung erhalten ist, nämlich die Chro- 
nikalien der Rathsbücher, welche von 1356 bis 1548 reichen, 
und Briiglingers Chronik im Zunftbuche der Brodbecken, über 
die Jahre 1444 bis 1446. Neben diesen amtlichen Aufzeich- 
nungen ist die von 1439 bis 1471 reichende Chronik des Kaplans 
Erhard von Appenwiler die älteste, welche noch in der Ur- 
schrift ihres Verfassers vorhanden ist, und deshalb folgt sie hier 
als drittes Stück unmittelbar auf Brüglinger. Die vierte Chro- 
nik aber, das Werk eines unbekannten Verfassers, hängt mit 
Appenwiler insofern zusammen, als wir ihre Erhaltung ledig- 
lich einer von ihm gefertigten Abschrift verdanken. 

Hinsichtlich der Beilagen ist zu bemerken , dass sie nament- 
lich bei den Chronikalien der Rathsbücher verhältnissmässig 
sehr vielen Raum einnehmen. Es handeln jedoch gerade die 
zwei umfangreichsten dieser Beilagen nur von solchen Fragen, 
welche sonst immer in den Einleitungen erörtert werden. Die 
eine nämlich beschreibt die Rathsbücher, also die Handschriften, 
aus welchen diese Chronikalien stammen, und die andere 



XV Vorrede. 

handelt von den Stadtschreibern, also von ihren Verfassern. 
Beide aber, die Rathsbücher wie die Stadtschreiber, haben ihre 
selbständige, von den Chronikalien unabhängige Bedeutung, 
und so schien ihre Beschreibung eher am Ort in den Beilagen, 
wo sie für sich ein Ganzes bildet, als in der Einleitung, deren 
Umfang sie in's maasslose gesteigert hätte. Eine Beilage an- 
derer Art, hinter der Chronik Appenwilers, bilden sodann die 
um's Jahr 1400 verfassten Basler Zusätze zur Sächsischen 
Weltchronik. Diese werthvollen Aufzeichnungen stehen zu 
Appenwiler in keiner nähern Beziehung, als dass sie uns in 
derselben Handschrift erhalten sind, in welche dieser Kaplan 
seine Chronik schrieb. Wenn wir sie nun dennoch in den 
Basler Chroniken nicht als ein selbständiges Stück erscheinen 
lassen, sondern nur als Beilage, so geschieht diess nicht allein 
wegen ihres allzu geringen Umfangs, sondern ebenso sehr auch 
deshalb, weil sie nur zusammenhangslose Zusätze zu einem 
Werke sind, welches ferne von Basel entstanden ist. Der 
Kalender endlich, welcher als letztes Stück dieses Bandes folgt, 
dient naturgemäss nicht speziell zur Erläuterung dieser oder 
jener einzelnen Chronik, sondern für alle zugleich. Seine Be- 
deutung ist daher eine allgemeine, das ganze Werk umfassende, 
und deshalb erscheint er hier als »allgemeine Beilage«. 

Auf diesen Kalender folgt ausser dem Personen- und 
Ortsverzeichniss noch ein altdeutsches Glossar, dessen Bear- 
beitung wir der Gefälligkeit von Herrn Dr. Albert Gessler 
verdanken. Hätten wir blos unsre baslerischen Leser zu be- 
rücksichtigen, so könnte vielleicht ein guter Theil dieses Glossars 
entbehrlich erscheinen, indem viele veraltete Ausdrücke und 
Wortformen, welche dem Neuhochdeutschen unverständlich 
sind, in unserem Basler Dialekte noch fortleben. Den meisten 
Lesern in Deutschland jedoch wird das Glossar wohl in seinem 
ganzen Umfange willkommen sein. 

Wie bei den früheren Bänden, so wurde auch bei diesem 
die Bearbeitung wesentlich gefordert durch die nie ermüdende 



Vorrede. V 

Gefälligkeit des hiesigen Herrn Oberbibliothekars Dr. L. Sieber, 
sowie auch des Herrn Staatsarchivars Dr. R. Wackemag«!. 
Die Benützung verschiedener auswärtiger Bücher und Hand- 
schriften wurde in bereitwilligster Weise ermöglicht durch die 
Herren Oberbibliothekar Dr. Barack in Strassburg und Stadt- 
bibliothekar Walz in Colmar. Femer verdanke ich manche 
werthvoUe Mittheilung den Herren Stadtarchivar Mossmann 
in Colmar, Staatsarchivar Dr. Th. von Liebenau in Luzern, 
Dr. Traugott Geering und OberbibUothekar Dr. Blösch in Bern, 
sowie auch in Basel den Herren Dr. K. Vischer-Merian, 
Dr. Karl Stehlin, Dr. Johann BemouUi und Dr. Adolf Socin. 
Den genannten Herren aUen sage ich an dieser Stelle meinen 
verbindlichsten Dank. 

Die Titelvignette dieses Bandes stellt in zinkographischer 
Abbildung eine Reliquie aus der Schlacht bei St. Jakob dar, 
nämlich das eherne Siegel des Ritters Burkhard Münch, dessen 
Tod in jener Schlacht uns Appenwiler erzählt. Dieses Si^el 
wurde 1865 durch einen Landmann beim Pflügen gefunden 
und 1880 von seinem Besitzer, Herrn Nationalrath A. Münch 
in Rheinfelden, der Historischen Gesellschaft in Basel in sehr 
verdankenswerther Weise geschenkt. Der Fundort, auf dem 
Felde oberhalb St. Jakob, neben der nach Basel fuhrenden 
Landstrasse, bezeichnet ohne Zweifel die Stelle, bis wohin der 
verwundete Burkhard Münch nach seinem Sturze getragen 
wurde, um hier seiner Rüstung entledigt und verbunden zu 
werden. Da nun das Siegel einen Ring hat, also jedenfalls 
an einer Schnur hieng, so ist es leicht erklärlich, dass das- 
selbe beim Aufschnallen der Rüstung herabfiel und unbeachtet 
liegen blieb, bis der vom Regen durchweichte Boden es völlig 
verdeckte. Trotz den vier Jahrhunderten, welche seither ver- 
flössen sind, ist dieses Siegel bis zum heutigen Tage, wie die 
Abbildung zeigt, noch gut erhalten. 

Für den nächstfolgenden fünften Band sind vorläufig die 
übrigen Chroniken in Aussicht genommen, welche das vier- 



\l Vorrede. 

zehnte und fünfzehnte Jahrhundert betreffen. Neben verschie- 
denen Annalen von unbekannten Verfassern gehören hieher 
namentlich die Chroniken Heinrichs von Beinheim und Hen- 
nianns von Offenburg, sowie auch die Köteler Fortsetzung zur 
Chronik Köuigshofens. Bevor ich jedoch diesen weiteren Band 
in sichere Aussicht stelle, empfehle ich vor allem den vor- 
liegenden der Nachsicht der geneigten Leser. 

Basel, den 31. März 1S90. 

August BernoulU. 



Inhaltsverzeichniss. 



Seit« 

Vorrede III 

I. Chronikalien der Kathsbacher I35r>— 1548. 

Einleitung 3 

Text 17 

Beilagen : 

L Die Rathsbücher 109 

II. Die Stadt<ichreiber , Rathschreiber und Substitute bis 

1550 131 

III. Die Bürgerauf nahmen im XIV. und XV. Jahrhundert 142 

IV. Basels Name und Ursprung 149 

V. Zum Erdbeben von 1356 151 

VI. Zum Brande von 1417 152 

VII. Zum Zweikampfe von 142S 155 

VIII. Zur Abholung Bruder Fritschins 160 

II. Hans Bruglingers Chronik 1444—1446. 

Einleitung 165 

Text 174 

Beilagen : 

I. Verordnungen des Raths, vom August 1444 211 

II. Erstürmung des Klosters zu Ottmarsheim 217 

III. Die Chronik Erhards von Appenwiler 1439 — 1471, mit ihren 
Fortsetzungen bis 1474. 

Einleitung 223 

Text 249 

Beilagen : 

I. Die Basler Zusätze zur S&chsischen Weltchronik .... 365 

II. Die Annalen von Paris 374 

IIL Friedrichs III. Krönung zu Aachen 1442 380 

IV. Das Treffen vor Rheinfelden, vom 11. Juli 1445 .... 384 

V. Zum Rheinfelderkriege von 1448 386 

VI. Briefe aber den Sieg bei Belgrad 1456 390 

VII. Hans Wiler und seine Aufzeichnungen 395 



Vin InhaltsverzeichniflB. 

S«ite 
IV. Anonyme Zusätze und Fortsetzungen zu Königshofen 1120 — 1454. 

Einleitung , 411 

Text 422 

Allgemeine Beilage: Der Basler Kalender im Rothen Buch 46H 

Berichtigungen und Nachträge 481 

Personen- und Ortsverzeichniss 483 

Glossar 513 



I. 



Ghronikalien 



der 



Kathsbücher. 



1356 — 1548. 



BmIw CluroBiken. tV. 



Einleitung. 



Dasei hat keine amtliche Stadtchronik aufzuweisen in der 
Art, wie z. B. Bern schon um 1420 sie besass. Ein solches 
Werk, das die Geschichte der Stadt von ihren ersten Anfängen 

5 bis zur Gegenwart umfiasst hätte, scheint überhaupt vom Rathe 
niemak angestrebt worden zu sein. Aber immerhin regte sich 
auch in Basel je und je der Wunsch, wichtige Zeitereignisse 
irgendwie aufisuzeichnen, damit sie auch bei den späteren Ge- 
schlechl^m nicht der Vergessenheit anheimfallen. Einzelne 

10 Aufzeichnungen dieser Art mochte schon das älteste Stadtbuch 
enthalten, von dem wir Kunde haben ^). Doch dieses Buch 
gieng zu Grunde bei dem Brande, welcher in Folge des grossen 
Erdbebens Yom 18. October 1356 ausbrach. Der grösste Theil 
der inneren Stadt wurde ein Baub der Flammen, und aus 

^ dem brennenden Bathhause wurde zwar ein Theil der Urkun- 
den ge;rettet, aber kein einziges Buch. Was also das alte 
Stadtbuch von geschichtlichen Nachrichten vielleicht enthielt, 
das ist für uns verloren. 

Schon wenige Monate nach dem Unglück wurde jedoch AeitesteAnf- 

20 ein neues Stadtbuch angelegt, nämlich das noch jetzt vorhan- im^Bothen 
dene tBothe Buch« ^. Zwei Drittheile dieses Fergamentbuches ^^^^' 
waren ursprünglich bestimmt zur Eintragung der Jahr für 
Jahr zu erlassenden Verordnungen und Erkanntnisse des Käthes. 
Der letzte Dritthefl aber war laut seiner Ueberschrift ^] vorbe- 

% halten zur Aufiseichnung seMriger dinge oder ander stucken, 
die lange weren sullent«; und unter dieser Rubrik finden wir, 
als eine der ersten Eintragungen, einen kurzen Bericht über 

1) (Jeber diesea ältere Buch s. im Rothen Buch S. 252: also Btünt 
du an dem erren b&ch. 

2) Ueber dieses Buch, wie über alle weiter noch su erwähnenden Raths- 
bücher, s. Beflage L 

3] Bothb. S. 251. 



4 Rathsbücher. 

das vorhin erwähnte Erdbeben. Die Aufiseichnung denkwür- 
diger Ereignisse gehörte also mit zu den Stücken, welche nach 
dem Plane des damaligen Stadtschreibers, Wemher von Birken- 
dorf ^), hier ihre Stelle finden sollten. Schon sein nächster 
Nachfolger jedoch, Johann von Altdorf, nahm auf diese An- & 
Ordnung keine Rücksicht. Denn als 1362 der denkwürdige 
Fall eintrat, dass alle städtischen Schulden getilgt waren, da 
zeichnete er diese Thatsache zwar auf, jedoch nicht unter den 
«ewigen Dingen«, sondern im vorderen Theile des Buches, 
mitten unter den Rathsbeschlüssen des laufenden Jahres 3). lo 
Auch hier übrigens blieb diese Aufzeichnung ganz vereinzelt, 
mitten unter den Beschlüssen und Verordnungen des Rathes. 

Fflidiftge Unter den Eintragungen mancher Art, welche die Stadt- 

aafnahmen. schreiber jener Zeit zu besorgen hatten, gab es jedoch auch 
solche, die sich gewissermassen von selbst zu geschichtlichen i& 
AufiEeichnungen gestalteten. So mussten namentlich alle neu 
aufgenommenen Bürger eingeschrieben werden, und da die 
meisten derselben ihr Bürgerrecht nicht durch Kauf erwarben, 
sondern durch freiwillige Betheiligung an einem Kriegszuge, 
so war nichts natürlicher, als dass bei solchen Bürgeraufhahmen 20 
, auch der Anlass erwähnt wurde, der sie herbeigeführt hatte'). 
Die Verzeichnisse der also Aufgenommenen, welche bei ein- 
zelnen Zügen nach Hunderten zählten, wurden anfänglich nur 
in ein Papierbuch geschrieben, nämlich in das sog. Leistungs- 
buch. Seit 1393 jedoch erfolgten diese Eintragungen regel- 25 
massig in das weit kostbarere Rothe Buch, und wenn wir an- 
fänglich vor jedem dieser Verzeichnisse nur wenige einleitende 
Worte finden, so wurden in der Folge diese Berichte etwas 
einlässlicher und entwickelten sich zu förmlichen Erzählungen, 
wie z. B. schon 1412, nach Eroberung der 3 Schlösser am Jura- 30 
Blauen. 

Nene An- Während auf diese Berichte von Kriegszügen später je 

und je noch weitere folgten, blieb es mit einer anderen Art 
solcher Aufzeichnungen beim blossen Anfang. Als nämlich 
1417 das Ruf buch angelegt wurde, um die durch offenen Ruf 3& 
von der Rathhaustreppe herab zu verkündenden Verordnungen 
des Rathes darin einzutragen, so wurden die hintersten Blätter 
dieses Buches zu zwei besonderen Rubriken bestimmt, deren 
eine fortan enthalten sollte, »wer unsrer statd firüntschaft ge- 
tan hatff, die andere aber umgekehrt, wer ihr »unfrüntschaftc 40 

1) Ueber ihn, wie Qber alle noch folgenden Stadtschreiber, s. Beilage U. 

2) S. Rothb. 8. 27. 

3) Ueber die Bargerau&ahmen 8. Beilage IIL 



Einleitiiiig. 5 

erwiesen habe^). Es sollte also in diesen beiden Rubriken 
nisanunengesteUt weiden, was der Stadt von Seite ihrer vielerlei 
Nacbbam Gutes oder Böses widerfahren sei, damit man jeder- 
zeit wisse, welche der benachbarten Herren und Städte als 

s Freunde oder als Feinde zu betrachten seien. Auch hier je- 
doch — wie einst nach 1356 — blieb es bei einer kurzen 
Aufiieichnung über den grossen Brand von 1417, und derselbe 
Schreiber, dem wir diese verdanken, nämlich Johann von Bingen, 
schrieb kurz nachher über diesen selben Brand noch in ein 

» auderes, ebenfalls in diesem Jahre neu angelegtes Buch, näm- 
lich in den «Liber diversarum rerumc^). Zu dem mannig- 
fachen Inhalte, den schon der Titel dieses Buches andeutet, 
gehören unter anderm auch einige ausführliche Berichte über 
bemerkenswerthe Ereignisse, so namentlich die Erzählungen über 

15 die beiden Feldzüge von 1424 tmd über den berühmten Zwei- 
kampf^ welchen Heinrich von Ramstein 1428 mit einem frem- 
den Ritter bestund. Diese Feldzüge von 1424 werden übrigens, 
aus Anlass der Bürgeraufiiahmen, gleich anderen Zügen auch 
im Reihen Buche erwähnt; der dortige Bericht ist jedoch nur 

»ein. Auszug aus demjenigen des Liber diversarum rerum^). 

Es folfften die Zeiten des Concils, und mit den vielen stadtehronik 
Grasten aus fernen Landen kamen in die aufblühende Stadt 
auch neue Gedanken und Bestrebungen. Basel schien selbst 
der ewigen Stadt den Rang streitig zu machen, als 1439 in 

25 seinen Mauern das oberste Haupt der Christenheit erwählt 
wurde; aber dasselbe Jahr brachte der Stadt auch tiefe Noth 
und grosse Gefahr durch eine ausserordentliche Theurung, 
durch eine verheerende Pest und durch die sie bedrohenden 
Schaaren der Armagnaken. Es geschah unter dem Eindrucke 

30 dieser Ereignisse, dass der Rath den Beschluss fasste:. »ein 
buch ze machende, darinne geschriben werden sollent solich 
Sachen uff das kürtzest, die uns z& g&t oder argem beschehent; 
umb das unser nachkommen ettlichermosse ¥ässen mögen, wie 
sich die Sachen by unsern tagen gemacht und gehandelt ha- 

»ben.c — Dieser Rathsbeschluss wurde in's Rothe Buch ge- 
schrieben, wo ihm auch sofort eine kurze Geschichte des Jahres 
1439 beigefugt wurde ^]. Das besondere Buch jedoch, in wel- 

1) 8. Rufbueh I, BL 56 und 93 des jetiigen Umfangs. Ueber den ur- 
•prflngliehen Umfang des Buches s. Beilage I. 

2) Dieses Buch trSgt jetxt die Aufschrift : »Ordnungen und VertrfigeR. 
Ueber seinen alten Namen s. Beilage I. 

3) Vgl. Rotiib. 279 und 284 mit Liber D. K 32 ff. 

4) Bothb. 144 ff. 



g RatJisbüeher. 

ches fortan die Stadtchronik sollte eingetragen werden , ist 
nicht mehr vorhanden oder — was noch wahrscheinlicher ist — 
es kam niemals zu Stande. Im Rothen Buche selbst aber 
wurde hinter den Aufzeichnungen von 1439 schon 1441 ein 
Gesetz über das Bürgerrecht eingetragen — ein deutliches 5 
Zeichen, dass Niemand mehr an eine Fortsetzung dieser an- 
gefangenen Stadtchronik dachte. 
oeffnvBgB- So wirkungslos dieser kurze Anlauf von 1439 auch enden 

mochte, so blieb immerhin die schon erwähnte Uebnng, im 
Rothen Buch alle Feldzüge mit Bürgeraufnahmen zu verzeich- lo 
nen, und in der That boten die kriegerischen Jahre, welche 
nun folgten, solcher Anlässe genug. Zugleich war schon seit 
1438 an die Stelle des Liber diversarum rerum das Oeffnungs- 
buch getreten, und in dieses wurden je und je auch einzelne 
wichtige Ereignisse kurz aufgezeichnet. In der Folge, seit 1447, i^ 
war es namentlich der Rathschreiber und spätere Stadtschreiber 
Gerhard Megkynch, welcher in seiner langen Amtsthätigkeit 
vieles hier niederschrieb. Die meisten dieser Aufzeichnungen 
haben allerdings einen vorherrschend praktischen Zweck, näm- 
lich die mündlich gepflogenen Verhandlungen mit auswärtigen 20 
Herren und Städten genau wiederzugeben; sie dienten also 
den Zeitgenossen gewissermassen als Ergänzung der Missiven- 
bücher und Briefsammlungen , da diese nur über schriftlich 
gepflogene Unterhandlungen sicheren Aufschluss und rechts- 
kräftiges Zeugniss gaben. Neben solchen Verhandlungen je- 2s 
doch finden wir hier zwischenein auch einfach denkwürdige 
Ereignisse verzeichnet, wie z. B. 1462 die Eroberung der Hohen- 
königsburg und die Mainzerfehde. Wozu nun solche Notizen 
bestimmt waren, das sagt uns der Schreiber deutlich, wenn 
er z. B. zur Nachricht vom theuren Rheinsalm von 1465 die 30 
Randbemerkung setzt : »Inscribatur cronicist i). Auch Gerhard 
Megkynch trug sich also mit dem Gedanken, in einem beson- 
deren Buche eine Stadtchronik anzul^en. Sein Plan scheint 
jedoch ebensowenig verwirklicht worden zu sein, wie derjenige 
von 1439; denn als 1473 der Besuch des Kaisers in der Stadt 35 
eine besondere Aufzeichnung zu verdienen schien, da wurde 
der betreffende Bericht einfach ins Rothe Buch eingetragen ^j. 
Leute Auf- Dieser Bericht z. J. 1473 trägt bereits die Schriftzüge von 
^fm^RSttfe? Megkynchs Nachfolger, Nikiaus Rüsch, welcher erst im October 
Bach. \^']4^ gtein Amt antrat; er scheint also erst ein Jahr nach des 4o 

]] Oeffnungsb. IV 30. 

2) Rothb. 156 ff. - Ein Faesimüe von S. 156 g. bei KThommen, Schrift- 
proben des XrV.— XVI. Jahrhunderts, Taf. 14. 



Einleitang. 7 

Kaisers Einzug geschrieben su sein. Noch reichlicheren Stoff 
sa geschichtlicher AufEeichnung bot übrigens dem neuen Stadt- 
schreiber der gerade damals ausbrechende Krieg gegen Burgnnd. 
Jedoch ist uns seine werthvoUe Beschreibung dieses Krieges 
& nur in losen Papierheften erhalten, ja zum Theil nur auszugs- 
weise in Briefen'). In das Rothe Buch aber, welches schon 
damals nur noch wenige leere Blätter anwies, gelangten hier- 
aus nur einzelne dürftige Auszüge, soweit sie etwa als Ein- 
leitang zu den Bürgeraufiiahmen dieser Zeit nöthig schienen 2). 

ioDer Sieg bei Murten war übrigens die letzte Waffenthat, für 
welche das Kürgerrecht unentgeltlich verliehen wurde'), und 
nach 1487 finden wir auch diejenigen nicht mehr ins Rothe 
Buch eingeschrieben, welche ihr Bürgerrecht durch Kauf er- 
warben. Im übrigen diente dieses alte Pergamentbuch schon 

ts seit der Mitte des Jahrhunderts nur noch zu ganz ausnahms- 
weisen Eintragungen, wie z. B. zu dem schon erwähnten Be- 
richt über Kaiser Friedrichs Besuch Ton 1473. Um diese selbe 
Zeit, d. h. spätestens 1476, schrieb des Stadtschreibers Substitut 
Johannes ^) anf ein leer gebliebenes Blatt zu Anfang des Buches 

» noch eine kurze lateinische Erörterung über Basels muthmass- 
lichen Ursprung und über die Ursache, warum diese Stadt dem 
Kaiser gegenüber die Vorrechte einer »freien Stadtt geniesse ^). 
Hinter dem kaiserlichen Besuche von 1473 aber finden wir, 
yon Nikiaus Rüsch geschrieben, noch den Einzug des römi- 

3& sehen Königs Maximilian, welcher 1493 erfolgte^). Bald nach- 
her, d. h. 1497, schlössen für immer die Eintragungen in dem 
alten Pergamentbuche ^) , welches fortan nur noch die Bedeu- 
tung eines ehrwürdigen Zeugen der Vergangenheit hatte. 

Das Buch, welches künftig den Dienst des Rothen Buches J^*^**. 

30 versehen sollte, war damals schon längst vorhanden. Schon 
1405 hatte nämlieh der Stadtschreiber Konrad Kilwart aus den 
älteren RaAsbüchern, d. h. aus dem Rothen Buch und den 
beiden Leistungsbüchern, alle noch giltigen Gesetze und Ver- 

1) 8. hierOber B. Chroniken III, 282 ff. 

2) Vgl Bothb. 164 mit B. Chron. III, 302 ff., z. J. 1474. 

3) AUerdings wurden auf dem Zuge nach Heitersheim (1489) noch Üher 
hundert neue Bfirger aufgenommen; jedoch waren es durchweg solche, die das 
Bürgerrecht schon früher gekauft, aber noch nicht abbeiahH hatten. 8. Bürger- 
rechts-Protokoll, 240 ff: 

4} Ueber diesen Substituten, dessen Geschlechtsnamen wir nicht kennen, 
8. u. Beilage 11 u. IV. 

5) Rothb. Bl. Vnib; s. Beüage IV. 

6) Ehend. 8. 163. 

7) Ebend. 8. 73. 



8 RaUubfleher. 

Ordnungen in ein neues Buch zuBammengetragen <), welches in 
der Folge wegen seines Einbandes das »kleine Weissbuchc ge- 
nannt wurde 2). In dieses Buch — yon Papier — waren seit- 
her Yonugsweise die wichtigeren Rathserkanntnisse eingetragen 
worden. Aber schon 1451 hatte hier Megkynch, bei Anlass 5 
einer solchen Erkanntniss, den Tod Bischof Friedrichs ze Bin 
kurz bemerkt'). Auch der Stadtschreiber Kienlin schrieb 
einige Jahre später in dieses Buch vtXi ewiger gedechtnusse« 
einen Bericht über die Bauthätigkeit von 1458 an der Bhein- 
brücke ^). Die Aufiseichnung Megkynchs aber gab den AnstosS; lo 
dass von 1451 bis 1503 jeder verstorbene Bischof im Weissen 
Buche yeneichnet und sein Verhalten gegen die Stadt beur- 
theilt wurde ^). Immerhin kam es hier so wenig als im Rothen 
Buche zu einer regelmässig fortgeführten Stadtchronik, und 
so finden wir z. B. keine Sylbe über Basels Aufnahme in die i5 
Eidgenossenschaft. Erst die periodische Erneuenmg des Bun- 
desschwurs, wie sie zum ersten Mal 1507 erfolgte, wurde durch 
den Stadtschreiber Johannes Gerster ausfuhrlich beschrieben^), 
imd dieser sein Bericht, den er wahrscheinlich erst nach 1508 
ins Weisse Buch eintrugt), hatte offenbar nur den Zweck, ae 
für die künftigen Bundesemeuerungen das zu beobachtende 
Ceremoniell festzustellen. Hingegen geschah es wohl einzig 
zum Ei^ötKen der Mit- und Nachwelt, wenn im folgenden Jahre 
der Bathschreiber Nikiaus HaUer »zu ewiger gedechtnuszc 
den fröhlichen Besuch aufiseichnete, welchen die Eidgenossen 25 
Yon Luzem und den Waldstädten wegen ihres iBruder Fritschinc 
der Stadt Basel machten. 
Leteu Auf- Es kann nicht befremden, dass die oben erwähnte Auf- 
'fi^rhMptr Zeichnung der verstorbenen Bischöfe nach 1503 nicht weiter 

fortgeführt wurde; denn seit 1521, d. h. seit dem Umsturz der 30 
alten Handfeste, war das Verhältniss zwischen Stadt und Bischof 
ein wesentlich anderes geworden, und die wachsende Befor- 

1) Mit den Gesetsen kam aus dem Rothbuch auch die Nachricht vom 
Erdbeben von 1356 in wörtlicher Abechrift mit heraber in das neae Buch, wo 
noch ein alter lateinischer Vers Über die Jahnahl beigeftigt wurde. Vgl. 
Rothb. S. 251 und KL Weissb. Bl 22. 

2) Das »kleine« aum Unterschied vom grossen Weissbueh, welches eine 
Urkundensammlung enthält 

3) KL Weissb. 92 b. 

4) Ebend. 162. 

5) Ebend. 92b 100 b und 126. 

6) Ebend. 134 b ff. 

7} Der Bericht aber den Besuch Fritschins, yon 1508, geht ihm im Kl. 
Weissb. auf BL 130 b f. voraus. 



Emleitang. 9 

mationsbewegung that das ilurigey die Kluft noch su erweitern. 
Es geschah daher sicher nicht Von ungefähr, wenn 1527 der 
Einzng des neuen Bischofs Philipp Yon Gundelsheim nur noch 
im Oeffiiungsbuche beschrieben wurde >), während bald nach- 

&her, 1532, schon eine Mordthat wichtig genug erschien, um 
im Weissen Buche erxahlt su werden^). In dieses letstere 
Buch wurden auch in den folgenden Jahren, auf ausdrück- 
lichen Befehl des Bathes, noch verschiedene Ereignisse einge- 
tragen, wie die Beisteuer von 1535 an das brandbeschädigte 

10 Bern'}, oder die Musterung von 1540, oder 1541 und 1548 die 
Begräbnisse der beiden Bürgermeister Meyer ^]. Auch für die 
künftigen Häupter der Stadt, nach 1548, wurden einige Blätter 
vorbehalten, die jedoch leer geblieben sind^). Immerhin hör- 
ten mit letsterem Jahre die Eintragungen im Weissen Buche 

unoch keineswegs auf; denn durch den Bathschreiber Hans 
Friedrich Memdnger wurden verschiedene Ereignisse der Jahre 
1559 bis 1563 ausfuhrlich beschrieben <^), so namentlich der 
Prosess des Wiedertäufers David Joris und der festliche Empfang 
des durchreisenden Kaiseis Ferdinand im Jahre 1563. Diese 

» AufiKichnungen Menzingers blieben jedoch ohne Fortsetiung 
bis 1 596 , wo der Stadtschreiber Hans Rudolf Herrog einen 
ebenso ausführlichen Bericht über die Durchreise Erzhersog 
Maximilians einzutragen begann, doch ohne ihn zu vollenden ^j. 
Mit diesem Fragmente hörten die geschichtlichen Aufiseich- 

s nungen im kleinen Weissbuche gänzlich auf. Aber inzwischen 
war 1580 die gedruckte Baslerchronik Christian Wurstisens 
erachienen ^) , ein mit Recht noch heute geschätztes Werk, wel- 
ches unter den Beamten des Rathhauses sowohl im vorigen 
Jahrhundert als in unseren Tagen gediegene Fortsetzer ge- 

sofunden hat. 

üeberblicken wir die in den Rathsbüchem zerstreuten wftrdigang. 
Chronikalien, vom grossen Erdbeben von 1356 bis zum Aus- 
gange des XVI. Jahrhunderts, so wurde zwar zu verschiedenen 
Zeiten, wie wir sahen, die Anlage einer Stadtchronik in Aus- 

1) Oeffnungsb. VII, 226 1>. 

2) Kl. WeiBflb. 144b 

3) Ebend. 170. 

4) Sbend. 177 C 

5] BL 189— 190 tragen Uebencluriften in diesem Sinne, sind aber sonst leer. 

6) BL 191 iL 

7) BI 204-205. 

8) Ueber Wurstisen und seine Ohronik 8. Achilles Burokhardt, in den 
BeiMgen rar VaterUnd. Geschichte, Bd. XII, S. 359 £ 



10 RathsbQcher. 

sieht genommen; aber niemals wurde ein solcher Plan wirk- 
lich ausgeführt. Es blieb daher bei einer bunten Reihe ver- 
eineelter, nach Form lind Inhalt sehr verschiedenartiger Auf- 
zeichnungen, welche weit entfernt sind, irgendwie ein zusam- 
menhängendes Ganzes zu bilden. Immerhin verdienen diese 5 
Fragmente unsere Beachtung schon deshalb, weil sie uns zei- 
gen, was wenigstens zeitweise vom Rath oder von seinen 
* Schreibern auf dem Gebiete der Geschichtschreibung erstrebt 

wurde. Zudem aber enthalten sie manche werthvoUe Nach- 
richt, die wir in anderen Quellen vergeblich suchen würden. 10 
Bisherige Wie das ganze Archiv überhaupt, so waren auch die Raths- 

Benütiung. Bücher, welche diese Chronikalien enthalten, in früheren Jahr- 
hunderten nur denjenigen zugänglich, welche durch ihre amt- 
liche Stellung dazu berechtigt waren, also den Mitgliedern des 
Rathes, den Schreibern der Kanzlei und den städtischen Rechts- 15 
consulenten. Der Erste, der seinen freien Zutritt zu diesen 
Hüchern benützte, um einzelne Stücke daraus abzuschreiben, 
war jener Bürgermeister Adelberg Meyer, dessen Begräbniss 
im Jahre 1548 im Kleinen Weissbuche beschrieben ist. Die 
eigenhändigen Abschriften und Auszüge dieses um die baaeU- jo 
sehe Geschichtsforschung hochverdienten Mannes sind uns noch 
erhalten *) , und ebenso jener als »Beinheimische Chronik« be- 
kannte und 1545 gefertigte Band 2), in welchen er neben ver- 
schiedenen Chroniken auch diese seine Auszüge sorgfältig ab- 
schreiben liess. Diesen Sammelband Meyers kannte auch 25 
Wurstisen, und nur auf diesem Wege gelangte vom Inhalte 
der Rathsbücher auch einiges in die 1580 gedruckte Basler- 
chionik 3). Im vorigen Jahrhundert war es zunächst der Rath- 
substitut Daniel Brückner, welcher die Rathsbücher fleissig 
durchforschte und in seinen »Merkwürdigkeiten der Landschaft 90 
Basel« mehrere Stücke daraus veröffentlichte. Ihm folgte der 
Rathschreiber und spätere Oberstzunfbmeister Peter Ochs, der 
in seiner »Geschichte der Stadt und Landschaft Baseler den 
Anlass zu noch ausgedehnterer Ausbeute des Archives fand. 
In unserem Jahrhundert wurden die Rathsbücher von vielen 35 
Forschem in ergiebiger Weise benützt, und in J. Schnells 
1856 erschienenen »Rechtsquellen von Basek besitzen wir auch 
von einem wesentlichen Theil ihres Inhaltes, soweit er die 
Rathserkanntnisse betrifft, eine mustergiltige Ausgabe. Von 

1} Im Kirchenarchiv, im zweiten Theil der Ha. D 11, 1. 

2) Universitätsbibliothek, ohne Signatur. 

3) Erst 1586 wurde Wurstisen Stadtschreiberund erhielt dadurch Zu- 
tritt zum Archiv — doch nicht für lange, da er schon 1Ö88 starb. 



Einleitung. 11 

den Chronikalien hingegen wurden bis jetzt nur die Berichte 
des Boihen Buches über die Schlacht bei St. Jakob und über 
das grosse Erdbeben, bei Anlass der Säcularfeiem von 1844 
und 1856, in diplomatisch genauer Ausgabe veröffentlicht^), 
s Indem wir nun die in den verschiedenen Rathsbüchem Frenzen und 
zerstreuten Au&eichnungen zusammenzustellen versuchen, schei- dieser aqs- 
den wir zum voraus die jünenten derselben aus. Schon durch ^ "' 
ihren Uxnftng sind „änüiJh Senringe« Berichte über die Jahre 
1559 — 1563 wohl geeignet; ein Ganzes für sich allein zu bil- 

io den, und überdies reichen von den sonstigen Basler Chroniken, 
welche noch der Veröffentlichung harren, auch die jüngsten 
nicht über 1550 herab. Wir glauben daher keine Willkür- 
lichkeit zu begehen, wenn wir diese ausfuhrlichen Berichte 
Menzingers, sammt dem Fragmente von 1596, für den letzten 

i& Band der Basler Chroniken beiseite legen und mithin die vor- 
liegende Ausgabe mit 1548 schliessen. Nach dieser Ausschei- 
dung umfassen die Au&eichnungen, welche wir hier veröffent- 
lichen, immer noch einen Zeitraum von nahezu zweihundert 
Jahren, lieber die älteren Zeiten, bis zum Ausgange des XV. 

»Jahrhunderts, gehören sie zum grösseren Theil dem Rothen 
Buche an, während die Nachrichten des XVI. Jahrhunderts 
nahezu ausnahmslos dem Kleinen Weissbuch entnommen sind. 
Immerhin beginnen in letzterem Buche, wie wir sahen, die 
chronikalen Au&eichnungen theilweise schon 1451, und ausser- 

X)dem werden die Berichte des Rothen Buches auch vielfach 
ergänzt durch den Liber diversamm rerum und die Oefihungs- 
bücher. Es schien daher zur übersichtlichen Ordnung des 
Textes am zweckmässigsten , alle diese Au&eichnungen , von 
1356 — 1548, durchweg in chronologischer Ordnung folgen zu 

» lassen, ohne Rücksicht auf die Bücher, denen sie entnommen 
sind. Die Abhandlung von 1476, über Basels Ursprung, wurde 
deshalb unter die Beilagen verwiesen^). 

Wie oben schon angedeutet wurde, finden sich in den 
Rathsbüchem allerlei Aufiieichnungen, welche nur in beding- 

15 tem Sinne den Chronikalien können beigezählt werden, indem 
es fraglich bleibt, inwiefern der Schreiber bei ihrer Abfassung 
einen historischen Zweck im Auge hatte. Soweit es nun das 
Rothe Buch betriffl, so haben wir die Grenze möglichst weit 
gezogen und deshalb auch vereinzelte Notizen, wie z. B. über 

40 die Schuldentilgung von 1362, unbedenklich angenommen. 

1) Die Sehlacht bei St. Jakob in den Berichten der Zeitgenossen, S. 3, 
und: Basel im XIV. Jahrhundert, S. 226. 

2) S. unten Beüage lY. 



12 RathsbQoher. 

Namentlich haben wii bei den Kiiegszügen, auf welchen das 
Bürgerrecht ertheilt wurde, nach niedlichster Vollständigkeit 
gestrebt und deshalb auch die kurzen Aufschriften beigeiogen, 
welche in den Leistungsbüchem von den Feldsügen des XIV. 
Jahrhunderts Nachricht geben ^). Die Veneichnisse selbt je- s 
doch, welche bei jedem Zuge die Namen aller angenommenen 
Bürger enthalten, mussten schon wegen ihres Umfanges aus- 
geschlossen bleiben; doch geben wir in der Beilage m eine 
Uebersicht ihrer Zahlenverhältnisse. 

Für das XV. Jahrhundert bietet uns speziell zum Jahre 1417 lo 
das Bufbuch, wie wir sahen, eine Nachricht über den grossen 
Brand dieses Jahres. Aus dem ganzen Zeitraum aber, von 
diesem Jahre bis zum Concil, enthält der Liber diversarum 
rerum Verschiedenes, was wir im Rothen Buche vergeblich 
suchen würden, so z. B, den Bericht über den Zweikampf von 15 
1428. Aber gerade hier finden wir über denselben Gegenstand 
neben einander zwei verschiedene Stücke, von denen das eine, 
nämlich die Abschrift der Kampf bedingungen, uns eher unter 
die Beilagen als gerade in den Text zu gehören schien 2). In 
den Oeffiiungsbüchem, deren erstes mit 1438 beginnt, sind es so 
— wie schon bemerkt — namentlich die zahlreichen Berichte 
über mündliche Verhandlungen, welche für unseren Zweck in 
Betracht kommen könnten, da sie viel historisches Material 
enthalten. Es lässt sich auch kaum bezweifeln, dass z. B. 
Gerhard Megkynch , wenn er zur Ausarbeitung der von ihm » 
geplanten Stadtchronik gelangt wäre, wohl manches von dem, 
was er Jahr für Jahr in die Oefihungsbücher geschrieben, in 
dieser seiner Chronik noch verwerthet hätte. Sicher jedoch 
sind die meisten dieser Au£ieichnungen, wie wir oben sahen, 
zunächst nur zu rein praktischen Zwecken, d. h. zu Händen 90 
des regierenden Käthes verfasst worden, und überdies sind sie 
so zahlreich und verbreiten sich zum Theil über so unbedeutende 
Streithändel, dass Megkynch selber wohl nie daran dachte, die- 
selben vollständig, oder auch nur zum grösseren Theile, in die 
beabsichtigte Chronik au&unehmen. Nun wissen wir aber ganz 35 
und gar nicht, welche Auswahl er wohl getroffen hätte, und 
deshalb glaubten wir uns auf diejenigen Nachrichten beschrän- 
ken zu sollen, deren Aufnahme in eine Chronik schon wegen 



1) Im Leistungsb. I gind diese Aufschriften allerdings nicht mehr alle 
erhalten, da vor BL 123 ein Blatt fehlt — Ebenso fehlt auch im Rothbuche 
das Blatt vor S. 198, welches den Zug von 1443 gegen Laufenburg ersählte. 

2) 8. Beilage VIL 



Einleitung^. 13 

ihres Inhaltes ausser Zweifel zu stehen schien^). Sollten wir 
bei diesem Verfahren die Grenzen des Aufzunehmenden yiel- 
leicht zu enge gezogen haben, so bitten wir zu beriicksichtigen, 
dass eine sichere Norm zur Ausscheidung hier überhaupt nicht 
i zu finden ist, eine möglichst weite aber uns ins Endlose füh- 
ren würde. 

Schon von Megkynchs Nachfolger, dem Stadtschreiber 
Nikiaus Rüsch, finden wir in den Oefihungsbüchem keine 
Chronikalien mehr. Die Beschreibung der Burgunderkriege 

10 hingegen, welche Busch nur auf einzelne Blätter schrieb, wurde 
schon im IQ. Bande der B. Chroniken herausgegeben, als Bei- 
lage zu Knebels Tagebuch^). Weiter aber wurde zur Ergän- 
zung des Bothen Buches nur noch das Kleine Weissbuch bei- 
gezogen, welches, wie oben erwähnt, schon zum XY. Jahr- 

ts hundert einige Nachrichten enthält und für die Folgezeit, bis 
1548, unsere Hauptquelle bildet. Die einzige Nachricht aus 
anderer Quelle, die wir in diesem letzten Theil hinzufügen 
haben, betrifft das Jahr 1527 und findet sich im Bande Vll 
des Oeffiiungsbuches. 

» Eine Beschreibung der verschiedenen Rathsbücher, aus ^ Di« 
welchen diese Chronikalien zusammengestellt sind, geben wir 
in der Beilage I. Was hingegen die Verfasser betrifft, so haben 
wir uns zunächst bemüht, zu jedem Stücke unseres Textes am 
Rande den Schreiber zu nennen, so weit wir ihn aus den 

»Schriftzügen zu ermitteln yermochten In mehr als einem 
Falle jedoch mussten wir vorsichtshalber ein Fragezeichen bei- 
fugen, und ebensowenig können wir dafür bürgen, dass bei 
jedem einzelnen Theile dieser Chronikalien der Schreiber zu- 
gleich auch der wirkliche VerfEuwer war. Immerhin ist zu be- 

30 merken, dass nicht nur die Stadtschreiber und Rathschreiber, 
sondern sehr oft auch die Substitute mit selbständigen Ar- 
beiten betraut wurden. Wir dürfen daher wohl in jedem 
Schreiber, dessen Hand wir in diesen Chronikalien erkennen, 
zugleich auch einen Verfasser vermuthen. Für das Wenige 

»aber, was wir über die Lebensverhältnisse dieser Schreiber 
wissen, verweisen wir auf das Verzeichniss der Stadtschreiber, 
das wir als Beilage 11 folgen lassen. 



1) Einige weitere Aufreiohnungen Megkynchs, z. J. 1473 und 1474, 
welche theflweise durch den Substituten Johannes ins Reine geschrieben 
wurden, s. B. Chron.in, 364 und 371 ff. 

2) B. Chroniken m, 275 ff. 



Scknibw. 



14 Kathsbaoher. 

Ortho- Da die allmähliche Entstehung dieser Annalen sich auf einen 

gnpiue. 2eitraum Ton nahezu zweihundert Jahren vertheilt, und da 
überdies ihre Verfasser von verschiedener Herkunft und Schu- 
lung waren, so kann es nicht befremden, wenn dieselben nicht 
nur in Sprache und Ausdruckweise, sondern namentlich auch 5 
in der Orthographie die grösste Mannigfaltigkeit aufweisen. 
Wir haben uns bemüht, diese orthographischen Verschieden- 
heiten im Texte möglichst getreu wiederzugeben, und deshalb 
sind auch tax das ganze XV. Jahrhundert alle Consonanten- 
Verdoppelungen stehen geblieben. Die einzige Aenderung, die lo 
wir uns in dieser Hinsicht erlaubten, betriiFt die gar zu häu- 
fige Verdoppelung des n, die wir von 1500 an nicht mehr 
berücksichtigt haben. Zur Verdoppelung des r aber ist zu 
bemerken, dass es bei der Abkürzung für den Titel »Herrv oft 
fraglich bleibt, ob ein einfaches oder doppeltes r gemeint sei, i5 
und dass wir in solchen zweifelhaften Fällen uns mit dem ein- 
fachen r begnügt haben, da die Schreibart »herc auch in den 
sicheren Fällen nicht selten ist. Die Abkürzungen dz und 
WZ wurden hier immer in daz und waz aufgelöst, da neben 
ihnen die ausgeschriebenen Formen daz und waz hier ebenso 20 
häufig vorkommen als das und was. Die noch viel allgemei- 
neren Schwankungen aber zwischen v und u, sowie zwischen 
j und i, wurden durchweg in der Weise beseitigt, dass für die 
Consonanten v und j gesetzt wurde, und für die Vocale ti 
und i. Eine einzige Ausnahme schien uns nöthig zum Jahre 2s 
1508, wo wir das Wort »gejrl» (geirrt) in unveränderter Ortho- 
graphie beibehielten. 

Weniger einfach als mit den Consonanten verhält es sich 
mit den überschriebenen Vocalen. Sehen wir ab vom ein- 
fachen a, so wird in der Stadtchronik von 1439 das gedehnte so 
a, welches in der Basler Mundart zu o wird, bald au geschrie- 
ben, bald ä (aubent, rät). Dieses überschriebene a finden wir 
— wenigstens in rftt — auch noch bei Nikiaus Busch und 
bei dem Schreiber von 1503. Der Umlaut ä wird ofl von 
einem und demselben Schreiber bald ä, bald 6 geschrieben. 3& 
Einzig bei Gerhard Megkynch, einem geborenen Westphalen, 
erscheint das Zeichen über a, e und o, welches sonst den Um- 
laut bezeichnet, als einfaches Dehnungszeichen. Neben dem 
Umlaute ö, den wir immer durch ö bezeichnen, kommt für 
den Diphthongen ou nicht selten das Zeichen & vor, jedoch 40 
nur bis 1439. Gehen wir über zu u, so unterscheiden die 
Schreiber des XTV. Jahrhunderts noch mit voller Deutlichkeit 
den Diphthongen uo, den sie mit ü bezeichnen, und ebenso 



JSinleitiiAg. 15 

die Umlaute ü und üe, für welche sie die Zeichen ü und d 
haben. Dieselbe Soigfalt bemerken wir auch bei dem Schrei- 
ber der Stadtchronik von 1439. Schon bei seinem Voigänger 
jedoch, dem Stadtschreiber Johann von Bingen, sind & und & 

s nicht mehr von einander zu unterscheiden. Bei Gerhard Meg* 
kynch aber finden wir auf u sowohl fiir ü als für & und & 
sozusagen immer dasselbe Häkchen, so dass es in den meisten 
Fällen unmöglich ist, aus der Schrift swischen diesen verschie- 
denen u einen Unterschied herauszufinden. Dasselbe gilt, 

tu wenigstens für u und A, auch bei M^kynchs Nachfolger 
Nikiaus Rüsch, während die späteren Schreiber sich wieder 
grösserer Deutlichkeit befleissen. Sowohl bei M^kynch als. 
bei Büach finden wir überdies dasselbe Häkchen oder halbe 
Singlein, womit sie den Diphthong bezeichnen, hin und wie- 

15 der auch auf dem einfachen u, nur um diesen Buchstaben 
deutlicher von n zu unterscheiden, also in Wörtern wie brunn, 
unnutz, Sigmund» sun u. s. w. Noch weiter in diesem Yer* 
fähren geht der Stadtschreiber Byhiner, indem er nahezu jedes 
u mit diesem Häkchen versieht und einzig dem Diphthong 

2öüe ein besonderes Zeichen gibt. Sein Substitut Aschenberger 

hingegen ist wenigstens darin genauer, dass er wieder beide 

Umlaute ü und üe durch zwei besondere Zeichen unterscheidet. 

Alle Zeichen über den verschiedenen Yocalen sind in den 

Au&eichnungen des XIV. Jahrhunderts noch deutlich als Buch- 

2s Stäben zu erkennen. Doch in der Folge finden wir bei den 
meisten Schreibern über a, e und o nur noch ein Zeichen von 
zwei Strichlein oder zwei Punkten, und über u entweder das- 
selbe Zeichen, oder ein grösseres oder kleineres Häkchen, 
oder auch nur einen Punkt. Um nun den Leser nicht zu 

30 verwirren, wurden im Drucke diese Zeichen durchweg — also 
auch in den späteren Theilen — als Buchstaben gegeben, und 
ebenso die Dehnungszeichen, die nur bei Megkynch vorkom- 
men, durch Ueberschreibung desselben Vocals, also durch a, 
§ und 6. Nun sahen wir oben, dass bei mehreren Schreibern 

»des XY. Jahrhunderts namentlich u und fl, und theilweise so- 
gar ü, nicht deutlich zu unterscheiden ist; in diesen Fällen 
allerdings mussten wir die gegebenen Zeichen nach eigenem 
Ermessen genauer bestimmen. Bei den beiden letzten Schrei- 
bern dieser Annalen aber, nämlich bei Heinrich Ryhiner und 

40 seinem Substituten Aschenberger, glaubten wir das Häkchen 
oder halbe Binglein über dem u nicht mehr berücksichtigen 
zu sollen, da es dort nahezu auf jedem u sich findet, also nicht 
mehr zur Unterscheidung vom einfachen Yocale dient. Ausser- 



16 RathsbOeher. 

dem ist noch su bemerken, dass bei den meisten Schreibein 
hin und wieder ein einfacher Vocal sich findet, wo die Sprache 
zweifellos einen Umlaut oder Diphthong fordert, und wo mit- 
hin das Ueberschreibungsroichen einfach vergessen wurde. Wir 
haben es jedoch grundsätriich vermieden, in solchen Fällen s 
irgendwelche Ergänzung zu versuchen. 

Der allgemeinen üebung gemäss wurde auch hier die 
Interpunction ohne Rücksicht auf die Handschriften angebracht 
Wo im Texte die Auflösung einer Abkürzung irgendwie zwei- 
felhaft erscheinen, konnte, wurde das Erg^zte im Drucke durch lo 
Cursivschrift unterschieden. Ganze Wörter aber — gleichfalls 
in Cursivschrift — wurden nur in solchen Fällen eingeschaltet, 
wo die Deutlichkeit es unbedingt zu fordern schien. Wo hin- 
gegen ein Text in zwei Redactionen vorlag, wie zum Jahre 
1424, da wurden die aus der zweiten Bedaction geschöpften 15 
Ergänzungen nur durch Klammem [ ] unterschieden. Die im 
Texte vorkommenden Zahlen — in den Handschriften noch 
durchweg römisch — wurden im Druck durch arabische Ziffern 
gegeben. Deshalb wurden auch diejenigen Jahrzahlen, welche 
nur theilweise in Worten, zum Thefl aber in Ziffern geschrie- 20 
ben sind, hier durchweg nur in Ziffern gedruckt. Die ver- 
schiedenen Rathsbücher aber, denen die einzelnen Stücke dieser 
Annalen entnommen sind, bezeichnen wir nach dem Vorgänge 
Schnells und Heuslers^) nur durch folgende Abküizungen: 

Rb. für Rothes Buch, » 

Lb. > Leistungsbücher, 

wb. » Kleines Weissbuch, 

Rufb. 9 Rufbuch, 

D. R. » Liber Diversarum Rerum^), 

Ob. > Oeffiiungsbücher. so 

1) S. Schnell, Rechtsquellen I S. VI, undHeusler, Verfassungsgesohichte 
der Stadt Basel, S. XVIL 

2) Dieser Band trftgt jetzt die Aufschrift: »Ordnungen und Vertrftge«, 
unter welcher er bisher auch meistens citiert wurde. 



[Rb. 251] Man sol wissen , daz dise stat von dem eit- [w. t. bu- 
pidem ^) zerstöret und zerbrochen wart, und beleib enbein kilche, 
turne noch steinin hus, weder in der stat noch in den yor- 
stetten gantz^, und wurdent grosseclich zerstöret, öch viel 

»der burggrabe an vil stetten in^). und vieng der ertpidem 
an an dem cinstag nach sant Grallen tag, daz waz an 8anti356 
Lucas tag des ewangelisten, des jares do man zaite von gotz 
gebürte drützehenhundert und sechs und fiinftzig jar, und wert 
dur daz jar hin dan, und kam underwilen gros und under- 

lowflen klein, und des selben cinstages, als er anviehg, do 
gieng für an in der nacht, und wert daz wol acht tag, daz 
ime nieman getorste noch mochte vor dem ertpidem widerstan. 
und verbran die stat inrent der ringmure vilnahe allensament, 
und ze sant Alban in der vorstat verbrunnen fich etwie vil 

uhüsem. von dem selben ertpidem wurdent öch nochhi alle 
kilchen, bürge und vestinen^), die umbe dise stat bi vier mi- 
len gelegen warent, zerstöret, und zervielen, und beleib wenig 
deheinü gantz. 

[wb. 22] Lucas et cliccum*) (K.miwarti 

» Terre motum 

Dant tibi notum. 

[Rb. 27] Anno domini 1362, da her Burchart Münch der [J. t. Aitorf] 

1. üebersehrifl Ton spiterer lUnd: Et post terremotiiB. 22. Üeb«r8chrif( von 

sp&terer Hand: Qnod oiritaa omnibnB mtisfeeit de debitis. 

1) Ueber das Erdbeben vgl. unten Beibige V, auch Appenwiler, Bei- 
lage I, %, J. 1356. 

2) Ueber den damaligen Umfang der VoratAdte a. Fechters Topographie, 
in dem 1856 erschienenen Bande »Basel im XIV. Jahrhundert«, S. 101 ff. 

3) Der Graben zwischen der Stadt und den Vorstädten, welcher erst in 
unserem Jahrhundert ausgefällt wurde, und dessen Erinnerung in denStrassen- 
namen >St. Alban-, St Leonhards- und St. Petersgraben« forüebt 

4) Ueber die zerstörten Burgen s. Appenwiler, Beilage I, z. J. 1356. 

5) Dieser Reimspruch steht nur im Kl. Weissbuch, unter der 1405 ge- 
fertigten Abschrift des obigen Abschnitts. — CLICCVM ist Umstellung der 
JahizaU MCCCLVI. 

Basier Chroniken. IV. 2 



1 8 Rathflbacher. 

1362 junger von Landeskrone ^) burgermeister was, da was abgeloset 
und abgericht alle die geltschulde, so die stat gelten solte und 
schuldig was, davon man zinse gab^): das man nieman nüt 
me schuldig was, noch gelten solte, noch nieman kein zins 
me gab, denne die zinse, die man von alter von den schalen') 5 
und etlichen hüsern, hofstetten und garten git, unde ane vier 
phunt Stehlern, git man jerglichs Clären Wachtmeisterin ze 
einem lipgedinge. 

im [^^- ^ 124'^] Anno domini 1366^), sub domino Ottemanno 10 
Scalarii milite^) magistro civium, da verdientent die, so hie- 
nach verschriben stant, ir burgrecht, als unser eitgenossen von 
Friburg^^] uns gemant hattent gen Brisach ^) uffe grafe Egen 
von Friburg und sin helffere^). — (folgen 108 Namen bis 

Bl. 125 p]. 15 

1367 [125^] Anno domini 1367, sub domino Ottmanno Scalarii 
milite magistro civium, da verdieneten die, so hie nachgeschri- 
ben stant, ir burgrecht, als unser eitgenossen von Friburg uns 

1) Dieser B. M., welcher 1375 starb und im Predigerkloster begraben 
wurde, war ein Sohn Burkhards I., des Bürgermeisters von 1325. »Der jün- 
gere« hiess er zum Unterschied von seinem Vetter, Ritter Burkhard n. »dem 
älteren«, welcher 1376 starb und im Münster begraben liegt S. Arnold Münch, 
Genealogie der Münche von Landskron (Ms , vom Verfasser mir gütigst mit- 
getheilt), und vgl. Tonjola, Basilea sepulta, S. 279, und Trouillat, Monuments 
de l'ancien 6y6ch6 de B&le, IV, S. 745. 

2) Ueber diese Schuldentilgung, im Betrage von 1100 Ib., s. die Jahr- 
rechnung des Amtsjahres 1361/2, abgedr. bei Schönberg, Finanzverhfiltnisse 
der Stadt Basel, S. 80 ff. 

3) Die »School« oder Fleischerbank lag an der Sporrengasse, gegenüber 
den Häusern No. 9 und 1 1 ; s. Fechters Top., S. 50. 

4) Unmittelbar voraus geht auf Bl. 123 — 124 das Fragment eines frü- 
heren Aufnahmsveraeichnisses, welches noch 231 Namen aufweist, und dessen 
Anfang und Aufschrift vermuthlich auf einem jetzt fehlenden Blatte stund. 
Wohl mit Recht bezieht Ochs 11, 206 dieses Verzeichniss auf die Rüstungen , 
welche im Juli 1365 gegen die Schaaren Arnolds von Cervole gemacht wurden. 

5) Ottmann Schaler war Bürgermeister vom Juni 1365 bis Juni 1366, und 
wiederum im Amtsjahr 1367/8. 

6) Mit Freiburg i. B. hatte Basel am 24. März 1356 einen Bund ge- 
schlossen, der 1360 und 1365 je auf 5 Jahre war verlängert worden; s. im 
Staats-Archiv, Stadt Urk. 1360 Juni 3, und 1365 Nov. 24. 

7) Breisach war dem Bunde von 1365 beigetreten; s. Stadt Urk. 1365 
Nov. 29. 

8) Ueber den Krieg der Stadt Freiburg mit Graf Egon VII., zu dem auch 
der nachfolgende Zug von 1367 gehört, vgl. unten den Basler Anonymus bei 
Appenwiler, z. J. 1367. 

9) Die Namen sind abgedr. bei Brückner, Merkwürdigkeiten der Land- 
schaft Basel, VI, 653 ff. 



1362—1374. 19 

gemant hattent gen Eadingen^j uff giave Egan von Friburg 
und ain helffere. — (folgen 85 Namen bis Bl 126)^). 

[126^] Anno domini 1372 feria quinta proxima ante festumia?) 
penthecosteB, sub domino Ottmanno Scalarii milite magistro 
sciviom, da verdientent die, 8o hie nacbgeschriben stant, ir 
burgrecht vor Ystein»). — (folgen 155 Namen bis Bl. 127^). 

[128] Anno domini 1373, sub domino Hannemanno dei373 
Bamstein^) milite magistro civium, verdiendent dis, so hie nach- 
geschriben stant, ir buigrecht, do man fiii Herlisheim gezogt 
Mund gevaren wolt sin^). — (folgen 37 Namen), 

[128^] Anno domini 1374, sub domino Hartmanno Roten U74 
magistTo civium <^), verdiendent dis, so hie nacbgeschriben staut, 
ir buigiecht, ak man für Brunnen gezoget waz und das ge- 
wan',. — (folgen 87 Namen bis BL 129). 

U. I>«r abrim Bftttm a«f BUtt 12d iat »ugafftllt dnrek eina npfttare AnfMieknaiig ; 
9, unten s. J. 1991. 

1) Endingen, 4 St nördlich von Fr«iburg. — Ueber die Unordnungen, 
welche zu Basel diesem Zuge vorauBgiengen, s. die Verbannungiurtheile im 
Lb. I, 31^ ff. Ueber die Niederlage vom 18. Oct , womit er endigte, 8. Ano- 
nymns bei Appenwiler a. a. O. 

2) Die Namen abgedr. bei Brückner VI, 657 ff. 

3j Istein, am Rhein, 3 St unterhalb Basel, gehörte zu den Besitzungen 
des Bischofs. — Die Ursache dieses Zuges war ein rerrfttherischer Ueberfall, 
durch welchen die Burg in Feindeshand gefallen war; s. St&dt. Urk. 1373 
Mirz 12, abgedr. bei TrouiUat lY, S. 315, sowie auch Sachs, Gesch. der Mark- 
grafen Ton Baden I, 505. Die Zeit und die Urheber dieses Ueberfalls werden 
jedoch nirgends genannt Hingegen besass nachher Basel das Schloss einige 
Jahre pfandweise Tom Bischof und hielt es besetzt; s. Stadt Urk. 1373 Juli 
2S und 1374 Dec. 12, sowie auch die Rechnungsbücher, bei Ochs II, 225. 

4) Ueber ihn s. Heusler 273. Wie alle Ramsteiner, welche zu Basel im 
Rathe sassen, so gehörte auch er nicht zum freiherrlichen, sondern zum mini- 
■terialen Zweige dieses Geschlechts. 

5) Herlisheim bei Colmar. — Ueber diesen Zug s. unten bei Appenwiler, 
Beilage TL, die Annales Pairisienses , femer Königshofen, Ausg. von Hegel 
in den Chroniken der deutschen Stftdte IX, 801. — Die Einnahme dieses 
Schlosses erfolgte durch die Els&ssischen Reichsstftdte schon am 8. Januar 
1373, noch ehe die Basler dort eintreffen konnten. 

6) Er wurde im Juni 1374 gewählt Ueber ihn s. Beitrftge zur Vaterland. 
Geschichte XI, 331, auch Heusler 273 und 277. 

7) Der erste Entwurf zu diesem Verzeiohniss ist dem Lb. I jetzt als 
Bl 154 beigebanden und hat nicht »Brunnen«, sondern »Bumen die vesti". 
Letzteres ist der deutsche Name für Bure, 1 St westl. Ton Pruntrut ; s. Trouillat, 
Monuments de Tancien 6F6ch6 de BAle, HI, S. 140. — Wurstisen, Basler Ghron., 
S. 1S6 der Ausg.ron 1580, erwShnt statt dieses Bumen oder Brunnen die Zer- 
störung Ton Pruntrut Jedenfalls aber gehört sowohl dieser als der nachfol- 
gende Zug von 1374 su der Fehde, welche die Stadt Basel in diesem Jahre mit 
Biachof Johann von Vienne zu fQhren batte ; über diese s. Wurstisen a. a. O., 

2* 



20 RathsbOcher. 

1374 [129^] Anno domini 1374, sub domino Hartmanno Boten 
magistio civium, wuident und Terdientent dise nacbgeschriben 
lüte bürgere vor Hasemburg^), als man dafür gezogen was, 
und das stettli da verbrennt wart. — (folgen 63 Namen), 

1378 [130] Anno domini 1378, sub domino Jobanni PtUiants 
Jani 22 ^^^ magistro civium ^) , feria tercia proxima ante festum 
sancti Johannis Baptiste wurdent bürgere gemacht und ver- 
dientent es dise nacbgeschriben personen, als man fiir die 
vesti Wildenstein 3) gezogen wolt sin, und aber u%eben wart, 
do man gen Muttentz ^) kam. — (folgen 189 Namen bis le 
Bl 131^)^). 

[Wyenhart] [Lb. I 129] Auuo domiui 1391, sub domino Heinrico 

^^^ Riehen milite ^) magistro civium, verdiendent dise, so hie nacb- 
geschriben stant, ir burgrecht, als si ze lantwere gen Telsperg 
geschiket würden'). — (folgen 26 Namen). is 

1392 [Lb. n 153] Anno domini 1392, sub domino Heinrico 

Riehen milite magistro civium, da verdieneten dise nacbge- 
schriben personen ir burgrecht, als si von bette wegen unsers 
herren von Straszburg^J ze schütze gen Rinowe die stat ze 

ferner Ochs II, 225 ff. und Heusler, Verfassungsgeschichte der Stadt Basel, 
S. 272 ff. 

1) Hasenburg, fransös. Asuel, 3 St. östl. yon Pnintrut. — Hans Ulrich 
von Hasenburg, der später bei Sempach fiel, erscheint unter den Ersten im 
Verseichniss der Edelleute, welche 1374 als Helfer Bischof Johanns der Stadt 
Basel absagten ; s. Lb. I, 70. 

2) Job. von Eptingen, gen. Puliant 

3) Diese Burg, 1 St. südlich von Liestal, gehörte damals noch einem 
Zweige des Geschlechts von Eptingen, der sich »von Wildenstein« nannte; 
s. hierüber K. Vischer-Merian, H. Seevogel und sein Geschlecht, S. 24 ff. — Es 
ist ungewiss, ob dieser Zug mit der Fehde susammenhieng, welche Basel 
neuerdings mit Bischof Johann hatte, und die bis zum 15. April 1379 wfihrte. 
Ueber diese Fehde s. Stftdt. Urk. 1379 Febr. 26 und April 15, femer Ochs II, 
250undTrouillatIV, 756. 

4) Ueber St. Jakob und Muttenz fahrte die Strasse nach Liestal. 

5) Die Namen abgedr. bei Brückner XV, 1771 ff. 

6) Sein Amtsjahr lief im Juni 1391 ab. Er starb 1403; s. sein Grabmal 
im Münster, im südlichen Querschiff. 

7) DeUmont oder Delsberg, im Birsthai, 7 St von Basel, war seit 1389 
durch Bischof Imer von Hamstein der Stadt Basel verpftndet; s. Trouillat 
IV, 523. — Ueber die Sachlage im Frühjahr 1391 s. Heusler 341. 

8) Friedrich von Blankenheim, Bischof von Strassburg, war 1391 — 1393 
zugleich Verweser des Bisthums Basel für den resignierenden Imer von Ram- 
stein. Ueber seine Fehde mit der Stadt Strassburg s. Königshofen, in Chron. 
d. d. Städte IX, 680 ff. 



1374—1394. 21 

behAtende geschikt wurdent ^). als det unser herre der künig^ . 
der selbe unser herre von Straszburg, der von Wirtenberg ^ 
und der marggrafe von Nidem Baden ^) ec. für die von Strasz- 
burg gesogen warent und uff die kriegetent ec. ^j . — (folgen 
& // Namen), 

[Rb. 304] Muttentz. [K.KUirut) 

Anno domini 1393, sub domino Johanne Püliando de£p-i?^ 
dngen milite magistro civium, dominica proxima post festum 
beati Martini, da zoch man usz gegen den von Krenkingen*) 

10 und irem harste, die gen Muttentz ingefallen weiten sin, da- 
selbe gewüstet und angriffen han, daz phant waz Henman 
Mumhartz unsers burgers ^, als man för war geseit hatte, daz 
si mit driuhundert pherden uf dem velde und harab gezogen 
werent. da verdieneten dise, so hie nachgeschriben stant, ir 

15 burgrecht, und wart in verlühen. — (folgen 573 Namen bis 
S, 310). 

[327J Hii sunt facti cives in Rinowe^). — (folgen 15 
Namen). 

[310] Item Michel von Hagnowe der snyder hat burgrecht 

^ verdienet gen Rinowe, als er da vier wüchen in sinem kosten 

lag ze lantwere bi den andern unsem schützen, die umb sold 

da lagent in der zit, da unser herre von Oesterrich helffer waz^} 

1) Rheinau, am Rhein, halbwegs zwischen Breiaach und StraMburg, ge- 
hörte dem Bischof Ton StraMburg; 8. Schöpflin, Alsatia illustrata, Ausg. von 
Ravenes, IV, S. 358. 

2) Wenzel hatte über Strassburg schon 1390 die Reichsacht verh&ngt ; 
w. Königah. a. a. O. 682. 

3) Graf Eberhard der Milde. 

4) Markgraf Bernhard von Baden. 

5) Die Fehde begann im Sept. 1392 und w&hrte bis zum 2. Febr. 1393; 
B. Königahofen a. a. O. 

6) Ueber die Fehde der Brflder Heinrich und Diethelm von Krenkingen 
gegen Basel s. den Schiedspruch in St&dt Urk. 1 394 Oct. 2 und 1 395 Jan. 2. 

7) Dieses Rathsglied war Pfandherr ron Muttenz seit 1389; s. Boos, 
Urkundenbuch der Landschaft Basel, 8. 497. — Ueber die früheren Namen 
des Achtbürgergeschlechtes Mumhart s. Heusler 1 40, Anm. 1 . 

8) Ueber diesen zweiten Zuzug nach Rheinau, welcher von demjenigen 
ron 1392 zu unterscheiden ist, g^bt einzig die nachfolgende Bürgeraufnahme 
rom 17. Juni 1394 Aufschluss. 

9) Mit Leopold IV., dem Sohne Leopolds IQ., hatte Basel erst am 
15. Not. 1393 ein Bündniss auf 10 Jahre geschlossen; s. Stadt. Urk. 1393 
Not. 15, im Auszug bei Ochs 11, 332. Dieser zweite Zuzug nach Rheinau er- 
folgte somit zwischen Not. 1393 und Juni 1394. 



22 Rathsbflcher.* 

wider den Diest *) und sin helffere die Ton Strassburg. juravit 
i394quaTta ante corporis Christi anno ec. 94. 

Juni 17 

[ j. Eriiard] [Rb. 329] Gomer. 

1396 Anno ec. 96, Yicnlia omnium sanctorum, sub domino Ar- 

Oct ^1 ' O ^ 7 

noldo de Berenfeils magistro civium ^) , da verdieneten dise 5 
nachgeschriben personen ir burgrecht in irem costen, als ge- 
wonlich und harkommen ist, vor Gemer^], hem Brunen von 
Ropoltzstein schlosz, von manunge wegen bede unsers herren 
hertzog Lüpoltz von Oesterrich und der von Straszbui^^), zu 
den wir dazümol verbunden waren, und hatten 30 spiesse^} 10 
vor dem egenanten schlösse bi den von Straszburg^^) ligende. 
aber disz nachgeschriben und ander unser f&sfolk erwunden, 
daz si nüt vollzugent, zwuschent Brisach und B&ssesshein^, 
als in da geseit wart und widerbotten, die sach were gerichtet. 
— (f^^9^^ ^^ Namen), ts 

[313] Gemer. 

1403 Anno millesimo quadringentesimo tercio, under her Arnold 
von Berenvels ritter burgermeister, wurdent dis nachgeschri- 
ben personen burger, als man fiir Gemer zoche^) wider den 

16. Di« üebersehrift TOn J. von Biagens Hand. 

1) Wilhelm von Diest, der nach der im Jtili 1393 erfolgten Fhicht 
Friedrichs yon Blankenheim sich um das Bisthum Strassburg bewarb, hatte 
die Stadt auf seiner Seite und bekftmpfte den Gegenbischof Burkhard Ton 
Lütselstein, für welchen Oestreich Partei nahm. S. Königshofen S. 696, 
sammt der Fortsetzung S. 1062. 

2) Ein Sohn des 1384 verbannten und 1386 bei Sempach ge&Uenen Alt- 
bürgermeisters Lütold Y. B.; s. Boos, Urkundenb., S. 483. Er starb 1414; 
s. Jahrrechnung von 1414, S. 174. 

3) G^emar, 2 St nördl. von Colmar. — Ueber diesen Zug s. Königshofen 
S. 685 und 789. 

4) Mit Strassburg hatte Basel im Juni d. J. ein Bündniss auf 3 Jahre ge- 
schlossen, welches sp&ter mehrmals erneuert wurde; s. St&dt Urk. 1396 
Juni 12. — Ueber den Bund mit Oestreich s. oben S. 21 Anm. 9. 

5) Diese Zahl entsprach dem Vertrage vom 12. Juni. Da zu jedem Spies« 
in der Regel 5 Reisige und 15 Fussknechte gehörten, so mochte dieser Zuzug 
600 Mann zAhlen. Vgl. hierüber unten z. J. 1424 den Bericht über den Zug 
gegen Mühlburg, S. 29. 

6) Strassburg war schon am 15. Oct ausgezogen; s. die Strassburger 
Fortsetzung zu Königshofen, in Mone's Quellensammlung zur Oesch. des 
Badischen Landes, UI, 511. 

7) Biesheim, am linken Rheinufer, unterhalb Breisach. 

8) Ueber diesen Zug, auf welchem Oemar am 6. April eingenommen 
wurde, s. die Röteler Fortsetzung zu Königshofen, in der Basler Hs. EI 1, 
Bl. 173, und eine Notiz bei Adelberg Meyer, Bl31b im Cod. DU 1 des Baaler 



1394—1406. 23 

marggraffen von Nidern Raden >). — (folgen 145 Namen bis * 
S. 315), 

[Rb. 289] Anno ec. quadringentesimo sexto. iBiwMti 

Pfeffingen. 

» Anno prescripio, aexta ante Martini^), sab domino Arnolde i406 
de Beienfeils militi et magistro civium , do verdienetent dise ^^''' ^ 
nachgeschiibenen personen ir buigrecht vor PhefBngen'), als 
man uff giaff Beinharten und graff Haussen von Tierstein ge- 
brAdere^) gesogen was, umb das si in dem kri^e, den si 

!• hattent mit unser frouwen die hertzogin von Oesterrich ^) , land 
und lüte umb uns gelegen schedigetent^ in dem si swene knehte 
in unser banmile viengent, die der hertzogin worent, und uns 
damitte kouffe und merkt nidei^eleit hattent. welle aber usser 
den diin amptem Liestal, Waidenburg, Homberg hie nachge- 

»schriben stand <^), den ist daz burgrecht nüt verluhen. — (fol- 
gen 564 Namen bie S. 297). 

3. Ib Hs. folgen auf »ieztoc tnnloliBt 2 Bftvgeranfbftlimen dareh Kaof. 

Kirehenarchivs. — Was Wurstisen 204 und Ochs m, 21 Ton diesem Zuge 
beriehten, beruht cum Theil auf Verwechslung mit der Eroberung Gemars 
Tom 11. Not. 1400, bei welcher Basel jedoch nicht betheiligt war. Ueber 
letztere s. Königshofen 789. 

1) Markgraf Bernhard von Baden hatte kurs vorher Ton Sehmassmann 
von Rappoltstein, dem Sohne Brunos, einen Antheil an Gemar erworben. 

2) Auf diesen Tag geschah der Ausxug, aber schon folgenden Tags die 
Heimkehr, nachdem ein Vertrag war geschlossen worden; s. die Röteler 
FortseUung, Bl. 174, und Stfidt Urk. 1406 Nov. 6. 

3] Ueber das Schloss Pfeffingen, 2 St südlich von Basel, s. Basler Jahr- 
buch f&r 1882, S. 40 ff. 

4) Von ihrem Vater Walraff dem jüngeren, der 1386 bei Sempach fiel, 
hatten Bernhard und Hans die Stammburg Tierstein geerbt. Pfeffingen aber 
besassen sie seit 1403, d. h. seit dem Tode Walraffs des. Alteren, mit welchem 
die alte Pfeffinger-Linie des Hauses Tierstein erlosch; s. B.Jahrbuch 1882, 
S.42. 

5) Katharina, die Tochter Philipps des Kühnen von Burgund, hatte 1393 
bei ihrer Vermahlung mit Leopold IV. von Oestreich als Leibgeding den Sund- 
gau erhalten. Ihr Gemahl lebte seit Juni 1406 in Oestreich, wo er als Vor- 
mund seines Vetters Albrecht, des späteren Königs, regierte und am 8. Juni 
1411 starb. — Ueber die Ursache der Fehde zwischen Tierstein und Oestreich 
I. R6teler Fortsetsung a. a. O. 

6) Diese 3 Aemter hatte Basel 1400 von Bischof Humbert von Neuen- 
bürg gekauft ; s. Boos, Urkundenb., S. 589 ff. — Unter den bei diesem Zuge 
auij^nommenen Bürgern finden sich, soweit ihre Herkunft bemerkt ist, nur 
10 aus diesen Aemtem. 



24 Rathsbacher. 

[Kiiwart] [Rb. 74] Von des nüwen kleinen ingesigels 

wegen. 

Es ist ze wissend, das in dem jare da man zaltte von 
Crists gebürte viertzehenhundert und acht, an dem sams- 

1408 tag vor aller heiligen tag, under hem Amolt von Berenfeils & 
ritter burgenneister , der r&ten ze Basel klein ingesigeP), das 
ein stattschriber von der stette wegen by im treit^) und man 
nempt sigillum secretum, nüwe gemäht und uszbereit, und das 
alte zerschlagen und gesmeltzet wart in gegenwürtikeit 60 tz- 
man Roten des achtburgers % Johans Ziegelers des Wechslers *) 10 
und Conratz von Konszhein des stattschribers^}, die als hotten 
Yon den rAten dazu geordnet worent. 

(üDbekaDot] [Rb. 269] Ystein. 

1409 Anno domini 1409, ipsa die beati Martini episcopi hye- 
^^^'^^malis<^), wurdent beide vestinen Istein, die under und die 15 

obere, gewunnen^), und dise nachgeschribenen personen vor 
den selben vestinen burger gemacht. — {folgen S85 Namen 

bü S, 276) 8). 

[suinegker] [Rb. 343] Fur 8 toustei u, Nuwenstein, 

Blawenstein. 20 

Uli Anno ec. 1412 o), feria quarta post nativitatis Christi, un- 
der hem Amolt von Berenfeils ritter burgermeister , Henman 

7. »Ton der >t«tt« wagen« ist tob tpftterer Hand, »uf aomdlerter Stelle. 13. 19. Die 
Uebencbrift Ton J. toh Bingens Hand. 

1) Ueber dieses Sekretsiegel 8. Heusler 507, wo als No. 3 und 4 auch 
Abbildungen des alten und des neuen Siegels gegeben sind. 

2) Berlinger, der um 1545 diese Notis abschrieb, Ändert diese Stelle in: 
»das ein burgermeister yetz by im treitf*. S. seine Zus&tse am Rande der ge- 
druckten Clm>nik Etterlins, auf Bl. 61 des Cod. A X IV 14 der Basler Unirer- 
sit&tsbibliothek. 

3) Der sp&tere Oberstsunftmeister ; über ihn B.Beitrftge XI, 332 und 342. 

4) Er war Rathsherr der Hausgenossensunft ; 8. die Rathsbesatzungen 
bei Schönberg, FinansTerhfiltnisse S. 774. 

5) Konrad Kilwart von Kiensheim ; s. unten Beilage II über die Stadt- 
schreiber. 

6) Hyemalis heisst hier der 1 1 . Nov. zum Unterschied von der Translatio 
S. Martini am 4. Juli. 

7) Vom obem Schlosse, auf dem Felsen oder Klotz, sind die Trümmer 
noch vorhanden. Das untere Schloss aber lag yermuthlich am Fuss des Fel- 
sens, d. h. hart am Rheine, wo jetzt die Strasse Torbeiführt. Das jetiige 
Schloss, neben dem Dorfe Istein, stammt erst aus sp&terer Zeit Ueber die 
Einnahme beider Schlösser s. Näheres im Anonymus bei Appenwiler, z.J. 1409. 

8) Die Namen abgedr. bei Brückner, VI, 662 ff. 

9) Als Jahresanfang galt Weihnachten. 



1408--1415. 25 

Böchpart ammanmeister*) zugent wir usz für Blawenstein ^), 
Ton manunge wegen der hochgebornen fursüii frawe Katherinen 
Yon Burgiinden hertzogin ze Oesterrich, zu der wir verbunden 
warent^], und dazu des selben tages ungebetten und ungemant 

sfur die zwo vestinen Furstenstein ^) und Nuwenstein^), wand 
ir lüte usz den selben zweyen vestinen von iren vigenden ouch 
geschediget worent worden, und hattent uns in drie hüffen 
geteilt, mit den die vorgenant drie vestin beiigen und in syben Uk2 
tagen alle drie gewunnen^), verbrennet und darnoch geslissen 

lowurdent^). und wart gericht mit dem swert von den, die in 
den zweyen vestinen Furstenstein und Nuwenstein begriffen 
wurdent^). uff Blawenstein ward niemand begriffen, wand sy 
nachtes flüchtlich darvon kament. in den selben zogen sint 
burger worden die, so hie nochgeschriben stand. — {folgen 

u 454 Namen bis S, 350). 

[Rb. 352] Seckingen, Tbann und Ensishein. [j.T.Bingen] 

Anno ec. quadringentesimo quinto decimo, vigilia ascen-J^is 

sionis domini, sind dis nachgeschriben, von anr&ffung und ma- 

nung wegen ünsers allergnädigosten herren des Romschen 

2ftkunig8, so er uns geton hat wider hertzog Friderichen von 

Oesterrich, umb sach die heilige Cristanheit antreffend^), vor 

15. 6. 951 laer. 

t) Ueber das zweite Ammeisterthum, von 1410 — 1417, b. Heusler 279 
und 285 ff. 

2) Blauenstein, auf der Nordseite des Jura-Blauen, rmschen Metserlen 
und Mariastein, war von Hans von Blauenstein, dem Letzten seines Stam- 
mes, an dessen Neffen Rudolf von Neuenstein gefaUen, und zwar erst nach 
1400; 8. Trouillat lY, S. 867. 

3) Katharina, verwittwet seit Juni 1411, hatte am 17. Dee. d. J. mit 
Basel eis Bflndniss auf 3 Jahre geschlossen; s. St&dt. Urk. 1411 Dec. 17, im 
Auszug bei Ochs in, 88 ff. — Ueber ihre Fehde mit Rudolf von Neuenstein 
und Heinrich ze Rin, gegen welche dieser Zug unternommen wurde, s. Röteler 
Fortsetzung, Bl. 105b. 

4) Fflrstenstein, oberhalb Ettingen, liegt 1 St. östlich von Blauenstein. 
Ueber dieses Schloss s. Röteler Forts, a. a. O. 

5) Diese Stammburg Rudolfs von Neuenstein lag 1 St. südlich von 
Laufen. Das Geschlecht, das sich nach ihr nannte, stammte aus Basel und 
hiess bis zu Anfang des 14. Jahrhunderts »zem Kommarkt«; s. Matthias 
von Neuenburg, Ausg. von Studer, S. 8. 

6) Bis zum 5. Januar 1412; s. Röteler Forts. — Die Basler hatten 18 
Verwundete ; s. die Rechnungsbücher, bei Ochs III, 94. 

7) Der Abbruch geschah erst im Februar ; s. Röteler Forts. 

8) Ueber diese Hinrichtung s. ebend. 

9) Ueber Herzog Friedrichs Aechtung durch König Sigismund s. Ano- 
nymus bei Appenwiler, femer Röteler Fortsetzung, Bl. 177*» ff. — Ueber des 



26 Ratiubflcher. 

Seckingen^), vor Tann und vor Ensishein ^), dahin wir gezogen 
woren, burger worden und ir burgrecht vor den selben drin 
Blossen in irem eigenen kosten und harnesch verdienet^). — 
(folgen 163 Namen bis S. 3Öö). 

[j T. Bingen] [Rufb. I 56] Hieuach ist geschriben, wer unsrerstatd& 

früntschaft getan hat. 

Thelsperg : 
1417 Anno ec. 1417 secunda post Uodalrici episcopi verbrant 
unser ober statd ^) von Manheits badstub ^) üfhin gen Eschemer- 
thor<^), und des umbehin an daz münster, und des durchuss- lo 
hin die vorstat sant Alban und das closter sant Alban gerwei 
uszgenommen allein die kilch sant Alban ^ und wol vier huser 
in der vorstat, die nit schindelnzschopfe hettent und mit siegeln 
getecket worent^). und waz der summe der huser bi 250 hof- 
stette. darumbe schicketent die von Thelsperg^] ir botschaft i5 

Königs Mahnungen an Basel, deren letzte am 22. April erfolgte, 8. Ochs 
ra, 107 ff. 

1) Ueber diesen erfolglosen Zug s. Röteler Forts., Bl. 178. 

2) Tann und EnsiBheisii beide 3 bis 4 St nördL und wesü. von Mül- 
hausen, wurden durch das Reichsheer eingenonunen, welches von Pfalzgraf 
Ludwig m. geführt wurde, und su welchem auch ein Zuzug von Basel erfolgte; 
8. die Deutsche Colmarer Chronik, Ausg. von A. Bemoulli, 8. 19. — In Tann 
blieb eine Besatzung von Baslem, unter Hug zer Sunnen ; 8. die Rechnungsb. 
beiOch8in, 112. 

3] Diese Schlussworte entsprechen den Bestimmungen, welche die neue, 
in diesem Jahr erlassene Ordnung für die Erlangung des Bürgerrechts auf- 
stellte. Siehe diese Ordnung von 1415 (ohne Tagesdatum) im Kl. Weissb. 72, 
auch bei Ochs HI, 106. 

4) »Obere Stadt« heissen hier die östlichen Stadttheile im (Gegensatz zu 
den westlichen, weil die Hauptverkehrsader, die Freie Strasse, von West nach 
Osten steigt — Ueber diesen Brand vgl. das nachfolgende Fragment aus dem 
Liber Div. Rerum«. femer Röteler Forts. Bl. 176*» und Justingera Bemer- 
chronik, Ausg. von Studer, S. 284. 

5) Vgl. unten aus Lib. Div. Renun : zer Thannen ob Manheits batstuben. 

— Das Haus zur Tanne, in dessen Erdgeschoss sich diese Badstube befand, 
war vermuthlich das jetzige No. 6 am BarfÜsserplatz (früher No. 1095), welches 
noch im Adressbuch von 1834 als »Baderbehausung« encheint. 

6) Das innere Aeschenthor, zwischen Steinenberg und St Albangraben. 

— Die Aeschenvorstadt hatte schon 1414 ein grosser Brand verheert; s. 
Nikiaus Gterungs Fortsetzung zu Martinus Minorita. Bl. 164, in der Basler 
Hs.DIV, 10. 

7) Auch der Kreuzgang, um 1 1 00 erbaut, steht theilweise noch jetzt 

8) Erst nach diesem Brande wurden ZiegeldScher nach und nach allge- 
mein. Die »Schöpfetr, d. h. weit vorstehende Dfteher, waren schon Torher ver- 
boten worden, jedoch umsonst ; s. Rufbuch I, Bl. 6. 

9) Diese Stadt war 1397 selber von einem Brande verheert worden und 



1417-1421. 27 

EU uns und clagtent uns umbe unsem schaden getruwelich ^) 
und' gabent uns einen wald, den si wol hundert jar erzogen 
hattent, gelegen bi Sogem^), und rumptent uns dassü einen 
w^ und erzöugtent uns grosse fnintschaft, der wir billich an- 
sgedenckig sin sAllent. 

[Bufb.l9d] Hienach geschriben ist, wer der statd [j.T.Bmg«ii) 
unfrüntschaft getan und ertzAuget hat. 

Brisach : 
Anno ec. 17 hant die von Brisach Henman zem Nowenui? 
lodern crSmer unserm burger 30 gl. wert spetzerie genommen, 
umbe daz er ein zu dein gewichte solte haben, darumbe wir 
inen ettwie dick geschriben und sy gebetten hant im zu ke- 
rende. daz sy aber nit t&n noch uns eren wöltent. 

[Div. Rer. 1^] Anno ec. 1417 üf mentag nach Uodalrici[J.T. Bingen] 
»episcopi, umbe vier stunden nach mittemtage, gieng für U8Zji{i5 
zer Thannen^) ob Manheitz batstuben. und verbran die gasse 
oben uszhin zer Hinden^) und Schaltenbrantz hus^), die strasz 
abehar untz zu der Moler Stuben <^), hindenusz untz an des 
custers hof ^), und uf der ander siten ^) . . . . 

» [Div. Rer. 128^] Bussen. [J.T.Bing«] 

Item notandum, daz wir des ersten anno ec. 1421 Laurencii t42i 

▲ng. 10 

hatte seit 1407 mit Basel ein ewiges Burgrecht; 8. Wurstisen 13 und Trouillat 
V, 725. 

1 ) Weitere Beileidsbezeugungen s. in der Beilage VI. 

2) Soy^res, an der Birs, 1 St. von Delsberg. 

3) lieber dieses Haus s. oben S. 26 Anm. 5. 

4^ D. h. das Feuer verbreitete sich, vom BarfQsserplats ausgehend, durch 
die Streitgasse hinan bis zur Freien Strasse, wo das Eckhaus rechts, jetzt 
No. 66, einst dem Geschlechte »zer Chinden« gehört hatte ; s. Fechters Top. 36. 
Dieser Name blieb zwar dem Hause, wurde jedoch im Laufe der Zeit entstellt 
in >ser Hinden« oder »zer Hindin«, woraus sp&ter sogar »zur Hündin« wurde. 

5) Dieses Geschlecht, welches dem Hause No. 81 an der Freien Strasse 
den Namen gab, erlosch 1462 mit dem Kaplan Hans Schaltenbrand; s. 
Wurstisen 237 und Trouillat V, 828. 

6; Die Freie Strasse hinab bis zum Zunfthause der Maler »zum Him- 
mel«, jetzt No. 33. 

7) Die Wohnung des Domcustos lag jedenfalls am Münsterplatze; doch 
Termag ich das Haus nicht nachzuweisen. 

8) Auf diesen unvollendeten Satz folgt im Lib. Div. B«rum ein Verzeich- 
niss der Herren und Städte, welche durch Gesandtschaften oder Briefe ihr 
Beileid bezeugten, und das.wir als Beilage VI folgen lassen. 



28 Rathsbücher. 

10 spiesz an die Hassen schicke tent ^). da waz her Burchart 
ze Rine^) hAptman. und hat der houptman fünf pherd, gab 
man im zwivaltigen solt, als fiir 2 spiesz, und hat dazu 9 ander 
spies. warent zehen gleven zesamnien, und gab man für 11 
gleven solt, yegklichem zem tage 1 Y2 S^* ^ ^^^ ^^^ abrang 5 
und habe; denn allein versprach man dem houptman fiir sin 
big Ende oci. habe, woreut usz 81 tag. geburt iegklichem 12IV2 S^- ^^ 
81 tage, tett zesammen 1336V2 gl-; ^^^ ^^^ d^f andern spiessen 
einer 4 pherde^ waz zesamen 41 phert^]. 



(J.V.Bingen] [Div. Rer. 32] Die reise in des marggraven land lo 

von Baden*). 

Es ist ze wissende: als der durchlüchtige hochgeborn 
furste hertzog Ludewig von Peyem der phaltzgrave by Rine ^] 
ec, die von Strazburg, die richsstette in Eilsasz obwendig 
Strazburg gelegen, dazu die drie stette in Briszgow, Friburg, i& 
Brisach und Endingen ^), und ouch wir in e]munge mit ein- 
ander worent''), und der selbe hertzog Ludewig mit dem hoch- 
gebomen herren dem marggraven von Baden ^) ze kriege kam^), 

1 ) Ueber diesen Zug s. Anonymus bei Appenwiler, auch Röteler Forts. 
BL 182b; femer Albert Burckhardt, im B. Jahrbuch 1884, 8. 260 ff. 

2) Er starb 1432 als BCLrgermeister; s. Jahrrechnungsb. III, 61. 

3) Zum Feldzuge von 1422 leistete Basel nur einen Geldbeitrag; s. Ochs 
a. a. O. und Heusler 314. — Ueber den Zug von 1431 s. unten. 

4) Das Rothbuch gibt 8. 279 und 284, bei Anlass der Bürgeraufhahmen 
auf den Zügen nach Mühlburg und Hirsingen, aus diesem Berichte twei Aus- 
züge, von welchen nur der zweite einige wenige Ergänzungen bietet, und diese 
geben wir in unserem Text in Klammem. Diese zwei Auszüge im Rh. sind 
von der Hand des 8tadt8chreibers Steinegker. 

5) Ludwig III. der Bärtige, Sohn König Ruprechts, war seit 1408 
Reichsvogt im Elsass; s. Schöpflin-Ravenez V, 562. Den Herzogstitel 
führte er wie alle Glieder des bairischen Fürstenhauses. 

6) Diese sonst östreichischen Städte im Breisgau waren seit 1415 reichs- 
frei, d. L seit der Aechtung Herzog Friedrichs, und kamen erst 1426 wieder 
an Oestreich; s. Lichnowsky, Gesch. d. Hauses Habsburg V, Reg. No. 2393/95. 

7) Dem Bündnisse Basels mit Strassburg. das seit 1396 je und je war 
verlängert worden, hatten sich am 3. Oct. 1422 die oben erwähnten Städte im 
Elsass und Breisgau auf 5 Jahre angeschlossen; diesem Bunde war 1423 Pfalz- 
graf Ludwig beigetreten, und am 6. April 1424 auch Katharina von Oestreich. 
S. Stadt. Urk. 1422 Oct. 3. 1423 Juli 30 und 1424 April 6, im Auszug bei 
OchsIU, 137 ff. 

8) Markgraf Bernhard; s. oben S. 21, Anm. 4. 

9) Ueber die Ursachen dieses Krieges vgL Röteler Forts. Bl. 106^, 



1424. 29 

von sach wegen daz hertzog Ludewig meinde, der marggrave 
von Baden hette erber lüte üf des frien Hins ström und lin- 
phat nidergeworffen, daz ire genommen, sy gestScket und ge- 
schetzet umbe grosz g&t, über daz er daz nit tun sAlte, und 

sdch solicbs mit dem selben herren hertzog Ludewigen und 
dem bischof von Spir ^) nit ze tünde verschriben hatte, ob sin 
vigende joch den Rin bruchtent. darumbe die obgenanten 
stette von hertzog Ludewigen gemant wurdent, und ein anslag 
beschach, wie im die stette hilfflich sin sölten^). 

10 Und also widerSeiten hertzog Ludewig und die stette dem 1424 
marggrayen, üf domstag vor dem heiligen phingstage») anno'"'« 
domini 1424, und überzügent den marggraven. und zugent 
wir usz, üf den phingstobent^] des selben jares, mit fönftzig jani 10 
gleven, da iegklich gleve fünf pherde hat, und achtehalphun- 

isdert gesellen ze f&s; den wir allen sold gabent^), mitnammen 
jedem spiesz üf drü pherde einen güldin, und üf die übrigen 
nach dem antzal, und yedem füszknecht 4 s., und der ein 
armbrost trüg, 4 phennig me. und wer under den füsganden 
burgrecht verdienen wolte, dem gab mim 14 tage dheinen sold; 

ao damitte verdiende er sin burgrecht, und darnach gab man im 
sinen sold als andern, und zugent des ersten in daz Bris^ow 
zu den obgenanten drin stetten und brantent Eymottingen ^j , (Jnni 12) 
da der marg^raff ein statd machen wolte^), und nament 

ferner die Strassburger Archivchronik im Code historique de Strasbourg II, 
148, auch Schreiber, Urkundenb. d. Stadt Freiburg i. B., II, S. 314 ff. -< Ueber 
die ganze Fehde 8. Schreiber, Oesch. d. Stadt Freiburg HI, 81 E 

1) Baban von Hebnstadt, Bischof seit 1396, wurde 1430 Enbisohof 
Ton Trier. 

2] S. Schreiber, Urkundenb. II, S. 3!{8— 331. 

3) S. dieAbsagbriefe Strassburgs und des Pfalzgrafen in Schreibers Urk. 
II, 8. 331-332. 

4) Das Datum »phingsttagv, wie die Abschrift im Rh. 279 hat, ist jeden- 
falls ungenau; b. Schreibers Urk. n, S. 329. 

5j S. hierüber die VerzeichniBse im St. A., im Sammelband St. 91 (11), 
S. 14—82 und 145 -192. — Die Namen der Reisigen bei Wurstisen 243 stim- 
men nicht TöUig mit diesen Listen. 

6) Emmendingen, 2 St. nördlich Ton Freiburg, gehörte zur Herrschaft 
Hochberg, welche Markgraf Bernhard 1415 gekauft hatte; b. Röteler Forts. 
BL 106. Für die angreifenden Städte war dieser Ort die nächstgelegene Be- 
sitzung des Markgrafen, und deshalb hatten die Verbündeten schon zum 
Voraus f&r den Pfingstmontag (12. Juni) die Zerstörung von Emmendingen 
und seiner noch im Bau begriffenen Mauern in Aussicht genommen ; s. Schrei- 
ber, Urkundenb. II, S. 330. 

7) Schon 1418 hatte er von König Sigismund fOr Emmendingen das 
Marktrecht erlangt ; s. Sachs, Gesch. von Baden II, S. 255. 



30 RathsbQcher. 

Uiringen^) und ander doiffer in eid, und Eugent des abehin 
fÜTsich in des marggrafen land^). und slügent sich des fiir 
(jani 24) Mülenberg ^j und gewünent das in solicher mosse^), daz der 
bisehof yon Kftln, der bischof Yon Wirtzburg und der von 
(Jvii 8) Hohenloch ^) ein richtunge traffent^) : daz der jung marggraff» 
von Baden ^) manne wart des obgenanten herren hertzog Lude- 
wigs und empfing Graben^] daz slosz von im ze lehen. und 
gab man Reinharten von Renichingen ®}y der daz selb slosz 
Graben in dem selben getrusch, und ee der krieg tifgieng, 
mit andern understünd und daz ouch gewunnen hat, 4000 lo 
guldin dafür, das er von sinen Sachen stünt. und wenn daz 
were, daz der jung marggraff hertzog Ludewigs ma^ne nit me 
sin wölte, so sölte er im funftzehenthusent güldin geben, und 
möchte der manschaft damitte lidig sin. doch meint man, der 
marggraff mfls hertzog Ludewigen furer tAn. davon [32^] mochte i& 
aber unser botschaft, so daby worent, nit ze wissende werden. 
Also sint die stette im Briszgow gerichtet ^% daz inen die 
vier dörffer Hochstatt, Lüsselnhein, Achtkarn und Rümsingen < *) 

13. Hb. : fÜDfts^bentusent corrig. vu : «ibentzehentlinseBt. 

1) Ihringen bei Breiiach, nebst 3 andern Dörfern am Fuss des Kaiser- 
stuhh ; s. Schreiber, Urkundenb. U, S. 346. 

2) D. h. auB der Herrschaft Hochberg zogen die Basier mit den breia- 
gauiBchen St&dten rheinabwärts, über neutralea Gebiet, in die Markgrafschaft 
Baden, wo sie am 20. Juni bei Neuburgweier (zwischen Rastatt und Mühl- 
burg] mit dem Heere des Pfalzgrafen und der übrigen Verbündeten sich ver- 
einigten. S. die Briefe der Freiburger Hauptleute, vom 19. und 23. Juni, in 
Schreibers Urkundenb. 11, S. 334 ff. 

3) Die Belagerung von Mühlburg (westlich von Karlsruhe) begann am 
24. Juni ; s. Schreiber a. a. 0., S. 337. 

4) Das Schloss wurde keineswegs eingenommen, sondern die Belagerung 
endigte mit dem Friedensschluss vom 3. Juli ; s. Röteler Forts, a. a. O. 

5} Erzbischof Dietrich von Köln , Bischof Johann von Würzburg und 
Graf Albrecht von Hohenlohe. Die beiden Letzteren kamen im Auftrage 
König Sigismunds; 8. die Briefe der fireib. Hauptleute a. a. O., S. 334. 

6) Der Friedensschluss erfolgte am 3. Juli. Mit jedem der verbündeten 
Gegner des Markgrafen wurde ein besonderer Vertrag abgeschlossen, lieber 
denjenigen mit Ludwig von der Pfalz s. Sachs, Gesch. von Baden U, S. 306 
und 309. 

7) Jakob, Markgraf Bernhards Sohn, geb. 1407, folgte diesem 1431 in 
der Regierung; s. Sachs, Gesch. von Baden U, 305 ff. 

8) Graben, zwischen Bruchsal und Germersheim. 

9) Sollte vielleicht heissen : Heinrich von Remchingen. S. den Vergleich 
des Markgrafen mit den Gebrüdem Hans und Heinrich v. R., vom 4. Sept 
1426, bei Sachs U, 280. 

10) Den Friedensvertrag des Markgrafen mit den Städten im Breisgau, 
vom 3. Juli, s. bei Schreiber, Urk. U, S. 340 ff. 

11) Hochstetten, Leiselheim, Achkarren und Rimsingen, alle 4 Dörfer 



1424. 31 

gekert werden s611eiit, und sollent die innhaben 6 jare nach 
der nuMsen, als man vor in tedinge was. dazu sol der marg- 
giaff den iren keren. w61te sich aber yemand in der kerunge 
übergriffen, des sol man kommen zu eim gemeinen mit eim 

5 glichen süsatz, nemlich üf der einen in unser richtung be- 
griffen, und waz der maiggraff inen zoUes abegenommen hat, 
der ist hin, und sol darumbe nit kerung tun; aber er sol 
hynnanthin den zol nit me nemmen. und wenn die sehs jare 
furkomment, bedunckt denn den marggraffen recht zu den ob- 

10 genanten vier dörffern ze haben, daz mager suchen^), er sol 
ouch den iren daz dorff Thonsel, den er daz mit gewalt vor- 
hatte, keren one furwoite. 

So sint wir die von Basel mit dem marggraven gerichtet^) 
üf einen gemeinen mit eim glichen züsatz, nach sage eins 

u riehtungbriefes, den wir band, darinn die gemeinen genempt 
sint, der wir einen nemmen mögent. also, hab der marggraff 
der sach halp widerumbe zu uns ze sprechen, m6ge er vor 
den selben gemeinen ouch tun, als daz der selb richtungbrieff 
eigentlicher wiset ec. 

Strazburg. 

2d Und ist ze wissende: als die unsem in des marggraffen 
land logent, daz sy kost nit als yöUeclich ein zyt haben moch- 
tent, ab sy denn notdürftig gewesen werent'j, und daz da 
unser fründ und eydgenossen von Strazburg üf die zyt win 
nnd ander kost im velde by inen gnüg hattent^). also rittent 

2s unser houptlüte zu der von Strazburg houptlüten in ire gezelt 
und botent die, inen und den unsem, so im velde worent, 
win und kost ze gebende umbe gelt, umbe ere oder umbe 
sust, oder solichs ze lihende. denen nützit darinn gelangen 
mochte, daz worent die unsem; und m&stent also ettwaz zites 

36 mangel haben, und daz me waz : dieselben unser fründe von 
Strazburg gobent menglichem umbe sin gelt win und brott, 
der nit von Basel was. aber wer sich von Basel nampte, dem 

nahe bei Breisach. Achkarren war Mitte Juni von den Markgr&fischen ver- 
hrannt worden ; s. Schreiber, Urk. II, S. 333. 

1) Der nachfolgende Artikel, das Dorf Thunsel (4 St. südlich von Frei- 
biug) betreffend findet sich nicht in der Urkunde bei Schreiber a. a. O. 

2) Den FriedensTertrag mit Basel s. Stftdt. Urk. 1424 Juli 3, im Auszug 
bei Ochs lU, 147. 

3] Ueber denselben Mangel bei den Freiburgem s. Schreiber, Urk. II, 
S. 337. 

4) Ueber die reichliche Ausrüstung der Stiassburger s. die Archfv- 
Chronik im Code bist. II, 148, und Schreiber a. a. O., S. 334. 



32 Rathsbüeher. 

gab man weder umbe ere noch umbe gelt nützit^). und hat- 
tent ein sundei froge dar&f, wer üt wolle, den frogetent ir 
uszgeber: »wannen bistufa nampte er sich denn von Basel, 
sprach der uszgeber : »ich gib dir nützit.« das den unsern doch 
swer waz angelegen, als das nit unbillich was, nachdemm wir & 
und die unsern uns des zu inen nit versehen hattent; sy het- 
tent sich anders an solichen Sachen bas versorget, ee sy in 
daz velt kament ec. 

Schalen. 
Da nu der krieg in vorgeschribener wise durch die ob- lo 
genanten herren den bischof von Köln, den bischof von Wirtz- 
bürg und den von Hohenloch gerichtet wart, in dem was [her 
Ludewig] der herre von Schalen^] der printz von Oreng dem 
selben herren dem marggrafen ze hilff, als er demme meinde 
büntlich sin [und sich euch an solich richtunge nit keren 15 
wolte], harusz von Welschen landen gezogen fiir Befort und 
Tattenriet^), wol mit achtzehenhundert [33] pherden [als man 
Seite], und lag da by den acht tagen ^). also mante die hoch- 
gebome förstinn frow Katherine von Burgundien hertzogin ze 
Oesterrich ec, der die selben slosse zügehorten, uns die von 20 
Basel, nachdem sy ouck in der büntnisse und in unsern teil 
genommen was^), ir darinn hilf lieh ze sinde, die Walchen ze 

Juli 8 vertribende. also beschribent wir und manntent die von Straz- 
bürg, die richstette in Eilsaz und die stette im Briszgow, zu 
ziehende ^) . und zügent wir usz mit gantzer macht uf den 25 

Juli 11 obgenanten printzen, üf zinstag vor keyser Heinrichs tag anno 

1) Laut WuTBtisen 243 entstand hieraus ein solcher Streit, daas Pfalz- 
graf Ludwig vermitteln musste. 

2] Ludwig von Ch&lons- Arlay , Fürst von Orange. Das Fürstenthum 
Orange hatte sein Vater Johann (f 1418) durch Heirath ererht. Er selbst aber 
hatte durch seine Heirath mit Johanna, einer Tochter des letzten Grafen von 
Montb61iard, die Herrschaften Grandson, Orbe und EchaUens erworben. 

3) Delle, sQdlich von Beifort, jetzt an der französisch-Bchweizerischen 
Grenze, gehörte gleich letzterem zum Gebiete der Herzogin Katharina, war 
aber damals yerpföndet an Rudolf v. Ramstein; s. die Urk. von 1421 bei Boos, 
Urkundenb. S. 723. — lieber Gh&lons Rüstungen und bevorstehenden Einfall 
hatte der sp&tere Bürgermeister Arnold von Rotberg, damals Ostreich. Vogt 
zu Altkirch, schon am 19. Juni dem Rath von Basel geschrieben; s. St. A., 
Briefe Bd. II, sowie auch den Brief Basels an Freiburg vom 24. Juni, in 
Schreibers Urk. 11, S. 338. 

4) Ueber die Belagerung von Beifort s. die Briefe Basels an Freiburg, 
und des Ostreich. Landvogts zu Ensisheim an Breisach, beide vom 8. Juli, in 
Schreibers Urk. II, S. 351 ff. 

5) S. oben S. 28, Anm. 7. 

6) S. den Brief Basels an Freiburg, vom 8. Juli, a. a. 0. 



1424. 33 

prescripto, gen Hirsingen^) [und lagert da zwfi nacht] ^). und 
als die iinsem, so dort nidenan in des mai^grafen land logent, 
am harüfziehende worent, beschribent wir die houptlüte, daz 
«y xä den unsem ziigent gen Hirsingen, daz sy euch totent 

5 und ze Brisach überslügent und zesammen koment. in demme(Jaii i2) 
und wir also uszzugent, da brach der printz von Oreng ftff(jaii lo) 
und zoch abe und hindersich, nacht und tag, wider hein^). 
also zugent die unsem und menglich wider hein, fif keyser 
Heinrichs tag anno ec. 1424^]. Jqü 13 

10 Also worent der unsern, so in des marggrafen land worent, 
houptlüte: nemlich des reisegen Tolkes her Hurckart ze Rine 
ritter unser alter burgermeister ^} , und des föszvolkes Baltazar 
Rote und Eberhart Ziegeler ^). banerherre was Heinrich von 
Bisel, und Engelfrit Scherrer waz des gezüges halp ze versor- 

15 gende hinabe geschicket ^). wand wir hattent unser zwü grösten 
bühssen vor Mülenberg, und möchte Lamprecht unser bühsen- 
meister^) stein gnüg gehept han, er hette mit der grossen 
bühssen gar ein g&ts geschaffet, daz er sin lob, und die statd 
ere gehept hette. aber so vil und er gezüges hatt, dett er 

2b den Yollen, one schirm und on hart, wand der selbe gezüg, 
und euch ein nüw schAn wergk, daz wir gemacht hattent^), 

1} Hiningen bei Altkirch. Letzterer Ort (7 St. von Basel) war 'als all- 
gemeiner Sanunelplatz der Verbündeten für diesen Zug bezeichnet; s. den 
Brief Tom 8. Juli, a. a. O. 

2) Also bis zum Morgen des 13. Juli. Sie warteten hier auf die Heim- 
ziehenden von Mühlburg, welche über die Rheinbrücke yon Breisach zogen 
{■. Wurstigen 244) und hierauf yermuthlich am Abend des 12. Juli eintrafen; 
s. unten. 

3) Schon am 10. Juli schrieb Hans Bernhard von Hasenburg, Ostreich. 
Hofmeister zu Delle, an den Rath von Basel, dass ChAlon sich gegen Mont- 
b^liard zurückgezogen habe ; s. St. A. Briefe IL 

4) Ueber die Heimkehr vgl. Berlingers Zus&tze zu Etterlin Bl. 73. 

5) Er wurde neuer Bürgermeister bei der Rückkehr; s. die Raths- 
beaatsung von 1424 bei Schönberg, Finanzverhftltnisse, S. 780. 

6) Eberhard vonHiltalingen, damals Rathsherr der Maurer und Zimmer- 
lente, spftter Schultheiss in Klein-Basel und Oberzunftmeister. Mit dem Ge- 
gdüechte Ziegler, welches zu Hausgenossen zünftig war, hat er nichts gemein, 
sondern führte den Beinamen »der Ziegler ennent Rins« wegen des Ziegelhofs, 
an der oberen Rheingasse (jetzt No. 39), den sein Gfeschlecht schon seit einem 
Jahrhundert vom Rathe zu Lehen trug, bis er 1462 dem Antoniter-Orden ver- 
kauft wurde; s. Fechters Top. 139. 

7) Geschütz und Gewerf wurden auf dem Rhein in 8 Schiffen bis Strass- 
barg geführt; s. Wurstisen 243. 

8) Es waren ihm auf diesem Zuge 9 Knechte zur Bedienung des Ge- 
sehütaes zugetheüt; s. St. A. Bd. St. 91 (1 1), S. 26. 

9) Ueber diese neue Wurfmaschine, welche 1424 gezimmert wurde, s. 
BmUt Chroiüken. IV. 3 



34 Ratksbücher. 

bleip 26 Strasburg hanngen, und ettwie vil bühsensteinen, das 
die nit gen Mülenberg komment. 

So worent unsers Yolkes, so gen Hirsingen zugent, houpt- 
lüte: her Hanns Rieh ritter, der desmols alter burgermeister 
worden was ^), Hug ser Sunnen, alter Zunftmeister, und Cünrat 5 
zemHoupt^). bannerherre: Mathis Slosser '). und ennent Rins 
houptlüte: Hennman von Thonsel genant Kr&se, und Martin 
Seiler bannerherre^). 

Und ist ze wissende , daz den selben zog gen Hirsingen 
mit uns zugent die von Waidenburg, von Homberg und von lo 
Liestal, und dazu jungher Rudolfs yon Ramstein ^) lüte, und 
ander rittem und knechten lüte der unsem, die lüte habent, 
so vil als denn yederman dazu nütze und yerfengklich üf- 
bringen mochtent ec. 

Und ist ze wissende : als man in dem velde fiir Mülen- u 
berg^) lag und man marckte, daz die obgenanten herren ein 
richtunge zwüschent [33^] hertzog Ludewigen und dem marg- 
graffen troffen hattent, daz darnach nach unser und ander 
stette houptlüten geschickt wart, die ouch spenne mit dem 
marg^raffen hattent, und wart mit denen geretd : nlieben fründe 2e 
wellent wissen, daz wol ein richtunge ze fyndende und ze 



Wuratisen 397, wo auch eine Abbildung. Dieselbe befand sich noch im 
XVII. Jahrhundert im Zeughause ; 8. Ochg III, 1 50. 

1) Dieser Sohn des Bürgermeisters Heinrich Rieh starb 144S; a. 
Wurstisen 25 und Tonjola 277. — Seine Amtszeit als neuer Bürgermeister 
war abgelaufen mit Ende Juni d. J. 

2} Konrad sem Houpt, der Wohlthäter der Elenden Herberge, war 
Rathsherr der Krämerzunft bis 1428, wo er Achtbürger wurde. Ueber ihn 
8. Ochs III, 224. 

3) Mathias Eberler der filtere, gen. Schlosser, war Rathsherr der Kauf- 
leute. Ueber ihn s. Schönberg 527 und 777 ff., auch das Zinsbuch z. J. 1423. 

4) Wfthrend die Bfannschaft Gr. Basels in die 15 Zünfte eingetheilt war^ 
dienten die Kleinbasler mit ihren 3 Qesellschaften r s. die Mannsehaftscala 
von 1445, im Oe&ungsbuch I, S. 241. 

5) Rudolf, der letzte SprössUng vom freihenrlichen Zweige des Hauses 
Ramstein, war ein Sohn Thürings und Qrossneffe des früheren Bischofs Imer 
T. R. Ausser den Herrschaften Zwingen und Gilgenberg besass er damals 
pfandweise auch Birseck und Delle; s.obenS.32, Anm.3,undTrouillatV, 8.772. 
— Er selber war damals mit 1 5 Pferden unter den Reisigen Basels, welche gegen 
Mühlburg gesogen waren; s. im St A. den Bd. St 91 (11), S. 14, auch 
Wurstisen 243. 

6) Die nachfolgenden Verhandlungen des Pfalzgrafen mit Basel und den 
breisgauischen Städten, wegen der Friedensbedingungen, fanden theilweise 
noch im Lager bei Neuburgweier statt, d. h. schon am 20. und 22. Juni ; vgL 
hierüber den Brief der Freiburger Hauptleute vom 23. Juni, in Schreibers 
Urk. H, S. 335 ff. 



1424—1425. 35 

treffende ist swuschent den obgenanten herren; und was f&rer 
hie Terhandelt wirt oder getan, oder mfiste man furbasz in 
dem Yelde bUben, daz beschuhe von der stette wegen, sölte 
da jemand ütnt se hannden gan, oder ein biderman verlorn 

i werden, waz daruBz gande würde oder fuier üfferstan, möchten 
sy selbs wol mercken. so wer ouch verscheuch , daz der bi- 
schof von ChAlln und ander herren, die ietz by hertzog Lude- 
wigen im velde werent, furer nit blibent. sÖlte man denn von 
der stetten wegen so blosz im velde ligen, möchte die lengde 

idnit bestan.fl und ander der glichen werten vil, die erschrog- 
lich worent, des ander stette und wir uns nit versehen hattent. 
also antwuiten unser houptlüte üf solich rede: sy werent mit 
hertzog Ludewigen und im ze hilffe ze velde gezogen, wenn 
der abezüge, so zügent sy ouch abe. der marggraff hette den 

15 unsem daz ire genommen one recht, in einem landfriden. des 
werent die unsern lange zit uszgelegen. mfiste;» sy des noch 
furer uszligen, daz mosten sy Uden und fürer als dahar er- 
beiten ec. 

Dis mag man hienach in solichen Sachen bedengken, ob 

2(> es ze schulden kompt, und die statd kostens und Schadens 
überhaben ec. 

[Rb. 242] Clement. [steinegken 

Es ist ze vnssende : als der hochwirdig in gotte vatter und 
her herr Johanns von Fleckenstein ^) bischoff ze Basel an den 
wedeln wolgebomen herren graff Diebolten ^on Nüwenburg 
herren ze Muselburg^) ec. vorder te, nachdem bischoff Hart- 
man selig'} sin vorfar vormals ouch gevordert hatte ^), im und 

1) Ueber diesen Bischof a. Qerung, in den Scriptor. Basil. minor. S. 335 ff., 
und Beinheims Chronik der Bischöfe, in der Baaler Hs. A X ü, 14, S. 264. Er 
war ein Sohn Heinrichs ron Fleckenstein-Dachstohl; s. Schöpflin-RsTenez 
V, 637. 

2) Theobald VIIL, der jüngere, von Neuchitel in Burgund (bei Pont-de- 
Boide am Doubs, 3 St südlich von Montb^liard) war ein Enkel Theobalds VI., 
des Alteren (i 1400) und Neffe Bisehof Humberts von Basel (f 1418). Sein 
Vater, Theobald VII., war schon 1396 in der Schlacht bei Nikopoli gefallen; 
B. Bdteler Forts., Bl. 170. Durch seine Mutter, Alice von Vaudemont, war 
er Herr zu ChAtel-sui^Moselle in Lothringen ; s. TrouiUat IV, S. 523, Anm. 1 . 

3) Hartmann Münch von Münchenstein, der Nachfolger Bischof Hum- 
berts, starb am 12. Mai 1424, nachdem er schon vor Jahresfrist das Bisthum 
resigniert hatte. Ueber ihn s. Oerung a. a. O. S. 334, femer Beinheims Chron. 
d. Biaehöfe, sowie auch Liber vitae ecdes. BasO. bei Trouillat V, S. 265. 

4} Im Sept. 1420 hatte er in Basel cur Audösung Ol. 5000 hinterlegt; 
8. die Urk. yom 24. Sept. d. J. im Missivenb. ü, S. 26. 

3* 



36 Ratlwbadicr. 



nner stifte se Basel der losunge der alosBen saut Ursitien <), 
Groldenfek ^, Spiegelber^') und Kallemberg *) statt te tünde, 
das im aber nit gelangen möchte, und aber der selbe bischoff 

(1424 Johans über ein zyt nach s61icher Tordeninge die obgenanten 
slosse, und dazu Blutshusen^), mit helffe siner frunden in- 5 

(1425 nammen ^), darumbe die selben herren le beden siten le kriege 
und vigentschaft komen sint^. also wart die statt des selben 
bischoff Johans helffer^). und nachdem die vigende eins tages, 

i425nemlich uff fritag vor dem heiligen pfingesttag anno 1425, 
mit funfihundert pherden gen Hesingen*) rantent und das lo 
selb dorff brantent, also yltent wir inen ze rosse und ae f&sse 
nach, so wir beste mochtent, und konndent doch dieselben nit 
erylen. doch so vollezugent wir in der selben ylunge für 

2. Hg.: Spitff«lb«r B16Uk«Ma (totetens wigd«r dudigMtnekeB). 

1) St Unanne, am Doubs, 5 St westlich Ton Delfberg. — St Ursitz, 
Spiegelberg und Kallenberg waren schon seit 1388 dem Grafen von NeuchAtel 
▼erpftndet; s. Troufllat IV. S. 508 und 851, V, S. 216 und 699 ff. — Ueber 
diese Verpftndung vgl. auch Beinheims BischofBchronik und Gemng S. 328 ff. 

2) Roche d'Or, 3 St westlich yon Fruntrut, war dem Grafen Ton Neu- 
chAtel seit 1407 yerpftndet; s. Trouillat V, S. 738. 

3) Muriaux, bei Saignel6gier, in den Freibergen, 5 St südwestlich von 
St Ursanne. 

4j Chanvilier, 3 St westlich von St Ursanne, seit 1780 tu Frankreidi 
gehörig. 

5) Fleujouse, su deutsch auch Neuenburg genannt 3 St östlich von 
Pruntrut, erscheint verpfS&ndet z. J. 1409; s. Trouillat V, 730. 

6) Ueber diesen Kriegssug, an welchem auch Basel sich mit einem Fähn- 
lein betheiligte, s. Röteler Forts. BL 107, Gemng S. 336, Beinheims Cronik 
der Bischöfe und Wurstisen S. 241, sowie auch Wochenausgabenbuch IV, 
S. 69 — 75 und 108, wo »die Reise gen Goldenfels« mehrmals erwähnt wird. — 
Aus letzterer Quelle tu schliessen, geschah der Zug etwa im Sept oder Oct. 

1424. — Auf die Hilfe, welche der Bischof Tom Unterrhein her erhielt, besieht 
sich wohl der Brief Breisachs an Basel Tom 23. Oct 1424, welcher beginnt : 
»Als ein reisiger säge n^hst das Brissgowe heruffe komen und hj üoh über- 
gesogen ist«. S. St A. Briefe Bd. II. 

7) Zunächst auf diesen Zug folgte ein Waffenstillstand bis 20. Febr. 

1425, welcher nachträglich noch bis 18. Man verlängert wurde, doch blieben 
alle VermitÜungsTersuche erfolglos. S. hierüber, neben der Röteler Forts, 
die Briefe Basels vom 20. und 27. Febr. und vom 10. und 16. Man 1425, 
alle im Missivenbuch III, 95, 181, 115 und 123. — Die Feindseligkeiten be- 
gannen am 20. Man mit einem Raubsuge des Grafen von Neuchätel bis gegen 
Pleujouse; s. Basels Brief an Bern, vom 24. Man, im Missivenb. m, 127. 

8) Ueber das Verhältniss des Bischofs rar Stadt während dieses Krieges 
s. Heusler 343 ff. 

9} Hesingen, 1 St westlich von Basel, gehörte dem Bürgermeister Burk- 
hard xe Rin, der dieses Dorf sammt dem Schloss vom Bischof tu Lehen trug ; 
s. Wuntisen 245. 



1425. 37 

ClemontM, und die von den unsern nacbgeylet hatten, schri* 
bent hindersich, das wir voUeclicher nachsügent mit küten 
and gesüge^. das ouch beschach, und wart das selb stettelin 
' Clemont gewunnen und verbrent^), und die vestin daselbs be-(Jaiü6) 
& nötiget mit gezuge. doch die vestin bleip ungewunnen^). und 
in dem selben zuge wurden dise nacbgeschriben personen 
buigere *) . — (folgen 173 Namen bis S. 245), 

[245] Ellikurt. 

Es ist ze wissende: als der krieg zwuschent dem hoch- 
10 wirdigen berren bem Johannsen von Fleckenstein biscboff ze 
Basel y uns und andern sinen belffem an einem, imd dem 
edeln wolgebomen berren graff Diebolten von Näwenburg ec. 
an dem andern teil sieb lengem begunde, und aber Hanns 
Erbart Bock von Stouffemberg der bocbgebornen fiirstin frowe 
i& Katberinen von Burgunden ec. lantvogt<^) von wegen der selben 
unser frowen umbe einen friden werbende was, zu sölicbem 
gewerbe der obgenant unser berre der biscboff und wir ge- 
hollent ^ . 

9. Z«Mkti TOB K. Kienliiif Hand: Mino 25. 

1 } Clermont in Burgund, südw estlioh von Blamont, gehörte wie letsteres 
dem Grafen von NeuchAtel; 8. Trouillat V, S. 529. — Die Verfolgung geschah 
ohne Zweifel auf dem nächsten Wege, von Besingen über Pfirt und Pruntrut. 
Es ist daher unter »Tamerkirch«, welches laut Wodienausgabenbuch VI, 8. 1 17 
auf diesem Zuge berOhrt wurde, nicht etwa Dannemarie im Elsass zu ver- 
stehen, sondern vielmehr das gleichnamige Dörfchen auf der Strasse zwischen 
Pmntnit und Blamont. 

2) Dieser Brief ist verloren. Hingegen findet sich im St. A. Briefe III 
noch ein Brief des Raths, vom 9. Juni, an den Bürgermeister und die Haupt- 
lente, bso ietz ze velde ligent«. Es werden darin Zuzüge des Bischofs und der 
Städte Freiburg und Breisach angekündigt, welche am 11. Juni von Basel auf- 
brechen und den Weg über »Migesdorff« (Mi6court zwischen Pfirt und Prun- 
trut) nehmen sollen; zugleich aber klagt der Rath, dass er ohne Nachrichten 
vom Felde sei. 

3) Am 6. Juni ; s. Wurstisen 246. 

4) Laut Wurstisen wurde ein Waffenstillstand geschlossen. 

5) lieber die tnmultuarischen Auftritte bei diesem Zuge s. die Straf- 
nrtheile im Lb. 11, 95 — 96, sowie auch einen Brief Basels an Zürich, dessen 
Sehluss sammt Datum fehlt, im Missivenb. m, 170. 

6) Als Ostreich. Landvogt im Elsass erscheint er 1424—1426; s. imBrief- 
bueh n seinen Brief von 14. Dec. 1424, und Brückner XVI, 1843. — lieber 
seine Haltung während des Krieges s. Basels Briefe vom 1. und 9. Juni, 
12. Juli und 1. Sept., im Missivenb. IH, 215, 211, 275, 281 und 272. — Nach 
1446 erscheint er ab Hauptmann zu Neuenburg; s. Colmarer Richtung 147. 

7) Im October unterhandelte er unter Zustimmimg des Bischofs und der 
Stadt; s. den Brief vom 13. Oct, im Missivenb. IH, 291. 



3S BatiMbAeher. 

Nach 86Hcher gdtellung warden der selbe unser herr der 
bischoff und wir by funfthalb wQchen umbegesogen Ton dem 
selben lantrogt and Hug Bryat dem cantieler *) mit geverden, 
des uns beduchte. dammb uns nit me lidlich was, sSlichs 
gevorlichs umbioges se wartende ^, und wart dem selben lant- & 
Togt Ton unserm herren von Basel sdUch gewerbe des &iden 
abgeschriben, und wart ouch daz& offenlich ger&ffet, das wir 
einen söge mit mäht uf unser vigende t&n woltent. daz ouch 

y^' 3 beschach, und sugent usx, uf sampstag nach allerheiligentag 
anno 1425, mit mäht für Ellikurt '); und ben6tigettent die statt lo 
des ersten, und datent der mit geiuge so not^), daz die rey- 
sigen in der statt die selbe statt selbs anstiessen und brauten, 
als wir 2 tag davor gelegen warent^) und ouch anegeslagen 
(Not. 7) hatten ze stürmende, und die reysigen wichen damitte in die 
Testi. also lieffent die unsem ze stund in das stettlin und k 
lostent darinne des ersten by 100 armer wiben und kinden, 
die in ein hus verrigelt warent und verbrennt mflsten sin, 
betten si die unsem nit erlidiget, und liessent die selben wib 
und kinde mit dem iren g&tlich gan von dannen. 

Damach da underst&nden wir die vestin ouch ze [246] be- 20 
nötigende mit gezuge, und tattent inen ouch so we, das die 

(Not. 9) rcysigon, so darinn warent, teding begertent. und wart ouch 
also die vesti mit tedinge ufgenomen in solicher wise, das der 
reysigen etwie vil swüren, uns die vestin morndes mit der 
sunnen ufgang inzegebende; und soltent wir sy und die an- 2s 
dem, so darinne warent, dannen riten und gan lassen mit ir 
habe, die si behflbent ir sin. das och beschach, an sant Mar- 

Not. lotins abent, und rittent danen 54 reisiger und vil wib und 
kinde, denen allen daz ir gelassen wart volgen, und also wart 

6. E», : TOD nrnsonB. 12. Hs. : die solbea ttaU. 

1) Hug Briat erseheint im Dienste Oestreiehs noch 1444; s. Cobnarer 
Richtung 2d2b sbgedr. bei Brackner V, 463. 

2) Es wurde n&mlich wahrend dieser Unterhandlungen, d. h. im Oct, 
das Schloss Blumenberg flberfiülen ; g. unten Anonymus bei AppenwOer, zum 
Jahre 1425. 

3) H6ricourt in Burgundft wischen Montb^liard und Beifort Am 19. Sept. 
hatte die dortige Besatzung einen Raubzug ins dstreichische Gebiet unter- 
nommen; s. den Brief des Grafen Hang von Tierstein an Bagel, vom 20. Sept. 
1425,imBriefb. UI. 

4) Die Bagler hatten 4 grogge Büehgen; g. im Lib. DiT.Rerum 145 ff. die 
eigens für diesen Zug entworfene Krieggordnung. 

5} Da der Aufbruch ron Bagel am 3. Not. erfolgte, go igt die Ankunft 
ror H^ricourt auf den 5. zu getzen, alao die Einnahme deg Städtchens auf 
den 7. 



1425. ^ 39 

statt und vesti in fnnff tagen gewunnen. und als die dannen 
kamen, bleip nocbdenn uf der vesti by tuaent gülden wert 
güts in mangerley buszratz, daz alles gen Basel gef&rt wart 
und da fruntlich gebütett und geteilt den reysigen, den si!inf- 

i ten und andern , so da usz warent gesin , sem glickesten ^). 
und worent der statt houptlüte her Burekart ze Rine, her 
O&nrat von Eptingen^), Hug zer Sunnen, Ulman im Hofe, 
und warent an der vesti S mechUger thumen, die alle under- 
graben und 7 nidergeworffen wurden 3), und daz6 der stett 

10 mure an yü enden geslissen, und vestin und statt gerwe ver- 
brennt, mit grossen eren und ane grossen mergklichen scha- 
den^}, von den gnaden gottes und siner werden müter, der 
die Sache was^). 

Und ist ze wissen^ das von unsers herren von Basel wegen 

ukum 100 pherde da warent, mit graff Hansen von Tierstein <^) 
und dem von Froberg^), die sin helffer warent. so warent die 
▼on Biel und zer Nüwenstatt^) ouch da, wol mit 600 ze f&s. 
und lagent vor EUikurt mit grossem kosten und eren, das 
wir von den vigenden nye angerennet wurden noch ersucht, 

3» denn daz drye der unsem uf der f&tere, die nit ordenunge 
halten woltent, gefangen wurdent^). und in dem selben ge- 
zöge wurden dise nachgeschriben personen zu buiger genom- 
men "). -^ (folgen 131 Namen bis S. 248). 

6. 7. »and worent .... ülman im Hofec in Hb. svr am Bande, doeh ron deneHMn 
Hand. 

1) lieber die TheQung der Beute vgL Ruf b. I, 59. 

2) Kourad war ein Sohn Petermanns t. £. gen. von Bisel, also vom 
Zweige der Eptinger von Blochmont; 8. Trouillat V, S. 750, auch Beiträge 
XII, 130. 

3) Aus MiBsrerstfindniss dieser Stelle spricht Ochs III, 156 von 15 Thür- 
men. Ueber die Befestigung vgl. Anonymus bei Appenwiler z. J. 1425. 

4) Ueber Todte und Verwundete s. Wochenausg. VI, 168, 175 und 180, 
auch Wurstisen 246 und Ochs IE, 157. 

5] Als Schutspatronin des Bisthums Basel Der Rath stiftete deshalb 
am S.Dec. 1425 bei den Augustinern eine alljSiirliche Messe auf den 10. Nov. ; 
s. die Urk. im St. A., Augustiner No. 116. — Einen lateinischen Vers Aber 
diesen Sieg s. bei Wurstisen a. a. O. 

6) Er war des Bischofs Feldhauptmann ; s. Gerung 336. 

7) Johann von Froberg. 

8) Biel und Neuenstadt waren ausser Delsberg die einsigen Besitzungen, 
welche 1418 nach Bischof Humberts Tode dem Hochstifte noch geblieben 
waren. AUes übrige war verpfbidet ; s. Beinheims Ghron. der Bischöfe. Zum 
Stadtpanner von Biel gehörte die Mannschaft des ganzen St. Immerthaies. 

9) Unter ihnen der Rathsherr Bathasar Schilling ; s. Wurstisen 246. 

10) Auf einen Waffenstillstand, der am 11. Mftrz 1426 begann und am 
10. April verlftngert wurde, folgte am 7. Mai der Friedensschluss ; s. Stfidt. 
Urk. 1 126 März 1 1 und Mai 7, auch Schreibers Urk. U, S. 360. 



40 Rathsbacher. 

IJ.T.Bingeai [Div. Rer. 174**] Des vorgeschriben *) Johann von Merlo 

handelunge. 

Item her Johann von Merlo, von Hispanien dem künig- 
rich^) uszgeritten durch manige land umbe aventur, und 
konnde dheinen finden, der sich mit im slahen wolte'), vand & 
den vesten Heinrichen von Ramstein unsern burger *), der so- 
lieh Sachen mit im understund uszzetragende. 

Ordenetent die rfite, als harnach stat^): 

Item des ersten wart ze richter erbetten: margraff Wil- 
helm von Hochberg, herre ze Rotein und ze Susenberg*). lo 

Item grieszwfirter 7) : graff Hanns von Thierstein, jungher 
Rftdolf von Ramstein, her Eglof von Ratzenhusen ^) und Thuring 
von Halwiler®). 

Und worent hieby, als sy vochtent, 8 herren, mit nam- 
men: der margraff von Rotein vorgenant, graff Bemhart von 15 
Thierstein , graff Hanns von Thierstein , graff Friderich von 

1) Unmittelbar vorher steht im Liber Divers. Herum die UebersetKung 
der von J. v. Merlo schriftlich ausgestellten Kampfbedingungen, die wir in 
der Beilage VII folgen lassen. 

2) Ein Königreich dieses Namens gab es damals noch nicht; hingegen 
umfasste dieser Name, als rein geographischer Begriff, die ganBe.pyrenäische 
Halbinsel, also auch das Königreich Portugal. Aus letzterem aber stammte 
dieser fahrende Ritter; denn Cervantes, der ihn im Don Quixote (I cap. 49) 
erwähnt, nennt ihn einen Lusitanier. Vgl. Aber die betreffende Stelle Th. 
Streuber im Basler Taschenb. 1854 S. 192. -- In Wochenausg. VI, 8. 398-— 403 
wird er nur an einer Stelle (S.399) irrthamlich »von Arregonien« genannt, sonst 
meist nur »der fremde her von Hispanien«. 

3) Laut Cervantes, a. a. 0., hatte Merlo schon vorher in »Ras« (Arras in 
den burundischen Niederlanden) mit dem berühmten Pierre de Chami sieg- 
reich gekfimpft. 

4) Zweiter Sohn des Bürgermeisters Kuntzmann v. R ; auch er sass im 
Rath 1431 — 1435, wurde aber später Ostreich. Vogt zu Altkirch; s. unten 
Brüglinger z. J. 1444. 

5) Ueber die Stellung des Raths zu diesem Zweikampfe s. den am Vor- 
abend ergangenen Ruf, im Rufb. I, 831', den wir in der Beilage VII folgen 
lassen. 

6) Qeb. 1406 als dritter Sohn Markgraf Rudolfs III., war er diesem nach 
dessen Tode (1428 Febr. 8) in der Regierung gefolgt, da sein einzig noch leben- 
der Bruder Otto Bischof von Constanz war. 

7} Vgl. Wochenausg. VI, 403 : Item 4 s. umb vier Stangen den griesz- 
wartern. 

8) Egloff V Ratsamhausen trug seit 1427 vom Hochstifte Basel das Dorf 
Blotzheim zu Lehen; s. Trouillat V, 761. 

0) Ueber Thüring den altem, einen Sohn des bei Sempach gefallenen 
Thüring v. H., s. C. Brunner, in der Argovia VI, 179 ff. 



1428. 4 t 

Zolle ^), giaff Hanns von Fribuig herre ze Nuwenburg^), her 
Cuniat von Bussenang, graff Hanns von Vallisis^j, jungher 
Rudolf von Ramstein, herren ^). 

Item ritter : her Hanns von Nuwenburg herie ze Vamercü ^), 
^her Walther von Andelo^), her Eglolf von Ratzenhasen, her 
Cunrat Diebolt Waldener, her Grim von Grflnenberg^), her 
Burchart ze Rine burgermeister, her Hanns Rieh von Riehen- 
stein, her C&ntzeman von Ramstein ^) Heinrt^Aan von Ramstein 
vatter, her Henman von Ramstein ^), her Arnolt von Ratperg*®), * 
10 rittere. 

Item vochtent üffen Burg ^% an sonnentag vor sant Lucien j^^s 
tag anno ec. 1428 ^^], und wart der selb Johann von Merlo im 
ringe ritter geslagen*^) von graff Hannssen von Thiersteini^}. 

Item wurdent zwivalt schrangken gemacht, nache by des 

1) VermuthHGh €hraf Friedrich, gen.derOettiiiger, der 1423 seine Stamm- 
borg verloren hatte. 

2j Herr zu Neuenburg am See und zu Badenweiler, ein Enkel Egons VII. ; 
s. oben z. J. 1366. 

3] Qraf Johann IV. von Aarberg- Vallengin. 

4) Heiren, d. h. Grafen und Freiherren, im Gegensatz zum blossen 
LehenadeL 

5) Yaumarcus am Neuenburgersee. — Dieser Hans v. N. entstammte 
einer Bastardlinie der 1373 erloschenen alten Grafen von Neuenburg am See. 
Er hatte ein Burgrecht mit Basel und besass pfandweise die Herrschaft Baden- 
wefler; s. im Missivenb. III, Basel an Strassburg, vom 8. Dec. 1425. 

6) Der Stammvater aller noch jetzt blähenden Zweige von AndUu, 
wahrscheinlich ein Sohn des 1386 bei Sempach gefallenen Walther. 

7) Johann v. Orflnenberg gen. Grimm, ein Sohp des 1 386 bei Sempach 
gefallenen Johann gen. Grimm oder der Alt, starb 1429; s. die Stammtafel der 
Grünenberg bei H. v. Liebenau, Arnold Winkelried. Er war vermftl^t mit 
Gredanna zer Sunnen; s. Zinsbuch z. J. 1437. 

8) War fraher Bürgermeister. 

9) War 1428 Alt-Bfirgermeister. — Kuntzman und Henman waren Brfl- 
der : s. Boos, S. 609. 

10) Sohn des 1386 bei Sempach gefallenen Wemher y. R., wurde später 
Bürgenneister; s. Rb. 362. 

11) Auf dem Mfknsterplatz, wo von jeher alle Turniere abgehalten wurden, 
und der auch seit 1410 als Marktplatz diente; s. Lb. U, 67. 

12) Ueber diesen Zweikampf und seine Bedingungen s. die Beilage VII, 
sowie auch Anonymus bei Appenwiler z. J. 1428. Eine zusammenhängende 
Darstellung gibt Fechter im B. Taschenb. fQr 1858, S. 61 ff. 

13) Der Rath, der ihm seit Mitte Norember zu wiederholten Malen Ehren- 
wein geschenkt, verehrte hierauf noch »ein sahnen dem fremden Walhen in 
die ritterschaft«; s. Wochenausg. VI, 403. 

14) Dieser war Ritter schon seit 20 Jahren; s. unten Anonymus bei Appen- 
wiler z. J. 1408. — Ueber das Erdbeben der folgenden Nacht und Über die 
Pilgerfahrt, auf welcher H. v. Ramsteim ebenfafis den Ritterschlag erlangte, 
s. Anonymus bei Appenwiler z. J. 1428. 



42 lUthsbfleher. 

Münchs cappel *) harin gegen meister Josten hof ^), vier schritt 
dayon, und des harumb by 60 schritten in glicher wite^). und 
ein geniste embor von den schrangken untz an meister Josten 
hofes mur, darüf der richter und die rete stündent. 

Item innewendig den schrangken, zwüschent beden, st&n- 5 
dent by 500 gewoppeter manne von den zunften, und waz ein 
ratesherre by siner zunfit^). so waz uf der hrüge*) derhurger- 
meister mit der paner, der Zunftmeister*) und der rate, hattent 
ir phantzer und iren siechten harnasch an, und Mathis Slosser 
trüg die paner. lo 

[175] Item waz geordent Spalenthor und Eschemerthor 
offnen, und ennent Rins bede thor, und under yedem offen 
thor 10 gewappent manne, und üf den selben thoren und den 
andern, die beslussent worent, 2 manne. 

Item wurdent geordent 20 umbe ze riten in der statd, daz ^ 
halb in der obern statd, daz ander halb in der nidem statt ^) . 
die mochtent underwilen uf den platz riten, und solte sust 
niemant ze rosse darüf kommen. 

Item schrancken an den drin orten mit eim durlasz»), 
und by i^klichem vier manne gewoppent, der schulth^^r^), 2s 

1) Die Kapelle der Mflnche, welche die nordwestliche Ecke des Münsters 
bildet, wurde gestiftet von dem 1332 Terstorbenen Enpriester und (Segen- 
bischof Härtung Manch von Landskron; s. Trouillat in, 8. 751. 

2) Jetzt unteres Gymnasium, dem Münster gegenüber; s. Wurstisen 234. 
Seinen Namen trug dieser Hof Ton dem 1420 verstorbenen Domherrn Jost 
Schürin von Ensisheim, der schon 1389 als ^schöflicher Offtsial erseheint und 
eine jetzt verlorne Chronik hinterliess, welche noch Wurstisen benfltste. lieber 
ihn 8. Wurstisens QueUenverzeichniss in seiner Basler Chronik, femer dessen 
Analecta S. 109, 362 und 96, auch Rothes Buch S. 73. 

3) Das obere Ende des Münsterplatses, vor dem Münster, bildet unge- 
fähr ein Quadrat von reichlich 30 Meter, also mehr als 60 Schritt SeitenlSnge. 
Auf drei Seiten ist dieses Quadrat durch Gebäude begränzt, wfihrend auf der 
vierten sich ohne Zweifel die äusseren Schranken befanden. Innerhalb dieses 
Quadrats lag der eigentliche Kampfplatz, wahrscheinlich ein Kreis von 60 
Schritt Durchmesser, den die inneren Schranken umschlossen. 

4) D. h. bei diesen 500 stund aus jeder der 15 Zünfte ein Rathsherr. 

5) Auf dem schon erwähnten Gerüste. 

6) »Zunftmeister« heisst immer der Oberstzunftmeister, zum Unterschied 
von den »meisteren« der einzelnen Zünfte. 

7) Vgl. die Anordnungen im Rufb. I, 82b abgedr. in der Beilage VII. 

8) Auf den als Kamp^latz dienenden Theil des Münsterplatzes münden 
2 Gassen ; als dritter Zugang diente ohne Zweifel eine Oeffnung in den Schran- 
ken, welche den Kampfplatz vom übrigen Münsterplatze trennten. 

9) Schultheiss des Gerichts in Grossbasel war 1425 — 1430 Andreas 
Ospemell, der spätere Oberstzunftmeister ; s. Gerichtsbesatsungen, von Dr. Karl 
Stdüin, Ms. von 1867 im St-Archiv. — lieber das Amt der Schultheissen 
6. Heusler 207 ff. 



1426—1431. 43 

der vogt^)i saltsschriber, item und ander, die inen Eugeordnet 
wurdent. 

Item der Bin wart bestellet mit schiffen, ob yemand dhein 
bosheit undeistfinde, daz der nit davon kommen mochte. 
» Item das kein wib dar kfime denn edele. und der zünften 
wibe dahein bliben, des fiires hflten^). 

Item daz niemant keinen schimf tribe mit lachen, werffen, 
noch in dhein ander wise. kein bocken noch verwandelunge 
tun, by einer pen. 
>o Item alle glocken versorgen und die ufziehen, daz nie- 
mant dazCi kommen könne, und uf das münster drie ordenen, 
die umbe sich sehen, ob üt ufferstfinde ec. 

Item, wer da wil, mag geruste machen, also daz si stargk 
sien ec. 
>^ Item ordenen 4 ze den ratzglocken, daz sy umbe dheiner- 
ley sach lüten, und komme der genempt und heisse si lüten. 

Item den Birsich^) und den Thorenbach^) harinn slahen. 

Item 20 ordenen uf die Rinbrugk, die wider und für 
gangen. 
» Item daz werghus^) besorgen. 

Item alle luchter nachtz entzünden^). 

Item ein starck wacht han. 

Item brotbecken heissen backen ec. 

Item ze nünen gestmgen han allenthalben ^j. 

» [Div.Iler.l28^] Notandum»). j.y.Bingeni 

Anno domini 1431 uff sant Jacobs tair apostoli rittent unser uai 

^ *^ Juli 7& 

1) Vogt war 1428 — 1430 Hug Spitz; s. Oerichtsbesatzungen. — Ueber 
du Amt des Vogtes, als Vorsitzender des Blutgerichts, s. Heusler 199 ff. 

2) Ueber diese und die folgenden Verordnungen vgl. den Ruf in der Bei- 
lage VU. 

3) D. h. der aus dem Birsig abgeleitete Rümmelinbach, der frOber oft 
■der obere Birsig« genannt wurde. 

4) Aus diesem Bache, der im AUschwilerwalde entspringt und jetzt in 
den Birsig mündet, gieng schon im 14. Jahrhundert eine Leitung durch den 
»Herrengraben« in die Spalenvorstadt; s. Rb. 259 und 104, auch Lib. Div. 
Rerum 22i>. 

5) Ueber den Werkhof s. Fechters Top. 117. 

6) D.h. die Pechpfannen, welche da imd dort an Eckhftusern angebracht 
waren, wie s. B. noch um 1850 am Spalenthor. 

7} D. 1l der Gottesdienst sollte morgens 9 Uhr beendigt sein. Da die 
Basler Uhr 1 Stunde vorgieng, so war es in Wirklichkeit 8 Uhr, also kaum 
1 Stunde nach Tagesanbruch und mithin genau die Zeit, um welche, nach den 
Bedingungen des »Notds«, der Zweikampf beginnen sollte; s. Beilage VII. 

8] Vgl. oben z. J. 1421 den fraheren Zug. 



44 Rathsbacher. 

gesellen an die Hussen^), nemlich Cünrat von Halwilr') als 
ein houbtman, mit 1 2 pherden fiir drie spiesz, dem man geben 
sol alle tag 1^1^ galden, hen Heinrich von Ramstein, Adel- 
berg von Berenfels^), Lndman von Batperg^) und Hans Cünrat 
Sürlin, iegklicher mit 5 pherden, und daruff eim Kern tags 
2^^2 gülden^), und sint bestellet einen monat. und wirt der 
ritt wenndig in dem selben monat, so sol inen doch des mo- 
nates solde gantz beliben mit der uifrüstung, die inen yorasc 
werden sol und bliben, nemlich C&nraten von Hallwilr 50 gül- 
den , und den andern iegklichem 20 gülden, und wenn si lo 
noch dem monat wider kument herheim, so sol des selben tages 
ir sold uszgon ec. *). und ist man ir keinem für hengst, har- 
nisch noch andere hab nüts verbunden ze t&nde ec.^) waz 
zesamen 32 pherde. 

lUnbekMnt] [Rb. 144] Schinder und das concilium^). » 

In nammen der heiligen unzerteilten drivaltikeit. amen. 

Nachdem da schribet der wise meister Katho^)» das ein 
yegklicher von naturlicher liebe allez gfttes, so im beschicht, 
angedenckig sin sol, so ist ouch daby ein grosze notdurflft, nit 
zu vergessen der dingen und Sachen, die in widerwertikeit zu- 20 
vallent. nit allein darumbe, daz gutes mit gutem gelonet 
werde, oder arges mit argem vergolten, denne das got dem 
almSchtigen umb das g&t lobe und dangke geseit, und das arge 
mit wiszheit versehen werde^ künfftigen schaden und gebresten 

1 ) Für diesen Zug wurde ein neues schwsn-weiss-rothes Ffthnchen an- 
geschafft; 8. Wochenausg. VI, 591. 

2) Konrad war ein Enkel Rudolfs, des Bruders des bei Sempach gefalle- 
nen Thüring y. H. ; s. Argovia VI, 164 und 279. Er hatte in Basel einen Hof 
und war Herr des Schlosses Domeck; s. einen Zettel von 1448 im Oeffiaungsb. I. 
hinter S. 348, und SchOnberg 604. 

3) Ein Sohn des 1413 oder 1414 verstorbenen Bürgermeisters Arnold 
V. B. ; s. oben 8. 22, Anm. 2, und Boos S. 860, auch Brückner XX, 2326. 

4) Ein Sohn des 1410 verbannten Bürgermeisters Hans Ludmann und 
Brader des späteren Bischofs Arnold v. R. ; s. Basler Chron. I, 293, Anm. 4. 

5) Ueber die nachfolgenden Bedingungen vgl. den Bestallungsbrief, Stadt. 
Urk. 1431 Juli 24, sowie auch die Jahrrechnung 1431/2, bei Schönberg 188 in 
der Anmerkung. — 1 gl. galt damals 1 Ib. 3 s. 8 d. 

6) Sie blieben IVa Monat aus; s. die Jahrrechnung 1431/2, a. a. O. 

7) Doch wurde ein abgegangenes Pferd mit 10 gL vergütet; s. ebend. 

8) Ueber den muthmasslichen Schreiber dieser Chronik von 1439 s. unten 
in der Beilage n den Abschnitt über J. Zwinger. 

9) Vermuthlieh sind hier die Distichen des Dionysius Cato gemeint, 
welche in deutscher Uebersetaung verbreitet waren; s. W. Waokemagel, Qeseh. 
der deutschen Litteratur, S. 289 der I. Auflage. 



1439. 45 

2fi fuxkommende. wannd nu die dinge, so in der site beschehen, 
mit der zite bingangent und von alter vergessen werdent, und 
was der geschrifft empholhen wirt, ewiclich ist werende, 
darumbe so band wir meister und rate der statt Basel, dez 
&jare8 als man nach der geburt Cristi zalte viertzechenbundert 
drissig und nun jare, da ber Amolt von Berenfeils ritter burger- 1439 
meister^) und Hanns Sürlin oberster Zunftmeister was, erkennt 
und geordent ein bücb ze machende, darinne geschriben wer- 
den soUent solich sachen u£f das kürzest, die uns zu gut oder 
to argem beschehent, umb das unser nachkommen ettlicher mosse 
wissen mögen, wie sich die sachen by unsem tagen gemacht 
und gehandelt haben. 

Also ist ze wissende: als in dem heiligen concilio ze Senis(i424) 
erkennt wart ein künfftig concilium in unser statt Basel ze 

uhaltende^), das selbe concilium anevieng z& anevang dez mey- 
gen'], dez jares als man zalt nach Cristus geburt viertzechen- t43i 
hundert drissig und ein jare; und hat gewert untz uf dise 
zite, als vor stät, nemmlich viertzechenhundert drissig und nun 1439 
jare, und ouch fürbasser weren mage, so lange der almechtig 

20 gott das angesehen hat. 

Also in zite, als das heilige concilium by uns gehalten 
ist, als vor st&t, hat sich gef&get, das der jaren als man zalte 
nach Cristus geburt viertzechenhundert drissig und sechs jare, i436 v. 143': 
und darnach in dem sybenden jare, grosze thüre züviele in 

»Oberlanden, in Swaben und in Niderlannden^), und aber by 
uns der zite wolfeil was. darumbe sich nu vil lütes der selben 
lannden in die lande umb uns und ouch in unser statt fügk- 
tent, ein grosz körn uffkouAent und hinwege fftrtent. und 
nachdem die lüte dirre lannden ir körn lange zite verhalten, 

36 das inen solichs nit gölten hatte, menigklich geneiget was sin 
kom zu verkouffende und dez abezekommende, umb das inen 
eitwas darusz gan mochte, dez so wart so vil koms von der 
statt und dem lannde gefflrt, das wenig utzit beleihe.^) 

18. drissig ist susndiert nnd too sp&terer Hand eorrigiert in: riertsig. 

1) Ein Sohn des froheren Bfirgenneisters d. N., also ein Bruder Adel- 
bergB V. B. ; b. oben S. 22, Anm. 2, und S. 44, Anm. 3. 

2) Ueber diesen Beschluss s. Stftdt. Urk. 1424 April 10. 

3) Dieses Datum besieht sich nur auf die Ankunft der ersten Q&ste ; 
s. Wurstisen 250 ff. — Ueber das Concil b. Anonymus bei Appenwiler. 

4) sOberlsnd« heisBt für Basel alles Land südlich und östlich vom Jura, 
und »Niederland« die Gegenden rheinabwftrts. 

5) Schon am 2. Sept. 1437 yerbot der Rath die Komausfiihr, nach vorauB- 



46 Rathsbflcher. 

1438 Also darnach in dem 1438 jare viel thüre in dem lande 
umb uns, in unsei statt und in Burgundien, das des selben 
jares^) nit so yil gewahssen was nach dez lanndes notdurfft, 
das ein viernzal dingkeln 30 s. phenning, und darnach zwey 
pfunde wart gelten^), gedacht menigklich, es solte besser wer- 5 

1438 11.1439 den; da wart es leider in dem 1438 und nun jare unts uf die 
ernde noch swerer und grosser clam, denn vor ye gesin was, 
in messen das ein viernzal kernen syben guldin wart gelten, 
und ein yiemzal roggen 6 guldin, und ein viernzal dingkeln 
3 lib., 31/2 Kb. und 4 lib.»). 10 

Also und in der zite wart uns in unser gnädigen her- 
schafft^) lannde umb uns veiler koufe verseit^). denn was wir 
in dem selben unser herschafft lannde koufitent, volgete uns 
mit kumber und arbeit, und müstent also ein grosze summe 
geltz, me denn [145] zweintzigthusent guldin, ufhemmen umb is 
zins®], und in fromden landen kom kouffen, nemlich zu Nflrem- 
berg, by Ulm, in Swaben umb und umb, zu Spyre, zu Wurms 
und nidenwendig Straszburg. das wir mit grossem kosten, 
kumber und arbeit zu uns bringen müstent, und doch digk 
und vil von herren und stetten daran gehindert wurdent, in 20 
messen das wir grossen Verlust daran noment, by den sechs- 
tusent guldin. besunder woltent uns unser frunde von Sträsz- 

f bürg nit gönnen körn by, inen ze kouffen, woltent uns euch 

nit kom lihen, das wir inen mit anderm kom, daz wir in 
Niderlande hattent koufft^ widergelten woltent. daz mochte 25 
uns weder umb gelt, noch umb ander kom volgen. und wie- 
wol her Wilhelm von Diest, der zite bischove ze Straszburg^), 

1. Hb.: 1438 jftre vil thöre. 7. Ha.: lUMk swtrer. 22. frioA» nnlentriclieii, 

und am Buide Ton einer Hand dee 16. Jahrhundeiis : Wie sie Tor altera unsere 
fireftnde (eeiUcet) gewesen« lo eeind aie ei bocIl 

gegangener Uebereinkunft mit dem Coneil und dem östreichischen Landvogt; 
8.BufbuchIJ00^bi8. 

1) D. h. in der vorhergehenden Ernte von 1437, auf deren Ertrag das 
Jahr 1438 angewiesen war. 

2) Diese Preise beziehen sich auf das Frühjahr 1438 ; denn nach der Ernte 
dieses Jahres stiegen sie auf das Doppelte. VgL unten S. 52 die Nachricht 
zum 24. Oct 1438, aus dem Oeffnungsbuch. 

3) Zu diesen Preisen vgl. ebend., femer Beinheims Chronik, Bl. 25b. — 
Der Gulden galt damals 23 s. 

4) »Unser herschaft« oder »die herschaft« heisst das Haus Oestreieh, als 
Basels mAchtigster Nachbar, dem der grOsste Theil der Umgegend gehörte. 

5) Durch ein Ausfuhrverbot vom 4. Sept. 1438 ; s. Ob. I 389. 

6) Genauer: 18,400 Gl. Ueber dieses Anlehen s. Schönberg 194 in der 
Anmerkung. 

7) Er starb am 6. Oct. 14H9. 



1439. 47 

und die ritterschaft in dem bystüm ae Straszburg, mit sampt 
den stetten Straszburg und Sletzstatt, ein versprechen gegen 
einander getan hattent, niemand dhein kom vom lannde lassen 
se Yolgende, so was uns doch der selbe bischofe so gnMig, 
& das er uns ein erber summe koms in sinem bistum und in 
sinem lannde zwuschent Strassburg und der Muntit') ver- 
günstiget ze kouffende; lies uns das euch g&tlich volgen.^j 
und die von Sletsstatt tfttent uns darinne summnisse und slü- 
gent unser wegen mit körn umbe und nament die unsem in 

uidde, das wider zu inen ze antwurtende; das wir mit bitte und 

gnte und mit unserm costen lidig schaffen mftstent. des 

glichen die von Nüwemburg'*) den unsem by inen euch tatent, 

und wurdent also digke und vil gehindert in manigen wege. 

Und in den selben ziten ist der wolgebom herre marg- 

15 grave Wilhelm von Hochberg unser herschaffl lantvogt gesin *] , 
und Peterman von Morsperg^) hübmeister. die, und ettlich 
unser herschafit von Oesterrich r6te me im lande gesessen, 
uns nit so fruntlich fümoment noch bedachtent, als wir uns 
dez zu inen versehen hettent, nachdem wir unser gnädigen 

» herschafft in vergangenen ziten grosz früntschafft in manigen 
wege getan hattent*), und doch vil koms im lannde waz, als 
sich das vand, da das volcke die Schinder oder die Armjacken (t^nniin) 
darnach darin zugent. und hattent uns zu verstände geben, 
sy hettent allen kosten im lande lassen besehen und konnden 

2s nit verstau, daz si selbz untz erne zu essen hettent. das doch 
nit an im selbz was. denn da by zwolfftüsend mannen der 
Schindern und so vil phCrden by den drin wochen umb Dam- 
merkilch^ gelagent und von dannen getzugent, dannocht grosz 
kern da funden wart, und me verkoufftent denne vor, ee das 

1) Obere Mundat (immunitas) hiefls das Gebiet von Ruifach, welches 
dem Bischof von Strassburg gehörte. 

2) Er empfieng dalQr von Basel ein Geschenk von 100 GL, und Hans 
Ton Utenheim, sein Landvogt in der Obern Mundat» ein solches von 20 Gl. ; 
s. Jahrrechnung 1439, 8. 24 K 

3) Neuenburg am Rhein, 6 St unterhalb Basel. 

4) Er folgte in diesem Amte 1437 auf Schmasunann von Rappoltstein; 
8. Lib. Div. Rerum 164 und Rufb. I, 100^ bis. 

5) Dieser Enkel des 13S6 bei Sempach gefallenen Peters von Mörsberg 
erscheint mit seinem Vater Hanns, der 1439 starb, und seinem Bruder Konrad 
schon 1424 als Basels Feind; s. Lb. U. 94, auch Wurstisen 58 und TrouiUat 
y, 788. — Als Hubmeister hatte er das Steuerwesen unter sich. 

6] Verschiedene Streitpunkte swischen Oestreich und Basel waren im 
Juli 1436 XU Ensisheim durch einen Vergleich beigelegt worden; s. Lib. Diy. 
Rerum 164. 

7) 8. unten S. 49. 



zw. 
n 



48 Rathibacher. 

Volke ins lande kam. und zu einer ewigen gedficlitniBse hat 
man dis heissen in dis buch setzen, umb das wir und unser 
nächkommen unser und der gemeinen statt Basel nutz, frome 
und ere zft künffibigen ziten dester basz fümemen und bedencken 
mögen. 5 

Und ist ouch daruf unser komhuse uf dem Platz >) der 
zite gemeiner statt zu nutz und trost anegefangen worden zu 
buwende^)) und das man kom darin kouffen und haben solle ; 
das wir gemeine statt nit so uf die wage legen, als der zite 
wol mochte beschehen sin, 'hette uns yemand understanden, 10 
da uns got durch sin g&te behöte. das sol man hernach z& 
ewigen ziten bedencken zu versehen. 

Und also ist zu wissende, das in dem selben jare, als man 
1439 zalte nach Üristus gehurt viertzechenhundert und nun und drissig 
. Febr. 22 jare, zwuschent dem sunnentage invocavit, das ist die alteis 
vasznacht, und dem sunntag [146] reminiscere darnach dem 
nechsten, ouch in der zite, als das heilig concilium by uns 
gehalten wart, und die thüre, davon davor geschriben stät, 
noch werte, ein grosz volke, so man nampte die Armjacken 3) 
oder die Schinder, in das lande zugent und gabent sich usz, 20 
. das sy dez küniges von Franckenrich helffer sin soltent wider 
die Engeischen, und was des selben Volkes by den 12000, 
darunter by 5000 oder 6000 worent mit iren kurussen wol 
und redelich ertzuget.*) das selbe volke von Lutringen harusz 
über die virste by Zatern^) haruber zugent in das Eilsass undss 
für Sträszburg rantent, da ettlich blosz knechte by den viertzi- 
gen, die harusz geloufPen worent und villicht gut zu gewir- 
nende meindent, niderleiten^j und vil mütwillens an priester- 
Schaft, mannen, junckfrowen, wiben und kinden, wo si die in 
den landen ankoment und ergriffent, begiengent, die lüte, die s^> 

1) Das spätere Zeughaus auf dem St. Petersplats. 

2) Ueber diesen Bau s. Btfldt. Urk. 1438 Mai 6 und die Verträge im Lib. 
Dir. Rerum 68 ff., femer die Inschrift bei Tonjola 405, auch Fechter im B. 
Taschenb. 1856, S. 171. 

3) Ueber die Annagnacken und ihre Züge s. Tuetey, Les ^corcheurs bous 
Charles Vn. 

4) Vgl. Basels Brief an Schwyz, vom 20. März 1439, im Missirenb. IV, 
56 : und die übrigen 6000 eins under dem andern, als es denn ist — Vgl. auch 
den Brief Mark^af Wilhehns von Hochberg an Basel, vom 18. März, im 
Briefb. IV, 192. 

5) Sie überschritten die Vogesen am 23. Febr.; s. die Forts, z. Deutschen 
Cobnarer Chronik, Ausgabe von J.Rathgeber, in den Forschungen zur Deutsch. 
Gesch. XV, 406. 

6) Ueber diesen Ausfall der Strassburger, vom 1. März, s. ebend. 



1439. 49 

ai viengent, schatztent, und die nit geltz hattent ze gebende 
noch geben mochtent, die kelen aberiflsen und si an den Strassen 
ligen lieasent^) . euch by sehen tagen umb Strftszbuig und umb 
Epfich^) legeitent, darnach daselbes ufbrachent^) und snelles 

& zages das lannde haruf zugent. ir ein teil in dem zuge für 
Colmar rantent und ettlich arme knfichte daselbez viengent 
und mit inen fürtent, und sich gen Dammerkilcb und in die 
dorffere daselbes umb Altkilch^) niderslügent» da lägent untz in 
die dritte wochen*), mülent und büchent. denne wiewol es(M»w7— 25) 

lodennocht thüre was, so fundent si doch an dem ende koms 
und ander fruchten gnüg und vast me, denn ir herschafft^) 
und ir amptlüte selbz gedacht hettent oder wistent, das daselbes 
gewesen wfire, oder funden haben soltent. lagent daselbes 
unts wider mittervasten anhin, erhtibent sich da und zugent )i^ (i<^) 

IS furer, und lieffent Grandwyler das stettlin abe^), begiengent 
da vil mütwillens an kinden, wiben und mannen, und zugent 
darnach furbasz in Burgundien und wider Paris^). 

Aber in der zite, als si im lande lagent, kam uns täglich 
Warnung, das si sich für unser statt Basel slahen woltent. 

20 dagegen wir uns euch rustent mit buUwercken , bühssen und 
geschütze, zem besten wir konndent, inen manlich widerstände 
ze geben^}. sich beschribent euch vil herren und stetten von 

11. Hfl.: und »ndern fracliten. 

1) VgL hieraber Berlers Chronik, Augg. im Code historique de Btns- 
boujg n, 55. 

2} Epfig, 3 St östlich von Schlettstadt Der dortige Kirchhof wurde 
vertheidigt; 8. die Forts, sur Deutschen Cohnarer Chronik, a. a. 0. 

5) Dieser Aufbruch geschah am 6. März ; s. ehend. 

4) Beide Orte liegen zwischen MOlhausen und Beifort Von hier aus 
streiften sie bis vor Basel ; 8. Basels Brief an den Bischof von Augsburg, Peter 
Ton Schaumburg, vom 9. März, im Missivenb. IV, 54. 

5] D. h. Tom 7. bis 25. Man ; vgl. unten S. 52 die Notiz im Oei&iungsb., 
sowie den Brief des Markgrafen von Hochberg, vom 25. März, im Briefb. 

IV, ise. 

6) »um bezieht sich hier nicht auf die Armagnacken, sondern auf die 
östreichischen Landeseinwohner. 

7) Grandvillars, zwischen Delle und Belfort, 3 St westlich von Dammer- 
kirch. Das Städtchen wurde am 16. März erobert, das Scbloss aber nicht 
S. hierüber den Brief des Ritters Hans von Münstral an den Markgrafen von 
Hoehberg, vom 17. März, im Briefb. IV, 190, auch Basels Briefe an Strass- 
bui^ und Schwyz, vom 17. und 20. März, im Missivenb. IV, 54 und 56. 

8} Sie verliessen QrandviUars am 25. März und sogen neben Beifort vor- 
bei nach Oranges, in der Freigrafschaft Burgund; s. den Brief des Markgrafen 
von Hochberg, vom 25. März, im Briefb. IV, 186. — Ihren weiteren Weg 
s. bei Tuetey, Les 6corcheurfl I, 115 £f. 

9} S. die Anordnungen vom 12. März im Ruf b. 1, 1 23, auch Beinheim Bl. 25. 

Basier Chroniken. IV. 4 



50 Rathsbacher. 

Nideilanden haruf und meindent datK& ze tunde^); doch ao 
getorste ein teil dem andern volliclichen nit getruwen^. aber 
wir schribent die Sachen allen Eidgenossen, den von Bern, 
den von ZArich, von Lutzem, von Solottorn, von Fryburg in 
Oechtelande, und Switc') und andern 7 und yerkuntent denen 5 
solichen grossen mütwillen, so daz volke in den lannden be- 
gangen hattent und t^lichs begiengent, tind wie uns für- 
kommen were und tfiglich fiirkfime, das si f&r uns ze ziehende 
meindent, batent si daby ein fruntlich sehen zu uns ze habende, 
und ob sich flügte, das das volke für uns ziehen und iren müt- 10 
willen mit uns euch understan woltent ze tribende, uns hilff- 
lich und trostlich ze sinde. und wiewol wir der zite mit inen 
noch niemanden von den Eidgenossen in buntnüsse worent^), 
so ertzougent si sich [147] alle doch zft mole trostlich und 
fruntlich, und seitent uns bilffe zu mit gantzer macht, rustetent 15 
sich mit iren sdmem und coste und andern dii^en, und wo- 
rent gantz uf den füszen zft uns z& ziehende, uns trostlich und 
hilffelich ze sinde nach irem besten vermögen^)/ das wir gegen 
inen niemer z& gutem sollent noch wellent vergessen, und hant 
Seh erkennt die Sachen und geschichten in dis buch ze setzende 20 
zu einer ewigen gedechtnüsze der selben dingen, denne do 
daz Volke die Armjacken den kopff gen Burgundie kertent, 
und wir daz den selben unsern frunden verkundetent und 
widerbuttent, sy davon ein truren und kein froude empfiengent, 
als das gemeiner rüffe waz in allen Eidgenossen. 25 

Füibasz ist ouch ze wissende, das in dem vorgenanten 
1438-1439 jare, als man zalte 1439 jare, und in dem jare davor, grosser 
mercklicher sterbott gesin was in allen lannden, bede in der 
Cristenheit und in Heidenschen lannden, als man daz kuntlich 
Seite, und gienge der sterbet den Rin haruf von statt zu statt, ao 

2C. Am Band eine InhaliMBgabe, Ton euMr Hand das XVHI. Jahrliitndertt. 

1) Schon am 5. Febr. hatten verschiedene Herren und Städte des Elsasses 
sich zu gemeinsamer Abwehr verbunden, jedoch ohne Erfolg; s. Forts, cur D. 
Colmarer Chron. a. a. O., und Berler, im Code historique II, 54. — Ueber 
weitere Schritte su diesem Zwecke s. den Brief Strassburgs vom 1. Mftrs, im 
Brief b. IV, 183, sowie auch ein Rundschreiben Basels vom 20. Mftrc an 
mehrere Landesherren, im Missivenb. IV, 57. 

2) Ueber Basels Misstrauen gegen Markgraf Willielm von Hochbex^ 
8. Forts, der D. Colmarer Chron. a. a. O. 

3) Den Brief an Schwyz, vom 20. März, s. im Missivenb. IV, 56. 

4) Erst 1441 wurde mit Bern undSolothum ein neuer Bund auf 20 Jahre 
geschlossen, wie ein solcher schon 1400 bis 1420 bestanden hatte; s. Stadt. 
Urk. 1400 Jan. 23 und 1441 März 2, im Auszug bei Ochs 11, 341 und HI, 302. 

5) S. Berns Briefe vom 7. und IG. März, im Brief b. IV, 1S5 und 189. 



1439. 51 

Ton lannde z& lande, ye für und für, also das der Sterbott in 
dem Yorgenanten jare by uns ze Basel anevienge umb die 1439 
ostem und werte unta zu sant Martins tage anhin^). in der^^HoTfiT 
zit, als man meinde, by den fdnfthusent menschen by uns Ton 

i dirre weite yerschiedent. datzü das heilige concilium grosz 
gnade tett und applas gab von pyn und von schulden allen 
denen, so sin begerten tmd tzwuschent sant Peter und santjnaisg — 
Pauhis und aller heiligen tage des selben jares in unser statt ^^^' ^ 
von dirre weite yerschiedent — one andern applas, der Yon 

i«inen geben wart denen personen, so in das Dotmos^) und zii 
unser lieben frowenzen Einsidebi') mit den crutzen und pro- 
cession giengent, als das desmoU geordent was. 

Eurer ist ze wissende, das daz heilige concilium by uns 
babst Eugenium den vierden, mit dem nammen genant Gabriel 

» de Collumdario^), von siner ungehorsamikeit wegen abesatzten, 
an sant lohanns aubent zu sunwenden ^) anno domini millesimo Jnni 23 
quadringentesimo tricesimo nono, und aber den durchlüchtigen 
forsten hem Amedeum hertzogen zft Safoy^] — der selbe zwölfe 
ritterbr&deren, im selbz und inen, ein huse in sinem lande 

2ogebuwen hatte, genemmpt Ripalian^) — zu babst gekom, und 
genemmpt ward Felix der fünfte, und beschach solich kur 
in unser statt Basel, uff den fiinfften tag novembris dez vor-NoY. 5 
genanten jares, in der herren stuben zer Muggen^), das z& 
eime conclave gemacht wart; darinne die kieser untz an dencoet. ao — 

2s sibenten tag worent^} , alle ir lobelich gewonheit hieltent und ^^' ^^ 
hattent, als ob die kur ze Rom beschehen w6re. 

IS. Am Buid »ine InhaltMiigAbe, yon elnsr H*nd des XVIII. JAhrhandaTts. 

1) lieber diese Fest s. Appenwüer 1, J. 1439, auch Wurstisen 354 und 
Oehsin, 281. 

2) Todtmoos, im obern Wehrathal, 8 St Ton BaseL Ein Bittgang dort- 
hin wurde TomRath auf den 12. Juni angeordnet; B.Rufb.1 103^ auch Appen- 
wüer a. a. O. 

3) Ueber diese Wallfahrt b. Appenwiler. 

4) Gabriel Condolmieri. 

5) Die öffentliche Sitzung im Münster, in welcher die Absetzung ver- 
kündet inirde, fiel auf den 25. Juni, d. h. auf den Tag nach Johannis. Auf 
den 23. mochte jedoch die yorberathende Sitzung faUen, in welcher dieser 
Beschlusa gefasst wurde. 

6) Amadeus YIIL, 1416 zum Herzog erhoben, hatte 1434 die Regierung 
seinem Sohne Ludwig II. übergeben. 

7} Ripailles am Genfersee. Ueber dieses Ritterstift s. Wurstisen 364. 

8) Das Haus »zur Mücke«, jetzt Schulhaus, beim Münsterplatz, war das 
Qesellsehaftshaua der Ritter; s. Fechters Top. 23 und Heusler 253. 

9) Ueber das Conclave, das am 30. Oct. begann, s. Appenwiler, auch 
Wurstisen 359 ff. 



52 RathsbOcher. 

[Kieniiii] [Ob. 1 387] Uff fritag nach UOOO virginum anno ec. 38 

oetViihat das koin gölten 4 lib. minus 6 s., nemlich 1 viemtasel 

dinkel.^) do wage ein wissbiot, daz 2 d. galt, 8 lot voUidichy 

und etlichs 9 lot, und 1 keminbrot, das 2 d. galt, wage 9^^ lot, 

. und etlichs 10 lot. & 

[j.T. Bingen] Item es galt üf die sit ein viemtzal roggen 6V3 Hb. da 

wart überslagen, das ein xweiling-ioggenbrot wagt 14 lot, und 

ein vieiphennigbrot 28 lot. und wart nach redelichei reche- 

nung dberslagen, das den brotb^ken IQ s. und me an einer 

yiemtsal vorst&nt. doch es was nit uf daz yinest gemaln. 10 

[Kieniini [Ob. I 43] Die Schinder kament gen Damerkilch uf sams- 
Min 7 tag vor oculi, 7. die mensis marcii^j. 

[J.T.Bingen] [65] Notaudum: Künig Albrecht. 

Hertsog Albrecht von Oesterrich^) wart zu künig erweit 
1438 an zinstag vor mittervasten anno ec. 1438 hora nona, waz i:* 

Mira 18 ^g die mensis marcii, und starp im Langendorff^), ob Ofen 
14398 mile, vigilia Symonis et Jude apostolorum anno 1439 zö. 

^- ^ mittemacht. 

[Kieniin] [69] Bcx Romauorum. 

1440 Uff zinstag unser fiowen tag der liechtmes anno ec. 40 20 
Febr. 2 jg^ ^^ Romischem künige erweit hertzog Fridrich von Osterrich. 

(J.T.Bingen] [156] Notaudum. 

1442 Uf samstag nach Martini ist unser heiliger vatter der 
^*^^" hobst enw^ geritten anno ec. 42*). 

Not. 16 Item davor am fritag nehst ist unser allei^edigester herre 25 
Not. 11— 16 der kunig von hinnan geritten; waz vom sunnentage untz dar 
hie gewesen*]. 

[Kieniin] [Rh. 205] Delphin^). 

Ze wissende daz sich gefuget hat: als offen kriege uff- 
erstanden warent zwuschent der herschafft von Osterrich an 30 

1) Ueber diese Theurung vgl. oben S. 46. 2) Vgl. oben S. 49. 

3) Ueber König Albrecht IL s. Appenwiler 1. J. 1439, sowie auch Ano- 
nymus bei Appenwiler. 

4) I>eutBclier Name für Nesunely, an der Donau, zwischen Komom und 
Budapest. 

5) Felix V. war am 24. Juni 1440 in Basel eingesogen und seither hier 
geblieben; s.. Anonymus bei Beinheim, Bl. 36, auch Wurstisen 366. 

6) Ueber diesen Besuch Friedrichs III. und seine Zusammenkunft mit 
Felix y. s. Anonymus bei Appenwiler/ femer SchOnberg 196, Anm. 1. 

7) Unmittelbar voraus geht im Rb. auf S. 198 — 204 das Yeneichniss der 



1438—1444. 53 

einem und der Eydgenosschafft an dem andern teile ^), in 
der selben syt von gewerbes wegen der landsherren, ouch rit- 
teren und Imechten, die der herschAfft schlon und empter in 
Elsas und Suntgowe in phandes wise innhattent^), so yü ge* 

sworben wart an den grosemechtigen fiirsten hem Ludwigen 
von Vjrand des künigs von Francrich eltester sün, der Delphin 
genant^), das er harusz in Tutsche land neben wolte, die Eyd- 
genoscbafit und unser statd Basel ze yemütigen und gante 
underzebringen. darumb oucb der selbe Delphin mit grosser 

10 macht, die man schätzt an drissigtusent gereisiger ^), durch 
Burgund in dise land zoch^). und ward im uf^etan one stich 
und schlag Mümpelgart schlosz und stat*), Alikilch, Ensi^hen, 
Louffenberg, Seckingen^) . dazu erobertent sy die stette zem 
Heilgen Crütz, Herlishein, Markeishein , Nidem Ehenhen, 

15 Rossen s) und andere schlosz umb Straszburg und im Elsas 
gel^en^) j also daz sy das Elsas und das Suntgowe mit gewalt 
innhattent. . und als der selbe herr der Delphin erst in das 
landt käme, zugent der sinen hie für unser stat uff und legerten 

Bürgeraufnahmen Ton 1443 vor Laufenburg, dessen erste HXlfte ssmmt der 
unpranglichen Aufschrift jedoch fehlt; s. unten BeOage III. — Die nach- 
folgende Aufzeichnung Ober die Ereignisse von 1444 scheint erst im Juni 1446 
ins Rb. eingetragen su sein, d. h. nach Beendigung des Krieges mit Oestreich. 
Denn im Verzeichniss der dabei aufgenommenen Bürger finden sich auf S. 209, 
zwischen den Kleinbaslem und den Söldnern, die Worte : »Johannis baptiste 
anno 46«. 

1) Ueber den alten Zürcherkrieg s. Anonymus bei Appenwiler, BL 206 ff. 

2) Ueber die östreiehischen Pfandherren s. Brüglinger z. J. 1444. 

3) Der sp&tere König Ludwig XI., Karls VII. Sohn, damals Dauphin 
von Yiennois. 

4) Diese Zahl erreichte wohl das gesammte Heer mit Inbegriff des 
Trosses. Die Reisigen jedoch bildeten kaum die HAlfte dieser QesammtzahL 
Vgl. hierüber die Schrift des Herausgebers : Die Schlacht bei St Jakob a. d. 
Birs. (Basel, 1877 bei G. Detloff), S. 13. 

5] Das Heer hatte sich im Juli bei Langres in der Champagne gesam- 
melt; s. Tuetey, Les 6corcheurs I, 168 ff. 

6) Montb^liard, seit 1397 württembergisch, wurde dem Dauphin am 
17. Aug. durch Vertrag übergeben, und zwar ffir die Dauer von IV2 Jahren; 
B. Tuetey I, 201 ff 

7) Ueber die Einnahme von Seckingen und Laufenburg s. Appenwiler 
BL 225 ; über diejenige von Altkirch und Ensisheim s. die Strassburger Forts, 
lu Königshofen, bei Mone, Quellen zur Bad. Landesgeschichte III, 527. 

8) Heiligkreuz undHerlisheim liegen 1 St. südlich von Colmar, Markols- 
heim 3 St. westlich von Schlettstadt, und Nieder-Ehenheim und Rosheim 
zwischen Schlettstadt und Strassburg. 

9} Die Einnahme der einzelnen Schlösser und St&dtchen s. in Schilters 
Ausg. des Königshofen, im Anhang, S. 917 ff., femer in der Strassburger Forts, 
bei Mone, a. a. O. 



54 Rathsbflcher. 

sich se Brattelen und ze Muttents.^) der ander harst^) läge 
imuberal im Leymtal und Birstal'], uff sinstag ze nacht nach 

^"^'^sand Bartholomeus tag anno ec. 44. und ab uff die zyt die 
EydgenoBsen vor Varesperg logen ^j, zugent ir der selben nacht 
by tusent mannen') herabe und understundent die Schinder 5 
ze Brattelen ze überfallen, als sy oüch tatent^). damit macht 

Aug. 26 sich mornendes uff mitwochen frii, als die Eydgenossen die 
Schinder ylten untz harabe zu sant Jacob an der Birse^), kom- 
ment die andern der Schindern herste umb und umb zu, und 
euch der edelen ritteren und knechten vom lande mit inen. 10 
und kament die Eydgenossen und sy alle an eynander, und 
beschach uff den selben tag ein Schlacht, daz uff bede siten 
ein mergklich voIk erschlagen wart und undergienge^). umb 
der selben sweren louffen willen wart menglichem, der by uns 
ze blibende meynt, gegünnet vergeben burger ze werden^). 15 
deshalp euch dise nachgeschribenen ze burger u%enommen 
worden sint*«). — (folgen 324 Namen bis S. 209). 

[j.v.Bingen] [Ob. 1 235] Notaudum. 

1445 An zinstaff nach assumcionis Marie anno ec. 45 zueen wir 

» IT ^ ^ 

für die vestin Rinfelden^^). 20 

▲ng. 25 An mittwoch noch Bartholomei anno 45 wart Liel inge- 
nommen in einer trostunge ^^). 

1) Pratteln und Muttens, an der StrsMe nach Liestal gelegen, wurden 
am 23. Aug. von der Vorhut besetzt ; 0. Basels Brief an Strassburg, Tom 24. Aug., 
bei Ochs III, 343« und die Kundschaften von 1446« in der Sftkularschrift von 
1844 sur Schlacht bei St Jakob, S. 35 ff. 

2) D. h. die Hauptmacht, im Gegensatz zur Vorhut 

3) D. h. in der südlichen Umgebung Basels, bis an den Jura-Blauen ; 
vgl. Brüglinger z. J. 1444. 

4) Ueber Famsburg, 5 St. östlich von Basel, s. Birmann, im B. Jahrbuch 
1882, S. 68 ff. — Ueber diese Belagerung s. Anonym. beiAppenwiler, BL206b. 

5) Mit dieser runden Schätzung vgl. Brüglinger a. a. O. 

6) Sie trafen dort den Feind vor Tagesanbruch, jedoch nicht unvorbe- 
reitet; s. ebend. 

7) Ueber dieses Siechenhaus s. Fechters Top. 73. Hier vorbei fahrte die 
Strasse von Liestal nach Basel, mit einer Brücke über die Birs. 

8) Ueber die Schlacht s. Brüglinger a. a. O., auch Appenwiler z. J. 1444. 

9) Diese Vergünstigung wurde schon am 12. Aug. ausgerufen; s. Rufb. 
I, 138b, und vgl. Brüglinger a. a. O. 

10) Die Namen abgedruckt bei Brückner V, 482' ff. — S. auch oben 
S. 52, Anm. 7. 

11) Ueber diesen Zug s. Brüglinger z. J. 1446, und Appenwiler, Bl. 226 ff. 

12) Ueber das von denBaslem besetzte Schloss zu Liel, zwischen Kandem 
und Schliengen, 5 St von Basel, s. Appenwiler, Bl. 228^ auch H. von Offen- 
burg, in der Hs. D II 1 des Basler Kirchenarchivs, Bl. 37. 



1444—1449. 55 

[Rb. 213] Item davor ^) uff zinsstag vor Georji anno ec. inegkynch] 
45, ads man mit der paner für Pfeffingen zog^}, sint disz nach-ApAi 20 
ge8cliriben burger worden. — (folgen 54 Namen bis S. 214). 

[Bb. 210] Rynfelderkrieg 48. tMegkynchi 

5 In dem jare do man zalte nach Cristus geburte 1448, uff 1448 
sambfitag vor sant Katherinen tage % band uns widerseit her ^®^* ^ ^^ 
Wilhelm von Grunemberg ritter*), juncher Thoman von Valken- 
steyn^}, Hanns von Rechperg von Hohenrechberg, Balthasar 
von Blünmeck und Hanns von Bolsenheim^), die als hobtlute 

10 mit iren belferen ze Rynfelden sich enthielten, das sy über- 
fallen und ingenommen hattent^). und als wir mit inen ze 
kri^e kament und dick und fill mit dem baner uszzugent^), 
sind burger worden dise nachgeschriben. — (folgen 79 Namen 
bis S. 211 J. 

15 [Ob. I 427] Anno ec. 49 uff mentag der heiligen dru [Hegkynch] 
kunig tage ») sint unser vigende fiir der statt gesyn und 1 husz JJj;* ^ 
zu Bynningen*^] verbrannt; und ist man nachgeilet zu rosz und 

1) Ueber dieser Au£Eeichnuiig steht im Rb. folgende Ueberschrift von 
Kienlins Hand: »Als das schlosze Rinfelden gewunnen und serbrochen wart 
anno domini 1445 ezaltacionis crucis«. — Uebrigens wurde der Schreiber dieser 
Au&eichnung, G. Megkynch, erst 1447 Unterschreiber; sie wurde also wohl 
kaum vor 1447 ins Rb. eingetragen. 

2) Ueber diesen Zug g. BrOglinger z. J. 1445, und Appenwiler, BL 231. 

3) Stott »sambstag« lies: sunntag (24. Nov.). S. Basels Brief an Liestal, 
Tom 25. Nov., im Missivenb. V, 63, auch Ob. I, 397. 

4] Er steht hier an der Spitze» als Pfandherr der östreichisehen Herr- 
schaft Bheinfelden; 8.B008, Urk.S. 825. — Ueber ihn s.Hy.Liebenau, Arnold 
Winkelried ec., wo auch eine Stammtafel. Er starb 1450 als der letzte seines 
Stammes. 

5) Ueber ihn s. Birmann, im Basler Jahrb. 1882, S. 77 ff. 

6) Die hier genannten 5 Haupüeute hatten schon am 28. Oct. Basel auf- 
gefordert^ sich für oder gegen sie zu erkl&ren ; s. ihren Brief, im Schweizer. 
Geschichtsforscher XII, 115. Im St. Archiv finde ich diesen Brief nicht, da 
im Briefb. V die zweite HAlfte von 1448 fehlt. 

7) Ueber diese That und den daraus entstandenen Krieg s. Appenwiler, 
Bl. 181b ff. 

8) Die nachfolgenden Bflrgeraufnahmen umfassen sfinmitliche Züge vom 
Nov. 1448 bis März 1449. Der Zug gegen Blochmont jedoch, welcher erst 
unternommen wurde, nachdem am 6. April bereits die Friedensunterhandlungen 
begonnen hatten, ist hier nicht inbegriffen; s. unten S. 56. 

9) Ueber dieses Gefecht vom 6. Januar 1449 s. Appenwiler, Bl. 183^. 
10) Das Dorf Binningen sammt dem Schlösse gehörte seit 1436 dem Basler 

Bürger Heinrich Grüninger ; s. Boos, Urk. S. 81 1. 



56 Rathsbaeher. 

zu fii88. und kam unser Tosefolck an unser figende by Hesingen, 
in dem engen wege by der mullen, und scbermütdetten mit 
enander. 
1449 Uff fritag domach ist man mit der banner us^esogen untz 
*"• *®gen Wilen^), daselbs man wyn reichte. s 

Jan. 14 Uff zinstag ze nacht ^) post Hilarii ist man mit dem drit- 
teyP) us^ezogen gen Rynfelden, hie disit Ryns^). 

April 30 [^4^] Blochmont wart gewunnen uff dem meyabent 49^). 

IMegkynch) [Rb. 212] Blochmont. 

April 28 Anno ec. 49 uff mentag nach dem suntag, als man in der lo 
heiligen kilchen singet misericordia domini ec, zugent unser 
herren mit irem baner und züghe usz und schlugent eyn leger 
für das schlossz Blochmont^), das Hermann von Eptingen^) 
innhatte, der in dem Rynfelderkriege unser vigend^j und her 
Wilhelms von Grfinemberg ritters helfer worden was®), und 15 

April 30 wart das selbe schlosz in drien tagen erobert, und Herman 
von Eptingen mit andern edelen und iren dienern gefangen in 
imser statt gefurt und in die kefien geleit, und das schlosz 
geschlissen und verbrennt, daselbs wurdent burger dise har- 
nach geschriben. — (folgen 19 Namen bis S, 213). 20 

1) Wihlen, 1 VsSt westlich Ton Basel, auf dem rechten Rheinufer. Ueber 
diesen Zug s. Appenwiler, Bl. 187. 

2) In der Nacht vom 14./15. Januar; s. Appenwiler a. a. O. 

3) Wohl eher: mit dem vierteyl. — Die Aussflge erfolgten entweder mit 
der gesammten Streitmacht, oder »mit der halben statt«, oder »mit dem vier- 
teyl« oder mit dem »halben vierteyl« ; aber von einer Breitheilung finden wir 
sonst keine Spur. S. die Mannschaftecala im Ob. I, 241. Der »vierteyl« war 
auf 420 Mann angeschlagen. 

4) D. h. auf dem linken Rheinufer, gegen die vom Feinde besetzte Stadt 
Rheinfelden. Die Strasse f&hrte damals über St. Jakob, Pratteln und Äugst. 
Deshalb wurde im friedlichen Verkehr die ebenere und bequemere Strasse des 
rechten Ufers vorgezogen. 

5) Ueber Blochmont s. unten Z. 9 ff. die Nachricht im Rb. 

6) Blochmont, 6 St. von Basel, hinter Pfirt Ueber diesen Zug s. Appen- 
wiler, Bl. 189 ff. 

7) Ueber diesen Neffen des oben z. J. 1425 erwähnten Konrads von Ep- 
tingen 8. Beiträge XU, 130 ff. 

8) Seine Absage erfolgte erst am 5. April 1449; s. Ob. I, 412. 

9) Hermanns Frau Magdalena war die Tochter des oben z. J. 1428 er- 
wähnten Johann gen. Grimm v. Granenberg; s. die Stammtafel der Grünen- 
berge bei H. V. Liebenau, Arnold Winkelried. Denmach ist zu berichtigen, 
was in den Beiträgen XII, 132 hierüber gesagt ist 



1449—1452. . 57 

[wb. 92*] Von eyns bisschoffs von Basel begrebte iMegkynchj 

und Yolge wegen. 

Anno domini 1400 quinquageaimo primo uff zinstag deri4&i 
heiligen dri kunge obend, umb vesperait, ist der hochwirdig ^"- ^ 

h in gott vatter her Fridrich ze Kine ^) bisschoff ze Basel mit 
tode abgangen, des s^len got gnedig sin wolle, also morndes 
uff dem zwolfflen tage, aber ze vesperzyt, hat man die lichejan. 6 
zem grabe geleitet, und warent daby alle kilchspil und alle 
orden in eyner procession, und der wichbisschoff^) nach der 

19 liehe, und dornach alte und nuwe rete^), und alte und nuwe 
sechse^), ouch ordentlich nach eynander in eyner procession, 
Ton und usz dem münster untz zu des bisschofs h&fe^), und 
mit der liehe wider in das münster zu dem grabe ^); und bleib 
man daby, bisz der lib bestattet wart. 

15 Uff den selben tag band alte und nuwe lete eikennt, dasz jah. g 
solichs hinnfur, wenn eyn bisschoff von Basel in der statt ab- 
gat oder von uszhin inher gefurt wirt, der statt halb aber also 
gehalten werden solle, das bede rete und nuwe und alte sechs 
zu der begrept g6n und die liehe zu dem grabe geleiten sol- 

:»lend one kertzen. und so man der liehe volgen wil, sollend 
sy aber daby syn mit der zunfften kertzen, als man zu ander 
bisschoffen joiziten gewonheit het ze tunde. 

[Ob. n 172] Anno ec. 52 sabbato vigilia trinitatis hat her l*^*«*^'»«*»! 
Bemhart Ton Ratperg ritter burgermeister ^ für rate erzalt, jnni 3 
25 als er eyn houbtman unsern seidenem, die unserm aller- 
gnedigisten herren keyser Fridrichen ubei berg ec. gedienet 
hand^), zugeben was: wie denn er ze Rome für unsern heiligen 

1) lieber seinen Tod vgl. Appenwiler, Bl. 191. 

2) Nikiaus Ammann, Bischof von Tripolis, ein Barftlsser ; s. Wurstisen 419. 

3) lieber du Yerhftltniss des alten zum neuen Rath s. Heusler 374 ff. 

4) lieber die Sechser oder Yorgesetsten der Zünfte, welche den Grossen 
Rath bildeten, s. ebend. 282 ff. 

5} Wie mehrere seiner Vorgänger seit dem Erdbeben von 1356, so be- 
wohnte auch Bischof Friedrich den ehemaligen Schürhof, jetzt Münsterplats 
No. 19. Im Bischofiihofe hinter dem Münster, der erst sp&ter ausgebaut 
wurde, hatte während des Concils Papst Felix V. gewohnt. S. Beinheims 
Bischofschronik, femer Wurstisens Beschreibung des Münsters, Ausg. von 
Achilles Burekhardt, in den Beiträgen XII, 485 u. 496, auch Fechters Top. 20. 

6) Sein Grabmal, bei Lebzeiten errichtet, s. im nördlichen Seitenschiff. 

7) Ein Sohn Hans Ludmanns, des 1410 verbannten Bürgermeisters, und 
Bruder Arnolds, des 1451 erwählten Bischofs; s. B. Chron. I, 293, Anm. 4. 
Er starb 1470; s. Tonjok 11. 

8) lieber diesen Zuzug zur Romfahrt, der am 10. Nov. 1451 aufbrach 
und am I.Juni heimkehrte, vgl. Appenwiler, BL 193^, und Anonymus bei 



58 Baäubacher. 

vatter babst Nicolas kommen were und sinei heilikeit die statt 
von Basel und die iren diemAtiklich empholhen bette, da wurde 
im von dem babste gnediklicben und müntlichen geantwürtet: 
er were der statt von Basell holt, wannd die statt von BaseU 
bette sieb fromklicb mit dem concilio gebalten und bettent» 
geton als fromme biderbe lüte, und es werent fronmie lüte ze 
Basell^}. was er oueb der statt von Basel und den iren gnaden 
tbün mocbte, wolte er altzit willig syn se tünde ^. daby werent 
grafe Hanns von Ebersteyn'], ber lobannes Gemynger^], Jacob 
Wurmszer und Waltber Ryff von Straszburg, und fiU frommer lo 
benen und lüten mS ec. 

Item dise nacbgescbriben band die unsem gefördert und 
inen fruntscbaffl; erzöget ze Rome: 

der Cardinal von Metz, tituli sancte Sabine^). 

der prior yon sannt Antbenien. is 

meister Wilbelm Hensbe^ der cüster<^). 

meister Dietricb Calwe. 

bertzog Albrecht von Osterricb^). 

maiggraff Rudolff von Botelen ^). 

item graff Oswalt von Tiersteyn*). 20 

5. »mit d«iii coDcilioc naehkifflieh darchgestrich^B. 17. Hinter Calwe einige 

Zeilen leer. 

Appenwiler, femer Beinheim, Bl. 28^, und Berlingen ZuB&tze zu Etterlin, 
B1.31b. 

1) Vermuthlich beüeht idch dieses Lob darauf, da» Basel 1448 — wenn 
auch ungern — der Forderung König Friedrichs sich gefügt und das Concü 
durch Kflndung des sichern Geleits zum Wegzuge gezwungen hatte. S. Bein- 
heim, BL 15 und 17 iL 

2) Er bestätigte Basels s&nmtliche Priyilef^en; s. Stftdt. Urk. 1452 
Mftrz24. 

3] Dieser hatte 1 446 die Gesandtschaft des Concils überfallen ; s. Brüg- 
linger z. J. 1446, auch Wurstisen 407. 

4) Ueber seine Vergangenheit als bischöflich baselischer Ofißzial s. Bein- 
heim, Bl. 18^ und 21^ femer N. Gerangs Forts, zu Martinus Minorita, abge- 
druckt in ßcriptores Basil. Minores, S. 343 in der Anm. — Seit seiner Frei- 
lassung lebte er in Rom als p&pstlicher Schreiber. 

5) Konrad Bayer von Boppard, seit 1416 Bischof von Metz, folgte 1451 
als Kardinal von St Sabina auf den verstorbenen Papst Felix Y. 

6) Wilhelm von Heinsberg, Domcustos zu Basel, starb 1457 und wurde 
im Münster b^raben ; s. Tonjola 8 und Trouillat V, 815. 

7) Albrecht VI., Kaiser Friedrichs Broder, regierte seit 1443 die vorder- 
östreichischen Lande. Seit dem Friedensschluss zu Breisach war er mit Basel 
auf 10 Jahre verbündet: s. StAdt Urk. 1449 Mai 14. 

8) Sein Vater Wilhelm, der in Oestreichs Diensten stund, hatte ihm 
schon 1441 die Regierang seiner Lande übergeben. 

9) Graf Hansens Sohn. Ueber ihn s. Birmann, im B. Jahrbuch 1883, 
S. 48 ff. 



1452—1457. 59 



ritter. 



her Hanns Miinch von Lantzkron^). 
her Heinrich Rych^). 
her Friedrich vom Hüse^). 
her Heinrich von Randegk. 
s her Gerge Tnichsesss^). 

her Markart Brisacher von Costentz^). 
her Hanns von Gundrichingen. 

[Ob. n 288] üff mittwoch post nativitatis Marie 54 sint iKieniinj 
marggrafe Hanns, marg^afe Jeije und marggrafe Marx ▼ong^p'i ^ 
loNidem Baden <^) hie durch gen Pafye ad Studium gezogen. 

[wb. 162] Zu ewiger gedechtnusse der dingen sol niän(Ki«nUn] 

wissen der arch halb im Byne: 

Als eyn rate zu Basel in dem 1457 jare understanden hat, 1457 
die nuwen steynen arche hie dissit dem keppelin^) in dem 

isRyne uff das phulment, so daselbs was^), ufzefuren, und die 
werglute die waszerstuben umb das phuLnent setzen, die vor- 
dammen und das phulment trucken legen soltent, daz daran 
groszlich gevelet, und die waszerstube ze enge und ze schnöde, 
und euch nit recht gesenckt noch uff dem gründe versorget 

20 warde, daz man die trucken legen mochte ^). deshalb für und für 

7. Diese Zeile ist Zantz von Kienlins Hud. 

1) Der Bruder de« 1444 bei St Jakob gefallenen Burkhard M., und mit- 
hin ein Urenkel jenes Ritters Burkhard des filteren, welcher 1376 starb; vgl. 
oben S. 18, Anm. 1, und Appenwiler, BL 225. Mit ihm erloschen 1460 die 
Manche von Landskron. 

2) Er erscheint 1465 als östreichischer Statthalter der Landvogtei im 
£lsasB und Breisgau ; s. Ob. IV, 42. 

3) Hans Friedrich vom Huse erscheint 1465 als ÖBtreichischer Rath; 
8. ebend. 27»». 

4) O. Ton Waldburg, Reichs-Erbtruchsess. 

5] Als BQrgermeister führte er den Zuzug dieser Stadt zur Romfahrt; 
s. Speirer Chronik, bei Mone, Quellen I, 390. 

6) Von diesen 3 j fingeren Söhnen des 1453 yerstorbenen Markgrafen 
Jakob L wurde Hans 1456 Erzbischof yon Trier, Georg 1459 Bischof von Metz, 
und Marcus Domdechant von Mainz. 

7] Der hier erzählte Bau betrifft das äusserste oder erste Steinjoch, von 
Gross-Basel aus gesehen. Die Kapelle aber stund früher nicht auf diesem, 
sondern auf dem zweiten Steinjoche; sie wurde 1478 umgebaut, jedoch erst 
1865 vom zweiten auf das erste Steinjoch versetzt. Ueber den Bau von 1478 
s. eine Notiz im Cod. Beinheim, Bl. 78i>. 

8) Dieses Fundament mochte vom ersten Bau der Brücke herrühren, also 
aus dem XITT. Jahrhundert. 

9) VgL im Liber Div. Rerum, Bl. 97, die vom 13. Mai d. J. datierte An- 
leitung zum Bau einer Wasserstube, die der Rath sich von Meister Hans von 
Reutlingen hatte geben lassen. 



60 Rathsbacher. 

vil groszes kostes darüber gienge, bise das su lest etlich werglute 
den synn fanden, daz sy mit geschuchten phelen ejn zwifeltige 
Stuben ze ringe umb das phulment wol dryer schüe wyt schlugen, 
und die zu ringe umb uff dem gründe mit toen wol bestieszent 
und durch uff her euch mit toen uszfullten, in maszen daz 6 
man die trucken legen und behebe machen mochte, also ward 
1457 euch die arche vor wyennechten in dem selben 57 jare an- 
^' gefangen setzen und bisz uff ascensionis domini darnach im 
14&8 58 uszbereit, doch mit merglichem kosten, denn von ungehebe 
~ wegen der waszerstuben, die zem ersten verhoüt was, man tage lo 
und nacht vil knechte und werglute haben muste, bisz das man 
für das waszer uffer käme, und kostet die selbe arche zem 
gröbsten überschlagen by 2300 Ib., und ward also uszbereit 
under her Hannsen von Berenfels ritter burgermeister'), Hann- 
sen Bremenstein zunfftmeister, und warent lonherren Hein- i& 
riph Ysenly^) und Hanns SaÜer^). 

Hfti 6 [wb. 92^] Uff sambstag ze nacht vor der uffart aimo ec. 58 
ist verscheiden bischoff Amolt von Basel, eyner von Ratperg^). 

Mfti 7 der wart euch in obgeschribener masze ^) momdes umb vesper- 
uai i2zyt zu dem grabe geleitet, und sin lipvile uff fritag darnach 20 
begangen, an des selben herren abgang der stat und dem 
lande übel beschach. denn er eyn frommer geistlicher und 
fridlicher fürst, und zu allen zweyungen gütlich oder recht- 
lich hin ze legen willig und unverdroszen gewesen ist^); des 
sele got gnedig sin wolle. 25 

[Megk7iicii][0b. HI 104^] Marggrafen von Baden. 

1460 60 umb sannt Lorentzen tair^ wiirdent zwSn mannrrafen 

Aug. (6) ^^ ' ^^ 

1) Vermuthlich ein Sohn des oben e. J. 1439 erw&hnten Bürgenneisters 
Arnold v. B. 

2) Er gehörte zum Achtbürgergeschlechte d. N., welches in Basel um 
1580 erlosch, und wurde sp&ter Oberstsunftmeister ; s. Wurstisen 435. 

3) Der Schluss dieses Abschnitts entspricht der Inschrift, welche fraher 
an diesem Joche sich befand ; s. Ochs V, 200. 

4) Ueber seine Verwandtschaft s.^oben S. 57, Anm. 7. Ueber seinen Tod 
und sein Begräbniss s. Appenwiler, Bl. 201. 

5] Nämlich gem&ss der Verordnung vom O.Januar 1451, welche im Kl. 
Weissb. unmittelbar rorauflgeht; s. oben S. 57 zum Begräbniss Friedrichs 
ze Hin. 

6) Ueber seine Regierung s. Gerung, in den Seiptores rer. Basil. minores, 
347 ff. 

7) Genauer: Freitags vor Laurentii (6. Aug.). Ueber diese Qewaltthat 
s. Eckhard Ant, Ausg. in den Quellen zur Bairisehen Gesch. II, 183, und 
Mathias von Kemhat, ebend. II, 29, femer die Speirer Chronik, bei Mone, 
Quellen I, 446. 



1457--1461. 61 

TOD Baden, nemlichen marggraff Oerg bisscholff süi Metz und 
maiggraff Marx, durch Fridrichen von Schowemberg^) gefangen 
und gon Yssenhein^) in dass Bchloss geflirt ec. und ward furder- 
lich daruff durch der herschafft von Osterrich landvogt hern 

s Peter von Morsperg ritter dass schlosz berennt und domach 
ouch durch ma^graff Karlen von Baden mit macht belfert, 
der ouch dasz schlosn mitt allerley grossem und kleynem zughe 
understünt ze notigen und ze beschiessen. also reyt tmser 
herre biaschoff Johanns von Basell^) mitt sambt desz rats hotten, 

id nemlichen her Hannsen von Berenfels ritter und Bemharten 
von Louffisn, darzä in dasz h£r und underst&nt dorinn ze te- 
dingen swüsschen beden parthien. in dem begerte marggraff 
Karle*) ettwasz züges von uns, nemlichen 20 schützen mitt 
handbüchssen und zw&n tonnen pulwers. der selbe zugh im 

»ouch durch unser hotten zügeseyt wart, und syn gnade dasz 
zu grossem dangke von uns ufinam. doch so wart die sach 
gericht; vor und ee unser zügh gefertiget wart.^) 

[Rb.227] Ortemberg 61. (Kieniin] 

Anno domini 1461 uff fritag vor Mathei wurdent sibeniiei 

30 unser burger koufflute nid wendig Markelssen^), in des bi- ^^ 

schoß von Straszburg*^ geleyt, durch Beynhaiten Meyen^}, 

von geheiszes wegen Heinrichen Meyen sins bruders®), als er 

seyt, von Briden Palmeserin^^) wegen, gefangen und gen Ortem- 

1] Dieses Geschecht stammt vom Sehlosse Schauenburg in der Ortenau 
und ist nicht verwandt mit den Edelleuten d. N., deren Stammburg oberhalb 
Prattehi liegt ; 8. Schöpflm-Rayenes Y, 758 ff. 

2) Isenheim, hei Gehweiler. 

3) Johann von Venningen, Bischof seit 1458. 

4) Markgraf Karl, der ftltere Bruder der beiden Gefangenen, war seinem 
Vater Jakob 1453 in der Kegierung gefolgt 

5) Ueber den Ausgang der Fehde s. Eikhard Ant a. a. 0., auch Schöpf lin- 
Barenea lY, 169. 

6) Markolsheim lag an der Strasse von Basel nach Strassburg; s. oben 
S. 53, Anm. 8. 

7) Bischof von Strassburg war seit 1440 Ruprecht, ein Sohn Stephans 
Ton Pfals-Simmem und Enkel König Buprechts. 

8) Beinhard Mey yoxl Lambsheim gehörte zu der Gesellschaft von Aben- 
teurern, welche auf Ortemberg hauste, und deren Hauptmann Hans vom Wiger 
war; s. Stftdt. Urk. 1461 Sept 24. 

9) Heinrich Mey yon Lambsheim hatte Basel seit 1459 unter nichtigem 
Verwände befehdet, und swar so, dass auf seinen Kopf ein Preis von 500 Gl. 
gesetat wurde. Am 14. Aug. 1461 jedoch hatte er mit der Stadt Frieden ge- 
schlossen. S. Missivenb. IX, 128, 133 und 161, und X, 60 und 87; ferner 
Rufb. I, 202b und H, 6, auch St&dt Urk. 1461 Aug. 14. 

10) Ihr Name wird auch »Balmoserin« und »Barmserin« geschrieben. Sie 



62 Rathsbücher. 

beig^) by Schietstat gefurt. dazu tet der bischoff von Stiasz- 
bürg so vil, daz das selbe schlosze belegert und die gefangnen 
(Sept 24) ledig wurden.^) aber ee das beschaeh, hat die stat sich gerust 
mit luten und gezuge für das schlosze ze ziehen, dazu ouch 
der herschafft von Osterrich landvogt und marschalk ^) der stat s 
mit aller landschaflFt und irem gezuge ze helffen zugeseit und 
genistet band, desglich die von Straszburg, Schletstat^ Colmer 
und Mulhusen ouch getan band, so band die von Zürich, 
Bern und Solotorn trostlich zugeschriben eyn getruwe zuseen 
zu der stat und iren emptern ze haben, so hat der marggrafe lo 
von Rotölen^) der stat segs knecht und pherde zugesant; denn 
er nit inlendig was. desglich die ritter von Eptingen^) alle 
und her Bemhart von Gilgenberg ^) ouch zugeseit band, zu 
solichem zuge hattent sich dise nachgeschriben gerüstet^ umb 
burgrecht ze verdienen; denen hat man ouch solich burgrecht is 
geluhen, wiewol der zug wendig wart, umb 2 gülden.') — 
(folgen 93 Namen bis S. 228). 

[Megkyncii] [Ob. III 138^] Her Jacob zfi Byne ritter^ priester 

gefangen. 

1462 62 uff sambstag ante Laurencii wart eyn priester, nem- 20 

war vonBftseli und Tochter des Arztes Konrad vonMeissen, der nach froherem 
Wohlstand im Alter in grosse Armut gerathen war. In dieser seiner hilf- 
losen Lage hatte si$ ihn schon 1447 verlassen, um mit dem Vater ihres unehe- 
lichen Kindes, das sie gleichfalls zurQckliess, nachBaiem zu entweichen. Den- 
noch forderte sie von Basel, nach ihres Vaters Tode, dessen angebliche Hinter- 
lassenschaft und verklagte die Stadt hei den westphftlischen Gerichten. Seit 
dem Sommer 1461 wohnte sie auf Ortemherg unter dem Schutze Johanns vom 
Wiger, der sich ihren Vogt nannte. S. Missivenb. X, 78 und St&dt. Urk. 1459 
M&rz 15, April 9, Aug. 27 und Oct 6, femer 1461 Jan. 21, Juli 28 und Aug. 
17 und 18. 

1) Ortenberg, am Eingang des Albrechts- oder Weüerthales, gehörte ge- 
meinsam verschiedenen Gliedern des Geschlechts von MOlnheim; s. Schöpflin- 
Ravenez IV, 455, auch Stadt Urk. 1461 Sept. 24. Das Verhältniss dieser 
EigenthOmer zu Hans vom Wiger und seiner Gesellschaft ist nicht klar. 

2] S. den Vertrag, Stadt Urk. 1461 Sept 24. 

3) Als Landvogt erscheint schon 1 454 Feter von Mörsberg, und Land- 
marschall war seit 1450 Thüring vonHallwil der jQngere, Tharings des älteren 
Sohn, der auch 1464 auf F. von Mörsberg als Landvogt folgte. S. Stadt Urk. 
1454 Sept 11, und Ob. IV, 8b femer C. Brunner, in der Argovia VI, 191 ff. 

4) Rudolf V; s. oben S. 58, Anm. 8. 

5} Von diesem Geschlechte blühten damals noch mehrere Zweige. 

6) Ueber Hans Bernhard von GUlgenberg, den Sohn Rudolfs, des 1459 
verstorbenen letzten Freiherm von Ramstein, s. K. Vischer-Merian, in den Bei- 
trägen XII, 252 ff. 

7) D. h. um die Hälfte der Einkaufstaxe ; s- unten Beilage III. 



1462. 63 

liehen her Ciriacus L^teyn, der in dess bisschofis yon Nassow^) 
dienst gen Some riten wolt, durch her Jacobs zu Byne^) diener 
zwusschen Brattelen und Liechstal nydei^eworffen und gen 
HSsingen gef&rt. und alss der rat das yemam, schigktent sy 
& ir bottschafft lu her Jacob ze Ryne in der nacht gen H&ingen, 
nemlichen her Hanns von Flachslanden ritter burgermeister, 
Caspar von Begossen'] und Ulrich sem Luffb^), und fordertent 
den piiester harusz one engeltnysz. also nach allerley rMe 
gab her Jacob ze Byne den priester harusz one engeltnysz, 
10 und wart har in die statt gef&rt. und wart ouch her Jacoben 
durch die hotten zugeseyt, dasz er und s]rne diener^) und die 
synen der selben getat halb hinnfur von der statt wSgen one 
sorghe syn und bliben sollte, daruff kam ouch der selbe her 
Ciriacus für offenen rate und bedangkte sich gar ser so- 
ta lieber gnaden, so der rate im geton hette, in also ze lidigen. 

[140^] Babst, keyser. 

62 uff mittw&chen crastino Bartholomei sind uns uff eyn i4e2 
Stunde Tor mittemtaghe g&te mfir kommen yon unserm heiligen ^^' 
yatter dem babste und yon unserm allergnedigsten herren dem 

2u Romischen keyser. und besunder hatt uns unser heiliger 
yatter der babst geschriben®] : als uns yormols ettlich bebst- 
liehe bullen geantwurtet und da by gar grossen erschroglichen 
penen gebotten worden wasz, mitt aller macht g^en den pfal- 
letzgrafen '') und her Dietrichen yon Tsemberg ec. und ire an- 

24 banger zu hilffe her Adolffen yon Nassowe ec. ze ziehen, nach 
merglicher innehallt der selben bebstlichen bullen ec.^} — 
das solich bullen nach syner heiUkeit meynunghe nit usz* 

11. Hb.: sngttMyt d«n er. 

1) Adolf von Nassau war 1461 von Pius U. zum Enbischof yon Mainz 
ernannt worden, gegen den abgesetzten Dietrich von Isenburg. 

2] Froher in Basel Bürgenneister, hatte er 1454 sein BOrgerrecht gekün- 
det Im Mfirz 1462 war er dem Ffalzgrafen Friedrich zugezogen, also dem 
Feinde Adolfs von Nassau, und hatte am 30. Juni bei Seckenheim gek&mpft. 
S. Lb. n, 136b und Ob. III, 1 28, femer M. Beheims Reimchronik, in den Quellen 
lur Bayr. Gesch. m, 1 16. 

3) Er wurde 1463 Oberstzunftmeister. 

4) Ein Bruder des Domherrn Peter und Vater des Domherrn Arnold zem 
Luft; s. die Stammtafel bei Wurstisen 439. 

5) Sein Knecht Rudolf zog noch denselben Monat in fremde Kriege ; s. 
Ob. m. 138 b 

6) Diesen Brief Pius IL s. St&dt. Urk. 1462 Juli 3f . 

7} Friedrich der Siegreiche, ein Sohn Ludwigs III., regierte seit 1449, 
d. h. seit dem Tode seines Bruders Ludwigs IV. 
8) S. die Bulle, Stadt Urk. 1462 April 30. 



64 RathsbOcher. 

gangen wexent. und hatt uns dorinne aU gut crifitgloübigen 
lüte ger&met, und ouch gebetten unsern flysz dorzü se k£ren, 
dasz der bisschoff von Metz, marggraff Karle von Baden und 
graff Ulrich von Wirtemberg i) ec., alsz die durch den pfalltz- 
grafen gefangen worden werent^), irer gefangenschafft lidig 5 
werden mochtent. und hatt doch ze lest daby alle soliche 
penen in synen bebstlichen bullen b^riffen ab^eton und re- 
laxirty ouch solich bullen vernütiget, nach innehallt der selben 
briefen ec. 

Dorzü als unser allergnedigister herre der Romische keyser 10 
uns ouch gar ernstlich und treffenlich gemant'j hatte, synen 
houptliiten gegen hertzog Ludwigen von Beigern ^) zuzezieheh, 
uns ouch doruff eyn ladunge zugesannt hatte; uff solichs wir 
unser bottschafft zu unserm herren dem keyser uszgefertiget 
hattent, mitt nottürfftiger underwisunghe unsern herren den 15 
keyser anzekeren, uns als eyn frye statt by unsern fryheiten 
und altem herkommen bliben ze lassen^), die selbe boUschafft, 
nemlichen her Cunrat Kflnlyn unser stattschriber, uff die ob- 
genant stunde ouch wider har heym kommen ist und under 
anderm erzalt hatt: wie denn nach synem gewerbe unser herre 20 
[141] der keyser die Sachen der obgenanten ladung und gebotten 
halb uffgeschlagen hette untz uff abescheyd des friintlichen tages, 
so der kriegen halb zu Nüremberg angesetzt worden were. 
wurdent da die Sachen gericht, so blibent die Sachen daby®); 
beschee aber das nit, so hette unser herre der keyser sjmen 23 
houptluten empholhen, mitt uns und andern stetten alszdenn 
fürer zu handelen nach geburlikeit, als wir dasz ouch woll 
vernemmen wurdent ec. 

[144*] Wie man vor Hohenküngsberg^) gezogen ist, 

und wie es gewunnen wart. 30 

1462 62 uff sambstag nach 11000 jungfrowen tage schigktent 

1) Ulrich der Vielgeliebte, Stifter der Linie Württemberg-Stuttgart 

2) In der Schlacht bei Seckenheim am 30. Juni; 8. unten. 

3) lieber diese Mahnung fi. Ob. III, 129 ff. und Ochs IV, 126 ff. 

4) Ludwig der Reiche, von Baiem-Landshut Ueber diese Fehde vgl. 
Appenwiler, Bl. 212. 

5) Als freie Stadt war Basel nur bei der Bomfahrt des ELaisers und bei 
Kriegen zum Schutze der Christenheit zum Zuzüge verpflichtet S. Heusler 3 1 ff. 

6) Am 22. Aug. wurde zu NOmberg Friede geschlossen; s. Liohnowsky 
Vn, Rißg. No. 678 und 679. 

7) Ueber Hohen-Königsburg, bei Schlettstadt, s. Schöpf lin-Ravenez IV, 
462 ff. (wo irrig 1472 für 1462). — Der oben S. 61 erwähnte Reinhard Mcy 



1462. 65 

wir einen sugh uss mitt hundert föszknechten i) ; der warent 
40 im den empteren^) und 60 von der statt, und warent houbt- 
lute her Hanns von Flachslanden ritter burgermeister und 
Ulrich aeem LufEl. und schigktent die herren von der Hohen 

s Stuben 3) her Hannsz von Berenfels ritter alter burgermeister 
mitt sechs pferden dar. und lagent des bischoffis Ton Strass- 
bürg und der herschafft von Osterrich lüte und fiU ander 
herren lüte euch davor 4); und geschach euch der zugh mitt 
wissen und willen desz pfalletsgrafen ^). und wart eyn houbt- 

1« büchssen, genant der Trach, dar geflirt<^). und wart dass schloss 
gewunnen uff friti^ nach sant Symmon und Judas tage; undoet. 29 
die uff dem schlösse warent, die giengent in der vorderen 
nacht davon ^. 

[146^] Als der pfalletsgrafe dry fursten gefangen 
u hatt. 

Anno 62 uff ^) hatt hertaog Fridrich von Feigem (Jobi so) 

pÜEÜletzgrafe by Byne im felde unferre von Heidelberg^) nyder- 

10. »Tnehc corrigiait sos »Bidy«, Ton denelban Hftiid. 16. Bmb fftr dM Datam 
le«r gfllameB. 



Ton Lunbtheim, der mit dieser Burg von Jacob von Hohenstein war belehnt 
worden, hatte von hier aus mit seinen Genossen Straisenraab begangen: s. 
Missivenb. X. 133 u. 157, auch Ob. in, 138 und 140. 

1) Ueber den Aufbruch su diesem Zuge TgL unten Appenwiler Bl. 213. — 
Nach einer Vereinbarung, welche die betheiUgten Fürsten und Städte am 15.0ct 
zu Cobnar getroffen hatten, aoUten alle Zuzüge am 26. Oct ror dem Schlosse 
einteffen, und derjenige der Stadt Basel war ntur auf 50 Fusskneohte nebst Ge- 
whflts Teranschlagt; s. Missivenb. X, 132, und Ob. III, 115, bei Ochs IV, 131. 

2) Zu den schon 1400 erkauften Aemtem Liestal, Homburg und Waiden- 
burg war 1461 noch die Herrschaft Famsburg gekommen; s. Ochs IV, 114 ff. 

3) Ueber die Hohe Stube s. Heusler 254 ff. 

4) Weitere Verbündete nennt der Colmarer Abschied, im Ob. III, 115, 
auch Appenwfler, BL 213. 

5) Friedrich war Reichsrogt im Elsass; s. Schöpf lin-Ravenet V, 566. Er 
selbst konnte damals nicht mitwirken, da die pftlzische Fehde ihn vollauf be- 
sehlftigte; s. unten. 

6) Gemäss dem Abschiede von Colmar sollten wenigstens 3 Hauptbüchsen 
gestellt werden, wovon 2 von Oestreich und 1 von der Staat Basel; s. Ob. HI, 
115. Ueber Basels Zuzug an Geschütz s. Niheres bei Appenwiler, a. a. O. 

7) Im Rb. 229 findet sich folgende Ueberschrift, auf welche zwei leere 
Seiten folgen: Hohenkungsperg wart zerbrochen uff [Raum fOr Datum] anno 
domini 1462. — Die Burg wurde nach 1479 neu erbaut. 

8) Ergänze : «mittwuchen nach Johannis«, oder »vor sant Uolrichs tag«. 
Obsehon die Schlacht am 30. Juni geschah, so kann doch diese Notiz nicht vor 
£nde Octpber ins Ob. geschrieben sein. — Näheres über die Schlacht s. bei 
Appenwiler, BI 212. 

9) Bei Seckenheim, seit diesem Sieg^ Friedrichsfeld genannt, zwischen 
Heidelberg und Mannheim. 

Basler duroniken. IV. 5 



gg Rathsbacher. 

geworffen und gefangen bisschoff Johannsen von Metz gebornen 
marggrafen von Baden, maiggraff Karlen von Baden synen 
brudeiy und ouch graflf Ulrichen von Wirtemberg, woU mit dry- 
hundert rittem und knechten, und bliben eyn hene von Bran- 
dis^] und ander herren tod. & 

Als Mentz gewunnen wart. 

oct. 28 Item domoch uff sannt Symon und Judasz taghe fr&y am 
morgen wart die statt Mentz gestigen und gewunnen 2) von 
dem herren von Nassow bisschoff zu Mentz, hertzog Ludwigen 
von Peigern grafen zä Veldentz') und andern synen helffern, lo 

[155^] Notandum. 

1463 63 zwusschen ostem und pfingsten^) hatt man hie zu 
Mai (13) ißj^g^j gyj^ g^]^ rogltcu uud eyn hüffen salmen ^) glych thtir 

koufft und verkoufft, nemblichen umb 7 s. d. 
nAchMfti» Item nach pfingsten galt i salm und tl segkvrogken is 
ouch glych. 

[Ob. IV 30] Inscribatur cronicis. 

1465 65 uff fritag ante jubilate hat hie zu Basel eyn salm goll- 
^^^ ^ ten 2 s. d. mi denn 18 segk mytt rogken an offenem mergkte^}. 

[59^] Brunst zft Klyngental. 20 

1466 66 uff zinstag ze nacht 7) in der heiligen karrewuchen gieng 
^" ^ eyn schädlicher grosser brunst an in dem closter zu Klyngental^) 

in Mynderen Basel, und wart die kilch kum errettet, desz- 

1) Georg von Brandis; s. Beinheung Reimohronik, in Quellen cur Bair. 
Oesch., m, 137 ff. 

2) Hierüber 8. Appenwiler, Bl. 212 und 213. 

3) Ludwig der Schwane von Ffak^Simmem, Ghraf von Yeldens. Er war 
ein Sohn Stephuis und Enkel König Ruprechts, iJbo ein Vetter Friedrichs des 
Siegreichen, als dessen Feind er hier erscheint 

4) VgL dieselbe Nachricht bei Appenwiler, Bl. 213, mit dem bestimmteren 
Datum des 13. Mai. 

5) D. h. der neunte Theil eines Sahns; s. Wurstisen 434. 

6) VgL Appenwiler BL 214 und die Fortsetsung zu Beinheims Chronik, 
Bl. 28^ femer Etterlin, Ausg. von Spreng, S. 174. Laut Letzterem — wo fibri- 
gens 1465 entstellt in » 1445« -- galt der Salm 4 Ol., d. h. 4 x 23 » 92 s. ; die 
18 Sftcke oder 9 Viemzel Roggen galten demnach 92 — 2 a 90 s. 

7) D. h. in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch (1/2 April); Tgl. Appen- 
wiler, Bl. 214. 

8) Ueber dieses Kloster s. Fechters Top. 141 ff. und C. Burckhardt, Die 
Klosterkirche Klingenthal, Heft VIII der Mittheilungen der Antiquar. Gesell- 
schaft zu Basel, auch Th. Burckhardt-Biedermann, in den Beiträgen XI, 54 ff. 



1462—1468. 67 

halb eyn lumbde fyel uff eyn frowe genant Amelya von Mül- 
lynen^), dass eitlich meyntent, dasz sy schult doran haben 
sollte, dorumbe unser heymlicher^) giengent zu der priorin') 
gen Klyngental and begertent die selbe frowe gewarsamlich 

SZ& bewaren, dasz sy sieb nyt empfromdete , umb dasz man 
dester basz uff die warbeit kummen mochte, dasz ouch die 
priorin und ettlich ander frowen, so by ir warent, meyntent 
KU t&nde; und seytent ouch, dasz sy die selbe frowe in eynem 
stubly durcb zwo ander frowen tettent behfiten^). also batent 

u nnser heymlicber, dasz sy selbs myt der frowen in irer g^en* 
wurtikeit usz den Sachen reden mochtent. dasz wart verwil- 
liget und geschach doch nyt. domacb wart der selben Sachen 
halb eyn knabe und ouch eyn frowe gefangen, die ouch umb 
die sach wissen soltent. 

u [86^] 67 uff sannt Michels taghe wasz eyn fruntlicher tagh i467 
hie zwusschen der herschafft von Österlich ec. und den Eydt- ^^^' 
genossen ec, und kam der bisscboff von Costentz ouch darzü^}. 

[98^] Stattscbriber. 

68 uff mittwuchen vor myttfasten wart ich Gerhart Meg- um 
20 kyncb von Bücholtz von beden reten zu stattscbriber der statt 
Basel erwellt und uffgenommen, und wasz vor by 21 jor under- 
schriber gewesen*). 

Underschriber, 

Domach uff mentag wart Walther Bomgarter zu under- ki» 2s 
ftschriber erwellt. 

[Ob.y 3^] Botelen zuziehen myt 400 mannen. 

68 uff mentag vor sannt keyser Heinrichs taghe wurdent joh ii 
wir vast unr&wig in der statt, und leyt yedermann syn har- 

1) Vielleieht eine lachte des Bürgenaeiitera Hans von Bfirenfels, dessen 
Frau ebenfalls Amalia von Mülinen hieas ; 8. Ob. Y, 73. 

2) Die vier Heimlicher wuren ein Aussehuas des Rathe ; s. Heusler 384 ff. 

3) Margarethe vom Huse; i. Mittheilungen VIII, 35. 

4) lieber ihr ap&teres OefSbogniss und ihr Ende s. Berlingen Zus. xu £t- 
terlin, Bl. 81 b 

5) Hennan von Landenberg, — Es folgen im Oeffhungtbuch yersohiedene 
auf diesen Tag bezügliche Anordnungen. Im Verein mit den Bischöfen von 
Basel und Gonstans hatte die Stadt Basel diesen Tag veranstaltet, um den 
Streit EU schlichten, welchen Peregrin von Hendorf durch eine Gewaltthat gegen 
Schaff hausen veranlasst hatte. Vgl. über diesen Tag Eidg. Abschiede II, S. 368, 
sowie auch Tsohudi, Chron. Helv. II, 673, der ihn irrig xum 5. Oct. datiert. 

6| Ueber ihn, wie über W. Bomgarter, s. unten Beilage II. 

5» 



68 Rathsbfleher. 

nesch an^); und kament die zunffte zesamen in iren zunfft- 
hüsem^), und die houbter und edel und ander uff dem rathusz^). 
deszhalb, dasz ettlich knecht usz dem h£ie der Eydgenossen*) 
an unser thore kament und redtent: sy woUtent in unser statte es 
were uns lieb oder leydt ^) ec. denn die Eydgenossen mytt eynem 5 
mechtigen züghe, nemlichen, alsz ettlich meyntent, woll mytt 
12000 gewoppneter, die herschafft Osterrich im Sunggow über- 
zogen und cÜe geschediget hattent*) ec. also kam desz selben 
tagesz eyn grosz geschrey enhet Ryns : die Eydgenossen hettent 
Spalenthor ingenommen ec. also kam solich geschrey an her 10 
Hannsen von Flachslanden ritter, landvogt zu Botelen ^j ec. ; 
der rüste sich woll mytt 400 knechten und zogh z& der statt 
in gutem willen, der statt in solichem ze hilff ze kommen und 
lieb und leyd myt ir ze liden ec. desz wart im darnach von 
emphelnisz desz rats gedangkt, alsz biUich wasz, und erbot man is 
sich harwiderumbe ec. 

[65**] Frflye summer. 

1471 71 in dem monet mertzen hatt man schon louh und trübel 
'an den reben entsprungen geseen. 

[102] Notandum, uffschriben. 20 

1473 Uff fritag ante nativitatis Marie 73 hand gemeyner Eyd* 

Sept. ^genossen hotten®) uns zfigeseyt ir lib und gut in unsem noten 

zu uns ze setzen, doch dasz wir sy by zyten unser anliggen 

1) Ueber die Aufregung dieses Tages vgl. Appenwiler, Bl. 215. 

2) Es war also kein Allann ; sonst hAtten die Zünfte sich auf dem Kom- 
markte yeraammelt. 

3) D. h. die Kathsglieder und die Mitglieder der Hohen Stube. — Ueber 
das KathhauB s. R. Wackemagel und Alb. Burckhardt in den Mittheüungen, 

N. F. m. 

4) Auf der Rückkehr vom Mülhauserkriege begriffen, lagerten sie bei He- 
singen ; s. Tschachtlans Bemerchronik, Ausg. v. G. Studer, in den Quellen zur 
Schweizergeschichte I, 245. 

5) Die Abgesandten der Eidgenossen hatten Tags zuvor Tom Rathe für 
ihr Heer freien Durchzug über die RJieinbrüeke begehrt, jedoch eine abschlfigige 
Antwort erhalten ; s. Ob. Y, 2 ^ abgedruckt bei Ochs IV, 185. — Zu dieser Dro- 
hung vgl. die Bemerkung im Ob. V, 3 : »Als der yon Solotom und aller Eyd- 
genossen knecht die armen lutt vor den grendeln vaohen, dadurch unns der veyl 
kouff gewertt wirt» 

6) Ueber den Mülhauserkrieg s. Appenwiler, BL 215. 

7) Früher Bürgermeister, hatte er 1463 sein Bürgerrecht gekündet und 
war seither markgr&flicher Landvogt; s. Ob. IH, 154^ und 161. 

8) Diese Gesandtschaft war nach Basel gekommen , um hier mit Kaiser 
Friedrich zu verhandeln; s. B. Chron. H, 5 ff. 



1471—1473. 69 

wissen lassen'), actum in der herberg sem Gulden Löwen 3), 
in presencia Jokannis de Bemfels ec. und der Eydgenoasen 
botteUf aln inen Jacob Tachsz ergeben wart'), und wart die 
antwort geben ber Hannsz von Bemfels ritter und Heinrieb 

sZeigler, durcb Heinrieb Boist bu^nermeiater von Zurieb, ber 
Niclafli Ton Diespacb und den stattacbriber von Bern^), Hein* 
rieb Haaifurter von Lutiem, Dietxicb an der Halden amman 
¥on Scbwyts, Amolt an der Halden^), oucb eynen von Ury, 
Jacob Bügyner<^) und Peter Pavilliard von Friburg in Ocbt- 

10 lande ec: 

(Bb. 156] Wie keiser Fridericb- von Osferricb ein-[BüMh) 
pfangen, su Basel ingeritten und daselbs gebalten 

worden ist^) ec. 

Anno ec. septuagesimo tercio, uff mentag nacb sannt 1473 
IS Angustins tag confessoris, babent ber Peter Rote ritter^), Hein-^^'' ^ 
rieb Tsenlin und Budolff Slierbacb^), so in botscbafft zu un- 
serem aUergnedigsten herren dem Romischen keiser gescbickt 
warent, ir botscbafft ensalt: wie sy zu Friburg by der keiser- 
licben majestat gewesen, und uff gester mit der keiserlicben Ang. 29 
»majestat in bywesen ettlicher fursten und berren dise wortt 
gebracht babent, nemlicb ber Peter das wortt getan: 

»AUerdurcb/tM^Atigister, unuberwindlicbister, groszmecbti- 

1) Einen föimliehen BundesTertrag mit den Eidgenossen eilangte Basel 
ent später, durch die am 31.M&n su Constans geachloaaene »Niedere Vereinung« ; 
s. Eidg. Abschiede U, S. 911 £ 

2] Jetzt Aeschenvoratadt No. 4. 

3) Ueber diesen Handel schweigen die Eidg. Abschiede. 

4) Thüring Fricker, der Verfasser des Twingherrenstreits; s. die Ausg. von 
6. Stoder, In den Quellen sur Schweiz. Oesch. L 

5} Arnold an der Halden war Gesandter von Unterwaiden ob dem Wald. 

6) Jakob Bugniet. 

7 ] Ueber diesen Empfang vgl. B. Chron. 11, 3 E., femer die Forts, zu Appen- 
wiler, Bl. 216 b — Der nachfolgende Bericht im Rb. ist von der Hand des Stadt- 
scbreibers Rüsch geschrieben, also frQhestens im Oct 1474. Sein erster Theil, 
über die Begrfissung zu Freiburg, ist nur eine wörtliche Abschrift des Berichtes, 
welchen der Unterschreiber W.Bombgarter 1473 ins Oeffhungsbuch geschrieben 
hatte; vgl. Ob. V, 102 b — Der Gleichm&ssigkeit wegen halten wir uns jedoch 
im Texte durchweg an die Orthographie des N. Rflsch , also an das Rothbuch. 

8] Ein Enkel des Oberstzunftmeisters Götzmann und Sohn des Bürger- 
meisters Hans Rot. Wie sein Vater, so hatte auch er auf einer Pilgerfahrt 
nach Jerusalem den Ritterschlag empfangen und war dadurch, obwohl von 
Geburt nur AchtbOrger, ans Bürgeimeisterthum gelangt; 1473 war er Alt- 
Bürgermeister. Ueber ihn und seine Pilgei&hrt s. Beiträge XI, 334 u. 393 ff. 

9) Er war damals noch Zunftmeister der Eaufleute, wurde aber folgen- 
den Jahres imter die Achtbürger aufgenommen. 



70 Rathsbücher. 

gister keiseil allergnedigister herrei unser frunde, der rate 
und gantze gemeinde der statt Basel, haben yemommen uwer 
keiserlichen majestat zukunfit in das heilig rieh und dise lannde. 
der selben zukunfft sich die selben unser frond sse mal eifrö- 
wen, in hoffiiung das solichs gott dem allmechtigen loblich 5 
und dem heiligen rieh fruchtbar sin solt; und tund euch dar- 
uff uwer Yeiserlich majestat dem almechtigen gott wilkommen 
sin, bittende den almechtigen gott, daz er uwer Vmserlichen 
majestat yerlihe f urgang irs fiimemmens, euch firoliche und 
langwerende gesuntheit uwer gnaden person. furer, allergnedig- 10 
ster herre, so haben unser frunde, rate und gemeind der statt 
Basel, vernommen, wie uwer keiserlich majestat des willens 
sye in ir statt ze kommen, daz sy begirig vernommen haben 
und daruff uns bevolhen, uwer keiserlich majestat als iren 
allergnedigsten herren demutiglich zu bitten, solichen gnedigen is 
willen zu vollziehen und gen Basel ze kommen, alda sy uwer 
lieiserlichen majestat als irem allergnedigsten herren alle gut- 
Willigkeit mit gehorsamy bewisen woUen.t 

Uff soUche wort hat sich unser allergnedigster herre der 
Romisch keiser mit sampt den kurfursten, fursten und herren 20 
bedacht, und nach langem bedanck durch hem Adolffen ertz- 
bischoff zu Mentz und kurfurst [geantwurt]: allergnedigster 
herre bette das anbringen derer von Basel wol verstanden, 
und mit sunder das gluckwunschen siner gnaden furnemmen, 
euch froUche gesuntheit siner gnaden person, das hett die 25 
keiserlich majestat zu sundem gnaden vernommen und wolte 
der von Basel bitt vollziehen, zu in kommen, euch solichs in 
gnaden erkennen. 

Uff solichs verrer gerett wart durch hem Peter Bot: 

»Allergnedigster keiser! die gemelten von Basel emphelhen su 
sich ouch uwer keiserlichen majestat, bittende uwer keiserliche 
majestat sy empholhen zu haben ; wollen sy gehorsam als iren 
allergnedigsten herren verdienen.« 

Zu solichem der obgenant von Mentz antwurt: er hette 
vor gerett, unser allergnedigster herre der Romisch keiser hette 35 
ir wortt empfangen gnediglich, wolte ouch das mit gnaden er- 
kennen, solichs were noch der keiserlichen majestat antwurt 
und willen 1). 

22. vgeantwnrtc org&nzt »as Ob. Y 102b. 

1) Im Oeffnungsbuche V, 102^, aus welchem bis hieher dieser Bericht 
wörtlich abgeschrieben ist, folgt weiter nur noch die Anrede des Bürgermeisters 
Rot an Herzog Maximilian, welche mit derjenigen an den Kaiser (s. oben) wört- 
lich übereinstimmt 



1473. 71 

Damach uff fntag nehstkunfftig reite der selbe keiser sept. 8 
Friderich mit sampt disen nachgeschriben fursteiii herren und 
grafen. und vx»rt vor der statt im velde^) empfangen durch 
unsem gnedigen herren bischoff Johannsen su Basel und hern 
5 Hannsen von Berenfels ritter burgermeister ec, die sinen gnaden 
mit etlichen yil rittern und knechten, ouch etlichen bürgern, 
IQ das velt im entgegen geritten waren, und zu lest wart sin 
keiserlich majestat ouch in der statt Basel empfangen durch 
her Hannsen von Berenfels und etlich ander der reten. 

16 [1^7] Und sint dis die fursten, grafen und herren, somit 
dem keiser ingeritten sind: 

2iem ersten her Adolff ertsbischoff zu Mentz ec. 

der bischoff von Eystetten^). 

hertzog Maximilianus des keisers sun. 
\% hertzog Albrecht von München'). 

hertzc^ Ludwig von Beyern graff zu Veldentz ^). 

marggraff Karle von Baden und sin sun^). 

maiggraff Albrechts von Brandenburg rete*}. 

hertzog Sigmunds von Osteirich rete. 
39 hertzog Ludwigs von Beyern des riehen rete. 

des hertzogen von Burgunden rete. 

der obriste meister sannt Johanns Ordens^). 

graff Adolff von Nassow^). 

graff Ulrich von Werdenberg. 
s graff Otto von Hennenberg. 

graff Conrat von Tübingen. 

graff Budolff von Sultz. 

graff Albig von Sultz ^). 

graff Rudolff von Werdenberg, comenthur zu Heiterszhein <^). 

• 

1) D.h. an derWieienbrüeke, von wo er bis ins Münster geleitet wurde ; 
B. Brflingen Ceremoniale Baeilieniis episcopatui, Ha., S. 85, abgedruckt bei 
TrouiDatV, 515. 

2} Wilhehn von Beichenau. 

3} Albrecht der Weise, von Baiern-München. 

4) 8. oben 8. 66, Anm. 3. 

5) Markgraf Karl, des Kaisers 8chwager, und sein jüngerer 8ohn Albrecht ; 
B. Forts, m AppenwUer, BL 216i>. 

6) Ihre Namen s. B. Ohron. HI, 356. 

7) Johann Orsini. 

8) Ein Neffe des Erzbischofs von Mains. 

9) Eudolf IV. und Alwig V., die Enkel des 1431 yerstorbenen Grafen 
Hermann yon 8uls; s. Anonymus bei Appenwiler, k. J. 1431. 

10) Rudolf, ein Bruder des obengenannten Grafen Ulrich von Werdenberg- 
Sargans, war Ordensmeister der Johanniter in Deutschland und hatte ids 



72 Kathabücher. 

des Turckischen keiseis sun^). 

juncher Jacob von Liechtenberg. 

juncher SchaJOTritt von Liningen. 

eyn herre von Bittsch^). 

eyn herre von Winsperg^). s 

der marscbalk von BappenbeiuV 

ff TU h I ^^^ Montfort gebrudere*). 

graff Crafflb von Hokenloch. 

her Feter von Hagenbach, lantvogt des hertzogen von lo 
Burgunden in diseii lannden. 

[158] Und ist unserm herren Aetß keiser und andern 
fursten und herren geschenckt worden, als hernach stat^]: 

Item zem ersten unserm herren dem keiser: eyn gülden 
schöwer^), costet 86 gülden, und darinn tusent nuwer Basler 15 
gülden^]; item 10 vass wyns und 50 viemzel habem. 

Item hertzog Maximiliane des keisers sun: eyn silberin 
kleynot^), costet 62 gülden, und 500 gülden darinn; item 5 vass 
wyns und 25 viemzel habern *•). 

Item dem ertzbischoff von Mentz: eyn silberin kleynot'')2o 
für 20 gülden, und funfffadg gülden darinn; item 2 vass wyns 
und 2 karren '^) mit habem. 

Item den anderen fursten allen: yeglichem 2 vass wyns 
und 2 karren mit habem. 

11. Untere HUffce Ton 8. 157 leer. 

solcher seinen Sitz su Heitersheün, zwischen Basel und Freiburg. — lieber 
seinen Streit mit Basel, z. J. 1489, s. Ochs IV, 425. 

1) Calixtus Othomannus. lieber diesen tOrkischen Prinzen s. Basler 
Chron. U, 33, Anm. 2. 

2) Graf Friedrich von Bitsch: s. B. Chron. III, 358. 

3) Philipp von Weinsberg, Reichs-ErbkAmmerer, hatte von seinem Vater 
die ReichsmOnzst&tte in Basel geerbt ; s. Albert Sattler, im B. Jahrb. 1 879, S. 209. 

4) Rudolf von Pappenheim, Reichs-Erbmarschall. 

5) Söhne des 1439 verstorbenen Grafen Wilhelm von Montfort, Herren 
zu Tettnang. 

6) lieber diese Geschenke vgl. Jahrrechnung 1473/4, auch B. Chron. II, 8. 

7) D. L einen silbervei^oldeten Becher; s. Jahrrechnung 1474. 

8) D. h. Goldgulden der ReichsmÜnzst&tte zu Basel, mit dem von Kaiser 
Sigismund vorgeschriebenen Gepräge. Das Münzrecht für Goldstücke erhielt 
Basel erst 1516; s. Alb. Sattler a. a. O. 210. — 1 Gl. galt damals 24 s.; s.Jahr> 
rechnung 1474. 

9) D. h. einen sübervergoldeten Becher, der 6278 Gl. kostete; s. ebend. 

10) Vgl. ebend.: »60 seck«, also 30 ViemzeL 

11) D. h. 1 silbernen Becher; s. ebend. 

12) 1 Karren = 8 Säcke oder 4 Viemzel; s. ebend. 



1473. 73 

Item graff Hugen von Werdenberg : eyn silberin kleynot, 
was ein silberin becher, coetet 17 gülden, und drissig gülden 
darin; item ein vass wyns und 1 karren mit habem. 

Item grafif Budolff von Sultz: funfflzig gülden wert in 
i^kleynot und gülden; item 1 vass wyns und eyn karren mit 
habem ^). item daz kleynot costet 16 gülden, und 30 gülden 
darinn. 

Item den beden grafen^) von Montfort: 1 vass wyns und 
1 karren mit habem. 
10 Der eantzlye imperii: 

Dem taxator Johanni Waldener, meister Jobssen, Johanni 
Cronenberg und Balthasar: 20 gülden. 

Item gemeynen cantzelschribem : 6 gülden. 

Item dem gerichtsknecht: 2 gülden. 
15 Item thurhuteren: 6 gülden. 

Item pfifferen und trumpeteren: 10 gülden. 

Item herolt Kilian: 4 gülden. 

Item Caspar Hurtter: 2 gülden. 

[159] So wurden in der selben zyt usz der statt empteren 
29 genommen 400 geruster knecht mit iren geweren. item den 
selben wurdent geschenckt 4 vass wyns. und wurdent geteilt 
an vier enden in der statt zu ligen, nemlich: in der vorstat 
zu sannt Alban in des von Xiowenberg hoff'), in der vorstatt 
Spalen, in der vorstatt sannt Johanns, und über Kyn in der 
2skleyn^i statt. 

So wurdent uff die selbe zyt geordenet ^) wyn zu kouffen : 

Conrat von Louffen. 
saltzmeisterM. 
Ulrich zem Lufft. 
a« Hanns Irmy. 

6. 7. »item du klainot .... d*rinii« iftinachtrftglichar Zantx, doch ron derselben 
Hand. IK Folgt in Hb. : Item in den selben ziten. — Der ftbrige Benm am 

FnsB dieser Seite leer. 20. Hb. : nff die selben zyt. • 

1) Laut Jahrrechnung 1474 erhielt er an Victualien nur: 8 kannen wyns, 
denn er reyt hinweg. 

2) Statt »den beden grafen« nennt die Jahrrechnung nur : graf Hug von 
Montfort. 

3) Der Hof Konrad MOnchs von Münchenstein, gen. von Löwenberg; 
B. Sehdnberg 770. Sein Stammsitz Münchenstein war schon seit 1470 an Basel 
Tcrpftndet; s. Boos, Urk. 10139 ff. Die Burg Löwenberg hingegen, im Jura, 
wurde erst 1526 rerftussert; s. Wurstisen 15. 

4) Alle die hier Genannten waren Mitglieder desRaths; s. Schönberg 796. 

5) Dieses Amt hatte Hans Bremenstein, der frühere Oberstsunftmeister ; 
8. Schönberg 628 und 759. Er starb am 16. Juli 1475; s. Jahneitb, St. Martin 
zum 13. Juli. 



74 Rathsbücher. 

Habern zu kouffen: 

Hanns Biugling'er i). 
Heinrich von Brunnen. 

Stallung zu bestellen, mitsampt h&w und strfiw: 

Peter Schonkint. s 

Burekart Schaffiier. 
Heinrich Rieher *-*). 
Peter von Tann. 

Zum tantz zur Mugken zuzerichten: 

Toman Surlin^*). lo 

Heinrich von Brunnen, 
sollen versorgen wyn, confett, tortschen, und das huse mit 
einer bruge, ouch die Stegen zu vermachen. 

Torhutt und derglich zu versorgen, und die empter: 

Heinrich Ysenlin. ts 

Lienhart Griebe^). 
Jacob von Sennhein. 

knecht in der statt gewapenet zu gond, die tore zu versorgen 

uff den tag, als der keiser inrytet. 

Daz die lute gerust syent^): 20 

Winlutt \ 

Brotbecken I ^„ehen nach notturfit. 
Yischer | 

Metzger j 

Die slussel zu den kettenen^) und die luchter^) zu ver-25 

sorgen : 

Hanns Heinrich Griebe^] I « 

-D V r zugherren. 

Brugunger J ^ 

1) Der Sohn des Chronisten d.N.; s. unten die Einleitung zu Brüglingers 
Chronik. 

2) H. R. der ältere, später Oberstzunftmeister; s. unten x. J. H93. 

3) Der spätere Oberstsunftmeister ; s. unten z. J. 1493. 

4} Lienhart Grieb, 1484 Oberstzunitmeister, heisat seit 1494 »der ältere«, 
zum Unterschied von L. O. dem jungem ; s. unten z. J. 1 508. 

5) D. h. mit Lebensmitteln genugsam versehen. 

6) Ueber die Strassenketten s* unten; s. femer das Veneichniss dieser 
Ketten im Liber Div. Rerum, BL 96 bis. Einzelne derselben befanden sich 
noch um 1850 an Ort und Stelle, s. z. B. am innem St Albanthor und am 
untem Ende des SchlOsselbergs. 

7) D. h. die Feehpfannen; eine solche befand sich noch 1850 an der 
Innenseite des Spalenthors. 

8} Des obgenannten Lienharts Bruder; s. Ob. III, 122W 



H73, 75 

[160] Stengel uasiragen^], und für das nachtlouffen und 
geschieyg : 

Peter Hanns Baltenheiner ^)« 
Wemlin von Utingen'). 
s alle Wachtmeister. 

Zu reden mit dem hamescher: 

her Peter Rote ritter. 
Eunfitmeister^]. 

Raffen *) : 
I» Brunnen suberen, alle gassen suberen, Stengel in den Ryn 
tragen, zuchtig sin mit wortten und wercken, unnütz lute, 
wib und kind von der gassen triben. 

Eyn procession®}: 
die rete ordenlich und wol gekleidet. 

ü Ob man den keiser mit eyner zai volks inlassen wolle : 

die xm^). 

Ettlich zu ordenen, die der zyt des keisers walten: 

her Peter Rot ritter. 
Heinrich Ysenlin. 
2d Conrat von Louffen. 

Zeigler^]. 
saltzmeister. 
Ulrich zum Lufft. 
Irmy. 

^ Ob man die gassen yerbarren oder mit ketten zurichten 
wolle: 

ist zugelassen, daz man alle neben tstraszen und geszlin mit 
den ketten, so gemacht sint, anlegen sol, und daz die, so die 
sloss und slussel band, des warten. 

% Zu reden mit den zugherren von des gezugs wegen. 

1) Die Hanfstengel, wegen der Feueragefahr. 

2] Er war oberster Rathsknecht; s. Ob. V, 64^ s. J. 1471. 

3) Er erscheint 1483 als städtischer Söldner, wurde aber bald nachher 
wegen eines Todtschlags verbannt; s. Erkanntnissbuch I, 19^ und 67^. 

4) Oberstzunftmeister d. J. war Hans Zscheckebürlin. 

5) Vgl Ruf buch n, 13. 

6) Die Geistlichkeit und der Rath sogen dem Kaiser mit den Reliquien 
und brennenden Kerzen bis sur Wiesenbracke entgegen; s.Brilingers Ceremo- 
male, bei Trouillat V, 515. 

7) lieber das Collegium der Dreizehner s. Heusler 385 ff. 

8) Heinrich Zeigler; vgl. unten. — Vermuthlich war er ein Sohn des 
gleichnamigen Oberstzunftmeisters, der schon 1460 starb; s. Schönberg 790, 
und Ob. m, 95^ und 96, 



76 Rathsbacher. 

Herbergen dem keiser: 

Item den keiser in unsers herren von Basel hoff'}. 

Hertzog Maximilian in her Conrais von Ramstein hoff 2). 

[161] Der bischoff von Mente in des tumprobsts hoff^). 

Item der bischoff von Eystetten in Conrats von Louffen & 
hoff 4). 

Item der marggraff von Baden in Peter Offenburgs hoff^). 

Item hertzog Ludwig von Beyeren, gmS zu Yeldentz , in 
Henman von Ef ringen hoff^). 

Item hertzog Albrecht von München in her Bernhart Sur- lo 
Uns hoff'). 

Item die cantzlye. 

Item so was graff Eberharten von Wirtenberg ^) Burekarts 
von Ramstein hoff») zugerust; aber er kam nit 

Herbergen zuzerichten sind geordenet: is 

Peter Offemburg. 
Heinrich Zeigler. 
Heinrich Steinmetz. 
Burekart Schaffner. 

Burekart Erenfels*®). 20 

lönherren"). 

1) Im Bischufshof, hinter dem Münster. Ueber diesen Bau s. Wurstisen, 
Beschreibung des Münsters, in den Beiträgen XII, 496. 

2) Der grosse Ramsteinerhof, Bittergasse No. 17, stösst hinten an den 
Bischofshof. — Konrad t. R., der früher imRathesass, hatte 1466 sein Bürger- 
recht aufgegeben, um in östreichischen Dienst zu treten ; s. Ob. IV, 73<>. 

3) Ueber die Dompropstei, jetzt Rittergasse No. 18 und St. Albangmben 
No. 7, 8. Fechters Top. 27. — Der damalige Dompropst, Hans Wemher von 
Flachslanden, war zugleich Dompropst zu Mainz ; s. Schöpflin-Ravenez V, 785. 

4) Auf dem St. Petersberg, jetzt St. Petersgasse No. 36 und 38 ; s. Schön- 
berg 641 und 761. 

5) Jetzt St Petersgasse No. 40 und 42. 

6) Dieser Hof lag an der Augustinergasse ; s. Schönberg 605. — Das 
Stammhaus dieses Geschlechts, jetzt Schneidergasse No. 7, war schon l&ngst 
verAussert. 

7) Ueber diesen Hof, gen. »zum schönen Ort«, jetzt Christliohes Vereins- 
haus, Nadelberg No. 6, ygL unten Appenwiler z. J. 1454, auch Schönbeig 761. 

8) Graf Eberhard im Bart, von Wirtemberg-Urach. 

9) Der vordere Ramiteinerhof, später auch »zum Pantier« genannt, jetzt 
Rittergasse No. 22 und 24. 

10) B. £. von Liestal wurde 1444 in der Schlacht bei St Jakob gefangen 
genommen; s. seine Zeugenaussage, von 1446. abgedruckt in der Sftcularschrift 
von 1844 zur Schlacht bei St Jakob, S. 34. Seit 1454 war er in Basel Abwart 
des Rathhauses; s. Ob. II, 249, und Schönberg 768. 

1 1 ) Als Lohnherren erscheinen 1470 Burkhard Segesser und Hans Fridolin 
von Helprunn, welche beide nicht Rathsglieder waren; s. St&dt Urk. 1470 
Nov. 24 und 1472 Febr. 1. 



1473. 77 

Wenn der keiser hie ist: 

Item za der wacht sol man alle nacht den vierteil der 
yerfenglichsten von yeglicher zunfft nemmen ^). 

Item daz yegliche zunfft eynen den wachtmeisteren zugebe, 
s Item mit des keisers hoffineister zu reden, ob sich etwaz 

Unzuchten begebe, das alsdenn yemunffl; gebrucht werde. 

Den Kommerckt die zyt des keiseis zu versorgen: 

It«m holtz, h6w und str5w ze füren an die Steinen, das 
enhet Byns sol nit haruber gefurt werden, item der wyn blibt 
10 am Kommerckt. item alles obsz an den Yischmerckt. 

Die glockenhuser und glocken zu versorgen. 

Die, so die ritenden, so dem keiser entgegen riten, or- 
denen sollen: 

Thoman Surlin. 
IS Ulrich zum Lufft. 

Hanns Irmy. 
[162] Nebent des keisers pferd, und das ze füren, sint 
geordenet: 

her Hanns von Berenfels ritter burgermeister. 
29 her Herman von Epptingen ritter ^j. 

Die hiemeltzen zu tragen: 

her Hanns von Flachslannden \ 



her Conrat von Berenfels^) 

her Peter Bote ( 



ntter. 



25 her Ludwig von Epptingen^) 

Das gemeyn volk zu meisteren von dem thore uff den 
gassen untz vor dein münster, und in der statt, zu houptluten 
der andern: 

Lienhart Grieb. 
30 Heinrich von Brunn. 



1) Nach der 1445 aufgestellten Scala betrug das Aufgebot des Viertels, 
für die 1 5 Zünfte sammt den 3 Gesellschaften Klein-Basels, zusammen 420 
Mann; s. Ob. I, 241. — Diese Wache von Bürgern entsprach also in ihrer 
Stirke den bereingesogenen 400 Mann aus den Aemtem ; s. oben. 

2) Er war l^bmarschall des Bischofs ron Basel und wurde bald nach- 
her östreichischer Landrogt im Elsass und Breisgau ; s. B. Chron. II, 80 ff. 

3) Ein Sohn des oben z. J. 1431 erwähnten Adelberg und Vetter des 
Bürgeimeisters Hans v. B. ; s. Boos, S. 940 und 1087. 

4) Er gehdrte zum Zweige der Eptinger von Pratteln und besass in Basel 
einen Hof, jetzt Rittergasse No. 12; s. Boos S. 943. Eine von ihm verfasste 
Tumierchronik findet sich im Eptingischen Familienbuch, im Besitze der Fa- 
milie Ton Sonnenberg in Luzem. 



78 Rathsbacher. 

Daz under den toren yersoigt, das nyeman von der ge- 
meynd ussgelassen werde: 

Lienhart Grieb. 

Heinrich von Brunn. 

ratsknecht und Wachtmeister. s 

Houptlute Eum Sufftsen^): 

Heinrich Guldenknopff. 

Ulrich Meltinger. 
Item 60 mann von den zunfBten, yeglich 4, xum Suffixen. 
Item yederman louffen an das ende, da er hin georde- tu 
net ist. 

Item zwey under sannt Blasien tore^). 
Item vier alle tage under das tore^]. 
Item mit den luten zu reden , wo man hader sech, zum 
besten zu scheiden. <^ 

Item Homburg 3 under das tore. 
Item Yarsperg 3 under Eschemmerthore. 
Item Waidenburg 3 under Spalentore. 
Item Waldenbuig 20 mann wachen. 

Item Yarsperg 20 mann wachen. ^ 

Item Homburg 10 mann wachen. 

Item 60 man ron den zunfften zum tantz*), yegliche 
4 mann. 

[164] EUenkurt zu dem annderen mole^). 

Ze wissennd: nachdem der durchluchtig hochgeboren fürst 2s 
unnd her her Sigmimd ertzhertzog zu Osterrich ec. gegen dem 

23. D«ii Inhalt Ton 8. 198 a. viten 8. 82 ff» 

1) Ueber das GesellBchaftshaug >sum Seu&en« s. 6. Chron. Bd. I, 82, 
Anm. 3, auch Fechters Top. 23 und 83. Dieses E[aus lag dem jetzigen Stadt- 
hause gegenüber, neben dem Hause No. 10 der Stadthausgasse, und wurde im 
vorigen Jahrhundert zum Zwecke der Strassenerweiterung abgerissen. — 
Bei dem vorliegenden Anlasse scheint das Haus, seiner centralen Lage wegen, 
als Wachüocal gedient zu haben. 

2] Ueber dieses Thor, welches 1867 abg^brechen wurde, s. Fechters 
Top. 134. 

3] Nftmlich das obere oder Riehenthor, durch welches der Einzug erfolgte. 

4) Also ins Haus zur Mücke ; vgl oben 8. 74. 

5) Den ersten Zug nach H6ricourt s. oben z. X. 1425. — Der vorliegende 
Abschnitt ist im Wesentlichen nur ein Auszug aus Kiklaus Rüschs Beschrei- 
bung der Burgunderkriege, und zwar speziell aus dem Fragment III derselben ; 
vgl. B. Chron. IH, 302 — 305. Dort wud Sigmund noch »Herzog« genannt, in 
unserm Text aber bereits »Erzherzog», und diesen Titel führte Sigmund nicht 
vor 1475; s.Orote, Stammtafeln 59. Die Eintragung dieses Auszugs ins Rothe 
Buch geschah also frühestens zu Anfang des Jahres 1475. 



1474—1475. 79 

darchluchtigen hoehgebomen fursten unnd herren hem Karle 
liert2<^en zä Burgund ec. , der giaffschafft halb Pfirdt mit ir 
z&gekSrde unnd verpfanndung, die zytt dem vermelten hertzogen 
Karle bescheen, zu offener vechde imnd vindschaffi; kommen 

i ist, unnd die hochwirdigen hocbgebomen fursten unnd herren 
her Rupprecht bischoff zu Straszburg, her Johanns bischoff zu 
Basel, sodenn die ersamen fursichtigen unnd wisen die stett 
Straszburg, Basel, Colmar, Slettstatt, Keysersperg, Ober Ehen- 
heim, Munster in Sannt G6rgen tal*), Roszheim und Turicken, 

lü in crafft der loblichen vereyne mit gemeinen Eydtgenossen des 
alten pundes von stetten unnd lennderen, ouch annderen iren 
zugewannten, Solotom, Fribui^ in Ochtlannd, Schaffhusen, 
Rottwüe unnd annderen, des vermelten ertshertzog Sigmunds 
helffer worden sind unnd sich demnach sinen fürstlichen gnaden 

M ZU eren , uff sin ernstlich gesinnen , für das sloss und stettlin 
EUekurtt sin eigenthum^) mit macht geslagen, das belegertt 
unnd genottiget, unnd zu letzst mit gottlicher hilff, durch uff- 
gebung dero, so das sloss unnd stettlin inhatten, als sy das 
nit getruwten ze behalten unnd sich an gnad ergeben, erobert 

SDunnd wider zh hannden des dick genanten ertzhertzog Sig- 
munds, der ouch das besetzt hatt, bracht haben'), unnd wir 
von der statt unnd den empteren, uff mentag^} aller seien tage 1474 
des jares unnsers herren tusent vierhundert unnd in dem druw^) 
imnd sibetzigisten jare, solichem leger mit unnser statt baner, 

25 lüte unnd gezuge in mergklicher zale zugezogen *) und by so- 
Ucher eroberung gewesen — daz da in solichem zuge disz 
nachbestimpten unnser statt burger worden sind, wie von alter 
herkommen ist. — (folgen 89 Namen bis S. 166). 

[166] Sodenn sind disz nachgeschriben bürgere zu Pia- f/^^^J"» ^1 

(Aug. 9) 
26. Ht. : im Mlichem. 

1) >05rgen« entstellt aus »Gregorien« ; vgl. B. Chron. 111, 304, wo über- 
haupt die Verbündeten voUzSliliger genannt sind. 

2] H^ricoiirt war nicht östreichisch, sondern gehörte vielmehr dem Grafen 
Heinrich von NeuchAtel, Herren zu Blamont» der im August 1474 den östrei- 
chischen Sundgau hatte verwüsten helfen; s. B. Chron. H, 106. £r8t nach 
der Eroberung wurde das Schloss von den Verbündeten den Leuten Sigmunds 
übergeben »als sin eygenthüm« ; s. B. Chron. Hl, 305, 8. Auf Missverständ- 
niss dieser letateren Stelle beruht der Irrthum unseres Textes. 

3) Das Folgende bis sum Schlüsse stammt nicht mehr aus Rüschs Be- 
schreibung. 

4} Lies: mittwuchen. Vgl. B. Chron. 11, US. 

5) Lies: 74. 

6) Ueber dieStftrke dieses Zuzugs s. B. Chron. II, 1 18, auch Ochs IV, 274. 



80 Rathtbacher. 

monnd worden, als das selb slosz erobert unnd geslissen wor- 
den ist^. — (folgen 76 Namen bis S. 168). 

1476 [16^1 Anno 76 uff fritag vor judica sind disz nachgeschriben 
^*" ^'buigere worden, an dem züg unnsem Eydtgenossen z&ziehende^}, 
Murtten wellen entschutten'). — (folgen 26 Namen). s 

(Jani22) [^^^] ^ ^üid disz nachgoschriben burger worden, als die 
slacht zu Murtten bescheen ist^), anno ec. 76. — (folgen 3 
Namen). 

(Bftacii] [wb. 92^] Uff^) suntag den zwentsigesten tag des monats 

dm.^20 decembris anno ec. 78, frue am morgen zwüschen der achten io 
und nünden stunde, ist z& Purrentrut^) von zyt gescheiden der 
hochwirdig fiirst und her her Johanns bischoff zu Basel, einer 
von Venningen, des sele gott gnedig sin wolle, und wart uff 

Dee. 22 zinstag damach mittagzyt euch in obgeschribener masze?) under 
Spalenthore mit der procession geholet und zu dem grabe ge- ts 
i479l6ittet; und sin lipvÜe begangen uff montag^) nach Anthonii 

^^* ^^anno ec. 79, in bywesen beder reten, alt und nuw sechs und 
der zunfftkertzen, durch her Caspar ze Rine den erweiten ^) 
und das capittel darz& erbetten ^% und warent hotten solicher 

1) lieber den Zug nach Blamont 8. B. Chron. II, 275 ff. und 315; die 
Uebergabe erfolgte am 9. Aug. 

2) Ueber diesen Zug, der am Tage des Aufbruchs wieder rflckgingig 
wurde, 8. B. Chron. 11, 385. 

3) Bei dem Aufbruch am 29. MAn war in Basel allerdings die Meinung 
verbreitet» dass Murten das Ziel des Zuges sei ; jedoch begann die Belagerung 
von Murten durch die Burgunder erst am 9. Juni. S. B. Chron. II, 377, Anm. 1, 
und ebend. 435. 

4) Ueber diese Schlacht, von der die Basler am 27. Juni heimkehrten, 
8. B. Chron. 11, 436. 

5) Dieser Abschnitt folgt im Kl. Weissb. unmittelbar auf den Tod der 
Bischöfe Friedr. se Rin und Arnold von Rotberg; s. oben z. J. 1451 und 1458. 

6) Pruntrut, seit 1386 an die Gh-afen von Montb^liard verpf&ndet, war erst 
1461 wieder eingelöst, und das dortige Schloss als bischöfliche Residenx bei- 
nahe von Grund aus neu erbaut worden ; s. TrouUlat IV, 466 und V, 452, auch 
Oerung, Ausgb. in Script Bas. minores, 350. 

7] 8. oben z. J. 1451 die Begrftbniss Bischof Friedrichs ze Rin. 

8) Vielleicht richtiger w&re »zinstag« (19. Jan.), weil erst dieser der 30. Tag 
nach dem Todestage war. — Ueber die Bestattung vgl. B. Chron. lU, 218 ff., 
femer den Rathsbeschluss vom 21. Dec. im Ob. VI, 12^ 

9] Kaspar ze Rin von Hesingen, Domcustos seit 1457, wurde am 4. Jan. 
1479 zum Bisehof erwählt — Ueber seine Regierung s. unten z. J. 1502. Er 
war ein Neffe Bischof Friedrichs ze Rin ; s. TrouiUat V, 912. Die Angabe bei 
Wurstisen 461, dass Kaspar ein zeRin von MOllhausen gewesen sei, wird wider- 
legt durch die Urk. bei Boos, S. 1018. 

10) Diese Einladung erfolgte am 12. Januar; h. unten das N&here. 



1476^1479. 81 

by t her Amolt Rych thumher der stifft ^) und meister Matheul^ 
Muller official sü Basel 2). 

[lOO'*] Von der bischoffen wegen. 

Ze wissen, das nach abganng mit tode wilent des hoch- 

^ wirdigen fiiisten und herren hern Johannsen bischoffs ze Basel, 
seliger gedechtnüsze, her Hanns Wemnher von Flachslannde 
thümprobst^), her Caspar ze Rine custor und ander herren 
des capittels des sti£Ets Basel einen rate gebetten haben, inen 
ir treffenlich ratzbotten züzeordenen, der stifft stett, schlosz, 

16 lannd und lute züi der stifft hannden bisz an einen kunfftigen 
bischoff helffen innemmen und schweren, also von ir by t 
wegen sind inen zugeordnet gewesen her Bemhart SurUn 
ritter und Anthenye von Louffen, die sy verzert haben, und 
daby gewesen sind, daz die stett und slosz Telsperg, Purren- 

tstrut, zur Nuwenstatt, Louffen, Goldenfelsz, Sannt Ursicien, 
Metzsch^j und andere geschworen haben. 

Damach uff mentag vor der heiligen dryer kunigen tag 1479 
anno ec. 79 ist der erwirdig und hochgelert her Caspar zu Rine, ''^' ^ 
die zyt custor, durch die herren vom capittel mit einhelliger 

iBStymme z& bischoff erweit*). 

Uff zinstag vor Hilarii sind uff befelh des selben unsersjao. 12 
gnädigen herren des erweiten und der herren vom capittel für 
rate kommen die erwirdigen und hochgelerten her Amolt Riebe 
thumherre der mereren, und magister Matheus Muller official 

s and thumher des stiffts sant Peter, der rechten doctores, und 
haben gebetten min herren von beden reten, alt und nüw sechs, 
mit sampt der zunfft kertzen by der lipfelle wilent bischoff 
Johannsen seligen ze erschinen, den imbisz by sinen gnaden 
ze nemmen und den selben sinen gnaden witter eins rftts tref- 

30 fenlich ratzbotschafft züzeordenen, der stifft stett, schlosZy land 
und lute helffen inzenemmen*). uff das bekant ist, uff solich 

2. ZuMtx TOD derMlbeaHand: Qaen de eodem in folio 100 ec. 26. He.: gebetten 
ds min beiren. 

1 ) Er war Doetor des canoniBchen Rechts und 1478 Rector der UniTernt&t 
2] Br war Doetor der heil. Schrift und Chorherr zu St Peter; s. Stadt 

Urk. 1465 Aug. 12. 

3] Hans Wemher, Bruder des BOrgermeiBten Hans von F., wurde 1458 

Domdekan, 1466 Dompropst und starb 1481 ; b. Trouillat V, 873. 

4) Maiche, 3 St weBÜ. TomDoubB, derjetstdiefranEÖBisch-BchweiseriBche 
Greue bildet, war der enüegenate Ort des biBchöflichen Gebietes und wurde 
1780 an Frankreich abgetreten. 

5) Ueber diese Wahl. b. B. Chron. III, 220, auch Wurstifien 461 . 

6) Das ProYisorium in der Regierung des bischöflichen Gebiets währte 

BMler Chroniken. IV. 6 



82 RntliBbOcher. 

byt, auch die erkantnüsee davor begriffen >), sinen gnaden sse 
willforen, als ouch bescheen ist. 

[RQ8ciki[Bb. t63] Inrytung unsers allergnedigsten herren, 

herrn Maximilians Romischen kunigs ec. 

1493 Anno ec. 93, uff sambstag vor quasimodo geniti, ist der aller- 5 
Apni 13 iiurchluchtigst und groszmechtigiste fürst und berre her Maxi- 
milianuS; Römischer und zu Hungeren, Dalmacien, Croacien ec. 
kunig, ertzhertzog zu Oesterrich, hertzog zu Burgundi ec, grafe 
zu Flanderen, z& Tirol ec, unser allergnedigster herre, zu 
Basel ingeritten^), und mit im der hertzog von Brunschwig lo 
und ander siner iLuniglichen mq/estat rete und ho%esind, uff 
400 pferd. und anfengklich enhalb dem Nuwen Husz im veld') 
durch her Härtung von Audio ritter burgermeister, Jacob Yselin 
die zit zunfftmeister^), Heinrichen Rieher altzunfftmeister und 
Uolrichen Meltinger, von einem rate darzü geordnet, empfangen i5 
mit den wirden und werten, als sich geburt. darnach durch 
minder Basel ^), die Ysengassen und die Frye Strasz uff in das 
münster, und von dannenthin in unsers gnedigen herren von Basels 
hoff beleittet mit sampt der priesterschaffb und den geistlichen, 
so sinen gnaden mit dem helt&m bisz an die Wisenbrugk^) 20 
engegen gangen waren, darnach ist sin Imntfflich majestat 
abermals durch die bestimpten geordenten hotten in unsers 
herren von Basels hoff aber empfan^^n, und sinen gnaden ge- 
schenckt, als hernach stat: 

Item ein vergulten schon wer, cost 134 gülden. 2s 

Item in demselben 400 gülden in gold^}. 
Item 4 ochsen, costen 58 Ib. 4 s. 

auch nach der Bischofswahl vom 4. Jan. noch fort, bis der Neugewählte die 
pfipstliehe Bestätigung erlangte. Ueber letztere 8. B. Chron. m, 222. 
1) S. oben s. J. 1451. 

2] Er kam aus dem Elsaaa und zog nach Oestreich zu seinem Vater, dem 
Kaiser; s. die Regesten No. 1908 und 1922, bei Lichnowsky, Gesch. des Hjiuses 
Habsburg VUI. 

3] D. h. an der Baongrenae des Dorfes Klein-Hflningen, an dessen Herr- 
schaftsrechten Basel schon damals einen Antheil hatte; s. Brückner YI, 611. 
Ueber das Neue Haus, eine alte lUchtst&tte an der Landstrasse naeh Freiburg; 
s. ebend. VI, 641. 

4) Sohn des frQheren Oberstzunftmeisters Heinrich Iseün ; s.Wurstisen 435. 

5) Der Einzug erfolgte durch das St Annen- oder Bläsithor ; s. Brilingers 
Ceremoniale, bei l^uiUat V, 651. 

6) Ueber die Wiesenbrücke, erbaut nach 1434, s. Brückner VI, 623 ff. 

7) Kurz nach seinem Besuch erhielt der König Qberdiess von Basel ein 
Darlehen ron 2000 GTl.; s. Näheres bei Ochs IV, 433 ff. 



1403. 83 

Item 4 vasz mit win, coerten 28 Ib. 6 s. 

Item 30 viemtaEel haberen. 
So ist der cantdie geschenckt: 

Doctor Sturtzel dem cantsler^) 20 gülden. 
& Item gemeinen cantselschriberen 6 gülden. 

Item den thiijliflteren 6 gülden. 

Item den trumpetem und pufferen 10 gülden. 
Dem hertzogen von Brunschwig') : 

8 kannen mit win. 

19 Und sind neben der ')sMniglichen iaaj€$tat gangen: 
her Härtung von Andlo ritter, burgermeister. 
Thoman Surlin. 

So band die hymmelts^» getragen ^j: 

Vor und umb den kung sind gangen, das volk uffzehalten: 
IS Friderich Hartman. 

Hans B6r*). 

Heinrich Rieher der jung^). 
Walther Harnesch. 

Des ISimischen kungs ze warten waren geordnet: 
1» her Härtung von Andlo ritter, burgermeister. 

her Hans von üexeideh ritter, ältburg^rm^^. 
Jacob Ys^lin, zunfftmeister. 

Sioman Surlin. 
einrieb Bieher der elter, altzunfftmeister. 
2s statschriber®). 

Denen sind zugeordnet gewesen, wa des nott wurde: 

Jörg Schonkind, 
lienhart Grieb. 
Ulrich Meltinger. 

13. Folgt leertr Rftvin fttr die Namen. 

1) Dr. Konrad Stflrzel. 

2) Vermuthlich ist Henog Albrecht von Baolisen oder dewien Sohn Georg 
gemeint. 

3] Vgl Woohenausgabenbuch XII, 160: Item 2V2 Hb. 10 d. den herren 
gesehenekt, so die hymmeltten ob dem Romisehen künig getragen hand. — Vgl. 
oben S. 77 z. J. 1473 den Einzug Kaiser Friedrichs, wo zu diesem Ehrendienst 4 
Edeüeute erbeten wurden, darunter auch solche, die das Bürgerrecht nicht hatten. 

4) Vemrathlioh der Vater des gleichniunigen Helden Ton Marignano ; über 
letzteren s. Wurstisen 521. 

5) H. Riehers des alteren Sohn; s. Erkanntniszbuch I, 140. 

6} Nikiaus Rüsch ; über ihn s. B. Chron. III, 275 ff., auch unten Beil. II. 

6* 



S4 Rathabflcher. 

Hans Hfltpiand. 
Heinrich von Senhein. 
Der knniglichen mq/estat hoff züzerusten ^) : 

Michel Meiger^). 

Hans Hiltprand. & 

Heinrich Bieher junior. 
Hans Plarer. 
Stallung, höuw, strow ec. se bestellen: 

Michel Meiger. 

Heinrich Bieher junior. lo 

Hanns Plarer. 
Die stat ze versechen: 

Item wann er harkompt, under jedem thor, so offenn ist^), 
8 mann ze haben, und einen bestelten tagwechter uff den sel- 
ben offenn thoren ze haben. *^ 

Item under dem thor, da er inriten wirt*), von yeder zunfft 
vier man, zum sufferlichisten uszgenist, ze ordnen, die dannent- 
hin neben dem BZmischefi kun^ harin gangen und die Strassen 
uffhalten und wyteren. 

Item von yeder zunfft vier man zur züwacht ze haben ; ^ 
von denen sollen zwen uff die thürn gan, und die andern zwen 
uff der wacht bliben im richthusz. und einen von den raten 
uff der wacht zft houptman ze haben. 

Item yeder zunfil iren thum anzegeben^], daz sy die selben 
zwen wissen daruff ze schicken; und daz yedem zunffitknecht 2s 
der Schlüssel zu sinem thum geben werd, damit er die zwen 
möge daruff vertigen. 

Item under den thoren ze nacht euch wacht ze haben; 
und daz sy umbgangen und abwechslen, als vor in solichen 
loiffen euch bescheen ist ; und daz von yeder vorstat dahin vier 3o 
man geben werden^ damit solichs erstattet mfig werden; und 
der thorwechter uff das thor. 

16. Hb.: tot yeder. 

1) Im Bischofshof; s. oben S. 82. 

2) Michael Meyer von Baldersdorf, Rathsherr der Haasgenoasenxunft, trat 
1512 in die Hohe Stube. 

3) Gewöhnlich blieben bei solchen AnUUnen, wie in Kriegsseiten, nur 3 
Thore offen, nämlich Aesohenthor, Spalenthor und eins in Kleinbasel ; ygL oben 
sumJ. 1428 und 1473. 

4) St BlAsithor; s. oben S. 82, Anm. 5. 

5) Ueber die Vertheilung der 15 Zünfte cur Wache auf den ThOrmen der 
Ringmauer s. die filteste Wachtordnung von 1364, bei K. Viseher-Merian, 
Henmann Seevogel 69, femer die späteren Ordnungen ohne Datum , im Liber 
Div. Herum 82 b ff. 



1493—1502. 85 

Item 100 man luns den empteren ze besenden , und doch 
zum Iieinilichisten, euch wann sy harkemen, sich stiU ze halten; 
das ist aber nit bescheen. dansü nsz den zunfften euch ze 
ordnen und uff zwey oder dni zunffthuser ze Verstössen, ob ' 
i ettwas geloiff wurde, daz die sollen gerust und bereit sin ; ist 
ouch nit bescheen. 

Item die kettenen und luchtei ze Tersechen. 

Item die Strittbuchsen an die end und ort ze stellen, als 
von alter herkomen ist*]. 
10 Item die frAmbden fuszknecht nit harin ze laszen. 

[wb. 100^] Älsz denn der hochwirdig fürst und herre [Saibach?] 
her Caspar bischoff zu Basel, des stammens ze Rine, uff zins- 
tag Yor sant Martins tag in dem jar als man zalt von der 1502 
gepurt Cristi tusent funffhundert und in dem andern jare zu 

u mit tode abgangen 3}^ ist darnach uff den nechsten 

sampetag vor beden rStten erschinen der erwirdig hochgelert No?. 12 
her Iheronimus von Weyblingen thumdechan der stiffb Basel, 
mit eroffiiung : wie er von gemeinem cappittel abgevertiget sye, 
den abgang des obgemelten irs gnedigen heiren des bischoffs 

2a beden rfitten zu verkünden unnd sy ze bitten, getruw uffsechen 
uff das bisthümb ze haben, mit me werten zu sollicher mey- 
nung dienstlich, daruff ein rate sich underredt und verwundern 
gehept, daz der genant her bischoff uff zinstag abgangen unnd 
einem rate erst das an sampstag verkundt ist. und daby an- 

25gedenck gewesen, mit was ungnediger unfruntlicher gestalten 
in mencherley Sachen sin gnad ein statt Basel in zit sins regi- 
ments gemeint, und ir erzoigt und bewisen hatt^j . der Ursachen 
halb wir wol ursach gehept, daz ein r&t sollichen abgang glich 
daby hett lassen bliben, und einichs clagens noch erbiettens, 

» wie das in andrer siner vorfaren abgang bescheen, nit not were. 

15. In H>. Bftiini geUsseii fb das Nftmea. 25. Hi. : imfhiBlliclieii gestalten. 

29. Hb.: erbiettena weder in andern ainer vorfaren. 

1) 8. hierüber Liber Diy. Remm 88 ff. 

2) Laut einer anonymen Fortsetzung zu Nikiaus Gerung, geschr. nach 
1554, starb er zu Pmntmt; s. Th. v. Liebenau, im Anzeiger f. Schweiz. Oesch. 
1879, 8. 218. Der Vertrag jedoch, durch welchen Bischof Kaspar am 30. Deo. 
1500 Ton der Regierung des Bisthums zurücktrat, bestimmte ausdrQcklich, dass 
er fortan in Delsberg wohnen solle , doch in gefthrlichen Zeiten auch anders- 
wohin ziehen dQrfe — ausgenommen nach Pruntrut S. Trouillat I, 8. 126 der 
Anleitung, und vgl. Vautrey, Histoire des Evdques de B41e III, 55. Es dOrfte 
daher Wurstisen 498 Recht haben, laut welchem er in Delsberg starb, und zwar 
an der Pest, welche in diesem Jahre herrschte. 

3) Ueber seinen langjährigen Streit mit der Stadt s. Heusler 401 ff. 



86 lUtfasbOcher. 

aber im aller besten so sind unser herren bede rette des ein- 
rfittig worden, der Ungnaden und untunlichen fumemen, einer 
statt von dem yfl gemelten hern Casparn bischoff bewisen, by 
' den zitten wollen lassen r&wen. und haben darnach uff den 
Not. u nechsten moutag yier der retten z& dem cappittel verordnet, & 
und denen vier stuck mit inen ze reden in bevelch geben. 

Des ersten: ein cappittel des al^ang unsers hern von Basel 
halb, wie sich gepurt, ze clagen. 

Zürn andern: sich von eins rats wegen ze erbietten, wa 
sin gnad ir begrebnis hie in der atiffk oder statt erweit hett^), lo 
daz wir bede rete mit sampt den sechsen und loblicher pro- 
cession dem todten lyb entgegen gangen, wie vor andern siner 
gnaden vorfaren euch bescheen were. desz glichen, wa sin 
gnad also hie bestattet worden, daz bed rSt mit iren sechsen 
und der zunfiten kertzen by sollicher siner gnaden bestattung t5 
euch erschinen weren. 

[126] Z&m dritten^): sy ze bitten, sich darzft ze neigen 
und ze schicken, einhellig in der wal ze sind, damit nit der 
wirdigen stifft durch zweyimg der chur, wie andern bystümen 
vor bescheen sye, schad und unrüw zugefügt werde. 20 

Zum vierden mit dem cappittel ze reden: demnach ein alt 
harkomen und biszher gebrucht, wann ein bischoff abgangen, 
daz dann die stett, slossz und lande der stifft zugehörig in- 
genomen, darz& ein bottschafft von einem rate alwegen ver- 
ordnet worden, da sye ein rat des urbuttig, dem selben lob- 25 
liehen gebruch und alten harkomen yetz aber statt ze t&nd 
und zu soUicher innemung der stetten, slossen und lands bisz 
an ein kunfftigen herren ir bottschaft ze verordnen und ze 
tünd verhelffen. denn ein rat geneigt sye, getruw uffsechen 
wie sy begeit, uff die wirdige stifil ze haben ec, mit me wor- 30 
ten zu sollichem geburende. 

Uff sollicher unser botten anbringen ein cappittel geant- 
wurt tind anfenglich unsers clagens mit sampt dem fruntlichen 

11. Hs. : löblichen. 16. Zusatz von derselben Hand : Noiandnm, qnere de eodem 

fol. 126. 17. Darftbex von derselben Hand : Der bysobdF balb t^ere snpra fol. 101 . 

1) Die« war nicht der Fall, sondern er wurde, seinem letaten Willen ye- 
mAsB, im Cistersienserkloster Lütsel begraben: s. Forteetiung zu Oerung, im 
Anzeiger f. Schweiz. Qeach. 1879, S. 218, auch Tronillat I, S. 126 der Einleitung. 

2) Bas Blatt »101«. auf welches in der Hs. der unter den Varianten mit- 
getheilte Zusatz aber BL 126 hinweist, ist identisch mit unsenu BL 100. Der 
Unterschied rührt einzig daher, dass der Schreiber von 1503 im Kl. Weissbuch 
der schwarzen Paginatur folgt, während wir, gleich dem Schreiber ron 1479, 
der rothen folgen. Vgl. oben S. 81 Varianten. — lieber die Tersohiedenen 
Paginaturen des Kl. Weissbuches s. Beilage Id. 



1502. 87 

erbietlen gedanckt hAben, mit erbiettung das wollen verdien 
neu ec. aber als in anaogner innemung der ttetten, slossen 
und lands e&, sye by den sitten on not. denn in kurti ver-« 
nicktoi tagen lüftben sy dem Statthalter und regenten^) ge- 

»svroren. desehalb sy sich wol versechen, da« witer swerens 
und innemens nit bed^ifflioh sin, sunder die angeh&rigen sich 
nach lut der selben getanen pflichten bisa uff ein kunfftigen 
hern, als inen gebür, halten werden^), so aber inen utat be- 
gegnen wurd, wollten sy sollichs an einen rate langen lassen, 

10 mit frantlicher bitt, aksdenn getruw uffseehen zu der stifft ae 
haben ec. 

Uff dornstag Tor Katherine ist der edel erwirdig her Hart- not. 24 
man Yon Halwyler tfimprobst^] in rät erschinen, mitoffnung: 
daa sich ein cappittel des geeint haben, uff den ersten tagDeci 

15 des monats december zu der chur wollen gryffen; mit vlissiger 
bitt, au aitten der selben wal unser ratsbottschafit euch au^ 
gogen ze haben ec. dem selben nach haben unser herren ir 
bottschafft, nemlich Michel Meiger Statthalter des bu^ermeister* 
thümbs^), Ludwig Kilchman ^) und Niclausz Rusch, darzü ver- 

20 ordnet; die euch uff den tag der wal in namen eines rats in 
dem münster by andern der stifft mannen, nemlich von wegen 
R&mischer )Leiserlicher mq/estat her Leo fryher zu Stouffen, 
her Hannsz Ymer von Gilgenberg ritter^) und andern vil rit- 
lern und knechten^, erschiuen sind, da ist von keiserlicher 

25 mqjestat wegen an das cappittel uff credentzbrieff anbracht, 
einen jungen hem von Mörsperg zu bischoff ze erwölen^), 

1} N&nlich Christoph von Utenheim, dem frilheren Domcustos und naoh- 
maligen Bischof, welchen das Domkapitel am 24. September 1502 zum Coadjutor 
des curflckgetretenen Bischols Kaspar ernannt hatte; s. Trouillatl, 126 der 
Einleitung. 

2) Noeh am n&alichenT^;e {14.Nov.) erlies« das Domkapitel an die bisehöfl. 
Unterthanen eine Proclamation in diesem Sinne; s. Trouillat I, 127 a. a. O. 

3; Hartmann und sein Bruder Hans, der Sieger yon Murten, waren Söhne 
Burkhards, eines Vetters des oben z. J. 1431 erwähnten Konrads von H., und 
beerbten auch den 1469 kinderlos verstorbenen Thüring d. jungem; s. Argovia 
VI, 197 und 244 ff. 

4) Burgermeister des Jahres war Peter von Offenburg, üeber M. Meyers 
Erwählung zu dessen Statthalter, für Fälle von Abwesenheit, s. Erkanntnisz- 
buch I, 215t>, zum 8. Juli 1502, im Auszug bei Ochs V, 251. 

5) Ueber L. Kilchmann s. seine eigenhändigen Aufkeichnungen in seinem 
Schuldbuche, jetzt im Staatsarchiv, Karthaus B, BL 316^ ff. 

6} Ueber d«i gewesenen Bürgermeister Hans Imer von Oilgenberg, den 
Sohn Hans Bemhardis, s. K. Vischer-Merian in den Beiträgen XU, 247 ff. 
7J Weitere anwesende Edelleute s. bei Trouillat I a. a. 0. 
8) Johann Wemher, ein Sohn Kaspars von M., des Ostreich. Landvogts 



88 Rathsbüeher. 

mit erbiettung, daz sollichs dem bjst&mb sCl grossem vorteil 
erschiessen solle, und haben die herren von dem cappittel 
dem selben allem nach, nach yoUendimg des gfittlichen ampts 
und empfachung des heiigen wirdigen sacraments, su der vral 
griffen und den erwirdigen edlen und hochgelerten hem & 
Cristofferen von Uotenhein, thümhem und custor obgemeltei 
stifffc; z& bischoff erweit , und die selb wal einhelliglich uss- 
gangen sin usskundet. 
1503 Uff domstag nach sant Marx tag anno domini 1503, dem- 
Apni 27 j^^^Yi unser gnediger her davor bestimpt einen rat durch siner to 
gnaden treffenlich bottschafft hat lassen ers&chen und bitten, 
sinen gnaden ein ersam ratsbottschafft z&zeordnen, der selben 
siner gnaden stett, slossz, land und lüt helffen innemen, wie 
das '▼on alter har geflbt und gebrucht, ist durch unser herren 
die rete erkannt, daz man solle sinen gnaden willforen. und i» 
sind daruff zu sollichem geordnet her Hannsz Kilchman ritter^} 
und Niclausz Rusch, des selben unsers herren von Basel willen 
helffen erstatten. 

[Genier] [wb. 134^] Diso orduuug soll uff den swertag, als 

man die bund swert, gehalten werden^). 20 

Demnach myn gnedig herren die rett kurtzlich hievor von 
ortt zu ortt, benantlich gan Zürich, Bern, Lutzem, Ury, Switz, 
Underwalden ob und nyd dem wald, Zug und Glarus, ir bott- 
schafft, nämlichen hem Wilhelm Zeigler burgermeister und 
Hansen Stoltzen den ratzhern geschickt haben zu erwerben, 2s 
damit minen herren vergünstiget und zugelassen wurde, das 
wir mit den obgemelten acht orten unser bottschafften von 
ortt zu ortt schicken und, wie sy die pflicht dess puntswerens 
allenthalben empfiengen, wir euch tun mochten, das uns nach 
villerley Werbung von den obemempten orten zugelassen, wie 30 

im £1bm8, und Enkel Peters von M., wurde sp&ter Dompropst ; s. Wuntisen 58, 
— Als Erinnerung an ihn bewahrt die Mittelalterliche Sammlung eine mit den 
Wappen seiner Eltern geschmückte Truhe, welche sich früher in der Dom- 
propstei befand. S. den Katalog der M. A. Sanmilung, von 1888, S. 30, No. 26. 

1] Ueber Hans K., der 1496 in Jerusalem Ritter wurde, s. die Aufzeich- 
nungen seines Vaters Ludwig, jetzt im St Archiv, Karthaus B, Bl. 316^ ff. 

2) Dieser Bericht kann wohl erst nach 1508 geschrieben sein, da ihm im 
Kl. Weissb. Bl. 130^ ff. die Beschreibung der erst im Sept 1508 erfolgten Ab- 
holung Bruder Fritschins vorausgeht; s. unten S. 92 ff. — An der letztvorher- 
gegangenen Erneuerung des Bundesschwurs unter den Eidgenossen, 1502, 
hatte Basel noch nicht theilgenommen, weil die Stadt kaum ein Jahr vorher, 
bei ihrer Aufnahme in die Eidgenossenschaft, den Bund neu beschworen hatte ; 
s. Eidg. Abschiede III, 2, S. 166. 



1503--1507. 89 

dann das ein abscbeid, darumb zu Baden im Eigow vergriffSen, 
anxoigt^}. 

Und als nu die zitt kommen, das man die punt allent- 
halben emuwern und schweren batt sollen, haben myn herren 
5 nun hotten abgefertiget, mit nammen: hem Lienharten Grie- 
ben Zunftmeister 2) gan Zürich unnd Schaffhusen ') ; hern 
Hansen Eilchman ritter gan Bern, Friburg und Solathom; 
hem Ludwig Kilchman gan Lutzem; gan Ury Hans Graff; 
gan Switz Walther Hamesch ; gan Underwalden ob dem wald 

loMathis Tselin^); gan Underwalden nyd dem wald Ludwig 
Stmb; gan Zug Friderich Hartmann, imd gan Glaris Hans 
Stoltz. die sint uff frittag vor Heinrici anno ec. 1507 alsoiso? 
abgeritten, die punt allenthalben wie ander ortter helffen zu 
emuwern. 

15 Uff das sint ron den obgemelten acht ortten, benamlich 
von yedem ortt ein erbarer bott, uff sambstag vor Heinrici joii lo 
inn dem obgemelten jar obens hye by uns an der herberg 
erschynen, der meynung, die pflicht dess bundswerens by uns 
ouch zu erstatten, die dann des selbigen obens durch myner 

to herren ersam botschafit fruntlichen empfiingen , by inen an 
der herberg gessen ec. und als momdes sontag vor Heinrici Jvu u 
worden, liesz man mit beden glocken umb die sechsz inn den 
ratt luten. und nachdem myn herren bede rett zusammen 
uff das richthusz^) komen, wurden myn herren die hotten von 

2s den acht ortten durch myn herren die rett beschickt, zu inen 
uff das richthusz ze kommen; das ouch beschach. und als die 
hotten by mynen herien den retten erschynen, da giengent 
bede rett mit sampt den hotten hynuff inn das munster, ye 
zwen und zwen, inn guter erlicher Ordnung, und hielt man 

^•ein gesungen ampt von unser lieben frowen<^), und wurden 

1) Der AlMchied vom lo. Juni 1507 ; s. Eidg. Abwhiede III, 2, S. 384. 

2) Ein Sohn Lienhart Orieb« des iltem ; s. das Testament Jakobs von 
Waltenheim, vom 25. Oct 1469, im Oerichtsarchiv, Fertigungsbuch B 9. — Er 
führte 1513 die Basler auf dem Zuge nach Dijon; s. B. Chron. I, 21. 

3) Schaff hausen erhielt keinen besondem Gesandten , weil es nicht su 
den 8 ahen Orten gehörte, ebenso Freiburg und Solothum. 

4) Dieser entstammte nicht dem alten Achtbürgergeschlechte Iselin, son- 
dern dem neueren, noch jetzt blühenden Geschlechte d. N. ; s. die Stammtafel 
bei Wursdsen 572. 

5) Das VordergebAude des Bathhauses war seit 1505 im Neubau be- 
griffen ; der alte Rathsaal jedoch befand sich im ersten Stock des Hinter- 
gebftndeSi welches stehen blieb. S. Rud. Wackemagel, in den Mittheilungen, 
N. F. m, 9 ff. 

6} VgL den Bericht Über den Bundesschwur von 1520, in Brilingers 
Ceremoniale, S. 95. 



90 Rathsbacher. 

myn herieu die botten mit sampt ettlichea minen berren den 
retten inn dem chor inn die stul ^) gesteh, und gieng man zu 
fiummen und zu opffern. 

Und nach ussgang des selbigen ampts» als man das ander 
zeichen inn den ratt lutet, wider herab an den Kornmerckt 5 
uff ein brugy, die desshalb vor dem Salmen^) uffgericht und 
gemacht, und ward die gantze gemeynd von zunfften und ge- 
seischafften beder stetten veisamlet, also das ein grosse sali 
volcks vOn unser gemeynd uff dem Eommärckt etund. dem 
selben nach ward durch myn hern den burgermeister herr 10 
Wilhelm Zeigler diss meynung geredt: 

»Edlen strengen frommen Testen fursichtigen eisamen und 
wysen lieben herren und guten frund und getruwen lieben 
Eydgnossen! demnach ein loblicher gebruch und alt haikomen 
ist, das myn herren die Eydgenossen uff disen tag ir punt er- t5 
nuwen und schweren, da sint myn herren [135] bede rett mit 
sampt irer gemeynd, wie ir die secheui hie versamblet. und 
nachdem sy Eydgenossen und wie ein ander ort gehalten und 
geachtet sind, erbieten sy sich alles das zu erstatten, das sich 
desshalb gezympt und gehurt.« 20 

Uff das wart unser bund^) durch Ludwigen Meyger den 
gerichtschriber verlesen, und demnach der punt von Schaff- 
husen^). und nach Verlesung der selben punten ward durch 
den botten von Zürich^) uns und unser gemeynd den eyd 
geben und also geredt: 2& 

«Lieben frund und getruwen Uaben Eydgnossen l dem 
alten löblichen gebruch und harkomen nach, als unser herren 
und obern ir punt uff disen tag vernüwem und sweren, haben 
uns die selben unser herren und obern zu uch unsern ge- 
truwen lieben Eydgnossen abgefertiget, die pflicht von uch 30 
ze nemmen. desshalb begeren wir, ir weit solichs guttwillig- 
lichen erstatten, und uff das so heben uff und reden mir 
nach: als der punt verlesen ist und der inhaltet, das wellen 
ir halten und dem nachkomen. das sweren ir, das uch gott 
helff und die heiligen !c 35 

Dem selben nach wart den botten von den acht orten der 
Eydgnosschafft durch minen hern den burgermeister hern Wil- 
helm Zeigler den eyd hinwider geben also: 

1) Diese Choratühle stehen jetst in den beiden Querschiffen. 

2) Das HauB zum Sabnen, jetzt Marktplatz No. 4. 

3) Der Bundesbrief yom 9. Juni 1501 ; n. Eidg. Abach. HI, 2, S. 1297 ff. 

4) Vom 10. Aug. 1501. abgedr. ebcnd. S. 1297 ff. 

5) Ulrich Felix; s. unten S. 91. 



1607. 91 

«AIb der punt verlesen ist und ir wol verstanden haben, 

das wellen ir halten und dem nachkamen getruwlich unnd 

nngevarlieh. das sweren ir, für uch und uwer nachkomen, 

als uch gott helff und die heiligen ! « 

5 Demnach giengent bed rett mit sampt den hotten zum 

Brunnen^), dessgUch myn heir thumprobst^) und die thum- 

herren ab Bui^, die oueh geladen woren. und asz man lu 

ymbisz und zu nacht daselbs, und beweysz man minen herren 

den Eydgnossen vil ere und reverentz, das sy zu hochem danck 

Mannommen und dess minen herren gtoszlichen danck sagten. 

Es ist zu allen zitten, so die obgemelten botten zu ymbis 

oder zu nacht inn den herbergen wellen essen, den selben 

hotten den win erlichen geschenckt. und haben all zitt und 

mal miner herren der retten, von eins rata wegen, sechs oder 

usiben herren by inen gössen und sy an den herbergen ouch 

erlichen gehalten, doch so hatt man sy nit von der herberg 

gelost, sonder sy ir urten an den herbergen selbs lassen be- 

zaien. 

Und sint das die botten, so der selben zitt hie gewesen 
20 sint, mit nammen : 

Von Zürich meister Uly Felix, 
von Bern herr Bastian zum Steyn^) ritter. 
von Lutzem vogt Gloszly*). 
von Ury vogt Goltzschly*). 
ü von Switz vogt Stadler*). 

von Underwalden ob dem wald vogt Gretz'). 
von Underwalden nyd dem wald Heinrich Snitzmatter. 
von Zug Rudolff Schmid. 
von Glarus vogt Wiechszler *). 
30 von Friburg Hans Techtermann. 

von Solothom Benedict Hugy^). 

14. Ha.: minen herren der retten. 30. Hs.: Hans Tochtermann. 

J) Ueber das Oeflellschaftshaus zum Brunnen, jetst St. Petenberg No. 1, 
s. Fechters Top. 89, und Heusler 253 ff. 

2) HsiM Rudolf von Hallwü, ein Sohn Walthen und Neffe des Dom- 
propstes Hartnuum, folgte diesem letztem im Amte 1503, wurde aber 15 t 1 
Custos. £r starb 1527 und wurde im Mfinster begraben; s. Tonjola 13, und 
Worstisen, in den Beiträgen XII, 453 und 511. 

3} Richtiger : vom Stein. 

4) Heinrich Cloos oder Klosz; s. Eidg. Absch. III, 2, S. 599 und 782. 

5) Heinrich Oöltschi ; s. ebend. S. 396. 

6) Meinrad Stadler; ebend. S. 185 und 186. 

7) Walther Kretz; ebend. S. 219 und 295. 

8) Rudolf Wiechsler; ebend. S. 300. 

9} Benedict Hugi der jflngere ; ebend. S. 403, 



92 Rathflbücher. 

[üftUerf] [wb. 130^] Zu ewiger gedechtnuss wellen alle unser nach- 
komen wussen und ingedenk sin, das in dem jar do man aalt 

1507 1507 etlich burger der statt Basel unsern getruwen lieben 
eydtgnossen von Lutzem im eltesten burger, genant bruder 
Fritzschin 1], heimlich in guter geselschaft entwert, und den» 

1508 selben brüder har in ein statt Basel gefürt'}. der sich bis uff 
'^^^' ^ nativitatis Marie in dem achtenden jar daselbs by uns ent- 
halten, das aber unser eydtgnossen von Lutzem nit wyter 
haben wellen gestatten, sonder furgevaster meynung worden, 
den selben im burger widerumb z& im banden ze bringen ; und lo 
daruf ir und unser lieb eydtgnossen von Ury, Switz, Under- 
walden und Zug inen hüffUch zu sind und zuzeziehen ge- 
mandt, und uns, dem selben nach, disen nachgeschribnen 

Sept. lobrief uff sonntag nach nativitatis Marie har gen Basel zuge- 
sandt haben, der selb brief lutet also']: a 

Schultheis und rat der statt Lutzern, den fromen, f ur- 
sichtigen, wysen, burgermeister und rat z& Basel, unsein be- 
sondern g&ten frunden und getruwen lieben eydtgnossen. 

Unser fruntlich wülig dienst, und was wir eren, lieps und 
güts vermögen, alle zyt zuvor bereit, fromen, fursichtigen, 20 
wysen, sondem g&ten frund und getruwen lieben eydtgnossen. 
uns zwyvelt nit, ir syen bericht der grosen beswärd und an- 
ligens, so uns vergangens jars begegnet mit unserm lieben 
alten burger brüder Fritzschin, als der sins alters halb in die 
abeiwitz komen, sich hat lasen bereden und bewegen, in sol- 25 
hem sinem alter, das doch sorgveltig, zu wandlen. und dar- 
durch er von uns an sinem fumemmen nit gejrt, hat er sich 
by nacht und nebel usz unser statt und gepieten so heymlich 
getann, das wir ein zyt nit haben mögen wuszen, was sin für- 
nemmen gewesen, dann wo ei nit so alt, heten wir vermeint, 3o 
er weite sich, als er vormal mer getann, mit einem gmahel 

* 1. üebenushiift Ton sehr spftter Hand : Brad«r Fatscliin. 20. Ha. : ihtot b«ri«t. 

1 ) Ueber diese Strohpuppe s. die Chronik des Lusemerc Diebold Schilling. 
Auflg. Ton 1B62, S. 195 und 229, auch Th. v. Liebenau, Das alte Lusem. S. 93 
und 242. — Ueber einen ähnlichen Besuch der Zürcher in Basel, auf die Fast- 
nacht Ton 1503. 8. Edlibachs Chronik, in den Mittheilungen der Antiquar. Oe- 
sellBchaft in ZOrich, Bd. IV, 237 ff. 

2) DiesB geschah vermuthlich gegen Ende 1 507 und bot den Anlass zu 
einer Einladung Basels an Luzern auf konunende Fastnacht 1508, um den 
Fritschi wieder heimzuholen. Luzern antwortete am 12. Febr. 1508, und 
wünschte Aufschub bis nach Ostern oder noch spftter ; s. den Brief im St. A., 
Vordere Registratur, E 16, No. 37. 

3) Dieser Brief ist im Original nicht mehr vorhanden. 



1508. 93 

▼erBehen. demnacli, getruwen lieben eydtgnossen , haben wir 
vernommen, wie er sä uch kommen, da im so frimtUeh be- 
seheen, und uwer erlich wesen so wol gevallen, das er sich, 
als die alten gern sind, da man inen g&Üich thüt, by uch 
szu enthalten understanden. [131] und wiewol er tU bas by 
uch versorgt, so hat doch sin fruntschaflb mit sambt sinen zunft- 
prüdem^) so grosen ruwen an im, das möglicher were, den 
Rhin obsich se keren, dann sin abwesen lenger zu gedulden, 
haben die selben uns also gepetten, inen sü dem im wider zu 

10 verhelfen und alles das zu gebruchen, das wir einem burger, 
dero er der eltest ist, phlichtig sind, uns dermasz ermant, 
das wir darwider nit sin konen noch mögen, und wann aber 
OS solhem grosas winvergiessen entspringen mocht, wil uns ge* 
zymben, unbewart unser eren solÜchs nit furzenemen, son- 

15 ders vor ze warnen, darumb haben wir uwer lieb sollichs nit 
wellen verhalten, und verkünden dero, das wir in dem namen 
gottes, uff firytag nach des heiligen crutzes tag, zfi rosz, schifsept. is 
und f&s, mit anderthalphundert mannen ungevarlich us und 
zu uch ziehen, den nechsten momdes am sambstag, zu frflgem Sept. le 

ap nachtmal uch anzugriffen und understann, den obgemelten 
unsem burger z& erobern und unsem banden zu pringen. und 
als dann der selb unser burger hievor by unsem lieben eydt- 
gnossen den drygen Lendem gewybet, dahar er noch ein grose 
fruntschaft hat^), wellen wir uns versehen, die selben unser 

25 lieb eydtgnossen mit sambt unsern lieben eydtgnossen von Zug, 
die wir umb hilf gemandt haben, werden ouch uns bystendig 
sin. darnach wusse sich uwer lieb z& richten und uns zu be- 
gegnen dermasz, das vil lerer vasz werden; wellen wir in 
gacher wys beschulden, datum uff nativitatis Marie anno ec. 8. isos 

^ ^ Sept. 8 

30 Daruff haben wir innen wider geschriben , uff meynung 

wie hamach volgt: 

Feter Offenburg burgermeister und der rat der statt Basel, 
den firomen, fiirsichtigen, wysen, Schultheis und rat zu Lutzem, 
unsem sondern g&ten frunden und getruwen lieben eydt- 
» gnossen. 

Unser fruntlich willig dienst, und was wir eren, lieps und 
gütz vermögen, zuvor. [Idl**] fromen, fursichtigen, wysen, 
sondern guten frund und getruwen lieben eydtgnossen. wir 

1 ) Fritschi war Eig^nthum der »Herrenstube«, d. h. der vereinigten 3 Ge- 
seUachalten der Krämer, Zimmerleute und SchOtxen; ■. Liebenau a. a. O. 

2} Wie jetst nach Basel, so war Fritschi früher zu wiederholten Malen 
in die Waldstfidte entfahrt worden; b. Schilling 196. * 



94 Rathflbflcher. 

haben uwer trowlicli schryben und wamnng, uns bj disem 
bringer «igeechickt mit anfaig, wie ir mit sambt andern be- 
Wanten uwern eltosten burger bruder FritBchin, der sich by 
uns enthalten hab, wider wellen behanden ec, wol verstan- 
den, und sollen tV daruf glouben, das wir darob gante kein » 
ersehreken, sonder hertelich wolgevallen enphangen haben, 
wir wellen ouch uwer also mit stanthaften begirden erwarten, 
und uns mit unserm besten gesuk so tief ingraben, und in 
grossen und deinen stuken — lugent ist dermass^) — in die 
gegenwer richten, das vilicht noch menger des gnüg mocht lo 
enphahen. deszhalb so wellen kecklich har&ren, so werden 
wir uch onyerzaklich begegnen, und damit wir merken mö- 
gen, das wir unerschroken sigen, so haben wir yewelten von 
unsem altvordem gehört: ye mer vj'gent, ie mer eren. der 
ursach ist unser höchste begird, das ir unser brAder von Ury, is 
Switz, Underwalden und Zug, ouch wer uch sunst geliept und 
gelieben well, in uwer sterk, uff höchst vermanung uwer ver- 
wandtlichen phlicht, 2& disem veltstryt berüffen und laden, 
dann wir nit minder begirlichs willens sind, mit unserm guten 
gezüg, sy mit uch zu bestrytten. gang recht ein winvergieszen 20 
und schalschlahen , mit sampt dem halsabwuigen und hflner- 
stechen darnach, was da welle, wir sind aber ie der hoffinung, 
so wir also zusammen kommen, es werde durch mitlung bru- 
der Fritschins ein vermehlung einer ewigen fnintschaft der- 
masz gmacht, ob gUchwol der selb from bruder bewegt wurd, 25 
personlich von uns zd keren, das er dennocht sin getruw hertz, 
daruf wir trostlich setzen , von uns nit abwenden wurd , der- 
glich sich der selb bruder und sin fnintschaft z& uns ouch 
hat zu vertrösten, datum sonntags nach nativitatis Marie uino 

1508 ec. 15082), 30 

S0pt. 10 

Dem selben nach sind die gedachten unser lieb eydt- 
gnossen von Lutzem mit anderhalphundert [132] hupscher 
knechten, darunter ir bed nuw und alt schulth^^m % und by 
inen achtzehen der rftten und sunst vil ersamer menner, ouch 

1 } Dieser Ausdruck scheint auf irgend eine Randzeidinung kirauweisen 
— etwa auf eine Kanne oder einFass. Nach gefiüliger Mittheilung von Dr. Th. 
von Liebenau findet sich jedoch in der in Luxem aufbewahrten Reinschrift 
dieses Briefes nichts dieser Art. 

2) Der Rath sandte folgenden Tags einen confidenzieUen Brief an die 
beiden Schultheissen von Lusem mit der Anfrage, wieviel Qiste aus den 
Waldstädten kommen werden u. s. w. ; s. MissiTenb. XIV, 36^. 

3) Peter Tammann und Jakob Bramberg; s. Th. von Liebenau, im Ge- 
Bchichtsfreund XXXV, 119. 



1508. 95 

dero Ton XJry und Switae treffenlich botschaft — dann ir kilch- 
wylie halb die selben unser eydtgnossen bj uns die zyt nit 
haben mögen komen — uff sambstag nach des heiligen crutzes sept i6 
tag siner erhohung, zu schif bis an die Pirs komen und da- 
i selbs usgestanden ^) ; da wir sy im veld unser treffenlich ratz- 
frund, nemlich hem Peter Offenburg burgermeister 2) zu rosz, 
Fridrichen Hartman und Mathisen Isellin zu füs^ fruntlich zu 
enphahen yerordnot, als das im yeld und dannenthin uf dem 
Kommerkt gepurender gestalt bescheen ist. 

10 Es sind ouch von allen zunften die hubschten und bas 
gerusten mit cleydern und geweren usgeschoszen , mit sambt 
unsern jungen kindsknaben engegengezogen bis uf die Pirsz, 
und daselbs das erst enphahen bescheen. und als sy har in 
einer Ordnung, nemlich Tor den unsern , gezogen, ist bruder 

IS Fritzschy uff dem richthus ^) in den laden zwuschen hem Lien- 
harten Grieben obersten Zunftmeister und hem Wilhelmen 
Zeigler alten burgermeister gelegen, sin lieb frund mit frunt- 
lichem nicken enphahende; darab sy gros gevallen gehebt, 
und als das redlin an dem Kornmerkt gemacht^), sind die ob- 

29gemelten houpter und die verordnoten r&t^] zu dem nuwen 
hem bui^ermeister an den Kornmerkt komen mit bruder 
Fritschin, und hat der burgermeister die selben unser lieb 
brfiderlich eydtgnossen, wie vor erlut, mit gepurender erbietung 
enphangen; doruf iederman an sin herberg gezogen, und ist 

23 von einem ersamen rat vormals geordnot und angesehen ge- 
wesen, wo yeklich parthyen und personnen z& herberg liggen 
selten, nemlich in den offiien wurtzhusem ieklichem wurt 
uffgelegt, so yil er hat mögen halten, dagegen haben ouch 
vil burger die besten und ir g&t frund heim gef&rt und be- 

3u herberget. und ist geordnot gewesen , das die selben unser 
lieb eydtgnossen uff dryen Stuben alle ymbis, so lang sy by 

1) Sie landeten also bei der Breite, hieher dem jetzigen DorfeBirsfelden. 

2} Der Sohn des oben x. J. 1473 erwfthnten P. y. O.; b. die Stammtafel 
bei Wuntisen 291. Ueber seine Führung des Basler Zuzuges zum niederlän- 
dischen Kriege 1486 s. Heusler, in den Beitragen IX, 195 ff., wo er abrigens 
mit seinem gleichnamigen Vater venreehselt wird. 

3} Der 1505 begonnene Neubau des vordem Oeb&udes war vollendet bis 
an das Dach, welches im Frühjahr 1 509 aufgerichtet wurde ; s. R. Wackemagel, 
in den Mittheilungen, N. F. Öl, 9. 

4) D. h. den Umzug rings um den Platz. 

5) Es war ein besonderer Ausschuss ernannt »um der sach bruder 
Fritzschins und der statt Basel geschefften«, und zu diesem gehörten ausser den 
oben genannten L. Grieb, W. Zeigler und P. von Offenburg noch 5 Raths- 
gliedcriB.Ob. VII, 128»». 



96 RathBbücher. 

uns hie gewesen sind, morgens [132^] und nachts geessen haben, 
nemlich zu dem Brunnen, zd dem Saffirann und uff der Schmidt 
hus^)y da innen ere nach vermögen mit visch, fleisch, hflner 
und wiltprat bewysen^). 

Es ist ouch unser gnediger her der bischof und etlich 5 
ander prelaten und thümbherren innen z& eren gladen. und 
ist den selben unsem lieben eydtgnossen ein erlicher tants, 
der sich von vile der arten in dry täntz hat müsen teilen, uff 

s«pt. 17 Sonntag uf sant Peters plats gehalten; dahin ein vasz mit win 
gefürt, und den frowen ein abentbrot mit confect geben ward. 10 
item es sind ouch von ieder zunft und von ieder geselschaft 
über Bin zwen redlich man mit benglen verordnet gewesen, 
die br&der Fritzschins, des tantzes und sunst alle ymbis ge- 
wartet haben. 

Item es sind ouch uff yeklicher Stuben, da unser eydt- is 
gnossen geessen haben, einer von der hohen Stuben, zwen der 
ratten und sunst ratzherren, meister und etlich sechs der 
selben zunft verordnot, die gwalt gehebt haben, essen anze- 
slahen, hdner, fleisch, visch und anders zu bestellen, nach den 
malen dank ze sagen und widerumb zu laden, und uff iek- 20 
lieber Stuben zwen knecht bestelt, mit sampt knechten und 
junkfrowen, wie die notdurft ervordert hat. 

sopi. 18 Item an dem mentag haben min herren zu verschieszen 
mit der buchsen, nemlich dry gülden für das best, zwen und 
ein, usgeben; das uberig ist durch den toppell angelegt, und» 
darumb geschossen, und ieklicher obentur ein vennlin gmacht. 
ein halb fuder wins hinus an die zilstatt gefiürt'], und ieder- 
man getrunken; was da verzert, von einem rat bezalt item 
by 7 fuder ^} wins sind erkouft, zu dem Hermlin^) glegt, uff 
die Stuben tragen , und darzft zwen der raten verordnot ge- so 
wesen. item min gnediger her von Basel und min her der 
wychbischof<^) haben etlich kannen mit malvasier geschenkt, 

29. In Hf. Lftcke gelassen vor iftider«. 

1) Ueber die Zunfthäuaer zum Safran und zu Schmieden, jetzt Gerber- 
gasse No. 11 und No. 24, b. Fechters Top. 59 ff. 

2j S. hierüber die Rechnung in der Beilage VIII. 

3j Seit 1499 diente als Schiessplatz die Schüfzenmatte ; s. Fechters Top. 
123, Anm. 2. 

4] VgL in Beilage Vül die Rechnung: 54 Saum — also nahezu 7 Fuder; 
denn 1 Fuder hatte 8 Saum. 

5} Jetzt Freie Strasse No. 13 und 15. 

6) TelamoniuB Limpurger, Bischof von Tripolis; s. B. Chron. I, 402, 
Anm. 6. 



1508. 97 

und der apt von LutSBel') ein halp fiider wins; ist alles uff- 
gangen. 

Item unser eydtgnossen sind von dem sambstag bis mith- 8«pt. 16-20 
Wochen hie belyben, und an der mithwochen frAg hinweg ge- 

s zogen, da wir sy erlich bis an die Pirs^) beleitet. [133] und 
haben wir innen 80 karphen gen Liestal füren und schenken 
lasen uff den ymbis, und ein treffenlich botschaft, by sechs 
der rSten, zu yerordnot, sy zu beleyten. und hat ein rat in 
den herbergen, wa sy glegen sind, alle morgenbrot, abenurten, 

16 schlaffbrunk und aUen uncosten gar und gentzlich bezalt und 
sy deshalb enthept. unser eydtgnossen sind ouch mit grosser 
danksagung und fruntlichem begnaden abgescheiden, mit einer 
erlichen letzi, die usgeteilt worden ist, inhalt eins zedels, so 
der stattBchriber yon Lutzem ') mit dem letzgelt ubersandt hat. 

1^ Item ein brunknecht hat brüdem Fritzschin getragen, der 
ist von lib stark, aber nit vast witzig gewesen, dem hat ein 
rat ein rok und ein par hosen gmacht, darzü sind 10 ein 
Lundesch thüch^) komen; und ist der selb Fritschy mit un- 
sem eidtgnossen hinus geritten, dem haben sy ouch ein rok 

'^geschenkt'), und haben unser lieb eydtgnossen .von Lutzem 
darnach im schultheisen hern Jacoben Bramberg mit irm under- 
schryber<^) bar geschikt und uns der g[rosen eer und frunt- 
Schaft — die niemermer zu g&ten vergesen werden, und mit 
hilf des almechtigen noch mer liebi und fruntschaft gepären 

ä» sol — mit hohem vlys gedankt^), und ist über soUich bruder- 
lich wurtschaft gangen und usgeben, wie hamach stat. — (folgt 
Rechnung] ^). 

1) Theobald Hyllweg; s. MOlinen, Helvetia Sacra I, 191. -^ Diese 
CistenieDBer-Abtei hatte in Basel ihren Hof, in der Spalenyorstadt, No. 11. 

2} Also bis zur Brücke bei St Jakob, da die Heimkehr nicht mehr zu 
Wasser geschah, sondern auf der Landstrasse über den Hauenstein. 

3) Heinrich von Allikon. 

4) D. h. Tuch von London. 

5} Dieser Satz ist so zu verstehen, dass Fritschin das bessere Kleid er- 
hielt, und der Brunnknecht »auch einen Rock«. Auf diesen letzteren kann 
sich in der Rechnung einzig folgender Posten beziehen: »4 ein thflch dem 
botten, der denwidersagsbrief bracht hat.« Der Brunnknecht, der den Fritschin 
nach Luzem heimtrug, ist demnach identisch mit jenem Boten, welcher am 
10. Sept. den Brief Luzems nach Basel gebracht hatte. S. Beilage VIIL 

6) Hans Martin. 

7) Einen Gegenbesuch in Luzem, der diese Stadt 3316 Ib. kostete, 
machten die Basler 1518; laut gefl. Mittheilung von Dr. Th. von Liebenau. 

8) Die Rechnung s. Beilage VIII. 

BmIot CbroBiken. IT. 7 



98 Rathsbacher. 

[Byhinerj [Ob. VII 226*] Wie und wann her Philipp von Gundeltz- 
heim, erwolter bischoff zu Basel, alhie ingeritten, 

und was im geschenckt sy. 

1627 Anno domini 1527 uff montag den 23. tag septembris ist 
*^** der hochwildig her Philipp, nuw erweiter bischoff zu Basel ^), 5 
in der stat Basel ingeritten mit. 40 pferden ungevörlich. den 
habend usz bevelch . einis ersamen raths die vier houptere, 
sampt vier ratsfrunden, in irem hoff £runtlich empfangen, gluck 
gewünscht, und sinen fürstlichen gnaden ein halb fuder winsz, 
euch acht seck habem, geschenckt und vereret, mit fruntlichem 10 
erbietten ec. daruff sin iursÜich gnad euch fruntlichen danck 
gesagt, mit gnedigem erbietten. es hat ouch sin iurstlich gnad 
vier ächter, die hievor umb irer misszthat willen die stat ver- 
wurckt, mit iren harin gefuert, für sy gebetten, und inen zu 
verzyhen begert. also ist ir iurstlich gnad gewfirt, und den 15 
achtem die stat geöffnet und verzygen worden, doch mit ge- 
ding, das inen ir gewer ze tragen verbotten^j. 

IByhineri[wb. 144*] Vou dem grosscu morthandell, den Stoffel 
Boumgarter der gewandtman an Elszbethen Daviden 
siner eegemahell und Elszbethlin siner dochter, 20 
ouch darnach an im selbs, begangen hatt^). 

Als man zalt von' der gehurt Christi unsers lieben herren 
i532tusendt funffhundert zwey und trissigk jare, uff Sonnentag, 
^'' was der vierde tag ougstens nach mittemtag, zwuschen zwölffen 
und dem einen nach mittemtag, hat Stoffel Boumgarter der 2s 
gewandtmann Elszbethen Daviden sin eelichen gemahell und 
Elszbethlin Boumgarterin , ir beder kind, so ungevorlich funff 
jar alt gesin, von wegen eins argkwons, den er gegen siner 
firowen und sinem knecht Engell gehept — wiewol er sy nie 
ergriffen hatt, alls darzu gehorte — ellendigklichen ermordet, 3ü 
oben in sinem husz zwuschen den cameren, wellich husz an 
unser stat wechsell gelegen ist^). und nachdem er sy ermordet, 

1} Erwählt war er seit dem 28. Febr.; jedoch hatte er rergeblich auf die 
päpstliche Bestätigung gewartet, da Clemens VII., in Folge der Erstürmung 
Roms (6. April), selber in grosser Bedrängniss war. — lieber seinen Einzug 
Ygl. die FortsetEung zu Gerung, im Anzeiger 1879, S. 220. 

2) Ueber die Verhandlungen zwischen Bischof und Stadt, welche auf 
diesen Einzug folgten, s. Heusler 437 ff. 

3) Vgl. die ausfQhrHcheren Berichte in B. Chron. I, 140 ff., femer im 
Cod. Beinheim, Bl. 238 ff., und im Cod. A X 11 Gi", S. 42. 

4) Vgl. Cod. AX n 6^ S. 42: in sinem huse zum Eberstein, under dem 
kouffhuse gelegen. — Beim ersten Umbau des alten Kaufhauses zum Post- 



1527—1535. 99 

ist er uff sinen esterich gangen, daselbst hanisz an die gassen 
gesprungen, und also sich selbs ouch ermordet und mit dem 
fal getödet; wellichs furwar ein erbermlicher anblick gesin. 
Glich nach dem hat man die zwo ermorten personen durch 

s min herren die zehen^) besichtigen lassen, worzeichen von inen 
genommen , und Stoffelln den d^her bisz montag frug ligen kng. 5 
lassen , und vfi den selbigen montag öffentlich im hoff ^j über 
in gerichtet, da so ist erkandth: wan der dether noch in 
leben und der straff empfindthlich were, das man in uff ein 

10 karren setzen, uff die vier Strassen 3) fueren und mit glugigen 
Zangen ime sinen lyb begriffen solte. diewyl aber sin lib sol- 
cher straff nit empfintlich, ouch der schwangeren frowen und 
kinden halben ein eilenden anplick geben, so man in also 
umbfuoren wurde, das dann der tod lib dem nachrichter be- 

i&Tolhen, uszgeschleifft , mit dem rad gerichtet, uff das rad ge- 
legt, aber nach by dri tag zit wider von dem lad genommen 4), 
und diewyl er sich selbs umbgepiacht, sin lib in ein fasz ge- 
schlagen, aller dementen beroubt, in den Rhin geworffen und 
hingeschickt werden, darzu dem cleger der lyb, und dem rieh- 

:^ ter all sin gut zuerkandt sin solle, wo und was er hat im gantzen 
Romischen rych. die urteil ist uff tag, als obsta^, an im er- 
stattet woiden^). 

[wb. 170] Die brunst zu Bern, anno 1535 uff montag [Ryhinor] 
nächst nach jubilate beschehen, antreffende. 

:2s Zu eewiger gedechtnus sol man wussen, das unser lieb eid- 
genossen yon Bern uff montag frug vor tag, nechst nach ju- 1535 
bilate im 1535 jare, ein grossen schaden von feursuAten empfan-^^"^ ^'^ 

TL Darnnter, mit anderer Tinte : Snnst lit aller handel in einem Iftdlin by einandern 
im obren gewelb, hinder den dryen herren« nnd etat daran geaehriben : Stoffell Bonm- 
gartera morthandel. 

• 

gebände, 1853, wurde das anstossende Haus zum Eberstein, das an der Freien 
Strasse neben dem jetzigen No. 10 lag, zum Areal des Postgebäudes geschlagen. 
1} Die 10 Mitglieder des Schultheissengerich ts waren zugleich die Bei- 
sitzer am Vogtsgericht, das über Blut zu richten hatte ; s. Heusler 203. 

2) Im Hofe des BAthhauses ; s. Heusler 203. 

3) Vgl. Cod. A X n 6* : an die 4 crützgassen. — Bei einer Hinrichtung 
von 1506 erscheinen als diese 4 Steüen: 1) die Wegscheide zwischen Hutgasse, 
Schneidergasse und Spalenberg, 2) der Fischmarkt, 3) die Rheinbrücke, 4) das 
obere Ende der Freien Strasse, wo der Münsterberg abzweigt. S. L. Kilch- 
manns Schuldenbuch, Bl. 320^. 

4) Lies : dri stund. Vgl. Cod. Beinheim, Bl. 238b, und Cod. A X II ^, 

5) Der bei den Varianten mitgetheilte Zusatz von späterer Hand hilft 
nicht mehr zur Auffindung der Acten, da die alte Ordnung des Archivs im 
vorigen Jahrhundert gänzlich umgestaltet wurde. 



406i> 



rJ^^K 



1 00 RathsbQcher. 

gen, allso das in irer statt oberthalb gegen Fryburg zu by den 
sechtzigk husem und schüren ^) verbrennen, euch den biderben 
luten an irer hab und gut gar nutadt oder wenig uszkommen 
ist. allso hatt ein ersamer rath der stat Basel unser eidgenossen 
von Bern irs Schadens fruntlich clagt, und darzu den biderben s 
luten, so den schaden empfangen, zu einer vererung, damit aj 
dester basz widerum buwen mögen, sechtzigk seck kernen ge~ 
schenckt, und inen die in der stat Basel costen gen Bern ant- 
worten lan^). welche vererung ein stat Bern zu grossem danck 
angenommen, und sich sollicher frundthschafft gegen einer lo 
stat Basel in die eewigkeit nit zu vergessen, sonder alweg in 
gutem ingedenck ze sin, erbotten. wellichs uff erkandthnus 
eins raths ingeschriben worden. 

H. Ryhiner statschriber. 

[Asehenber- [wb. 177] Wie man gemustert hatt anno 1540. 15 

Ze wussen : als dann die "RSmisch keyserlich raajeatät unser 
1540 allergnedigister herr ietz z& ingang disz viertzigisten jares zu dem 
könig von Franckrych gereyset und in selbs eigener person mit 
rae dann mit 25 pferden zu Parisz — das ein unerhört ding ist — 
gsin , und demnach mitt grossem triumph durch Franckrich 20 
in Flandern gezogen 3) und ein merckliche anzal volcks zu was- 
ser usz Hyspanien in das Niderland gebracht, darzu ein treffen- 
liche anzal landsknecht angenommen; und ein gemein geschrey 
allenthalben gat, wie ir js^ajestät mit hilff des bapsts^) und k5- 
nigs zu Franckrich die Tütschen fursten, stend und stet, so das 25 
heylig evangeli angenomm«;} und die bäpsüichen ceremonien ab- 
gestelt, ze straffen, das heylig evangeli ze temmen und das baps- 
thumb widerumb uffzerichten willens, euch der Ursachen sollich 
kriegsvolck annemmen solle ec. — darumben hand sich die pro- 
testierenden stend, unsere mitgnossen des gloubens, zu handt- :)o 
habung des heyligen evangelii in gegenweer geschickt, herren 
graff Wilhalmen zu Fürstenberg^j zu obristen veldthauptman und 
sonst vil kriegsvolck angenommen ; welliche handlungen vil und 

1) Vgl. M. Stettiers Bernerchronik, Ü, 74: 24 Sfisshäuser, auch etliche 
Speicher und Scheunen. 

2) Die Geschenke aller eidg. Orte s. ebend. 

3) Von Franz I. eingeladen, war Karl V. aus Italien den nähern Weg 
durch Frankreich gezogen, um das empörte Gent zu unterwerfen. 

4) Durch seine Vermittlung des Waffenstillstandes von Nizza (1538) hatte 
Paul in. die Annäherung zwischen Karl V. und Franz L herbeigeführt. 

5) Ueber ihn s. B. Chron. I, 27, 22. 



1510. 101 

grossy rustungen allenthalben in Tüischen landen gegeben, der 
Ursachen ist ein ersamer rat der statt Basel die iren zu statt und 
land — diewyl si sich zu handthabung des heyligen evangelii 
in gegenwer ze richten bedacht — ze mustern willens wor- 

oden^), und haben daruff mengklichem sin gut eigen weer und 
hämisch ze haben by peen 5 Ib. gebotten. daruff hat sich ge- 
meine burgerschafit zu stat und land zu dem besten, so einem 
ieden vermogenlich gsin, gerustett. 

Als nun die zyt der musterung vorhanden gsin, habend 

K> bede rath, ouch min herren die dryzechen, wie die an die band 
ze nemmen sye, zum offteren mal geratschlagt, und wiewol 
zwo meynungen — die eine, das man gemeinlich alle burger 
und hindersässen in beden stetten an ein huffen kommen, 
mustern und demnach umbziechen lassen solte; die andere, 

15 das man allein in zunfflen mustern und nit an ein huffen zu- 
sammen kommen solte — vorhanden gsin, und vil darob disputiert 
worden; iedoch ist nach langer handlung zu letst durch min 
herren die dryzechen und darnach min herren bed rAt einhellig 
erkandth: das man der gemeinen [177^] musterung gen tzlichen 

30 still stan, deren mfissig gan und die gemeine burgerschafft 
sampt den hindersässen allein in den zünfften und gesell- 
schafften musteren und besichtigen solle, und ist das die ur- 
sach gsin, das man im hindersich suchen , ouch by den eltisten 
ratsfrunden und andern burgern — deren ettUche wyt über 

25 sechzig und sybentzig jar vordencken — erfunden hatt, das 
in menschengedechtnus kein gemeine musterung nie gehalten, 
und so man die Sachen erwigt und ersucht, so findt man, das 
die alten die gemeine musterung der Ursachen nit fiir gut ge- 
achtet haben, das sy — und recht* — wiszlichen bedacht, das 

«nit gut, das beder stetten macht — die in gemeiner muste- 
rung erlutert werde — den vyanden geoffenbaret werden solte. 
dann wo das geschechen, und unsere wider wertigen darus er- 
lernen solten, das wir nit mit solUcher macht — wie aber uns 
zugeben wurdeth — gefaszt, möchtend sy ein stat Basel dester 

Vf ee tratzen, verachten und verkleinen ; das sy aber, wan sy uns 
stercker achten, underlassen und dester in besserer nachpur- 
schafft mit uns leben möchten'^), und ist also by beden raten 
der alten wyszheyt für gut erfunden, deren gevolgt, und an heut (Pobr. ih) 
dato in allen zünfften, und die hindersAssen hiediset in iren 



1) Ueber diese Musterung vgl. B. Chron. I, 158 und Cod. Beinheim, 
BL27lff, 

2} Zu diesen Gründen vgl. die Bemerkung bei Ochs VI, 150, Anm. 1. 



102 RathsbQcher. 

gsellschaffben <) , aber jensit Bing uff dem richthus^), gemustert 
worden also. 

Es hatt ein ersamei ratt zw&lff ratsfrund zu musterhenren 
verordnet, die habend sich in vier theyl vertheylt und dem- 
nach alle zunfft, vorstet und geselschafften in vier quartier 5 
vertheylt, und ieden dryen hotten ein quartier ze musteren 
verordnet, und ist darby erkanth, auch allso volzogen, das 
alle die, so zunfftig sind, by iren eyden uff heut umb die 
zw61ffe uff iren zünfften, und alle hindersSssen sampt den bur- 
gern, die nit zunfflig sind, uff iren gesellschafften zu dem suber- 10 
lichisten und besten mit wer und hamesch angethan erschinen, 
gemusteret, und ein ieder in sonderheyt, ob sollich weer und 
harnesch sin sye und er dessen niit entlent habe, by geschwor- 
nem eyde gerechtvertiget, darzu mengklichem gebotten werden 
solle, sin weer und harnesch — wo mangel erfunden — zu 15 
erbesseren und auch das nit ze versetzen, ze verkauffen noch 
ze schwecheren, sonder das uff der statt eer und notturlSt 
zbhalten. 

Es hat [178] ouch ein ersamer rat gemeiner burgerschafft 
ansagen lassen, wie man inen ein froud gon Liestal ze ziehen, 20 
glich nach ostem^), vergönnen wolle, mit dem anhang: wer 
daselbst hin ziechen, das der unseren herren ein gefallens daran 
thun werde, darby ist mengklichem gesagt, das ein ieder den 
uszgangenen mandaten gelebe und in sonderheyt sich vor dem 
gottslestem, zutrincken und spylen verh&te ^). dann wellicher 2s 
sich darinn ubertretten, der solte gestrafft werden, disz alles 
ist eerlich und wol erstattet , und ein gemeine burgerschafft 
wol gefaszt erfunden^), und nach der musterung sind ettliche 
zunffl usz verwilligung eins ersamen rats, doch iede allein und 
keine mit der anderen, eerlich und wol genistet mit den iren 30 
und iren vendlinen, die sy von neuwem daruff gemacht, umb- 
zogen und dermassen sich erzeigt, das ein ersamer rat dessen 
ein grosz wolgefallen empfangen, und der Ursachen dise ding 

1) In den Häusern deY Vorstadtgesellschaften. Ueber letztere s. Heusler 
246, und F. Iselin, in den Beiträgen XI, 123 ff. 

2) Ueber das Richthaus Ton Kleinbasel, jetzt Gesellschaftshaus an der 
Eheinbrücke, s. Fechters Top. 1 38. 

3) Dieser Zug nach Liestal erfolgte erst am Montag vor Pfingsten ( 1 0. Mai] ; 
s. Cod. Beinheim, Bl. 272, auch B. Chron. I, 159. 

4) S. namentlich die Abschnitte XXII, XXIII undXXVIII der gedruckten 
Reformationsordnung vom 1. April 1529, wiederholt bei Ochs V, 685 S, 

5) Diess bezieht sich zunächst auf die Zunftmahlzeiten, welche am Abend 
dieses Musterungstages nach den UmzQgen gehalten wurden ; über diese s. B. 
Chron. I, 158 und Cod. Beinheim, BL 271. 



1540—1541. 103 

lu kunffiager gedechtnus inzeschriben beTolchen. actam et 
decretum uff mentag nach invocavit, den 18. tag*) februariii&4o 

. _ - _ Fadt. 16 

anno ec. 1540. 



[wb. 178^] Wie man herren Jacoben Meygern alteniByiuner] 
5 burgeimeistern seligen bestattet hat. 

Zu wussen : als uff zinstags den vierdten tag octobris im iMi 
fiinfi^chenhundert und 41 jare der from fursichdg wyss herr 
Jacob Meyger alter burgermeistei^) ii:^ warem christenlichem 
glauben seligklich uss dem zyt disz jamerthals im heiren ent- 

10 schlaffen, und momdis am mitwochen vor der tagpredig ^ imOct. 5 
munster, namblich im crutzgang, neben wylanth doctor Oeco- 
lampadien und Grynei seligen grabe ^) begraben worden ist — 
der herr verlyhe ime und uns allen ein froliche uffersteung ec. 
— . das zu dises turen manns begrebnis uss rechter christen- 

15 lieber liebe, ouch in bedenckung der vilfaltigen guthaten, so 
er einem ersamen rath und gemeiner burgerschafft unverdrossen 
bewysen, erschinen sind: erstlich unsere herren die uberigen 
dru houpter, namblich die fromen, fiirsichtigen, wysen herr 
Adelberg Meiger burgermeister^), herr Theodor Brannd obrister 

3ozunfflmeister^}, und herr Marx Heidelin alt oberster zunfft- 

3. ÜBtaxt HUfka dar Seite leer. 14. He. : tu dUeo tnren manne. 

1) Der Montag nach Invocavit» oder »nach der alten Fastnacht«, ist noch 
jetit in Basel der Haupttag für die Fastnachtbelustigungen. — 1 540 fiel er 
übrigens nicht auf den 18., sondern auf den 16. Febr. 

2) Jakob M. war der Sohn des 1492 verstorbenen Rathsherm Heinrich M. 
Den Beinamen »cum Hirzen« — zum Unterschied vom Bürgermeister Jakob M. 
•nun Hasen« — führte er seit 1521, wo er durch Heirat von Li^nhard BiUings 
Wittwe das Wirthshaus »zum goldenen Hirzen« (jetzt Diakonenhaus, Aeschen- 
▼orstadt No. 50) erworben hatte und fortan auch das Wappen der BiUinge 
(den Baum) itüirte. S. über ihn das Meyerische Geschftfts- und Geschlechts- 
büchlein, jetzt in Mülhausen im Privatbesitz befindlich, wovon eine Abschrift 
im Baaler Staatsarchiv. — Ueber die Pest von 1541 s. B. Chron. I^ 162, auch 
WurstisenfilS. 

3] Diese Predigt im Münster begann täglich um 9 Uhr. S. die Refor- 
mationsordnung von 1529, bei Ochs V, 714. 

4] Der gemeinsame Grabstein von Joh. Oecolampadius, Simon Grynaeus 
und Jakob Meyer liegt im westlichen Arme des grossen Kreuzgangs. Oeco- 
lampad war schon 1531 gestorben, und Grynaeus am 1. Aug. 1541, als die Pest 
anfieng. 

5) Ueber ihn s. oben die Einleitung, S. 10. — Sein Geschlecht nannte 
lieh ursprünf^ich Meyer von Büren, wird aber gewöhnlich nur nach seinem 
Wappen als Meyer »zum Pfeil« bezeichnet 

6) Ueber Th. Brand s. J. R. Burckhardt, im B. Taschenb. 1S58, S. 71 ff. 



104 Rathsbücher. 

meister, sambt beden rathen. die habend sich am mitwochen 
frug uff dem richthus, als man das ander in rath gelütet, 
versamblet, daselbst im rath bisz zu halben nünen by einandem 
pliben und darnach ordenlich in einer procession ab dem 
richthus den nechsten die Fryge Strass uff für den spytall ') 5 
und Boumlin hinuff bisz zu sinem hoff by Eptinger bronnen^) 
gangen, denen ist nun ein grosse menge von den sechsen, 
wiewol denen nit gemeinlich geboten was, auch von den bur- 
gern frygwillig nachgevolgt. allso habend sy daselbst befunden 
zu vorderist des herren seligen eeren fruntschafft^), demnach 10 
den herrn rector^], regenten sampt iren mitglidem der uni- 
versitet, ouch gemeinlich alle stifftpersonen, so hie gsin. den 
hatt man nun mit grosser menge, mann und wybspersonen, 
herlich zu grab begleytet und sich daruff im monster ver- 
samblet. da hat doctor Wolffgang Wyssenburg^) das heylig is 
gotlich wort verkundeth, dess fromen turen mans eerlich leben 
und christenlich abscheiden zum kurzisten angezeigt, und nach 
volendung des gebets ist yederman zu hus wider abgescheiden, 
und dises umb kunfftiger gedechtnis inzuschryben bevolchen. 

1548 Herr Adelberg Meyger burgermeister selig ist frytags den 20 
^^°*®8. tag junii anno 1548 in warem glouben verscheiden und se- 
ligklich im herren Christo entschlaffen®], und morndisz am 
Juni 9 sampstag umb die zwey nach mittag durch die uberigen dru 
heupter, nemblich herren Blasien Schelle^) nüw oberstzunfft- 
meister, herien Theodor Branden alten burgermeister und herren u 
Marxen Heydelin alten zunfilmeister, sampt beden rathen, die 
sich uff dem richthusz versamblet, in einer procession, mit vilen 

18. Alles Folgende am Bande, neben dem bisherigen. 

1) Ueber das alte Spital, dessen Areal jetzt die Kauf hausgasse einnimmt, 
s. Fechters Top. 29 ff. 

2) Das Haus »zum Delphin«, jetzt Eittergasse No. 10, das er erst 1539 
vom Domstift gekauft hatte; s. St A., Liber copiarum I, 91 . — Die Bäumlein- 
gasse, deren obere Ecke dieses Haus bildet, hiess früher »ze Eptinger bninnen«, 
nach dem gegenüberliegenden Hofe und Brunnen der Eptinger, jetzt Ritter- 
gasse No. 12 ; s. Fechters Top. 27. 

3) Ueber seine Verwandtschaft s. das schon erwähnte Meyerische Oe- 
schlechtsbüchlein. 

4) Der Hector d. J., Simon Grynaeus, war am 1. Aug. gestorben. Sein 
Nachfolger war Alban Thorer, Dr. Med.; s. Wurstisen 610. 

5) Ueber Wolfgang Weissenburger s. B. Chron. I, 35. 

, 6) Ueber seinen Tod und seine Leichenfeier Tgl. Qasts Tagebuch, Ausg. 
von Buxtorf-Falkeisen, S. 69. 
7) Blasius SchöUi. 



1548. 105 

den Sechsen und einem grossen volck, von sinem huss^) an 
die Steynen, da er begraben^), begleitet; und darnach sin ge- 
dechtnisz mit dem gotzwort zu Mnct Elszbethen gehalten, und 
ist alle ding wie mit herr Jacoben Meyger gehalten, gott ver- 
i lyhe siner er^n wjBzheit ein froliche ufferstentniss. 

1) Der Ehrenfelaerhof, einst Wohnsitz der Freuler oder Fröweler von 
Ehrenfels, jetit St. Martinsgpasse No. 12. 

2) 8eine GrabBchrift b. Tonjola 278. — Ueber das Familienbegr&bniss 
der Meyer siiin Pfeil, im Sloster St Bfaria Magdalena an den Steinen, s. die 
Urkunden Ton 1515 im Cod. Beinheim, Bl. 5^ des vordersten Theila. Ueber 
dieses Nonnenkloster s. Fechters Top. 108 ff. Seine Kirche stund auf dem 
Areal des jetsigen Theaters. 



Beilagen 



zu den 



Ohronikalien der Bathsbücher. 



I. 

Die Eathsbücher. 



Die nachfolgende Beschreibung umfasst nur diejenigen Raths- 
bücher, denen wir zum vorhergehenden Texte Chronikalien ent- 
5 nommen haben, also : 

a) das Rothe Buch. 

b) 9 Leistungsbuch I. 

c) » > n. 

d) » Kleine Weissbuch. 
10 e) 9 Rufbuch I. 

f] D Liber Diversarum Rerum. 

g] die älteren Oeffnungsbücher, bis 1530. 

Für die übrigen Rathsbücher müssen wir auf das Wenige ver- 
weisen, was Ochs^), Schnell 2) und R. WackemageP) darüber 
IS berichten. 

a) Das Rothe Buch. 

Das älteste noch vorhandene Pergamentbuch der Stadt, das 
nach seinem Einbände so genannte Rothe Buch, wurde angelegt 
als Ersatz für ein älteres Buch dieser Art^), welches bei dem grossen 

ao Erdbeben vom 18. Oct. 1356 zu Grunde gegangen war. Schon 
3 Monate nach dem Unglück, am 21. Januar 1357, war ein neues 
Buch vorhanden, in welches der Stadtschreiber die Rathsbeschlüsse 
eintragen konnte; denn wir lesen im sog. Leistungsbuche: lAnno 
domini 1357, domino C&nrado de Berenvels existente magistro 

25 civium , in die beate Agnetis virginis fuit iste liber copulatus et 

1) Ochs I, S. XVI ff. der Vorrede. 

2) Schnell, Rechtsquellen I, S. VI ff. der Vorrede. 

3) Das Staatsarchiv des Cantons Basel-Stadt, 1882, S. 28. 

4) Im Rh. wird dasselbe mehrmals erwähnt, so z. B. S. 252': also st&nt 
dis an dem erren buch. Ebenso im Lb. I, Bl. 23, das »erre buch vor dem ert- 
pidem«. — Sollte von diesem verbrannten Buche noch irgendwie ein Frasment 
erhalten seia, so ist es einzig ein halbes Fergamentblatt, welches auf S. 250 
des Rh. eingeklebt ist. Dieses Fragment, von derselben Hand wie die ältesten 
Eintragungen im Rh., enthält eine datumlose Verordnuns über das Rück- 
forderungsrecht an Eigenleuten, abgedruckt bei Schnell, RecntsqueUenl, No. 9. 



110 Rathsbücher. 

inceptusc^). — Dieses Buch von Papier — diente jedoch yor- 

erst' nur provisorisch, für wenige Wochen. Schon im März war 
nämlich das Pergamentbuch erstellt^), welches wir jetzt unter dem 
Namen des »Rothen Buches« kennen, und dieses allein diente fortan 
zur Aufzeichnung aller Rathsbeschlüsse, so dass das Leistungsbuch 5 
die nächsten Jahre hindurch völlig unbenutzt blieb. 

Von den 197 Pergamentblättem in folio, welche das Buch jetzt 
noch zählt, scheinen die 8 vordersten, welche den Kalender ent- 
halten, erst zu Anfang des XV. Jahrhunderts angefügt worden zu 
sein, imd deshalb beginnt erst mit dem 9. Blatte die alte, nach 10 
Blättern zählende Paginatur. Ueber der Mitte jedes Blattes an- 
gebracht^ weist dieselbe nicht weniger als 4 verschiedene Hände 
auf, von welchen die jüngste erst dem XVI. Jahrhundert angehört. 
Von den 3 älteren Händen umfasst die erste Bl. 1 — 100, die zweite 
Bl. 101—131, die dritte aber Bl. 132—136, sowie auch Bl. 161-163 15 
und Bl. 170 — 174. Die Blätter nun, welche von dieser dritten 
Hand übergangen wurden, sind durchweg solche, welche erst nach 
1390 beschrieben wurden. Der Schreiber, welcher diese Blätter 
noch leer fand und deshalb nicht paginierte, muss also noch vor 
1390 paginiert haben. Es gehört somit die ganze Paginatur, so- 20 
weit sie von den 3 älteren Händen herrührt, noch dem XIV. Jahr- 
hundert an. Als nun später, im XVI. Jahrhundert, diese unvoll- 
ständige Paginatur von einer vierten Hand eigänzt wurde, da stellte 
es sich allerdings heraus, dass der dritte der früheren Paginatoren, 
als er die leeren Blätter übergieng, sowohl zwischen Bl. 136 u. 161, 2s 
als zwischen Bl. 163 u. 170 beim Abzählen sich irrte. Wir finden 
daher kein Bl. 169, statt desäen aber viermal nacheinander Bl. 160, 
und deshalb zählt diese ganze Paginatur nur 192 Blätter, während 
sie in Wirklichkeit deren 194 umfasst. 

Von den also paginierten blättern wurden schon 1410 Bl. 39 — 41 3o 
ausgeschnitten, weil ihr Inhalt, die Ammeisterordnung vom 16. Juni 
d. J. , schon nach wenigen Monaten durch eine neue Redaction 

1) Lb. I, 2. 

2) Die bisherigen Eintragunffen im Lb. (mit Ausnahme der oben mit- 
getheilten Notiz über des Buches Anfang, sowie eines nachgetragenen Straf- 
urtheils vom Q.Oct 1356) wurden ins Rowe Buch übertra^n; vgLLb.I, 2 mit 
Rb. 1 . Einem Strafurtheile, das im Lb. noch kein Volkiehungsdatum trägt, 
wurde dieses letztere erst im Rb. beigefdgt: an dem domstag vor Qregorii 
(9. März 1357); s. das Urtheil in: Basel im XIV. Jahrhundert 226 C. — Den 
Uebertragunffen aus Lb. I, 2 gehen im Rb. 1 noch einige Aufzeichnungen 
voraus, welcne vermuthlich aus einem losen Blatt übertragen wurden, und 
deren erste das Datum »sexta post Martini« trägt (18. Nov. ]356), wfihrend die 
letzten bis 26. Jan. 1357 reichen. Auf diesem ersteren Datum beruht offenbar 
die irrige Bemerkung, welche erst hundert Jahre später der Stadtschreiber 
Konrad Kienlin (um 1450) auf die leere Vorderseite von Bl. 1 der alten Pagi- 
natur schrieb: Disz buch ist angefangen anno domini 1357 umb sant Martins- 
tage, als der ertbidem davor evn jare uff sant Lucas tag gewesen und die stat 
Bfuiel verfaUen, verbrennt una umb aUe ir bucher una briefe komen was.- — 
Auch in Betreff der Urkunden ist diese An^be unrichtig, indem ein TheO der 
städtischen Urkunden aus jener Zeit noch jetzt erhalten ist. 



Beilage I. 111 

derselben eisetst wurde. Aus unbqjuuiiiten GhrOnden aber wurde 
Bpftter noch BL 103 entfernt, welches den Anfang der Bürger- 
aufnahmen von 1443 beim Zuge gegen Laufenburg enthielt. Noch 
sp&ter, d. h. erst in unserem Jahrhundert^), wurde überdiess auch 

s aus den leer gebliebenen Blättern eines herausgeschnitten , nftmlich 
BL 90. Es fehlen also 5 Blätter, und deshalb enthält das ganze 
Buch — mit Einschluss der 8 vordersten Blätter — jetzt nur noch 
197 Blätter, während es deren 202 enthalten sollte. Die 8 vorder^ 
sten Blätter, in der alten Paginatur nicht inbegriffen, wurden erst 

1« viel später mit römischen Ziffern (I — ^Vm) bezeichnet. Aber leider 
blieb es nicht bei dieser imbedeutenden Ergänzung, sondern es 
wurde — vielleicht erst in unserm Jahrhundert, aber noch vor dem 
Ausschnitt von Bl. 90 — ;Qeben die alte Paginatur nach Blättern 
noch eine neue gesetzt, welche nach. Seiten zählt. Den ältesten 

IS Eintragungen entsprechend, beginnt diese neue Paginatur mit der 
Bückseite des neunten Blattes (Bl. 1 der alten Paginatur), so dass 
dessen Vorderseite leer ausgeht. Das seither ausgeschnittene Blatt 90 
mitgerechnet, umfasst sie mithin 1 Seite weniger als 190 Blätter, 
also 379 Seiten, zählt aber irrigerweise deren nur 378^). Diese 

M neue Paginatur hat also vor der alten nicht einmal den Vorzug der 
Genauigkeit, sondern einzig den, dass sie besser in's Auge fällt. 
Da sie jedoch in allen bisherigen Publicationen und Citaten als die 
allein gebräuchliche erscheint^ so halten auch wir, um keine Ver- 
wirrung anzurichten, uns ausschliesslich an diese neue Paginatur. 

^ Dieses Buch war lange Zeit das einzige Pergamentbuch des Rathes 
und wurde deshalb einfach nach diesem seinem Stoffe benannt'). 
Seit der Bütte des XV. Jahrhunderts jedoch besass der Bath in 
dem sog. Blauen Buche — einer Samnüung der auf das Strafrecht 
bezüglichen Gesetze^) — ein zweites Pergamentbuch, und deshalb 

M erseheint von dieser Zeit an unser Buch unter dem Namen des 
»Rothen Buchest^), den es, gleich dem »Blauen«, der Farbe seines 
Einbandes verdankt^). 

Die ursprüngliche Bestimmung des Rothen Buches war vor 
allem die Aufzeichnung der Rathserkanntnisse, d. h. sowohl der 

3&Strafurtheile, die der Rath in Handhabung des Stadtfriedens 
fällte, als auch der Gesetze und Verordnungen, welche er er- 
liess. Zwei Dritteile des ganzen Buches waren hiefür in Aussicht 

1) Nämlich erst nach derneuen Paginatur; 8. unten. 

2) Sie überspringt 201 und 202, und hat dafür SS. 248, 289 und 327 
doppelt. — Ausser den 378 Seiten zählt sie als S. 379 noch die beschriebene 
Innenseite der hinteren Einbanddecke. Es fehlen jetzt S. 172 und 173 (altes 
BL 190). 

3] S. wb. A&> am Rande die Hinweisung auf die Ammeisterordnung von 
1410 (Rb. 113): in dem bermenden buche. 

4) lieber dieses Buch s. SehneU, Rechtsquellen I, S. Vü der Vorrede. 
Den Inhalt s. grossentheils ebend. I, S. 123—147, 186, 190 und 204. 

5) S. Ob. V, 32, z. J. 1469, abffedr. in Rechtsquellen I, S. 199. 

6) Der jetzige rothledeme Ueberzug der alten Holzdeckel ist allerdings 
nicht mehr der ursprüngliche. 



112 Rathsbücher. 

genommen, während der leiste Dritteil — auf den wir spftter 
zurückkommen — von Anfang an zu besonderen Zwecken bestimmt 
war. Zum Beginn jedes Amtsjahres wurde jeweilen zuerst die 
Ratbsbesatzung eingetragen, d* h. das Mitgliederrerzeichniss des 
neugewahlten Rathes, sowie auch die Namen aller Nichtzünftigen, s 
welche dem Rathe Gehorsam geschworen hatten, und auf diese 
folgten das Jahr hindurch in bunter Reihenfolge die einzelnen Ge- 
setze und Strafurtheile. Schon nach wenigen Jahren jedoch Hess 
sich klar voraussehen, dass das kostbare Pergamentbuch kaum für 
40 bis 50 Jahre reichen könnte, wenn in dieser Weise mit den lo 
Eintragungen fortgefahren würde ^). Es wurden deshalb seit 1361 
die Rathsbesatzungen sammt allen Strafurtheilen und verschiedenen 
sonstigen Eintragungen in das sog. Leistungsbuch geschrieben 2] , 
d. h. in jenes Papierbuch, welches schon 1357 provisorisch hiezu 
gedient hatte, aber seit Erstellung des Rothen Buches nicht mehr is 
gebraucht worden war. In der Folge, d. h. namentlich seit 1382, 
wo der Rath durch die Zuziehung der Zunftmeister erweitert, und 
wo zugleich das Amt eines Unterschreibers geschaffen wurde, finden 
wir auch von den Gesetzen und Verordnungen die minder wichtigen 
nur im Leistungsbuch eingetragen'), so dass die Rubrik der Raths- 20 
erkanntnisse im Rothen Buche sich fortan einzig auf die wichtigeren 
Gesetze und Verordnungen beschränkte^). Schliesslich aber wurde 
1405 für die Rathserkanntnisse von bleibender Bedeutung ein be- 
sonderes Buch angelegt^ das sog. Kleine Weissbuch, und so hörte 
im Rothen Buche diese Rubrik, für welche ursprünglich zwei Drit- 25 
teile des Bandes bestimmt waren, schon mit 1404 völlig auf. 
Das Buch diente fortan ganz und gar nur denjenigen Zwecken, 
welchen ausglich der letzte Dritteil zugewiesen war. 

Dieser letzte Dritteil des Buches beginnt auf S. 251 mit der 
Ueberschift : »Waz man ewiger dingen oder ander stücken, die lange so 
weren süllent, an dis b&ch schriben wil, die sol man an den nach- 
ganden teil dis b&ches setzen und verschriben.c — Neben der Nach- 
richt über das grosse Erdbeben^) wurden hier zunächst allerlei Ge- 
setze, Amtsordnungen, Eidformeln u. dgl. eingetragen, und zwar 
durchweg ohne Tagesdatum, und nur selten mit einer Jahrzahl. 3S 
Den Schluss bildet eine Besoldungsliste der städtischen Beamtungen, 
und diese allein erhielt später von den Nachfolgern Wemhers von 
Birkendorf noch Zusätze bis 1399^]. Im übrigen aber währte die 
Rubrik der Ewigen Dinge nur so lange, als Wemher im Amte 
blieb. Denn schon 1362 dachte sein Nachfolger Johann von Alt- 40 

1) Von 1357 bis 1361 fallen diese Eintragungen S. 1—25. 

2) Lb. I, 3 ff. 

3) Lb. I, 103 ff. — Einzelne frühere Verordnungen und Erkanntnisse, 
aus der Zeit von 1366 bis 1377, finden sich ausnahmsweise ebenfSdls dort; 
s. Lb. I, 25b 31, 50, 66 und 80. 

4) Rb. 49 ff. 

5) S. oben S. 1. 

6) Rb.258 ff.— UeberdenStadtschreiberW.v.Birkendorf s.u.Beilagen. 



BeikgeL 113 

dorf so wenig an eine Fortführong, daea er im Qegentheil einselne 
Eintngungen seines Voigängers in den vorderen Theil des, Baches 
abertmgi), um sie nicht in Vergessenheit fallen su lassen. 

Von den 65 BUttem, welche der letste Diitteil des Rothen 

s Buches umfasst, war übrigens wohl Ton Anfang an nur die yordere 
Hallte, mit 34 Blättern, der soeben erwfthnten Rubnk vorbehalten. 
Von der xweiten Hüfte hingegen wurden die ersten 10 Blätter sur 
Einsehreibung der neu aui^enommenen Bürger bestimmt^), die übri- 
gen aber sur Eintragung des Einungbriefes und anderer wichtiger 

10 Urkunden aus früherer Zeit'). Diese letstere Rubrik wurde jedoch 
1363 abgeschlossen^], um fortan im Leistungsbuche fortgeführt su 
werden. Hingegen wurde bald nachher ein Verseichniss der all- 
jährlich SU beziehenden und su sahlenden Zinse angelegt, welches 
bis gegen Ende des XIV. Jahrhunderts noch einzelne Zusätze er- 

u hielt'). Im übrigen jedoch finden wir von all den verschiedenen 
Rubriken, welche in der ersten Zeit im Rothen Buche waren- an- 
gelegt worden, schon nach wenigen Jahren nur noch zwei, welche 
regelmässig weitergeführt wurden, nämlich die Rathserkanntnisse 
und die Bflrgeraufnahmen. 

» Es vergieng jedoch kein Menschenalter, so wurde diese einfache 

Ordnung durch Schwankungen gestOrt. Nur beiläufig erwähnen wir, 
dass schon seit 1383 die Rückseite des hintersten Blattes zu ein- 
zelnen Notizen benützt wurde, welche in keine Rubrik recht zu passen 
schienen*). Seit 1391 aber finden wir auf einigen Blättern, welche 

»hinter dem Zinsenverzeichnisse leer geblieben waren ^, auch noch 
Zunftordnungen u. dgl. mehr, also Stücke ähnlichen Inhalts wie 
diejenigen, welche bis 1362 in die Rubrik der »ewigen Dingec 
waren geschrieben worden. Mit solchen Eintngungen waren jedoch 
diese wenigen Blätter bald gefüllt, und deshalb finden wir seit 1397 

n auch einige derselben als jüngere Zusätze in jener alten Rubrik der 
»ewigen Dingec*), also .wirklich dort, wohin sie nach der ursprüng- 
lichen Anlage des Buches gehörten. Von den leeren Blättern dieser 
alten Rubrik war jedoch ein Theil schon 1393 durch die stets sich 
mehrenden Bürgeraufnahmen in Anspruch genommen worden ^) , und 

» als -SU diesem nämUchen Zwecke 1406 eine neue Abtretung erfolgt 
war^^, da blieben fQr künftige Eintragungen unter den »ewigen 
Dingena kaum noch 12 leere Bbtter übrig. Inzwischen aber hatte 
im vorderen Theile des Buches die Rubrik der Rathserkanntnisse 
auiS^htet, indem sie, wie wir oben sahen, schon 1405 in das 

4d Kleine Weissbuch war versetzt worden. Der Raum hinter dieser 

I ) Vgl. z. B. Rb. 28 und 253, abgedr. bei Schnell, Rechtaquellen I, Nc. 1 5. 
2} Rb. 318 ff. 3) Rb. 334 ff. 

4) Die letste Urkunde iat von diesem Jahr; s. Rb. 342. 

5) Rb. 370—372. . 6) Rb. 378. 
7} Rb. 373 ff. 

ß] Rb. 257 und 261—264. Einiges auf & 257 .scheint abrigena flchon 
Tor 1397 geschrieben. . 

9) Rh. 304 ff. 10) Rb. 289ff. 

BuUr CkronikeB. IV. 8 



114 



lUthBbÜcher. 



.aufgehobenen Rubrik war also Torfagbar ^) , und deshalb wurden von 
1408 an hur noch hier solche Stücke eingetragen, welche su den 
»ewigen Dingen« zu gehören schienen. In der alten Rubrik hin- 
gegen finden wie nach 1407 nur noch ausnahmsweise einen Ent- 
scheid der Fünfer, von 1423, und su einem Gesetie von 1402 einen, s 
Zusats Yon 142 7 2). Das Buch enthielt also aeit 1408 wieder — 
wie früher nach 1363 — nur zwei Rubriken, nfimlich eine Tordere, 
welche der alten Rubrik der »ewigen Dinge« entsprach, und eine 
hintere, für die Büigeraufnahmen. Yermuthlich um diese Zeit ge- 
schah es auch, dass dem Buche die 8 Tordersten Blätter mit dem lo 
Kalender angefügt wurden'). 

Für die vordere Rubrik bot schon 1410 die Errichtung des 
(zweiten) Ammeisterthums den Anlass zu wichtigen Eintragungen. 
Im Anschluss an die Ammeisterordnimg vom 16. Juni d. J. finden 
wir hier ein neues Verzeiohniss der jährlich su zahlenden Zinse, i& 
sowie auch eine neue Besoldungsliste für sämmtliche Beamtungen 
der Stadt ^). Kaum waren jedoch diese Eintragungen fertig, so 
wurde die Ammeisterordnung geändert ; ihre erste Redaotion wurde 
daher aus dem Buche ausgeschnitten^) und statt ihrer, hinter den 
eben erwähnten Verzeichnissen , die neue Redaction eingetragen, 20 
doch mit dem alten Datum*). Diese Ordnung währte übrigens — 
wie das Ammeisterthum überhaupt — nur bis 1417. Auch das 
Zinsen verzeiohniss wurde schon 1423 ersetzt durch ein besonderes 
Buch für die Zinse und Leibgedinge, und selbst die Besoldungsliste 
der Beamten verlor ihre Giltigkeit, als 1429 die meisten Besoldungen ss 
herabgesetzt wurden. Diese Reductionen aber wurden nicht hinter 
der alten Liste von 1410 eingetragen, sondeni zu hinterst im Buche, 
auf der Innenseite des Schlnssdeckels^). 

Aus der Folgezeit, nach 1410, finden wir hinter der Ammeister- 
ordnung zunächst nur einige Rathserkanntnisse von 1416 bis 1438, so 
zumeist das Zunftwesen betreffend, sammt ve^chiedenen Entscheiden 
der Fdnfer, von 1427 bis 1433 ^j. Seit 1439 jedoch wurde diese 
Rubrik nur in ganz verändertem Sinne noch fortgeführt, indem die 
meisten Blätter zu den ersten Aufzeichnungen der in diesen Jahre 
vom Rath^ beschlossenen Stadtchronik dienen mussten^). Ueber- » 
diess war schon im vorhergehenden Jahre 1438 von den 54 Blättern, 
welche hinter dieser Rubrik noch frei waren, die volle Hälfte für 
die stets sich ausdehnende Rubrik der Bürgeraufnahmen in An- 
spruch genommen worden ^^j. Ueberhaupt sollte das Buch künftig- 



1) Rh. 74 ff. 2) Rh. 263—264. 

, 3) Rh., BL I— Vni; der Kalender füllt nur Bl. H— VIL 

4) Rb. 76-106. 

5) Nur der Anfiing, auf der Rückseite von BL 38, ist noch vorhanden; 
B. Rb. 75. 

6) Rb. 113 ff. 7) Rb. 379. 

8) Rb. 120 ff. Auch die früher leer gebliebenen S. 72 und 1 10 werden 
hiezu benutzt. 

9) Rb. 144ff. 10} Rb. 190 ff. 



Bcikgel. 115 

hin — abgesehen Ton dhx Stadtobionik — im Weeentliehen nur 
noch sor Einschreibung der neuen Bürger dienen. Immerhin schien 
es passend^ dass wenigstens solche Gesetae und Ordnungen, welche 
speeiell auf die Erwerbung des Bttrgerrechts Besug hatten, auch 

i künfti^ia in dieses Buch geschrieben würden, uncl dieser Fall trat 
fldion im Juni 1440 ein, als eine neue Ordnung über das Anspruchs- 
recht auf eingebürgerte Eigenleute vereinbart wurde. Nun war schon 
1432 auf dem bisher leer gelassenen vordersten Blatte des gansen 
Baches, vor dem SLalender, eine I(otis eingeschrieben worden über 

t» die Sendung Henmanns von Ofienburg nach Italien an den Kaiser^) . 
Hinter dem Kalender aber war ebenfaUs noch ein leeres Blatt, und 
auf dieses wurde nun diese neue Ordnung von 1440 eingetragen'). 
Als jedoch 1441 und 1442 der Rath noch weitere und umfang- 
reichere Gesetse über das Bürgerrecht erliess, da wurden hiezu die 

IS nichsten BlAtter hinter der Stadtdironik von 1439 in Anspruch ge- 
nommen']. Damit war aber die Fortsetzung dieser kaum erst be- 
gonnenen Chronik thatsftohUch aufgegeben, und so blieb der weitere 
Raum hinter derselben fortan für mehrere Jahnehnte leer. 

In der That wurde nach 1442 das Buch — abgesehen von den 

» Bflrgeranfnahmen — nur noch ausnahmsweise su Eintragungen be- 
nutzt. Zunftchst war es der Stadtschreiber Kienlin, welcher 1456 
auf dem vordersten Blatte des Buches, unter der schon erwfihnten 
Notiz von 1432, auf Grund eines Alteren Verzeichnisses aus dem 
Ldstungsbuche 11 ein neues Verseichniss der noch vorhandenen 

2s Achtbürgergeschleohter eintrugt), und der zugleich auf die leer ge- 
bliebene Vorderseite des neunten Blattes^) eine irrige Bemerkung 
Über die Entstehungszeit des Rothen Buches setzte. Von seiner 
Hand — also wohl erst um 1450 — ist auch die schon 1401 er- 
lassene Wahlordnung der Zunftmeister geschrieben, die wir hinter 

»der Verordnung über die Leichenfeier der Oberstzunftmebter, von 
1438, eingeschaltet finden*). Auch später noch wurden einzelne 
leer gebliebene Seiten benützt, um zwischen die Gesetze und Ord- 
nungen der Jahre 1416 bis 14^ noch verschiedene Nachtrüge von 
1465 bis 1469 einzuschalten 7). Selbst eine einfache Zusicherung 

sdes Raflis an den Unterschreiber Baumgarter, gleichfalls von 14B9, 
fand in dem Buche hinter dem Gesetze von 1442 ihren Platz ^), und 
ausserdem finden sich auf der letzten Seite des Buches noch ein- 
selne Notizen von 1421 und 1455*). 

Während alle diese verschiedenen Notizen auf einzelnen leer 

40 gebliebenen Seiten und Zwischenräumen angebracht wurden, fanden 
die 20 Blätter, welche seit 1.442 hinter der Stadtchronik und den 

1) Rh., BL I. 2) Rh., Bl. VIIL 

3} Rb. 148 iL 

4) Rh., Bl. I; vgL Lb. II, 1. Dieses Veneichniss abgedruckt in den 
B^iMgen XH, 489. 

5) D. h. BL 1 der alten Paginatur. Ben Inhalts, oben 8. 110 in derAnm. 
6} Rb. 138. 7) Rb. 1 19, 129 und 132. 

8) Rb. 151. 9) Rb. 378. 

8* 



116 Bathibacher. 

Bürgerreclitagefletien noch frei geblieben wa^en, erst 1473 ikre theil- 
weise Verwendung. Der festliche Empfang nimlieh^ den die Stadt 
in diesem Jahre dem Kaiser Friedrich bereitete, wurde hier aus- 
fahrlich beschrieben ^j • Der weitere Raum aber, den diese Be- 
schreibung nicht in Anspruch nahm, wurde schon im folgenden 5 
Jahre der Rubrik der Bürgeraufnahmen zugewiesen, da in Folge 
des Zuges nach HMoourt eine neue Erweiterung dieser Rubrik 
nöthig geworcten war 3). Um dieselbe Zeit — d. h. jedenfalls noch 
Yor 1476 — wurde auf eine leer^ Seite^ welche hinter dem Kalender 
noch geblieben war^), eine kune lateinische Abhandlung Aber den lo 
muthmasslichen Ursprung der Stadt, d. h. ihres Namens und ihrer 
Freiheit, geschrieben. Der Slalender selbst .aber erschien damals 
bereits veraltet — wie übrigens der grüsste Theil des Buches Über* 
haupt -<*- und wurde deshalb schon 1478 durch einen neuen ersetst, 
und swar in einem besonderen Pergamenthefte, welches in der Folge 15 
einem Bande des Oeffhungsbuches beigebunden wurde ^). Zehn Jahre 
später, 1488, hörte auch die Einschreibling der neuen Bürger im 
Rothen Buche auf'), nachdem am 4. Febr. 1488 ein neues Bürger- 
rechtsgeseti war erlassen worden, welches auch nicht mehr in*8 
Rothe Buch geschrieben wurde, sondern in das 1482 neu angelegte 20 
Erkanntnissbnch*). Die lotsten Eintragungen aber, die überhaupt 
in das Rothe Buch noch gemacht wurden, betreffen s. J. 1493 den 
Einsug des römischen Königs Maximilian, dessen Beschreibung eine 
bisher leer gebliebene Seite hinter dem Empfang des Kaisers von 
1473 füllt ^, und femer noch 2. J. 1497 einen Spruch des Ge- 25 
Bcheides, der hier als Nachtrag su einer Rathserkanntniss von 1408 
erscheint^)« Wie schon bisher für vieles, so trat fortan auch füf 
derartige Aufseichnungen das Kleine Weissbuch an die Stelle des 
mehr und mehr veralteten Pergamentbuches. 

Nachdem wir im Rothen Buche die vordere Rubrik bis su ao 
Ende verfolgt haben, bleibt uns noch die Rubrik der Bürgerauf- 
nahmen SU betrachten, welche schon bei der ersten Anlage des 
Buches vorgesehen war und im Laufe der Zeit immer weiter sich 
ausdehnte. Diese Rubrik wurde 1358 eröffnet unter der Ueber- 
Schrift »Emptores civilegiit^) und enthielt auch in der That bis 1393 35 
nur die Namen derer, welche das Bürgerrecht durch Kauf erwarben, 
oder denen es aus besonderen Rüc|uichten geschenkt' wurde. Die- 

1) Rh. 156 ff. 2) Rb. 164ff. 

3) Rb., Bl. VIir>. — Schreiber dieser Abhandlung war jener Substitut 
Johannes, dessen Qeschlechtsnamen wir nicht kennen, an dessen Stelle wir 
aber schon Ende 1476 einen Nachfolger finden ; s. unten Beilage II und IV. 

4) Ob. Vn, begonnen 1490. 

5) Rb. 238. Nftheres s. unten S. 119. 

6) Särkanntnissbuch I, 78b. 

7) Rb. 163. 

.8) Rb. 73 ; vgl. Stadt Urk. 1497 Aug. 6. Die Rathseikanntnias von 
1408, auf welche sich dieser Spruch bezieht, s. Rb. 74. 
9) Rb. 318. 



BdlagcL 117 

jezugen hingegen, welche das nnentgelülohe Bürgerrecht auf Kriegs- 
jügen erlangten, wurden bis 1392 nnr in das weniger kostbare 
Bach Ton Papier geschrieben, d. h. in das schon erwfthnte Leistungs- 
.buch. In letzteres wurde übrigens 1382 — wohl in Folge der 
5 Ra&serweitemng — auch die Rubrik der eingekauften Bürger yer- 
setzt — doch nur für wenige Jahre ^); denn schon 1387 finden wir 
sie wieder im Rothen Buche fortgeführt'). Seit 1393 jedoch, d. h. 
seit dem Zuge nach Muttens, gegen den Herrn yon Krenkingen, 
wurden auch diejenigen, welche das unentgeltliche Bürgerrecht auf 

isFeldxfigen erwarben, ohne Ausnahme in*s Rothe Buch geschrieben. 
Gerade bei diesem Zuge aber wurden nicht weniger als 573 neue 
Bürger aufgenommen, und um diese alle einschreiben zu können, 
wurde der von Anfang an für die lEmptores ciTÜegiic bestimmte 
Raum nach Tomehin um 7 Blätter erweitert'). Schon 1406 jedoch, 

\i naeh dem Zuge gegen Pf efftngen , schien eine neue Erweiterung 
nOthig, und ebcmso 1409, nach der Eroberung von Istein. In Folge 
dessen wurde schon 1409 der ganze Zwischenraum, welcher früher 
die ▼eraltete Rubrik der »Ewigen Dinge« von derjenigen der Bürger- 
aufnahmen getrennt hatte, zu dieser letzteren geschlag^^). Als 

20 nun im Januar 1412 die Zerstörung des Schlosses Fürstenstein 
einen neuen Zuwachs von 454 Bürgern brachte, so war es der leere 
Raum hinter der schon 1363 sistierten Urkundensammlung, welcher 
jetst ^eiehfalls den Bürgeraufnahmen zugewiesen wurde ^). Auf 
diesem neu gewon)aenen Räume wurde bald nachher, d. h. zwischen 

25 1412 und 1416, auch ein Verzeichniss der sog. Ausbürger zusam- 
mengestellt*). Diese Ausbüxger waren seit 1395 in einer beson- 
deren Rubrik im Leistungsbuche eingeschrieben worden. Am 12. Nov. 
1411 jedoch hatte der Rath erkannt, dass* künftighin keine neuen 
Ausbürger mehr sollten angenommen werden ^) ; das neue Verzeich- 

Mniss war also nicht zur Fortführung bestimmt. Später aber, als 
aufs neue Ausbürger angenommen wurden, ge/Mshah ihre Einschrei- 
bung einfach wieder unter den sonstigen Bürgeraufnahmen , wie diess 
schon früher, bis 1395, üblich gewesen war. 

Die wiederholten räumlichen Erweiterungen, welche die Rubrik 

35 der Bürgeraufnahmen in • der Zeit von 1393 bis 1412 erlebte, wirk- 
ten theilweise störend auf die regelmässige Reihenfolge der Ein- 
tragungen. So oft nämlich ausserhalb des bisherigen Raumes eine 
neue Reihe von Blättern zur Rubrik geschlagen wurde, und vom 
jüngsten Kriegszuge die Menge der neufen Bürger eingeschrieben 

» war^ so blieben jedesmal hinter all den Namen noch einige Blätter 
leer. Um nun diese Raumversbhwendung* zu verhüten, fieng schon 
1398 ein Schreiber an, hinter den Bürgeraufnahmen des Zuges von 

1) Vgl Rh. 321 und Lb. I, 131—132. 

2) Rb. 322 ff. 3) Rh. 304 ff. 
4) Rb. 269 ff. 5] Rb. 343 ff. 

6) Rb. 362—364 ; vgl. Lb. U, 151—152. 

7) wb. 66b. 



118 Bathftbftdier. 

1393 Jahr für Jahr auch diejenigen einBUflchreiben, wel^e das • 
BOrgerreoht' durch Kauf erwarben^). Sein Autegenosse jedoch fuhr 
fort, einxelne Namen wie bisher in der alten Rubrik der Emptores 
oivilegii einzutragen^. Aehnliehee wiederholte sich 1406, vor und, 
nach dem Zuge gegen Pfeffingen'), und auch noch später^); und 5 
deshalb finden wir die Namen derer, welche das Bürgerrecht kauf- 
ten, für die Zeit von 1398 bis 1422 in mehrere gleichlaufende 
ReUienfolgen zerstreut. Die ursprüngliche Folge, schon 1358 be- 
gonnen und seither beinahe ununterbrochen fortgeführt, hatte in- 
zwischen den für sie bestimmten Raum schon mit 1414 gftnzlich to 
angefüllt '^j. Doch fand sich weiter hinten, im Ansohluss an die 
Bürgeraufiiahmen der Feldzüge von 1412 und 1415, aunichst noch 
Raum zur Fortsetzung bis 1434*). Nachdem jedoch die Einschrei- 
bungen der folgenden 3 Jahre, bis Januar 1438, noch die letzten 
leeren Seiten hinter dem Pfeffingersuge von 1496 gefüllt hatten^), is 
da musste für die künftigen Bürgerrechtakftufe ein frischer Raum 
gefunden werden. Der leere Raum vor dem Pfeffingenuge war 
jedoch schon seit 1424 mit den Bürgerrechtsverleihungen dieses 
kriegerischen Jahres angefüllt^), und als im folgenden Jahre 1425 
neue Feldzüge einen neuen Zuwachs der Bürgerschaft brachten, 20 
da hatten zur Einschreibung bereits die nSehsten 5' Blätter dienen 
müssen, welche der alten Rubrik der »ewigen Dinget vorausgehen ^) . 
Es wurde daher 1438 der Aaxaa für die Bürgeraufnahmen noch 
weiter ausgedehnt dadurch^ dass ihm die volle Hfilfte des Zwischen- 
raums von 54 Blättern zugewiesen wurde , die ihn bis dahin von 25 
der vorderen Rubrik noch trennte ^o).. 

Auf diesem neu gewonnenen Räume wurden fortan in einer 
und derselben Reihenfolge mit den Bürgerreohtskäüfen auch die 
Aufnahmen bei Kriegszügen eingetragen. Später, seit 1458, kamen 
hiezu noch die Bürgerrechtskündungen , für welche bis 1438 das so 
Leistungsbuch und seither das Oeffnungsbuoh gedient hatte ^^). Eine 
theilweise Veränderung dieser einfachen Ordnung trat erst zur Zeit 
der Burgunderkriege ein, indem von 1474 bis 1476 die Bürger- 
aufnahmen bei Kriegszügen nieht mehr unter den Bfiigerrechtskäufen 
und Kündungen eingetragen wurden, sondern weiter vom im 35 
Buche, d. h. unmittelbar hinter dem Besuche Kaiser Friedrichs von 
1473^2). Der Sieg bei Murten^^) war überhaupt der letzte kri^e- 

t) Rh. 310 ff. ' 2) Rb. 328 ff. . 

3) Rb. 289 und 297 ff. ; vgl. 331 ff. 

4) 80 namenüieh noch '1416— 1422; vgl. Rb. 356 ff. mit 364. 
5} Rb. 318—333. 

6) Rb. 356—361, auch 364 ff. 

7) Rb. 301—303. 8) Rb. 279—288. 
9) Rb. 242 ff. 10} Rb. 190 ff. 

11) Vor 1458 finden sich nur ausnahmsweise» b. J. 1364 und 1438, xwei 
BOrgerrechtskanduDgen im Rb. 320 und 190, unter den Bürgeraufhahmen 
durch Kauf. 

12) Rb. 164 ff. 13) Rb. 169. 



Beilsge I. 119 

riflcbe Anlass sa Bürgeraufhahmen , welcher im Rothen Bache ver- 
xeichnet wurde. Doch auch die Aufnahmen durch Kauf wurden 
in diesem Buche nur noch fortgeführt bis 1488 ^), wo sie in Folge . 
eines neuen QürgerrechtsgeaetieB^) in ein besonderes Buch über- 

i tragen wurden, nflUnlioh in das schon 1484 hiefür angelegte Bürger- 
rechtsprotokoll^. So erlosch denn in dem alten Pergamentbuche, 
nach bundertdreissigjflhrigem Bestände, die Rubrik der Bürgerauf- 
nahmen, und bald nachher erfolgten, -wie wir oben sahen, z. J. 1493 
und 1497 die letiten Eintragungen im Bothen Buche überhaupt^). 

le Nachdem wir gesehen , wie das Rothe Buch ursprünglich allerlei 

Rubriken enthielt, von welchen jedoch die meisten schon nach we- 
nigen Jahren nicht mehr fortgeführt wurden, und wie dann in der 
Folge die Büzgerrechtsf erleihungen immer und immer wieder neuen 
Raum in Anspruch nahmen, so kann es nicht befremden, wenn der 

i& Inhalt dieses Buches, als Ganses betrachtet, jeder übersichtlichen 
Ordnung entbehrt. Wir lassen daher xum Schlüsse dieser Beschrei- 
bung eine summarische Inhaltsübersicht folgen , welche zugleich dazu 
dienen soll, das VerhAltniss der modernen Paginatur des Buches zur 
alten dannistellen, indem wir hinter den Seitenzahlen der ersteren 

30 die Blftttersahlen dieser letzteren in Klammem beifügen^]. Die 
4 Terschiedenen Hände« welche sich an dieser alten Paginatur unter- 
scheiden lassen, sind durch die Buchstaben a, b, o und d beseichnet. 
Die beigefügten Jahreszahlen sind den Daten der betreffenden Ein- 
tragungen entnommen und bezeichnen deren Entstehungszeit. Wo 

»jedoch solche Daten fehlen, ist das muthmassliche. Jahr der Ein- 
tragung nur in Klammem beigefügt. 

aa) Inhaltsübersicht des Rothen Buches. 

R««eP«f.: AllePftg.: 

11432 H. y. Offenburgfl Sendung zum 

Kaiser. 
1456 ' Veneichnifls der Achtbürgerge- 
schlechter. 
. II— VII Kalender. 

• VIII* 1440 Ordnung in Betreff der Bürger- 

aufhahmen. Hiezu Fortsetzung 
3» * S. 148 ff. 

• Vlll*» (vor 1476} Basels Name und Ursprung. 



• 



1} Rb. 238. 

2] Vom 4. Febr. 1488; s. Erkanntnissbuch I, 78b. 
5} Dieses Buch diente Anftngs nur zur Eintragunj^ der Abzahlungen, 
welche erst seit 1484 beim Kaufe des Bürgerrechts zufissig waren. 

4) S. oben 6. 116. 

5) Auch in neueren Gesehichtswerken kommt die alte Paginatur noch 
Tor in Fillen, wo Altere Verweisungen auf dieselbe citiert werden, so z. B. bei 
Heusler 319 eine Verweisung 'von 1473: prout continetur in libro rubeo 
fol. CXXX — d. h. S. 252 der neuen Paginatur. 



120 



Ratlubaeher. 



8«it«: 



1—73 



74—75 



76—143 

144—147 
148-155 



15e.l63 

164—189 

190—193 
194—197 



10 



198-200 
203—241 



1 



Ali« Paff.: 
BUtt: 

(a 1) (nach 1447) Bemerkung über Entstehung die- 

ses Buches. 

(•lb.37) 1357—1404 Rathserkanntnisse.sugleiehRaths- 

besatnmgen und Leistungen bis 

1360. S. 72 gehört tu 8. 74 £ » 

\ (Ewige Dinge, mit Naehtrigen bis 

Jl u x. a*.«o «^«ol 1*69. Hie«i S.72, sowie auch 
(3 Ausschnitte) W408-1438^ g 73 ,^T,^eil, miteinemNach- 

(• ^^^^^ j ( trag yon 14971). 

(• 76—77) 1439 Stadtchronik. 1 

(• '78—81) 1441—1442 Gesetze aber BOrgeraufiiahmen 

(Fortsetzung lu BL Vm»), nebst 
Reveb Ton 1469 >). 

(» 82—85] 1473 Berieht über den Empfang des 

Kaisers, mit Nachtrag Ton 1493. 15 

(» 86—98) 1474—1476 Bürgeraulnahmen durch Kriegs- 
dienst^. 

fb 101—102! i iBürgeFaufiiahmen dureh Kauf, 

,1 Ausschnitt) 1438-1488 ^^[eturgeSÄ^^ 
l-124)j [ 



(bl04- 



(seit 1458)«). 



242— 248M«— 250 (• 125—129) 1425 



251-254 
255—264 



265—268 
269—278 

279—288 

289Mt— 299 



300—303 
304—309 

310-317 

318—321 



BOrgeraufiiahmen dureh Kriegs- 
dienst ft). 

(»130--131) 1357-1362 Ewige Dinge. s 

(e 132—136) (nach 1362) Ewige Dinge, mit Nachtrftgen bis 

1427, auch Bürgeraufnahmen 
1389—1402 (8. 260). 

(d 137— 138) leer. 

<• 139— 143) 1409 



(•144—148) 1424 
(-149-154) 1406 



BOrgeraufiiahmen dureh Kriegs- 30 

dienst. 
Bürgeraufiiähmen durch ELriegs- 

dienst. 
Bflrgeraufhahmen durch Kriegs- 
dienst, mit Naehtrigen (durch 35 
Kauf) bis 1421. 
(»155—156) 1434—1437 BOrgeraufiiahmen durch Kauf. 
(» 157—159) 1393 Bürgeraufnahmen durch Kriegs- 

dienst. 
(» 1601-160«) 1398-^1403 BOrgeraufiiahmen durch Kauf und 4u 

KriegsdienstHiesu auch 8.328ff. 
(c 161— 162) 1358—1381 BOrgeraufiiahmen durch ILauf. 



1) S. 139— 143 blieben leer. 

2) 8. 152—155 blieben leer. 

3) 8.170— 189 (BL 89— 98) blieben leer, und von diesen wurde 8 172—173 
(Bl. 90) sp&ter ausgeschnitten. 

4) 8. 239—241 blieben leer. Ueber 8. 201—202 s. oben 8. 1 11, Anm. 2. 

5) Die letzten 3 Seiten, 248bU— 250. bliebenleer; jedoch wurde auf 8. 250 
wohl schon um 1360 ein Pergamentblatt geklebt, welches die datnmlose Ver- 
ordnung über das Rückforderungsrecht an Eigenleuten enthllt; s. oben 8. 119, 
Anm. 4. 



Beilage I. 1 21 



H«Q«Pag.: Alt»P»g.: 
S«H0: BlftU: 



322^323 (c 163) 1387—1390 BOrgeraufnahmen durch Kauf. 

324— 327%»— 330 (d 164— 106) 1390—1397 Büi^eraufeahmen durch Kauf und 

Kriegsdieoat, mit Nachtrigen 
bis 1402. Hiesu auch 8. 26Q. 
»331—332 (»167—168) 1403— 1414 Bürgerau&afamen durch Kauf. 

Hiezu auch 8. 297 ff. 

333—342 (c 170—174) (bia 1363) Gopien meist älterer Urkunden. 

343—356 (d 175— 181) 1 41 2 u.l4 15 Bürger aufnahmen durch Kriegs- 

dienst. 
10 357—360 (> 182—183) 1417—1434 Bfirgerauihahmen ^ durch Kauf. 

Hiezu auch 8. 297 ff. und 365 ff. 

361—364 (» 184—165) (vor 1416) Verzeichniss der AusbOrger (aus 

Lb. n, 151-152). 

365—366 (* 186) 1416 BOrgeraafnahmen.durch Kauf, mit 

15 Nachtrftgen bis 1422. 

((nach 1362) Verzeichniss der städtischen Zinse, 
mit Nachtrftgen. 
1383—1407 Ewige Dinge, mit Nachtrftgen von 
1421 und 1455. 
2t 379 (Decke) 1429 Verzeichniss der stftdtischen Be- 

soldungen. 

b) Das Leistungsbuch I. 

Schon oben beim Rothbuche sahen wir, dass das Altere der 
sog. Leistongsbücher noch von 1357 stammt, jedoch erst 1361 zu 

25 bleibender Verwendung gelangte. Wenn wir 2 erst spftter bei- 
gebundene Hefte abrechnen, so zfthlt dieses Buch jetzt noch 144 
Papierblfttter in folio (ViTasserzeichen : 2 Kugeln] . Es fehlen jedoch 
einzelne Blfttter ^) , aber diese fehlten schon im XV. Jahrhundert ; 
denn aus dieser Zeif stammt die Paginatur, welche mit der vor- 

aohandenen Blfttterzahl genau übereinstimmt. Auf dem alten Ein- 
bände von graugelbem Leder war der Name des Buches eingepresst, 
von welchem wir Jetzt nur noch die Endsylbe «bfich« mit Sicherheit 
lesen können^. Seinen jetzigen Namen iLeistung^buchc erhielt es 
erst in späterer Zeit, wegen der vielen darin enthaltenen Straf- 

3& urtheile, welche meist auf mehrjährige »Leistung« (Verbannung) lauten^ 

Die schon erwähnte Notiz von der Fertigstellung des Buches ') 

sanunt den provisorischen Eintragungen von 1357, welche nachher 

ins Rothe Buch übertragen wurden, finden sich beisammen auf Bl. 2. 

Nachdem das Buch hierauf volle 4 Jahre unbenutzt geblieben, er- 

M hielt es seine bleibende Bestimmung ei^t 1361, indem fortan Jahr 

1) Vor BL 123 fehlt augenscheinlich der Anfang eines Verzeichnisses 
der Bflrgeraufnahmen bei einem Feldzuge. Auch fehlt vor Bl. 83 die Raths- 
besatzung von 1378, und vor BL 93 der Anfang des Leistungseides. 

2) Die Innenseite der Einbanddecken sind mit Pergamenturkunden von 
1332 und 1333 fiberklebt 

3) 8. oben S. 109. 



122 lUthtbQcher. 

für Jahr die Rathsbesatzungen und die yom Rathe gefSUten Straf- 
urtheile hier eingetragen wurden, für welche bia dahin das Rothe 
Buch gedient hatte. In ^eae Hauptrubrik, welche mit Bl. 3 be- 
ginnt, gelangen nebenbei auch alle Absagen/ welche in jenen fehde- 
reichen Zeiten dem Rathe von feindlichen Nachbarn zugesandt wurden, 5 
sowie auch, seit 1364, die Bürgerrechtskündung^en« Nachdem über- 
diess schon 1367 und 1377 einzelne Verordnungen des Raths hier 
ihre Stelle gefunden hatten, wurden von 1382 an — d. h. seit der 
Zuziehung der Zunftmeister zum Rath und seit Einsetzung des Rath- 
Schreibers — überhaupt alle minder wichtigen Verordnungen hier 10 
eingeschrieben, statt wie bisher im Rothen Buche. Die Raths- 
besatsungen aber, welche mit diesem Jahre* sich umfangreicher ge- 
stalteten, sollten künftig in einer besonderen Rubrik ihre Stelle 
finden; schon naoh 1383 jedoch wurden sie in dem Buche über- 
haupt nicht- mehr eingetragen. Es füllt daher diese kaum begon- i& 
nene Rubrik nur Bl. 155, wfthrend die Hauptrubrik, bis Juni 1388 
reichend, allen übrigen Raum von Bl. 3 bis 122 einnimmt. 

Wie das vorderste Blatt, auf welchem wir von 1362 bis 1381 
die für jedes Jahr vom Rathe festgesetzten Fleisohpreise finden*)', 
so war auch der letzte TheU des Buches^ hinter Bl. 122, von An- 20 
fang an zu verschiedenen Nebenrubriken bestimmt. Hier nftmlich, 
auf BL 123 ff., wurden zunächst alle neuen Bürger eingeschrieben, 
welche auf Kriegszügen das unentgeltliche Bürgerrecht erlangten. 
In dieser Rubrik wurden später, als Basel 1380 dem LOwenbunde 
beitrat, auch ein Verseichniss der verbündeten Edelleute sammt den 25 
Bundesbriefen eingetragen 2), und ausserdem von 1382 bis 1389 noch 
die Bürgeraufnahmen durch Kauf^}. Eine weitere Rubrik wurde 
1362 auf Bl. 136 ff. für die in's Schirmreoht aufgenommenen Juden 
angelegt; sie gieng jedoch ein, als der Elaiser 1374 den Judensckutz 
in Basel dem Herzog Leopold von Oestreich verlieh. Etwas l&nger 30 
währte die Rubrik der Urkunden, welche um 1363, wie wir sahen, 
aus dem Rothen Buche hierher auf Bl. 140^ übertragen wurde^) ; doch 
auch diese hörte wieder auf, als 1388 speziell für diesen Zweck 
das Grosse Weissbuch angelegt wurde ^). Ausserhalb dieser Rubriken 
aber wurde schon 1361 auf dem letzten Blatte des Buches (144^) der 3& 
städtische Waffenvorrath verzeichnet®), und ebenso 1364, auf Bl. 135^, 
die Eintheilung der Streitmacht in 4 Panner. Femer finden wir 
aus derselben Zeit, auf Bl. 142^ ff., die Amtseide der Rathsknedite, 
Wachtmeister und Stadtläufer, denen noch 1388 eine Ordnung für 
die Söldner beigefügt wurde , und ebenso die Eidformeln für Wirthe, 4o 
Köche und Kuttler. 

1) Die Jahre 1369 und 1374—1379 fehlen jedoch. 

3) Lb. I, 133— 134b. 

3) Lb. I, 139b imd 131b-.i32b. 

4} S. obenS. 113. 

5) lieber dieses Buch s. Schnell, Reohtsquellen I, S. VII der Vorrede. 

6) Auf demselben BL 144b folgte 1368 ein neues Waffenverseiobniss, 
und ausserdem noch 1383 die Bestallung eines Stadtantes. 



BeUftge I. 123 

Während die Hauptmbrik — wie schon bemerkt — mit Juni 
1388 Bchliessty worden im l^ten Theile des Buches nur noch aus- 
nahmsweise 1391 die Bargerauünahmen bei einem Kriegssuge^), und 
1392 einige Bflrgerrechtsbestfttigungen'] eingetragen. Fflr die näoh- 

&sten 8wei Amtqahre 1388 und 1389, also für die Zeit vom Juni 
1388 bis Juni 1890, diente jedes Jahr ein neues Heft, worin die 
Urtheile und Verordnungen eingetragen, also die Hauptrubrik des 
bisherigen Budies fortgeführt wurde. Diese swei Hefte sind dem 
Buehe beigebunden, und swar dasjenige von 1388 hinter Bl. 122; 

10 das Heft von 1389 hingegen findet sich hinter Bl. 144, also am 
Schlüsse des Buches. Das erstere Heft, von 1388, hat 10 Blätter 
(Ochaenkopf mit Kreua), von denen jedoch nur 6 besehrieben und 
von neuerer Hand als Bl. 122^ — 122^ paginiert sind. Das zweite 
Heft hingegen hatte ursprünglich 12 Blätter (Wasseneichen wie im 

15 Buch überhaupt) , von welchen aber die 5 letsten leer blieben und 
deshalb später ausgeschnitten wurden. Statt dieser ausgeschnittenen 
Butter wurden in der Folge 4 andere (Wasseraeichen: Jagdhorn) 
eingeklebt, welche die Concepte au einem Theil der im Buche auf 
Bl. 123 ff. stehenden Bürgeraufnahmen enthalten^). Auch dieses 

70 Heft, welches mithin noch 7 ursprüngliche und 4 eingeklebte 
Blätter enthält, ist erst von neuerer Hand paginiert und swar als 
Bl. 144*— 154. 

c) Das Leistungsbuch 11. 

Die soeben erwähnten Hefte, welche die Urtheile und Verord- 
ftnungen der Amtsjahre 1388 und 1389 enthalten, bilden denUeber- 
gang sum zweiten Bande des Leistungsbuches, der mit dem Amts- 
jahre 1390 beginnt. Dieser Band, der seine alte Decke schon 
längst verloren hat^), enthielt ursprünglich 164, und jetzt noch 
158 Blätter gr. folio^) (Wasserseichen: Blume oder Frucht mit 
30 3 Zweigen) . Die alte Paginatur, von ^derselben Hand wie im ersten 
Bande, reicht nur bis su Ende der Hauptrubrik des Buches und 
ist übrigens ungenau, indem sie nur 147 Blätter zählt, statt 151*). 
Die folgenden, meist leeren Blätter aber sind von neuerer Hand 
als Bl. 148 — 154 bezeichnet. Wie im ersten Bande, so bilden 
»auch hier den Hauptinhalt die Rathserkanntnisse , d. h. Urtheile 

» 

1) Lb. I, 129. 

2) D. h.,fttr iolehe, welche nachwiesen, dsss ihre Väter vor Zeiten das 
Bürgerrecht erlangt hatten ; s. Lb. I, 13 1^. 

3) Leider fehlt hier gerade das Conoept su Bl. 123, so. das« diese Blfttter 
cor Ergänzimg des im Buche fehlenden Anfangs. derfrOheaten Aufiiahmen 
darchaas nichts beitragen. Vgl. oben 8. 121, Aun. 1. 

4) Sowohl das vorderste als das letzte Blatt sind sehr beschädigt 

5) ZwiMhen BL 28 und 29 sind 6 beschriebene Blätter ausgeschnitten, 
jedoch ohne oass in den fortlaufenden Eintraguncen (s^ J. 1398) eine Lücke zu 
Dcaierken wäre; der Ausschnitt geschah also nooS vor 1398. 

6) BL 81 und 93 kommt doppelt vor, BL 1 16 dreifach. 



124 Rathsbacher. 

und Verordnungen ; zugleich wurden , wie schon früher, in derselben 
Rubrik auch Urf^den, Absagen, Ernennungen u. dgl. eingetragen. 
Die Rathsbesataningen, die im ersten Bande nach 1383 völlig auf- 
hören, wurden hier erst seit 1405 wieder Jahr für Jahr eingetragen^). 
Die Verordnungen hingegen sind weniger zahlreich seit 1417, wo 5 
für diejenigen Erkanntnisse, weldie durch Öffentlichen Ruf ver- 
kündigt wurden, das Rufbuch diente. Die Rubrik besehzinkte sich 
vollends auf Rathsbesatssungen und Strafurtheile, als 1438 sur Ein- 
tragung aller laufenden Qesch&fte das Oeffhungsbuch angelegt wurde ^} . 
In letsteres Buch wurden nach 1465 auch die Strafuxtheile ein- 10 
getragen, und so blieben einzig noch die Rathsbesatsungen. Nach 
1473 aber wurde in das Leistungsbuch überhaupt nichts mehr ge- 
schrieben. 

Wie der erste, so hatte auch dieser Band des Leistungsbuchee 
ursprünglich noch eine Nebenrubrik für unentgeltliche Bürgeranf- 15 
nahmen auf Kriegszügen*); jedoch wurde sie schon 1393 in's Rotiie 
Buch verlegt. Statt dessen wurde hier 1395 eine besondere Rubrik 
sur Eintragung der Ausbürger angelegt^), welche jedoch in Folge 
der Raihserkanntniss vom 12. Nov. 1411, wie wir oben sahen, ihr 
Ende fgmd^). Das vorderste Blatt des Bandes, jetzt halb zerstOrt, 20 
enthAlt jenes Veneiohniss der Achtbürgergeschlediter , dessen Ab- 
schrift von 1456 uns im Rothen Buch erhalten ist^j, und ausserdem 
einen Zinsrodel. Am Schlüsse des Bandes aber ist ein Heft bei- 
gebundeü, welches Acten über die Zauberprooesse von 1407 enthftlt^. 

d) Das Kleine Weissbuch. 25 

Ueber die Entstehung und den Zweck des Kleinen Weissbuches 
g^bt uns die Jahresrechnung des Amtsjahres 1 405/6 folgenden Auf- 
schlüsse) : 9S0 sint gesohencket unserm statschriber 20 Ib. umb sin 
arbeit des nüwen eynüngbuch, das er gemäht, geschriben und ge- 
zogen hat usser allen b&chem, darinne der rehten erkantnüsse, die 30 
ewencklichen gestan s6nt, geschriben staute. Dieses neue Buch 
hatte bei seiner ersten Anlage annlhemd denselben Umfang wie 
das Rothe Buch, nämlich 196 Blätter, deren Papier als Wasserseichen 
theils ein S, theils eine Lilie aufweist. Seine älteste Paginatur, 
in sorgföltiger rother Schrift, reicht nur bis Bl. 104, und es ist 35 

nicht ersichtlich, warum der Paginator gerade bei dieser Zahl stehen 

• 

1) Die Veneichnisse der Nichtsflnftiffen, welche dem neuen Rathe Ge- 
horsam schwören, finden sich nur tu den Jahren 1405, 1411, 1414 und 1416, 
später nicht mehr. Im Rh. und Lb. I hingegen sind sie bis 1381 nahezu voll- 
ständig. Vgl. oben 8. 112. 

2) Nach 1438 finden sieh nur noch 5 Erkanntnisse s. J. 1439--1441 ; 
8. Lb. n, 119— 122k, 

3) Lb. U, 153. 4) Ebend. 151b-.152. 
5) S. oben S. 117. 6} S. oben 8. 115. 

7) S. hierüber Buxtorf- Falkeisen, Basler Stadt- u. Landgeschichten, 
Heft IV. 8j 8. Jahrrechnungsbuch II, 8. 43. 



Beiläge L 125 

blieb. Schon ein Jahnehnt nach der ersten Anlage, d. h« um 1415^), 
wurde jedoeh Aber diese rothe Paginatnr eine neue geseilt, welche 
das ganse damalige Buch nmfaest. Diese neoe Paginaiar, mit 
schwaner llnte über der Mitte jedes Blattes angebracht^, sShlt 
i durchweg 1 Blatt mehr als die frühere^ indem sie das rothe Bl. 1 
mit »Sc» und BI. 104 mit »105t beseichnet u. s; w.. Dies» Diffe- 
rena erUirt sich leicht, sobald wir annehmen, dass iiigend ein 'seit- 
her verschwundenes oder Tersetates Vorlegeblatt alt iBl. !• mit- 
gesShlt wurde« Ausserdem überspringt diese Paginatur bei der 

!• Zählung die Nummern 130 und 142, und sfthit daher 108 Blätter, 
obschon sie deren niemals mehr als 106 umfasste. Auch wurde 
schon frühe, d. h. noch vor 1417, aus dieser neuen Paginatur 
Bl. 75 herausgeschnitten^. 

Seinen jetiigen Umfang, welcher mehr als *das Doppelte des 

IS ursprOng^ehen beträgt, erhielt das Buch erst 1535^), indem hinter 
dem bisherigen Bchluss noch 207 neue Blätter (Wasserseichen : 
BaaeLstab) eingeheftet wurden^), worauf das Ghinse den jetsigen 
Einband tou gelbliehweissem gepresstem Leder erhielt« Bei diesem 
Anläse wurde auch das alte Inhalisregister , welches im bisherigen 

» Bande Bl. 154 — 160 füllte, an den Anfalig des Buches rersetst und 
zugleich die ganse Lage Bl. 151 — 174 herausgenommen*). In der 
bisherigen Paginatur entstand somit hinter Bl. 150 eine Lücke von 
24 Blättern, und da sie ohnehin schon von Bl. 130 ab ungenau war» 
so wurde sie von hÜBr an durdi eine neue ersetzt'), welche im 

2& alten Theile des Buches in richtiger Zählung mit Bl. 172 endigt^). 

1) Das alte Begister« von yerachiedenen H&nden fortgeführt, stimmt 
schon vom rothen Bl. 72 an, d. h. seit 1414, nur noch mit dieser neuen Pagina- 
tur. Das rothe Bl. 74 aber, das als »61. 75c bei der neuen Paginatur noch 
mitgexählt wurde, war in der Zwischenseit bereits ausgeschnitten, noeh bevor 
z. J. 1417 auf die rothen Bl. 73 und 75 ffeschrieben wurde. Diese Paginatur 
ist also zwischen 1414 und 1417 entstan&n. 

2) In Folge der späteren, um 1535 bei der Vergröaserung des Buches er- 
folgten Besehneidung der Bänder ist diese Paginatur yon 1415 theilweise 
kaum mehr erkenubw . 

3) S. oben Anm. 1. 

4} S. Wochenausgabenbueh, 1535 Mai 29: Item 3 Ib. geben yon ^ssen 
und. deinen wissen bftohem iniebinden und se besseren. — Auch die Ver- 
setsung des Registers muss 1535 erfolgt sein; denn aus diesen Jahren stammt 
eine Eintragung auf Bl. 148 ff., welche erst nach dieser Versetiung mög« 



5] Dasselbe Wasserzeichen trägt auch yom ein neues Vorlegeblatt 

6) 3 beschriebene Blätter (wahrscheinlich Bl. 151 — 153) wuraen heraus- 
geschnitten. Bl. 154—161 (mit dem Begister) und Bl. 168—171 (leer), also 
zusammen 12 Blätter, wurden yor den Anluig des Buches yersetst, und ebenso 
ein altes Vorlegeblatt (yidleieht das alte BL 1 ?). Die alten BL 162—167 und 
172 — 174 sind yeischwunden. 

7) Diese neue Paginatur, ebenfalls schwarz, findet sieh nicht Ober der 
Mitte jedes Blattes, wie die bisherige, sondern in der oberen Ecke. Die ältere 
schwarze Paginatur, yon 1415, wurde flbrigens theilweise zerstört durch die 
Beschneidung der Bänder, welche der neue Einband yon 15^5 mit sich brachte. 

8) Vom neuen Theile ist yon derselben Hand einxig das erste Blatt als 
BL 173 paginiert. 



1 26 RathtbQoher. 

Bei dem neuen Einbaade leheint jedodh, wie sokon erwfthnt^), dma 
alte Vorlegpblatt venchwnnden oder veraetst worden in aem, welohea 
ala >B1. Ic die aehwarze Paginator von 1535 eröffnet hatte, und 
deahalb beginnt letitere mit Bl. 2, d. k. mit BL 1 der rothen Pa- 
ginatnr. Wir halten una daher, der allgemeinen Uebung folgend, s 
bei unaem Cit^ten* durchweg an dieae rothe Paginatnr, aoweit aie 
reicht, d. h.<bia Bl. 104, und erat von hier weg an die neuere 
schwane 2). Diese letatere aohloea zunächst mit Bl. 173 und wurde 
erst um 1563 fortgeführt bis Bl. 204, und noch später bis BL 250. 
Die übrigen leeren Blätter jedoch, 129 an der Zahl, blieben ohne lo 
Paginatur. 

Wie wir oben sahen, wurde das Buch 1405, bei seiner ersten 
Anlage, als das ineue Einungbuchf beieichnet, und zwar offenbar 
zur UnteracheidiAig Ton dem Rothen Bueh ala dem älteren Buche 
dieser Art. Das Websbuch beginnt nämlich mit der Abschrift des is* 
alten Btadtrecbts oder Einungbriefes, der schon im Rothen Buch 
die Rubrik der alten Urkunden erOffioet^. Schon 1460 jedoeh 
finden wir daa Bueh — ohne Zweifel nach aeinem damaligen Ein- 
bände — nur kurzweg das »Weisse Buche genannt^), während daa 
Ghroase Weissbuch z. J. 1442 einfach ala das »Grosse Budit er- 2e 
wähnt wird*). Die jetzt üblichen Benennungen »Qrossest und 
»Kleines« Weissbuoh finden wir erst 1535 0), d. h. erst zu der Zeit, 
wo beide Bücher ihren jetaigen Einband von gelblichweiasem ge- 
presstem Leder eihielten, in Folge dessen sie sieh äusserlidi nur 
noch durch ihren Umfang unterscheiden. 2s 

Wie das Grosse Weissbuch — schon 1388 angelegt — alle wich- 
tigeren Urkunden enthalten sollte, so war das »neue Einungbuch c 
bestimmt zur Aufnahme aller »der rehten erkantnüase, die ewenck- 
lichen gestan sAnta. Deshalb enthält dieses Buch zuerst Abaehrilten 
aus dem Rothen Buche ^ und den beiden Leistungsbüchem^), nebst so 
einigen wenigen Verordnungen, welche aus känem dieser Bücher 
stammen^). Auf diese Abschriften, welche im Sommer 1405 voll- 
endet wurden ^<^), folgte fortan Jahr für Jahr die Eintragung der 



1) S. oben 8. 125, Anm. 6. 

2) Da Bl. 104 der rothen Pasinatur dem BL 106 der schwanen ent- 
spricht, so gibt es fOr unsere Citate kein Bl. 105, sondern auf 104 (loth) fcJgt 
sofort loa (schwarz). 

3) Vgl Rb. 336 ff. und wb. 1 ff. Der Einungbrief ist abgedrudut bei 
Schnell, Reehtsquellen I, No. 6. 

4) Ob. m, 98b. 

5) wb. 91b. 

6) Woehenausgabenh. 1536 Mai 29. 

7) Vgl wb. 1—20 mit Rb. 336 (ESnungbrieQ und Rb. 27—7 1 (Rathserkannt- 
niase), femer wb. 21b~24« mit Rb. 251^265 und 261—263 (Ewige Dinge). 

8} Bd. II wurde zuerst ausgeschrieben, und erst hierauf %d. I; s. wb. 
32—46 und 46l>^49b. 

9) S. wb. 21, 24— 31b 46, 47b und 49b—&4. 

10)^ Zu den Absahriften gehört noch eine Verordnung aus Lb. II, Tom 
20. Juni 1405, während die neuen Eintragungen mit einer solchen vom 17. Oct. 
d. J. beginnen; s. wb. 45 und 54. 



Beilage L 127 

wichtigeren Rathserkanntnisee, also die Fortführung der bisherigen 
Hauptmbrik des Rothen Baches. Seit 1438 jedoch, wo das Oeff- 
nnUgsbuch angelegt, und im Rothbuche die Rubrik der Ewigen 
Dinge aufgegeben wurde, diente das Weissbueh vorsugsweise zur 
s Fortsetsung dieser letsteroa Rubrik. 

Inswiaehen benütste schon um 1440 ein Schreiber die hinterste 
Seile des Buches, um seine Gedanken und Berechnungen über die 
Juden und ihren Wucher darauf su schreiben i). Dies war der An-* 
fang in einer Reihe von Eintragungen mannigfacher Art, welche 

10 im Laufe der folgenden Jahnehnte nach und nach jenen letaten 
TheU. des Buches füllten, der damals noch durch das Register Tom 
übrigen getrennt war^. Ausser der Notis von 1458 über die Rhein- 
brücke betreffen diese AufBeidhnungen namentlich das Münswesen 
und die Zolltarife, ferner das Gescheide, auch Brunnbriefe, Be- 

15 staUnngsbriefe u. dgL Eine bestimmte Ordnung wurde jedoch in 
kdner Hinsicht beobachtet; denn obsohon diese Eintragungen theil- 
weise bis 1512 reichen, und der sugewiesene Raum schon 1469 
über das Register hinaus war erweitert worden ') , so wurden dennoch 
z. B. die Brunnbriefe schon von 1476 an, und die Zolltarife seit 

» 14S4 nidit mehr hier eingetragen, sondern im vorderen Theile des 
Buches, unter den Rathserkanntnissen imd Ewigen Dingen. Der 
Inhalt dieser vorderen Rubrik gestaltete sich daher von dieser Zeit 
an noch mannigfaltiger, umsomehr, da sie nach dem völligen Ein- 
gehen des Roihbuches (1497) audi für etwaige chronikale Auf- 

2» seiehnungen an dessen Stelle trat. Immerhin war der vorhandene 
Raum beschrftnkt, und es bedurfte nicht vieler Eintragungen um 
ihn im Laufe der Jahre au fallen^). Als nun gegen Ende 1532 
dieser Fsll eintrat, da wurde in den ersten Monaten von 1535 die 
sdion erwfihnte Erweiterung und Umgestaltung des Buches vor- 

»genommen^). Schon nach 1542 jedoch diente dasselbe nur noeh 
xeitwetse su neuen Aufzeichnungen (bis 1685)®), und ein betrftcht- 
lieber Theil des Buches ist noch heute leer^). 

Noeh bleibt uns das Inhaltsverzeichniss zu erw&hnen, dessen 
Anfang zur ersten Anlage des ganzen Buches gehurt. Schon 1406 

35 angel^ , wurde dasselbe fort und fort weitergeführt bis zur Zeit 
seiner Versetzung vor den Anfang des Buches , also bis 1535. 

. Durch diese Versetzung aber, d, h. durch die damit verbundene 
VetSnderung der alten Paginatur, wurde die Brauchbarkeit dieses 
Registers sehr vermindert, und deshalb unterblieb seine weitere 

40 Fortsetzung. 

1) wb. 172b 

2) Jetet Bl. 153—172; BL 151^152 bUeben bis 1533 leer. 
3j Bl. 145 ff. 

4} Von 1405 bis 1532 umfasst die Hauptmbrik Bl. 54—144. 

5) WochenauMibenb. 1 535 Mai 29. 

6) Für das XAHl. Jahrhundert beschränken sich diese weiteren Aufieieh- 
nungen auf die Ghronikalien yon 1559 — 1563 und 1596. 

7) Ein eingeklebtes Blatt vor Bl. 233 enthält eine Notiz Ton 1 753. 



128 Rathtbaeher. 



e) Das Rufbuch. 

Der ftlteste Band des Rufbuohes^) wurde im April 1417 an* 
gelegt und z&hlte urspranglich nur 50 Blatter gross Quart ^. Durch 
wiederholtes Einheften neuer ]^tterlagen erhielt jedoch dieses Buch 
einen Umfang Ton 206 Blattern') und reichte deshalb bis 1459 aus. & 
Ueber seinen Inhalt gibt noch jetzt die alte Aufschrift auf seiner 
Pergamentdecke Auskunft: iDas R&ffbfichli in den Kommercktc. 
Immeihin finden sich — wenigstens aus den ersten Jahren seines 
Bestehens — swisehen den Verordnungen und Bekanntmachungen, 
welche im Hofe des Rathhauses yon der Freitreppe herab TcrkUndigt lo 
wurden, hin und wieder auch einaelne Vertrage und Veneichnisse, 
welche jedenfalls nicht sur Verkündigung durch öffentlichen Ruf 
bestimmt waren ^). Ausserdem aber war nach dem ursprfti^lichen 
Plan der letste Dritteil des Buches^) su einer Art von Chronik be- 
stimmt, deren vordere Hälfte^) die »Fruntschaftenc enthalten sollte, t& 
welche der Stadt von Seite benachbarter Herren oder Stfldte wider- 
fahren würden, wahrend ihre sweite Hälfte^) im Qegentheil den er- 
littenen »Unfruntschaftent gewidmet war. In beiden Hallten blieb 
es jedoch bei einem schwachen Anfange s. J. 1417, ohne irgend- 
welche Fortsetiung. ^ 

f] Liber Diversarum Rerum. 

Der Liber diversarum rerum ist ein Band von 180 P^ier- 
blättern gross Quart (verschiedene Wasseraeichen), welcher 1417 
angefangen wurde, und dessen Inhalt bis 1463 reicht. Uebor die 
Art und Weise, wie dieser Band allmählich entstanden ist, erhalten 2s 
wir einigen Aufschluss durch eine Bemerkung des Stadtsohreibers 
XU einer Verordnung von 1423 auf Bl. 13^: »und büsse denn disen 
bogen in libro diversarum rerum«* Das Buch erhielt also seinen 
jetiigen Umfang, wenigstens theilweise, durch das Einheften ein- 
seiner, schon vorher beschriebener Blatter und Bogen. Bei diesem so 
Verfahren war es unvermeidlich, dass das Buch su wiederholten 

1) Die 2 spateren Binde berühren uns hier nicht. 

2) Dieser älteste Theil, der sich durch sein Waaseneiehen (Xleehlatt 
mit Kieuz) vom übrigen unterscheidet, besteht aus Bl. und 1 — 30, 53 — 58, 
65, 70—73 und 92—99. 

3) Die Paginatur ist modern und iShlt nur 203 Bl&tter, weil sie das 
vorderste Blatt flberspringt und BL 100 doppelt hat, w&hrend das letste Blatt 
abgerissen ist. 

4) Z. B. BL 13 ff. der Vertrag wegen Bemalung der Kapelle »tum Elenden 
Kreus«, abgedruckt im B. Taschenbuch 1856, S. 175 ff., wo übrigens 1418 su 
lesen ist und nicht 1410. 

5) D. h. des ursprflnglichen Buches von 50 Blättern, in welchem das 
jetsige B1.56 als »BL 35« zu paginieren wäre, und das jetsige B1.93 als »B1.44«. 

6) Jetst Bl. 56 ff. 

7) Jetat BL ^3 ff. 



Beilage L 129 

Malen mosste neu geheftet werden, wobei die ursprüngliche Reihen- 
folge der Blätterlagen nur allzuleicht in Unordnung gerieth. Es 
kann daher nicht befremden, wenn der Inhalt im Ghrossen und Gänsen 
uns keine chronologische Ordnung darbietet^). Erst später, im 

s XVI. Jahrhundert, erhielt das Buch eine Paginatur^j, und der jetzige 
Einband, der die Aufschrift «Ordnungen und Verträge« trägt, stammt 
erst aus dem vorigen Jahrhundert. Nur unter dieser letzteren Be- 
nennung war das Buch seither den Qeschichtsforschem bekannt'), 
während der alte Name des Liber diversarum remm schon längst 

n in völlige Vergessenheit gerathen war. 

In der ersten Zeit seines Bestehens, d. h. bis gegen 1438, 
wo das Oeffiiungsbuch angefangen wurde, scheint dieser Liber di- 
versarum remm als eine Art Rathsmanual gedient zu haben, d. h. 
vorzugsweise zur Eintragung der laufenden Geschäfte. Deshalb finden 

» wir hier, neben allerlei Ordnungen^], Verträgen, Berichten^) u. dgl., 
auch jeweilen die zu beschickenden Rechtstage, die Instructionen 
für Gesandtschaften, auch Abrechnungen, Ernennungen, Kund- 
schaften, Klagschriften und andere Aufzeichnungen dieser Art. Seit 
1438 jedoch nehmen die Eintragungen zusehends ab, und die letzten 

30 derselben, welche den Zeitraum von 1447 bis 1463 umfassen, füllen 
keine 10 Blätter <^). 

g) Die Oeffnungsbücher. 

Noch mehr als der liber diversarum remm war das Oeffnungs- 
buch, das 1438 theüweise an dessen Stelle trat, zur Eintragung der 

25 laufenden Geschäfte bestimmt. Hier finden wir daher die Tractanden- 
verzeichnisse zu den Sitzungen des Raths, die Vormerkung der zu 
beschickenden Rathstage, die zu den einzelnen Geschäften bestimm- 
ten Ausschüsse und Abordnungen, sowie auch die regelmässig neu 
zu wählenden Collegien der Siebner ^), Dreizehner u. s. w., imd 

30 endlich noch die Bewerber um jedes erledigte Amt , sammt den 
Namen der Erwählten. Nicht minder wurden in dieses Buch auch 
die Bürgeraufnahmen und die Leistungsurtheile eingeschrieben, ob- 
schon die ersteren nach wie vor im Rothen Buche, und die letzteren 

I 

1) Der letzte Theil, die Jahre 1437—1463 umfassend, findet sich in der 
Mitte des Bandes, BL 59—114. 

2) Nach Blättern. Bei der späteren Erneuerung des Einbandes wurden 
Bl 117 und 131 verwechselt, so das« jetzt Bl. 117 hinter Bl. 130, Bl. 131 aber 
hinter BL 118 sich findet. 

3} Deshalb wird es auch in den früheren Bänden der B. Chron. nur unter 
diesem Namen angeführt, so z. B. Bd. III, 552. 

4) Auch aus filterer Zeit, d. h. vor 1417, findet sich hier auf Bl. 169 das 
Stadtrecht von Liestal, von 1411 ; s. Schnell, Rechtsquellen No. 604. 

5} So namentlich über den Feldzug von 1424 und über den Zweikampf 
von 1428 ; s. oben S. 28 ff. und 40 ff. 

6) BL 97—105. 

7) Die Siebnerveneichnisse bei Schönber^ S. 801 ff., bis 1482 reichend, 
sind nicht dieser Quelle entnonmien, sondern emsig den Rechnungsbüchem. 

Basier CluroBiken. IV. 9 



1 30 Rathsbücher. 

noch bis 1465 im Leistungsbuche ihre bleibende Aufzeichnung 
fanden. Dasselbe gilt auch von den BQrgerrechtskÜndungen, welche 
bisher nur im Leistungsbuche , seit 1438 aber sowohl im Oeffnungs- 
als auch im Rothen Buch eingetragen wurden. Die Absagen hin- 
gegen, und ebenso die minder wichtigen Rathserkanntnisse , für 5 
welche beide bisher das Leistungsbuch gedient hatte, gelangten 
fortan nur noch ins Oeffhungsbuch ^) . Hier wurden auch, neben 
einzelnen historischen Notizen, alle mündlich vor Rath gepflogenen 
Verhandlungen mit Auswärtigen aufgezeichnet, und ebenso die pe- 
riodisch wiederholten Berechnungen des Brodpreises u. dgl. m. lo 
Ausserdem aber diente dieses Buch, je nach den Umständen, noch 
zu mancherlei Eintragungen verschiedenster Art, so namentlich in 
Kriegszeiten zu allerlei Notizen und Verzeichnissen über Söldner, 
über Gefangene, über Beute u. s. w. 

Dieser mannigfaltige Inhalt der Oeffnungsbücher blieb im is 
Wesentlichen derselbe, bis 1482 das Erkanntnissbuch angelegt 
wurde, in welches allein fortan alle Rathserkanntnisse gelangten, 
so dass ihre fernere Eintragung in's Oeffnungsbuch entbehrlich 
wurde. Statt ihrer finden wir in letzterem Buche seit 1490 die 
alljährlichen Rathsbesatzungen, welche bis 1473 in's Leistungsbuch, 20 
aber nachher nur auf lose Blätter waren geschrieben worden. Im 
Oeffnungsbuche wurden sie fortgeführt bis 1523^ wo das nach seinem 
Einbände so genannte Schwarzbuch angefangen wurde, welches fortan 
zur Eintragung sowohl der wichtigeren Erkanntnisse als auch der 
Rathsbesatzungen diente. 25 

Für den Zeitraum von 1438 bis 1530 bildet das Oeffnungs- 
buch 7 Bände gross Quart ^), von welchen einzig Bd. V seinen alten 
Pergamentumschlag verloren hat. Die Paginatur, welche in Bd. I 
und n nach Seiten, und in den übrigen nach Blättern zählt, ist 
durchweg modern — mit einziger Ausnahme von Bd. VII, wo sie ."to 
noch in's XVI. Jahrhundert hinaufzureichen scheint. Der Umfang 
der einzelnen Bände schwankt zwischen 112 und 240 Blättern, und 
der Zeitraum, welchen jeder umfasst, zwischen 4 und 10 Jahren. 
Eine Ausnahme bildet jedoch der schon erwähnte Bd. VII, der für 
sich allein die Zeit von 1490 bis 1530 umfasst und im Ganzen 35 
292 Blätter zählt. 

Es entspricht dem Zwecke dieser Bücher, dass die verschieden- 
artigen Eintragungen nicht nach Rubriken gesondert sind, sondern 
einfach so, wie sie nach der Reihenfolge entstunden, eine einzige 
fortlaufende Reihe bilden. Immerhin finden wir in jedem dieser 40 
Bände entweder die vordersten oder die hintersten Blätter zu be- 
sondern Aufzeichnungen verwendet, und namentlich sind es die 
Ausschüsse der Siebner und der Dreizehner, welche je weilen 3 Mo- 
nate oder das ganze Jahr im Amte blieben und deshalb in der 

1) Nur bis 1440 wurden einzelne Erkanntnisse zugleich noch in's Lb. 
geschrieben; s. Lb. II, 119— 120b. 

2) Die späteren Bände, nach 1530, berühren uns hier nicht. 



Beilage I. 131 

Regel an dieser gesonderten Stelle eingetragen wurden. Wenn nun 
Bd. I (1438 — 1449} hierin scheinbar eine Ausnahme macht, so 
rahrt dies wesentlich daher, dass dieser Band bei seiner ursprüng- 
lichen Anlage, d. h. 1438, noch nicht seinen jetzigen Umfang hatte, 

5 sondern während der 10 Jahre seines Gebrauches zu wiederholten 
Malen durch Einheften neuer Blfttterlagen erweitert wurde ^] . Diess 
ist der Qrund, warum wir hier die chronologische Ordnung des 
Inhalts durch S. 354 — 393 unterbrochen finden ^j. Den urspitlng- 
lichen Schluss des Bandes bildete S. 393, und deshalb finden sich 

10 auch gerade hier die Verzeichnisse der Siebner für 1438 und die 
folgenden Jahre 3). Bei den übrigen B&nden bemerken wir keine 
solche successive Erweiterung des Umfangs. Hingegen wurde dem 
Bd. VII wohl schon frühe ein Kalender beigebunden, der schon 
1478 auf 4 Pergamentblätter war geschrieben worden. 



1^ IL 

Die Stadtschreiber, Rathschreiber 
und Substitute bis 1550. 



Wie das Bürgermeisterthum, so finden wir auch das Amt eines 
Stadtschreibers in Basel nicht vor der Mitte des XIII. Jahrhunderts 

tt erwähnt^ Hundert Jahre später , zur Zeit des grossen Erdbebens, 
erscheint neben dem Stadtsohreiber bereits auch dessen »Schüler«, 
d. h. ein von der Stadt bezahlter Gehilfe^). Wesentlich besser ge- 
stellt als dieser letztere war der Unterschreiber — eine Beamtung, 
welche erst 1382 geschaffen wurde, also erst in Folge der bleibenden 

25 Zuziehung der Zunftmeister zum Rath ^) . Es gehörte zur Amts- 
pflicht des Unterschreibers, dem Stadtschreiber in allen Arbeiten zu 
helfen, und deshalb musste er ihm auch Gehorsam schwören^). 
Während der Stadtschreiber der höchstbesoldete Beamte der Stadt 

1 ) Die verschiedenen Erweiterungen unterscheiden sich schon durch die 
Wasserzeichen ; als solches erscheint im ursprünglichen Buche Ton 1438 eine 
Traube, in der ersten Erweiterung von 1444 ein St. Katharinenrad, in der fol- 
genden eine Kuh, u. s. f. 

2} S. 354—373 gehören zur ersten Erweiterung von 1444, aber S. 374--d93 
zum nrsprün^chen Buche von 1438. 

3} Die Fortsetzung dieser Verzeichnisse findet sich S. 181 für 1443 — 1447, 
und S. 353 für 1448 und 1449. 

4) 8. die Besoldungaliste im Rh. 258. 

5) S. hierüber Ochs II, 263. 

6) S. den Amtseid, im Eidbuch I, 2 und 43. 

9* 



132 Rathsbacher. 

war, betrug das Gehalt des Unterscbreibers nicht viel mehr als die 
Hälfte *). Beide aber wurden alljährlich — wenigstens noch 1410 — 
Yom Rathe gekleidet, und zwar in den Stadtfarben, wie die Raths- 
knechte, doch Ton feinerem Tuch als diese, und im Winter mit 
Pelzfutter 2) . Der Stadtschreiber, als Vorgesetzter des Unterschreibers, & 
wurde zuweilen auch »Oberschreibert genannt^) , beide zusammen 
aber J»die Rathschreibertr. Diesen letzteren Titel gab man von An- 
fang an auch dem Unterschreiber, so oft er allein fungierte, also 
namentlich auswärts, auf Rechtstagen u. dgl.; aber erst gegen Ende 
des XV. Jahrhunderts wurde dieses sein stehender Titel, so dass lo 
wir ihn fortan auch neben dem Stadtschreiber in der Regel als 
»Rathschreiber« finden'*) — eine Benennung, welche bis in unser 
Jahrhundert sich erhalten hat'^). 

Neben dem Rathschreiber arbeitete als zweiter Gehilfe des 
Stadtschreibers dessen schon erwähnter »Schüler«, der unter diesem 15 
Titel noch 1430 erscheint^), nachher aber als »des Stadtschreibers 
Knechte^). Da er in lateinischen Urkunden als »substitutus protho- 
notarii« bezeichnet wurde ^], so finden wir ihn ausnahmsweise schon 
um 1440 auch in einer deutschen Aufzeichnung »Substitute ge- 
nannt^). Es vergieng jedoch ein Menschenalter, bis dieser lateinische 20 
Titel in Basel sich völlig einbürgerte; denn erst seit 1468, wo der 
Westphale Gerhard Megkynch Stadtschreiber wurde, finden wir in 
den Rathsbüchem statt des bisherigen »Knechtes« nur noch den 
»Substitut« erwähnt ^^]. Während nun Stadtschreiber und Rath- 
Schreiber ihre eigenen Häuser hatten , war dieser dritte Schreiber 2& 
verpfiichtet, im Rathhause zu wohnen, um bei Feuersgefahr die 
Kassen und das Archiv zu retten ^^). Während die Unterschreiber 
in der Regel die Amtsnachfolger ihrer Vorgesetzten wurden, war 
dies bei den Substituten nur selten der Fall. Aus diesem Grunde 
lassen wir sie nachstehend in einem besonderen Verzeichnisse folgen, 30 
während wir die Stadtschreiber und Unterschreiber in eine gemein- 
same Reihenfolge zusammenfassen. 

Da es sich hier nur um ein Verzeichniss handelt, welches den 

1) S. die Besoldun^listen im Rh. 258 und 86, auch Schönberg 559. 

2) S. die ErkanntniBB von 1397 und die Besoldungsliste von 1410, beides 
hn Rb. 261 und 86. 

3) So z.B. 1397;g. Rb. 261. 

4) Ich finde ihn in diesem Sinne nicht vor 1499. 

5) D. h. bis zur Verfassungsrevision von 1875, welche eine völlige Um- 
gestaltung der Kanzlei zur Folge hatte. — Aus dem Stadtschreiber war schon 
1803 ein »Staatsschreibera geworden, der übrigens 1875 gleichfalls aufhörte. 

6) S. die Besoldungsliste d. J., bei Schönberg 560. 

7) S. z. B. Jahrrechnungsb. m, 548, z. J. 1453. — Schon früher heisst er 
hie und da: des stattschribers diener ; s. z. B. Jahrrechnungsb. 11, 155, z. J. 1413. 

8) S. z. B. Stadt Urk. 1443 Sept 4. 

9) Im Eidbuch I, 48. 

lU) Vgl. im Jahrrechnungsb. IV (noch ohne Paginatur) die Rechnunfren 
von 1467 und 1468. 

11) S. seinen Amtseid, im Eidbuch I, 48. 



Beilage U. 133 

Xamen und die Amtsdauer jedes Schreibers angeben soll, so mussten 
wir auch bei den späteren Stadtschreibem, über welche mehr Nach- 
richten vorliegen, aaf eine eingehende Beschreibung ihrer Wirksam- 
keit verzichten. Aus diesem Grunde sind Männer wie Konrad Kienlin, 
s Gerhard Megkynch und andere mehr , welche auf mancher aus- 
wärtigen Sendung der Stadt gute Dienste leisteten, hier ebenso kurz 
erwähnt wie solche, von deren Thätigkeit wirklich nicht viel zu 
sagen ist. Auch ist unter all diesen Stadtschreibem Nikiaus Rüsch 
bis jetzt der einzige,« über welchen wir auf eine Monographie ver- 
10 weisen können ^]. Angesichts der vielfachen Lücken aber , welche 
unser Verzeichnis« selbst in Hinsicht der Amtsdauer manches Stadt- 
schreibers noch aufweist, können wir nur wünschen, dass es Andern 
mit der Zeit gelingen möge, sie auszufüllen. 

a) Stadtschreiber und Rathschreiber. 

15 Burchardus erscheint in Urkunden als Stadtschreiber von 

1250 bis 1279 2). Obschon er 1279 als Vater zweier e wachsener 
Töchter erscheint ^)^ so gehörte er doch schon 1250 zum geistlichen 
Stande und versah neben der Schreiberei in Basel zugleich das Amt 
eines Leutpriesters in Pratteln ^) . In späteren Jahren war er Chor- 
ito herr bei St. Peter; aber 1296 lebte er nicht mehr*). 

• 
Johannes Parcifal erscheint als Stadtschreiber 1302^) und 
stiftete zu St. Peter ^) seine Jahrzeit, sowie auch eine Kaplanspfründe. 

Wernher von Birkendorf erscheint als Stadtschreiber von 
1342 bis Ende 1360^), wo er wahrscheinlich sein Amt niederlegte, 
a Ihm verdanken wir die Anlage des Rothen Buches und die Auf- 
zeichnung über das Erdbeben von 1356^). 

1) Von Karl Bemoulli, in B. Chron. III, 275 ff. 

2] 1250 heisst er notarius civiumBasilienBium, 1262 notarius universi- 
tatia Basüiensis, und 1279 notarius civitatis Basiliensis. S. im Basier Staats- 
arehiv, Stadt. Urkunden 1250 Mai 25 und 1262 Dec. 4, femer im Kreisarchiv 
zu Colmar eine Urk. vom 22. Sept. 1279. 

3) Sie waren Nonnen im Kloster zu Blotzheim; s. die Urkunde vom 
22. Sept. 1279. 

4) S. Stadt. Urk. 1250 Mai 25. 

5; S. im St. Archiv, St. Peter, Urk. No. 354, vom 6. Aug. 1296. 

6) Stadt. Urk. 1302 Jan. 27. 

7} S. im St. Archiv, St. Peter, Bd. B, Bl. 61b, und Bd. YY I, Bl 10. 

8; S. im St Archiv, Predigerkloatcr, Urk. No. 330, vom 29. Oct. 1342 
(im Auszuge bei K. Vischer-Merian, H. Seevogel S. 11 ], ferner Stadt Urk. 1358. 
K&rs 7. Die letzte Eintragung von seiner SLand, im Rothb. S. 25, ist vom 
30. Dec. 1360. Ein Jahr sp&ter, zum 10. Dec. 1361, wird sein zwischen der 
St Alban- und Aeschenvorstadt gelegenes Haus noch erwähnt, ohne dass er 
als ein Verstorbener bezeichnet würde; er lebte also damals noch. S. St. Archiv, 
St Leonhard No. 487. 

9) S. oben S. 17. 



134 Rathsbüeher. 

Johann von Altdorf^) war StadtscliTeiber von 1361 bU 
1382 2). Xls in letzterem Jahre die Stelle eines Unterschreibers 
geschaffen und dem Johann Varnower verliehen wurde, gerieth 
er in seinem Hause »zum Hasen a^) mit seinem neuen Collegen in 
solchen Streit, dass er ihn erstach. Er wurde deshalb am 5. Nov. & 
d. J. auf 5 Jahre verbannt^), kehrte aber später wieder nach Basel 
zurück, wo er am 24. Aug. 1390 starb und im Ereuzgang des 
Münsters begraben wurde*). Wie der ermordete Varnower, so hinter- 
liess auch er eine Wittwe sammt einem Sohne Johann^}, der den 
Beinamen »Schriberc führte^). lo 

Johann Erhard, gen. RStli, war 1374 Schreiber auf der 
bischöflichen Kanzlei und erkaufte als solcher 1378 das Bürger- 
recht 8). Er war Stadtschreiber von 1383 bis 1404, wo er sein 
Amt niederlegte®}. Er starb am 16. Juli 1408, nachdem er schon 
früher für sich und seine Frau Eisina im Münster eine Jahrzeit 16 
gestiftet hatte ^0). Unter ihm wurde 1388 die Urkundensammlung 
des Grossen Weissbuches angelegt ^^). 

Konrad Wyenhart von Ueberlingen, der 1390 als Unter- 
schreiber erscheint ^^j, folgte in dieser Stelle vermuthlich schon 1 382 
auf Johann Varnower. 2a 

Konrad Kilwart von ELiensheim folgte auf Wyenhart schon 
1391^^] und verdiente als Unterschreiber sein Bürgerrecht 1393 auf 
dem Zuge nach Muttenz^^). Nach dem Rücktritte Erhards zum 

1) Altdorf ist der deutsche Name von Bassecourt, westlich von Delsberg. 

2) Die Eintra£[ungen von seiner Hand beginnen mit 1361 ; s. Rothb. 26. 
Schriftproben von semer Hand s. bei R. Thommen, Schriftproben des XIV. — XVI. 
Jahrhunderts, Tafel 1. 

3) Neben dem Rathhause, Marktplatz No. 2. 

4) S. Lb. I, 102t>, sowie auch die Basler Anna]en z. J. 1382 bei Brilinger, 
im Cod. Zurlauben No. 37, Bl. 107^ in der Kantonsbibliothek in Aarau. 

5) Trouillat IV, 815. 

6) S. ebend., auch Lb. 11, 13*». — Uebcr Vamowcrs Sohn s. Lb. I, 107 
und Lb. II, 30^. — Ein anderer Hans Varnower, Sohn des Stadtschreibers von 
Freiburg i. B., verdiente 1409 vor Istein das Bflrfferrecht; s. Rh. 269. 

7) Dieser Beiname vererbte sich auf seine rfachkommen ; s. Stadt. Urk 
1420 Nov. 18 und 1442 Juli 24. 

8) Boos, Urkundenb., S. 434, und Rb. 321. 

9) Stadt. Urk. 1386 Nov. 7, und Steuerrodel von 1401. bei Vischer-Merian, 
Seevogel, 80. In den Jahrrechnungen reicht seine Hand von 1383 bis 1404. 
Aber. 1405 hatte er bereits einen Nachfolger; s. unten S.. Kilwart. 

10) S. im St. A. das Jahrzeitbuch des Münsters, z. 16. Juli, abgedruckt bei 
Trouillat V, 726. 

1 1 } S. oben S. 1 22. — Eine Schriftprobe seiner Hand, aus der Jahrrech- 
nung von 1396, B. bei R. Thommen, Schriftproben des XIV.— XVI. Jahr- 
hunderts, Tafel 4. 

12) Stadt. Urk. 1390 Febr. 14. 

13) Stadt Urk. 1391 JuH 8. 

14) Rb. 309. 



Beilage IL 135 

Stadtsehreiber ernannt, legte er 1405 daa Kleine Weissbuch^) an, 
für welches er 1406 vom Rath eine Belohnung von 20 Ib. erhielt^]. 
Er starb am 10. August 1411 3). 

Konrad Steinegker folgte auf Kilwart als Untersebreiber 
5 und verdiente 1406 sein Bürgerrecht auf dem Zuge gegen Pfeffingen^). 
Nach Kilwarts Tode Stadtschreiber geworden, starb er zwischen 1425 
und 1429^). Unter ihm wurde 1417 das Ruf buch und der liber 
Diversarum Rerum angelegt^). Auch sind von seiner Hand im 
Rothen Buche die Feldzüge von 1412 und 1425 beschrieben^. 

10 Johann Ulrich Rech er folgte auf Steinegker als Unter- 

sebreiber wahrscheinlich schon 1411, erscheint jedoch urkundlich 
nur zum 11. August 1417 im Amte^), und nachher nicht mehr. 

Johann von Bingen verdiente sein Bürgerrecht im Januar 
1412, auf dem Zuge gegen Fürstenberg. Er war jedoch damals 

IS nur des Stadtschreibers j»Schüler« oder »Diener« und wurde deshalb 
noch in keine Zunft aufgenommen, sondern nur unter den nicht- 
zünftigen Bürgern eingeschrieben^]. Erst 1418 folgte er auf Recher 
ala Untersebreiber^^), und 1425 wurde er nach dem Zuge gegen 
Hericourt in die Zunft der Weinleute aufgenommen ^i). Als Stadt- 

30 Schreiber erscheint er urkundlich von 1429 1^) bis 1447 ^^j, also in 
den für Basel so bedeutungsvollen und vielbewegten Zeiten des 
Concils und des Krieges mit Oestreich. Unter ihm wurde 1438 
das Oeffnungsbuch angelegt*^) ; ebenso verdanken wir ihm jene 
Chronikalien , welche aus der Zeit von 1417 bis 1431 im Liber 

25 Diversärum Rerum und im. Ruf buche sich finden ^^). 

1) Eine Schriftprobe seiner Hand, aus diesem Buche, s.bei R.Thommen, 
Schriftproben des XlV.— XVI. Jahrhunderts, Tafel 6. 

2) S. oben S. 124. 

3) S. im St Archiv, Jahrzeitb. St Martin A, Bl. 112. 

4) Bb. 289. 

5} Als Stadtschreiber erscheint er in Stadt. Urk. 1413 Oct. 13, und hn 
Missivenb. UI, 79, zum 27. Januar. 1425. Auch ist der Zug gegen H^ricourt, 
vom Nov. 1425, noch von seiner Hand beschrieben ; s. Rh. 245 E. Hingegen 
ist von 1425 an keine Jahrrechnung mehr von ihm, und 1429 lebte nur noch 
seine Wittwe und ihr Kind; s. Schönberg 531. 

6) S. oben S. 128 ff. 

7) S. oben S. 24 und 35 ff. — Eine Schriftprobe seiner Hand, aus 
Miflsivenbuch I, s. bei Thommen, Tafel 7. 

8) S. das Urtheilbuch von Gross-Basel, im Gerichtsarchiv. 

9) S. Rb. 350 und vgl. Jahrrechnungsb. II, 155, z. J. 1413. 

10) Stadt Urk. 1418 Sept 27. 

11) Rb. 246. 

12) Liber Div. Rerum 168^ Er heisst dort nur Johannes. 

13) Stadt Urk. 1446 Auff. 1. Im Missivenb. V, 23 reicht seine Hand bis 
16. Oct. 1447, und im Nov.d. J. hatte er bereits einen Nachfolger; s. Ob.I, 316. 

14) S. oben S. 129 ff. 

15) S. oben S. 26 ff^ — Schriftproben von seiner Hand, aus dem Rufb. I 
und aus dem Steuerbuch von 1429, b. bei Thommen, Tafel 9 und 10. 



136 Rathsbücher. 

Johann Zwinger, der freien Künste Baccalanreut, ersckeint 
als Unterschreiber urkundlich nur z. J. 1431^]. So wenig wir 
nun wissen, wie lange er diese Stelle behielt 2), so ist doch sicher, 
dass die Stadtchronik von 1439 3) nicht von seiner Hand geschrieben 
ist. Denn die Hand dieses unbekannten Schreibers Ton 1439 er- & 
scheint in den Rathsbüchern zwar bis 1443, aber nirgends Tor 
1432 4). Vermuthlich hatte also Zwinger einen Nachfolger &), welcher 
bis 1443 das Amt des Unterschreibers bekleidete und 1439 im 
Rothen Buche die Stadtchronik schrieb, dessen Namen wir jedoch 
nicht kennen. - lö 

Eonrad Kienlin arbeitete schon 1438 auf der Kanzlei als 
des Stadtschräibers Schüler <^). Er erseheint urkundlich als Unter- 
schreiber seit 1443^ und folgte auf Johann von Bingen als Stadt- 
schreiber im Nov. 1447®). Als Unterschreiber wirkte er mit bei 
den Unterhandlungen mit dem Dauphin, welche am 28. Oct. 1444 15 
den Frieden von Ensisheim herbeiführten^). Als er hierauf nach 
geschlossenem Frieden neuerdings ausgesandt wurde, um für die 
Stadt Korn zu kaufen, wurde er von den Armagnaken gefangen 
genommen und nach Altkirch geführt, bis er sich um 200 Gulden 
loskaufte ^<)) . Wie 1444 zu Ensisheim,. so finden wir ihn 1446 unter 20 
den Vertretern Basels an der Colmarer Richtung >^), und ebenso 1449 
zu Breisach 1^). Er erhielt deshalb vom Rath am 7. Sept. 1450 ein 
Geschenk von 100 Gulden »umb syn trüwe dienste, die er der 
statt zu Colmar im rechten und hie geton hatte c^'). Ebenso war 
es Kienlin, der im August 1459 nach Mantua gesandt wurde, wo 25 
er Pius 11 . für Basel um das Privilegium bat, in dieser Stadt eine 
Universität errichten zu dürfen ^*) . Um diese Zeit oder später, d h. 
jedenfalls erst nach 1457, stiftete er bei St. Peter auf den 22. Nov. 
eine Jahrzeit für sich, seine Frau Ennelina und seine zwei Söhne 

1) Stadt Urk. 1431 Juli 2. 

2] Die Hand, welche wir für diejenige Zwingers halten, reicht in den 
Rathsbüchern von 1426 bis 1437 ; s. B. Chron. HI, 552. 

3) S. oben S. 44 ff. 

4) S. z. B. die Jahrrechnungen von 1434 bis 1443. 

5) Die ersten Jahre, bis 1437, mag dieser spätere Unterschreiber die 
Stelle des Schülers bekleidet haben, wie auch sein Nachfolger Konrad Kienlin 
seit 1438 als Schüler arbeitete und erst seit 1443 als Unterschreiber; s. unten. 

6) Wenigstens finden wir seine Hand in den Rathsbüchern seit 1438 ; 
s. oben S. 52. 

7) Stadt. Urk. 1443 Oct. 23. 

8} Ob. I, 316. Seine Ernennung erfolgte wahrscheinlich am 22. Nov.; 
s. unten S. 137 Anm. 1. 

9) Eids. Abschiede U, S. 180. 

1 0) Ob. 1, 362, femer das Protokoll der Cobnarer Richtung, BL 1 1 2^ und 7 1 3 . 

1 1) Colmarer Richtung 9^ 

12) Beinheim, Bl. 23b. 

13) Ob. n, 72. 

14] W.Vischer, Gesch. der Universität Basel, S. 14 ff. 



Beilage H. 137 

Hieronymus und Georg ^). Für den einen dieser Söhne bewarb er 
sieh beim Rath 1463 um die Pfründe der Kapelle zum hl. Kreuz 
Tor dein Spalenthor 2). Im März 1468 aber legte er sein Stadt- 
schxeiberamt nieder') und wurde selber Kaplan der Kapelle zum 
5 Elenden Kreuz vor dem Riehenthor ^). Sein Todesjahr ist un- 
bekjomt^). Von seiner tiand sind in den Rathsbüchem verschie* 
dene Chronikalien aus den Jahren 1438 — 1461*). 

Gerhard Megkynch, Ton Buchholz in Westphalen, erchein t 
in Basel im Concil seit 1445 als »causarum notarius seu procurator«^). 
]d£r folgte auf Kienlin im Nov. 1447 als Unterschreiber ^), und am 
23. MStz 1468 als Stadtschreiber d). Nach 6 Jahren jedoch, im 
Herbst 1474, legte er dieses Amt nieder ^o), und es ist ungewiss, 
wie lange nachher er noch lebte. Von seiner Hand finden sich 
allerlei Chronikalien in den Oeffnungsbüchem^*). 

13 Walther Boumgarter von Basel , der am 28. März 1468 

Unterschreiber wurde ^2), hatte einen vielbewegten Lebenslauf. Er 
war zu Rheinfelden ansässig, als diese Stadt am 23. Oct. 1448 über- 
fallen wurde, und blieb dort in Hans von Rechbergs Gefangen- 
schaft, bis er auf den 6. April 1449 ein Lösegeld von 250 Gl. zu 

7& zahlen gelobte, das ihm theilweise vom Rath von Basel gegen Unter- 
pfand geliehen wurde ^^). Nach Basel zurückgekehrt, bekam er Streit 
und verwundete einen Bürger, so dass er am 16. Juni 1449 auf 
5 Jahre verbannt wurde ^^). Er scheint jedoch vom Rathe bald wieder ^ 
begnadigt worden sein und sogar ein Amt erhalten zu haben. Denn 

25 zum 4. Nov. 1454 erfahren wir, dass er an diesem Tage sein 
Büigerrecht gekündet und »sein Amt« aufgegeben habe^^). Später, 

1) St. Peter, Jahizeitb. F. zum 22. Nov. Vermuthlich war es dieser Tag, 
an welchem er 1447 zum Stadtschreiber war ernannt worden. — Er wohnte 
1453 auf dem Nadelberg; 8. Schönberg 629. 

2) Ob. in, 161. — Ueber diese Kapelle s. Fechters Top. 145, Anm. 4. 

3) Am 23. März wurde sein Nachfolger ernannt ; s. unten. 

4) Stadt Urk. 1468 April 30. —Ueber diese Kapelle s. Fechters Top. 135 
und B. Taschenb. 1856 S. 174 fi 

5) Er lebte noch im Dec. 1469; s. Ob. V, 34^. 

6) S. oben S. 52 ff. 

7] Stadt. Urk. 1445 Sept. 6 und 1447 Sept. 5. — In letzterer Urk. erscheint 
er bereits als Basler Bürger; doch finde ich im Rh. seine Aufnahme nicht. 

8) Ob. I, 316. — Laut OchsIII, 563 war er ein Schüler des Stadtschrei- 
bers »Winnerger« (Winverger? von wo?). 

9} S. oben S. 67. Er war zünftig zum Schlüssel und wohnte auf dem 
Nadelberg; s. das Verzeichniss von 1470 im Schlüsselzunftbuch II, 972, femer 
Schönbere 761. 

10) B. Chron. III, 278, Anm. 4 und 5. 
11} S. oben S. 55 ff. 

12) Ob. IV, 98b. 

13) Ob. I, 432 und Jahrrechnungsb. III, 470. Der Rath lieh ihm 200 OL 

14) Ob. I, 448. 

15) Ob. II, 250. — Er hatte vorher einen Prozess mit Hans Meyer von 
fiüningen; s. ebend. 126 und 234. 



1 38 Rathsbüeher. 

1461, erscheint er als Stadtschreiber von Rheinfelden^). Doch auch 
dort scheint er mit dem Rathe sich bald überworfen zu haben, so 
dass er bis 1469 mit dieser Stadt einen Prozess führte 2). In Folge 
dessen finden wir. ihn schon 1467 wieder in Basel, und zwar als 
Bewerber um das Gerichtschreiberamt, das er jedoch nicht erhielt 3). 5 
Bessern Erfolg hatte er, wie schon erwähnt, im Jahre 1468, wo er 
Unterschreiber wurde ^). In dieser seiner neuen Stellung fügte er 
sich dem Wunsche des Raths, indem er am 29. Nov. 1469 auf 
alle weiteren Schritte in seinem Prozess gegen die Stadt Rheinfelden 
verzichtete'^). Er erhielt dafür vom Rathe von Basel die förmliche lo 
Zusicherung, dass er seine Stelle als Unterschreiber immer behalten, 
oder im Falle von Krankheit oder Altersschwäche die Hälfte des 
Jahrgehalts und der Sportein als lebenslängliche Pension fortbeziehen 
solle. Seine Leistungen scheinen jedoch den Rath nicht völlig be- 
friedigt zu haben, da er ihn nach dem Rücktritte Megkynchs nicht i5 
zum Stadtschreiber beförderte, sondern Nikiaus Rüsch an diese 
Stelle berief^]. Mit 1480 aber trat der 1469 vorgesehene Fall ein, 
dass er pensioniert wurde, weil ihm »mergklich kranckheit zugevallenc 
war^. Er starb 1491 und wurde bei den Predigern begraben^). 
Von chronikalen Aufzeichnungen verdanken wir ihm den ersten 20 
Theil des Berichts vom Empfang Kaiser Friedrichs, im Oeffnungs- 
buche, z. J. 1473»). 

Nikiaus Rüsch ^^), ein Sohn des in Basel eingebürgerten 
Malers Nikiaus Rüsch gen. Lawlin von Tübingen ^^), war 1459 bis 
1474 Stadtschreiber von Mülhausen. Sowohl 1464 als 1467 hatte 2s 
er sich in Basel um die Gerichtsohreiberstelle beworben, doch ohne 
Erfolg ^^). Nach dem Tode Megkynchs aber wurde er im Sept. 1474 
als Stadtschreiber berufen und blieb in diesem Amte bis gegen Ende 
1496^^]. Kaum hatte er es niedergelegt, so wurde er bei der näch- 
sten Rathswahl, im Juni 1497, zum Oberstzunftmeister erkoren und 30 

1) St&dt. Urk. 1461 Aug. 27, wo auch sein Siegel. 

2) Ob. IV, 103 und V, 14, auch Rh. 151. 

3) Ob. IV, 85b. 

4) Um diese Zeit erscheint er auch als Mitglied der Zunft zum Schlüssel ; 
B. das Verzeichniss von 1470, im Schlüsselzunftbuch 11» 972. 

5) Rb. 161. 

6) Neben Rüsch erscheint auch Boumearter unter den Bewerbern; s.Ob. 
V, 122*>. — Ueber ihn s. nebenbei auch Knebel, in B. Chron. 11, 61. 

7) St&dt. Urk. 1480 Mail. 

8) Tonjola, Basilea sepulta 281. 

9) S. oben S. 69, Anm. 7. 

10) Ueber sein Leben handelt ausfiihrlich Karl Bernoulli, in B. Chron. III, 
275 S. und 638 ff. 

11) Ueber diesen Maler s. Daniel Burckhardt, Die Schule Martin Schon- 
gauers, S. 98 ff., auch Fechter, im B. Taschenb. 1856, S. 171. — 1453 lebte 
noch seine Wittwe ; s. Schönberg 608. 

12) Ob. IV, 40 und 85b 

13) Die letzte Eintragung von seiner Hand, im Ob. VII, 44b, igt vom Ende 
Oct. 1496. Im März 1497 erscheint er als »alter« Stadtschreiber; s. Ob. VII, 46b. 



BeüageU. 139 

blieb fortan im Käthe, tkeils in dieser Stellung , theils als Ratha- 
herr der Zunft zum Safran, bis an sein Lebensende. Er starb am 
21. Januar 1506 und wurde bei St. Peter begraben^}. Unter ihm 
wurde 1482 das Erkanntnissbuch angelegt^) und zugleich die Neu* 
s Ordnung des Archivs unternommen und durchgeführt^). Auch yer- 
danken wir ihm die letzten Chronikalien des Rothen Buches, über 
den Empfang Kaiser Friedrichs und Maximilians^). Die wichtigste 
historische Arbeit jedoch, die er hinterliess, ist seine Beschreibung 
der Burgunderkriege ^]. 

10 Nikiaus Meyer folgte vermuthlich schon 1480 auf Boum- 

garter. Wenigstens erscheint er als Unterschreiber von 1482 bis 
1499*]. Wie früher sein Vorgänger, so wurde auch er übergangen, 
als 1497 die Stadtschreiberstelle durch Rüschens Rücktritt frei 
wurde. Er ist wohl schwerlich identisch mit jenem Nikiaus Meyer, 

IS welcher um die Mitte des Jahrhunderts von seinem Vormund Hein- 
rieh von Beinheim erzogen wurde ^) und später den Feldzug von 
1475 mitmachte^), aber 1478 wegen einer Frevelthat Basel für 
einige Zeit verlassen musste^) und nachher der Vater des späteren 
Bürgermeisters Adelberg Meyer wurde ^^) . Ebenso ungewiss ist die 

20 Identität unseres Unterschreibers mit jenem altem Nikiaus Meyer, 
welcher in einer Urkunde vom 11. Juni 1456 als Substitut er- 
scheint und als solcher schon 1453 im Rathhause wohnte^'}. 

Lucas Seibach folgte auf Nikiaus Rüsch als Stadtschreiber 
von 1497 bis 1502"). 

35 JohannGerster wurde 1 4 8 2 als Substitut mit der Neuordnung 

des Archives betraut ^^) . Er wurde 1489 Gerichfschreiber **) und 1 502 

1) Tonjola 116. — lieber seine Nachkommen s. B. Chron. III, 281. 

2) S. oben S. 130. 

3) R. Wackemagel, in den Mittheilungen N. F. III, S. 7. 

4) S. oben S. 69 ff. — Eine Schriftprobe hieraus s. bei R. Thommen, 
Tafel 14. 

5} Herausgegeben von Karl BemoulH, als Beilage zu Knebel, in B. 
Chion. in, 275 ff. Vgl. oben S. 13. 

6) S. im Ob. YII die letzte Seite des Pergamentkalenders, wo 1482 aller- 
dings verschrieben ist in »1472«; femer s. StAdt. Urk. 1499 Oct 26. Eine 
Schriftprobe von seiner Hand, aus dem Ob., s. bei Thommen, Tafel 16. 

7) Schönberg 618, z. J. 1453. 

8) B. Chron. II, 225. 

9) B. Chron. HI, 195 ff. und 533 ff. ; s. femer W. Vischcr, in den Beitr. 
Xn, 227 ff. 

10) B. Chron. H, 225, Anm. 2. 

1 1} S. im St. Archiv den Band »Verschiedene Urkunden II«, Bl. 259, femer 
Schönberg 607. 

12) St&dt Urk. 1497 April 21 und 1502 Jan. 21. Schon im Aug. d. J. 
hatte er einen Nachfolger ; s. unten S. 140, Anm. 1. 

13) R. Wackemagel, a. a. O., S. 7. 

14) S. Gerichtsbesatzunsen von Gross-Basel. Ms. von Dr. Karl Stehlin, 
1887, im St Archiv, ferner Erkanntnissb. I, 205b z. J. 1501. 



140 Rathsbaeher. 

Stadtschreiber ^) , welches Amt er wahrscheinlich bis 1523 versah^). 
Auf ihn mag sich jene datumlose Orabschrift beziehen, welche noch 
im XVn. Jahrhundert in der Karthause zu sehen war: Sepultura 
m. Johannis Gerster de Kauffbüren'). 

Burkhard Baltenheymer folgte auf Nikiaus Meyer als 5 
Rathschreiber im August 1500 und erscheint als solcher noch 1501 ^].. 

Nikiaus Haller, früher Stadtschreiber von Mülhausen , wurde 
Rathschreiber im März 1508^) und erlang^ am 16. Sept. d. J. 
das Bürgerrecht®). Schon 1510 erscheint er zugleich auch als No- 
tarius der Universität^]. Nachdem er 1517 mit seiner Ehefrau lu 
Katharina Rieher im Münster seine Jahrzeit gestiftet^), starb er ver- 
muthlich 1519'). Von seiner Hand ist wahrscheinlich der Bericht 
über Bruder Fritschins Besuch, im Kl. Weissbuch*®). 

Kaspar Schall er von Strassburg wurde Rathschreiber im 
April 1519*1) und erhielt am 21. Sept. desselben Jahres das Bürger- 15 
recht geschenkt*^). Im Januar 1524*') wurde er Städtschreiber; 
jedoch verlor er seine Stelle am 1. Juni 1534, in Folge einer Klage 
des Herzogs von Würtemberg *^) . Vier Jahre später, am 12. Sept. 
1538, gab er sein Bürgerrecht auf*^) und verliess Basel für immer. 

Heinrich Ryhiner*®) von Brugg, der Stammvater eines noch 20 
jetzt blühenden Basler Geschlechts*^, erhielt schon 1518 das Bürger- 
recht geschenkt »umb siner getanen dienst willen« *s). Die Stelle 

1) Stadt. Urk. 1502 Aug. 9. 

2) Wenigstens war er noch 1521 im Amte; 8. Ob. VII, letzte Seite vor 
Bl. 1. Eine Schriftprobe von seiner Hand, aus dem Erkanntnissb. II, s. bei 
Thommen, Tafel 20, z. J. 1519. 

3) Tonjola 322. 

4) Ob. Vn, 14 und Stadt. Urk. 1501 April 2. 

5) Im März 1508 wurde die Rathschreiberstelle neu besetzt. Auf der 
Liste der Bewerber finden wir zwar keinen Haller, wohl aber den »statschriber 
von Mülhusenir, und da Haller schon im Sept d. J. als Rathschreiber erscheint, 
so kann wohl nur er hier gemeint seinl S. Ob. VII, 125^ und 129. 

6) S. ebend. Bl. 129. 

7J S. eine Aufzeichnung von Alban Oraf, welche jetzt im Bande Nn H 5 
der Universitätsbibliothek auf der Innenseite der Einbanddecke sich befindet. 

8) S. Wurstisen, Analecta 499, »ex instrumentis Summi Templi«. 

9) Im April 1519 wurde sein Nachfolger ernannt; s. unten K. Schaller. 

10) S. oben S. 92 ff. 

11) Ob. vn, 174b. 

12) Ob. VII, 177b. 

13) Ob. vn, 196b wonach im Febr. 1524 die Unterschreiberstelle frei war. 

14) Ob. Vm, 33. 

15) Ob. Vni, 56. 

16) Eine Schriftprobe, aus dem Erkanntnissb. II, s. bei Thommen, Tafel 20, 
z. J. 1524. 

17) Ueber seine nächsten Nachkommen s. Ochs, V. 416. 

18) Ob. VII, 171, z. 24. Juli. 



Beilage n. 141 

eines RathschreiberB, um die er sich 1519 neben Schallet bewarb ^) , 
erlangte er jedoch erst im Febr. 1524 als Schallers Nachfolger. 
Aach als Stadtschreiber folgte er diesem 1534 bis 1552. Als Rath- 
Schreiber legte er 1524 das sog. Schwarze Buch an^), und als Stadt- 
5 Schreiber 1534 das neue Eidbuch, dessen Vorrede einen Rückblick 
auf Basels Vergangenheit enthält^). 

s 

Hans Uebelin erscheint nur als Rathschreiber 1534 bis 
1540 4). 

Heinrich Falckner, Sohn des Oberstzunftmeisters Ulrich 
10 Falckner, wurde 1543 Rathschreiber, folgte 1553 auf H. Ryhiner 
als Stadtschreiber und starb am 1. Dec. 1566, nachdem er 1563 
von Kaiser Ferdinand in den Adelsstand war erhoben worden^). 
Sein Nachfolger als Rathschreiber und später als Stadtschreiber war 
jener Hans Friedrich Menzinger, dem wir die geschichtlichen Auf- 
15 seichnungen von 1559 bis 1563 im Kleinen Weissbuche verdanken^). 



b) Stadtschreibers Schüler und Substitute. 

Hermann, verbannt im Juni 1410 ^j. 
Johann von Bingen, 1412^]. 



20 Konrad Kienlin, vermuthlich 1438 bis 1443^) 

Johann Engelfried, 1443 1<>]. 
Niklavis Meyer, 1453 bis 1456^1). 



Johann, 1474 bis October 1476 ^3). 

Johann Harnesch von Wetzlar, October 1476 bis 1479. 



Johann Gerster, 1482 bis 1488^3). 



1) Ob. Vn, 174b. 

2) Ueber dieses Buch s. Schnell, Rechtsquellen I, S. VJLLL der Vorrede. 

3) Diese Vorrede abgedruckt in Brückners Ausgabe von WurstiBens 
Basler Chronik. — Seine Aufzeichnungen im Kl. Weissbuch s. oben S. 98 fL 

4} S. Aemterbuch, im St. Archiv. 

5) S. seine Grabschrift zu 6t Theodor, bei Tonjola 301 . — Sein Geschlecht 
blüht noch jetzt. 

6) S. oben S. 9 und 11. 

7) Lb. II, 59. 

8) S. oben S. 135. 

9) S. oben S. 136, Anm. 6. 

10) Stadt. Urk. 1443 Sept. 4. 

11) S. im St Archiv: »Verschiedene Urkunden«, Bd. U, 259, femer Schdn- 
berg 607 ; vsl. oben 8. 139. 

12) Ueber diesen Johannes, sowie über Job. Harnesch B.B.Chron. IH, 284, 
Anm. 2, femer unten die Beilage IV. 

13) S. oben S. 139. 



142 Rathsbücher. 

Cosmas Ertzberg, 1489 bis 14931). 

Marquard Müller von Pforzheim, 1503 bis 1505 ^). 
Hans Baumann, 1506 bis 1513'). 



Hans Jakob WUd, 1524«). 

Israel Aschenberger, 1540 bis 1554 ^). 



in. 

Die Bürgeraufnahmen lo 

im XIV. und XV. Jahrhundert. 



Das Bürgerrecht wurde in Basel entweder durch Kauf er- 
worben^), oder durch freiwilligen Kriegsdienst. Für die Aufnahmen 
ersterer Art diente seit der Zeit des grossen Erdbebens ein Theil 
des Rothen Buches unter der Aufschrift: »Emptores civilegii«^). is 
Diese Rubrik, welche bis 1488 beinahe ohne Unterbrechung fort— 
geführt wurde, umfasst nebenbei auch die wenigen FflUe, wo einzelne 
Personen wegen besonderer Verdienste das Bürgerrecht empfiengen^), 
und ebenso die auswftrts wohnenden Edelleute, welche nur unter 
besondem Bedingungen in*s Bürgerrecht aufgenommen wurden. Nur 20 
von 1395 bis 1409 diente für diese Ausbürger eine besondere Rubrik 
im Leistungsbuche, wie denn auch die gewöhnlichen Bürgeraufnahmen 
für die kurze Zeit von 1382 bis 1389 in dieses Buch geschrieben 
wurden. Zählen wir nun diese Eintragungen im Leistungsbuche 
mit^)', so ergibt sich für den Zeitraum vom grossen Erdbeben von 2S 

1) Stftdt. Urk. 1489 Juni 30 und Aemterbuch. — Von 1500 bis 1517 er- 
scheint er als Kaufhausschreiber; s. Ob. VH, 74 und 164^. 

2) Erkanntnissbuch I, 225^. 

3} Aemterbuch und Stfidt Urk. 1513 Aug. 26. 

4) Aemterbuch. 

5) Kl. Weissb. ISO. — Chronikalien von ihm s. oben S. 100 -ff. 

6) Ueber den Betrag dieser Taxe vgl. die Gesetze von 1362 und 1441, im 
Rb. 29 und 148, wovon Auszüge bei Ochs II, 443 und III, 565. 

7) S. obenS. 116 ff. 

8) Zu diesen gehören auch solche, welche ihr Bürgerrecht auf einem 
Zuge verdient hatten, aber erst sp&ter sich zur Aufnahme meldeten, wie z. B. 
1 394 jener Michel von Hagenau ; s. oben S. 2 1 . Doch kommen solche FfiUe nuv 
im XIV. Jahrhundert vor, später nicht mehr. 

9) Sie umfassen 41 Ausbürger und 24 Aufnahmen von 1382 bis 1389; 
8. Lb. n, 151—152, und Lb. 1, 139b und 131^—132. 



Beilage lU. 143 

1356 bis zu Anfang d. J. 1488 — vereinzelte Schenkungen in* 
begriffen — in runder Zahl ein Zuwachs von 1200 Bürgern, welche 
Ihr BOrgerrecht durch Kauf erwarben. 

Für die ersten 30 Jahre nach dem Erdbeben, d. h. bis 1386, 
sbeCrftgt die Qesammtzahl der Aufgenommenen 94, also im Durch- 
schnitt j&hrlich nur 3. Auch in der Folgezeit, wo dieser Durch* 
schnitt auf 11 steigt, finden sich nur wenige Jahre, welche die 
Zahl 20 erreichen oder übersteigen. Zun&chst sind es die Jahre 
1390 und 1392, in welchen sich 47, bezw. 73 neue Bürger zur 

it Aufnahme meldeten, und diess geschah ohne Zweifel in Folge der 
Rathserkanntniss vom 30. April 1390^). Diese Verordnung be- 
stimmte nämlich, dass die Söhne der bisher aufgenommenen Bürger, 
weiche bei der Aufnahme ihrer Väter das vierzehnte Altersjahr schon 
erreicht hatten, das Bürgerrecht erst dann besitzen sollten, wenn 

IS sie es selber erworben hätten. Weniger bedeutend war sodann der 
Zuwachs von 22 Bürgern im Jahre 1403, für den wir keinen be- 
sondern Grund kennen. Die 31 Aufnahmen von 1407 hingegen 
waren eine Folge davon, dass der Rath am 20. Mai d. J. be- 
scbloss, sich nachdrücklich aller derer anzunehmen, welche von den 

2D Ostreichischen Amtleuten am Rechte des »freien Zuges« (d. h. des 
Wegzugs nach Basel) gehindert würden 2). Ebenso kauften sich 
1437 wieder 30 Bürger ein, nachdem der am 31. Juli 1436 ge- 
schlossene Vergleich mit Oestreich dieses alte Recht aufs neue ge- 
währleistet hatte ^). Weit grossere Wirkung jedoch hatte das Gesetz 

25 vom 9. Januar 1441, welches die bisherige Einkaufstaxe von 10 
auf 4 Gulden ermässigte und zugleich die Aufnahmsgebühren der 
Zünfte beträchtlich verminderte *), In Folge dessen kauften sich in 
diesem Jahre 127 neue Bürger ein, deren Namen im Rothen Buche 
unter folgender Ueberschrift eingetragen wurden: »Dis sint burger 

»worden, n&chdem als burgrecht und die zunfte gelichtert, und er- 
kannt wart, yegklichs in Sünders umb vier guldin ze lihendea^). 

Diese Ermässigung verhinderte jedoch nicht, dass in der Folge 
eine Menge zugewanderter Handwerker zwar in eine Zunft sich 
einkauften, um ihr Gewerbe treiben zu kOnnen, hingegen es untei^ 

35 Hessen, sich um's Bürgerrecht zu bewerben. Um nun diesen Hinter- 
sassen den Einkauf zu erleichtem, wurde 1484 durch eine Raths- 

1) Diese Erkanntniss findet sich Lb. II, 6^, mitten unter den Ein- 
tragungen von 1392. Erst im letzteren Jahre wurden überdiess 11 unentgelt- 
Heh als Bürger eingeschrieben, welche sich auswiesen, dass ihre verstorbenen 
Väter vor Zeiten das Bürgerrecht durch Kriegsdienst erworben hatten; 
8. Lb. I, 131b. 

2) Lb. n. 52. 

3) Liber Div. Rerum 164. 

4) S. dieses Gesetz im Rh. 148, und im Auszüge bei Ochs III, 565. — Die 
firüheren Taxen der Zünfte s. im Liber Div. Rer. 56^. 

5) Rb. 192. — Aus der Fokrezeit bis 1484 sind nur noch die Jahre 1469 
und 1470 mit je 29 und 31 AufhiSunen durch Kauf zu bemerken; sie fallen in 
die Zeit^ wo die Willkür Peters von Hagenbach das Land rings um Basel mit 
Unzufriedenheit erfüllte. 



144 RathBbüoher. 

erkanntniss^) bestiinmt, dass künftig die Bürgerrechtstaxe von 4 Gl. 
in vierteljährlichen Raten von 1 Gl. dürfe abbezahlt werden. Zur 
Einschreibung dieser Abzahlungen wurde ein besonderes Buch an- 
gelegt (jetzt als »Protokoll über die Bürgerrechtsgebührenc bezeichnet) ; 
jedoch lockte diese Erleichterung nur 26 Bewerber an 3). GrOssem 5 
Erfolg hatte erst die Rathserkanntniss vom 4. Febr. 1488^, durch, 
welche alle Zünftigen angehalten wurden, binnen Monatsfrist das 
Bürgerrecht zu kaufen, jedoch ixnmerhin mit der Erlaubniss, mit 
den Ladenherren die Abzahlungsfristen zu vereinbaren. In Folge 
dieser Massregel Hessen sich in diesem Jahre gegen 300 neue Bürger lo 
in das eben erwähnte Bürgerrechtsprotokoll einschreiben^), und in- 
zwischen hörten im Rothen Buche die Eintragungen gänzlich auf^). 

Viel wichtiger jedoch, als diese Bürgeraufnahmen durch Kauf^ 
war für die Zunahme der Bürgerschaft jenes alte Herkommen, wo- 
nach jeder das Bürgerrecht unentgeltlich erlangen konnte , sobald 15 
er der Stadt freiwilligen Kriegsdienst geleistet hatte. Weitaus die 
meisten neuen Büi^er. erwarben ihr Bürgerrecht auf diesem letzteren 
Wege, indem sie unter dem Panner der Stadt auf irgend einem 
Kriegszuge freiwillig mitzogen. Schon 1333 auf dem Zuge gegen 
das Raubschloss Schwanau gab es solche , welche in dieser Weise 20 
das Bürgerrecht erlangten^), und von 1356 an sind uns die Ver- 
zeichnisse nahezu vollständig erhalten''). 

Die höchste Zahl solcher Bürgeraufnahmen« 573, weist der 
Zug von 1393 nach Muttenz auf — ein Zug, der nicht über die 
nächste Umgebung der Stadt hinausführte , und auf welchem kein 2s 
Feind sich blicken liess. Es ist diess zugleich der erste Zug, bei 
welchem die Aufgenommenen nicht mehr in's Leistungsbuch, son- 
dern in das kostbarere Rothe Buch geschrieben wurden^). Zehn 
Jahre später, nach dem zweiten Zuge gegen das Schloss Gemar, 
wurde am 26. April 1403 durch Rathserkanntniss bestimmt, dass 30 
alle diejenigen, welche das Bürgerrecht verdienen, auch unentgelt- 
lich in die Zunft aufzunehmen seien, in welche ihr Beruf sie weise ^) . 

1) S. Ochs V, 167 ff. Im Erkanntnissb. I finde ich z. J. 1484 hierüber 
nichts. 

2) Rb. 235. 

3) Erkanntnissbuch I, 78^. 

4) In unserer Zählung von 1200 Bürgeraufhahmen durch Kauf sind diese 
300 nicht mehr inbegriffen; s. oben S. 143. 

5) Die letzte Eintra^^ung ist vom 26. Febr. 1488 ; s. Rb. 238. 

6) Lb. I, 131b: meister Hans von £Bch der scherer, des vatter vor 
Swannowe burger wart — Auch bei der Belagerung von Zürich, 1354, wurde 
das Bürgerrecht verdient, und ebenso auf einem Zuge »zer De«, d. h. an die 
111; s. Rb. 318. — Ueber letzteren Zug, von 1355, s. Wurstisen 174 und Stumpff, 
Schweizerchronik XII, cap. 28. 

7) Es fehlt ein Blatt vor Lb. I, 123, mit dem Anfang des ersten Zuges 
(vor 1366), und ein Blatt vor Rb. 198, mit dem Anfang des Zuges von 1443 
gegen Laufenburg. 

8) S. oben S. 117. Auch erscheinen hier zum ersten Mal die Einge- 
schriebenen nach Zünften geordnet 

9) Lb. n, 43. 



Beilage III. 145 

Von dieser Zeit an finden wir daher bei jedem Zuge das Verseichniss 
der neuen Bürger nach Zünften eingetheilt ^) • Eine weitere Ver- 
ordnung, naeh den Zügen von 1415 erlassen, beschränkte anf vier- 
sehn Tage nach der Heimkehr die Frist, innert welcher die mit- 

ft gesogenen Freiwilligen ihren Ansprach auf das Bürgerrecht geltend 
maehen durften, und bestimmte zugleich, dass keiner in's Bürger- 
recht sollte aufgenommen werden, der nicht wenigstens einen 'Helm, 
einen Panzer und ein Paar Blechhandschuhe besftsse^. Auch diese 
Vorschrift wurde fortan wohl in der Regel gehandhabt — doch 

10 schwerlich in jenem Nothfalle von 1444, wo die mit flüchtigen 
Bauern angefüllte Stadt einer Belagerung durch den Dauphin ent- 
gegensah, und wo am 12. August durch öffentlichen Ruf das Bürger- 
recht jedem angeboten wurde, der heute Nachmittag auf dem Rath- 
hause sich einschreiben lasse und den Bürgereid leiste'). 

u Die 290 Bürger^), welche an jenem Tage aufjgenommen wurden, 

bildeten übrigens den letzten grossem Zuwachs, den die Bürger- 
schaft durch unentgeltliche Aufnahmen erhielt. Denn die Zeit der 
hftufigen Fehden, welche, zum Verdienen des Bürgerrechts so günsti- 
gen Anlass boten, hurten für Basel schon mit dem Breisacher Frieden 

ao Ton 1449 beinahe gftnzlich auf, und aus der Folgezeit sind es ausser 
den Buxgunderkriegen nur zwei Züge, Von 1461 jind 1489, auf 
welchen eine Anzahl neuer Bürger noch aufgenommen wurde. Der 
letztere dieser Züge, gegen Heitersheim, wird nicht mehr im Rothen 
Buche erwähnt, sondern die Namen der 161 Aufgenommenen stehen 

25 nur in dem schon erwähnten Bürgerrechtsprotokoll i^), und zwar aus 
guten Gründen. Denn die meisten unter ihnen gehörten zu jenen 
300, welche schon durch das Gesetz von 1488 waren genöthigt 
worden, das Bürgerrecht zu kaufen, die aber mit der ratenweisen 
Abzahlung der Gebühr noch im Rückstande waren. Diese Leute 

ao gehören also nur noch in sehr bedingtem Sinne su demjenigen, 
welche ihr Bürgerrecht durch Kriegsdienst erwarben; denn that- 
sächHch besassen sie dasselbe schon vorher, und zwar durch Kauf. 
Immerhin lassen wir in der summarischen Uebersicht, die wir nach- 
stehend yon den Bürgeraufnahmen bei Kriegszügen geben, auch 

»diesen Zug von 1489 gegen Heitersheim noch folgen, jedoch als 
den letzten. Denn später kam es nur noch in ganz vereinzelten 

1) Bei den zwei Zügen von 1476, den letzten im Rb., ist diese Ein- 
theilung nicht mehr durchgeführt, vermuthlich wegen der geringen Zahl (26 
und 3 Kamen). Hingegen findet sie sich ausnahmsweise schon beim Zuge 
von 1393, jedoch ohne Üeberschriften und ohne Beachtung der sonst üblichen 
Reihenfolge der Zünfte. 

2) wb. 72. 

3) Den Wortlaut dieser Verordnung s. imten bei Brflglinger, Beilage I d. 
— VgL auch oben S. 54, Anm. 9. 

4] Es bleiben 290, wenn wir von der Gesammtsahl von 324 Namen die 
34 Söldner abrechnen, welche den Schluss der Liste bilden imd erst nach Be> 
endigung des Krieges aufgenommen wurden. Vgl. oben 8. 52, Anm. 7 und 
S. 51, Anm. 9, sowie auch die Uebersichtstabelle am Schluss dieser Beilage. 

5] Bürgerrechtsprotokoll 240 ff. 

BMler Cliroiiiken. IV. 10 



146 Hathsbücher. 

Fällen Tor, dass dieser oder jener Einwohner auf einem Feldzuge 
das Bürgerrecht erwarb^). Die Zeiten waren inzwischen andere ge- 
worden, und an die Stelle der früheren Fehden, wo die Stadt mit 
ganzer Macht gegen die umliegenden Nachbarn zu Felde zog, waren 
seit Basels Eintritt in die Eidgenossenschaft die Heerzüge in das 5 
ferne Italien getreten, zu welchen meist nur eine beschränkte Zahl 
von Streitern gefordert wurde. 

Das Verzeichniss vom Zuge nach Heitersheim ist nicht nach 
Zünften eingetheilt, da die Betreffenden durchweg schon vorher eine 
Zunft hatten. Bei den früheren Zügen aber ist diese Eintheilung, 10 
wie wir oben sahen, von 1403 an regelmässig durchgeführt, weil 
die Einschreibung in*8 Rothe Buch den Betreffenden zugleich das 
Recht verlieh, in die Zunft ihres Berufes unentgeltlich einzutreten. 
Auch sind ausnahmsweise schon zum Zuge von 1393 die Auf- 
genommenen zunftweise geordnet^). Um nun diese Yertheilung auf 15 
die Zünfte zu veranschaulichen, lassen wir auf die schon erwähnte 
summarische Uebersicht sämmtlicher Eriegszüge noch eine besondere 
Tabelle über die Feldzüge von 1393 und von 1403 bis 1475 folgen, 
welche den Zuwachs angibt, den jede Zunft nach jedem Zuge er- 
hielt. Die Reihenfolge der 15 Zünfte ist in diesen Verzeichnissen 20 
im Rothen Buche von 1403 an durchweg dieselbe wie in den Raths- 
besatzungen ') — mit der einzigen Ausnahme, dass bei den Zügen 
von 1403; 1406 und 1409 die Weinleute erst nach den Krämern 
kommen, statt umgekehrt. Bei dem Zuge nach Laufenburg, 1443, 
fehlen die ersten 7 Zünfte sammt der Ueberschrift, weil das be- 2s 
treffende Blatt ausgeschnitten ist. Bei den meisten Zügen aber 
folgen auf die 15 Zünfte noch die Eleinbasler, bald als Qanzes 
zusammengefasst, bald in- ihre 3 Gesellschaften getheilt. Die erste 
derselben heisst bis 1425 »zum Baume, worauf sie später in das Haus 
izum Greifen« übersiedelte und fortan nach diesem sich nannte, so 

Die Kleinbasler dienten mit ihren Gesellschaften, obschon jeder 
seines Berufes wegen zugleich auch einer der 15 Zünfte angehörte. 
Ausserdem aber gab es noch allerlei Leute ohne zünftigen Beruf, 
welche ebenfalls mit in's Feld zogen und deshalb das Bürgerrecht 
erwarben, so namentlich die Söldner und die sog. »Freiheitc. Zu sä 
den Soldnern wurden nicht nur solche gezählt, welche während eines' 
Ejrieges im Solde der Stadt dienten, sondern auch die Reisigen oder 
berittenen Knechte, welche die Edelleute und reichen Bürger in ihren 
Kosten stellen mussten. Zur »Freiheit« hingegen gehörten vor allem 
die Lastträger, auch die »Karrer« oder Fuhrleute, sowie überhaupt 40 
jeder, der keinen erlernten Beruf hatte. Solche Niohtzünftige bÜ- 

1) So s. B. Martin Springinnklee, 1513, nach der Schlacht bei Novara; 
B. Ob. VII, 150^: und ist im das burgrecht geschenckt uss dem grund, das er 
sich in Lombardye an der slacht mit der vygend geschützt redlich gehalten hatt 

2) Beim Zug von 1396 hingegen, wo 54 Bflrg^r aufgenommen wurden, 
ist diess nicht der Fall. 

3) Diese Reihenfolge s. bei Schönberg 77.3. Bei dem Zuge von 1393 ist 
dieselbe noch in keiner Weise berQcksichtigt. 



Beilage HL 



147 



den nahezu bei jedem Zuge den Scbluss des Verzeichnisses, und 
zwar unter wechselnder Ueberschrift. So heissen sie z. B. 1406 
BSoldener und ander knechte«, 1412 » Schiltknecht und ander ge- 
mein Tolkc, 1424 (beim zweiten Zuge d. J.) »Allerhand gesellen«, 
5 1425 iReysige knecht und ander«, 1443 «Soldener, phiffer«, und 
1448 »Von dienenden knechten«. Beim ersten Zuge von 1424 werden 
die »Karrerc unterschieden von der »Friheit«; ebenso wird die »Fri- 
heit« auf den Zügen von 1425 und 1443 noch gesondert angeführt, 
neben den Reisigen und Söldnern. 



a] Summarische Uebersicht 
der unentgeltlichen Bürgeraufnahmen bei Kiiegszügen. 

Zug nach: Bürger 

Uebertrag: 3182 
Seckingen etc. 
MQlburg 



Leistb. I : 

123/124 

124V125 

125^/126 

126V127«» 

12S 

12Sb/i29 

129b 

130/1 31b 

129 

Leistb. n.: 
153 
Rothb.: 

304/310 

327 

329 

313/^15 

259/297 

269/276 

343/350 



Jahr: Zug nach: 

? ^ ? 

1366 Breisach 

1367 Endingen 

1372 Ystein 

1373 Herlisheim 

1374 Bumen 

» Hasenburg 
1378 WUdenstein 
1391 Delsberg 



Bürger: 
231») 
108 

85 
155 

37 

87 

63 
189 

26 

11 



Rothb. : Jahr : 



1392 R{ieinau 

1393 MuUenz 573 
B Rheinau 15 

1396 Gemar 54 

1403 » 145 

1406 Pfeffingen 564 

1409 Ystein 385 

1412 Fürstenstcin etc . 454 

Uebertrag: 3182 



352/355 1415 

279/283 1424 
284/288 m 

242/245 1425 
245/248 

198/204 1443 

205/209 1444 

213/214 1445 

210/211 1448 

212/213 1449 

227/228 1461 

164/166 1474 

166/168 1475 

168 1476 

169 » 



B&rgerraehtfl- 
Protokoll : 



Hirsingen 

Clermont 

H^ricourt 

Laufenburg 

St Jakob 

Pfef&ngen 

Rheinielderkrieg 

Blochmont 

Ortenberg 

H6ricourt 

Blamont 

Murten (M&n) 

• » (Juni) 



240/243 1489 Heitersheim 



163 

319 

305 

173 

131 

419«) 

3248) 

54«) 
79 
195) 
93«) 
S9 
76 
26*0 
3_ 

5455 



161 
5616 



1 ) Dieses Yerzeichniss ist jedenfalls unvollständig. Der Anfang, mit 
Angabe des Ortes und der Zeit dieses sonst unbekannten Zuges, stundohne 
Zweifel auf einem jetzt fehlenden Blatte vor Bl. 123 des Leistungsbuches I. 

2) Yon diesem Zuge fehlen die ersten 7 Zünfte sammt der alten Ueber- 
sehrift, weil ein Blatt (Sl. 103 der alten Paginatur) ausgeschnitten ist Jedoch 
stehen von einer Hand des XYL Jahrhunderts über S. 198 die Worte: »Zug gen 
Lauffenbuig, anno 1443«. 

3) In dieser Zahl sind die 34 Söldner und reisigen Knechte inbegriffen, 
welche erst im Juni 1446, nach Beendigung des St. Jakoberkrieges, das Bürger- 
recht emnfiengen und deshalb S. 209 am Scfluss stehen. Ygl. oben S. 1 4 5, Anm. 4. 

4) Noch vor dieser Liste zum Zuge nach Pfeffingen wurde auf 8. 210 eine 
Ueberschrift zur Belagerung des Steins von Rheinfelden geschrieben ; von auf- 
genommenen Bürgern folgt jedoch kein einziger Name. V gl. oben S. 55, Anm. 1 . 

5) Auf S. 213 ffehören zu diesem Zuge nur 2 Namen, n&mlich von der 
Kleinbasier Gesellschaft zum Rebhaus. 

6) Yom Zuge nach Hohen-Königsburg, 1462, folgt S. 229 nur eine Ueber- 
schrift, aber keine Namen. S. oben S. 65, Anm. 7. 

7) Diese 26 Namen sind nicht mehr nach Zünften geordnet, sondern nur 
die 6 Letzten sind als Kleinbasler bezeichnet. 

lO» 



148 



RathabOeher. 



m» 


1476. 

Il 










CO 


d 

m 

rd 


g (W1K) 




s 


CO 


1 1 


CD 

es 


• 
v4 


1 1 1 eo«^co kOd t« lA le^cD^ l 


CO 


•"N ^s t» 


" 1 


CO 


00 


• 


^ ^ C4 -M e <itf« OD <^ t^ «^ 1^ l^iflt* 


OD 


1 


1 1 


C5 
OD 


00 


■ 


CO ^ 1 0> »^ »A -^ flO CO "^f lO O r- ^ *H 

1 «M «M ^4 WM 


CO 


1 


1 1 


CO 
Oft 


d 


V4 


i- 1" 1" 1 '^-'^ 1 1 


M9 


1 esff<i 


1 1 


o 


d 
d 


5 •«tpwBi»iia 

^4 


coi |r-|^oaoi-i»|««"^«D^ 


o 


CO es*-* 


eo 1 


o» 


d 


• 


«-I 1 »A CO C4C0 es CO :o «00 to 1 oo i 


CS 
kA 


CS 


1 1 


lA 


:d 


• 

5 • wf -IS 


C0C0OC0C0C0kA«-4r«O«^Q0«-<»0C0 


>A 
00 
CS 


co^^ 


CO*^ 
CO 


es 

cc 


68 


■ 
3 'ftntqvtjnvrj 


--**-----SS5J§S222 


r- 

CD 
CS 


lA 


«Hes 


o> 


hmen n 
1476. 




1 ^^ -* 1 


s 


1* 


t- CO 


CO 


§ t«0VU910 


CO«^O^iO^C40DCOCOaAa»esCO«^ 


co 


o» o o 

^4 «iN 


- 1 


CO 

1— 


08 ■ 


• 
«■4 


coi^-^oocoaoeoOÄ^iOOi-Goaoo 
^^«Hco es ^ C4 »1 •«• ^ 


tA 

es 


CS 


2 1 


«A 


d ec 

T CO 


• 

3 -taiqWH 


esr-Qöco»A«-40d«Dco^fiOOO»aDO 
es d ^ CS CS c»i -^ ^ 


CS 


s 


IS 


CO 


eben Bürge 
von 1 


«4 


lOcocs^OfiO^^QOr-cOiF^fiDaDr- 

C4 .^ CS «^ ^ ^ 


lA 




1- 


CO 
CO 

«>4 


• 


r-^t<-^aDaD^^coaoioc4r*OtAcs 
eoco^cocsesescocov-iescs 


«-• 

CO 


r- CO iA 
^^ es 


S 1 




v4 


esaoO'^csco«0esiA^Oft»A«or»to 

«H C9 <^ ^ CO CS CS CO CO ^ es ^ 


lA 
?0 


t» OCO 
CS^ CO 


1 


CO 






^^co<^<^csco^co^«-^<^eses^ 


lA 


CO 


S 1 


»A 


d 
d 




1 eSCOlAaDODO^OdfiDt^COCOCO^ 

1 « ^ — ^ es 


5 


1 


- 1 


lA 


«•4 


• 




•A 


d 

M 
09 








lA 


'd 


• 
«14 


cs^'^coojioas^csr-'^OÄt»^^ 


l* 


lA 

CO 


s - 


C3 
»A 


• • 

S 'S s 
o 

• CO 






1 • • • • 

2 -^ •• » 

ihitt 

Qjd . . . 
•g o^es CO 


1 • 


b) Uebersic 


.0 ^ 

iNlIllllllilii 

^ CS* CO «»f «ft «O I-' «6 05 O ^ «** CQ •* lA 

*iN ^P* ^H •-<*-« «-1 


c 

a ea !■ f* 



'S 

o 

6 

M 

kA 



C 

•et 
P. 
CO 



Beilage IV. 149 



IV. 
Basels Name und Ursprung. 



Wie schon in der Einleitung bemerkt wurde, findet sich die 
nachfolgende Aufzeichnung im Rothen Buche auf Bl. VIII^^). Sie 

5 ist Yon der Hand jenes Substituten Johannes geschrieben, dessen 
Geschlechtsnamen wir nicht kennen, der aber nur bis Oct. 1476 
dieses Amt bekleidete^); sie kann also jedenfalls nicht jünger sein* 
Da sie lateinisch ist, so dürfen wir in diesem Schreiber zugleich auch 
ihren Verfasser erblicken ; denn wir wissen, dass ihm diese Sprache 

10 geläufiger war als seinem Vorgesetzten, dem Stadtschreiber Nikiaus 

Rüsch '). Ihm allein ifÜlt es daher zur Last, wenn der schleppende 

und Terwickelte Satzbau dieses Stückes das VerstAndniss erschwert. 

Was den Inhalt betrifft, so kennen wir für Basel keinen älteren 

Versuch dieser Art, den Namen der Stadt sammt ihrer Eigenschaft 

15 als Freistadt ^) auf römischen Ursprung zurückzuführen, und auch 
für die Sage vom Basilisken im Gerberbrunnen haben wir hier das 
älteste bis jetzt bekannte Zeugniss'^). Die nächste Veranlassung zu 
dieser Aufzeichnung mag dem Substituten Johannes jener Streit ge- 
geben haben, welcher gegen Ende 1473 — also kurz nach Kaiser 

20 Friedrichs Besuch — zwischen Letzterm und den Freistädten wegen 
ihres rechtlichen Verhältnisses zum Reichsoberhaupt sich entsponnen 
hatte^. Ueber denselben Gegenstand, d. h. über Basels Ursprung 
und seine Eigenschaft als Freistadt, schrieb zwei Jahrzehnte später 
der Rechtpg^ehrte Johannes Ursi^), der jedoch die Arbeit des 

25 Substituten Johannes nicht scheint gekannt zu haben ^). Hingegen 

1) 8. oben 8.7 und 11. 

2) 8. oben 8. 141. 

3) B. Chron. m, 285 in der Anm. 

4) Ueber Basel als Freistadt s. Heualer 310 £ 

5) Vgl. hiezu Stumpff, Schweizerchronik Xu, cap. 22, wonach »bei Kaiser 
Friedrichs m. Zeiten« — also zwischen 1440 und 1493 — von einem Durch* 
reisenden in Basel ein aussestopftes Reptil als angeblicher »Basilisk« öffent- 
lich gezeigt wurde. — In mrer völlif^en Ausbildung erscheint die Sage vom 
Basifisken zuerst in einer 1541 von emem Zürcher Anonymus verfassten Chro- 
nik der Eidgenossenschaft; s. im Basler Kirchenarchiv Cod. CIO, Bl. 46. 

6) Ueber diesen Streit s. Heusler 318 ff. 

7) In Basel, wo er 1475—1496 Professor und seit 1483 auch städtischer 
Reehtseonsulent war, wurde er meist nur kurzweg nach seinem Geburtsorte 
•Doctor Durlach« genannt- — Seine Au&eichnungen finden sieh in einer als 
»Miseellanea BasiL« betitelten Hs. der Universitäts-Bibliothek zu Würzburg, 
deren Kenntniss ich Herrn Prof. Kerler verdanke. Dieselben sollen in einem 
späteren Bande der B. Chron. erscheinen. 

8) Hingegen scheint er eine mir unbekannte Quelle g^ekannt zu haben, 
laut welcher ^asel in die Zeit des Tullus Hostilius hinaufreichte; s. B1.49 der 
Würzburger Hs. 



150 Rathsbflcher. 

finden wir eine deutsche Uebersetzung dieser letztern bei Adelberg 
Meyer ^}, dessen Auszüge aus den Rathsbüchem wir in der Ein- 
leitung erwähnt haben ^), und auch der gelehrte StumpfF, der Zeit- 
genosse Meyers, stimmte noch der Ansicht des Substituten Johannes 
wenigstens darin bei, dass Basel seinen Namen einem Römer Ba- 5 
silius verdanke'). 



[Rb. VIII '^J Quanquam ex veteribus histoiüs conscriptisque 
et forsan consumptis ignis vel aque voragine aut teiremotus 
calamitate cionicis non potest constare, qua de causa in sacro 
Bomano imperio hodie existentes sacri Romani imperii libere tn 
civitates sie dicte ac ex eo ab omni municipio et censu camere 
imperiali solvendo sint inmunes — nonnuUis obsequiis et com- 
meatibus Romano legi pro imperialibus infulis Romam pergenti 
suismet expensis prestandis dumtaxat exceptis — tarnen re- 
memorata Romanorum civium plenissima übertäte, quorum non- is 
nulli successu temporis in diversis Germanie locis sedes ac- 
ceperunt, non improbe conjecturari potest, eas, que dicuntur 
libere civitates, suum hujusmodi nomen et piivilegium ex pri- 
urna fundatorum Romanorum civium nactas extitisse, illisque 
nomina juxta ethymologiam seu vocabula suorum nominum 20 
imposuisse. 

Quemadmodum veterum conditoium urbium mos extitit, 
illas a suis nominibus nuncupari, itaque in hujus inclite urbis 
Basiliensis, que sacri Romani imperii civitas libera a longis- 
simo evo fuit et est atque nuncupatur, indicium, unde sie ortum v* 
fuerit adepta, nostri evo temporis non appareat, nisi quod di- 
versis diversorum vagis narrationibus autumatur: quod aut a 
quodam Basilio Romano primitus fuit inchoata, ex cujus tanto- 
que liberi civis Romani privilegio nomen Basilea et inmunitatem 
municipii censusque solvendi cesari accepit. quod etiam veri- 30 
simiUus videtur quam iUud, quod nonnulli fingunt, ipsam nomen 
Basilee ex basüisco quondam in fönte Cerdonum occiso obti- 
nuisse. nam dato quod unquam talis vermis in illo loco fuisset 
a tempore condite urbiä Basiliensis, tarnen ipsa urbs seu locus 
ante hoc aliquo nomine vocabatur. quod si ita fuerit, non 30 
est verisimile, quod illud primum nomen potuerit aboleri, et 
propter pestiferum vermem fuerit alio titulo denominata. ex 
quo ergo nuUa potior ratio denominationis hujus urbis Basi- 

1) Cod. Beinheim El. 240. 

2} S. oben S. 10. 

3) Stumpff, Schweizerchronik XII, cap. 22. 



Beilage V. 151 

liensis, quam quod a libertate Romani civis Basilii primo edita 
et inhabitata tarn Basüee nomen quam etiam libertatis Privi- 
legium accepit, investigari potest. 

Concludi potest et verisimiliter asseri, quod ipsa urbs Ba- 
siliensis potius a nobilissimis Romanis quam a bestia venefica 
nojninis et dignitatis sue ortum sumpserit. quibus perpetuo 
8ub divis imperatoribus mansura, sue, ut prefertur, libertatis 
priyil^o uti et se contia lequestas censuarias et municipia 
imperii faciendas legittime potent tuen. 



10 



V. 

Zum Erdbeben von 1356'). 



Die Nachrichten über das gprosse Erdbeben sind s. Z. gesam- 
melt worden von W. Wackemagel in der von der Historischen Ge- 
sellschaft herausgegebenen Säcularschrift 1856 :>Basel im XIV. Jahr- 

15 hundert«, S. 224 ff. Diese Sammlung wird ergänzt durch einen 
Nachtrag im Basler Taschenbuch für 1862, S. 235 ff., sowie auch 
durch L. Sieber, in den Beiträgen X, 249 ff. und Xu, 115 ff. 
Nun enthält das Bothe Buch^ z. J. 1357 noch verschiedene Ver- 
ordnungen über den Holzhandel, über die Löhne der Maurer und 

20 Zimmerleute und über Baupolizei, welche sich unverkennbar auf 
den Wiederaufbau der Stadt beziehen — also indirect auch auf 
das Erdbeben. Diese Verordnungen hat Wackemagel in seine Samm- 
lung nicht aufgenommen, da sie in der That das Unglück selbst 
mit keinem Worte erwähnen, und deshalb folgen auch wir seinem 

2s Beispiel. Mit einer weiteren Verordnung jedoch, welche die Ver- 
legung des Marktes betrifft, glauben wir eine Ausnahme machen 
zu sollen, da sie auf den provisorischen Zustand einiges Licht wirft, 
welcher in der nächsten Zeit nach jenem Unglückstage herrschte. 
Wir geben daher hier ihren Wortlaut und fügen nur noch bei, dass 

30 sie im Rothen Buche auf S. 6 steht und mithin jedenfalls noch vor 
Johannis 1357 vom Stadtschreiber W. von Birkendorf geschrieben 
wurde. _j 

'Rb. 6] Es ist veisamenet von rat und meistern alten und 1357 

Jnni 24 

nüwen^), daz mun alle kouffe und alle merkt hinnaiit ze sün- 

1) S. oben 8. 17. 2) Rb. 2— 6. 

3) D. h. vom Kath und den Zunftmeistern, welch letztere erst von 1382 



152 Bathsbacher. 

gichten harin ziehe, und das man es in der stat veil haben 
8oL and die hütten am Platz ^) und in allen vontetten, die 
sider dem ertpidem da gemacht sint, sol man hinnant ze unaei 

Aug. 15 firowen tag ze mittem ögste abbrechen und si harin ziehen ; 
und wer es nüt tete, so sol si der rat abbrechen, wer 8ch & 

Jan» 24 nach sant Johans tag in den hütten am Platz oder in den 
Yorstetten üt veil hette, der sol iecliches tages 2 s. nüwer^) 
geben, als dicke ers tut. 



VI. 

Zum Brande von 1417. w 



Das nachstehende Verzeichniss benachbarter Herren und Städte 
folg^ im über Diversarum Rerum unmittelbar auf jene fragmentari- 
sche Nachricht vom Brande von 1417, welche wir oben mitgetheÜt 
haben ^), und ist auch, gleich diesem, you Johann von Bingens 
Hand geschrieben, Obschon nun in jenem Fragmente sich keinerlei is 
Hinweis auf dieses Verzeichniss findet, so kann es sich dennoch 
kaum auf etwas anderes beziehen als auf jenes Brandunglück. Uebei^ 
diess zeigen schon die Ausdrücke imit ir botschaftf oder »mit irem 
briefet, denen wir hier fort und fort begegnen, dass wir das Ver- 
zeichniss derer vor uns haben, welche der Stadt wegen jenes schweren 20 
Unglücks ihr Beileid bezeugten. 

Bl. 1^ und 2 tragen die Ueberschrift »mit ir botschaftf, und 
aus dieser kOnnen wir schllessen, dass alle Nachbarn, hinter deren 
Namen nichts besonderes be'merkt ist, ihre Theibiahme in dieser 
Form kundgaben. Dasselbe gilt wohl auch für Bl. 2^, obschon 25 
hier die Ueberschrift fehlt. Wenn wir nun unter den ersten Bot- 
schaften diejenige der Markgräfin von Hochberg finden, aber später 
noch ihren Gemahl, mit dem Zusätze »selber«, so dürfen wir hieraus 
folgern, dass das ganze Verzeichniss geordnet sei nach der Reihen- 
folge , in welcher die Beileidsbezeugungen einliefen ^ und in dieser 30 

« 

ah förmlich zum Bathe ffehörten. Zu allen wichtigeren Beschlüssen zog der 
»neue« Bath des laufenden Amtsjahres noch den »alten« Rath des vorher- 
gehenden Jahres bei. 

1) St. Fetersplatz. 

2) D. h. neuer Pfennige. Diese neuen Pfennige, welche 1336 — 1362 ge- 
räfft wurden, waren fferinffer als die alten ; gleich letzteren hiessen sie auch 
teSler (vom BaBehtao) ; B.HettBler 229. 

3) S. oben S. 27. 



i 



Beilage VI. 1 53 

Vermathnng werden wir nur noch bestärkt durch die erwähnten 
Beileidsbriefe. Von diesen letzteren sind nämlich diejenigen yon 
Biel und von Rotweil noch erhalten^), und von diesen trägt der 
erstere, auf Bl. 2 erwähnte, das Datum des 10. Juli, während Rot- 
5 weil, welches hier unter den letzten erscheint, erst am 14. Juli 
schrieb. 



[Lib.Div.Rer. 1^] Mit ir botschaft: 

Von 2) Rinfelden. 
von Miühüsen. 
10 Ton Louffenberg. 

unser frow die margrefin, wand er nyt heim waz^). 
der apt von Mürbach^). 
die eptissin von Seckingen^). 
unser herre von Basel ^). 
15 die von Thelsperg. 

von Arow. 
• Ölten 7). 
» Nuwenburg^). 
» Solotom. 
t Seckingen. 
20 graff Ott von Thierstein, selber^), 

von Ensisheim. 

von Zofingen, mit irem briefe. - 
von LiestaL 
> Waidenburg. 
25 > Hombeig. 

die gemeinde seü Riehein. 
die von Friburg in Briszgow. 

1) 8t A., Briefe, Band I, 273 ff. 

2) Wo nur »Yon« steht, oder »die von«, ist immer die Stadtgemeinde des 
betreffenden Orts zu verstehen. 

3) Anna, die Gemahlin Markgraf Rudolfs lU. von Hoehberg- Röteln, 
eine Tochter Graf Egons VIl. von Freiburg. Vgl. imten : »unser herre der 
mar^raffe selbei«. 

4} Wilhelm von Wasselnheim. 
5} Anna von Klingen. 

6} Bischof Humbert von Neuenburg residierte meist in Delsberg und 
starb 1418. 

7) Ölten war seit U07 vom Bischof an die Stadt Basel verpfändet 

8) Neuenbürg am Rhein. 

9) Mit Otto erlosch 1418 der famiburgische Zweig der Tiersteiner; 
8. Birmann, im B. Jahrb. 1882, S. 76. 



154 Rathsbflcher. 

graS Bernhart, selber i). 



[2] Botschaft: 

Die von Surse. 

der apt von sant BUsien^). 5 

die von Bern. 

9 Colmer. 

» j) Brisach. 
unser herre der marggraffe,^ ., 

und sin sun der junge ^) / ' 10 

die von Brunnendrut, botschaft. 

» Schofhusen, 

» » Baden, ► mit iren briefen. 

9 » Lutzern, 
der provincial der Augustiner, selber^}, von sins orden 15 

und sin selbes wegen, 
die von Sletzstat, 
die von Bremgarten, 
von Mellingen, 

» Brück, 10 

» Clingnow, 
her Henman von Rinach, 
meiger und rat z& Biel, mit irem brief^). 

. Botschaft: 

Anna von Lüpphen, die vogtin ze Pfirt^). 25 

der von Lützelstein^). 
die von Sultz^). 



' mit ir botschaft. 



2. Auf d«m sehr soliAdliafieii Fnae des Blattes noeb die Spur eine« Namens , viel- 
leicM: die Ton Sierentz. 

1) B. von Tierstein, Herr zu PfeffingeiL 

2) Johann Dutlinger; s. Wuratisen 66. — Diese Abtei hatte in Klein- 
Basel ihren Hof, jetst Untere Rebgasse No. 27 und 29. 

3) Rudolf ni. von Hochberg-Röteln, mit seinem gleichnamigen rvreiten 
Sohne, welcher 1419 starb. Vgl. oben S. 153, Anm. 3. 

4) Rudolf Graf, von Constanz; s. im St A. das Zinsbuch s. J. 1423. 

5) Diesen Brief, vom 10. Juli, s. im St A., Briefe, Bd. I, 273. 

6] Ihr Gemahl, Graf ELans von Lupfen, regierte als Reichsvogt für König 
Si^smund die vorderöstreichischen Lande von 1415 bis 141B, d. L so lange 
Herzog Friedrich in der Acht war; s. Schöpflin-Rayenez V, 591. 

7) Graf Burkhard von Lützelstein, früher Bischof von Strassburg, hatte 
1394 auf das Bisthum yenichtet und dafOr auf Lebenszeit die obere Mundat 
als weltliche Herrschaft erhalten. S. M. Berler, im Code historique de Stras- 
bourg n, 41. 

8) Sulz im Ober-Elsass, bei Gebweilcr. 



mit iren briefen. 



BeUage VII. 155 

von Rufach. 

der meistei sant Johanns ordens^). 

die von Costentz. 

» 

» » Uibeilingen, 
b n 9 Strazburg, 

• * Villingen 

£run von Lupphen, 

die von Lindow, 

[2*] Rudolf von Baldeck. 
10 her Wilhelm von Gr&nenberg. 

die von Switz, mit ir botschaft. 

die von Rotwil, mit irem brief^). 

die eptissin von Blotzheim^]. 

graff Cünrat von Friburg*), mit einer botschaft. 
IS die von Ulm. 

der von Froberg, selber*). 

der bischof von Costentz ^^j, \ , . , /.. 

der von Rosenekg'), j ^otschatt. 



VII. 

» Zum Zweikampfe von 1428. 



Dem Bericht über den Zweikampf von 1428, den wir oben 
mitgetheilt haben ^), geht im Liber Diversarum Rerum eine gleich- 
falls von J. von Bingens Hand gefertigte Abschrift der von Johann 
von Merlo gestellten Kampf bedingungen voraus. Dieser »Notel«, 

1) Der Ordensmeister in Deutschland, der zu Heitersheim seinen Sitz 
hatte. 

2) Diesen Brief, vom 14. Juli, s. im St. A., Briefe, Bd. I, 274. 

3) Ueber das Kloster der Cisterzienserinnen zu Blotzheim, 2 St. von 
Basel, s. Trouülat y, 114. 

4} Sohn Egons VH. und Vater des Grafen Hans. Er war Herr zu Neuen- 
burg am See und starb 1422. ^ 

5} Johann von Froberg (französisch: Montjoie) hatte 1409 mit Basel ein 
Burgrecht geschlossen; s. Stadt. Urk. 1409 Sept. 5, auch Heusler 284. 

6) Otto, ältester Sohn des oben erw&hnten Markgrafen Rudolf von 
Hochberg. 

7) Vermuthlich Hans von Roseneck, Herr zu Wartenfels ; s. Wurstiscn 51 . 
8] S. oben S. 40 ff. 



156 Rathsbücher. 

den der fahrende Ritter dem Rathe zu Händen seines Gegners und 
der Kampfrichter übergab, war im Original ohne Zweifel lateinisch, 
und in der That tragen mehrere Stellen das Gepräge einer etwas 
unbeholfenen Uebersetzung. 

Ausser diesem Notel lassen wir hier noch den vom Unter- 5 
Schreiber Hans Zwinger in's Ruf buch geschriebenen Ruf folgen, den 
der Rath am Vorabend des Kampfes von der Rathhaustreppe herab 
verkünden liess. Diese Bekanntmachung enthält zwar theilweise 
dasselbe wie der Bericht des Über Divers. Rerum; doch bietet 
namentlich ihr zweiter Theil zu diesem letztem manche nicht un- 10 
wesentliche Ergänzung. Ihr Text findet sieh übrigens im Ruf buche 
zweimal nacheinander ^) , und wir folgen hier der zweiten Redaction, 
als der spätem und endgiltigen. Hinter der ersten Redaction aber, 
auf Bl. 82^, setzte der Stadtschreiber Johann von Bingen noch 
einige Anordnungen hinzu , welche nicht zum Ausrufen bestimmt is 
waren, und diese letzteren bringen wir am Schluss dieser Beilage. 



a) Die Kampfbedingungen. 

[Lib. Div. Rer. 173^] Der nottel, als Johan von Merlo 
übergab, wiset also: 

Die gedinge der wappen min Johann Merlo kleinotes, die 20 
durch einen iegklicheh ritter oder wappensgenosz one alle 
Widerrede, der min kleinot berArt und mit mir vechten wil, 
notdurftig werdent ze erfüllende, sint die, so hie nachgeschri* 
ben stand. 

Des ersten gehört dazu, daz wir sient gewoppent zu gantzem 25 
hamasch vom f&s üf untz an daz houpt mit solichen woppen 
oder harnasch, als unser ietweder gehaben mag, und bitzhar 
gehept hand ze fechtende gebom oder wappensgenosz lüte. 

Die Waffen oder wSre, so unser yetweder tragen mag, noch 
friheit unsers kleinotz, sint die: 30 

Des ersten ein spies oder gleve, ein solich als im velde 
ze fechten gewonlich ist ze tragende; mit welher gleve durch 
unser yetwedern ein wurff oder schütz gescheen sol. 

Und ouch ein g&t stritax; mit der selben ax durch unser 
ietwedem oder den ersten beschuhen soUent funftzig streich. ^ 

Und sollent ouch haben bede, swert und degen; und sol- 
lent bescheen durch unser ietwedem oder den ersten mit dem 
swert 40 streich, und mit dem tegen 30. zu solichen waffenen, 
nemlich der gleve, der ax, dem swert und t£gen, wir haben 

1) Rufb. I, 81»x— 82b und 83^^85; Bl. 83 ist leer. 



Beilage VH 157 

sAUent ein mosse, die ich geben wirde, wonn ich daz bescheide- 
lieh tbn 8ol oder darumbe ervoidert wirde. 

Und ist notdürftig ze wissend, daz an den woppenen und 
Waffen allen kein bfiser sinn oder fand sin sol. es soUent ouch 

snit am uff dem platz, durch in oder mich gesentd, ander 
Wappen oder waffen noch nammen, noch dhein ander ding, so 
in Beliehen Sachen verbotten sind — behalten den dingen durch 
mich in disen gegenwirtigen capitteln begriffen und bezeich- 
net — darumbe er und ich yerbunden sint ze t&nde ein g&ten 

10 und redelichen eid. 

[174] Es ensol ouch enmag unser diewederer ufheben oder 
abenenimen dheinen teil sins harnasch, noch anders dartiin — 
doch behalten, ob es sach wirt, dhein ding, so unser ietweder 
unerfolget hette ze ebenende oder recht ze schickende; und 

tsdaz wirt, die wile da ist oder weret daz zit der raste, daz 
wirt nach den rasten, weihe reste notdurftig ist ze wissende; 
der werdent drie: in der ersten wirt, so beschehen sint der 
wurff mit der glfiven und die fiinftzig streich alle mit der ax. 
in der andern rast, die 40 streich des swertes, und in der 

» dritten, die 30 streich des t£gens. 

TJnd ouch daz uf den tag, als wir ze fechtende habent, 
wir sin sollent uf dem platz eine stunde nach u%ang der 
sunnen, und unser richter, und der üf unserm platz sin wirdt, 
sol keinen gewalt haben uns zu ziehende von dem selben platz, 

2ä durch kein notdurft, so uns zükfime, untz daz wir ende und 
usztrag geben haben uf den einigen und ietz genempten tag 
in allen unsem waffenen hie bezeichnet — doch vorbehept, daz 
der linder uns, der daz besser von dem andern behept, möge 
oder welle abelassen und ende geben den waffen durch bitte 

90 des, der daz bfiser von dem andern haben wirt. und daz der 
ze niessende sins adels oder manlicheit nemmen und haben 
sol ein rubin von dem, wider den er sin ere so vesteclich be- 
schirmet het; weihen rubin der selbe, dem er also wirt, mog 
t&n, an er wil, nach sinem wolgevallen. 

35 Und ist ze wissende, daz alle vorgeschriben und begriffen 
dinge sint mit solicher gedinge geleit, daz, so geendet sint alle 
streich und waffen, und so si erfüllet sind, unser yetwederer 
tiün möge alle die dinge, so er tSte, ob er ein yegklichen kämpf 
tSte, also daz alle die vorgeschriben streich geslagen sient durch 

40 in und durch mich, von dem undem port der platten in die 
höhi. 

Und wand die vorgenant dinge bedorffent des obgenanten 
valles ze gebende gewarsami, so hab ich Johanns von Merlo 



158 Rathsbacher. 

vorgenant geleit in disen cappitteln, so geteilt sind in zwey 
durch ab c, daz ingeaiffel miner wappen, in dem gemftte ze 
erfüllende die dinge, so davor geseit sind, und habe sy ge- 
vestinet mit minem nammen ec. 

b) Der Ruf in den Kornmarkt. 5 

[Rufb. 183^] Lieben frundel als üch wol wissende sin 
mag, wie ein edeler fromder herre usser dem küngrich von 
Spanigen uf aventür uszgeritten ist, durch mSnige lande ge- 
zogen und nieman funden hatt, der sich mit im slahen wolte; 
und aber der har in unser statt kommen ist und den Testen 10 
Heinrich von Ramstein den unsem funden hatt, der solich 
aventur ze vollendende und sich mit im ze slahende meint; 
da doch unser herren woltent, daz die Sachen anderswa denn 
by inen zu usztrage kommen werent. nu sint aber die Sachen 
zwuschent inen beden so verre verbriefet und verhandelt, daz i& 
es nu kum wendig werden mag. darumbe so hand ouch unser 
herren inen beden einen platz geben uff Burg, daruff sy sSlich 
Sachen vollenden söllent, und den selben platz mit zwivalten 
schrangken umbezogen und geordent, daz zwuschent den selben 
schrangken gewoppenet lüte stan soUent und beden teilen -'(' 
glichen schirm geben, so wirt ouch ein sunder gerüste ge- 
macht, daruff die rette by einander stan sAllent, und danebent 
der edel wolgeborn herre marggraff Wilhelm von Hochberg, 
herre ze R6teln und ze Susenberg, der richter in der sach sin 
sol, und ander herren, so im zugeben sint. 25 

[84] Es hand ouch unser herren den fromden herren ge- 
tröstet vor der getatt, in der getatt und nach der getatt, die 
wile er hie blipt, mit iren briefen. darumb so tünd üch unser 
herren sagen und verkünden, und ouch by eiden und eren, 
by libe und gut, und als hoche sy das getün kdnnent, gebieten: ^ 
daz niemand dewederm teil zu noch von legen sol, mit hilffe, 
rate oder getatt, mit wincken, schrien, betüten, noch in dhein 
ander wise, denn die herren, so darüber ze richter geben sint, 
damitte lassen umbgan zem besten. 

Es sol ouch dem frömden herren noch allen den sinen ^ 
niemand dehein laster noch leit, noch dehein widerdries oder 
smacheit mit wortten noch wergken erbieten noch tun, wenig 
noch vil, in dehein wise, als lieb inen ir libe und gut sie, 
und unser herren trostung und Sicherheit an inen nit brechen ; 

2. Hb.: dai ingesi miner wsppen. 10. Es.: »Tostenc corrigiert am: »frommen«. 

11. »den aoBern« oorrigieri bub: »nnBem barger.« 



Beilage VH. 159 

wand si darumb gar trefienlich an libe und gute gestraffet 
würdent. 

Es sol euch nieman mit sne noch mit deheinen andern 
dingen werffen, noch dehein schimpff oder gereitze machen 

» mit deheinen dingen, es sol ouch nieman in b6gkenwise gan, 
noch dhein mann sich verwandeln in frowenkleider, noch dhein 
frow in mannenkleider. es sol ouch niemand üf daz münster 
kommen, denn die dar&f geordent sind, wand wer der dingen 
deheins tfitte, der mAste ein jare [84^] leysten vor den crutzen 

loone gnade. 

Es sol och nieman in den kreis noch uf der r£ten gerüste 
komen, noch in die schrangken by den gewappenten lüten stan, 
sunder die ungeirret lassen, by der ohgenanten pene. 

Wer ouch von den zunften gewappent geordent ist, der 
IS sol ouch uf morn frflge, so es nüne slacht, bereit vor dem(Dec. i2) 
richthus sin in sinem gantzen harnesch. und sol ouch nieman 
ze rosse uf den hoff^) riten; wand man niemant da inlasset 
denn die, so von den rotten geordent sint umbzeritende. 

Es soUent ouch die frowen in unser statt, es sien erber 

sofrowen oder von dem gemeinen volk, daheim bliben by iren 

kinden, der und des fures warten und h&ten, by der obgenan- 

ien pene; wand es nit Sachen sint, die frowen z&gehSren ze 

sehen. 

Was ouch in unser statt, die wile das geschefte weret, 
s ufferstflnde, es were fiires nott oder anders, da sol man zCi tun 
gezemlich und sitteklich, besunder nach unser herren der retten 
ordenunge. [wand sy die glogken und anders bestelt und ver- 
sorget band, daz damitte verhandelt wirt, daz biUich verhandelt 
werden sol nach der statt notdurft.] [85] und tünt lich unser 
31 herren firuntlich bitten, das ir gütlich, früntlich und züchtig 
sient gegen menglichem, frAmden und heimschen, und fürer 
zä dirre zyte denn zu andern zyten, wazü denn yederman ge- 
ordent ist, und in allen Sachen das beste tülgent; das wellent 
sy zu g&tem allezyt erkennen ec. 

27. Du EingeUammerte ist in der Ha. dnrcbgestriclieii. 

1) Der Münsterplatz, der allerdings gewöhnlich »uffBurg«, aber lateinisch 
immer »atrium < genannt wurde. 



t60 Kathsbücher. 



c) Weitere Anordnungen. 

[Ruf b. 182^] Dis sind umbriter, die wile das vechten 
weret*): 

Gfitzman Rot, Conrat zem Houpt, Eberhart Ziegler, Clewin 
von Tunsei; die werdent andere zft inen nemmen. 5 

Dec. 1 1 Uff samstag ze nacht sol Balthasar Rot hie uff dem richt- 
hus wachen, so söllent umbriten: Dietrich Sürlin, Hanns 
von Louffen. 
Dae. 12 Uff sunuentag sol wachen Cunrat von Uetingen, und umb- 
riten: Friderich Schilling, Offenburg ^. 10 

So sind geordent uff den thurn') im münster: der Sick, 
Magne Stfllinger, der wachter doselbs. 

Uff sant Martins thurn : der wachter, der Kilwart und H^n- 
rich von Ramstein ^j. 



vm. 

Zur Abholung Bruder Fritschins 15 08, 



Die nachfolgende Rechnung findet sich im Kl. Weissbuch, 
Bl. 133, am Schlüsse des Berichts über Bruder Fritschins Abholung^}, 
und ist auch von derselben Hand gesehrieben. Die Jahresrechnung 
von 1508/9 ist leider im Archiv nicht mehr vorhanden^), und so 20 
können wir die vorliegende Rechnung nur insoweit controllieren, 

6. »BalthaMr Bote corrigiert »as : C&nrfttt toh Uetingen. 

1) Alle hier Genannten — soweit sie nicht die Wache auf den Kirch- 
thtlnnen hatten — waren Rathsglieder, mit einziger Ausnahme des Nikiaus 
von Timsel; s. die Raihsbesatsung von 1428, bei Schönberg 781. 

2) Henmann Offenkurg, der sp&tere Ritter. 

3) Der erst seit 1426 vollendete St Georgsthurm. 

4) Neben den Edelleuten d. N. gab es auch Handwerker, welche »von 
Harnstein« hiessen; s. die Steuerliste von 1454, bei Schönberg 613 und 633. 
Der hier Erw&hnte ist ohne Zweifel jener Heinrich Ramstein, welcher fftr das 
L&uten der Rathsglocke einen kleinen Gehalt bezog; s. z. B. zum Jahre 1429 
das Jahrrechnungsb. 11, 467. 

5) S. oben S. 97. 

6) Ebenso die Frohnfastenrechnungen. Nur die Wochenausgabenbücher 
sind noch vorhanden, helfen uns aber für diesen Fall nichts. 



Beüage Vin. 161 

als wir ihre augenscheinlich unrichtige Schlusssumme durch die rich- 
tige Summe der vorhandenen Posten ersetzen. 



Item 31 üb. 11 s. — d. umb brot. 

M HO» 19a 7i> umb 1764 huner, junge und alte^ und 
h uncosten. 

9 64 » 5 » 9 9 mnb rindfleisch, kelber, spinwider, 

lumel ec. 
» 74 9 4 » — 9 umb 53 lechs, einen umb 1 lib. 8 s. kouft. 

> 38» 6949 umb 50 stockvisch, 80 karphen und 
u< ander visch. 

s 109 9 12 9 6 9 umb 54 som, 9 viertel, 4 masz wins. 
9 129 139 8» umb anken, speck, pfeffer, mel, zibelen, 

peterli, eyger, saltz. 
9 3 9 6 9 — )) umb kes. 
IS» 89 798» umb tiubel und obs. 

8 1 » 6 9 10 9 umb kertzen. 

9 12 9 6 » — 9 umb 41 lib. confect. 
9 2 9 4969 umb holtz. 

» 16 » 12 9 — 9 umb specery. 
»9 39 I949 umb 84 burdi schindelteller. 

9 14 9 II96» dem knecht uff der Schmidt hus für 

specery, holtz, saltz und anders geben. 
9 20» 109 69 zum Saffran umb specery, holtz, saltz 

und anders geben. 
AS 29 19939 ztim Brunnen umb liecbter, boltz und 

anders geben. 
9 1 9 5 » — 9 dem koch zum Prunnen. 

I9 59 — . 9 9 9 Safiran. 
I 1» 59 — 9 9 9 uff der Schmid hus. 
» 1 » 5 9 — 9 Symon dem koch. 

> 8 » 5 9 — 9 den underkochen, knechten und frowen, 

die in der kuchy und sunst gedient 
und ufftragen haben. 

49 7 9 8 9 in mengerley wys uncosten gehebt. 
» 191 9 I9 l9 allenthidb in den herbergen zu schlaff- 
trunken, morgensuppen und abenturty 
verzert. 
489 129 8» den weyblen, hotten, spillutten und 

narren geschenckt. 

784 lib. 4 s. 10 d. 

I<Ml«r Chroniken. IV. 11 



9 



» 



162 lUthBbücher. 

784 üb. 4 8. 10 d. 
item 3 üb. — 8. — d. umb 4 ein thftch dem botten, der den 

wideTsag8brief bracht hat. 
9 l 9 4 » 4 » umb salts, im saltzhus genomen. 
j» 7 » 10 » — » umb 10 ein t&ch zu Fritz8chins rock. & 
» — »11d29 darvon zft scheren und 2& machen. 
jt i » — n — umb 4 ein zendel zb einer binden zu 

Fritzschins htit. 
» 16» 4 » — » den buchsenschutzen zu verschiessen 

geben, umb scherter und stenglin zd^^ 

den venlin darvon zu machen, und an 

der zilstatt verzert. 
» — » 18» — » für zwen liechtstok und ein blatten, so 

zum Prunnen verlorn sind. 
» 9 » — » 6 » zerung und rytgelt den herren, so min « 

gnediffen hem von Basel zu der gesel- 

Schaft geladen haben. 
» 5 » 1 » i 9 zerung und rytgelt den herren und sold- 
ner, die Fritschin das gleit geben haben. 
» 5 9 7 j» 4 9 under allen mallen bottenlons uneben. » 
» 5» 14» — »zu Liestall verzert. 
» 3 » 6 » 8 » den Spyweter für 3 kannen, so innen 

verlorn sind. 
1 » 6 » 6 » haben unser vogt in emptem mit jagen 

uncosten gehebt. 2s 

850 lib. 15 s. 8d. Summa summarum. 
10 » 1»11« Doran ist erlost, so us vischen und 

hunem, die uberbliben, erlost sind. 
Also das abzogen, sotfttnochdasusgeben: 



» 



840 lib. 13 s. 9 d. so 

26. Hg.: 847 Ib. 16 s. 3 d. 30. Hi.: 837 Ib. 11 i. 11 d. 



n. 



Hans Brt^lingers Chronik 



im 



Znnftbnche der Brodbecken 



1444 — 1446. 



11 



Einleitung. 



An die Ratlisbücher reihen sich naturgemäss die Bücher 
der einzehien Zünfte. Doch sind nur wenige Zunftbücher er- 
halten, welche noch in's XV. Jahrhundert zurückreichen, und 

5 unter diesen wenigen ist es einzig dasjenige der Brodbecken, 
welches neben den Aufiseichnungen geschäftlicher Natur auch 
eine geschichtliche Darstellung enthält. Den Inhalt dieser 
letztern bildet jedoch nicht die Geschichte der Brodbecken- 
znnfty sondern die Erzählung jenes denkwürdigen Krieges, wel- 

10 chen Basel in Folge der Schlacht bei St. Jakob gegen Oest- 
reich zu bestehen hatte. In das Zunftbuch der Brodbecken 
aber gelangte sie lediglich deshalb, weil sie einen Meister 
di^er Zunft zum Verfasser hatte. 

Dieses Zunftbuch, jetzt als Manual I bezeichnet, bildet dm zanft- 

t& einen Band von 177 Papierblättem in folio, welche durch- ^^^^' 
gängig dasselbe Wasserzeichen des Schwertes aufweisen. Seine 
Paginatur, nach Seiten zählend ^), stammt erst aus dem XVII. 
Jahrhundert; aber die Einbanddecke, von Holz mit gelbem 
Lederüberzug, ist jedenfalls noch die ursprüngliche. In der 

20 ersten Zeit seiner Anlage, d. h. von 1434 bis 1450, wurden in 
diesem Buch ohne Unterschied die Jahresrechnungen, die Auf- 
nahmen neuer Zunftbrüder, und die Beschlüsse und Verord- 
nungen der Zunft eingetragen^). Diese allgemeine Rubrik war 
es auch, wo die schon erwähnte Chronik ihre Stelle femd, und 

2szwar unmittelbar vor einem Schuldenverzeichniss und vor der 
Jahresrechnung von 1446/73). An besonderer Stelle hingegen, 
d. h. weiter hinten, wurden damals nur die Verordnungen des 
Raths eingetragen, welche die Zunft betrafen 4). Nach 1450 

1) Statt 354 z&hlt sie irrigerweiBe 355 Seiten, indem sie S. 252 über- 
springt. 

2) S. 1 -62. 3) S. 37—54. 
4) S. 69 und 65, z. J. 1444 und 1445. 



166 BrQgHngcr. 

jedoch scheint an die Stelle jenei allgemeinen Rubrik ein 
neues, jetzt verlorenes Buch getreten zu sein; denn wir finden 
aus dieser Zeit nur noch ganz vereinzelte Eintragungen, wie 
z. B. die Kochrecepte zu je einem Hauptgerichte oder »Galrey» 
bei den Zunftmahlzeiten am Neujahrstage 1450 und 1456 i).s 
Erst seit 1494 diente das Buch wieder regelmässig zur Ein- 
schreibung der neu aufgenommenen Zunftbrüder ^), sowie auch, 
in gesonderter Rubrik, zur Eintragung von allerlei Beschlüssen 
und Verordnungen^), und in dieser Weise blieb dasselbe im 
Gebrauch bis zu Ende des XVII. Jahrhunderts 4). Zum Zwecke lo 
sicherer Aufbewahrung und bequemer Benützung übergab die 
Zunft mit ihrem ganzen Archive auch dieses ihr ältestes Buch 
vor einigen Jahren dem hiesigen Staatsarchiv in getreue Obhut. 
HansBrflg. Der Verfasser der Chronik, welche dieses Buch enthält, 
^^^^' nennt sich selber am Schlüsse seines Werkes : »Hans Sperrer, i5 
den man nampt Bruglinger, der öch dozümol alt und nüw 
Zunftmeister der Bropbeckenzunft was«. Ueber die Vorfahren 
dieses Zunftmeisters können wir höchstens die Vermuthung 
äussern, dass einer derselben als Müller die alte Mühle zu 
Brüglingen ^) betrieben und daher jenen Zunamen erhalten 20 
habe, nach welchem unser Chronist von seinen Mitbürgern 
meist kurzweg Hans Bruglinger genannt wurde®). Seinen 
Vater scheint er schon frühe verloren zu haben, d. h. jeden- 
falls vor 1422. Denn in diesem Jahre war seine Mutter, die 
»Brugelingerint, in zweiter Ehe verheirathet mit Claus Martin 2& 
dem Brodbecken in der Aeschenvorstadt, der damals das Bürger- 
recht kaufte^). Dasselbe Handwerk erlernte auch unser Chro- . 
nist, der als Mitglied der Brodbeckenzunft schon 1429 er- 
scheint^). Um diese Zeit — oder jedenfalls bald nachher — 
wurde er auch unter die Vorgesetzten oder Sechser gewählt; 30 
denn die Jahresrechnung von 1434, die älteste im Zunftbuche, 
trägt bereits seine Unterschrift'). Von 1439 aber bis zu seinem 
Lebensende vertrat er seine Zunft regelmässig im Rathe, zuerst 
als Zunftmeister und später als Rathsherr *<^] . So lange er Zunft- 

1) S. 62 und 61. 

2) S. 73 ff. 

3) S. 334 ff.; femer S. 317, sodann S. 154 und S. 179 ff. 

4) Die 2 jüngsten Eintragungen, S.203 und 205, sind von 1700 und 1708. 

5) Ueber diese Mühle, oberhalb St Jakob, s. Brückner V, 435. 

6) Zuweilen heisst er auch Br5glinger. 
7] Rothb. 365. 

8) Schönberg 540. 

9) S. Brodtbeckenzunft, Manual 1, S. 5. 

10) S. die Rathsbesatzungen bei Schönberg 785 ff. 



Einleitung. 167 

meister war, d. h. bis 1447, hatte er in seiner Zunft jedes 
zweite Jahr als »alter« Meister das Amt des Seckelmeisters zu 
versehen 1). Es war diess keine leichte Aufgabe, namentlich 
in den Kriegsjahren 1444 bis 1446, ak die Einnahmen aus- 

5 blieben, während die fortwährenden Kri^srüstungen der Zunft 
bedeutende Kosten verursachten. In jener Zeit des äussersten 
Greldmangel«, »wo kaum ein Bruder dem andern einen Gulden 
lieh «2), musste Brüglinger für die Beschaffung der nöihigen 
Greldmittel sorgen, wie er denn z« B. noch am 18. Juli 1446, 

10 also nach beendigtem Kriege, vom Oberstzunftmeister Andreas 
Ospemell ein Darlehen von 100 61. borgte'). 

Nach 1447, als er Bathsherr geworden, wurde er auch 
vom Bathe vorzugsweise mit Aufträgen betraut, welche das 
Finanzwesen betrafen. Schon 1448 finden wir ihn unter den 

IS 15 » Steuermeistern c^], welche die Selbsttaxation der Steuer- 
pflichtigen en^egenzunehmen hatten, und ebenso noch 1456 
unter den »Steuerherrena ^) . Auch erscheint er seit 1449 jedes 
zweite Jahr unter den »Sieben«, welche über die städtischen 
Finanzen gesetzt waren ^). Ausserdem aber kam er auch in 

20 den Fall, für die Schulden der Stadt bei ihren auswärtigen 
Gläubigern sich zu verbürgen — so z. B. 1455, als Basel dem 
Stifte St. Thomas zu Strassburg fär ein Darlehen von 1250 61. 
5 Bü^en stellen musste ^j. Neben 4 Mitgliedern der Hohen 
Stube erscheint hier Brüglinger, der Zunftbürger, als fünfter 

2& Bürge, der auch, gleich jenen, sein Siegel an diesen Brief hieng. 
Aus diesem Siegel, das die Umschrift »Hans Sperer« trägt, lernen 
wir nebenbei auch das Wappen unseres Chronisten kennen: 
in seinem Schilde führt er, unter einem Stern und den Ini- 
tialen SP (Sperer], nichts andres als eine Bretzel, also einfach 

30 das Zeichen seines Handwerks. 

Die Bürgschaft des Bäckermeisters, der solch bescheidenes 
Wappen führte, galt den Stiftsherren zu Strassburg als ge- 
nügende Sicherheit, und in der That erfreute sich Brüglinger 
eines ansehnlichen Wohlstandes. Wie wir aus seiner Chronik 

1) Manual I, S. 25, 28, 35 ec. 

2) B. Chron. I, 331, Amn. 4. 

3) Manual I, 54 und 55. 

4) Ob. It 411. Ueber dieses Amt 8. das Gesetz von 1446, bei Schön- 
berg 206. 

5) Laut Steuerbuch z. J. 1456. Ueber diese Steuerherren s. Schönberg 
134 ff. 

6) S. die Verzeichnisge bei Schönberg 81 4 ff. Ueber die Siebener ».Heusler 
241 ff. und Schönberg 28 ff. 

7) Stadt Urk. 1455 JuH 23. 



1 68 BrOgünger. 

ersehen ^), so diente er auf Kriegszügen nicht unter dem Fuss* 
Volke, wie andere Zunftbürger , sondern zu Pferde mit den 
Reisigen. Im Kriegsjahr 1446 aber, wo eine ausserordentliche 
Steuer angesetzt wurde/ versteuerte er ein Vermögen von 
800 Gl. ^). Damals lebte noch seine alte Mutter, welche mit 5 
ihm und seiner Frau zusammenwohnte; der Vater aber, der 
schon 1429 nicht mehr lebte 3), hatte dem Sohne nur weniges 
hinterlassen. Denn laut dem Steuerbuche des letztgenannten 
Jahres' besass Brüglinger damals noch keine 50 Gl.^). Im Laufe 
von anderthalb Jahrzehnten war er mithin zu dem Wohlstande 10 
gelangt, in welchem wir ihn 1446 sehen. Zu diesem be- 
merkenswerthen Aufschwünge konnten Fleiss und Sparsamkeit 
vieles beitragen; auch wissen wir nicht, ob sein Schwieger- 
vater, der 1438 starb ^), ihm vielleicht einiges hinterliess. Zu- 
gleich aber dürfen wir wohl vermuthen, dass Brüglinger neben 15 
der Bäckerei auch Getreidehandel getrieben und namentlich 
in den Jahren 1436 bis 1439, wo auf reichliche Ernten grosse 
Theurung folgte <^), seinen Vortheil gefunden habe. 

Im Jahre 1451, als für Basel die Kriegsstürme sich gel^t 
hatten, bestimmte Brüglinger für den Fall seines Todes, dass 20 
sein Haus in der Aeschen vorstadt , zum St. Georg genannt ?), 
seiner Frau Elsa als Wittwensitz verbleiben, nach ihrem Tode 
aber je zur Hälfte an das Siechenhaus St. Jakob und an den 
Spital »der armen Leute« zu Basel fallen sollet). Diese lets- 
tere Verfügung trat übrigens erst nach langer Zeit in Kraft, 25 
indem seine Frau noch 1468 lebte®]. Er selber jedoch starb 
schon gegen Ende 1456 oder Anfangs 1457 10), mit Hinter- 
lassung eines gleichnamigen Sohnes. 

1) Namentlich aus seiner Erz&hlung des Breisgauer Zuges, sowie auch 
von der Schlacht bei St Jakob; s. unten S. 178 und 189. 

2) Vgl. Schönberg 574 und 580. 

3) Wenigstens findet er sich nirgends im Steuerbuche von 1429; s.Schön- 
berg 526 ff. 

4) Die Steuer yon V2 OL, die er damals zahlte, entspricht einem Ver- 
mögen von 10 his 50 GL; vgl. Schönherg 540 und 149. 

5) Laut Manual I, 19. Sein Name wird nicht genannt. 

6) S. oben Rathsb. S. 45 ff. 

7) Jetzt No. 2. 

8) S. die Urk. im St A., Spital No. 499, vom J 8. Dec. 1451 . — Er war es 
wohl auch, der noch vor 1441 die Kaplanei zu St Michael stiftete. S. den 
Liber marcarum voii 1441. bei TrouiUat V,.49 :^tem cappellanus sancti Michae- 
lis dicti Brüglinger. — Diese Kapelle lag beim inneren Spalenthor. 

9) S. im St A., Zinse und Leifogedinge z. J. 1468. 

10) Er erscheint, wie wir oben sahen, noch als Steuerherr z. J. 1456, 
aber nicht mehr im neuen Rathe vom Juni 1457 ; s. Schönberg 791. 



Einleitung. 169 

Dieser jüngere Hans Brüglinger erscheint 1 464 als Spital- 
meister und yermählte sich in <die8em Jahre mit Agnes, der 
hioteilassenen Tochter Hans Segers von Lautenbach >]. Mit 
dieser seiner Frau stiftete er 1471 zu St. Elsbethen eine neue 
5 Pfründe für einen Kaplan am Marienaltar, sammt einer Jahr- 
zeit für sich und seine Vorfahren, und übergab das Patronat 
dieser Pfründe dem Pflegamte des Spitals'^). Obschon er zu 
dieser Stiftung 460 Gl. vergabte, so konnte er doch 1475 noch 
ein Vermögen von 1100 61. versteuern^). Wie sein Vater, so 

losass auch er von 1468 bis 1478 im Rathe als Zunftmeister der 
Brodbecken ^) und versah während dieser Zeit mehrmals das 
Amt eines Siebners ^), sowie auch eines Steuerherm^) und eines 
Zeugherm^). Vennuthlich aber starb er 1479 oder Anfangs 
1480®). Vielleicht ein Sohn dieses jungem Hans Brüglinger 

ifiwar Kaspar, der sich 1509 um eine Kaplanei im Spital be- 
warb^). Mit diesem Geistlichen scheint das Geschlecht der 
Sperer oder Brüglinger erloschen zu sein, dessen Gedächtniss 
jetzt nur noch in der Chronik seines Stammvaters fortlebt. 

Diese Chronik ist im Zunftbuche von Brüglingers eigener IH0 Chronik. 

30 Hand geschrieben, und zwar als eine fortlaufende Arbeit, ohne 
bemerkbare zeitliche Unterbrechung. Laut dem Schlussworte 
fallt ihre Vollendung auf den 12. Dec. 1446; sie wurde daher 
jedenfalls erst nach dem Friedensschlüsse vom 9. Juni d. J. 
begonnen, wenn nicht noch später. Auf dieses Schlusswort 

2& jedoch folgt noch ein unvollendeter Satz, der mit der Abreise 
Felix V. anhebt und die 16 jährige Dauer des Concils erwähnt, 
also jedenfalls erst 1447 geschrieben wurde. Brüglinger dachte 
demnach an eine Fortsetzung seiner Chronik; doch wissen wir 
nicht, was ihn bewog, schon mitten im ersten Satze abzubrechen, 

3« und ebensowenig lässt sich entscheiden, ob er auf diese Fort- 
setzung überhaupt verzichtete, oder ob er vielleicht später es 
Tor«^, sie in irgend ein anderes Buch zu schreiben, welches 
nicht der Zunft, sondern ihm eigen gehörte, aber jetzt nicht 
mehr vorhanden ist. 

33 Dem sei nun wie ihm wolle, so erscheint die im Zunfb- 



1) S. seine Eheabrede, im St. A., Spital Nr. 607. 

2) Fertigungsbuch des Stadtgerichts, Bd. yon 1469/74, S. 169 ff. 

3) Schönberg 769. 4) Ebend. 795 ff. 

5) Ebend. 818 ff. 6) Ebend. 435, Anm. 1. 

7) S. oben Rathsb. S. 74, auch Ob. V, 102. 

8} Er erscheint nicht mehr im neuen Käthe, welcher im Juni 1480 ge- 
wählt wurde; s. SchÖnbei^ 799. 
9) Ob. Vn, 135»>. 



170 Brüglingcr. 

buch erhaltene Chronik schon für sich allein als ein wohl ab- 
gerundetes Granzes. Den Hauptinhalt bildet der offene Krieg 
zwischen Basel und Oestreich, von der Kriegserklärung Basels 
im Juli 1445 bis zum Constanzer Frieden vom 9. Juni 1446, 
und aus dieser Zeit erzählt Brüglinger alle bedeutenderen Züge, 5 
d. h. alle diejenigen, auf welchen Basel mit einer Streitmacht 
von wenigstens 1000 Mann zu Felde zog. Da jedoch dieser 
Krieg hauptsächlich dadurch veranlasst war, dass Oestreich 
1444 die Armagnacken herbeigerufen hatte, so geht unser 
Chronist auf diese Ursache des ganzen Krieges zurück und lo 
beginnt deshalb seine Ernthlung mit der Schlacht bei St. Jakob. 
Den Schluss hingegen bilden die Verhandlungen zu Colmar, 
als die nothwendige Folge des Constanzer Friedens. 
WftTdigniig. Als Quelle zu diesem seinem Werke diente unserm Chro- 
nisten wohl einzig seine noch frische Erinnerung an das 6e- is 
schehene und Erlebte ; denn nirgends finden wir die geringste 
Spur, dass er amtliche Actenstücke oder dgl. zu Rathe gesogen 
hätte. Es kann daher nicht befremden, wenn er in den Zahlen 
und Datierungen nicht immer so genau ist, wie es vielleicht 
wünschbar wäre. Noch weniger aber dürfen wir uns darüber » 
wundem, dass er, als Zunftmeister und Mitglied des Rathes, 
in seiner Darstellung alles zu vermeiden sucht, was unter seinen 
Bathsgenossen und Zunftbrüdem peinliche Erinnerungen auf- 
wecken oder das gute Einvernehmen stören könnte. So schweigt 
er z. B. darüber, wie es während der Schlacht bei St. Jakob» 
auf dem Kommarkte zuging, bevor der Auszug mit dem Panner 
erfolgte^), und ebensowenig erwähnt er den Rathsbeschluss 
vom 9. April 1445, in Folge dessen die meisten Ritter und 
Achtbürger ein halbes Jahr hindurch dem Käthe fem blieben ^). 
Sogar die blutige Niederlage, welche am 27. Oct. d. J. dieso 
Bürger Klein-Basels vor dem Riehenthore erlitten'), wird mit 
keiner Sylbe erwähnt, und das wohl nur aus Schonung für 
die überlebenden Urheber und Führer jenes Ausfalls, welcher 
ohne Geheiss des Rathes und ohne Ueberlegung unternommen 
worden war. 

Dieses Schweigen Brüglingers über ejnzelne unliebsame 

1) Vgl. hierüber meine Abhandlung Aber die Schlftoht bei St. Jakob 
(Basel 1877) 8. 21. — Der anonyme Schlachtbericht aus dem Cod. Beinheim, 
den ich dort als »Brilinger« citierte, ist nicht von letzterem verfasst, sondern 
jedenfalls filter. 

2) Vgl hierQber Henmann Offenburg, Bl. 20^ ff., und Anonymus bei 
Beinheim, Bl. 37b ff. 

3) S. unten Appenwiler, Bl. 229. 



Einleitung. 17 t 

Thatsachen dürfen wir ihm wohl zu Gute halten, wenn wir 
den sonstigen Werth seiner Chronik berücksichtigen, und dieser 
besteht wesentlich darin, dass der Verfasser das meiste von 
dem, was er enoLhlt, selber miterlebt hat. Schon gleich zu 

s Anfang , bei der Schlacht bei St. Jakob » spricht er theilweise 
als Augenzeuge, indem er zu jenen Reisigen gehörte, welche an 
der Spitze der Basler hinauszogen und von ferne die kämpfen- 
den Eidgenossen sahen. In gleicher Weise gibt er sich auf 
dem Breisgauerzuge von 1445 als Augenzeugen zu erkennen, 

10 und ebenso frisch und lebendig erzählt er auch die meisten 
spateren Feldzüge, als einer, der überall selber dabei und mit 
war. Für die Geschichte Basels in den Kriegsjahren 1444 bis 
1446 wird sein Werk daher stets eine der wichtigsten Quellen 
bleiben. 

ts Obschon das Zunftbuch der Brodbecken bis zu Anfang Bisherig« 
des vorigen Jahrhunderts im Gebrauche blieb, so kam doch ^'^nn"'*^ 
die Chronik, die es enthält, schon frühe in völlige Vergessen- ^"'*'****"^' 
heit, und selbst Wurstisen scheint nichts von ihr gewusst zu 
haben. Der erste Basler Geschichtschreiber, der sie wieder zu 

30 Ehren zog und als Quelle verwerthete, war Peter Ochs in seiner 
Greschichte der Stadt und Landschaft Basel '). Ein halbes Jahr- 
hundert später, d. h. 1844, bot die vierte Säcularfeier der 
Schlacht bei St. Jakob den Anlass, Brüglingers Bericht über 
diesen Kampf im Wortlaute zu veröffentlichen 2), und noch in 

»demselben Jahre erschien im »Schweizerischen Geschicht- 
forscher« eine vollständige, durch Prof. J. Schnell besorgte 
Ausgabe der ganzen Chronik^). Die vier Jahrzehnte, welche 
seither verflossen sind, haben an der Zuverlässigkeit dieser 
ersten Ausgabe nichts geändert, und wenn wir hier dennoch 

30 eine neue Ausgabe folgen lassen, so geschieht es hauptsächlich 
aus dem Grunde, weil in einer Sammlung wie die »Basler 
Chroniken« das Werk BrügUngers keinenfalls fehlen durfte. 

Dieser neuen Ausgabe liegt eine Abschrift des Originals Nene aos- 
zu Ghrunde, welche schon vor langen Jahren durch Dr. W. Biss- ^^' 

35 egger (damals noch als Stud. Phil.) mit grosser Genauigkeit 
gefertigt wurde. Die 18 Seiten, welche die Chronik im Zunft- 
buche einnimmt, sind zweispaltig «), und demgemäss wurden im 

1) S. Ochs m, 319 ff. 

2) B. die von der Historischen Gesellschaft tu Basel herausgegebene 
Sftealarsehrift zur Schlacht bei St. Jakob, S. 5 ff. 

3) Schweix. Geschichtforscher, Bd. Xu. 

4) EinFacsimile, und zwar von S. 39 des Zunftbuches, s. bei R.Thommen, 
Schriftproben des XIV.— XVI. Jahrhunderts, Taf. 1 3. 



172 Brüglinger. 

Drucke den eingeklammerten Seitenzahlen je ein kleines 1 
oder 2 beigefügt. Hinsichtlich der Orthographie wurden auch 
hier, wie immer, alle Abkürzungen grundsätzlich au%elÖ8t. 
Nun schreibt Brüglinger die Wörter was und das nur selten 
aus, aber niemals in den Formen waz und daz; es wurden 5 
deshalb die häufigen Abkürzungen wz und dz stets nur in was 
und das aufgelöst. Ebenso wurde das überstrichene m, das hier 
nur in zwei Fällen vorkommt, im Drucke nicht als mm g^eben, 
sondern als mb, also.Mümbelgart und umbendumbhar^). 
Das überstrichene n aber, das einzig in zanggen vorkommt, 10 
wurde dem entsprechend als ng gelesen. Das verstärkte z im 
Auslaut geben wir durchweg als tz, obschon oft ebensogut cz 
könnte gelesen werden. Wie immer, so ersetzen wir auch 
hier das vocalische v durch u, und demgemäss auch das mit 
v überschriebene o, das Zeichen für den Diphthong ou, durch ö. is 
Das vocalische w hingegen hissen wir stehen, da es einzig in 
den Namen Bartlemews und Nicklaws vorkommt, wo es jeden- 
falls in der Aussprache seine Begründung hatte. 

Augenscheinliche Schreibfehler wurden verbessert und in 
die Varianten verwiesen ; die zahlreichen Schwankungen in 20 
der Orthographie hingegen, die in der damaligen Basler Mund- 
art ihren Grund haben, wurden durchweg beibehalten. Brüg- 
linger, der mit den Consonanten Verdoppelungen im ganzen 
sparsam umgeht, schwankt namentlich zwischen s und ss, 
femer zwischen 1 und 11, r und rr, und zwischen d, t und tt. 2s 
Auch schreibt er z. B. zünechst nur selten mit dem s, sondern 
meist nur zun echt. Dass in den Vocalen das lange a mit o 
abwechselt, ist bei einem Basler beinahe selbstverständlich. 
Ausserdem setzt er für i zuweilen ü, so dass wir z. B. neben 
leitent (Ißgten) auch leütent finden. Ebenso schwankt ao 
unser Chronist — der den Diphthong üe niemals nur fi schreibt 
— hie und da gerade zwischen ü und üe, und schreibt z. B. 
verwüstet neben verwüestet. 

An diese Schwankungen in der Orthographie reihen sich 
bei Brüglinger noch weitere Eigenthümlichkeiten im Satzbau, 35 
die- wir unserm wohl nur dürftig geschulten Bäckermeister zu 
gute halten müssen. In der That wird wohl Niemand es tadeln 
wollen, wenn er etwa da, wo er eine rasche Bewegung er- 
zählt, das Zeitwort weglässt, wie z. B. »und mit taresbüchsen 
under sy« statt »und schussent mite ec, oder »also Kasper Dur 40 
umb« statt »kert sich umb«. Ebensowenig wird er Unverstand- 

1) An anderer Stelle schreibt er »Mümpelgart'« und »iimbendumbe«. 



Einleitung. 173 

lieh, wenn er bei den Sammelnamen, wie Oestrich, volck, 
man, die stat Basel ec. nicht selten das Zeitwort in die 
Mehrzahl setzt, oder wenn er in einem Satze das Zeitwort oder 
ein Beiwort zweimal schreibt, d. h. vor und nach einem Zwischen- 
sgliede, wie z.B. »das sy den werent zwischent ans und die 
stat werent ^umenff. Hingegen wirkt es allerdings störend, 
wenn er hie und da, bei allzulangen Sätzen, den Faden ver- 
liert und deshalb hinter dem Zwischensatze mit einem «und« 
oder »aber« — oder in anderer Weise — neu anknüpft. Äusser- 
te dem aber bemerken wir auch mehrere kürzere Sätze, wo Brüg- 
linger einfach das Zeitwort vergessen hat, und da in einigen 
Fällen dieser Mangel noch von ihm selber nachträglich be- 
seitigt wurde , so wurden auch die übrigen fehlenden Zeit- 
wörter — soweit der Sinn sie durchaus verlangt — in tmserm 
i4 Texte ergänzt, und zwar in Cursivschrift. 

Als Beilagen zu dieser Chronik lassen wir zunächst aus 
dem Rafbüchlein einige Verordnungen des Rathes vom Aug. 
1444 folgen, welche geeignet sind, Brüglingers Bemerkungen 
über die sog. Dorfleute zu erläutern und in's richtige Licht 
2i) zu stellen, und ausserdem noch die Kundschaft über den Kloster- 
brand zu Othmarsheim, zur Ergänzung seines Berichtes über 
den letzten Zug des* ganzen Krieges. Gerne hätten wir noch 
weitere Stücke beigefügt ; doch mussten wir Maass halten, da- 
mit die Beilagen nicht umfangreicher würden als der Text der 
2s Chronik. 



[37^] Es ist zu wiisen: als sich der m&xtlicli gros kri^ 
der sich erhüb zwischent der stat von Basel und der herschaft 
von Oesterrich und den sinen ^), das die heren und die edlen, 
die hie umb gesessen worent, als der maxgrof von Bo teilen^) 
und grof Hans Ton Tierstein % der von Mörsperg ^) , her Hein- 5 
rieh von Ramstein, der do Altkilch inenhat^), und sust al die 
edelut, die zu ring umb uns worent^), — on den wolgebomen 
Juncker R&dolf von Zwingen*^), der hielt sich fromklich, das 
im nützet mocht zugezogen werden ec. — und die selben 
unser umbsesen die trügent lange zit an mit der herschaft von 10 
Oesterich, der doz&mol macht hat — den ein fürst von Oeste- 
rich was Bomscher küng, hies küng Friderich — wie sy die 
stat von Ba^el zu gantzer underbringung und verdammst bringen 
möchtent. und half inen des der vorgenant küng, und wur- 
bent an den küng von Frankrich und an sinen sun den Dalfin, i« 
das sy mit einem grosen bAsen folch in dise laut koment, die 
man namt die Schinder^), und verschribent sich inen, das sy 

4. Hb.: der margros. 

1) Die vorderOstreichischen Lande regierte seit 1443 Henog Albreeht VI., 
König Friedrichs Bruder. 

2) Markgraf Wilhelm von Hochberg, Herr su Röteln und Sauaenberg, 
war östreichischer Landyogt im Elsass, Breisgau und Schwarzwald. Ueber 
ihn und die andern hier genannten EdeUeute vgl. Fechter imB. Taschenb. 1862 
S. 6£ 

3) Graf Hans von Tierstein, Herr zu Pfeffingen und Blumenberg, war früher 
östreichischer Landvogt; s. unten den Anonymus bei Appenwiler, z. J. 1428. 

4) Peter von Mörsberg besass pfandweise seit 1443 die östreichiache 
Herrschaft Pfirt ; s. Klingenberger Chronik, Ausgabe von Henne, S. 334. 

5) Diese Herrschaft besass er pfandweise von Oestreich. 

6) Ihre Namen s. in der Verbannungsurkunde yom 21. Juli 1445, abge- 
druckt in der S&cularschrift von 1844 zur Schlacht bei St Jakob, S. 41.- 

7) Rudolf von Ramstein war Herr zu Zwingen, an der Birs, 3 St ober- 
halb Basel. 

8) Ueber die Bemühungen Friedrichs lU. und des östreichischen Adels 
zur Berufung der Armagnacken s. Fechter im Taschenb. 1862, S. 14 ff., dessen 
Darstellung hauptsächlich auf dem im St A. befindlichen »Register« der Col- 
marer Richtung von 1446 beruht, und zwar auf Bl. 231 ff., 363b und 570 ff. Die 
betreffenden Stellen sind theilweise abgedruckt in der Säcularschrift von 1844 
S. 26 ff., und bei Brückner Y, 456—465. Vgl. auch Klingenberg S. 332 ff. 



1444. 175 

in alle die slos w&ltent ingeben, die die herschaft enent dem 
Bin oder hiedisent hetent^); der Ach inen wol by 6 odei 7 
wuident^), als Mümbelgart, MünsteioU^] und Altkilch, Ensisen, 
Waltzhüt, Löfenberg, Seckingen^) und sust Ach andere slos, 

sdo sy wurdent ingelosen, also hieltent sy sich wol by ach- 
tagen bescheidenlich, das ir die lüte fast firA worent, und won- 
dent, sy hettent die stat von Basel gantz oft iren fäesen breche, 
und als nun [37^] die geslacht geschach zd Sant Jockob, dor- 
nach brochent sy in und nomen den lüten, was sy hatent, 

1« und stiesent sy us und leptent mörtUchen mit inen, und risen 
inen ire kelen ab, und tiibent gros unftir mit den fiAwen und 
mit den d6chttem; und also wart ein grussenlich klag in dem 
land von dem bSssen Tolch; und also koment sy fiii unser 
stat renen, und erstochent und fiengen und noment, was sy 

t&funden, ros und lüt und gut; das was uf fritag vor sant ^'^^^ ^*** 21-24 
lemews tag, der was am mentag, und die drige tag worent sy 
alw^ vor unsser stat^). 

Und also macht es sich, das unsßr eigenosen von Bern 
and von Sollentom^) und sust von allen ortten der Eignes- 

1» Schaft logen vor Farsperg, und logent die überigen Eigenossen 
Tor Zürich, und als nun das bAs folch umb uns lag an dem 
BlAwen ^ und do harumb in dem gebirg untas gon Bratellen — 
do lag der cappendSnien einer wol mit 3 oder 4 hundert pfer- 
den — also nu das folch von den Eigenossen vast mutwillig 

^worent und Ach nüt wüsten, das des bAsen vojchs so yil was^), 

1} Ueber ihre Zusagen s. die Instruction der französischen Qesandten, 
Tom 24. Januar 1447, abgedruckt in der Bftcularschrift 1844, S. 98. 

2} Die erst im September besetzten Orte im Elsass sind hier nicht inbe- 
griffen; vgL oben Bathsbücher %. J. 1444, S. 53. 

3) MOnstral, jetzt an der deutsch-französischen Grenze, an der Strasse 
von Montb^liard nach Basel. 

4) Ueber die Besetzung dieser östreichischen Waldst&dte s. unten. 

5) Ueber die FeindseUgkeiten dieser ersten Tage s. Basels Brief vom 
25. Aug.. an Strassbu^, abgedruckt im Auszug bei Ochs III, 341 ff., sowie 
auch Fechter im Taschenb. 1862, S. 31 fL, dessen Darstellimg hier hauptsftch- 
lieh auf dem der schon erwähnten Cohnarer Richtung, Bl. 112, 828 ff. und 952, 
beruht. 

6) Mit Bern und Solothum hatte sich Basel am 2. MArz 1441 auf 20 Jahre 
Tcrbündet; s. oben S. 50, Anm. 4. 

7) Der Jura-Blauen bildet die südliche Grenze des Leimenthals, wo die 
Armagnacken lagen, und reicht ostwfirta bis an die Birs, über welche hinaus 
ihre' Vorhut bis Fratteln sich ausdehnte; ygL oben Rathsb. S. 53 ff. 

8) Ueber die verschiedenen Nachrichten und Zuzüge , welche die Eid- 
genossen Tor Famsburg im Laufe des 24. und 25. Aug. erhielten, s. die Schrift 
des Herausgebers: Die Schlacht bei St. Jakob an der Birs (Basel 1877, C. Det- 
loff; S. 5 ff. 



1 76 Brügliftger. 

do machtent sich wol 13 hundei^) zti einander und machtent 
höptluty und sworent do den oberesten hSpÜiitten: nüt fiir 
Bratelen ab oder für Mutentz ze kumen, den den berg ae half 
nemen, ob sy geilt wurdent, das sy wol on schaden wider sem 
folch kement. & 

Aog. 2s Also zugent sy an einem zistag gegen der nacht von Fars- 
perg und koment umb die mitemacht gon LiestaP). und be- 
libent by dusingen vor der stat, die überigen koment hinin, und 
noment do Ach die geredsten, das ir by 15 hundert [38^] wart; 
und enhieltent sich vor und in der stat so lang, das ire die lo 
Schinder ine wurdent; wane sy hatent ir wart bis zem g&ten 
hus zu 3). und also sy ir inen wurdent ^ do machtent sy sich 
uf die gul und zugent al uf die maten^), und sicktent ix 
botschaft zu allen herren, als sy zu ring umb logen, und en- 
bottent inen, das die Schwitzer im feld werend. is 

(Aug. 26) Und also grifen die Eigenosen das folch an zti Bratelen ^), 
und noment die Schinder die flucht, und iltent in die Eige* 
nosen noch, wer aller, basest löfen mocht, der tet es^ und 
hieltent sich z&mol unordenlich und woltent nieman folgen, 
den min heren von Basel ^) hattent einen diener , genant Fri- 20 
derich, was von Strosburg*^), der hat das folch überslagen; den 
er was von Liestal usgesickt, das er solt besechen, wie es 
sich machen wolt^). der seit in und bat sy, das sy nüt fiirer 
zugend, den des folchs were zu vil; den erstochent sy dorumb, 
das er sy in gutem warnet. 2& 

15. Hs.: enbottent inent. 

1) lieber die Richtigkeit dieser Zahl s. ebenfalls A. B., Die Schlacht 
bei St. Jakob, S. 6. 

2] In Liestal lag als Besatzung die Mannschaft der haselischen Aemter 
Liestal und Waidenburg, nebst einigen aus Basel gesandten Söldnern ; s. A. B., 
Die Schlacht ec, S. 4 und 6 ff. 

3) Das »Gutleutenhaus«, jetzt »der alte Spital«, V4 St. unterhalb Liestal, 
diente damals noch als Siechenhaus. — Uebrigens erfuhr der Feind das An- 
rücken der Eidgenossen noch auf anderem Wege; s. A. B., Schlacht ee., S. S. 

4) Vgl. den Brief Thürings von HaUwil, Sftcularschrift S. 46: uff der 
matten ze Brattelen. 

5) Bei Pratteln erfolgte allerdings -^ noch vor Tagesanbruch — der erste 
Angriff. Das eigentliche Treffen aber, welches hier gemeint ist, geschah erst 
nach weiterem Vorrücken, nahe bei Muttenz; s. A. B., Schlacht, S. 10 ff. 

6) »min heren« bezeichnet immer den Bath. 

7) Er war ein reisiger Söldner; s. Appenwüer, Bl. 225. 

8) D. h. er war von Liestal, zu dessen Besatzung er gehörte, mit den 
Eidgenossen ausgezogen und war einer jener zwei Boten, welche Brüglinger 
erst nachträglich erwihnt, und die auf Umwegen in>aller Frühe Basel erreicht 
hatten; s. unten. Er kam also jetzt aus der Stadt zurück, und zwar im Auf- 
trage des Oberstzunftmeisters. S. hierüber A. B., Schlacht., S. 17 ff. 



1444. 177 

Und 80 koment sy uf die Birs^); do sochent sy die herrst 
TOI inen zu Gundeldingen halten^), also h&bent die hAptlut 
das folch iif, untz das ii der merteil zu einander kam'] ; und 
woltent die hAptlüt, das das folch beliben were, und ennantent 

ssy ir eiden. aber es half nüt; sy woltent nüt folgen und wog- 
tent sich über das waser. und hatent zwen boten von inen 
geschickt^); die koment an das tor^), eb das man ufilos. als 
lies man sy in, und koment züic dem Zunftmeister, das was 
Anderes Oq>emel; der lies zu stund in den rot lüten^). und 

»wart man mit kurtzem zu rot, das man mit [38^) der paner 
Qszoch '') ; und in einer stund was man vor das dor ^) mit der 
macht, und hatent ein grose begird, dem folch ze helf ze ku- 
ment. aber min heren hatent ir wartlüt vor hingeschickt, 
nämlich C^niat Düren ^), der dozümol der reisigen höptman 

15 was ^<^), und rucktent mit der paner furus z& dem kepelin^^). 

3. Hl.: den merteil. 

1 ) Die Bin fliesst in einer breiten Vertiefung, welche die Ebene durch- 
Bclmeidet und zum Theü durch steile Abhftnge begrenzt wird. Das FluBsbett, 
jetxt corrigiert, bildete damalB noch viele Arme und Inseln. 

2) Oundoldingen, damals ein Weiler mit zwei WeiherschlGsschen, liegt 
am Fasse des Bruderholses und am Rande der Ebene, Vi St. südwestlich yon 
St Jakob und von der Birs. 

3) lieber die Wenigen, welche noch nicht zur Stelle waren, s. A. B., 
Schlacht, 8. 26 und 40. 

4) Diese Boten erwfthnt BrÜglinger erst hier, weil sie den Ausgangs- 
punkt zu den Vorgingen in Basel bilden, zu denen er jetzt übergeht. Der eine 
dieser zwei Boten war der schon oben erwähnte friedlich von Strassburg. 
lieber den Zweck ihrer Sendung s. A. B*i Schlacht, S. 18 £ 

5) Das Aeschenthor. Denn nur dieses und das Spalenthor wurden auch 
in Kriegsseit über Tag ge^yffiiet; s. Ob. I, 172. — Der Weg dieser zwei Boten 
gieng rermuthlich yon Pratteln aus durch die Hardt und unten beim Birsfeld 
über die Bin. 

6) Ospemell wohnte in der St. Johannyorstadt ; s. Schönberg 635. Mög- 
lieherweise war er aber bereits auf dem Rathhause, als die zwei Boten ein- 
trafen. — Hier hfttte BrÜglinger die Rücksendung des einen dieser zwei Boten 
zu den Eidgenossen erwtimen sollen, lieber den muthmasslichen Grund sei- 
nes Schweigens s. A. B., Schlacht, S. 20. 

7) BrÜglinger rerschweigt hier 'den stürmischen Auftritt vor dem Rath- 
hause, der diesen Beschluss herbeiführte. S. hierüber den anonymen Bericht 
im Cod. Beinheim, Bl. 265^ ff., abgedruckt in der S&cularschrüt S. 15, und 
TgL A. B., Schlacht, S. 21 ff. 

8) Das Aeschenthor; s. A. B., Sohlacht, S. 21. 

9) Conrat Sachse genant Dürre diente der Stadt bis Juli 1447 als Haupt- 
mann der Söldner ; s. Ob. 1, 376, und Stftdt. Urk. 1446 JuU 1 1 und 1447 JuU 1 5. 
Spiter jedoch diente er Baäds Feinden ; s. Ob. I, 400 und Appenwiler z. J. 1 448. 

10) D. h. der reisigen Söldner, nicht der Reisigen überhaupt; s. unten 
8. 178, Anm. 2. 

11) Zur St Katharinenkapelle Tor dem Aeschenthor, an der Wegscheide, 

BMlex Ckroniken. IT. 12 



178 BFflglinger. 

als kam Cünrat Dür, der hat die hufen gesechen, und der bat 
das folch, das sy nüt furei augent, und kam zu her Hans 
Boten, der was des mols burgermeister ^), zä Hans von LAfen^) 
und zh den hSptlüten, und seit inen, wie die herrst hieltent, 
und wie ir ufsatz was. also sachent wir es öch selber wol ') ; & 
den sy hieltent by Gundeldingen an dem rein und hatent einen 
spitz gemacht, wen wir werent fiir die krutcstein kumen, das 
sy den werent zwischent uns und die stat werent kumen. die 
liberigen die randent uf dem rein zt Sant Jockob *) , und foch- 
tent mit den Eignosen. also kam her Hans Bot und der lo 
von Löfen, und gebudent dem folch wider inzeziechen^}. wie- 
wol nun man sach, das wir nützet gegen dem folch werent — 
den ir worent wol 60 dusing fechtbar folchs^j — so brochtent 
sy doch das folch mit jomer wider in. und gab uns got und 
sin liebe müter das gelück, das wir nüt volzugent; anders is 
wir werent umb lib und umb gftt kumen, und umb das ales, 
das uns got ie verliehen hat, und umb die stat dorz&^. als 
rucktent wir mit der paner über die falbrug in, und müsten also 

wo jetit dag St. Jakobsdenkmal steht; vgL unten Appenwiler, BL 225. Von 
hier föhrt links die OberländerstnuMe eben fort nach St Jakob, w&hrend rechts 
die DelsbergeratrasBe zunfichsf etwas steigt, um dann über die Ebene von 
Oundoldingen zu fahren. Gleich oberhalb der Steigung, beim jetsigen Bahn- 
flbergange, stund damals ein Kreuzstein; s. Fechters Top. 145. Erst von hier 
aus war der bei Gtmdoldingen stehende Feind sichtbar, nicht aber von der 
tiefer gelegenen Kapelle aus, wo das Basler Fussvolk stehen blieb. 

1) Ueber Hans Rot, den Sohn des Oberstzunftmeisters Gdtxmann und 
Vater des späteren BOrgermeisters Peter, s. Beiträge XI, 331 ff. 

2) Er war Hauptmann der Reisigen (s. unten z. J. 1445) und Vater des 
späteren Oberstzunftmeisters Bernhard Ton Laufen; s. oben Rathsbücher 
S. 61, und Colm. Richtung, BL 344b. 

3) Brflglinger diente unter den Reisigen; s. unten S. 189. — Diese 
Reisigen zogen dem Fussrolke voraus bis zum Kreuzstein, und ebenso die 
Hauptleute des Fussrolks, während letzteres unten bei der Kapelle stehen 
blieb. Die Söldner aber, unter Konrad Dürr, waren vorher zur Recognoseienmg 
noch weiter hinausgeritten. VgL hierüber A. B., Schlacht» S. 22 ff. 

4) D. h. oberhalb des Abhanges, der die Ebene bei Oundoldingen von 
dem tiefer gelegenen St Jakob trennt Ueber diesen Kampf der Eidgenossen 
im offenen Felde s. A. B., Schlacht, S. 15 ff. 

5) Ueber die weiteren Umstände, welche für den Rückzug entsdiieden, 
s. den anonymen Bericht im Cod. Beinheim, BL 265 ff., abgedr. a. a. O. 

6) Diese Zahl gab dem Heere das landläufige Gerücht, das ihm voraus- 
gieng; vgl. den Brief Basels an Strassburg, vom 25. Aug. 1444, im Auszuge 
bei Ochs III, 342. — Ueber ihre wirkliche Stärke s. Tuetej, Les öeoreheurs 
sous Charles VII, Bd. I, 148 ff., und demnach A. B., Schlacht» S. 13 ff. VgL 
auch oben S^ 53, Anm. 4. 

7) Ueber den feindlichen Anschlag auf die Stadt, der bei weiterem Vor- 
rücken der Basler zur Ausführung gelai^ wäre, s. A.B., Schlacht, S. 9 und 24. 



1444. 179 

unser g&tten firund gotes genoden losen warten und erslagen 
weiden, das wir [39^] doch leider nüt ge wenden kundent nochte 
mochtent. also wart man sü rot, als des b&Bsen folchs so vil 
was, das ieder man gieng an das ort, do er hin geordnet was, 

s das was an die muren der stat und uf die letsen, ob es were, 
das sy einen müt¥nlen w61tent begon, das den iederman wüste 
zu werend. 

Also Yochtent sy mit einander unts uf die vesper^), und 
machttent sich die Eigenossen, so vil ire nochten was, süsamen 

teund komen in den garten^), und stiesent die Schinder der 
gutlüt hus an und yerbrandent das, und machtent ein gros loch 
durch die muren, die umb den garten gieng, das sy A inen 
kumen mochtent'). und wene ein schar müed oder erslagen 
wart, so kam die. ander, das der heren^) und des bösen folchs so 

IS yü erslagen in dem garten wart, doch der mertteil wart usser- 
halb, eb sy in den garten koment, erslagen^); den sy hattent 
wol 6 hundert bogner, die wertent nüt als lang — als wir das 
an guter kundschaft siderhar er&ren habent — als einer 
mocht der halben stat lang gon<^), wene das sy uf zweyen 

29hufen I(^en. 

Also das nim wert untz uf die vesper, do erdochtent die 
heren und brochent zu siten l&cher in die mur, und mit tares- 
büchsen under sy^), und verwüsteten ir so vil, das sy erzug- 
tent; den das geschach, das dick 40 verwüestet wurdent. 

s Also gewunent sy die Eigenosen; und was der iren er- 
slagen wart, die lüdent sy uf und f&rtent sy al danen, sy we- 
rend edel oder unedel, en deil ftirtent sy in Brabant und in 

1&. Es. : den nert«i]. 

1) Diese Zeitangabe (5 bis 7 Uhr Abends) bezieht sich nicht auf das 
Ende der Schlacht im offenen Felde, sondern des Kampfes Oberhaupt, d. h. 
auf die Erstfirmung des Sieehenhauses yon St Jakob ; s. unten. 

2) Ueber diesen Rückzug aus dem offenen Feld in's Siechenhaus, der 
um Mittagszeit erfolgte, s. A. B., Schlacht, S. 26 ff. 

3) Ueber den Kampf um das Siechenhaus vgl. Appenwiler, Bl. 225, auch 
A. B., Sehlacht, S. 29 ff. 

4) »Die heren«, d. h. der (Vstreichische Adel, zum Unterschiede von den 
Annagnaeken, welche hier »das bdse folchs heissen. 

5) D. h. in der Schlacht auf offenem Felde, am Vormittag. 

6) Der Umfiuig der ftussem Ringmauer von Qrossbasel, vom St. Alban- 
thor bis zum St. Johannsthor, betrug kaum eine kleine Stunde. Brüglinger 
vill also hier sagen, dass diese Bogenschfltzen in Zeit einer halben Stunde 
•nigerieben wurden. Ueber diesen Kampf mit den Bogenschfltzen Tgl. Appen- 
vüer, BL 225, und Aeneas Sylvius, abgedruckt in der SScularschrift S. 50. 

7) Ueber die Ursache, warum das Geschütz erst gegen Abend zur Ver- 
wendung kam, s. A. B., Schlacht, S. 30 ff. 

12» 



180 Brüglinger. 

Franckrich und in Niderlant, do koment vil hin, als wir [39^] das 
ales domoch erf&ient an gewisei kuntschafib; die übeiigen 
fürten sy umbendum, als gon Gundeldingen und gon ArÜBen, 
gon Esch, gon TerwilT^), und wo sy sy hinbringen mochten, 
und verbranden sy, en teil yergr&ben sy öch. und was der s 
Eignosen erslagen wurdent, die belibent uf der walstat; der wo- 
rent wol by 12 oder 13 hundert^) gerader herlicher manen, als 
wir oder die gants Eigenosschaft mochtent haben, also morndes 
AnK.27,28.29am doustag, und am fridtag und samstag^}, do worent die erbem 

brueder zu den Barfbsen und öch ander from lüt, und von des lo 
TaMngs folchs einer oder zwen herolt, die fich doby worent; 
und wurden die erslagenen lüt begraben und wurdent sü g&ter 
mos in ein loch geleit hinder der kilchen, und wart doselbest ge- 
1444 wicht ec.^) dis beschach ales noch der gehurt Cristy 1444 jor 
Auff. 26 noch sant Bartlomews tag an der mitw&ch; und donstag, firitag is 
^^' * ' und samstag wurden sy vergraben ec. 

(Ang. 30) Also die geslacht geschach, domoch in 4 oder 5 tagen 
noment sy Waltshüt in, und Löfenberg, Seckingen^) und sust 
ftch vil slos untz für Strosburg ab, wo sy mochtent in kumen^^); 
die slos werent, wes sy wAlten. und dribent grosen mortlichen 20 
gewalt in disem laut, mit kellen abrisen, mit die gefangen in 
kisten besliesen, und den.frAwen vil schänden und Übels, das 
sy inen andotent. und enhielten sich den gantzen wintter 
mit Yil Übels in disem land; dane sy hatent wol by 20 slosen^) 
ine hantz. 2s 

18. Ui.: walth&t . 19. Hf.: strobug. 21. Hb.: In diesem laat. 

1) Ariesheim und Aesch im Binthal, Therwil im Leimenthal. Weitere 
Begrftbni888t&tten nennt Appenwfler, Bl. 225. 

2) Da Brüglinger die Eidgenossen vor Beginn des Kampfes auf 1500 
Mann sch&tzt (s. oben 8. 176), so nimmt er neben 1300 Todten noch 200 Ueber- 
lebende an. lieber die Richtigkeit dieser seiner Sch&tzung s. A. B., Schlacht, 
S. 41 ff. 

3) D. h. Donnerstags begaben sich zwei BarfOsser aus der Stadt und er- 
wirkten vom Dauphin freies Geleit für die Gesandtschaft des Rathes, welche 
am Freitag ihn aufsuchte; s. Fechter im Taschenb. 1862, S. 51. Hierauf be- 
gann Samstags die Bestattung der Todten, welche bis Sonntag Abends dauerte, 
und worüber Appenwiler, BL 225^, und Beinheim, Bl. 1^, N&heres berichten. 

4) Diese Einweihung erfolgte erst im October; s. Appenwiler a. a. O. 

5) Der Aufbruch dorthin erfolgte schon am 28. Aug., aber die Einnahme 
von Seckingen am 30. Aug.; s. Appenwiler, Bl. 225, und Beinheim, BL 2. 

6) Ueber die Eroberungen im Ekass s. den Bericht bei Schilter 917 ff., 
und die Strassb. Fortsetiung su Königshofen, bei Mone UI, 527 ff., auch 
oben Bathsbücher S. 53. 

7) Beinheim, BL 3^, nennt 22 solcher Schlösser und Stftdtchen. Eine 



t444- 181 

Al8 nu die heren mit iiem geforUchen ufratz die stat von 
Hasel Terroten und gegen dem küng von Franckrich und 
[40^] sim sun dem Dalfin ÜEdschlich verlogen hatent, do süchtent 
min heren an den Dalfin — dei was doz&mol zu Waltenkofen i) — (^«g. 27) 

iwes wilen er gegen der stat von Basel wer^j. also liet er ein 
tag gon Altkilch; und gab minen heren ein frige geleit dohin 
and widerumb an ir gewarsame^). als nun die heren zu dem 
Dalfin koment und ir sacken anhübent, worumb sy dane us-(Aag. ai) 
gefertget worent, also hüb er an durch etlich der sinen: wie 

II die heren in disem laut, und öch die herschaft von Oesterrich, 
an sinen vatter den küng von Franckrich und an ine hetent 
losen bringen y wie die stat von Basel sich sti den Switseren 
geton hetent, dorumb das sy allen adel verdriben wöltent. 
Ach ret er: er were für unser stat kumen, und hetent mit 

tsbüchsen zu im geschosen, do begerde er wandel umb^). das 
drite was, das er forderet: wie ein küng von Franckrich ge- 
walt hete über die stat von Basel und joch über das RAmsch 
rieh, das er noch in alten r Adlon funde^). das worent drye 
ansprechen, die er an die stat von Basel hat, und begert do, 

20 das die stat von Basel den von Bern und Solentorn, zu den 
sy sich verbunden hett wider den adel, die vereinung abtun 
sÄlte, dch sich der krön von Frankrich underdenig machen; 
und was fiyheitten in der RAmsch küng bette gegeben, die 

Ueberaicht der Winterquartiere 8. im Brief des Antoniter-Prficeptora su Issen- 
heim, bei Tuetey 11, 519, und im Bericht bei Schilter 923. 

1) Im Schlosse zu Waltighofen, a. d. 111, 5 St. westlich von Basel, hatte 
der Dauphin vom 23. bis 28. Aug. sein Hauptquartier jedoch ohne sich fort- 
während dort au&uhalten; s. den Brief des Prficeptors von Issenheim, bei 
Tuetey U, 512 ff. 

2) Ueber diese Gesandtschaft des Raths, für welche am 27. Aug. zwei 
Barfilasennönche sicheres Geleit nachgesucht hatten, und welche hierauf den 
Dauphin zu Folgensburg (halbwegs zwischen Basel und Waltighofen) traf, 
s. Gohnarer Richtung, BL 579 und 712, und Beinheim, Bl. 1^ — Schon vor der 
Sdüaeht, am 22. Aug., hatte der Rath in firiedlichem Sinne dem Dauphin ge- 
sehrieben; s. diesen Brief im St. A., un Sammelband St 91 (11), S. 89 ff. 

3) Diese neue Gesandtschaft, welche sowohl das Goncil als die Stadt 
Basel vertrat, kam am 31. Aug. nach Altkirch und erwirkte einen Waffenstill- 
stand bis 8. Sept; s. den Brief des Präceptors von Issenheim, bei Tuetey ü, 513, 
und Beinheim, Bl. 2. 

4) Am 24. Aug. war er von Waltighofen aus mit kleinem Gefolge bis vor 
Basel geritten, um die Stadt zu besehen. S. den Brief des PrAceptors von 
Issenheim a. a. O., und vgl. Eidgen. Abschiede U, 180. Vgl. auch Ob. I, 194: 
von des gelSuffs wegen an den Spalen. 

5) Ueber diese dritte Forderung vgl. die Berichte Ober die Verhandlungen 
Tom 6. Sept zu Basel, in Eidgen. Abschiede ü, 180 und Colmafer Richtung, 
Bl 334»». 



1 82 BrOgJinger. 

w61te er inen beetetegen und sust ander firyheitten ftch denü 
geben, und für das man zu im gescbooen hatt mit büchsen, 
tdx die smoch und ander ansproch hiesch er hundert dusing 
guldin^). 

Als nun die heren von dem heiligen cuntadlien öch mit & 
unsem hexen zu Altkilch worent und die [40^] ansprochen 

(Sept. 6) hattent gehört, die leitent einen anderen tag gon Basel 2) in 
des kardenals von Arly^) hof, das was zem Tütschen Hus^), 
und wurdent des Dalfings folchs wol 40 pfert dohin getröstet. 

(Sept 19) also wart do noch vil deding ein fride gemacht zwischen dem lo 
bösen folch und der stat von Basels); aber sy hieltent in nie tag. 

(Oet. 28) Also wart gesucht von bopst Veilix dem fünften , wie er 
ein richtung machte under der Eignosschaft und der stat von 
Basel, und wer inen zu versprechen stüent, und dem küng 
von Franckrich und sim sun dem Dalfin ewenklich^); aber er 15 
wart von inen nie gehalten, den wir müsten nüt dester miner 
an der ringmuren und uf den letzen und uf den turnen hüeten, 
das es alweg an der andern oder driten oder vierden nacht an 
ein kam, das er wachen m&st^). und driben grosen mörtlichen 

15. Hb. : wewenUich. 

1) Blit dieser übertriebenen Angabe vgl. das Genauere bei Fechter, im 
Taschenb. 1862, S. 68. 

2) Auf den 6. Sept. ; 8. Beinheim, Bl. 2^. Zu diesem Zwecke wurde in 
Altkirch ein 8tftgiger Waffenstillstand yereinbart, vom 1. bis 8. Sept ; s. Bein- 
heim a. a. O., und den Brief von Issenheim, bei Tuetey 11, 513. — Der Bericht 
in den Eidgen. Abschieden n, 180, welchem Fechter S. 56 folgt, ist darin un- 
genau, dass er diesen Tag su Basel in den August setst. 

3] Ludwig Allemand, Cardinal von St Cftcilien und Enbischof von Arles, 
war seit 1438 Vorsteher des Concils. 

4) Das Deutschordenshaus in der Rittergasse mochte der Gesandtschaft 
als Wohnung dienen. Die Verhandlungen jedoch wurden ini Augustiner- 
kloster, jetzt Museum, geführt; s. Eidgen. Ahschiede 11, 180, und Colmarer 
Richtung 334^. 

5) Auf den Tag su Basel, der vom 6. bis 11. Sept. währte, folgten vom 
13. bis 19. weitere Verhandlungen su Ensisheim. Hier wurde ein 20tägiger 
Waffenstillstand vereinbart, der am 20. Sept. begann und später verlängert 
wurde. S. Beinheim, Bl. 2^ und 3b, femer Eidgen. Abschiede U, 180—183, 
und den Brief des Bischofs von Basel an Bischof Heinrich von Constans, vom 
20. Sept., im Auszuge bei Fechter, Taschenb. 1862, S. 58 ff. 

6) lieber diesen Frieden, der am 21. Oet. zu Zofingen vereinbart und am 
28. Oct vom Dauphin su Ensisheim unterzeichnet wurde, s. Eidgen. Absch. 
II, 807 ff., auch Fechter im Taschenb. 63 ff., und namentlich Tuetey I, 245 ff., 
durch dessen Forschungen alle früheren Darstellungen überholt sind. — Basel 
scheint diesem Frieden erst am 19. Nov. beigetreten zu sein und liess ihn erst 
am 26. Nov. ausrufen; s. Beinheim, BL 4, und Ruf buch I, 148. 

7) Eine Wachtordnung aus dieser Zeit, doch ohne Datum, s. im Liber 



1445. 183 

gewalt den ganixen winder, mit fachen, mit kelen abrisen^ den iu4/5 
fröwen gros smochheit eibütent, und verherjetden das lant; 
und die slos, do sy ine logent, als Altkilch und Ensisen, die 
▼erwüsteten sy so vast, das dovon nüt ze schriben ist^); und 

5 mit groser unr&w verdriben wir den winter. 

Als nun der sumer harzu kam und wir mit den dorflüten 1445 
Till drangs hatent, wiewol sy unser vienden worent, so bieltent wir 
sy doch, wiewol das sy den von Basel vil Übels tetent mit b6sen 
schantlichen werten, die sy retent und meinent, es were kein 

10 dorf so snöd, man were [41^] sicherer din, den in der stat Basell, 
und meintent, wir möchtönt die stat nüt dry tag vor inen 
gehept haben — dennacht so woltent min heren sich mit 
dem hosten nüt rechen, und hielten sy also, den das sy sweren 
müsten der stat nutz und er, und iren schaden wenden^), und 

15 deiltent.sy zu den zünften; den hülfen sy wachen uf den letzen 
und an den muren, sust anders nüt. und wer das burgrecht 
wolt köfen, dem wart es umb 3s.^), dorumb das sy dester 
fiomer werent; dan min heren forchtent ander nüt den verre* 
tery von den buren. 

20 Also nu der Dalfin in dem land wider und für für, do 
hatent min heren heimlichen ir kuntschaft, das sy vernoment, 
wie er in dis lant kumen was und durch wes wilen, und wer 
in dorzü beweigt hat: das es anders nieman hat zu brecht, den 
die heren, die hie umb worent^), und die herschaft von Oester- 

2srich^). und vemoment, wie yill ire zu Sant Jockob erslagen 

6. Es. : hsr hanfi. 7. Hs* : TiendeBden. 12. Es. : nüt min heren» 

Dnr. Kerum 83 — 85. ~ Ueber die Stärke der einzelnen Zanfte b. die Mann- 
schaftacala im Ob. I, 241, wovon ein Auszug bei Heusler 265. 

1) 8. Basels Brief an Strassburg, yom 26. (nicht 28.) Jan. 1445, bei Ochs 
ni, 426 in der Anm. — Das Missivenbuch 1442 — 1446, das diesen Brief ent- 
hielt, ist im St. A. nicht mehr rorhanden. 

2) Ueber diese Aufenthalter, welche schwören mussten, s. in der Beilage I 
die 3 Verordnungen vom Aug. 1444. 

3) Ueber diese Bürgeraufhahmen s. in der Beilage I die Verordnung vom 
13. Aug. 1444, auch oben Rathsb. S. 53. — Die obigen 3 s. waren nur die Ein- 
schreibgebühr, welche dem Stadtschreiber für jede Bürgeraufnahme — auch 
fOr die unentgeltlichen — bezahlt werden musste ; s. das Bürgerrechtsgesetz 
Ton 1441, im Rh. 148. 

4) Das Ergebniss dieser Untersuchung führte zu dem Rathsbeschlusa 
vom 21. Juli 1445, welcher die Schuldigen nannte und ihnen für immer y er- 
bot, in der Stadt sich haush&blich niederzulassen; s. Stftdt Urk. 1445 Juli 21, 
abgedruckt bei Wurstisen 393 und in der S&cularschrift von 1844, S. 40 S. 

5) Von den zwei Briefen, yom 21. imd 22. Aug. 1443, womit König 
Friedrich und Herzog Sigismund den König yon Frankreich um Zusendung 
der Armagnacken baten, erhielt Basel Kenntniss durch ein Vidimus yom 



184 Brüglinger. 

wart; das erf&rent wir an den cappend6nyen ^} , das ir ob 22 
hundert worent. 

Min 28 Also nu der Dalfin wart das länt rumen z& den oetem^), 
do wart also Öde in der herschaft slos, das die lüt anderswo har 
züchen mästent, als von Nüwenburg, von Bnsach, von Friburg, h 
und do sy dane hin geflochen worent. und hettent min heren 
wol vil der herschaft slos ingenomen; aber es geschach nüt, 
wiewol die herschaft mortlich und schantlichen an der stat 
von Basel gefaren hat. aber Pfefingen und Blotzen') das no- 
ment min heren z& iren banden, den es was grof Hansen lu 
swoger der Win- [41^] eger, und öch sin fogt Spechbach, iemer- 
dar by den Schineren und öch gesin an der slacht zt Sant 
Jockob^}. und seit man, das die büchs, dovon die Eignosen 
gewunen wurden, das die ab Pfefingen keme^); dorumb no- 

(Aprii 20) ment min heren das slos Pfefingen in®), und seit man Ach, 15 
das Götz Heinrich von Eptingen^) an der slacht were gesin; 

(April 13) dorumb noment sy Blotzen in^). und zugen do gon Alten 

7. Hs: TU der der. 11. H«.: «woge dar. 

10. Juli 1445; s. Liber Div. Rerum, BL 79b f., auch Colm. Richtung, BL 570 ff. 
— Den Text dieser Briefe s. bei Brückner V, 456 ff. 

1) Seit dem Friedensschlüsse kamen sie hftuflg nach Basel und besuchten 
die Wirthshftuser; s. Basels Brief an Strassburg, vom 18. Deo. 1444, bei Ochs 
m, 420 ff., auch Fechter im B. Taschenb. 1862, S. 69. 

2) Der Dauphin selber verliess das Elsass schon am 8. Jan. 1445, sein 
Heer aber erst Ende Mars; s. Beinheim, BL 4 ff. — Eine Schaar blieb noeh su 
Montb^liard bis Oct. 1445; s. unten S. 185. 

3) Das Schloss zu Blotsheim, 2 St westlieh Ton Basel, gehörte Götz 
Heinrich von Eptingen. 

4) Vgl. hiezu den Fehdebrief Basels an den Gfrafen von Tierstein, Tom 
19. April, im StA., Geh. Reg. FIG. — Ueber Hans von Wineck, den Schwa- 
ger des Grafen von Tierstein, und über Hans Heinrich von Spechtbaeh, des 
Grafen Vogt su Blumenberg, s. die Kundschaften in der Säculaischrift von 
1844, S. 28, 35 und 36, auch Fechter a. a. O. 71. ~ Spechtbach hatte 1424 der 
Stadt als Söldner gedient ; s. das Verzeichniss im St A.. Band St 91 ( 1 1), S. 14 ff. 

5) Derselbe Verdacht erhob sich auch gegen Konrad Münch von Mflnchen- 
ntein; s. dessen Brief vom 15. Nov. 1444, im Brief b. IV, 225. Ueber die Her- 
kunft des Pulvers su diesen Geschfltsen s. Schamdocher, bei Oefelius, Script 
rer. Boicar. I, 316, und Tgl. A. B., Schlacht S. 31. 

6) Ueber die Einnahme von Pfeffingen, am 20. April, s. Appenwiler, 
Bl. 231. 

7) Götz Heinrich von Eptingen war su Basel im Rathe gesessen bis 1439. 
Ueber ihn s. Wurstisen 389, auch Fechter a. a. O. 14. 

8) Ueber die Einnahme von Blotsheim, am 13. April, ygL Appenwiler, 
Bl. 231, Offenburg, Bl. 24 und Beinheim, BL 5. — Sowohl hier als in Pfef&ngen 
wurde eine Besatzung surüokgelassen ; s. Ob. I, 219. 



1445. 185 

Pfirt^] und gewunent das wyerhus^), und förtent ein grose 
suin komes do danen; das deilt man under die sunft 

Also dreib man das zanggen untz vü der emen'), und 
widerseit man do der heischafk von Oesterrich, und wer inen 

izä versprechen st&n^). also worent denacht wol 8 hunder 
Schinder zu Mümpelgart^); die ensosen min heren zümol übel, 
dan sy drAwten fast mit den Schindern die heren, die hie im 
land worent, als der von Morsperg und die andern al : sy wöl- 
tent das kom vor der stat sniden'; und müsten wir alle tag 

10 den vierteil von der stat*) uf dem feld haben, die die sniter 
yerwartteten. als nu wart an sant Bolinoris tag^, und wir imjaii23 
feld also hütent, und was das fiäsfolch zk Almswilr^), und.die 
reisigen wol zwen armschütz von inen in ir hüt, do koment 
ir wol zweyhundert pfert*} und umbslftgen zu hant das fiech, 

1. 2. B. : ein gona sniii körne«. 6. Hi. : möpelgart. 7. Es. : die die liie. 

1] Alten Pfirt, nahe bei Pfirt und 5 8t von Basel. Dieser Zug wurde in 
der Nacht vom 3./4. Mai unternommen gegen Feter von Mörsberg und seinen 
Bruder Konrad, nachdem ihnen Basel am 2. Mai wegen der Gefangennahme 
des Abts von Beinwiler abgesagt hatte. S. hieraber Cohn. Richtung, BL 37 
und 372^, auch Appenwiler, BL 230 und Beinheim, Bl. 5^. 

2) Doch nur füa einen Tag; s. Offenb., BL 28. 

3) lieber die weiteren Feindseligkeiten gegen die umliegenden östreichi- 
sehen Vasallen, vom Mai bis Juli, s. Appenwiler, Bl. 230 und 231, Offenb., 

' BL 28 C und Beinheim, BL 5b ff. 

4) Der Rath beschloss die Kriegserklärung an Oestreich am 21. Juli — 
also an demselben Tage, an welchem er die Verbannung derjenigen Edelleute 
aussprach, welche bei der Berufung der Armagnacken sich betheiligt hatten. 
Hierauf sagten diejenigen Bürger, welche östreichische Lehen hatten, dieselben 
dem Herzog auf. Erst als dieses am 23. geschehen war, sandte Basel am 
24. Juli seinen Fehdebrief an Herzog Albrecht, der damals in Waldshut war; 
s. Offenb., BL 34b „nd Beinheim, BL 7b. 

5) lieber diese letzten Armagnacken, welche unter Joachim Rouhault bis 
Oct. 1445 zu Montb61iard blieben, s. Tuetey I, 341 ff. und 363, auch Beinheim, 
BL 6, 7 und 9b. 

6) Die wehrfähige Bürgerschaft der 1 5 Zünfte, sammt den 3 Gesellschaften 
Kleinbasels, war im Ganzen auf 1800 Mann veranschlagt. Wenn aber nur die 
«halbe Stadt« oder der »Vierteil« auszog, so hatten diese Zünfte und Gesell- 
schaften zusammen 840 oder 420 Mann zu stellen; s. die Scala im Ob. I, 241. 
Die Handwerksgesellen und die Freiheitskhaben kamen bei dieser Z&hlung 
nicht in Betracht, so wenig als die Reisigen der Hohen Stube und die Söldner. 

7) 6t ApoUinaiis. 

8] Allschwil. 1 St Yon Basel, grenzt an die Bannmeile der Stadt — Ueber 
dieses Scharmützel vgL Beinheim, BL 7 und Offenb., BL 33b auch Appenwiler, 
BL 23ib. 

9) Genauer 110 Pferde; s. Offenb. 



186 BrOglinger. 

und koment under haruf durch die Hart ^) , früey umb die 7. stunt. 
also das folch uf, und entschut man das fiech — on 5 ochsen, 
die brochten sy untz gon Dirmnach^), als wir das domach 
vemomen. und augent wir inen noch, [42^] und kam das ge- 
schrey in die stat, wie wir und die Schinder an einander 5 . 
werent kumen. dan am anriten do wart den, die das fiech 
erratent, noch by Grefiten') der Schinder einer ^); das macht 
das geschrey in der stat^). und ssugent mit der macht uns 
nach und koment underhalb Folckensperg^) z&samen, und wo- 
rent die unsem iemer darhinder uf den Schindern, also zu- 10 
gent wir inen noch unts fiir Müspach^]; aber sy entriten uns, 
und machten wir müede bein und schflfent nüt. 

(jaii 17) Also hatent min«heren öch den von Binfelden by 3 hun- 
dert geschickt, die inen Ach hülfen hüeten^), und koment Ach 
unser eigenosen von Bern und Ton Solentom Ach zu in*), das 15 
sy ir kom gantz ingesintent, und den von Seckingen etlich 
kom dorzü, die do fyent worent. als nu die em inkam, do 

(Jaii 23) koment die unsem und Ach unser Eigenosen mit einander 

1) Die untere oderBlsfisser Hardt, welche Waldung damals nSher gegen 
Basel heraufreichte als jetzt. 

2) Da« Schloss zu Dünnenach, nahe bei Pfirt, gehörte dem Basier Bürger 
und sp&teren Bürgermeister Hans von Flachslanden und hatte seit 19. Mai 
eine baselische Besatzung; s. Offenb. Bl. 28. 

3) Greften oderKreften hiess die Gegend hinter dem jetzigen Dorf Burg- 
felden, wo die alte Strasse nach Blotzheim und Mülhausen von derjenigen nach 
Hesingen und Montb^liard sich trennt. Das Feld, wo diese 2 Strassen zu- 
sammentreffen, heisst noch heute der »Kreftenspits«. 

4) Ueber diesen Gefangenen s. Offenb. a. a. O. 

5) Durch das Lftuten der grösseren Rathsglocke wurde die Stadt allar- 
miert ; 8. Offenb. a. a. O. 

6) Folgensburg, 2V2 St. von Basel, an der Strasse nach Montb^liard, 
liegt auf der Höhe. 

7) Muesbach, 1 St hinter Folgensburg. 

8) Die Stadt Rheinfelden, schon 1331 vom Reich an Oestreich Terpftndet 
hatte 1415 bei der Aechtung Herzog Friedrichs ihre altelteichsfreiheit wieder 
erlangt und sich seither geweigert, unter östreichische Herrschaft zurückzu- 
kehren. Sie war deshalb im Streit mit Wilhelm von Grünenberg, welcher die 
auf einer Rheininsel der Stadt gegenüberliegende Burg, der »Stein« genannt, 
sammt allen dazu gehörigen Herrschaftsrechten von Oestreich pfandweise 
innehatte und deshalb die Oberherrschaft über die Stadt beanspruchte. In 
dieser Bedrftngniss luttte Rheinfelden sich mit Basel auf 10 Jahre verbündet; 
8. Stadt Urk. 1445 Juni 9, im Auszuge bei Ochs IH, 444. Auf gegenseitige 
Feindseligkeiten, vom 7. und 11, Juli, folgte am 12. ein Waffenstillstand för 
14 Tage, und in diesem sandte Basel am 17. Juli den hier erwähnten Zuzug; 
8. Briefb. lY, 288 ff. und Appenwiler, Bl. 231, auch Beinheim, BL 7 und 
Offenb., Bl. 33. 

9) Vgl Beinheim, BL 7 : von Bern und Solatum by 600. 



1445. 1 87 

heim*) und meinient, wir wAltent wider Pfirt ushin ein tag 
oder swen^), öch den fyentden ir kom absniden. und won- 
dent unser fyent nüt anders, hattent sich alsamen dorzü gerüst 
und meintent das zu werend. also samletent min heren alle 

i die geschire, die sy von wegen und karen ufbringen mochtent» 
der wol 4 hundert wart, und iederman nüt ander wüst, den 
wir wAltent wider Fürt usz. do wurdent min heren und die 
Eigenosen') zu rot, sit unser fyent alsament uf disem land^) 
werend, das wir den in das Brisgöw zugent. und zoch man 

10 [42^] am zistag zu nacht noch sant Jocobs tag^) wol mit 5 (Aug. 3) 
dusing manen®), und koment wol umb die sibende ^tunt mit 
dem reisigen züg für Nüwenburg^) und tunbslügen das fiech, 
und hieltent wol 3 oder 4 stund vor ir stat. ujid kam der 
burgermeister von Friburg, sich selb 5.; den koment unser 

15 wardüt an, Jerg Fürnow ^) und Jegly ®) und Kleinhans Küntz- 

1) Die Heimkehr nach Basel erfolgte am 25. Juli; s. Offenb., Bl. 33b. 

2) Die spätere Ausführung dieses Planes 8. unten 8. 192. 

3) N&mlich der Zuzug von Bern und Solothum, welcher am 25. Juli von 
Rheinfelden mit nach Basel gekommen war ; s. oben. 

4) D. h. diesseits des Bheins, auf dem linken Ufer, also im Sundgau. 

5) D. h. Dienstags den 3. August, vor Tagesanbruch. VgL aber diesen 
Zug Appenwiler, Bl. 230^ Offenb., BL 35, Beinheim, BL 7^ Anonymus bei 
Beinheim, BL 41b, go^e auch den anonymen Bericht im Cod. A X 11 6», S. 64. 

6) Mit dieser runden Schätzung, welche auch Beinheim hat, vgl. diejenige 
AppenwOers : wol 4000. — Laut einem Verzeichniss imLiberDiv. Her., BL 82 V2, 

• zählte die wehrhafte Mannschaft s&mmtlicher Zünfte und Gesellschaften — 400 
Handwerksgesellen inbegriffen — im Ganzen 2200 Mann. Von diesen mussten 
allerdings yielleicht »der Vierteil«, d. h. 420 Bfann, zur Bewachung der Stadt 
zurückbleiben; dafür aber zfthlten, ausser den 600 Bemem und Solothumem, 
die mitziehenden Beisigen, Söldner und Freiheitsknaben jedenfalls noch einige 
hundert Mann, so dass das ganze Heer ^ mit Einschluss der Fuhrleute und 
des sonstigen Trosses — die Zahl 3000 jedenfalls überstieg. 

7) Das Ostreich. St&dtchen Neuenburg am Rhein, 6 St. von Basel, lag 
seitwärts der Landstrasse von Basel nach Freiburg, auf welcher das Fussvolk 
zog. Bis hieher führte diese Strasse durch die Gebiete des Bischofs von Basel 
und des Markgrafen yon Hochberg. Auch letzteres galt nicht als Feindes- 
land, da Markgraf Wilhelm, als Ostreich. Landvogt, die Regierung seiner' eige- 
nen Lande schon 1441 seinen Söhnen Rudolf imd Hugo abgetreten hatte; s. 
Sachs, Gesch. der Markgrafen von Baden I, 551. — Zu Neuenburg lagen seit 
BndeJuU 100 östreichische Söldner unter Bernhard von Pelleyten; s. ihren 
Fehdebrief vom 26. Juli 1445, hn Briefb. V, 6. 

8) Georg zer Sunnen, gen. Fümah oder Fürnow, aus altem Achtbürger- 
geschlechte, diente der Stadt als Söldner mit 2 Pferden; s. Ob. I. 361. Später, 
nach 1455, zog er nach Frankreich, wo er 1457 in der N&he von Tours einen 
Mord verübte; s. Schönberg 642, und Stadt Urk. 1457 Dec. 31 und 1461 Jan. 26. 
Im Frühjahr 1461 finden wir ihn deshalb in Basel eingekerkert und im Dec. 
d. J. als todt erw&hnt; s. Missivenb. X, 75 und 101. 

9] »Hanns Yegel von Bödmen, Hanns Cünraten Sürlins knecht«^ steht 



188 BrflgUnger. 

man, was Ach von Fribuig^], alle unser seltner, also hat der 
burgermeister von Friburg zw&n knecht forhar geschickt; de 
nu dier nüt me worent den dry, do grifent sy die swen an. 
als rand der ein derfon hindersich zu sim heren; der ander 
wert sich so lang, das er nf den dot Mnind wart und übel ge~ s 
schosen. also rand der burgermeister von Friburg durchnider 
und warnet das folch, so fast er mocht. als nu das f&sfolch 
sich lang sumet zu Oucken^), do sy sich hatent nidergeslagen 
me dan 4 stunt, eb sy hamach kement, do was das geschrey 
in das land kumen und floch iederman. so nam man, was to 
man fant for Nüwenburg, und zoch man fiirab, und brand man 
ein ziegelhus gegen Nüwenburg. tmd lag man die selbe nacht 
zu Heittersen^j, und fundent do gfttz wins, und was man es^i 
und drincken solt. und sy meintent, sy werent nüt fyent, den 
sy worent des sant Johansers, der was zu Friburg burger; und i& 
möchtent sy uns üt ze leit haben geton, das were ir liebster 
wille gesin^). 

Als legend wir die nacht doselbs, und momdes [43^] am 
(Aug. 4)donstag^) zugent wir mit dem geschir gon Dunsen ^) und wol- 
tent do geladen haben, also stiesent die geseien ander dörferio 
an, und wart man unlustig zu ladent, und stiesent Dunsen 
ftch an''), und brand ümerdar, als wir im dorf worend. und 
hette ein pfaf, der von den lüten wegen aller ret, gern 13 hun- 
dert guldin^) geben; aber es müstbrenen, und geschach groser 

15. Hl. : des wm. 20. Hb.: »nder dSfer. 

miter den Söldnern, welchen 1446 nach beendigtem Kriege das Bürgerrecht 
geschenkt wurde; s. Rb. 209, und vgl. oben Rathsb. 8. 52, Anm. 7 und 8. 145, 
Anm. 4. 

1) 8. Rb. 196 s. J. 1441 : »Item Kleinhanns Küntiemsn von Fribuig dem 
Boldener ist burgrecht geschenokt*. — Ueber seinen Tod, am 25. Aug. 1446, 
8. Ob. I, 279. 

2) Auggen, 5 St von Basel, an der Strasse nach Freiburg, und 1 St. 
östlich von Neuenburg. 

3) Die Johanniter-Comthurei Heitersheim, an der Strasse von Basel nach 
Freihurg. 

4) Unter den Dörfern, welche folgenden Tags von den Baslem gebrand- 
schatsst wurden, war auch Bremgarten, das dem Johanniterorden gehörte. Der 
Comthur, Berthold Stechlin, klagte deshalb gegen Basel ; s. Colmarer Richtung, 
Bl. 44 und 422 fL 

5) Sollte heissen: an der mitwuchen. 

6) Tunsei, 1 St. von Heitersheim. 

7) Auch wurde die Kirche geplündert; s. Colm. Richtung, Bl. 51. 

%) Wohl eher nur 300 GL, und zwar fOr dieses und noch ein Dorf su- 
sammen ; vgl. Appenwiler, Bl. 230^. — Das einsige Dorf, dessen Brandschatx 
urkundlich beseugt ist, nftmlich Bremgarten, zahlte 200 OL; s. Cobn. Richtung, 
BL 44b. 



1445. 189 

schad im selben dorf, über umb 20 dusing guldin^). also sam- 
netent die höptlüt das folch, und wart man z& rat, das man 
gon Grotsingen^) zoch mit dem fäsfolch und dem geschire; 
und der reisig züg zoch för StAfen ^) und macht do ein gerene, 

& und fordertent ein brantschatzung z& inen, also schusent sy 
fast oben ab dem slos zu uns und heletent uns me dan ein 
stund vor dem slos. also schicktent die hAptlüt by dem fbs- 
folch zwen soltner z& uns; die seitent jungker Hansen von LAfen, 
der der reisigen hAptman was, das die fyend starck im feld 

lo^eient; und z& stund liesent wir dis und f&rent zu der paner. 
Also woltent wir den Ealchhof^) gestürmet haben; do mein- 
ten sy , sy gehortent gon Badenwilr ; das was dozümol des von 
Faledis, der hat dozümol sin folch by uns im feld, den er was 
zCi Bern burger ^). also zoch man hinus uf die witte und stal- 

utent uns z& wer; wan unser fyent hieltent z& Kilchbergen^] 
hinder am dorf, wol .mit 8 dusing zft ros und zft fäs^). und 
hieltent wir by einer stunt oder me uf der einen siten, und 
ziigent do niderhalb an das [43^ dorf Grotzingen g^en in^), 
und slügent die wegen und karen zft ring um das folch, und 

»hielt der reisig ziig Ach by dem f&sfolch®). also hieltent wir 
gegen einander wol 3 oder 4 stunt uf flachem feld, nüt einer 
▼ierteil einer mil wegs von einander, also, do sy nut kumen 
wolten, do schicktent unser hAptlüt wol 5 oder 6 pfert und 
hiesen brenen zft necht by inen, das inen der rAch under ir 

6. Hb. : und balete&t den nns. 

1) Wohl richtiger seh&tst Appenwiler den Qesammtschaden des ganzen 
Zugs auf 8000 OL 

2) Krotsingen, halbwegs swiachen Heiteraheim und Freibuig. 

3) Staufen liegt seitwärta der Landatraaae, 1 St. von Krotsingen. — 
Wemher Ton Staufen, Statthalter des Ostreich. LandTogta im Elaaas und Breis- 
gAu, gehdrte zu den Ausgewiesenen vom 21 . Juni ; b. Sfteularschrilt y. 1 444, S. 4 1 . 

4} Kirchhöfen, Vs St. von Krotzingen, liegt seitwftrta der Landstraase. 

5) Graf Hans von Aarberg, Herr zu Valangin, fahrte zugleich den Zuzug 
des ebenfalla zu Bern eingebflrgerten Grafen Hans von Freiburg, des Herrn 
zuBadenweOer; s. Beinheim, Bl. 9. Schon am 8. Sept. 1444 hatte übrigens 
dieser letztere Graf diese Herrschaft den jungen Markgrafen Rudolf und Hugo 
von Hochberg als freie Schenkung übergeben ; s. Sachs, Gesch. von Baden 1, 558. 

6) Lies : Kilchhofen. Vgl. Offenb. : und nament (die Basler} do einen 
platz uff eim wyer, aber hiedissit Kilchhofen, und warent die yyent enenthalb 
Kilchhofen bergszhalb. 

7) Vgl. Beinheim: 500 zu Pferde und 2000 zu Fuss. Namhafte Yer- 
ftftrkungen trafen erst Abends ein; s. unten S. 192. 

8) D. h. über SLrotsingen hinaus, in's offene Feld nördlich yom Dorfe. 

9) Vgl. Appenwiler : das rosszfolck zem spitz. 



190 Brüglinger. 

andlet gieng^). also rucktent wir mit der paner wider durch 
das dorf Orotzingen^), und sobald als wir anhübent z& zÄchen, 
alsbald htibent sy öch an uns noch zu züchen ; und hattent die 
von Grotzingen züber mit win an die stros gesetzt, das ieder- 
man do tranck, wer wolt. also ordent man das geschire foran, 5 
und lüden uf , was wir geföeren mochtent, und zoch das f&s- 
folch siecht furuf aller gemachest, aber der reisig zug der 
trapt nebenab uf den Rin; und bran do ein gros dorf, lit nüt 
▼er von Harten, und eins brandschatzeten wir'). Hartten und 
Grisen und GAsgen^) wart verbrent, und ein gros dorf Vy 10 
Giisen brantschatzeten wir*), also das wol by 12 dArffer ver- 
brant wurdent^^), und die überigen wurdent gebrantschatset. 
und dotent inen grosen schaden, über umb zwurent hundert 
dusing guldin^), wan es was doz&mol eine grose emen worden; 
das kom wart als verbrent. und gewunen denacht mit brant- 15 
schätz^), und das uns sust wart, wol 2V2 dusing guldin. das 
[44^] deiltent min heren under die Eigenosen uiid under die 
zünft; dane uns wart ob 60 guldin^), das half uns die leger 
dester bas usbringen. 

Als man nu Grisen angesties zu brenen, und der von LSfen an 
mit dem reisigen züg hielt z&necht doby, do wurdent wir der 
fyentden sichtig, wie sy an dem gebirg har zugent z&mol 
drostlich. also wart er mit kurtzem ze rot mit den gesellen^ 

10. 11. Hb. : dorf bgriB«n. 20. Hs. : nag gruen. 

1) Vgl. Offenb. : und branten die nechsten zwei dArffer neben Kilehhofen 
Rynshalb (also yermuthlich Ambringen und Offiiadingen). 

2) D. b. es begann der Rückzug auf der Landstrasse von Freiburg nach 
Basel. 

3] Die nftchsten zwei Dörfer bei Hartheim sind Feldkirch und Brem- 
garten. Der Brandschatz fOr letzteres, von 200 Gl., ist urkundlich bezeugt 
in der Colm. Richtung, Bl. ii> und 427 £, wo auch Basels Quittung yom 
13. Sept 1445. Mit dem verbrannten Dorfe, welches BrOglinger erw&hnt» 
kann daher kaum ein anderes gemeint sein als Feldkirch, und wenn einzig 
Offenburg gerade dieses Dorf brandschatzen l&sst, so scheint er es zu ver- 
wechseln mit Bremgarten, das er nirgends nennt. 

4] Bei Griessheim finde ich kein Dorf »Gftsgen« ; vermuthHoh ist Zienken 
gemeint, das auch von Offenburg erwähnt wird. 

5) Eflchbach; s. Ob. I, 302. 

6) Offenb. nennt bei diesem Zug im Ganzen 6 verbrannte Dörfer und fCLgt 
hinzu: und sunst vil dSrffer, by 12. Demnach wurden im Ganzen 18 Dörfer 
verbrannt, imd dieses best&tigen Beinheim, Anonymus bei Beinheim und 
Cod. A X n 6*. 

7) Vgl Appenwiler: 8000 GL 

8) lieber die Brandschatzungen vgL Appenwiler. 

9) In dieser Summe ist der Antheil der Brodbeckenzunft an der Beute 
des nächstfolgenden Zuges nach Pfirt mbegriffen ; vgl. unten 6. 192. 



1445. 191 

das sy die brener liesen furuf traben, und soch er mit dem 
fenlin sü der paner. so bald wir nun ie züsamen komen, do 
hattent uns die fyent besogen gerad gegen Nüwenburg. also 
lies man das paner förzüchen, und beleib der reisig züg dor- 

ihinder; imd die stritbüchsen und sust geseien, die mit arm- 
bresten und mit hantbücbsen kundent, die belibent doby.. also 
woltent sy uns nüt miden; do schusen die meiiter mit der 
steinbüchsen und Ach mit der daresbüchsen, das sy verbübent 
und uns liesent fiirzächen. als wir nun durch den engen weg 

t<» keinen^), und aber die paner füirus was geruckt, do hatent 
unser firAnd von Bern einen knecht, genant Heinrich Sloser^), 
zümol ein woUkunend gesell; dan er was fil by semHchem 
schimpf gewesen, er hat öch durohab und harwideruf das folch 
in g&ter ordenung. der hat gerat geseien by den 60 dorzü ge- 

» stelt, ob es were, das sy wAltent in das folch brechen, das sy 
mit langen spiesen') und mit armbresten zu einer lantwere 
hinder am folch sttindent; und hinder denen wor- [44>] ent die 
stiitbüchsen und der reisig züg, und sust Ach yil gftter ge- 
seien mit hantbiichsen und mit armbresten. und hieltent also 

» gegen der stros und liesent unser fyend recht mfitlichen gegen 
uns har gon durch die gasen; und koment zem ersten ir 4 
oder 5 wol gewopnet, denen noch kam das fenly. also Kasper 
Dur 4} umb und mant die gesellen — dan er f&rt unser renfeuly 
dieselbe reis — und hüw drin, und die gesellen im noch, also 

25noment unser fyent die flucht, und als sy wider in die gasen 
koment, do worent unser büchsenmeister bereit und schusent 
mit einander^), meister Johan<^) und meister Herman^). und 

1] Oberhalb Schliengen hört die Rheinebene auf, und fuhrt die Straue 
nach Basel durch einen Hohlweg auf die Höhe des Bergrückens, der sich als 
Isteiner Klots bis hart an den Rhein zieht 

2) Ueber Heinrich Ton Malters gen. Schlosser, yon Bern, aber aus Unter- 
waiden gebürtig, ygL Appenwüer, Bl. 230^ — Für seine Verdienste auf diesem 
Zuge schenkte ihm der Rath von Basel einen Rock; s. Jahrrechnungsb. HI, 
S. 398. Im Nümbergerkriege ron 1450 führte er die schweizerischen Söldner 
im Dienste dieser Stadt, imd im Aug. 1456 den Zuzug Nürnbergs zum Tflrken- 
kri^^; s. Chron. d. d. Städte II, 251 und 340, Anm. 4, III, 409 ff. und X, 217. 

3) »Lange Spiesse«, d. h. solche von 3 ManneslAngen, führten damals nur 
die Eidgenossen; diese 60 waren also Vermuthlich Bemer. 

4) Ueber diesen Söldner, einen Bruder des früher erwähnten Konrad 
Sachse gen. Dürr, s. Ob. I, 195 und 361, auch Stadt Urk. 1447 Nov. 3. 

5) Vgl Appenwiler: mit hagelbüchsen. 

6) Hans Flemming, gewöhnlich gen. Johann der Niderländer; s. Bein- 
heim, BL 10b und Offenb., BL 38. 

7) Hermann 7on Nürnberg und sein Sohn Konrad dienten in Basel seit 
1444;s. Ob. 1,370. 



192 BrOglinger. 

sach etwe menger wol, das sy gerad in die gasen schusen, und 
das der, der das fenly fiirt, es lies feillen, und sy von den 
giilen fielen, aber wir vernoment domach von einem pfafen, 
der sy sach zu Nüwenburg infiieren, der seit minen heren, das 
ir wol 5 oder 6 werent, die do erschosen wurtent. s 

Also liesent sy uns domoch züchen, und zugen wir, das 
wir eben spot gon Beliken^) komen; dane des gesctdres was 
fil, und was die gassen eng; und belibent die nacht doselbes. 
und worent unser fyent harnoch gezogen mit dem fÜ^folch, und 
was ir so fiU worden, das minen heren domoch furkam, das lo 
ir nüt under 12 dusing werent^); aber es wer fast burenfolch, 
als der fürst') hat ufgesamlet, wo er dane mocht dene er was 
des mols zu Friburg, und meintent min [45^] heren, er wer 
selbs im feld ; aber das kundent sy eigentlichen nie vememen. 
aber der Yon Fribur^ laner das was im feld, und meintent, is 
das des f&rsten panei -^h im feld dozümol sy gewesen, also 
logent wir die selbe nacht mit gftter r&w doselbs, und momdes 
(Auf. 5) am fritag^), do wir mes hatent gehört, do zugen wir recht in 
dem namen gotz heim und brandent Adelberg von Bemfels 
Otllycken^), und koment also mit wolgemfttem hertzen heim ec. ao 

(Aog. 13/14) Also über 8 tag^) zugent wir gon Pfirt und brandent das 
stetly^) dem von Mörsperg z& einer früntschaft; wen under 
alen unsem fyenden het uns keiner als gern zu leide geton 
als er. und nomen«. öch do, toas do was, und brochtent das 
heim, die zwo bütungen^) deiltent min heren under die Ei- ^ 
genosen und under die zünft, und wer zä ros oder zu f&s was 

1] Bellingen am Rhein, 4 St von Basel^ gehörte wie Schliengen dem 

Bischof von Basel. 

2) Vgl. Offenburg : by 8000. Vielleicht ßchrieb Brügl. XII statt VIL 
3} Herzog Albrecht Noch am 26. Juli war er in Waldshut; s. Lieh- 

nowsky VI, Reg. No. 1046. 

4) Richtiger: Donnerstag. 

5) Adelberg, der Bruder des Bürgermeisters Arnold von Bärenfels, ge- 
hörte zu den Ausgewiesenen vom 21. Juli 1445. Er war 1443 östreichischer 
Vogt zu Laufenburg gewesen; s. Stftdt. Urk. 1443 Aug. 23. — Das Weiherhaus 
OetHngen lag nicht beim Dorfe d. N., oberhalb Haltingen, sondern unten in 
der Ebene, nahe bei Klein-Hüningen, kaum 1 St. yon Basel. Sp&ter, nach 
einem Neubau von 1648, wurde es Friedlingen genannt und gab der Schlacht 
vom 14. Oct 1702 den Namen. — Ueber die Ursache der hier erwfihnten Zer- 
störung s. Wurstisen 395. 

6) Der Aufbruch zu diesem Zug geschah in der Nacht vom 13./14. Aug.; 
s. Appenwiler, Bl. 228, Beinheim, Bl. 8 und Offenburg, Bl. 36^ 

7) Vgl. Beinheim und Offenburg : das under stetly, bisz zu der kilchen. 

8) D. h. vom Breisgauer und vom Pfirter Zuge. 



1445. 193 

im feld gewesen, den wart btktung. dovon reistent die zunft 
und Seh ander; den Uns wart ob 60 guldin ec. 

Also an dem 17. des Agsten, was an einem zistag nochAng. n 
unser frSwen tag, zugent wir für Rinfelden das slos^), und 

skoment zu uns unser guten fnind Yon Bern und von Sollen« 
toTii^). und hatent min herren vor wol 14 tag enteil büchsen (Jau is) 
und das gewerf do oben, und unser meister, die domit werch- 
tent^); wan sy hatent die brug denen geschosen^), und das(Jvii29) 
gehüs und den ergel uf dem hochen turn öch hairab geschosen^), 

10 und fast das slos yerwüest mit dem gewerf, also slüg man 
sicli zft veld, und rust man mit den grosen büchsen z&, [45^] der 
worent wol 4^), die die von Bern und wir do hatent. und mit 
grosser arbeit wart mit allem zug do gewercht; wan das slos 
waa so über die messen g^t von grl^dr, das doyon nüt ze 

i5 8chribent ist. das^ der hochtum wü** io vest, das man mit 
der grosen büchsen wol 30 schütz an lein ende tet, kum zweyer 
klofter wit dane ie einen schütz zu dem andern, das man es 
denacht kum gesechen kunt, so Test was er von herten quader, 
wol 13 schüch dick fSlig. und meintent etlich, man möcht in 

»nüt mit schiesen gewünen; aber meister Heinrich, der dozü-^ 
mol oberester werchmeister und büchsenmeister was*^], der ret 
alweg trostlieh und meinte, die Hare^) müeste den dum feien. 
also noch den 30 schützen geriet es sich machen, und dasoept. 8) 
stücke harus fielent^)! ^* 

1) Ueber die Belagerung des SchloBges oder Steins zu Rheinfelden TgL 
Appenwiler, Bl. 226 £, Beinheim, Bl. 8 ff. und Offenburg. Bl. 37 ff. ; s. auch 
BeitrSge XI, 95 ff: 

2] Dieser Zuzug kam laut Beinheim am 19., laut Offenburg am 21. Aug. 

3) Diese Sendung war schon am 1 5. Juli erfolgt, nachdem am 1 2. zwischen 
Scbloss und Stadt ein 14t&giger Waffenstillstand war geschlossen worden. 
Erst nach Ablauf dieses letzteren jedoch, am 28. Juli, begann dieBeschiessung ; 
8. Beinheim, BL 7 und Offenburg, Bl. 33^ 

4) Die Brücke zwischen dem Schloss und dem rechten Rheinufer wurde 
am 29. Juli zerstört; s. Offenburg a. a. 0. 

5) Ueber diesen ersten Erfolg am Hauptthurme des Schlosses s. einen 
datumlosen Brief des Raths von Bheinfelden an Basel, im Briefb. lY, 235. 

6] Vgl. Appenwiler, Bl. 226^: 5 grossz h6btbuchsen. 

7) Heinrieh Boggenburg, Basels Werkmeister seit 1438, war schon im 
Juni 1445, also gleich nach Abschluss des 10jährigen Bündnisses, nach Rhein- 
felden gesandt worden; s. Ob. I, 24 und Briefb. lY, 244. 

8) »Hire» hiess Basels grOsste Büchse; diese war erst seit dem 17. Aug. 
in Rheinfelden. 

9) Dieser Erfolg wurde erst am 8. Sept. erzielt; Tgl. unten S. 194. Ueber 
seine Ursache s. Appenwiler, Bl. 226^. 

Baal«r CbronikeB. IV. 13 



194 Brügünger. 

Als wir nun by den 3 wachen zCi') do vor dem slos ge- 
logent, und sy vil m&twiligei detinge mit den unsern, die zh 
nacht by den büchsen hütent, dribent und schruwent Bküe- 
gehyerff, und »wen wend ir fluchen, üch köment halt herenc^) 
sept 6 n. 7 — also dribent sy ir gespöt — und am montag und zistag do :> 
besach uns der fürst uf dem andern laut 3), und richteten ir 
büchsen, besunder daresbüchsen, das. sy under unser her schos; 
und beschach doch von den genoden gotes niemand nützet^). 

Also an unser lieben fröwen [46^] tag im herbstmonet, der 
Sept 8 was an der mitwuchen^), umb die yierde.Stunt noch mitem- lo 
dag do zugent sy mit der macht gegen uns in das feld, und 
worent die von Zürich, von Windertur, von Waltzhü^ und Fri- 
bürg, Brisach, Nüwenburg und umbendumbe, wo der fürst 
mocht lüt ufbringen, das er zümol einhüpschen zug zu res 
und zu ItLß brecht, und slügen sich zu feld und machtent zä is 
stunt hüten und richtenden ir zeit uf , der sy zümol vil hatent, 
ob fünfidgen, als ob sy w&ltent die stat enentzühar gewünen: 
und leitent ir büchsen, und brochtent so vil welen zu daresen, 
das wir meintent, sy kement uns niemerme ab. aber wir werch- 
tent so trostlich mit dem züg , büchsen und gewerf, den als 20 
sy an unser frAwen tag inzugent, do warf meister Stuber ^) ein 
fesly, do was ein stein ine mit für gemacht, und do der in 
die höche kam, do fleug er an zu brenen; und unser fyent 
uf die gül und randen zu ir siten zu dem slos. das was im 
nachmol, und die gantz nacht was anders nüt wen schiesen 2s 
in das slos, das an dem grosen tum ein gros loch inbrach 7). 

1) Vom 17. Aug. an gerechnet, also bis gegen den 7. Sept 

2) Schon am l.Sept. erhielten auch die Belagerer sichere Nachricht, daas 
ein Entsatzheer nahe, und deshalb berief Bern neue ZuzClge und mahnte auch 
die übrigen Eidgenossen ; s. den Brief der Bemer Hauptleute an Luxem, yom 
1. Sept. 1445, imLuzemer Staatsarchiv. 

3) Herzog Albrecht erschien auf dem rechten Rheinufer schon am 
4. Sept.; s. Appenwilcr, Bl. 226 und Offenburg, Bl. 37^. Doch scheint er erst 
am 6. oder 7. das Oeschfltzfeuer gegen die Belagerer eröffnet zu haben ; s. den 
Brief der Bemer Hauptleute an Luxem, vom 7. Sept. 1445, im Luzemer 
Staatsarchiy. 

4) Diess gilt nur vom Lager. Ueber den Schaden in der Stadt Rhein- 
felden s. Appenwiler, Bl. 226. 

5) D. h. erst an diesem Tag erschien die Hauptmacht und schlug ihr 
Lager auf. 

6} Hans Stuber der Zimmermann verdiente sein Bürgerrecht 1424 auf 
dem Zuge nach Mühlburg und war Werkmeister seit 1430 ; s. Rb. 282 und 
Liber Div. Rerum 44. Zu Rheinfelden bediente er das Qewerf ; s. Appen- 
wfler, BL 226^. 

7) Ueber diesen Erfolg vgl. oben S, 193. 



V 



1445. 195 

also schusent sy 8ch fast über den Bin hat in die hüser, das 
sin die buiger von Rinfelden sere erschroken worent. 

Als sy nun die wuchen do gelogent, do brochent sy ii 
leger am samstag se& obent, und kam in sy ein gescbrey, dies«pt. ii 
5 Switser werent über den Rin kumen^j ; und was das grost uf^csept. 9) 
laden uf [46^] die wegen und karen, gelt und ander ding, 
des gelich kum gesechen ist, und zugent bis gon Krentzach 
und slügent sich do nider^). als hatent min heren Ach iren 
ufiauatz dorufy und zu nacht wart, do schicktent sy by den 60 

M geseien mit hantbüchsen und mit armbresten und spiesen, und 
wol zwen büchsenmeister, meister Johanen und meister Herman, 
und gobent in Steinbüchsen und daresbüchsen, und schicktent 
sy hinnach. und umb die mitemacht oder domoch so rustent 
sy zu, underhalb dem Rotten Hus^) gegen dem her, und fien- 

isgent an zu schiesen, das sy den fursten so unsuferlich uf- 
wacktent, als wir domoch vemoment; und hette unser büchsen- 
meister eines halben mans niderer geschosen, er hette den 
fursten selbs erschosen, und über 60 man zu im. und wart 
das grost geschrey under dem herr, und wustent uf al mitden* 

-m ander und fluchent an den berg, und wondent, wir werent zu 
Basel durchgezogen und kement under haruf. also schusent 
unser meister ümerdar, untz es dag wart, und koment do 
wider zu uns in imser herr. also vemoment wir, das sy nüt 
TÜ verwüestet hatent, won es gieng als zu hoch, als momdes sept. lo 

» wart, do koment sy aber und rüsteten als fast zu schiesen als 
vor, und logent nüt me denn ein nacht do. und [47 1] momdes 
zugent sy dervon und liesent ire hütenen ufrecht ston^), dassept. ii 
uns zümol fremd nam ; wen wir meintent, sy wöltent widerumb 
kumen; aber sy liesent uns darnach ungeirt an dem slos. 

30 Und also worent die von Bern und von Solentom, und 
öch die von Sibentall^), was der denach doheimen was, die 

20. Hb.: und wonent. 

1) Die hier nachfolgend erzfthlte Diversion Herzog Albrechts gegen 
Grenxach und Klein- Basel erfolgte 2 Tage vor dem Abztige, nfimlich Donners- 
tags den 9. Sept.; s. Appenwiler, Bl. 226, Beinheim, Bl. 8b und Offenburg, 
BL 37^. Wirklich waren an diesem Tage 400 Bemer in Basel eingetroffen, 
denen bald grössere Zuzüge folgten; s. Beinheim, BL 8**. und Tgl. unten. 

2) D. h. sie zogen am Vormittag vor Klein-Basel und kehrten Abends 
wieder zurück bis Orenzach ; s. Appenwiler, Bl. 226. 

3] Ueber das Paulinerkloster zum Rothen Haus, am 1. Rheinufer gegen- 
über Grenzach, s. Boos, 8. 464 und 723. 

4) Ueber ihren Abzug ygl. Offenburg, BL 38» 

5] Die Landschaft Nieder-Simmenthal, den Freiherren Ton Weissenburg 
gehörig, hatte mit Bern ein Burgrecht. 

13* 



196 BrügHnger. 

zugent ale harab und zugen gon Basel zu ^). als nun min heren 
mit irem zug und Ach die von Bern mit dem iren gewerchtent, 
Abs das hus sturnbar wart 2), also leitent min beren und öch 
die von Bern einen stürm an, und rüsteten sich mit allem zug 
dorzÜL, machtent flSss, doruf man ston solt, und bereiteten 5 
schif, dorin man überför, und was zem stürm gehört, und 
8«pt. 14 als wir 4 wuchen worent do gelegen, uf des heiigen cnitzes 
tag, do wart der stürm understanden mit wol geordenetdem 
folch. und früey, als man mes hat gehört, und man zu mor- 
gen hat gezert, umb die sibent stunt, wer do an den stürm 10 
was geordenet, der zoch zu den hAptlüten uf ir ort, sttst das 
ander folch iederman, do er dane geordenet was, ob die, so 
zu dem stürm gehortent, wSltent übertrungen toerden^ oder 
unser fyent ein gefene wöltent machen, so were iederman an 
dem ord, do er wüste zu werent. 15 

Und als man nun wolt andreten und das folch fast mutig 
was, und das unser fyent in dem slos sachent, do schruwen 
sy einen friden ^) und begerttent die oberesten höptlüt, zu inen 
uf die brug z& kumen^). also worent al die zu BaseH) von 
[47^] den Eigenosen und fleh die unsern — on die von Nidem 20 
und Obern Sibental, die f&rent böschlich an iren heren; dan 
sy hatent sy ermant by iren eiden, den sy den von Bern geswom 
hattent, aber sy kertent sich nüt doran und zugent sy zu uns^) 
— aber die andern zugent. trostlich uf dem andern laut gegen 
uns mit einem hüpschen zug 7). als noch ire begerung in dem a 
slos wart das an die hflptlüt bracht, und seit man inen den 
friden zu, und koment uf die brug züsamen. also was ire an- 
mütung: das man sy mit ir hab, die sy uf das slos brocht 
hetent, liesent abzuchen und sy des lebentz tröste, wer im slos 
also were. also brocht man das an das gemein folch; . die so 
worent nun fast dorwider, sunder die von Bern, dane der von 

1) Ueber diese neuen Zuzüge, die auf die Mahnung vom 1. Sept. kamen^ 
8. Appenwiler, Bl. 227. 

2} Ueber die Beschieuung in den letzten Tagen vor der Uebergabe 
B. Appenwiler, Bl. 226b. 

3) N&heres über diese Verhandlung s. bei Appenwiler, Bl. 227. 

4) D. h. auf die Rheinbrücke zwischen der Stadt und dem Schloss, welche 
theilweise verbrannt und deshalb nicht mehr gangbar war ; 8. Appenw. Bl. 226^. 

5] Die neuen Zuzüge Ton Bern, sammt einer Abtheilung Basler; s. oben 
Anm. 1, und Appenw., Bl. 227. 

6) Wegen ihrer Zügellosigkeit hatte sie zu Basel der Bath aus der Stadt 
gewiesen; s. Appenw. a. a. O. 

7) Von siein-Basel aus sogen sie am 14. Sept in aller Frühe auf dem 
rechten Rheinufer gegen das Schloss; s. Appenw. a. a. 0. 



• 1445. 197 

• 

Faickenstein, der Brug so morüich umbbrocht übei das, das 
ex ix buigei was, und sy •verdarpt^}, den woltent sy numen 
tot han, und öch Juncker Dürings von Halwiler sun^), der was 
öch.im slos. also mit jomer wart es dorzü brocht, das man 
5 sy trost^); und noment min heren von Basel umd die von Bern 
und von Sollentorn, und öch Binfelden, das slos in. und 
lichent min heren inen ein schiff das sy dorine fiir Basel ab 
färent; anders sy werent denacht erstochen worden von den 
Obern ^), [48^] wiewol sy getröstet worent. also koment nun 

10 von den dryen steten die hAptlut ^) , und sust von allen scunfiten 
einer oder zwen, und noment. das hus also in. und was 
Uolrich Schütz^} Ach uf dem slos, der zoigt minen heren und 
seit in das gros g&t von büchsen und von anderm zug. also 
worent sy ale by einander in der kappelen, und giengent ie 

lö zwen und z^iren neben einander, untz das ir wol 85 wart; und 
der von Faickenstein und Ach der von Halwilr hatpnt alt 
Oesterricher-schopen angeleit und sich mit den kügelhueten 
fast vermacht, das man sy nüt erkant, und ,ttch die andern 
edlen , die im* slos worent ^) , und koment also z& schief. 

20 Also fundent min heren die büchsen, die man nempt die 
Renerin^), und sust Ach hogenbüchsen und daresbüchsen, die 
unser Eigenosen vor Farsperg liesent, und sust Ach vil guter 
buchsen, Steinbüchsen und ander büchsen, die der heren wo- 
re^nt, und sust vil hamesch, und wol 7 tonen büchsenbulfer, 

25 und vil husrot mangerley, das zu lange wer zu schribent; dane 

12. Ha. : &lricli sütz. 13. Ha. : das sy gon gut. 

1 } Hans von Falkenstein, der auf dem Schlosse war, wird hier verwechselt 
mit seinem alteren Bmder Thomas, welcher Brugg überfallen hatte; s. Bein- 
. heim, Bl. 9, und Offenburg, BL 38b. 

2] Thflrings von Hallwil des Aeltem gleichnamiger Sohn. 

3) Ueber das Zustandekommen dieses Vertrags und ü ber seine Bedingungen 
8. Appenwiler, BL 227^. 

4] Die »Ob^en« oder »Oberlinder« nannte man in Basel die Eidgenossen, 
also hier die Bemer. 

5) Also von BAsel, Bern und Solothurn, ohne Rheinfelden. 

6) Ulrich Schfits, als Söldner noch 1443 im Dienste Basels, hatte sich 
seither der Stadt entfremdet und gehörte deshalb zu den Ausgewiesenen vom 
21. Juli 1445; s. Ob. I, 162 und Sftcularschrift 1844, S. 42. Vgl über ihn 
Appenwfler, Bl. 227. 

7) Die Besatzung hatte nur freien Abzug erhalten unter der Bedingung, 
dasi kein Edelmann sich unter ihr befinde ; s. Appenwiler, Bl. 227^. 

8) Die »Rennerin«, Basels drittgrösste Büchse, war am 27. Aug. 1444 
durch den eiligen Abzug der Eidgenossen vor Famsburg der östreichischen 
BeMtaning dieses Schlosses in die H&nde gefaUen und auf den Stein zu Bhein- 
felden verkauft worden ; s. Beinheim, Bl. 2 und 9b. 



198 Brüglinger. 

do worent nüt under fünfzig beten ^). aber die Sibentaler 
brechen in und stulent, was sy funden/ und brechen die kisten 
uf und wurfent die bet über die zinen ; und so worent den 
die userhalb und empfiengen das, also das vü gütz enweg kam. 

8«pt. 16 also momdes do deiltent min heren, was do was, ieder- [48^] man, & 
was im z&gehort; und besatztent d^ slos, und machtent einen 

Sept. 17 hSptman doruf, was meister Matys Eberler ^). und am fritag 
zugent wir im namen gotz harheim, und mit uns, wer do vor 
dem slos was gelegen ec. dis beschach noch der gebart Kristy 

Sept. 14 1445 jor; uf des heiligen krutzes tag ze herbst wart es ge- lo 
Wimen ec. 

Also wir nun harheim koment, do wart man zu rot mit 
den Obern und zoch man für Seckingen. und wer zu Rin- 
felden was gewesen, der wolt doheimen bliben; und nam man 
das aller unferfancklichest folch, fast alt lüt und sust öch, is 

Sept. 19 die nüt ze wert worent. und am sonentag zöch man für Seckin- 
gen, und wart fürgeben: so halt wir dar kement, so geben sy 
es uf. als man nun fast heiig was vor Rinfelden worden^), 
und öch geriet kalt werden, do wart das Ober folch fast un- 
wilig, und slügen sich zem ersten unordenlichen für die stat so 
und was doch ein gros folch do, und lag aber die herschafit^) 
mit den von Zürich und von Waltzhüt, und sust oben an der 
letze, die sy vor den Schindern gemacht hattent^). also koment 

(Oct. i)die von Lutzem und Ach von Switz zu den unsem in das feld^). 
als man nun das leger nüt recht hat genomen, do koment 25 
von LAfenbe^, was reissigs [49^] zügs do was; dane nieman 
irt sy uff dem Rin harab zu faren ; und mocht do nümen sin, 
das das slos so wol mocht gewunen sin worden, als ob inen 
das versechen were worden, dane were man zu dem ersten 

23. Hfl. : obenan an. 

1) Ueber die Beute vgl. Appenwiler, Bl. 228, auch Ob. I, 978. 

2) Mathias Eberler der jüngere, seit 1430 BAtbsherr der Weinleutenzunft. 
— Im Februar 1446 begann der Abbruch des Schlosses; s. Beinheim, Bl. 13. 

3) Sie zogen auf dem rechten Rheinufer und lagerten diese erste Nacht 
oberhalb Rheinfelden. Ueber diesen Zug vgl. Appenwiler, BL 228, Beinheim, 
Bl. 9b und Offenburg, Bl. 45, auch Berlingers Zus&tze zu Etterlin, Bl. 94. 

4) Vermuthlich ist hier zu ergftnzen: z4 Löfenberg; vgl. Z. 26. 

5) Ueber diese Letze am Eingange des Wehratibales, 1 St unterhalb 
Seckingen, vgl. unten S. 202 zum 1 8. Mai 1446. Ueber ihre Entstehung im 
Aug. 1444.8. Beinheim, Bl. 3. • , 

6) Dieser Zuzug der Eidgenossen, zu welchem Bern gemahnt hatte, traf 
am 1. Oct ein und lagerte auf dem linken Rheinufer, der Stadt gegenüber; 
s. Beinheim, Bl. 9^ 



1445—1446. ]99 

angetieten se stürmen , so hant wir sithar wol yemomen, das 
sy es hetent u%ebeii; dane es was wenig reisigs zügs dorinen. 
und also lag man wol 19 tag do^), und wart das stetly z&molbu Oct. s 
fast verwuestet mit unserem gezüg. wer man so lustig gesin, 
»als das billich were gewesen, so wer das slos wol gewunen 
worden ; dan min beren von Basel hetent fast gern dorzü ge- 
don mit libe und mit gut; aber die Obern woltent nüt dran^). 
also do es nüt anders sin mocht, do zoch man danen, und 
iederman danen er kumen was ec. 

10 ' Also gewunen wir einen unmüessigen wintter mit unsem 1445(46 
fyenten. dane was zu Nüwenburg, zu Altkilch 3), zu Seckingen ^), 
und so wit es was, zu Pfirt, das rant alle tag fiir unsere tor; 
und wer inen werden mocht, den fiengen sy oder sy erstochent 
in. des geliehen dotent wir inen öch^}. 

15 Als min heren dozümol Pfefingen inehatent, und Juncker 

Dietterich 8ürly<^) fogt doruff was, dem wart es abverstollen 
von dem von Mörsperg^); wan sy hatent ein dorlich wacht. i446 
und fieng den Sürly und ein sun^}, hat er by im, und sust^ ^ '* ^ 
ale, die do worent, on Juncker [49^ Hans Issenly^), der kam 

idkumerlich derfon; der seit minen heren, wie es erfaren was. 
also baten sy uns die stros ine von Delsperg harus^^}, und do- 
tent den lüten vil trangs. also hattent min heren neiswo 

7. Hs.: nnt djurn. 

1} Bis zum S.Oct; s. Fründs Chronik, Ausg. von Kind, S. 242. 

2) Ueber die Weigerung der Bemer vgl. Anonymus bei Appenwiler, 
BI. 207b, und Beinheim, Bl. 9b. 

3) Der Pfandherr Ton Altkirch, Heinrich von Harnstein, sandte an Basel 
erst am 12. Dec. 1445 seine Absage; s. Briefb. Y, 10. Seither lag dort eine 
G^esellschaft vonEdelleuten unter Graf Hans von Tierstein ;s. Beinheim. BL 12. 

4) Ueber die Söldner zu Neuenburg und zu Seckingen s. Beinheim, 
BL Hb. Als Hauptmannfan letzterem Orte erscheint im Nov. 1445 Friedrich 
Bock Ton Staufenberg; s. Briefb. V, 18. 

5) Ueber die Streifzüge dieses Winters s. Appenwiler, Bl. 228b ff., auch 
Beinheim, Bl. 10 ff. 

6) Dietrich Sürlin war einer der wenigen Aohtbürger, welche im April 
1445 nicht aus dem Rathe waren ausgeschlossen forden; s. Offenburg, BL 22. 

7) Appenwiler, BL 231, und Beinheim, Bl. 13, datieren Übereinstimmend 
diesen Ueberfall auf den 18. Februar 1446, nach Mittemacht. 

8) Thomas, der sp&tere Oberstzunftmeister; s. Wurstisen 401. 

9) Ausser einem Achtbürger d. N., welcher 1450 im Rathe sass, lebte 
damals noch ein zweiter Hans J., der Vater des oben S.89 erwähnten Mathias J. ; 
s. Schönberg 789 und Wurstisen 572. 

10) Die Strasse nach Delsberg führte damals westlich von Pfeffingen über 
die «Platte«, d. h. über den Bergrücken des Blauen; s. Fechter im Taschenb. 
1862, S. 31. 



200 Brüglinger. 

menigen ufsatz^), das sy inen gern hettent abgebrochen; aber 
sy hütent sich zu wol. 
Mfcn(28) Also umb die miterfasten'^) do hatent min heren wol by 
diinhunderten gen der nacht usgeschickt, die sich solten z& 
dem slos, so sy nochest möchten) legen; das ftch beschach. 5 
also wurdent sy wol inen, das nüt vil uf dem slos was, wene 
by den 16; also enbutent sy minen heren, wie es ein gestalt 

M&n27hat, und logent den son^ntag stil. und so. nacht schicktent 
sy ir botschaft, die seit minen heren, das ie ir meinung were : 
woltent min heren. in me folch zuschicken, so wolten sy es 10 
underston zu stürmen, also wart man zd rot und rust man 

M&Ts 28 sich mit züg, das z& dem stunn gehoit; und morndes am men- 
tag zoch man mit der paner xt inen »und erfordert das slos an 
sy; aber es was umb kein^). als nun min heren des slosses 
gestalt wol wustent, do woltent min heren dem folch nüt 15 
rotten, das sy es underst&ntent zu stürmen ;- sy warten es Ach 
nüt, wer mfttwilen wolt, der mocht es tfin. und wart das folch 
züsamen gerueft und wart gefrogt, wer an stürm wolte, das 
der uf eine sitten ston solt. als was [50'] das folch fast m&tig 
und woltent ie ir heil TersAchen, und rüsteten sich mit leitren 20 
und tertschen, und was zem stürm gebort; u^d machtent dry 
höptman, und ieklichem so vil zfi, als er haben mocht. und 
solten einsmols sin angetreten; das geschach aber nüt. und 
drat man by der falbiug zem ersten an, und al. die ufem slos 
worent, die koment all uf dis.. also weicht man z&mol manlichen, 2s 
und hüwen zft stunt ein tor uf; und wurfent sy so starck mit 
grosen steinen, und schusent mit büchsen und armbresten, das 
vil uf dem selben ord verwüestet wart, eb sy anderswo an- 
trottent. also brach man bald zu der andern tür in^); und 
warttent sich unser fyent so fast, das man es nüt under siben 30 
stunten dreib mit groser arbeit, und wart *by den trissigen 
guter geseien verwüestet; en teil die stürben, wol dry oder 
fier. als man nu das getreib, untz das es was fast oben wor- 
den, und Ach das folch müed was, do ruft man einen friden; 
den sy worent so müed uf dem slos, das sy nützet wert me-3ö 
worent. also wart man z& rot und zoch man danen, und mach- 



1) Einen solchen Anschlag, vom 3. März, s. bei Appenwiler, Bl. 229^. 

2) D. h. am Samstag Abend Tor Lätare; vgl unten. 

3) lieber diesen Zug vgl. Appenwiler, BL -229^ und Beinheim, BL 14, 
auch Basler Jahrbuch 1882, S. 54 ff. 

4) Laut Beinheim und Appenwiler wurden 3 Thore aufgebrochen, und 
gelangten sie vor ein viertes. 



1446. 201 

tent einen friden untsL an den donstag^). und weie man die 
selbe nacht do belibeji, so was das slos gewunen; dane sy 
mocbtent alsamen nüt, so was ii Ach vil wund, enteil erschosen, 
das sy nützet wert me worent. aber es moeht nüt sin.' man 
5Zodi danen, und was fil guter [50^] arbeit verlorn; das be- 
Schach uf mentag noch mitenfiisten 1446 jor. Min 2s 

Also nnn das heilige cimtsiliem die wunderlichen sweren 
16if ümerdar by uns in unser stat mit der hilf des almechtigen 
gotz was, do was ein kardenall , genant von Arly, der sucht 

10 an die kftrfursten , wie man zu ti^en kern, wiewol formols 
über dry oder fier tag zu Kostentz wart geleisten ^), denacht 
brecht er es zu weg, das der phallentzgrof am Bin, hertzog Lud- 
wig von Heidelberg 3), sin botschaft haruf sant zu minen heren 
und zu gemeinen Eigenosen; das was uf ostern. und was desApru i7 

15 fursten meinung, selbs uf den tag ze kumen 4 wüchen nach Mai 15 
Ostern; das Ach beschach. und wart also tag angesetzt^), den 
zu suchen. 

Also die wil man nun mit dem gescheft uml^eng, do 
gieI^5ent min heren nüt müesig gegen unsem fyenden. den 

2» in den osterfirtagen zugent ire wol zweyhundert gon Zel^); Apru 18J19 
das wondent min heren, es were unser gut frünt, so hatent 
sy es heimlich mit den Yon Seckingen, und was doch unsers 
bargers ^. also komen sy dar und stiesent das ioxf an, und 

12. Hü. : pbAUentegros. 23. Hs. : das dorf nmb and. 

1) Ueber diesen Waffenstülstand und seine nachtheiligen Bedingungen 
s. Appenwiler und Beinheim a. a. O. 

2) lieber die zu Constanz gehaltenen Tage, vom 17. Not. 1444 und vom 
4. Aug. und 11. Nov. 1445, s. Eidg. Abschiede II, S. 185, 189 und 191 ff. Ausser- 
dem wurde vom 7. bis 16. März 1445 zu Rheinfelden verhandelt; s. ebend. 
n, S. 185 ff. 

3) Ludwig IV. der Sanftmüthige, Ludwigs III. Sohil, war seit 1445 ver- 
mählt mit Margaretha von Savoyen, der Tochter Papst Felix V. 

4) Auf den 15. Mai nach Constanz; s. Eidg. Abschiede II, S. 200. — Am 
1. Mai beschloss der Ghrosse Rath von Basel, den Tag zu Constanz zu be- 
schicken ; s. Beinheim, BL 27. 

5] Zell im Wiesenthal, 7 St. von BaseL Der Aufbruch erfolgte wahr- 
scheinlich am Abend des Ostermontags (IS. April), und die Heimkehr am 
Dienstag; vgL Appenwiler, Bl. 229^ und Beinhehn, Bl. 25, auch Constanzer 
Chronik, bei Mone, Quellen zur Gesch. von Baden I, 343. 

6) Das Dorf gehörte Jakob zeRin, dem Herrn zu Hesingen, imd hatte 
den östreichischen Hauptleuten zu Seckii\gen 60 Gl. bezahlt, um neutral blei- 
ben zu können; s. Ob. II, 178. Dennoch hatte Basel aber Feindseligkeiten 
von Seite dieser Dorfleute zu klagen ; s. Colm. Richtung, Bl. 238 und 1078. 



202 Brüglinger. 

• 

fiengent den fogt Schüelin^), der hat das ales gemacht, und 
sust die andern, sovil in werden mocht, das sy wol 35 boren ^) 
brochtent und vil gütz, und was rosen und fies sy hattent, des 
vil was 3); und wart ie ^eim 5 guldin zCi bütung ec. 

▲prii (22|23) [5U] Also z& usgouder osterwüchen am samstag, was sant % 
* Jergen tag^), zoch man mit der halben stat^), Ach z& äugender 
nacht US gon Altkilch ; und leitent sich so noch, das sy in die 
stat sochent^). als sy nun das fiech.usdribent, was sy hatent, das 
kum zwo küey in Altkilch belibent, do umbslügent die unsem 
das fiech, und hetent sy im recht geton, in were das stetly lo 
Ach worden, also brandent sy drü gar guter dArfer her Hein- 
rich von Ramstein, und was grof Hans von Dierstein des selben 
mols zu Altkilch*^). und also brochtent sy den rAb heim ec. 

lUi (16/19) Dornoch über 4 wuchen^), ak man zu Kostentz tag leistet, 

do zugent min heren wol mit 12 hundert manen'^) uf den i& 
Swartzwalt an die letzen, die sy vor den Schindern gemacht 
hatent und Ach doran logen, als min heren vor SecktVi^en lo- 
gent^^). die gewunen sy und erstochent, die doran woren. dan 
so halt sy sy sachen, do staltent sy sich zu wer und schru- 
went Jiküegehyera und noment domit die flucht; imd unser 2» 
folch inen noch in das dal, u^d erstochent do, was sy von 
manen fundent, nut under 60, und woltent keinen ge£Euigen 
nemen^^). dane die user Waldenbuiger ampt worent do, den 
was des selben gelich Ach geschechen. dane die ab dem Walt 
worent mit den von Seckingen in ir ampt und brandent und 25 

16. Ha. : and dia letzen. 

1) lieber Schüelin vgl. Appenwiler, BL 229b und 230. 

2) Genauer: 32; s. Beinheim, Bl. 25. 

3) Ueber die Beute Tgl. Appenwiler, Bl. 229^ 

4) Der Aufbruch erfolgte Freitag Abends, so dass sie Samstags, den 
23. April, vor Tagesanbruch vor Altkirch waren; vgl. Appenwiler, Bl. 229b"und 
Beinheim, Bl. 25. 

5) D. h. mit einem Auszug von 840 Zunftbürgem, zu denen noch die 
Reisigen der Hohen Stube und die Söldner und Freiheitsknaben kommen 
mochten; s. Ob. I, 241. Beinheim a. a. O. sch&tzt sie rund auf 1000 Mann. 

6] Das Städtchen lehnt sich an eine Anhöhe. 

7) Als Hauptmann der dort versammelten Gesellschaft von Edelleuten; 
s. oben S. 199, Anm. 3. 

8) Der Aufbruch geschah am 18. Mai, bei einbrechender Nacht, und die 
Heimkehr am 19.; s. Appenwiler, Bl. 230, auch Beinheim, BL 25^ 

9) Vermuthlich wieder die »halbe Stadt«, aber verst&rkt durch Mann- 
schaft von Liestal und Waldenburg; vgl. unten. Durch einen Zuzug von 
Rheinfelden stieg diese Zahl auf 1600; s. Beinheim a. a. O. 

10) Die Letze am Eingang des .Wehrathaies ; vgl. oben S. 198, Anm. 5, so- 
wie auch Appenwiler, Bl. 230 : zwo mechtigi letzen. 

11) Vgl. Beinheim, Bl. 25^: erstochen by 36, . . . . und 4 gefangen. 



1446. 203 

erstoclient Ach, was sy fundent^); die 8y joch hatent gefCE&gexi 
genomen , do sy sy heim brochtent) do risen sy inen die kellen 
ab; das macht, das sy dester grimer uf sy worent. also brand 
man vil d6rfer'), und nam man einen giosen rftb von losen 

&and von alerhant fiech. und kam der alergröst [51^] nebel, 
das einer den andern vor im kum mocht gesechen, und das 
fiech, das sy genomen hatent, das verslAf sich wol halb, 
und were der nebel nüt kumen, so were das folch den Swarts- 
walt uf unts z& Sant Blesien gezogen , und hetent grosen rot 

lodo geschafet; aber es mocht disen weg nüt sin. und zugent 
mit dem fiech, das inen denacht beliben was, harheim, des 
dennacht wol fünfhundert 3) höpt worent. 

Item domach in achtagen kam der von Mörsperg ze nacht^) icai (23) 
gon Biningen, und brachent oben by dem forhof in und wol- 

is tent das hus ^] abgestolen han ; aber sy feltent. also brandent 
sy im forhof ein hus oder zwey*) und machtent sich dervon. 
sdso momdes^) sicktent min heren zu ros und fäs us, und(Mai 23/24> 
brandent im 7 dorfer, und erstochent neiswo mengen zd Fei- 
bach ^) und verbrandent das, und sust öph, das ie 7 guter dörfer 

2u dem von MArspei^ verbrent wurdent; und was sy Ach do fun- 
dent, das noment sy. also wart Biningen gerochen ec. 

Also uf die phingsten do hat ipan ein brustwere gemacht Jan! 5 
von Angenstein^) untz zft der Birsbrug, das kein weg ofen was 

6. Hl.: Tor im knm mocht Tor im geseeh«ii kund. 

1} Zur Vertheidigung des Amtes Waldenbtirg wurde Ende Januar 1446 
verschiedenes angeordnet; 8. Ob. 1, 248. Sonst aber haben wir keine Nach- 
richt von einem Angrüf auf diese G^end. Sollte etwa diese Rache noch jenem 
Raubsuge gelten, welcher im Nov. 1409 — also vor mehr als 35 Jahren — von 
Rheinfelden aus in das Waldenburger Amt war unternommen worden und der 
mit einem blutigen Treffen Tor Rheinfelden endigte ? Ueber diesen Zug s. 
die Röteler Fortsetzung zu Königshofen Kap. III, Bl. 104. 

2) Vgl. Appenwiler, Bl. 230 : 5 dftrffer, tu sweighftffe. 

3) Vgl. Appenwiler und Beinheim: by 400. 

4) D. h. in der Nacht vor dem 23. Mai ; s. Beinheim, Bl. 25^. 

5) Das Weiherhaus, am oberen Ende des Dorfes. 

6) YgL Appenwiler, Bl. 230, auch Beinheim a. a. 0.: die mulen und 
schüren. — Das übrige Dorf war von Peter von MOisberg schon am 21. Dec. 
1445 verbrannt worden; s. Appenwiler, Bl. 22S1>. 

7) Der Aufbruch geschah noch am Abend des 23. Mai; s. ebend. B1.230-. 

8) Die Cluniaeenserprobstei Feldbach, 1 St. hinter Pfirt. Ueber diesen 
Zug s. ebend. 

9> Das Schloss d. N. liegt zwar an der Birs, jedoch über 2 St. von Basel 
entfernt, und kann daher hier kaum gemeint sein. Vielleicht aber ist dieser 
Name rerschrieben aus »Münchenstein«, welches nur Vi St. von der Birsbrücke 
bei St. Jakob entfernt ist. — Die Jahrrechnung 1446 S. 425 weist eine Aus- 
gabe von 190 Ib. für das Aufwerfen eines Grabens »jenseits der Birs«. 



204 Brüglinger. 

den die Birsbrug. wan sy tröwtent ssAmal fast, uns das fiech 
2& nemmen; wen als unser fiech, zA beden steten, das gieng 
doz&mol über die Uirs sft feit, und machtent sich wol S wes 
9 biben uf und wurfent z& nacht der brug enteil ab, [52^] und 
leütent sich do in die leingriben^j und warteten do uf die» 
die uf der stros^) werent, z& uns oder fon uns faren wölten» 
das sy die niderwurfent. und wart inen einer mit 4 rosen, 
der hat einen friden von dem von Morsperg geköft; den fAr* 

Juni f&)tent sy enweg. und also am phingstmentag^) zugent min heren 
mit der halben stat zft angender nacht us, und zugent gon.Ot- lo 

(Juni ujmerseh^), und fundent die b&ben by einander in eim hus^) und 
sturmden sy. also wAstent sy unser geseien einen, Hartman 
zA Miltenberg^), also stiesent sy das hus an, und trost sy 
einer des lebentz ^j untz gon Basel, das den höptlüten nüt lieb 
was; dane in were lieber gewesen, sy hetent sy erstochen« u 
und also was das rosfolch mit den röschesten knechten förab 
gezogen, und brandent Hirtsfelden und Fesenhin,* Blodetsen, 
Kumersen, Bantzenhin^j und noch eiA dorf^); und den von 
Nüwenburg brandent sjr ein brug^^), und wol zwo wurfent sy 
ab, und doten inen grosen schaden an den brugen^^). und broch- » 
tent die b&bon also heim, und neiswo fil rosen und küeyen 

Juni lodomit^'^); und am fritag kam der frid von Kostentz'^), und 
koment die hüben mit dem leben derron^^), das schad was ec. 

1) Die Ghruben am Abhang des rechten Birsufers, St. Jakob gegenüber. 

2) Die OberländerstrasBe, von Basel nach Liestal. 

3) Der Aufbruch su diesem Zug erfolgte in der Nacht ron Mittwoch 
auf Donnerstag (8./9. Juni).; s. Appenwiler, Bl. 230. 

4) Ottmarsheim, am linken Rheinufer, 6 St. unterhalb Basel, gehörte zur 
Herrschaft Landser. Schon 1445 war dieses Dorf verbrannt und das dortige 
Nonnenkloster beschädigt worden; s. Beinheim, BL 6 und Cobn. Richtung, 
Bl. 45 ff. und 1 03^ Ueber den hier en&hlten Zug vgL unten Beilage U und 
Appenwiler, Bl. 230. 

5) Ln Hause der Aebtissin ; s. Appenwiler a. a. O. 

6) Hartmann Basler gen. sum Miltenberg; s. unten in Beilage II seine 
eigene Aussage. 

7) D.h. ihrer 5 ; die übrigen kamen um ; s. unten Beilage II, auch Appen- 
wiler a. a. O. 

8) Hirzfelden, Fessenheim, Blodelsheim, Rumersheim und Bansenheim 
— letzteres gegenüber von Neuenburg — liegen alle nördlich von Ottmars- 
heim, bis auf 3 St Entfernung. 

9) Dessenheim, 5 St nördlich von Ottmarsheim ; s. Appenwiler a. a. O. 

10) VgL Appenwiler : die brug am Giessen. 

1 1) Die Brücken über die einseinen Nebenanne des Rheins. 

12) Ueber die Beute s. Appenwilet a. a. O. 

13) Der am 9. Juni su Gonstanz geschlossene Friede mit Oestreich, der 
am 12. in Kraft trat» wurde am 11. in Basel ausgerufen; s. Rufb. I, ld3>>. 

14) Gemäss den Friedensbedingungen. Diese 5 Gefangenen von Ottmars- 



» t44e. 205 

Und was der fnd also, das ale Sachen swischto der Eignos- 
Schaft nnd der herschaft tind den von Zürich, und Seh wir 
nnd die herschaft, zem rechten gesetset was^): also was die 
herschaft an die Eignosen aü sprechen hettent, das sy des 

& koment uf 6 stet, under denen [52<] eine sy mAchtent ufiiemen, 
der sy Ulm n&oment, umh ale zftsprüch, die die herschaft zu 
den Eigenosen z& sprechent hat, also mit* einem geUchen zfl- 
Sttts^. die von Zürich und die Eigenosen koment ir spenen 
gon Keiserst&l, Seh mit eim geliehen züsatz'). wir und die 

14 herschaft der spenen und stAs, so do was, kam man z& dem 
bischof Yon Basel, was bischof Friderich ze Rin, Seh mit einem 
geliehen züsatz^). ab.er was die Eigenosen an die herschaft 
zft sprechent meint haben, des koment sy uf den phaletzgrofen 
am Rin, hertzog Ludwig von Heidelberg^). 

\i Also säst min her von Basell dag gon Kolmer uf sant Os- Aag. 5 
walts tag*), der herschaft und der stat von Basel; und koment 
also dohin von beiden bartdien treffenlich ^) . und nam min 
her von Basel die Sachen mit dem z&satz för^) und hört der 
herschaft klag zem ersten, und mit yill wunderlichen sachen, 

20 die sy in ire klag zugent, und schamttent sich der unworheit 
nüt ze redent*). also mit gAter antwert, mit briefen Und kunt- 

2. Hl. : und der Ton z6rich. 

heim wnrden übrigens erst am 15. Juni freigelassen und mussten yoriier Ur- 
fehde schwüren ; b. Cohn. Richtung, Bl. 18. 

1) D. h. die endgiltige Entscheidung BoHte durch Schiedsgerichte er- 
folgen. 

2) Den Vertrag zwischen Oestreieh und den Eidgenossen s. Eidgen. 
Abschiede n, S. 814 ff. 

3) Den Vertrag zwischen Zürich und den Eidgenossen 8.ebend. n, 811 ff. 

4) Den Vertrag zwischen Oestreieh und Basel s. 8tädt. Urk. 1446 Juni 9, 
oder Colm. lUchtung, Bl. 2 ff., gedruckt nur im Auss. bei Ochs in, 482. 

5) S. den Vertrag zwischen Oestreieh und den Eidgenossen a. a. O. 
6} Durch Briefe rom 12. Juli; s. Colm. Richtung, Bl. 7. 

7} Die Verhandlung begann am 5. Aug. zu Colmar im BarfQsserkloster; 
s. Colm. Richtung, Bl. 7b Ab Gesandte Basels erschienen Hans Rot, Bürger^ 
meiater, Hans Sürlin, Eberhard Ton Hiltalingen, Heinrich Zeigler und Konrad 
Kfienlin der Rathschreiber. Das Wort führte als Fürsprech Dr. Heinrich 
Ton Beinheim, der dafür vom Rathe ein Geschenk von 100 Gl. erhielt. 8. Colm. 
Richtung, Bl. 9 und 10, und Jahrrechnung 1446, 8. 424. 

8) Dem Bischof, als dem Obmann des 8chiedsgericht0 , wurden von 
8eite Oestreichs 8chmassmann yon Rappoltstein und Hans Erhard von 8taufen- 
herg beigegeben, und Ton 8eite Basels Hans von Laufen und Andrea« Osper- 
ndl; s. Colm. Richtung, Bl. 10. 

9) Die Klage Oestreichs enthielt 33 Artikel, und auf diese folgten die 
Klagen seiner einzelnen Vasallen und Landstädte; s. Colmarer Richtung, 



206 BrOglinger. 

Schaft, wurdent alle Sachen noch nottuift verantwurd. also 
nam er do unser klag, und die was z&mol gewis^); und was 
do geklagt wart, das wart öch mit gfitter kuntschafit, briefen 
und lütden, ofenlich an den dag vor menklichen geleit noch 
Sept. (iv)notturft. und weret das unts zh des heiligen krutz tag [53^] su s 
herbst^), und hatent denacht ieklicher deil sin nochret uf des 
andern widerret. 

Also säst min her von BaseU einen andern tag dornoch 

oct 24 am nechsten mentag vor sant Symon und Judy, und beschreib 
do vil heren und steten zu im^j, und hört do ire beider noch- io 
ret^) . und also die sach solt anheben, do warf der von Eber- 

Cot. 22 steint) des heiligen cünzilen botschaft domider uf samstag vor 
sant Symon und Judy, als sy von Franckfurt von den kurfürsten 
von der heiigen Cristenheit wegen worent gewessen; und wo- 
rent in des bischofs von Strosburg geleit, des amtlüt und diener 15 
sy worent^), und wurdent in sine slos, nämlich Danbach ^), ge- 
fuert wol 34 gefangen, aber der kardenall von Arly und die 
besten heren wurden inen nüt^); aber als ir gut, was sy by 
inen hattent, das wart in genomen, das sich ob 4 dussing gul- 
din draf. also sucht der byschof von Strosburg — der was hertsog 30 

15. Es. : der amtlat. 16. 17. Hs. : gefurert. 

Bl. 22 ff. — OeBtreichs FQnprech war anfänglich Hans von Entsberg, seit dem 
16. August aber Dr. Ulrich Biedrer; 8. Colm. Richtung, Bl. 21. Ausserdem 
war Oestreich vertreten durch Qraf Hans von Tierstein, Hans von Münstral, 
Wemher von Staufen und den Schreiber Jörg Leysse; s. Colm. Riehtang, 
Bl. 8b. 

1) Die Klage Basels enthielt 99 Artikel; s. Colm. Richtung, BL 70 ff. 

2) Auf die Klagen beider Parteien folgte die beiderseitige Replik und 
Duplik bis Sonntag vor Kreusestag (11. Sept.), wo die Verhandlung vorläufig 
geschlossen wurde; s. Colm. Richtung, Bl. 119 ff. und 588^. Einiges daraus 
ist abgedr. i. d. Sftcularschrift 1844, S. 26 ff., anderes bei Brückner V, 456 ff. 

3) Durch Briefe vom 22. Sept, von Delsberg aus ; s. Colm. Achtung, 
Bl. 589b. 

4) Diese »Nachreden« s.in Colm. Richtung, B1.720 ff. und 593 ff., woraus 
einiges abgedruckt in der S&cularsohrift 1844, S. 29 ff. — Bei diesen neuen 
Verhandlungen, welche am 24. Oct su Colmar begannen, trat im Schieds> 
gerichte Wemher von Staufen an die Stelle des erkrankten Schmassmann von 
Rappoltstein; s. Colm. Richtung, Bl. 592. 

5) Graf Hans von Eberstein. Der UeberfaU geschah bei Bennfeld, 
zwischen Strassburg und Schlettstadt ; s. M. Berler und die Strassburger Archiv- 
Chronik, beide im Code historique de Strasbourg II, 64 und 176, sowie auch 
Wurstisen 407. 

6) D. h. die Angreifer waren Vasallen des Bischofs von Strassburg. 

7) Dannbach, unterhalb Schlettstadt. 

8) Qefolge und Tross hatten sie vorausgesandt; sie selber wichen surück 
nach Bennfeld. 



1446. 207 

Stefens von' Beyern sun*) — dem die sinen domidei würfen in 
sim geleit, wie er ein deding kund finden, und wurdent 
die gefangen lidig ; aber was genomen was von kleinotter, von 
barem gelt, sust farentde hab, das was alles verlorn; und mit 
i forchten koment sy wider har gon Basel in das heilig cunziliem. 

Als dornoch achtag noch sant Martys tag do kam heitzog not. 18 
Ludwig von Heidelberg zA unserem heiligen vatter dem bost 
Veilix^}, der was sin swecher, und beleih nüt me do wen wol 
3Y2 tag, und [53^] soch wider abe zu herzog Albrecht von Oeste- 

urich; der was dozümoU, als wir vemoment, zä Brissach; was 
er do schuf, mochtent wir nüt wissen. 

Als nun min her von Basel vil heren und steten hat be- 
schriben, der doch wenig zu im koment, wen die von Stros- 
bu^ und Sletstat und Kolmer, nam er nun die früntlicheit 

IS für 3). und mit grosem flis und ernst, müeg und arbeit wart 
gesucht von dem byschof und von den, die er dene by ime 
mochte haben, wie sy die sach in der früntschafft mochtent 
zerleit haben, aber sy schüffen wenig; dane die herschaft so 
vil gefforUcher bösser funden stichtent, wiewol die anwalten der 

29 stat von Basel zu vil stucken fruntlich und bescheidenlichen 
antwertent, das min her von Basel und der züsatz und heren, 
die er by im hat, daran ein wohrefalen hatent. und wert das 

der nechst; und an unser lieben frSwen tag koment sy mitDec? 
2s einander, min her von Basel und Juncker Küdolf von Zwingen, 
und die botschafit von der stat und von Bern, von SoUentom, 
heim gon Basel, und müst do mins her von Basel schriber 
Bunwalt^) in dryen moneten das alles beschriben^'), und dane 
mim her von Basel und dem züsatz ietwederm deil ein buch 

. 1. E». : «OB den die einen. 16. He. : geeohficht. 

1) Stephan, Pfalzgraf von Simmem, der Vater Biichof Buprechts, war ein 
Sohn König Ruprechts, also der Oheim des Kurfürsten Ludwigs IV. von 
der Ffalx. 

2) Felix V. war in Basel seit dem 21. Aug. d. J. ; s. Wurstisen 407. 

3) Nach Beendigung der beidseitigen »Nachreden« schloss Bischof 
Friedrich, als Obmann, am 8. Nov. die gerichtliche Verhandlung, um nun wo- 
möglich eine gütliche Uebereinkunft der Parteien zu vermitteln; s. Colm. 
Richtung, BL 1059. 

4) Erg : Tom achten tag noch a. h. tag (8. Not. ) ; s. Colm. Richtung, Bl. 1 059. 

5) Wunnewald Heidelbeck hatte als bischöflicher Schreiber von Anfang 
an das Protokoll geführt ; s. Colm. Richtung, Bl. 1 . Er starb am 27. Dec. 
1482 ; s. seine Qrabschrift im Münster, abgedruckt bei Trouillat V, 876. 

6) D. h. bis zum' 1. M&rz 1447; s. den Beschluss vom 7. Deo. 1446, in 
der Cohn. Richtung, BL 1 136. 



208 BrOglinger. 

geben, der dry gemacht wurdent^), dorus sy solient [54^] das 
recht spiechen, das ouch in jor und in tag nüt mocht us- 
gesprochen werden ec.^). 
1444/1446 Also ist der lAf des kriegs von anfang, als man Kalt 44 jor, 
untz man zalt 46, nf das aler kurtsest beschriben noch kleinem 5 
bedencken von Hansen Sperrer, den man nampt Hruglinger, 
der ftch dozümol alt und nüw Zunftmeister der Bropbecken- 
zunft was, der öch ufhort von des kriegs wegen ze schriben 
1446 uf mentag vor sant Lutzien und sant Otilien tag; aber wie es 
usgesprochen wurd, das lies er zu got, der aller dingen mach- 10 
tig ist 3). 1446. 



1447 • [54^] Als unser allerheiligester vatter pabst Feilix der fünft 
Jan. 9 in dem 47 jor enweg zoch am nechsten mentag noch dem 
zwölften tag^), und als das heilig cunziliem in unser stat zä 
Hasel in dem 16. jor was gewessen <^) is 

1. Hfl.: wrd«nt. 10.: Hfl.: wrd. 11. Umtere HUfte Ton 8. 54 ^ le«r 

14. Hfl. : heiliDg caoziliem. 

1) Das für den Basier Zusatz, also fOr Hans von Laufen und A. Osper- 
nell bestimmte Exemplar, das wir bisher als »Colmarer Richtung« citiert haben, 
befindet sich im St Archiv und zfthlt 1137 Blätter, ist aber seit einigen 
Jahren in 5 Bände getheilt und neu gebunden. — W. Heidelbeck erhielt für 
seine Arbeit vom Rath ein Geschenk von 40 Ol. ; s. Jahrrechnung 1447, S. 425. 

2) Erst Ende Oct. 1447 gab der Basler Zusati dem Bischof sein sefarift- 
liches Gutachten, das noch im St. Archiv erhalten ist; 8.HeuBler 306, Anm. 1. 

3) Das Schiedsgericht Hess die bis Ende 1447 anberaumte Frist ver- 
streichen, 80 dass noch immer kein Spruch ergangen war, als mit dem lieber^ 
fall der Stadt Rheinfelden, am 23. Oct. 1448, der Krieg von neuem ausbrach. 
Ueber diesen Krieg s. Appenwiler, Bl. 181 if. 

4) Ueber des Papstes Abreise s. Beinheim, Bl. 14^. 

5) Vermuthlich wollte Brüglinger hier ersfthlen, wie Basel durch König 
Friedrichs Mandat vom 18. Aug. 1447 angefordert wurde, dem Concil das 
sichere Geleit su kOnden. S. hierüber Stadt. Urk. 1447 Aug. 18, und Bein- 
heim, BL 15. 



Beilagen 



zu 



• 

Brüglingers Chronik. 



Batl«r Cbroniken. IT. 14 



I. 

Einige Yerordnungen des Raths, 
vom August 1444. 



Die hier folgenden Verordnungen^) betreffen meistens jene 

i zahlreichen Bewohner des offenen Landes , welche hinter Basels 
Mauern vor den Armagnaken Schutz und Sicherheit suchten. Sie 
geben uns Aufschluss über das rechtliche Verhältniss dieser Flücht- 
linge zur Stadt, und dienen mithin zur Erläuterung dessen, was 
BrOglinger über diese »Dorfleute« klagt ^) . l)iese Rathsbeschlüsse 

10 finden sich alle im Ruf buch I ^] und wurden also durch öffentlichen 
Ausruf bekannt gemacht. Die Eintrag^ungen in diesem Buche ge- 
schahen jedoch nicht immer genau nach der Zeitfolge ^), und bei 
mancher Verordnung fehlt überhaupt die Angabe des Tages, an 
welchem sie ausgerufen wurde. Letzteres gilt auch von zweien der 

15 nachfolgend mitgetheilten Stücke ; doch l&sst sich bei beiden die 
Zeit wenigstens annähernd bestimmen, so dass wir auch hier die 
chronologische Ordnung befolgen kOnnen. Die erste Verordnung 
nämlich, die wir hier mittheilen, geht ihrem Inhalte nach jedenfalls 
allen andern voraus; sie fällt also noch vor den 1. August 1444, 

20 d. h. Tor die älteste der bestimmt datierten Verordnungen. Das 
andere datumlose Stück aber findet «ich im Ruf buche BL 142^^), 
zwischen zwei Verordnungen yom 16. und 28. August, und gehört 
auch nach seinem Inhalt unverkennbar zwischen diese zwei Daten. 
Denn schon im Eingang beruft sich diese Verordnung auf den un- 

ungenügenden Erfolg des Erlasses vom 16. August, der auf Montag 
den 1 7 . die Eidesleistung der Nichtbürger gefordert hatte, und zu- 
gleich wird auf den »nächsten Montag« die Ausweisung der Fehl- 
baren in Aussicht gestellt. Da nun schon Sonntags den 23. August 
die Armagnaken vor der Stadt sich zeigten, so kann mit diesem 

1) Sowohl diese als andere Verordnungen aus dieser Zeit, alle im Rufb. I, 
134^144 befindlich, s. im Auszuge bei Fechter, im B.Taschenb. 1862, S. 24 ff. 

2) S. oben S. 183. 

3} Ueber das Rufb. I s. oben S. 128. 

4) Die hier mitgetheilten Rathsbeschlüsse sind von unbekannter Hand 
geschrieben. 

5) S. unten 8.215. 

14« 



212 Brüglinger. 

Montag Tvohl kein späterer gemeint sein als der 24. Augast. Es 
fftllt daher diese datumlose Verordnung jedenfalls zwischen den 17. 
und 24. August, und zwar am ehesten in die Mitte, also vielleicht 
auf den 20. oder 21. dieses Monats. 



a. 5 

(ohne Datum.) 

1444 [Rufb. 137^1 Lieben herien und snüten fmnde! unser 
herren rate und meister tünt uch verkünden und sagen, daz 
inen grosz trefflich wainung kommen ist, daz gar ein mfichtig 
Volk in Tütsch lande zu ziehende meint, und weis niemand lo 
eigentlich, waz irs fumemens sin wil [denn daz man vast redet, 
es solle über uns gan]. also tünt unser herren menglichen 
warnen: hab ieman üt dusz im lande, daz er gedencken sol 
daz ze bringen an die ende, da er sin sicher sin möge. 

Wer ouch sin gut zu uns flöhet,, er sie wer er w&ll, es i& 
sie kom oder anders, daz gut soll getröstet sin. bedarf er daz 
zu siner notdurft widerumbe ze habende, wil man im daz volgen 
lassen, oder im aber sin gelt darumb geben nach billichen dingen, 
ob man es bruchen würde oder gebrucht hette. 

[138] Unser herren band ouch ein ordenung troffen, zu 3o 
welher zit menglich, so in der rechten statt gesessen sint, ge- 
woppent in den Kornmergkt ziehen soUe. wenn ir do hörent 
stürmen mit der grössern ratzglocken, so sol menglich wissen, 
daz er gewoppent in den Kommergt kommen sol an sin ende, 
daz im zügeordent ist, und alle zünfi wol wissent. und sol 25 
doch darumbe nieman erschrecken, wand solich ordenung uns 
allen ze trost erdacht ist; da wissent üch nach ze richtende, 
aber die in den vorstetten gesessen sint, sollent daselbes bliben, 
als si des ouch ordenungen haben, und die under den thoren 
hüten , sollent da bliben. und so man mit den rotzglocken 30 
stürmet, so sollent die zit alle kilchen in der stat ungelutet sin'}. 

b. 
▲ag. 1 [^39] Anno ec. 44 ad vincula Petri. 

Unser herren rate und meister tiünt üch sagen und ver- 
künden, daz menglich sine gartenhüser uud zwerchmuren, und :)$ 
alle hege uf dem velde, so umbe die reben und garten gand, 
und alle bom klein und grosz, als wyt als die reben gand ze 

11. Das Eingeklammert« ist in der Hs. dnrchgeitricben. 

1; Bl. 138*) folgen zunächst die Rufe vom 12. und 10. Aug ; s. unten. 



Bcijage L 213 

beden stetten, abebrechen, abehowen und dannen tun sol, von 
nuhin untz an mentag nehst künftig, wer daz nit entfite, derAQff.3od.io 
mta 10 Ib. on gnade ze besserung geben; da wisse sich meng- 
lich nach ze richtend; wand nnsern herren solich wamung 
5teglichs kompt, daz ie solichs ze tünde ein grosz notdurft ist. 

c. 
[138^] Ipsa die beati Laurentii anno 44^). Aug. lo 

Lieben heiren und g&ten f runde! unser herren rat und 
meister t&nt üch verkünden und sagen, daz ire meynunge sie, 
f» daz der unsem deheiner sich in diesen lAuffen von unser statd 
tön oder riten noch em{»frAmden solle, und wer dusz sie, daz 
sich der hartzu machen solle, wand wer solichs nit tfite, oder 
nnderst&nde ze empfiromdende , zu des lib und g&t wellent si 
griffen und in solicher mosse mit im gefam,%daz er wölte, er 
»hette solichs ze tünde vermitten. 

Unser herren tünt üch euch sagen und verkünden, daz si 
nit wellent, daz iemand nachtz by liecht tröschen solle, noch 
liechter in die schüren tragen umbe dheinerley sache. 

Es s6Ue ouch nachtes niemant bachen. den wer solichs 
»tfite, den wellent unser herren straffen in mossen, si woltent 
si hettentz vermitten^). 

[139^] Es sol ouch menglich wasser in sinem huse haben, 
by pene 5 s. Es sol ouch niemand deheinen bettler, b'ilgerin 
noch frömden menschen gehalten noch herbergen, er wisse 
ii^denn, wer er sie, by der obgenanten pene. 

d. 
[138^] Quarta post Laurentii anno 44. xng. t2 

Lieben herren und guten fründe! unser herren rate und 

meister tünt üch sagen und verkünden : wer der ist, der sich 

doietz in disen lAuffen, so ietz vorhanden sint, als daz frömde 

• Volk uns zu überziehende meinent oder villicht belegem wellen« 

zu uns t&n wil und sith zu uns tut, und lieb und leit by uns 

und mit .uns liden wil und lidet, und sweret der stett nutz 

und ere zu werben und iren schaden ze wenden, dem wil man 

35 burgrecht umbe sust lihen, noch unser statd recht und gewon- 

21. Am Fqm dar Seite : Quere eignnm Ule. 33. He. : ewerett der stett. 

1] Diesem Rufe geht auf BL 138b derjenige Tom 12. Aug. voraus ; 8. unten . 
2) Den Inhalt von Bl. 139 s. oben zum Aug. 1. 



214 BrQglingcr. 

heit, es sien antwerckeknecht oder ander, alles ungeyarlich. 
und wele daz tun wellent, die mogent nach, dem mole uf das 
ein in das richthus kommen und sich anschriben lassen. 

e. 
Aug. 16 [141^] Dominica post assumptionis anno 44. b 

Lieben herren und guten frundel unser herren rate und 
meister t&nt uch verkünden und sagen: als sy ire ratesgesellen 
in alle kilchspil umbgeschicket band anezeschribende, wer in 
unser statd sie, und was iederman, der von ussen harinn kommen 
ist, koms mit im harinn bracht habe, und band empfunden, io 
daz vfl lüten, bede manne, wibe und kinde, harinn kommen 
sint, die gar nützit von körn mit inen harinn bracht band, band 
ouch empfönden, daz vil wibe und kinden harinn geschicket 
sint, da die man dusz hüben sint. und möcht wol kommen, 
wurden sich dise Sachen zu kriege ziehen, die manne mAchtent i^ 
als balde unser viend werden als finint sin. darumb so ist 
unser herren meynunge: wer der ist, der nit so yil koms mit 
im harinn bracht hat, daz im, sinem wibe und so yil kinden 
und gesindes er hat, jeglichem drie yiemzal gezuht, die per- 
sonen wellent unser herren in ire statd nit wissen, denn mögent 2d 
sich von hynnan machen, so e so besser, wer ouch wibe und 
kinde harinn getan bette mit üfsatz, und er dusz meinde oder 
mflst bliben, die wibe und kinde wellent unser herren ouch 
in ire statd nit wissen, sy haben joch zu essen oder nit. wer 
ouch hinn were und nit sweren wolte rate imd meister gehör- » 
samkeit, imd der statd nutz und ere ze werben und iren scha- 
den ze wenden, und inen rätlich und hilflich ze sinde wider 
[142] menglichen, untz dise Sachen ein ende genSment, den 
wellent unser herren ouch in ir statd nit wissen, uai wer so- 
Aug. 17 licbs sweren wil , der sol mom nach imbis kommen uf daz » 
rathus, so sol man si anschriben. 

Unser herren rat und meister tünt lich ouch gebieten, das 
niemant der unsem hinfiir dheinen fromden menschen husen, . 
hofen noch enthalten solle, on wissen und willen burger- 
meisters, Zunftmeisters und der, so darüber gesetzt sint. wer:» 
darüber iemand fremdes gehielte, der müs ane gnade 1 Ib. ze 
besserunge geben ; da wisse sich menglich nach ze richtende^). 

33. Ha.: niemant den nnsem. 

1] Bl. 142 folgt noch ein Ruf ohne Datum, welcher frohere Verordnungen 
wiederholt. 



Beilage I. 215 

f. (rnn Aug. 20) 

{ohne Datum,) 

[142^] Lieben heilen und guten f runde ! als unser herren 
vonnals hand lassen iflffen, wer von mannes nammen in ir(Ang. i6) 

\ statd sin wölte, daz der uf einen genempten tag kommen sölte (Aug. i?) 
und sweien nach der ordenunge sage, da aber vil nit gesworn 
hand der zit, als daz angesetzt waz; darumbe so ist unser 
herren meynunge, und tünt ouch allen den iren gebieten : daz 
niemand deheinen uszman gehalten, husen noch hofen sol, 

10 der nit gesworn hat, oder uf mom dem tag nit swere nach 
der ordenung sage. <laz die, so aso uf mom nit sw&rent, 
s611ent und mftssent mit wiben und kinden von unser statd, 
und wellent si hinne nit wissen, als daz Tormols ouch geruft 
ist. des glichen sollen sich ouch von unser stat machen alle 

15 die wibe und kinde, der manne dusz sint, si haben zu essen 
oder nit. denn wer darüber hin blibe von solichen lüten, über 
mentag nehst, der selbe und ouch die imsern, so si darüber (Aug. 24) 
enthalten, husen oder hofen, mfissen iegklich 1 Ib. phennigen 
one gnade ze besserung geben , als daz vormals ouch verkun- (Ang. i«) 

20 det ist. 

Unser herren verbieten ouch allen wiben und kinden und 
dienstmSgten, daz wenn daz ist, daz dehein geschrey oder ge- 
Uuffe kompt, daz si sich denn sollen in ihre hüser tdin, und 
darusz noch uf die gassen nit kommen, denn wo man ein 

25wib, ein fungfro oder dienstmagt zu solichen [143] ziten an 
den gassen vindet, under den thoren oder vor den thoren, der 
iegklich müs 1 Ib. one gnade ze besserung geben; da wisse 
sich menglich nach ze richtende, des glichen andere personen, 
so under den thoren stand und nit dar gehorent, och die pen 

soliden m&ssent. 

Wer ouch sine hüsere, muren, b6me, hege und zune, so 
abezebrechen erkennt sint, untz an mentag nehst nit abe-(Aug. 24) 
gebrochen noch ab^ehowen hat, nach demm wil man senden, 
imd müs 10 Ib. one gnade ze besserung geben. 

v> Es sol ouch menglich l&gen und bestellen, daz er wasser 

in sinem huse habe, by der pen so darüf vormals gesetzt ist. 

Es sol ouch niemand by lib und gut umb deheinerley sach 

nachlouffen fiir die thor usz, so die vyende üf dem velde sint 

6. >d« aber vil ... . angesetzt wazc, am Rande. Statt deeeen im Text, jedoch 
dnichgestariclien : »der mannen aber wenig kommen ist, die geswornen haben«. 
8. Nadi »gebieten«, jedoch durchgestrichen: >by 10 Ib. ze bessemngen, one gnade«. 
10. Nach »gesworn hat«, jedoch dnrchgestxiehen : i^nnd der des nit ein worzeichen 
Ton den rftten bringet, da wisse sich menglich nach ze richtende.« 27. 1 Ib corri- 
giert ans : 5 s. 



216 Braglinger. • 

denn wer daz tete, den wil man straffen an lib und an gut, 
als yorgeschiiben stat; da wisse sich menglich nach ze rich- 
tende. 

• 

▲ng. 2s [143^] Sexta post Bartholomei anno 44. ^ 

Lieben herren und g&ten frunde! als ettwie vil uszluten 
burger worden, ouch ettwie vil zu der statd ^esworn band, 
die nu alle zu den zunften geordent sint — umb daz nu die 
ordenunge in ir gantz kraft gange, so gebieten unser heiren 
den selben uszluten allen , sy haben zu der stat geswom oder lo 
sien burger worden, daz die alle ietz nach dem mole ze stunt 
in dis richthus kommen sollen, so wil man iegklichen schicken 
an die ende, dohin er gehören sol nu und zu andern ziten, 
und daz si von den zunften underwiset werden m6gen, wie si 
sich in disen Sachen halten sfiUen. u 

Unser herren verbieten ouch mehglichem, daz niemant 
nachtes usz bühssen schieszen solle, weder kleinen noch grossen, 
on geheis, willen noch wissen der houptluten, sy sien zu den 
bühssen geordent oder nit. 

[144] Es sol ouch menglich wissen und gewamet sin, wenn 2u 
man daz paner uszstosset hie üf dem rathus, und die trumpeter 
umbritent und uffhlasent, daz denn menglich an den Korn- 
mergt ziehen sol, die zu f&sz sint, und die ze rosz sint an den 
Yiszmerkt, er sie frömd oder heimsch. wenn man aber stürmt 
mit der grossem ratesglocken, so sol menglich uf die thüm 2s 
und die letzen louffen, dahin er geordent ist. wer daz nit 
entüt, den wil man an libe und g&t straffen, daz im nutzer 
were, er bette getan waz er tun solte; da wisse sich menglich 
nach ze richtende. 

17. Hs. : schieszen sollen. 19. Der folgende Abschnitt i. d. Hs. dnreligestriclien. 



IL J17 



II. 

Kundschaft 

über die 

Erstürmung des Klosters zu Ottmarsheim. 



:> In seinem Bericht über den Zug nach Ottmarsheim erwähnt 
Brüglinger die Erstürmung und den Brand eines Hauses, in welchem 
die Feinde Zuflucht gefunden hatten^). Dass aber dieses Haus zu 
dem dortigen Frauenkloster gehörte, das erfahren wir nur aus Appen- 
wiler und aus der Klage, welche die Aebtissin dieses Klosters, 

10 Adelheid von Flachsland , bei den Verhandlungen zu Colmar vor- 
brachte^. Aus dieser Klage — sowie auch aus Beinheim') — geht 
überdiess hervor, dass das Dorf Ottmarsheim schon 1445 mehrmals 
Ton kleineren Streifschaaren der Basler heimgesucht wurde ^), und 
dass schon damals nicht allein das Dorf, sondern auch der Kreuz- 

ugang sammt andern Theilen des Klosters in Flammen aufgingen. 
In Folge dessen hatte der ganze Convent den Ort verlassen^) und 
stund das Kloster seither leer. Was aber von Gebäuden noch stehen 
geblieben war, das verbrannte am 9. Juni 1446, mit einziger Aus- 
nahme der Earche, J^die von des gewelbes wegen nit brennen mochte«^). 

20 Dieser merkwürdige Bau, aus dem XI. Jahrhundert stammend, steht 
in der That noch heute ^. 

Die Klage der Aebtissin, der wir diese Thatsachen entnehmen, 
richtete sich gegen Basel einzig wegen des Klosters, und nicht etwa 
wegen des Dorfes. Denn letzteres gehörte zur Herrschaft Landser, 

25 also zum Pfandbesitze der Münche von Landskron^), welche schon 
vor deT Kriegserklärung vom Juli 1445 mit Basel verfeindet waren. 
Das Kloster hingegen, als geistliche Stiftung, konnte auf allseitige 
Schonung Anspruch machen, sofern es keiner kriegführenden Partei 
Unterstützung gewährte. Seine Verheerung durch die Basler er- 

30 schien daher als eine Verletzung des Kriegsrechts, und aus diesem 

Grunde klagte die Aebtissin vor dem Schiedsgerichte zu Colmar. In 

• 

1) S. oben S. 204. 

2] Appenwiler, BL 230 und Colm. Richtung, Bl 46. 

3) Bemheim, BL 6. 

4) Beinheim. BL 6, erwähnt nur einen Zug, den er auf Freitag den 4. Juni 
1445 datiert. Die Colm. Richtung. BL 45, klagt ausserdem- noch Über einen 
andern Zug von 1445, dessen Datum bald »Mathei«, bald »Mathjrs« lautet 

5) Colm. Richtung, BL 433. 

6) Ebend., Bl. 46. 

7) Ueber diese Kirche s. Jakob Burokhardt. in den Mittheilungen 11. 

8) Nachdem Tode Burkhards, Ende August 1444, lebte nur noch dessen 
Bruder Elans, als der Letzte seines Geschlechts, und dieser lag 1446 zur Zeit 
der Colmarer Verhandlungen in Gefangenschaft; s. Colm. Richtung, BL 538^. 



218 Brüglinger. 

seiner Antwort rechtfertigte sich Basel damit, dass das Kloster den 
Feinden der Stadt als Zuflucht gedient habe, und dass also der An- 
griff auf dasselbe durchaus nach Kriegsrecht erfolgte i). Für den 
Angriff vom 9. Juni 1446 — aber auch nur für diesen — konnte 
Basel diesen Sachverhalt durch eine Kundschaft erhftrten. Aber & 
gerade für diese letzte Verheerung konnte auch die Aebtissin geltend 
machen, dass in Folge der früheren Beschftdig^ngen das Kloster 
damals leer und verlassen stund ^), und dass es mithin nicht ihre 
Schtdd sei, wenn das verödete Gebäude von Basels Feinden besetzt 
wurde. Da nun weitere Argumente in dieser Sache von keiner Seite lo 
vorgebracht wurden, so bleibt es fraglich, wie der Schiedspruch 
hierüber würde gelautet haben, wenn es überhai^t zu einem solchen 
gekonunen wäre. Die Kundschaft aber, welche damals Basel über 
den Angriff vom 9. Juni 1446 vorbrachte, gibt uns einigen Auf- 
schluss über den Hergang dieser kriegerischen That; sie bildet i^ 
daher, neben Appenwiler, eine willkommene Ergänzung zu BrOg- 
lingers kurzem Berichte. 

Aus der Urkunde über diese Kundschaft'), welche am 27. Aug. 
1446 durch den bischöflichen Offizial aufgenommen wurde, lassen 
wir hier nur die Aussagen .von drei Augenzeugen folgen, mit Ueber- *^* 
gehung zweier anderer, welche mit der Aussage des ersten unter 
diesen dreien völlig übereinstimmen. Ebenso lassen wir der Kürze 
wegen die allgemeine Eingangsformel weg, laut welcher alle 5 Zeugen 
gefragt wurden, was sie vom Klosterbrande wüssten. 

Die Augenzeugen , welche hier vorgeführt werden , erscheinen ^ 
alle noch in der Steuerliste von 1454^), nur dass ihre Namen theil- 
weise anders geschrieben sind. Der Schneider Hans Bninlin heisst 
dort Hans Brun, und der Schiffmann Hans RSulin Hans Row. 
Hartmann Baseler aber, der verwundet wurde, trägt schon bei Brüg- 
linger, wie in der Steuerliste, den Namen seines Hauses »zum 3o 
Miltenbergc^). Was nun die Feinde betrifft, so wissen wir aus 
Appenwiler, dass das »neue Haus neben dem Klostert, aus welchem 
sie schössen, das Wohnhaus der Aebtissin war. Der Ruf iHie 
Neuenburg, rette Oestreichc zeigt deutlich, dass sie zu jenen öst- 
reichischen Söldnern gehörten, welche im benachbarten Neuenburg 35 
ihr Standquartier hatten. Wenn nun sämmtliche Augenzeugen ihre 
Zahl auf 8 Mann schätzen, aber ebenso übereinstimmend nur 5 Ge- 
fangene zählen, so ist es wiederum Appenwiler, von dem wir das 
Loos der Uebrigen erfahren, indem er berichtet, dass »Hans Pfaff 



1) Cohn. Richtung, Bl. 253b. 

2) Ebend., BL 43;i. 

3) Stadt Urk. 1446 Aug. 27 ; hieven eine Abschrift in der Colm. Richtung, 
Bl. 992 ff. 

4) Schönberg 629, 632 und 676. 

5) Dieser Name ist schwerlich vom Adjectiv »milt« oder »milde« abzu- 
leiten, sondern wohl eher vom Pflanzennamen »Melde« oder »Muten«; s. W. 
Wackemagel, Wörterbuch zum Altdeutschen Lesebuch. 



Beilage IL 219 

Ton H\mgen selb 6.« erstoclieii wurde. Diese Zahl ist allerdings 
ungenau, sofern wirklieh nur 8 Mann im Hause waren ; aber immer- 
hin ist es bemerkenswerth, dass das Ende derer, die nicht gelangen 
wurden, Yon den Augenzeugen mit keiner Sylbe berührt wird. 



Ä Des eisten Hans Brunlin ein schnider, burger z& Basel, 
hat geswom in diser sach ein warheit ase sagen, ist by yiertzig 
jaren alt oder daby. ist gefiraget uff semlichs als vorstat. hat 
geseit: als man uss der stat Basel z& dem hindeisten gen Ot- 
meradiein zoch, da were er by den ersten zä Otmerszhein, by 

10 dem nüwen husz nebent dem closter; da warent wol by acht 
gesellen in dem husz. da- battend die gesellen von Basel, daz 
sy das husz w61tend uffgehen: sy weltent sy irs libs und lebens 
trfoten. das woltend sy aber in dem husz nit tun, und schua- 
sent herusz ussz dem husz, und schussent wol dry gesellen hie 

i5uszwendig in dem her, die sy latzdent. da was ein gesell in 
dem Yolck, der stiesz das husz an mit einer hantbüchsen. das 
es bran. also gabent ir funff uff und gabent sich geÜEingen, 
da es nit b5ser mocht werden; die nam man ouch gefangen 
und tröste man sy, und f&rtend ouch die getrAst in die statt 

üi gen Basel, hat ouch geseit: hettend die im husz das husz uff- 
geben by guter zyt; so were es nit verbrant, und were inen 
ouch an irem leben nit beschechen; das wisse er wol. wannd 
sy fordretend alw^en, das sy das husz uffgehen woltend; da 
woltend sy nit uffgehen, bys das es nimen biser kond weiden. 

15 disz und nit anders hat er geseit, nieman ze lieb noch ze leid, 
denn durch der luteien waiheit willen. 

Item Hartman Baszier von Maszmünster, ein winman zu 
Basel, hat geswom ein waiheit ze sagen in disei sach. ist by 

m vieitzig jaien alt und me. ist gefiaget uff semhchs als vor- 
stat. hat geseit, wie das er by den eisten weie zu Otmersz- 
hein, als man das husz nebent dei kilchen anlieff. da schiu- 
went die gesellen in dem nüwen husz mit hällei stim: »hie 
Nüwenbuig, letta Oestenich!« und spiachend gemeinlich zu 

u^ denen, die voi dem husz lagent: »ii k&gegehyei, uns kunt 
bald hilff gnüg!« und als man zu inen spiach: »gend uff, ald 
abei ii müssend alle steiben!« da spiechent sy : »ii kfigegehyei, 
wir went nit uffgehen. uns kunt bald hilffl« und schussent 
und wuiffent zu inen heiusz mit steinen undei das volck, und 

27. Hi6r folgen in der Urlr. Heinrich Fftrat nnd Hans Lüllfogel, welobe beide das- 
selbe aasssgen. 



220 BrOglinger. 

wuident zwen mit disem zugen übel geschossen, also wurdent 
die gesellen zornig, und stiessent das husz an mit für und 
brandens. und wisse öuch wol: hettent die im husz uffgeben, 
so were inen an irem lib nit beschechen, und were euch das 
husz nit verbrent worden, spricht ouch, das funff daselbs ge- 5 
yangen wurdent, die kament ouch herin in die stat gen BaselL 
disz und nit anders hat er geseit, nieman ze lieb noch ze leid, 
denn durch der lutem warheit willen. 

Item Hans B&ulin, ein schi£Eman von Basel, hat geswom 
ein warheit ze sagen in dirre sach. ist by viertzig jaren alt iv 
oder daby. ist gefraget uff semlichs als vorstat hat geseit, 
das er daby und mit gewesen sige, als man zu dem hindersten 
gen Otmerszhein zuge. da wörent'Wol Sehte der vienden in 
dem nüwen husz. nebent dem closter. und rüfflend die an, 
das sy das husz u%ebend, so weitend sy die, so im' husz we- ts 
rent, irs libs trösten bys gen Basel, das weitend sy nit tftn, 
und schussent herusz zÄ inen, und wüstend wol vier gesellen 
under inen, da wurdent die gesellen zornig und trügent holtz 
zu, und stiessent das husz an. und da das husz bran, dannacht 
weitend sy das husz nit uffgeben, bys das sy fures halb nimen 21) 
me in dem husz mochtend beliben; da gabent ir fünf uff. 
also nament sy die selben funff dennocht gefangen, die fürtend 
sy in die statt gen Basel, und hettent sy das husz uffgeben, 
so wer inen an irem lib nützit beschechen, und vrete ouch 
das husz nit verbrand; das wisse er wol. disz und nit anders^ 
hat er geseit, nieman ze lieb noch ze leid, denn durch der 
Intern warheit willen, und als er got darumb antwürten welle. 



m. 



Die Chronik 



Erhards von Appenwiler 

1439—1471, 

mit ihren Fortsetzungen 



1472—1474. 



Einleitung. 



Wie die Stadtschreiber die Rathsbücher, oder der Zunft- 
meister Bräglinger sein Zunftbuch ^ so benutzten auch die 
meisten sonstigen Chronisten gerne zu ihren Aufzeichnungen 

5 irgend ein schon vorhandenes Buch. Am besten aber eigneten 
sich hiezu jene Weltchroniken, welche oft genug, zum Zwecke 
beliebiger Fortsetzung, noch eine grössere oder kleinere Zahl 
leerer Blätter enthielten. Von dem ältesten Werke dieser Art 
in deutscher Sprache, von der Sächsischen oder Repgauischen 

1« Weltchronik ^], ist uns aus Basel eine einzige Handschrift er- 
halten; gerade diese aber enthält zugleich die eigenhändigen 
Aufiseichnungen eines Zeitgenossen Brüglingers, des Kaplans 
Erhard von Appenwiler. Bevor wir jedoch zu diesem Chro- 
nisten und seinem Werk uns wenden, werfen wir zunächst noch 

13 einen Blick auf die Handschrift, wie er sie vorfand, und auf 
ihren Inhalt. 

Diese Handschrift der Sächsischen Weltchronik, jetzt als Handschria 
Cod. E VI 26 in der Basler Universitätsbibliothek befindlich, 
scheint ursprünglich 228 Quartblätter enthalten zu haben, denen 

3b später noch zwei Hefte mit je 14 und S Blättern beigebunden 
wurden. Es sind jedoch vom ursprünglichen Buche 10 2), und 
von dem ersten Hefte 9 Blätter') ausgeschnitten, so dass das 
Ganze, statt 250 Blättern, deren schon längst nur noch 23t 
zählt ^). Soweit diese Blätter dem alten Buche angehören, also 

1) S. die Ausgabe ron WeUand, in Mon. Qerm., Deutsehe Chroniken II. 

2) Ein Blatt zwischen Bl. 208 und 209, ebenso vier Bl&tter swischen 
BL 209 und 210 scheinen schon Tor 1460 gefehlt zu haben. Zwischen Bl. 217 
und 218 hingegen sind fünf Blätter jedenfalls erst nach 1474 ausgeschnitten 
worden ; s. weiter unten. 

3) Alle 9 zwischen Bl. 223 und 224. 

4) Diese 231 Bl&tter wurden erst in jüngster Zeit vollst&ndig paginiert. 
Eine frühere Paginatur, 1844 vorgenommen, umfasst nur die letzten 52 Blätter, 
indem sie erst hinter dem Schluss der Sächsischen Weltchronik, d. h. hinter 
Bl. 179, beginnt und das jetzige BL 180 als Bl. 1 bezeichnet. 



224 App enwüer. 

bis Bl. 218, 80 weist ihr Papier als Wasserzeichen eine Krone 
unter spitzem Kleeblatt, während das erste Heft, Bl. 219 — 223, 
den Ochsenkopf hat, und das zweite, Bl. 224 — 231, ein Rad. 
l)ie sehr alte Einbanddecke ist von gelbem Pergament. So- 
weit nun die Weltchronik reicht, d.h. bis Bl. 179, sind alles 
Seiten zweispaltig und durchweg Ton einer und derselben Hand 
geschrieben, welche der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts 
angehört. 
stehsiiciie Zur Zeit, als Weiland die Sächsische Weltchronik in den Mo- 

^•***^'*^"^* numenta herausgab, war diese Basler Handschrift noch nicht lo 
bekannt ^). Nach ihrem Inhalt gehört sie zu derjenigen Hand- 
schriftengruppe, welcher die sog. erste Bairische Fortsetzung 
gemeinsam ist*^), und innerhalb dieser zeigt sie in ihren Les- 
arten die nächste Verwandtschaft mit den zwei ältesten Hand- 
schriften 3), doch immerhin so, dass sie von keiner dieser beiden i» 
sich ableiten lässt^). Ueberdiess aber ist diese Handschrift 
bis jetzt die einzige, in welcher die schon erwähnte Fortsetzung 
vollständig erhalten ist, d. h. bis 1350. während sie in den 
andern meist mit 1314 abbricht^). Zugleich jedoch unter- 
scheidet sich der Text dieser Basier Handschrift noch durch 20 
verschiedene Zugaben, welche der Sächsischen Weltchronik 
und ihrer Fortsetzung fremd sind. Der Anfang des Werkes 
ist nämlich ersetzt durch Auszüge aus den Reimchroniken 
Rudolfs von Ems^) und Enenkels^j, auf welche ein sonst un- 
bekanntes Trojanerlied folgt ^). Femer finden wir, mitten in 35 
die römische Geschichte eingeschaltet, eine umfangreiche lieber- 
arbeitung von Lamprechts Alexander^:. Ausserdem aber ent- 

1) W. Wftckemagel, der diese Hs. im Basler Universitfttsprograznm Ton 
1835, S. 30 ff., beschrieb, erkannte sie noch nicht als 8ftchs. Weltdironik, da 
ihr Anfang und Ende in der That mit keiner andern Hb. übereinstimmt Des- 
halb bezeichnet er sie auch in seiner Quellensammlung tum Erdbeben von 
1356, in »Basel im XIV. Jahrhundert« S. 233, nur als eine Basler Chronik. 

2) S. Weiland, Mon. D. Chroniken ü, 18. 

3) Sie hat die Lesart »pelagiin (statt pallii , wie die bei Weiland als 
No. 2 und 3 bezeichneten Münchner und Wiener Hss. 

4) Es fehlt ihr der Zusats über König Arnulf, durch welchen diese iwei 
Hss. von allen andern sich unterscheiden. 8. Weiland a. a. O., S. 19. 

5) Ueber diese Fortsetsung s. Anzeiger für Schweiz. Gesch. 1882, S.26 fL 
und 41 ff. Ueber das dort gesagte hat Weiland in einem Briefe vom 8. Nov. 
1882 sich zustimmend geftussert. 

6) Nämlich Bl. 1—7 und Bl. 10—14. 

7) Bl. 81»— 10. — BL 7—8 hingegen gehört zur SAchs. Weltchronik. 

8) Bl. 14—17, abgedruckt in Pfeiffers Germania 1883, S, 30 ff. 

9) Bl 22—67, ediert von R. M. Werner, in der Bibliothek des Litterar. 
Vereins, Bd. CLIV. 



Einleitung. 225 

hält namentlich der Text der Fortsetsimg verschiedene Zu- 
sätze ^j, welche ziuneist sich auf Basel beziehen und zum Theil 
deutliche Merkmale tragen, dass sie nicht vor 1400 entstanden 
sein können. Auch in diesen Basler Zusätzen, welche mit- 

shin Ton der 1350 verfassten bairischen Fortsetzung wohl zu 
unterscheiden sind, fehlt es übrigens so wenig als im übrigen 
Text an sinnstörenden Schreibfehlem, die uns zeigen, dass 
der Schreiber der Handschrift nicht zugleich der Verfasser 
dieser Zusätze war, sondern dass er letztere, gleich dem übrigen 

»Inhalte, schon in seiner Vorlage vorfand. Diese letztere aber 
war mit zahlreichen Miniaturen geziert; denn nur so erklären 
sich die vielen im Text ausgesparten Zwischenräume, alle von 
derselben Dimension von Y3 Spalte, welche durch das ganze 
Werk zerstreut sind. Da nun schon die Vorlage — wegen 

)3 der Basler Zusätze — nicht vor 1400 entstanden sein kann, 
während andererseits die Eintragungen Appenwilers — wie wir 
nocli sehen werden 2) — schon mit 1439 beginnen, so muss 
die erhaltene Handschrift zwischen 1400 und 1439 gefertigt 
sein, und auf diese Zeit weisen auch in der That ihre Schrift- 

»züge. Von ihrem ganzen Inhalt aber sind die Basler Zusätze 
von 1400 das einzige, was in unser Programm gehört. Da sie 
jedoch von sehr geringem Umfange sind, so lassen wir sie hier 
nicht als ein selbständiges Stück erscheinen, sondern nur als 
Beilage 3) zu den allerdings jüngeren, aber ungleich umfang- 

25 reicheren Aufiseichnungen Appenwilers, zu welchen wir nun 
übergehen. 

Während die Sächsische Weltchronik, wie wir sahen, bis AppenwUen 
Bl. 179 reicht, folgt auf den übrigen Blättern des Buches eine nangen' 
andere Hand, deren Schreiber sich mehrmals nennt: »ich* Erhart ^^'^'•"p*- 

30 von Appenwiler, caplan der stiffU^). Sehen wir ab von ein- 
zelnen Unterbrechungen ^) , so bilden diese Au£Eeichnungen, im 
Grossen und Ganzen genommen, eine fortlaufende Chronik 
von 1447 bis 1471. Derselben Hand und demselben Namen ^) 
aber b^egnen wir auch in einem erst später beigebundenen 

» Hefte, dessen 8 Blätter jetzt als BL 224 — 231 bezeichnet sind 7). 
Dieses Heft, dessen Papier als Wasserzeichen ein achtspeichiges 

1) Abgedruckt im Anzeiger 1882, S. 42 ff. 

2) S. unten S. 230. 

3) S. unten Beüage L 

4} Bl. 187b nnd 190, beide z. J. 1449. 

5] lieber diese Unterbrechungen g. unten S. 226. 

6) Appenwiler nennt sich hier z. J. 1445; s. Bl. 230^. 

7) Ueber BL 219 — 223, welche ebenfalls ein besonderes, jedoch von an> 
derer Hand beschriebenes Heft bilden, s. unten S. 239. 

Bftaler Chroniken. 17. ] 5 



226 Appenwiler. 

Rad aufweist, scheint Appenwiler ursprünglich zu einer Samm- 
lung satyrischer Stücke bestimmt zu haben; denn den AnfEmg 
auf 61. 224 bildet eine lateinische Gebetsparodie ^). Auf diese 
folgt jedoch, bis zu Ende des Heftes, die Erzählung des 
St. Jakoberkrieges von 1444 — 1446. Verbinden wir nun dieses & 
Heft mit den schon erwähnten Aufzeichnungen hinter der 
Sächsischen Weltchronik, so erhalten wir eine den ganzen Zeit- 
raum von 1444 bis 1471 umfassende Basler Chronik, als deren 
zweifelloser Verfasser der sich mehrmals nennende Erhard 
von Appenwiler zu betrachten ist. i« 

Aeitftre nnd Der zweite und umfangreichere Theil dieser Chronik, der 
tragangen mit 1447 beginnt, wird mehrmals unterbrochen, und zwar durch 
^^Hatad?*' einzelne Stücke aus früherer Zeit, die jedoch gleichfalls von 
Appenwilers Hand geschrieben sind. Schon unmittelbar hinter 
dem Schlüsse der Sächsischen Weltchronik, auf Bl. 179^ — 180, u 
finden wir lateinische Annalen von 1335 — 1422, welche aus 
dem Kloster Paris zu stammen scheinen, und die wir, sammt 
einigen weiteren Notizen auf Bl. 181, als Beilagen folgen 
lassen^). Erst hinter diesen älteren Stücken beginnt Appen- 
wiler auf Bl. 181^ seine eigene Chronik, welche hier mit 1447 20 
anhebt, aber schon durch den Inhalt von Bl. 184 eine räum- 
liche Unterbrechung erleidet. Dieses Blatt enthält nämlich 
eine Beschreibung des für Basel so ereignissreichen Jahres 1439, 
welche wohl noch aus diesem Jahre stammt und jedenfalls 
keinen andern Verfasser hat als unsern Appenwiler. Dieses 25 
Stück ist mithin als der früheste Theil seiner eigenen Chronik 
zu betrachten, und deshalb stellen wir dieses Bl. 1 84 an ihren 
Anfang, also unmittelbar vor die Erzählung der Jahre 1444 
bis 1446. AIb eine blosse Abschrift, erst 1453 gefertigt, er- 
scheint hingegen die auf Bl. 195^ — 196 befindliche Beschreibung 30 
von Friedrichs lU. 1442 erfolgter Krönung zu Aachen, welche 
wir hier als Beilage HI geben. Ebenso ist auf Bl. 198 — 199 
das Verzeichniss des bei Sempach gefallenen Adels nur eine 
Wiederholung der auch sonst noch in mancher Handschrift er- 
haltenen sog. Rheinischen oder Breisgauerliste^), deren noch-:» 
maUger Abdruck hier überflüssig erscheint. Ausserdem er- 
wähnen wir hier nur der Vollständigkeit wegen noch zwei 

1) Abgedruckt in Briegers Zeitschrift für Kirchengeschichte VII, 141 ff. 

2) Diese Annalen von P&ris, bis jetzt einzig aus dieser Hs. bekannt, 
wurden schon 1883 veröffentlicht im N. Archiv f. ä. d. Gesch. VIII, 616 ff. 

3) Ueber diese Todtenliste s. Anzeiger f. Schweiz. Gesch. 1882, S. 8 ff., 
und vgl. bei Th. von Liebenau, Schlacht bei Sempach, die No. 44, 48, 70, 72, 
95, 97, 106 und 152 der Chroniken, und No. 8 der Jahrzeitbücher. 



Einleitang. 227 

lateinische Exempla, d. h. kurze Erzählungen erbaulichen In- 
halts, welche unser Kaplan aus unbekannter Quelle auf Bl. 218^, 
also auf die letzte Seite seines Buches abschrieb^). 

Umfangreicher als alle diese bisher erwähnten Abschriften ^Anon:^«^ 
5 sind diejenigen, welche Appenwilers Chronik mitten im Jahre des Königg- 
1460 unterbrechen, indem sie Bl. 202* — 211* einnehmen^). Ihr 
Inhalt, als Ganzes au%efasst, erscheint nicht nach der Zeitfolge 
geordnet, erweist sich aber als ein Auszug aus der Weltchronik 
Königshofens, und zwar aus einer solchen Handschrift dieses 

19 Werkes, in welcher nicht allein die Constanzer Annalen des 
XIV. Jahrhunderts beigefügt waren ^), sondern auch eine sonst 
nirgends erhaltene, bis 1454 reichende Fortsetzung. Diese im 
Äugu8t und September 1460 gefertigten Abschriften unter- 
scheiden sich von Appenwilers eigener Chronik auch äusserlich 

15 durch grössere Gleichmässigkeit in der Schrift und durch die 
roth unterstrichenen Ueberschriften. Diese selben Merkmale 
tragen jedoch nicht nur die kurzen Ueberschriften und Inhalts- 
angaben, womit Appenwiler in seinem Buche beinahe jede 
Seite der Sächsischen Weltchronik yersah^), sondern wir be- 

20 merken sie auch an einer Reihe zerstreuter Abschnitte aus 
älterer Zeit, mit welchen er da und dort einzelne leer ge- 
bliebene Stellen sowohl im Texte der Weltchronik als auch 
in seiner eigenen Chronik ausfüllte^]. Nach ihrem Inhalte 
stammen diese zerstreuten Stücke theils aus der deutschen 

25 Coknarer Chronik ^) und einer Uebersetzung der Notae histo- 

1 } Die zwei Ueberschriften lauten: Exemplum de indulgentiis. — Exem- 
plum de uno doctore. 

2) Der fortlaufende Inhalt von Bl. 209^ und 210 zeigt, dass die ausge- 
schnittenen Blätter, deren Spur wir vor und hinter Bl. 209 bemerken, schon 
damals, d. h. 1460, nicht mehr vorhanden waren; s. oben S. 223, Anm. 2. 

3) Mone, Quellen zur Gesch. des Badischen Landes I, 301, erwähnt noch 
zwei Hss. des Königshof en, welche gleichfalls diese Constanzer Annalen 
enthalten. S. ebend. S. 302 ihren Text, der von 1256 bis 1388 reicht. Die Ab- 
schrift bei Appenwiler, Bl. 205, bietet hiezu keine nennenswerthen Varianten. 

4) Neben diesen Ueberschriften findet sich von Appenwilers Hand zum 
Texte dieser Weltchronik an einer einzigen Stelle auch eine sachliche An- 
merkung, nämlich auf BL 152, zur Geschichte Friedrichs I.: Under disem 
keyser körnend die drige kuni^e von Meylant gon C61n, und Gervasius und 
Protasius die blibend zu Brisach ; reges furend furher. 

5) In der Sächsischen Weltchronik füllen sie namentlich die ursprüng- 
lich für Miniaturen ausgesparten Zwischenräume auf Bl. 85 — 100, 118 und 
162 — 179. In Appenwilers eigener Chronik aber sind es die früher aus ver- 
schiedenen Gründen ganz oder theilweise leer gelassenen Bl. 180^ 181, lS5t>, 
lS6b und 192. 

6) Herausgegeben von J. See, in Stöbers Alsatia 1874, S. 221 ff. 

15* 



228 Appenwiler. 

ricae Argentinenses ^), theils aus Königshofen und den schon 
erwähnten Constanzer Annalen ^) , theils auch aus unbekannter 
Quelle. Zu den Stücken letzterer Art gehört unter andern auch 
die erste Hälfte eines Abschnitts über das Basler Concil, dessen 
zweite Hälfte sich auf Bl. 205^») befindet, also mitten unters 
jenen zusammenhängenden Abschriften auf BL 202^ — 211, 
welchen ein bis 1454 fortgesetzter Königshofen zu Grunde 
liegt. Sobald wir nun annehmen, dass diese verlorene Hand- 
Schrift neben Königshofen und den Constanzer Annalen auch 
die deutsche Colmarer Chronik- sammt einer Uebersetzung der lo 
Notae Argentinenses enthalten habe, so dürfen wir wohl auch 
die wenigen zerstreuten Abschnitte, deren Quelle wir nicht 
kennen, als Bestandtheile jener bis 1454 reichenden Fortsetzung 
auffassen, welche ebenfalls in dieser verlorenen Handschrift 
enthalten war. Diese Fortsetzung aber, deren unbekannter is 
Verfasser jedenfalls in Basel lebte, ist umfangreich genug, dass 
wir sie in diesem Band als eine besondere, für sich bestehende 
Chronik herausgeben, welche wir der Kürze wegen als das 
Werk des »Anonjrmus bei Appenwiler« bezeichnen. Wir be- 
schäftigen uns daher hier nicht weiter mit ihr^ sondern wenden ^ 
uns nun zu Appenwilers eigenem Werke, indem wir zunächst 
über das Leben des Verfassers einen Ueberblick zu gewinnen 
suchen. 

Appenwiieri Erhard von Appenwilers Name weist uns nach Colmar, 
Leben. ^^ dcsscu Nähe das Dorf Appen Weiler liegt, und wo in derij 
That schon 1214 unter den angesehensten Bürgern der Stadt 
ein Rodolfus de Appenwilre^) erscheint. Noch im XV. Jahr- 
hundert, also zur Zeit unsres Chronisten , blühte dort dieses Ge- 
schlecht fort und war durch mehrere Glieder vertreten, vor allem 
durch Nikiaus, welcher 1409 — 1431 als Stadtschreiber erscheint*) so 

1) Vgl. Böhmer, Fontes III, 114 ff. 

2) BL 181 enthält den Schluss dieser Annalen, Bl. 205 ihren Anfang. 

3) Vgl. Bl. 186b und 203^. 

4) S. MoBsmann, Recherches sur la Constitution de la commune k Colmar, 
S. 4, Anm. 1. — Z. J. 1358 erscheint auch ein Burghardus dictus Meyer de 
Appenwiler, und dessen Bruder Johannes; s. L. A. Burckhardt, Die Hofrödel 
von Dinghöfen Baselischer Gotteshäuser ec, S. 152. 

5) S. die Bürgeraufhahmen z. J. 1409 und das Todtenbuch von St. Martin, 
z. J. 1431, beide im Stadtarchiv zu Colmar. — Alle hier folgenden Angaben, 
soweit sie aus dem genannten Archiv stammen, verdanke ich der Gef^dligkeit 
des llerm Stadtarchivar X. Mossmann von Colmar. — Ueher Niklaus v. A. 
8. femer X. Mossmann, Memoire sur une insurrection survenue ä Colmar en 
1424, S. 4. 



Einleitung. 229 

und einen Sohn Heinrich hinterliess^], und ausserdem noch 
durch Franz, Peter , Kuno und Konrad, welche vier in den 
Jahren 1410, 1416, 1418 und 1434 starben 2). Mit wel- 
chem Yon diesen nun unser Kaplan Erhard am nächsten 

s verwandt war, das müssen wir dahingestellt lassen. Denn aus 
seiner Chronik erfahren wir nur, dass er einen Bruder Johannes 
hatte, der 1457 als Mönch im Cisterzienserkloster Paris starb. 
Er selber aber wurde nach seinem Tode beerbt durch einen 
in Colmar wohnenden »Meister Nikiaus« 3), der wohl schwer- 

19 lieh einem andern Geschlecht angehörte als demjenigen der 
Appenwiler. 

Wenn demnach alle Spuren uns für die Herkunft unseres 
Chronisten nach Colmar weisen, so finden wir ihn immer- 
hin schon 1429 in Basel, und zwar als Besitzer des Hauses 

isWüfenheim in der äussern St. Albanvorstadt^), das er auch 
bis an sein Lebensende bewohnte^). Zehn Jahre später, 1439, 
erscheint er zweimal unter den Bewerbern um die Leutpriester- 
pfründe im Spital^), doch ohne Erfolg. Schon damals aber 
war er Kaplan am Münster^) und hatte dort die Pfründe des 

oSt Stephansaltares, welche er bis an seinen Tod behielt'') 
Unter den Kaplaneien des Münsters, deren es mehr als 70 
gab, zählte diese seine Pfründe allerdings nicht zu den reich- 
sten^), und diess erklärt uns vielleicht, warum er sich 1439 
um die Pfründe am Spital bewarb. Zudem mochte die letztere 

^Stelle, als die unabhängigere, in seinen Augen den Vorzug 
Terdienen vor derjenigen am Münster, wo zwischen den 24 

1) S. die Bürgeraufhahmen z. J. 1440^ im Stadtarchiv zu Colmar. 

2) S. das Todtenbuch Ton St. Martin, ebend. — Ueber Peter, Kuno und 
Franz g. auch die Bürgeraufiiahmen z. J. 1380, 1383 und 1385. 

3) S. das RechnuDgsbuch z. Baaler Münsterbau, z. J. 1475: Recepta ex le- 
g&tis in speciali : Ex legatione quonindam honestonim utriusque sexus homi- 
ntun in Columhare habitantium obtinui per medium magistri Nicolai heredis 
olim domini Appenwüer 21/2 Ib. 

4; S. Gerichtsarchiv, Fertig^ngsbuch U, 111. Dieses Haus lag nehen 
dem Hause zum Roggenhurg, jetzt St. Albanvorstadt No. 34; es ist also ver- 
muthlich das jetzige No. 36, sonst »im Hof« genannt. 

5) S. Beine Chronik z. J. 1449, wo er den Bflchsenmeister Heinrich Roggen- 
bnrg (in No. 34) seinen n&chsten Nachhar nennt, auch Ob. V, 51, z. J. 1470, 
▼0 wegen eines Todtschlags in der St. Albanvorstadt seine Magd unter den 
Zeugen erscheint 

6) Ob. I, 49 und 56. 

7} S. unten seine Chronik z. J. 1439. 

6) Jahrzeitbuch des Münsters, z. 18. Januar. — Dieser Altar lag im süd- 
liehen Querschiff. 

9} S. das Verzeichniss der Kaplaneien bei TrouiUat V, 50. 



230 Appenwiler. 

Domherren und den 70 KapULnen nicht immer das beste Ein- 
vernehmen herrschte. Die Pfründe am Spital ist übrigens die 
einzige, als deren Bewerber er erscheint, und in der That blieb 
er, wie schon bemerkt, bis zu seinem Lebensende Kaplan am 
Münster. Wie alle seine Amtsbrüder, so gehörte auch er zur 5 
Bruderschaft zu St. Johann auf Burg^), und versah dort das 
Amt des Kammerers, der ihr Vermögen zu verwalten hatte. 
Als Träger dieses Amtes finden wir ihn zwar nur 1443 aus- 
drücklich bezeichnet^,; doch wissen wir keineswegs, wann er 
dasselbe antrat und wie lange er es behielt. Er starb am 10 
18. Januar 1472 3), nachdem er für sich, seine Vorfahren und 
seine Wohlthäter im Münster eine Jahrzeit gestiftet hatte. 
Ebendort im Kreuzgange wurde er auch begraben, zwischen 
der St. Niklauskapelle und der Wendeltreppe, welche zu der 
damaligen Bibliothek, dem späteren Doctorsaale, hinauffuhrt.» 
Sein Grabmal ist jedoch schon längst verschwunden, und was 
noch jetzt sein Andenken fortleben lässt, das ist einzig das 
Buch, in welches er einst seine Chronik schrieb. 

EiiUieiiiiDg Wir wissen nicht, auf welchem Wege unser Chronist in 

den Besitz dieses Buches gelangte, und ebensowenig lässt sich » 
genau die Zeit bestimmen, wo er hinter der Sächsischen Welt- 
chronik, auf Bl. 179^ ff., die bis 1422 reichenden Annalen von 
Paris eintrug. Jedenfalls aber geschah diess noch vor 1439, 
d. h. noch bevor er auf Bl. 184 die Ereignisse dieses Jahres 
beschrieb. Zu dieser letztem Aufieeichnung, die wir gewisser- v» 
massen als den Anfang seiner Chronik betrachten können, 
mochten ihn wohl ähnliche Gedanken getrieben haben, wie 
diejenigen, welche zur selbigen Zeit auch den Rath bewogen, 
im Rothen Buch eine Stadtchronik anzulegen^). Das Jahr 1439, 
das für Basel den Jammer der Pest und zugleich wieder den 30 
Jubel der Papstwahl gebracht hatte, musste den Zeitgenossen 
in der That als ein aussergewöhnliches erscheinen und durfte 
daher nicht der Vergessenheit anheimfallen. Aber gleichwie 
im Rothen Buche die kaum begonnene Chronik bei diesem 

1) Ueber diese Bruderschaft s. Wurstisen, Beschreibung des Münsters, 
in Beitr. XII, 481. 

2) S. ebend. 

3) Jahrzeitbuch des Münsters, St. Archiv, Domstift, Bd. A., z. IS. Januar, 
auch Gräberbuch, z. 18. Januar. — Das Todesjahr 1472 ergibt sich daraus, 
dass in seiner Chronik die letzte Eintragung von seiner Hand den 19. Juni 
1471 betrifft, und die nächste seines Fortsetzers den 17. Mai 1472. 

4) S. oben S. 5 und 44 ff. 



Einleitung. 23 1 

ersten Jahre stehen blieb, so hatte es auch bei Appenwiler 
mit den Aufzeichnungen von 1439 für lange Zeit sein Be* 
wenden. Erst gegen Ende 1446, also zur selben Zeit, wo Brüg- 
linger im Zunftbuche der Brodbecken die Kriegsjahre 1444 — 

& 1446 beschrieb, da griff auch unser Kaplan w^der zur Feder, 
um nach geschlossenem Frieden die blutigen Ereignisse dieser 
letzten Jahre aufzuzeichnen*). Hiezu wählte er jedoch nicht 
das alte Buch, in welches er 1439 geschrieben, sondern nur 
jenes schon erwähnte Heft 2), dessen vorderstes Blatt von früher- 

19 her eine Gebetsparodie enthielt. Wie Brüglinger, so gieng 
auch er bei seiner Erzählung auf die wesentlichste Ursache 
des Krieges zurück, d. h. auf die Schlacht bei St. Jakob, und 
deshalb umfasst seine Erzählung die Jahre 1444 — 1446. Jedoch 
hält er sich in seiner Darstellung an keinerlei Ordnung nach 

IS der Zeitfolge, sondern erzählt zuerst diejenigen Ereignisse, die 
sich ihm am tiefsten eingeprägt haben, um dann die übrigen 
ordnungslos nachzuholen, soweit sie ihm überhaupt noch er- 
innerlich waren. 

Mit dieser Beschreibung der Jahre 1444 — 1446 waren die we- 
in nigen Blätter jenes Heftes bald gefüllt, und auf der letzten Seite 
blieb kaum noch Raum zu einigen Nachträgen von 1447 und 
1448. Unser Chronist aber wollte sein Werk nicht mehr liegen 
lassen wie früher, nach 1439, sondern hatte sich vorgenommen, 
fortan Jahr für Jahr damit fortzufahren. So griff er denn im 

r, October 1448 ^j wieder zu dem alten Buche, in welches er seit 
1439 nichts mehr geschrieben hatte. Den Zwischenraum von 
2^2 Blättern, welcher diese seine früheren Aufzeichnungen vom 
älteren Inhalte des Buches trennte^), gab er jetzt Preis, indem 
er seine neuen Eintragungen auf Bl. 181^ begann, also un- 

30 mittelbar hinter jenen lateinischen Abschriften, welche auf die 
Sächsische Weltchronik folgen^). Er wollte mithin den Raum 
möglichst ausnützen, den ihm das Buch zu seinen künftigen 
Aufzeichnungen noch bieten konnte. Diese aber sollten für 
sich ein Jahr für Jahr fortschreitendes, also nach der Zeitfolge 

^ geordnetes Ganzes bilden, mit zwanglosem Anschluss an seine 

1) Schon der Anfang auf Bl. 224^ zeigt, dass er nicht vor Juni 1446 kann 
begonnen haben. 

2) JeUt Bl. 224—231 ; s. oben 8. 225. 

3) DieNachtrftge im Hefte von 1446 reichen bis zur Weinlese von 1448. 

4) Hinter der Sächsischen Weltchronik nehmen die Annalen von Paris 
sammt den Notizen von 1349—1408 nur Bl. 179»»— 181 ein, während die Auf- 
zeichnungen von 1439 erst auf Bl. 184 folgen. Es bilden daher Bl. 18 1^— 183b 
zwischen beiden einen Zwischenraum. 

5) S. oben S. 226. 



232 Appenwücr. 

Beschreibung des Krieges von 1446. Deshalb begann er auf 
BI. ISl^ nicht erst mit den Ereignissen vom October 1448, 
sondern mit dem Jahre 1447, indem er zuerst die Nachträge 
von 1447 und 1448 aus dem Schlüsse des Heftes hier in Kürze 
wiederholte, um erst hierauf das Neueste zu erzählen^). 5 

Diese seine im October 1448 neu begonnene Chronik führte 
Appenwiler fortan Jahr für Jahr fort, durch kriegerische wie durch 
ruhigere Zeiten, bis zum Juni 1471, d. h. bis wenige Monate 
vor seinem Tode. Wiewohl nun der im Buche noch vorhan- 
dene Raum hiezu völlig ausreichte, und auch die chronologische lo 
Ordnung des Inhalts sich sozusagen von selbst zu e^eben 
schien, so fehlt es immerhin weder an einzelnen räumlichen 
Unterbrechungen, noch an kleineren Störungen in der Zeitfolge. 
Eine erste Unterbrechimg bilden schon auf Bl. 184 die Auf- 
zeichnungen von 1439, und ebenso auf Bl. 198 — 199 die Sem- ts 
pacher Todtenliste, welche beide Appenwiler schon früher hier 
eingetragen hatte. Ausserdem aber übersprang er 1449 beim 
Schreiben seiner Chronik absichtlich Bl. 185^ — 186, und ebenso 
nach 1451 Bl. 192. Beide Lücken folgen unmittelbar auf Nach- 
richten aus Rom ; er mag daher in beiden Fällen zur Ergän- 20 
zung noch weitere Nachrichten aus der ewigen Stadt erwartet 
und für diese den Raum gespart haben, der dann in der Folge 
leer blieb, weil die gehofften Berichte nicht eintrafen. Wenige 
Jahre später, gegen Ende 1453, unterbrach er den Zusammen- 
hang seiner Chronik auch dadurch, dass er unmittelbar hinter 2s 
Bl. 195, bis wohin er damals gelangt war, auf Bl. 195^ — 196 
aus unbekannter Quelle die Beschreibung der Aachener Krö- 
ntmg von 1442 abschrieb, um nachher auf Bl. 196^ wieder mit 
der Tagesgeschichte fortzufahren. Dieser nämliche Fall wieder- 
holte sich in grösserem Maassstabe gegen Ende 1460, als er 30 
auf Bl. 202*^—211'» eine Reihe von Stücken abschrieb 2). Da- 
mals giengen in seinem Buche die weissen Blätter schon merk- 
lich zur Neige, und deshalb sah er sich jetzt nach jedem freiem 
Räume um, den er etwa darin noch finden konnte, um weitere 
Abschriften aus Königshofen anzubringen. Mit diesen letzteren 30 
füllte er in der That nicht nur die seit 1449 und 1451 leer 
gebliebenen Bl. 185^ — 186 und 192, sondern überhaupt beinahe 
jeden Zwischenraum, der im Texte der Sächsischen Weltchronik 
sich noch vorfand. Bei all diesen Abschriften, den zerstreuten 
sowohl als denjenigen auf Bl. 202^ — 2 1 1^, verfuhr er jedoch völlig ao 

1) Vgl. Bl. 181b mit Bl. 231b Vom 16. Oct 1448 an folgen auf Bl. 181^ 
die neuen Ereignisse. 

2) ß. oben S. 227. 



Einleitung. 233 

planlos, ohne jegliche Ordnung und Consequenz. Denn wäh- 
rend er auf den früher beschriebenen Blättern jede leer ge- 
bliebene Stelle benütztei liess er hinwiederum auf Bl. 208^ und 
BL 211 ähnliche Zwischenräume, die er nachher mit Auf- 
szeichnungen aus der Zeitgeschichte von 1460 und 1462 füllte. 
Ebenso liess er, als er im Februar 1462 mit der Tagesgeschichte 
wieder regelmässig fortfuhr, hinter Bl. 211^ die nächste Seite 
vorerst noch leer, um dann erst nachträglich auf sie zurück-' 
zukommen, nachdem er inzwischen Bl. 212^ — 213 beschrieben 

11« hatte. 

Da die Au&eichnungen unseres Chronisten nicht selten Ordnani; 
auch Ereignisse aus fernen Ländern berühren, von welchen zeUfoige. 
die Kunde oft erst nach Monaten bis Basel gelangte, so war 
es naturgemäss unmöglich, die Ordnung nach der Zeitfolge 

u durchweg bis auf Monate und Tage genau einzuhalten. Im 
übrigen aber finden wir diese Ordnung, soweit es sich nicht 
um Monate, sondern um Jahre handelt, nur in sehr wenigen 
Fällen gestört. Die früheste Störung dieser Art bildet eine 
an sich unbedeutende Witterungsnachricht vom IS. October 

201150, welche auf Bl. 19ä steht, während sie der Zeit nach 
schon auf Bl. 191 gehört hätte. Auf letzterem Blatte nun lesen 
wir die Ueberschrift »Coronatio regis Friderici de Austria Bo- 
manorum regis«, welche jedoch dem Inhalte weder dieses noch 
der folgenden Blätter entspricht. Es scheint daher, dass Appen- 

2swiler schon im Herbst 1450 einen Bericht über die Krönung 
Friedrichs HI. von 1442 vor sich hatte und hiezu Bl. 191—192^ 
zum voraus bestimmte, dass er aber bald nachher diesen Plan 
wieder aufgab, um ihn dann erst später, 1453, auf Bl. 195^ — 196 
aaszufuhren. Die sonstigen Störungen der Zeitfolge hingegen, 

30 die wir noch bemerken, erklären sich durchweg theils aus dem 
Bestreben, einzelne kurz vorher leer gebliebene Stellen noch 
auszunützen, theils auch aus der Neigung, verwandte Ereignisse 
aus verschiedenen Jahren neben einander zu stellen. Letzteres 
geschah 1453, wo unser Chronist die Niederlage der Genter 

»unter diejenige der Lütticher von 1408 schrieb — also unter 
jene älteren Notizen auf BL ISl — und wiederum 1459, wo er 
die Fest dieses Jahres unter der früheren von 1451 anbrachte, 
d. h. am Fusse von Bl. 193. Der Comet von 1456 hingegen 
wurde nur aus Baumersparniss noch am Fusse von Bl. 197^ 

40 erwähnt, statt auf BL 200, und ebenso die Münzprägung von 
1462 auf BL 208 ^ während sie eher auf Bl. 212^ gehört hätte. 
Diese wenigen Störungen der Zeitfolge sind übrigens durchweg 
von geringer Bedeutung, und deshalb belassen, wir in der vor- 



234 Appcnwiler. 

liegenden Ausgabe die von 1447 bis 1471 reichenden Auf- 
zeichnungen Appenwilers durchaus in derselben Reihenfolge, 
wie sie in der Handschrift sich finden. Wohl aber lassen wir 
die auf Bl. 184 geschriebenen Nachrichten von 1439 voraus- 
gehen, und ebenso das Heft von 1446, und erhalten auf diese 5 
Weise ein Ganzes, das von 1439 bis 1471 reicht. 
yergieich Mit dioscr seiner Chronik erscheint Appenwiler gewisser- 

'massen als der Vorgänger seines CoUegen Hans Knebel, der 
ihn um ein Jahrzehnt überlebte *] , und dessen Tagebuch, soweit 
es erhalten ist, die Jahre 1473 — 1479 umfasst. Allerdings ist 10 
Appenwiler bei weitem nicht so schreibseUg und ausführlich 
wie dieser sein Nachfolger, und ist auch viel zurückhaltender 
mit seinem Urtheil; aber immerhin spricht aus beiden Werken 
im Wesentlichen dieselbe Gesinnung. Wie Knebel, der ge- 
borene Basler Bürger, so hält auch Appenwiler in allen Fällen u 
treu zu der Stadt, die ihm zur zweiten Heimat geworden ist, 
und ebenso gleichen sich beide auch in ihrer Abneigung gegen 
Kaiser Friedrich HI.^). Ein sehr fühlbarer Unterschied besteht 
jedoch zwischen diesen beiden Kaplänen hinsichtlich ihrer 
Schulbildung. Denn Knebel, der ohne Zweifel in Basel die» 
Domschule besucht hatte, schrieb sein Tagebuch in lateinischer 
Sprache. Bei Appenwiler hingegen sind zwar die Au&eich- 
nungen von 1439, welche meist von kirchlichen Dingen handeln, 
lateinisch; doch schon die Kriegsjahre 1444 — 1446 sind durch- 
gängig deutsch beschrieben, und in der fortgeführten Chronik 25 
von 1447 — 1471 finden sich — abgesehen von einigen ab- 
geschriebenen Briefen — nur wenige und vereinzelte lateini- 
sche Abschnitte 3). Diese Stücke zeigen uns, wie gerne er wohl 
seine ganze Chronik lateinisch geschrieben hätte ; aber zugleich 
verrathen sie auch den Grund, warum er darauf verzichtete. 30 
Denn so kurz diese lateinischen Aufzeichnungen sind, so reich 
sind sie immerhin an grammatischen Verstössen, welche davon 
, zeugen, wie wenig unser Kaplan mit der Sprache Ciceros ver- 
traut war. Er selber fühlte diess offenbar und beschränkte 
sich deshalb auf einige wenige Begebenheiten, die er lateinisch » 
zu erzählen sich getraute, während er für alles übrige sich mit 
der Muttersprache begnügte. So sehr nun unser Chronist es 
vielleicht bedauern mochte, dass er in seiner Jugend weniger 

11 Knebel starb 1481 ; s. B. Chroniken III, 590. 

2) S. z. B. Appenwiler z. J. 1439 und vgl. B. Chron. U, 498 und m, 623. 

3) Diese Abschnitte betreffen d. J. 1439, 1448—1452, 1454, 1456—1458, 
1460 und 1463. Sie handeln meistens von kirchlichen Ereignissen, Todcs- 
fülen und fürstlichen Besuchen. 



Einleitung. 235 

gut geschult worden als z. H. sein College Knebel, so können 
wir umgekehrt uns nur darüber freuen, dass seine mangelhafte 
Kenntniss des Lateinischen ihn zwang, uns in seiner Chronik 
zugleich ein Sprachdenkmal zu hinterlassen, welches für die 

s Kenntniss der Sprachentwicklung am Oberrhein keinenfalls 
werthlos ist. 

Wie Knebel, so nahm auch Appenwiler gerne in seine schnfuicba 
Chronik schriftliche Berichte von auswärts auf; doch hatte er ^^®^*°* 
offenbar weit weniger Verbindungen, die ihm solche Schrift>- 

10 stücke verschaffen konnten, als jener, und deshalb ist sein Werk 

' auch viel spärUcher damit versehen. Immerhin bemerken wir 
bei ihm zunächst z. J. 1453 den lateinischen Bericht eines 
Anconaten über die Eroberung von Constantinopel — ein 
Schriftstück, das wir bis jetzt aus keiner andern Handschrift 

15 kennen. Femer bringt er z. J. 1454 den Brief des Landvogts 
in der Neumark an den Kurfürsten Friedrich II. von Branden- 
huTgy über den Sieg des Deutschen Ordens bei Könitz, und 
c. J. 1456 in deutscher Uebersetzung zwei Briefe über den Sieg 
bei Belgrad, sowie auch z. J. 1463 den Friedensvertrag der bei 

»Seckenheim gefangenen Fürsten von Würtemberg und Baden 
mit Friedrich dem Siegreichen. Ein Bericht über letztere 
Schlacht, sowie auch ein solcher über die Schlacht bei Giengen, 
von 1462, dürften wohl beide gleichfalls aus Briefen abge- 
schrieben sein, obschon sie hier die bestimmten Merkmale eines 

IS Briefes nicht mehr tragen. Soweit uns nun diese verschiedenen 
Briefe noch in andern Abschriften erhalten sind, so erscheinen 
sie alle bei Appenwiler mehr oder weniger unvollständig oder . 
fehlerhaft. Immerhin theilt er uns wenigstens zu einem der- 
selben, nämlich von 1454 über die Schlacht bei Könitz, noch 

30 ein dazu gehöriges Begleitschreiben mit, aus welchem wir er- 
sehen, dass dieser Brief dem Hischof Anton von Bamberg zu- 
gesandt wurde. Dieser Bischof aber hatte einige Beziehungen zu 
Colmar^), und so war es wohl diese letztere Stadt, aus welcher 
unser Chronist den ausführlichen Bericht über jenen Sieg im 

»fernen Preussen erhielt. Dass er überhaupt mit seiner alten 
Heimat in fortwährendem Verkehr blieb, das zeigt uns schon 
die Thatsache, dass er in seiner Chronik nächst Basel keine 
andere Oertlichkeit so sehr berücksichtigt wie Colmar und 
dessen Umgebung. 

^ Da der frühere Theil der Chronik, über die Kriegsjahre w&rdignng. 
1444 — 1446, nicht Jahr für Jahr geschrieben wurde, sondern 

1) S. Trouillat V, 820, z. J. 1458. 



236 Appenwiler. 

durchweg erst 1446, so kann es nicht befremden, wenn hier 
Appenwiler — ähnlich wie Brüglinger — in den Tagesdaten 
oft ungenau ist. Im spätem Theile jedoch, von 1447 an, sind 
unrichtige Daten ziemlich selten und beschränken sich meist 
auf solche Fälle, wo sie als einfache Schreibfehler zu betracb- 5 
ten sind; sie haben also ihren Grund einzig in einer gewissen 
Nachlässigkeit; die sich übrigens bei unserm Chronisten oft 
genug auch in der Rechtschreibung und im Satzbau fühlbar 
macht. So mangelhaft jedoch seine AufiEeichnungen in litte- 
rarischer Hinsicht erscheinen mögen, so bleiben sie immerhin 10 
für die Geschichte Basels im XY. Jahrhundert eine werthyoUe 
Quelle. Schon die Beschreibung der Kriegsjahre 1444 — 1446, 
wo sich unser Kaplan z. B. bei der Belagerung des Steins zu 
Rheinfelden als Augenzeuge zu erkennen gibt, liefert uns zu 
der allerdings besser abgerundeten Darstellung Brügling^rs 15 
manche wesentliche Ergänzung. Noch wichtiger jedoch er- 
scheint uns der spätere, von Jahr zu Jahr fortgeführte Theil, 
da dieser den Zeitraum von 1447—1471 umfasst, über welchen 
wir ausser Heinrich von Beinheim sonst keine ausführlichere 
(yhronik besitzen. Es genügt aber, mit letzterem Werke z. B. » 
den Bericht unseres Chronisten über den Zug gegen Bloch- 
mont zu vergleichen ^] , um uns zu zeigen , wie viel die Er- 
forschung unserer vaterstädtischen Geschichte den ofl so un- 
beholfenen und formlosen Aufzeichnungen Appenwilers zu 
verdanken hat. ss 

Fortsetier. So wcuig wir nuu wisscu , von wem unser Kaplan das 

Buch einst erhalten hatte, in das er so gerne schrieb, so wenig 
kennen wir auch den Namen desjenigen, auf welchen es sich 

1472 nach seinem Tode vererbte. Sicher ist nur, dass dieser 30 
Unbekannte noch im nämlichen Jahre auf Bl. 217 eine Fort- 
setzung der Chronik begann, wobei er anfänglich Bl. 216 als 
Zwischenraum zwischen seinen eigenen und Appenwilers Auf- 
zeichnungen leer Hess. Nachdem er jedoch schon im August 

1473 aus Raumerspamiss seine Eintragungen auf diesem letz- 35 
teren Blatte fortgeführt, fanden dieselben schon im nächst- 
folgenden Monat ihr Ende, so dass wir vermuthen müssen, 
dass dieser erste Fortsetzer bald nachher gestorben sei. In 
der That finden wir einige leer gebliebene Stellen auf BL 2 1 6^ 
und 217 ausgefüllt mit Nachrichten von 1474, welche bereits 40 
von einer andern Hand herrühren. Schon die Rückseite von 

1) Vgl. unten Bl. 189 ff. mit Beinheim, Bl 22. Letztere Chronik soll im 
nächsten Bande der B. Chroniken erscheinen. 



Einleitung. 237 

Bl. 2 1 7 jedoch^ von dieser neuen Hand gleichfalls beschrieben, 
ist absichtlich mit Tinte iiberschwärzt % und es folgen hier 
unmittelbar 5 ausgeschnittene Blätter, während Bl. 218, welches 
ursprünglich den Schluss des Buches bildete, auf seiner Rück- 

sseite schon von Appenwiler zu Eintragungen war benützt 
worden^]. Diese nämliche Hand nun, wie auf Bl. 216^ und 217, 
finden wir auch noch auf einzelnen früher leer gebliebenen 
Zwischenräumen von Bl. 1S5 und 186. Auf letzterem Blatte 
ist es ein Abschnitt aus der Röteler Fortsetzung zur Chronik 

toKönigshofens'), den uns dieser Schreiber hier mittheilt ; auf 
Bl. 185 aber gibt er uns einige Nachrichten über sich und 
seine Familie, und nennt sich dabei mit vollem Namen: »ich 
Heinrich Synner genant von Tachsfelden«. 

Dieser Heinrich Sinner, der auf seinem Siegel dasselbe h. sinner. 

15 Wappen fährte wie die Edlen von Tachsfelden 4), war ein 
Enkel Nikiaus Sinners und Sohn Peters, des Tuchhändlers, 
welcher 1410 als einer der 4 Pannerherren erscheint und 1431 
starb ^). Von seinen zwei Oheimen, Heinrich und Nikiaus, 
war der letztere Domherr <^). Er selber, Heinrich, erscheint 

20 urkundlich schon 1439, und zwar mit einem jüngeren Bruder 
Nikiaus, von dem wir jedoch später in Basel keine Spur mehr 
finden. Wie sein Vater Peter, so war auch Heinrich Sinner 
ein sehr vermöglicher Mann^], der jedoch durch seine fort- 
währenden Streithändel und seine Widersetzliclikeit dem Rathe 

»viel zu schaffen machte^). Schon 1455, als seine Mutter Eisin 
noch lebte, wurde er gefangen gesetzt, weil er sich dem Ge- 
richte zu Liestal »freventlich widersetzte hatte ; doch wurde er 
der Haft wieder entlassen, nachdem er als Bürgschaft 2000 GL 

1) Durch die UeberBchwfinung hindurch sind die SchrifUüge theilweise 
noch deutlich erkennbar. 

2) S. oben S. 227. 

3] Der Abschnitt von der bösen Fastnacht 1376 ; s. Röteler Fortsetzung, 
Bl. 73. 

4] Nftmlich den Hahn in blauem Felde. Vgl. Wurstisen 6 mit Konrad 
Schnitts Wappenbuch im St. Archiv, und mit Sinners Siegel an Stadt. Urk. 
U55 0ct 31. 

5) S. Lichnowsky V, Reg. No. 3021, wo 1428 zu lesen, femer Lb. II, CO 
und Stftdt. Urk. 1439 Nov. 24, sowie unten H. Sinners Forts, zu Appenwüer, 
t. J. 1474. 

6] S. ebend. 

7) Peter yersteuerte 1429 ein Vermögen von 6000 Gl., und Heinrich 1475 
ein solches von 3640 GL; s. Schönberg 527 und 768. 

8) Ausser dem nachfolgend Mitgetheüten findet sich Weiteres über 
H Sinner, aus den Jahren 1457—1474, im Ob. HI, 43, 48, 73, 73b 124, 133i', 
158 und V, 114. S. auch B. Chron. III, 590, Anm. 1, z. J. 1481. 



238 Appenwiler. 

in Werthschriften hinterlegt und Urfehde geschworen hatte'). 
Derselbe Fall wiederholte sich 1458, wo er gegen Hans von Prag, 
den Oberstrathsknecht, seinen Degen gezogen hatte ^), und 
ebenso wurde er 1459 und 1465 wegen Verleumdung und Ehr- 
beleidigung je för ein Jahr ausgewiesen^). Schon im nach- 5 
sten Jahre jedoch, 1466, finden wir ihn wieder im Gefängniss, 
wegen Beschimpfung des Baths; doch wurde er auch dieses * 
Mal auf seine neue Urfehde hin entlassen^). Zwanzig Jahre 
später noch, 1485, machte er sich desselben Vergehens aufs 
neue schuldig, indem er den Rath insgesammt mit Worten lo 
schmähte und eines der Rathsglieder insbesondere verleumdete. 
Auf seine Verhaftung folgte wiederum, wie früher, die Entlassung 
auf Urfehde, wobei er jedoch schwören musste, künftig keine 
Waffe mehr zu tragen^]. Bald nachher scheint Sinner, gegen 
seine Urfehde, die Stadt verlassen zu haben, worauf der Rath is 
seine Frau gleichsam als Geisel zurückbehielt. Denn am 25. Juli 
1490 mussten sich ihre Verwandten dafür verbürgen, i>damit 
die Synnerin nit von banden der statt komme, noch entwert 
werde«®). Weiter aber finden wir weder von ihm noch von 
seinen Nachkommen in Basel irgendwelche Spur^). 20 

Sinnen Ein- Obschou mithin Heinrich Sinner jedenfalls bis 1485 in 
»gnngen. ß^^g^j lebte, SO reichen die vorhin erwähnten Familiennach- 
richten, welche die leeren Zwischenräume auf Bl. 185 ausfüllen, 
doch nicht weiter als bis 1451, d. h. bis zur Geburt seiner 
Tochter Elsbeth, imd auch die Fortsetzung zu Appenwilers Chro- 2s 
nik, auf Bl. 216^ und 217, geht nicht über Jimi 1474 hinaus. 
Da nun die Rückseite von BL 217, wie wir oben sahen, über- 
schwärzt ist und die nächstfolgenden 5 Blätter ausgeschnitten, 
so liegt die Vermuthung sehr nahe, dass hier zunächst die 
Fortsetzung der Zeitereignisse seit 1474 enthalten war, sowie 3o 
vielleicht auch die weiteren Familiennaohrichten seit 1451. 

1) Stadt. Urk. 1455 Oct. 31, und Ob. II, 278. 

2) Stadt Urk. 1458 Juli 2. 

3) Lb. n, 139»>und 143. 

4) Ob. IV, 69 und 72. 

5) Stadt. Urk. 1485 Mai 7, und Erkanntnissbuch I, 48. 

6) Ob. VII, 2. 

7) Die Vermuthung Morits von Stürlers, dass das in Bern noch jetzt 
blühende Geschlecht von Sinner vom Basler Oeschlechte d. N. abstamme, lüsst 
sich bis jetzt durch keinen urkundlichen Beweis stützen. S. hierüber M. v. Stür- 
lers Bemer Genealogien, auf der Bemer Stadtbibliothek, Ms. Hist. Hdvet 
III, 64. Immerhin stehen Heinrich Sinners Beziehungen zu Bern ausser 
Zweifel; s. Ob. III, 43, 48 und IV, 72, z. J. 1457 und 1466. Vielleicht lebte 
dort sein Bruder Nikiaus, von dem wir nach 1439 in Basel keine Spur mehr 
finden. 



Einleitung. 239 

Die ZerstöruDg dieser Blätter aber erklärt sich leicht, sobald 
wir annehmen, dass Sinner bei Aufzeichnung der Zeitereignisse 
sich über das Thun und Lassen des Rathes in ähnlichem Ton 
geäussert habe , wie er es mündlich zu thun pflegte. Denn 

^ alfldann mochten diese Blätter der Stellen genug enthalten, 
welche einem späteren Besitzer bedenklich erscheinen und ihn 
zu ihrer Vernichtung bewegen konnten. 

Kehren wir von diesen verschwundenen Blättern wieder 
zurück zu dem, was uns von Sinners Hand noch erhalten ist, so 

10 wurde schon oben jener Abschnitt auf Bl. 186 erwähnt, welcher 
aus der Röteler Fortsetzung des Königshofen abgeschrieben 
ist. Die weiteren Theile dieser Abschrift finden wir in jenem 
beigebundenen Hefte, dessen Ueberreste jetzt Bl. 219 — 223. 
bilden, während von seinen übrigen 9 Blättern nur noch die 

IS inneren Ränder vorhanden sind *). Da die Abschrift am Fusse 
von BL 223^ mitten im Satze abbricht, so steht es ausser 
Zweifel, dass wenigstens das vorderste der ausgeschnittenen 
Blatter noch weitere Theile der Röteler Fortsetzung enthielt 
Ob nun auf diese noch irgendwelche andere Abschriften folg- 

2dten — oder etwa noch weitere, von Sinner selbst verfasste 
Aufieeichnungen aus der Zeitgeschichte — das müssen vnx 
dahingestellt lassen. Jedenfalls aber war es Sinner, der dieses 
Heft von 14 Blättern dem alten Buche beifugte, und bei diesem 
Anlasse wurde wohl auch jenes zweite Heft beigebunden, wel- 

2» ches Appenwilers Beschreibung der Kriegsjahre 1444 — 1446 
enthält und jetzt als Bl. 224 — 231 den Schluss des ganzen 
Buches bildet. 

Mit Heinrich Sinner, dessen Eintragungen nicht über 1474 smners 
hinaus erhalten sind, schliessen die direkten Fortsetzungen zu 

30 Appenwilers Chronik. So wenig wir nun wissen, wie Sinner 
in den Besitz dieses Buches gelangt war, so sicher lässt sich 
hingegen feststellen, wie nach seinem Tode sich dasselbe weiter 
vererbte. Er hinterliess nämlich, soviel bis jetzt bekannt, als 
einziges Kind seine Tochter Elsbeth, die Gemahlin Hans 

v^ Zscheckenbürlins des jüngeren^), mit welcher neben des Vaters 
beträchtlichem Vermögen auch unser Buch in diese letztere 
Familie übergieng. Die einzige Spur jedoch^ welche die 
Zscheckenbürlin darin hinterlassen haben, ist eine Aufschrift 
auf der Innenseite der Pergamentdecke: Hicce über est Elsbet 

4» Scheckenbuerlin. Diese jüngere Elsbeth erscheint urkundlich 

1) S. oben S. 223. — Ueber Sinners Abschrift s. unten die Einleitung zur 
Röteler Fortsetzung des Königshofen. 

2) Das Nähere s. unten in der Beilage VIl. 



240 Appenwüer. 

1509 als die jüngste Tochter des 1503 verstorbenen Thomas 
Zscheckenbürlin^), welcher ein Sohn des obgenannten, schon 
1490 verstorbenen Hans des jüngeren war^), und mithin als 
die Enkelin jener älteren Elsbeth, der 1451 geborenen Tochter 
Heinrich Sinners. Weiter aber finden sich in unserem Buch s 
auf verschiedenen früher leer gebliebenen Stellen noch Ein- 
tragungen von einer neuen Hand, deren Schreiber sich selber 
Hans Wiler, den Thomas Zscheckenbürlin aber seinen Schwieger- 
vater nennt 3). Elsbeth, des letzteren Tochter, war also Hans 
Wilers Frau geworden, und zwar geschah diess vermuthlich lo 
noch vor 1521, wo wir den Genannten bereits als Sechser im 
Grossen Bathe finden^]. 
Hana Wiier. Das alte Buch, das ihm seine Frau zugebracht, scheint 
Hans Wiler nicht nur besessen, sondern wirklich auch gelesen 
zu haben; denn sowohl zur Sächsischen Weltchronik als zu 15 
derjenigen Appenwilers setzte er an einzelnen Stellen An- 
merkungen. Ausserdem aber füllte er nicht allein die wenigen 
noch leer gebliebenen Zwischenräume auf Bl. 186, 199 imd 216^ 
sammt der einzig noch freien Vorderseite von Bl. 218, sondern 
sogar die inneren Ränder jener ausgeschnittenen Blätter hinter 20 
BL. 223. Diese seine Eintragungen bestehen theils aus allerlei 
Notizen über vergangene Zeiten, die er aus verschiedenen Ur- 
kunden und sonstigen Schriften schöpfte, theils auch aus Auf- 
zeichnungen über seine eigene Zeit und über sich selbst; doch 
fehlt ihnen jeder Zusammenhang, so dass wir sie in keiner 2s 
Weise als eine weitere Fortsetzung zur Chronik Appenwilers 
auffassen können. Das jüngste Ereigniss, das er erwähnt, ist 
auf Bl. 218 die Ueberschwemmung von 1530; doch zeigt uns 
der Zusatz >mien ich«, den er zu dieser Jahrzahl setzt, dass 
seit diesem Ereignisse schon mehrere Jahre vergangen sein so 
mussten, da er sich nicht mehr ganz genau zu erinnern glaubte. 
Diese Notiz dürfte somit erst gegen 1540 geschrieben sein. 
Wenn wir nun vermuthen, dass er auch es war, der an den 
Aufzeichnungen Sinners Anstoss nahm und sie vernichtete, so 
dürfen mr uns allerdings nicht verhehlen, dass auf Bl. 218 3^ 
auch einzelne Notizen überschwärzt sind, welche offenbar von 
Wiler geschrieben waren. Es erscheint uns jedoch keineswegs 



1] S. die Urkunde vom 4. Mai 1509, unter den Kaufbriefen des Engel- 
hofs, und vgl. unten BeUage VII. 

2) S. B. Chron. I, 332 in der Anm., auch Tonjola 319. 

3) lieber Hans Wiler und seine Eintragungen 8. unten Beilage YU. 

4) S.B. Chron. 1,215. 



Einleitiing. 241 

undenkbar, dass er selber an dieser oder jener seiner eigenen 
Notizen nachträglich etwas auszusetsen fand und sie deshalb 
unlesbar machte. Wir finden daher auch keinen genügenden 
Grand, um die Ueberschwärzungen erst einem späteren Be- 
isitzer des Buches zuzuschreiben. 

Neben den Eintragungen Hans Wilers bemerken wir nur spiter« 
an einigen wenigen Stellen noch unwesentliche Zusätze von Ser^Hal^- 
einer anderen Hand ^), in welcher wir den. Magister Berlinger, "<^>'^- 
den Schreiber der sog. Beinheimischen Chronik, zu erkennen 
10 glauben. In der That enthält diese letztere Handschrift, welche 
1545 für den Bürgermeister Adelberg Meyer gefertigt wurde^), 
zahlreiche Auszüge aus Appenwilers Chronik^), so dass es keinem 
Zweifel unterliegt, dass Berlinger unser Buch kannte und be- 
nutzte. Nun wissen wir allerdings nicht sicher, ob Wiler 1545 
15 noch lebte. Wenn aber das Buch wirklich schon damals in 
anderen Händen war, so dürfen wir in dem neuen Besitzier doch 
kaum den Magister Berlinger vermuthen, der um geringen Lohn 
ab Abschreiber arbeitete*), sondern weit eher dessen Gönner, 
nämlich den schon genannten Adelberg Meyer, den wir auch 
ao sonst als einen Sanunler historischer Schriften kennen ^). Doch 
wurde alles, was dieser gesammelt; in der Folge von seinen 
Nachkommen wieder veräussert und zerstreut. Von einem 
späteren Besitzer aber bemerken wir an unserm Buche keine 
andere Spur als die alte Signatur jiNo. 103a. Ueberhaupt 
s scheint dasselbe seit Adelberg Meyers Tode (1548) Jahrhunderte 
hindurch von keinem einzigen Geschichtsforscher benützt wor- 
den zu sein; denn sowohl Ochs als Wurstisen kannten von 



1) Auf Bl. 226 setst er neben ein lateinisches Datmn dessen deutsche 
Uebersetsung, und auf BL 21^ den bekannten Vers: Tempore felici multos 
Dumerabis amicos ec. 

2) DasVeneichniss der Bflrgermeister reicht daselbst BL 297 nur bis 1544. 

3) 8. ebend. namentlich BL '53 — 78. — Theüweise dieselben Auszflge, 
gleich&Us von Berlingers Hand, finden sich zerstreut unter den mancherlei 
Eintragungen, womit die Rfinder des Cod. AX IV, 14, d. h. eines gedruckten 
Exemplars von Etterlins Chronik, bedeckt sind. 

4) S. hierflber eine Bemerkung Ton späterer Hand auf BL 1 der sog. 
Beinheimischen Chronik. 

5) Aus seinem Nachlasse stammt neben der sog. Beinheimischen Chronik 
auch im Basler Kirchenarchiv Cod. D 11 1, welcher ausser den Denkwürdig- 
keiten Henmann Offenhurgs noch Meyers eigenhändige Sammlung älterer 
Chronikfragmente enthält Diese Sammlung, 1543 geschrieben, enthSlt auf 
BL 22 bereits einzelne Auszüge aus Appenwilers Chronik. Uebrigens war 
schon Nikiaus Meyer, Adelbergs Vater, ein Bücherfreund ; s.B.Chron.in, 195, 
Anm. 4. 

Fuler Chroniken. IV. IS 



242 Appenwfler. 

ihrem Inhalte nur daBJenige, was Berlinger aus ihr in die 8<^. 
Beinheimische Chronik au%enommen hatte. Inswischen aber 
lag das Buch, das schon zu Wilers Zeiten von Würmern be- 
nagt war^), seither irgendwo in einem feuchten Winkel, so dass 
seine hintersten Blätter schadhaft wurden. Namentlich auf der s 
Vorderseite von Bl. 227 erscheint die Schrift von der Feuchtig- 
keit wie verwaschen, wahrend am Bl. 230 und 231 die Ecken 
und Ränder stark beschädigt sind^). Erst um 1830 gelangte 
hierauf diese Handschrift — vermuthlich durch Schenkung^ — 
auf die Basler Universitätsbibliothek, worauf sie 1835 von Wil- lo 
heim Wackemagel zum ersten Mal beschrieben wurde'). Ein 
Jahrzehnt später, bei Anlass der vierten Säcularfeier der Schlacht 
bei St. Jakob , wurde neben anderen Schlachtberichten auch 
derjenige Appenwilers veröffentlicht^), und ebenso folgte 1856, 
zur Gedenkfeier des grossen Erdbebens , der hier enthaltene is 
Bericht der Sächsischen Weltchronik über dieses Ereigniss^). 



orandflitse Indem wir hier zum ersten Male eine vollständige Heraus- 

^bfl. gäbe dieser Chronik versuchen, bemerken wir zunächst in Be- 
treff der lateinisch verfassten Abschnitte , dass wir im Drucke 
zwar alle Abkürzungen auflösen, die zahlreichen Sprachfehler 20 
hingegen unverändert beibehalten. So auffällig manche dieser 
letztern erscheinen mögen, so sind sie doch nicht der Art, dass 
sie dem Leser das Yerständniss des Sinnes erschweren könnten; 
wohl aber geben sie ein beredtes Zeugniss von der mangel- 
haften Schulung unseres Kaplans. Im deutschen Texte lösen 2s 
wir, wie bei Brüglinger, die häufigen Abkürzungen wz und dz 
immer auf in was und das, da wir nur zweimal den Genitiv 
dez, im übrigen aber sowohl dejs als das und was stets 
nur mit s ausgeschrieben finden. Mit ssz sodann bezeichnet 
unser Chronist sehr oft nur das verstärkte s am Schluss eines 30 



1 ) 8. s. B. Bl. 218, wo Wilers Schrift die Wunnlöcher umgeht. 

2} Ausserdem ist von Bl. 213 die untere Hftlfte des Randes Abgerissen. 

3) Aus dem Katalog der historischen Hss. dieser Bibliothek läset sich 
die Zeit der Erwerbung nur annähernd entnehmen, der Name des Gebers aber 
nicht. 

4) W. Wackemagel, Die Beschreibung der altdeutschen Handschriften 
der Basler Universitätsbibliothek, UniversitätSprogramm für 1835, S. 31 ff. 
Die Textprobe S. 33 ist aus der Sächsischen Weltchronik, S. 34 aber aus 
Königshofen. 

5) Säcularschrift 1844, S. 10 ff. 

6) S. das Gedenkbuch von 1856, »Basel im XIV. Jahrhunderti,.8^ 233. 



i^nlehnng. 243 

Wortes ; ebenso häufig jedoch erscheint sss auch als Abküizungs- 
xeichen für die Schlusssylben ssen und sser, wie z. B. in 
Eignossen, wasser u. s. w. Da es nun bei Wörtern wie 
grosse und ussz oft fraglich bleibt, ob grosser, grossen 
soder grossz zu lesen sei, und ebenso ob ussz oder usser, 
so lösen wir grossz nur in solchen Fällen auf, wo die Flexion 
durchaus die Formen grosser oder grossen verlangt, während 
wir bei ussz niemals einen zwingenden Grund zur Auflösung 
finden. Indem wir sonstige, ausser Zweifel stehende Abkiirzungs- 
10 zeichen übergehen, erwähnen wir hier nur noch die arabischen 
Ziffern 2. und 3., womit Appenwiler in den lateinisch gefassten 
Daten des deutschen Textes die Wochentage Montag und 
Dienstag bezeichnet, und die wir dem entsprechend stets als 
secunda und tertia ausschreiben. Ebenso lösen wir bei den 
IS Jahrzahlen das Zeichen Xps immer auf in Christus, obschon 
unser Chronist dieses Wort sonst nur ohne h schreibt: Cristus. 
Noch stärker als bei Brüglinger macht sich in Appenwilers 
Orthographie der Einfluss der Mundart geltend, und zwar na- 
mentlich in der häufigen Ausstossung gewisser Consonanten. 
»Wenn er zunächst für seh oft nur sc schi:eibt, so ist diess 
allerdings nur die Nachwirkung der älteren Orthographie, wie 
er sie in seiner Jugend mochte gelernt haben. Wenn er aber für 
löschte und wüschte nur Iftste und wüste schreibt, so er- 
klärt sich diess einzig aus der Mundart, welche zwischen st und 
tt seht keinen Unterschied kennt, da sie beides wie seht spricht, 
üebrigens zeigt uns der Umstand, dass er z. B. optischen 
statt eptissin schreibt — und umgekehrt Burgunnisz statt 
Burgunnisch — dass auch ss nicht immer scharf aus- 
gesprochen wurde. Als gebomer Elsässer lässt er den Hauch- 
30 laut h oder ch vor s, st und tz gerne weg^), und ebenso das 
r vor st und t'). Dasselbe geschieht auch mit dem aus- 
lautenden t, imd zwar hinter ff, ch, ck oder g>), sowie auch 
hinter einem Vocal, sobald ein p oder b folgt ^). Wenn sodann 
in den Endungen en und er über dem e hin und wieder der 
3s Strich für e oder der Haken für r fehlte so liegt auch hierfür 
der Grund nicht ausscUiesslfch in der Nachlässigkeit des 
Schreibers, sondern ebensosehr in seiner Mundart, welche für 
diese Endungen immer nur ein tonloses e spricht; deshalb 

1) Z. B.buMen,o88en,ne0ter, h6tter, setaig, für: buchsen, ochsen, nebster, 
h5hster, aechtsig. 

2) Z. B. este, futtend, fOr : erste, fürtend, u. 8. w. 

3) Z. B. stiff, broch, für: stift, brocht, u.s. w. 

4) Z. B. 'Roperg, lüpriester, f(lr:. Rotberg, Ititpriester, u. b. w. 

16* 



244 Appentrfler. 

schreibt er auch hie und da die Endung en statt er. Ebenso 
folgt er lediglich seinem Ohr, wenn er das auslautende t oder 
d hinter n, oder t hinter r auslässt, sobald ein mit d, t, z 
oder st beginnendes Wort folgt ^); aus demselben Grunde schreibt 
er auch etwa gans fiir gantz, oder Sigmuns für Sigmunds. & 
Von all diesen verschiedenen Ausstossungen Ton Consonanten 
ist jedoch keine einzige als orthographische Kegel consequent 
durchgeführt; denn selbst zu der am häufigsten yorkommenden, 
nämlich zum ausgestossenen t "hinter ff, bemerken wir einzelne 
Ausnahmen , wo das t stehen blieb. Dennoch aber möchten lo 
wir diese Schwankungen, in welchen die mundartliche Aus- 
sprache des Schreibers sich abspiegelt, nicht kurzweg als ein- 
fache Schreibfehler auffassen. Wir eigänzen daher diese feh- 
lenden Consonanten nur in solchen Fällen, wo die Ausstossung 
dem Leser das Verständniss erschwert, wie z. B. wenn Appen- i& 
wiler nach schreibt für nacht, oder gemach für ge- 
macht, u. s. w. Da wir übrigens alle derartigen Ergänzungen 
unter den Varianten bemerken, so thun wir der Orthographie 
des Chronisten jedenfalls keine Grewalt an, wenn wir in dieser 
Weise hie und da vielleicht mehr ergänzen als unbedingt» 
nöthig wäre. 

Neben diesen Ausstossungen ist in Betreff des Consonan- 
tismus noch hervorzuheben, dass in Appenwilers Schrift nicht 
nur c und t oft schwer zu unterscheiden sind, sondern dass 
er auch die Verdopplung sowohl von m als n oft nur wie mn 25 
oder nm schreibt, und umgekehrt das einfache m wie nn. Dieser 
Nachlässigkeit ungeachtet behalten wir wenigstens das ein£Eiche 
n überall bei, wo wir es^finden, wie z. B. in tünherren, tün- 
probst, bekunberet, umsomehr da er auch im Lateinischen 
z. B. öfters inperator schreibt, obschon er jedenfalls im- so 
perator aussprach. Andere Eigen thümlichkeiten, wie z. B. 
das öftere vingend statt vigend (Feind) lassen wir ebenfalls 
stehen, da das Verständniss des Textes dadurch nicht erschwert 
wird. Offenbare Schreibfehler jedoch wurden auch hier, wie 
immer, in die Varianten verwiesen. » 

Bei den Vocalen sind es namentlich a und 0, und ander- 
seits auch e und o, welche in Appenwilers Schrift oft schwer 
zu unterscheiden sind. In zweifelhaften Fällen haben wir uns 
für o entschieden, umsomehr da die Mundart das gedehnte a 
immer wie o spricht. Auch bemerken wir z. B. für alle mehr- 40 
mals die Form öUe. Bei e wurde die Schwankung zwischen 

1) Z. B.: Btan(t) su, brennen(d) strow, un(d) do, war(t) zu, u. b. w. 



Einleitung. 245 

dem Diphthong ei und seiner mundartlichen Contraction zum 
gedehnten e beibehalten, so dass wir z. B. neben reisigen 
auch resigen, und rechte neben reichte finden. Ueber o 
setxt unser Chronist für den Diphthongen durchaus dasselbe 

»Zeichen wie für den Umlaut, so dass wir z. B. hApt, röp, 
k5ft zu lesen berechtigt wären. In gleicher Weise finden wir 
jedoch auch z6ch — ein Wort, das er sonst meistens zeuch 
schreibt <), und das uns mithin deutlich zeigt, dass hier mit 
diesem 6 der Diphthong ou gemeint ist. Wir geben daher im 

19 Drucke dieses 6 überall , wo der Sprachgebrauch sonst den 
Diphthongen fordert, durch ein A wieder. Zugleich bemerken 
wir noch, dass das häufig vorkommende euch bei unserm Chro- 
nisten das einzige Wort ist, welches er niemals mit 6 oder ö 
schreibt, sondern immer mit ou. Ausserdem aber setzt er über 

IS a, e und o, sowohl im Lateinischen als im Deutschen, hin und 
wieder einen einfachen Punkt, und zwar lediglich als Zeichen 
der Dehnung 2). Da jedoch diese Dehnungszeichen in der 
Handschrift keineswegs consequent durchgeführt sind, so lassen 
wir sie im Drucke gänzlich weg. 

3ß Gehen wir über zu u, so unterscheidet unser Chronist 

meist sehr deutlich den Diphthongen und dessen Umlaut durch 
die Zeichen ü und fl. Auch den Umlaut des einfachen kurzen 
u bezeichnet er regelmässig durch ü, wobei einzig im Worte 
über das Umlautzeichen zuweilen fehlt. Das gedehnte u hin- 

fi gegen schreibt er in der Regel mit dem Dehnungspunkt, an 
dessen Stelle jedoch hie und da auch das Umlautzeichen tritt, 
also ü'). Das Schwanken zwischen diesen beiden Zeichen 
geht hier so weit, dass wir von häufiger yorkommenden Wörtern 
nur wenige finden, in welchen das u durchgängig den Deh- 

ITnungspunkt trägt, aber umgekehrt auch kein einziges, welches 
regelmässig mit ü geschrieben wäre; sondern in den meisten 
Wörtern kommen in buntem Wechsel beide Zeichen yor. Zur 
Erklärung dieses aufTälligen Schwankens ist zu berücksichtigen, 
dass Appenwiler ein sehr schwach geschulter Schreiber war, 

35 dessen Rechtschreibung also yielfach nicht auf angelernten 
Regeln beruhte, sondern nur auf seinem Ohr, d. h. auf der 
Sprache, welche er täglich hörte und selber sprach. Nun wird 

1} Auch das einfache ssoch« kommt vor. 

2) Ueber a erscheint dieser Punkt in Wörtern wie: nam, man, brant, 
Liestal, beschach; über e z. B. bei: abher, salerr; über o in : von, toI u. s. w. 

3) Nicht selten auch findet sich auf dem gedehnten u nur ein kleines 
H&kchen, also ein Zeichen, welches zwischen dem Dehnungspunkt und dem 
Umlautzeichen (dem abwirts verlängerten Haken) g^wissennassen die Mitte h&lt 



246 Appe^wüer. 

schon in der Basier Mundart jedes u, und namentlich jedes 
gedehnte, mehr oder weniger spits ausgesprochen, so dass es 
sich dem Umlaut ü nähert; im Elsass aber, der ursprünglichen 
Heimat unsres Chronisten, geschieht diess noch in yerstärk- 
terem Maasse , so dass vielfach das u völlig zu ü wird. Es 5 
kann uns daher nicht so sehr befremden, wenn Appenwiler in 
den meisten Wörtern zwischen dem gedehnten u und ü hin 
und her schwankt und uns im Zweifel lässt, welches von beiden 
gelten solle. 

Dieser Verwirrung gegenüber konnten wir beim Druck 10 
nur beim kurzen u, also in Wörtern wie su und über, in der 
Bezeichnung des Umlauts uns genau an die Handschrift halten. 
Bei den Wörtern mit gedehntem u hingegen schien uns ein 
allzu genauer Anschluss an die Handschrift nicht thunlich. 
Wie bei a, e und o, so lassen wir auch bei u den blossen is 
Dehnungspunkt als solchen völlig unbeachtet, aber ebenso auch 
das Umlautzeichen in solchen Wörtern, welche sonst keinen 
Umlaut haben. Bei Wörtern hingegen, welche auch von an- 
deren Schreibern des Oberrheins ^) hin und wieder mit dem Um- 
laut geschrieben werden» wie süngihten, uns u. s. w., setzen 20 
wir ü nur da, wo die Handschrift dieses Zeichen wirklich hat. 
Wo aber der allgemeine Sprachgebrauch den Umlaut verlangt, 
also in Wörtern wie nütz, hüt u. s. w., da setzen wir durch- 
weg ü, auch wenn die Handschrift auf dem u meist nur den 
Dehnungspunkt weist. Denn würden wir hier keine ü er- % 
ganzen, so würde in vielen Fällen die Deutlichkeit des Textes 
darunter leiden^ so z. B. bei dem häufig vorkommenden züg 
(Zeug), das sich von dem gedehnt gesprochenen zug (Zug) nur 
durch das Umlautzeichen unterscheidet, aber dennoch in der 
Handschrift nur selten dieses Zeichen trägt. 30 

Wie in der Orthographie, so macht sich auch im Satzbau 
die Nachlässigkeit und mangelhafte Schulung unseres Chro- 
nisten fühlbar. Während er hin und wieder die Flexion ver- 
gisst, so dass wir statt des Dativs oder Accusativs den Nominativ 
finden, begegnet es ihm andererseits nicht selten, dass er das 35 
Subject in den Accusativ setzt, sobald das Zeitwort im Paissiv 
steht. Noch allgemeiner jedoch macht sich bei ihm die Neigung 
geltend, entbehrlich scheinende Wörter auszulassen. Allerdings 
wird es wohl kaum seine Leser stören, wenn er bei Zeitwörtern 
im Passiv das Hilftverb weglässt und sich mit dem Particip 40 
begnügt, oder wenn in Sätzen, wo wir als Subject nur ein Für- 

1) Vgl. z. B. Königshofen, in Ghron. d. d. Stftdte Vni und IX. 



Einleitung. 247 

wort setzen würden, dieses letztere fehlt. Unser Chronist über« 
geht jedoch das Fürwort oft auch in solchen Fällen, wo das- 
selbe die Stelle des Objects vertreten sollte, und wo dieser 
Mangel in der That das Verständniss erschweren kann. Das- 

5 selbe gilt auch vom Bindewort und, dessen häufiges Fehlen 
oft störend wirkt. Wir konnten daher nicht umhin, in solchen 
Fällen, wo die Deutlichkeit es zu fordern schien, ein ergänzen- 
des Wort in Cursivschrift einzuschalten. 

Da ein namhafter Theil der Chronik, wie wir sahen ^), 

1» nicht nach der Zeitfolge geordnet ist, so lassen wir zum Schluss 
dieser Einleitung noch eine chronologisch geordnete Uebersicht 
über die Ereignisse von 1444 — 1447 folgen, welche in der 
Handschrift den Inhalt jenes besonderen, als BL 224 — 231 be- 
zeichneten Hefties bilden. Diese Uebersicht soll es dem Leser 

15 ermöglichen, in diesem ordnungslosen Theil der Chronik sich 
ebenso leicht zu orientieren wie in dem übrigen, indem sie zu 
jedem Ereigniss neben dem Handschriftenblatt auch die Druck- 
seite angibt, wo dasselbe zu finden ist. 



Uebersicht über BL 224—231. 

(8. 254—281.) 

BUtt d. Hf. : B. Seite 

1444 Schlacht bei St. Jakob und nächste Folgen. 224^225^ 254 

1445 

April U Ausschluss der Lehentrager aus dem Rath. 230^ 277 

» 13/21 Einnahme vonBlotzheim,Pfeffingenu. Tierstein. 231 278 

Mai 2/20 Weitere Feindseligkeiten. 230 275 

Juli 7 Streif zug der Basler bis Schwörstadt. 231 279 

» 11 Angriff des Feindes auf Rheinfelden. 231 280 

» 17/2^ Zuzug nach Rheinfelden. 231 280 

» 23 Angriff des Feindes bei Hegenheim. 231^ 281 

« 27 Streifzug der Basler bis Seckingen. 231^ 280 
9 29 Erste . Beschiessung des Steins von Rheinfelden 

(vgl. unten z. 17. Aug.). 226^ 261 

Aug. 3/5 Zug der Basler in's Breisgau. 230* 276 

»13 9 B « gegen Ffirt. 228 267 

» 17 /Sept. 14 Belagerung d6s Steins von Rheinfelden . 226/228 259 

9 27 Angriff des Feindes bei Riehen. 228* 269 

Sept. 3 Uebergabe von Liel. 228* 269 

n 15 Feindlicher Angriff bei Gundoldingen. 228 268 

9 19 Zug gegen Seckingen, zur Belagerung. 228 267 

1) S. oben S. 231. 



>1 



248 Appenwiler. 



Hinrichtung von drei StrasBenräubem. 
Niederlage der Basler bei Riehen. 
Rückkehr der Lehenträger in den Rath. 
Zug der Basler gegen Landser und Angpiff des 

Feindes auf die Klybeck. 
Streif zug der Basler bis Tannenkirch. 
13 oder 20 Streifzug der Basler bis Habsheim. 
Streifzug der Basler bis Pfirt. 
Brandstiftung in Klein-Basel und Angriff bei 

Binningen. 

Feindlicher Angriff vor Klein-Basel. 

i 1 » dem Aeschenthor. 

Streif zug der Basler bis Wihlen. 
» 22 (oder April 27 ?) Streifzug der Basler gegen Neuen- 
burg. 
» 25 (oder Mai 6?) Gefangennahme eines feindlichen 

Hauptmanns. 
Febr. 18 Feindlicher Angriff bei Qundoldingen. 
»18 » Ueberfall von Pfeffingen. 

V 23 > Angriff vor dem Spalenthor und 

Brand am Fischmarkt. 
März/Juni Weiterer Verlauf des Krieges bis zum Frieden 

vom 9. Juni. 
» 9 Kriegssteuer. 
1447 Weinpreise. 



Oct. 


16 


» 


27 


Nov. 


4 


Dec. 


4/5 




18 


9 


13< 


» 


20 


1 


21 


1446 




Jan. 


7 


9 


14 


» 


17 



BlftU d. H«^ 


8. S«ii« 


231»» 


281 


229 
230»» 


270 
278 


228»» 
228»» 
228»» 
228»» 


268 
269 
268 
269 


228»» 

* 


26P 


229 


271 


231 


278 


230 


275 


229 


271 


229 


271 


229 


271 


231 


278 


229 


271 


229»»/230 
224»» 
231»» 


272 
254 
281 



[1841 Anno domini 1439, 30. dies mensis octobris, fuitt439 

LJ . .... . .. Oct. 30 

sessio in concilio Basiliensi in ecclesia majori i). et post ses- 
sionem, hora 3, intrarunt 3 cardinales^], 12 episcopi, 18 3) docto- 
ree et abbates ad conclave, ad domum vulgaliter zer Mugen ad 

s stuffam nobilium ; et milites, barones, nobiles custodierunt ibidem 
circomquaque dieque noctuque in domibus, ad elegendum sum- 
mum pontificem. et permanserunt in cunclave usque quinta not. 5 
die noYembris; et cottidie fuit processio ab ecclesia cum re- 
liquiis ad eos, rogando deum pro unione; et fuerunt magne 

lopreces in ecclesiis parochialibus^]. et per gratiam dei omni- 
potentis fuit ellectio concorditer facta, hora prima in die pre- 
dicto, quinta die novembris; et ellectus fuit Amedeus dux 
Sabodie, et proclamatio facta fuit. et fuit processio facta cum 
toto clero et reliquiis totius civitatis , et etiam inceptum fuit 

issveni sanctet, et exierunt cum magna solempnitate; duravit 
osque ad horam quintam. 

Item dominus Arelatensis^J fecit sermonem quoad clerum 
solempniter et fundamentaliter, quomodo electio fuit facta per 
spiritum sanctum et per preces devotorum hominum. 

» Item dominus Johannes Wiler decanus ecclesie Basiliensis^) 
postmodum fecit sermonem quoad populum in verbis Thetonicis 
in ecclesia majori. 

Item feria tertia mensis decembris ^] recesserunt domini Dec. 3 (?) 

3. H«. : XIU statt XYm. 6. Hb. : notvqne. 14. Ha. : totini ciTitate et. 

15. Hfl. : Bolepsitata. 

1) Seit Beginn des ConcilB (1431) war es die 38. öffentliche Sitzung; b. 
WuiftiBen 359. In diesen öffentlichen Sitzungen im Chor des Münsters wurde 
nicht benthen, sondern nur die gefassten Beschlüsse verkündigt 

2) Statt »cardlnales« lies : commissarii. S. das Verzeichniss dieses Conclaye, 
bei Wurstisen 357. 

3) Ihre Namen s. ebend. 

4) Vgl hierüber den Ruf vom 29. Oct, im Rufb. I, 114b. 

5) Ueber den Cardinal-Erzbischof von Arles, den Vorsteher des Concils, 
8. oben Brüglinger S. 182, Anm. 3. 

6} Ueber ihn s. Beilage VI. 

7) Vielleicht ist »feria« hier yerschrieben statt : die. Vgl. oben : 30. die, 
und 5. die. 



250 Appenwiler. 

spirituales et tempoiales^ scilicet dominus Arletensis cardenalis 
cum cruce tamquam legatus, et reverendissimus dominus Basi- 
liensis^), et dominus Johannes de Tierstein comes et protector 
concilii^), et dominus de Gr&nenberg^jj Roperg, Berenfeltz^), 
LSffen ^] , cum ceteris nobilibus et civibus, et cum mulds pre- 5 
latis, scilicet abbas Lucelensis^) et ceteri, et cum magno exer- 
citu, ad dominum sanctissimum electum, ad annuntiandum 
sanctitati sue . electionem suam factam in concilio. Baailiensi 
anno 39. 
(Dm. 17) Item dominus sanctissimus ^) aborruit de electione, et flevit lo 
et noluit acceptare nisi cum magna deliberatione. postquam 
acceptaverit y fuit magnum gaudium in omnibus hominibus; 
et dotavit baiones, milites/nobiles, cives cum pretiosissimis 
pannis et alüs clenodiis. et sedebant ibi tres regine, scilicet 
regina Cipri^}, regina Francie^), regina Cecilie*^}, in magno de- i^ 
core et ornatu. 

Item postmodum dominus de Winsperg, qui fiiit verus 
protector concilii ex mandato regis Romanorum ^% equitavit 
festinanter dieque noctuque ad dominum sanctissimum, ad pre- 
cipiendum de acceptatione, et fuit maxime dotatus a domino 20 
sanctissimo 1^). 

6. Hb.: com leilieat »bbM. 13. H«.: civifM. 19. Hs: notuqne. 

1) Friedrich xe Rin, Bischof seit 1437. 

2) Graf Hans Ton Tierstein, Pfalsgraf des Hochstifts Basel seit 1437, d. h. 
seit dem Tode seines Bruders Bernhard, war Stellvertreter Konrads von Weins- 
berg, des wirklichen Schirmvogts. Vgl. unten Anm. 1 1. 

3) Wilhelm von Chünenberg. 

4) Arnold voq Rotberg und Arnold von B&renfels, beide BOrgenneister. 
b) Hans von Laufen; s. Wurstisen 364. 

6) Konrad Holzacker von Basel, schon 1384 Mönch su St. Urban, war 
1407 bis 1443 Abt von Lützel und hatte als solcher schon dem Constanzer 
Concil beigewohnt; s. Th. von Liebenau, im Archiv für Schweiz. Gesch. XVII, 
202, auch Trouillat V, 244 u. 794. 

7) Felix V. empfieng in feierlicher Audienz die Gesandtschaft des Concils 
zu Ripailles am 17. Dec.; s. Wurstisen 365. 

8} Anna von Lusignan , Tochter des Königs Janus von Gypem und Ge- 
mahlin Herzog Ludwigs d. ft. von Savoyen, also des neuen Papstes Schwieger- 
tochter. 

9) Maria von Anjou, Gemahlin Karls VIL von Frankreich. 

1 0) Margaretha von Savoyen, Felix V. Tochter, damals Wittwe Ludwigs III. 
von Anjou, Titularkönigs von Neapel und Sicilien, vermfihlte sich 1445 mit 
Ludwig rv. von der Pfalz. 

1 1 ) Konrad von Weinsberg, der seit 1431 pfandweise die Reichsmfinsst&tte 
KU Basel besass, wurde 1438 von König Albreeht II. zum Schirmvogt des Con- 
cils ernannt; s. Wurstisen 337, auch A. Sattler im B. Jahrbuch 1879, S. 202. 

1.2) D. h. er eilte der Gesandtschaft voraus, um den Erwählten zur An« 



1439. 251 

Item dominica antö Thome, anno 39, hoia yesperarum fnit dm. 20 
facta oongiegado in ecciesia majori*) per totum concilium, et 
notifficatum omnibus hominibus, quod sumus sanctissimns pon- 
tifex acceptasset papatum cum magna divicultate et propter 
s effectom ecclesie. et dominus de Winsperg fuit in preeentia 
tanquam protector ecclesie. 

Item ipsa die Thome annö predicto fuit sollempnissima Dec. 21 
processio, cum toto clero et ordinibus et reliquüs ih Basilea, 
et per totum concilium. 

to [184^] Anno domini 1439 3) in vigilia omnium 8anctornm3)oct. (2?) 

obiit illustrissimus princeps Albertus rex Romanorum et etiam 
Bohemorum et Ungarie; qui multa bona fecit pro ecciesia dei, 
et optimus Christianus, et corpus et bona sua exposuit ex parte 
Christianitatis contra infideles scilicet Bohemos. et dicebatur, 

15 ipflum esse mortuum ex parte matris sue uxoris, sciUcet inpera- 
tricis^), per venenum. sepultus in Brespurg^). cujus anima 
requiescit in sancta pace. amen. 

Anno domini 39 sexta post Eraszmi obiit Anne Eisin an- jnni 5 
cilla mea. 
20 Anno domini predicto ipsa die Arbogasti obiit filius mens Jau 21 

Johannes Dietrice. 

Anno domini 1439 fuit magna karistia in Basilea; et etiam 
cum hoc fiiit magna pestilentia. et in orribilibus obierunt in 
numero plus quam octo milia hominum cum pueris^); et pre- 

nähme ku bewegen, und kehrte später ebenso eilig nach Basel zurück, um dort 
am 20. Dec. die am 17. erfolgte Annahme zu verkünden. 

1) Während die öffentlichen Sitzungen (sessiones) im Chor des Münsters 
gehalten wurden , landen die Congregationen oder berathenden Sitzungen im 
Obergeschoss der anstossenden St. Niklauskapelle statt, welches Local deshalb 
noch heute »Conciliensaal« heisst 

2) BL 184^ beginnt mit der Ueberschrift: »De Friderico rege Romanorum, 
qui nunquam fecit bene ecclesie«. — Diese Ueberschrift stimmt nicht zum nach- 
folgenden Texte; sie zeigt uns aber, dass letzterer erst nach der Wahl Friedr 
richs m. geschrieben wurde, also frühestens im Febr. 1440. 

3) iK>mnium sanctorum« hier irrig statt: Simonis et Jude. 

4) Barbara von Cilli, die Wittwe Kaiser Sigismunds und Stiefmutter der 
Königin Elisabeth, war wegen ihrer R&nke verbannt. Dieselbe grundlose Be- 
schuldigung, wie hier gegen die Kaiserin, wurde auch gegen die Gesandten 
Polens und Venedigs gerichtet; vgl unten Anonymus 61. 205^ und Eberhard 
von Windeck, bei Mencken, Script, rer. Oerman. I, 1283. 

5) aBrespurg«^scheint Verwechslung mit: Wissenburg, d.h. Stuhlweissen- 
bürg; s. Lichnowsky V, S. 305. 

6) Vgl. oben Rathsbücher S. 51 : by den 5000. 



252 Appenwüer. 

sertim in ecclesia majori inter canonicos dominus Kaspar thesau- 
rarius^), dominus prepositus Turicensis^), dominus Michahel 
de Reno prepositus in Sancto Uisicino, et bene viginti cap- 
pelanos. 

(jani 10) Anno domini 39 ipsa die Vitalis^} civitas Basiliensis pTopter s 
magnam pestem ordinayit unam processionem cum 22 prespi- 
teris in propriis expensis, ad beatam virginem vulgaliter Dot- 
mossz, cum duabus crucibus, viris unam, mulieribus unam. 

Jani (12) fuerunt in numero iOOO hominum, ipsa die Barnabe ^j, contra 
pestem. et sacrum concilium dotavit omnibus euntibus per lo 
mensem quinque annos indulgentiam venialium, et quinque 
criminalium, et decem carenas. 

(Juni 19) . Anno domini 1439^) sacrum concilium Basilense habuit 
solempnissimam processionem cum magnis indulgentüs, in civi- 
tate, contra pestem. i& 

Juli 3 Anno domini 1439 in crastino visitationis Marie <^) ordina- 
runt cappellani majoris ecclesie Basiliensis unam processionem, 
cum concessu dominorum de capitulo, ad beatam virginem ad 
locum Heremitarum scilicet Einsidlen, in- propriis expensis. et 
fuerunt isti domini: dominus de Nuwenfeltz canonicus^), ma- 2» 
gister Petrus Textoris ^], dominus Oswaldus Walcher decanus 
confratemie^), dominus Johannes Engen magister fabrice^^'), do- 

2. Ha.: Za »pre^oritui Tarieeneii« am Band eine Bemerkuiiff tod Wilen Hand -, s. iuii»n 
Beilag» yil. 8. Hs.: Tingiti. 21. Hb.: OUvraldaa Waicker. 

1) Kaspar de Frowis, doctor decretonim: s. Wuratisen, Analeeta 97. 

2) Heinrich Auenstetter, Probat am GroaamtLnater in Zürich, atarb am 
2. Aug. 1439; a. Mülinen, Helvetia aacra I, 66. Zu Basel war er seit 1431 Pro- 
motor am Concil, und aeit 1433 Domherr; a. Wuratiaen 266, sowie auch dessen 
Analeeta 97. Vielleicht war er ein Sohn Konrad Auenstetters von Reutlingen, 
welcher 1 403 als biachöf licher Notar in Baael daa Bürgerrecht kaufte ; a. Rb. 33 1 . 

3) Dieaer Bittgang wurde am 10. Juni ausgerufen; s. Rufb. 1, 103^. Statt 
»ipsa die VitaHa« (28. April) ist daher eher «vigilia Bamabe« au leaen. 

4) Der Aufbruch erfolgte Freitaga d. 12. Juni, alao: crastina Bamabe; 
s. Rufb. I, 103b. 

5) Am 16. Juni; s. Rufb. I, 113. 

6) Der Aufbruch Ton Basel geschah 8 Tage nach diesem Beschluss, d. h. 
am 10. Juli; s. den Bericht im Cod. Baa. AX II 6», S. 64. 

7) Berthold von Neuenfels; s. Trouillat Y, 393, wo irrig »Kuenfela« atatt 
Nuenfela. 

8) Er war gehürtig von Delsberg, wurde als licentiatus in decretis 1436 
au Basel Domherr und starb 1475. S. B. Chron. II, 142, Trouillat V, 859 und 
Wnrstiaen, Analeeta 97. 

9) Nfimlich der St Johannserbruderschaft, welche zugleich den Deeanatua 
S. Johannis in atrio bildete, und welcher sfimmtticheKaplftne des Münsters an- 
gehörten. S. hierüber Fechters Top. 19. 

10) Johann von Engen war magister fabricae oder Bauherr dea Münsters 



1439. 253 

minus Schaltenbrant ^), Petrus de Owe, Eihardus Appenwiler, 
FxAbstlin^), Fögler^), Blöwenstein^), Ludwicus Vinck*) — fiiit 
expenditor omnium — omnes de sumo*), duo de sancto Petro, 
10 de claustriS; et cum magno, dominio, scilicet cum 1400 ho- 

smines^, et cum magna devotione, cum duabus crucibus. et 
civitas^) cum concilio oidinarunt magnam obedientiam sacer- 
dotibus, quod nuUus loquebatui verbum in via. 

Item sciendum est, quod sacerdotes* inciperunt cantare in(J<iU lo-is) 
BasQea, et duiayit ussaque ad locum beate vn^^inis sine intei- 

lomissione^), et cottidie omnes celebrarunt divina. concilium 
dedit indulgentias omnibus a pena et culpa confessis contritis. 

6. H>. : ordoarniit. 

1421^1434. Ihm folgte bU 1437 Johannes Schaltenbrand. S. Fechten An- 
merkungen cum B. Neujahrsblatt 1850, S. 18. 

1) Johannes Sehaltenbrand starb 1462 als der letste seines Stammes; s. 
TrouOlat Y, 828, auch Wurstisen 237. 

2) Johannes im Hof, alias Pr&bstlin ; s. Wurstisens Beschr. des Münsters, 
in Beitr. Xu, 482. 

3) Johannes VSgeler ; s. die Rechnungsbücher des Münsters su den Jahren 
1436 und 1447. 

4) Nikiaus Oerung gen. Blauenstein, Verfasser des bis 1475 reichenden 
Chronieon episeoporum Basiliensium, sowie einer Fortsetzung der Flores tem- 
porum, beides ün Cod. Bas. D IV 10. Ersteres herausgegeben Ton H. Brueker, 
in den Seriptores Basüienses minores. 

5) L. Vinck starb 1448; s. Rechnungsbücher des Münsters. 

6) D. h. de Summo templo. Das Münster hatte über 70 Kaplftne; s. das 
Veneichniis bei Trouillat V, 49 ff. 

7) Vgl. Cod. AX n 6», S. 64: wol mit 1000 manschen. 

8) D. h. der Rath. Die betreffende Bekanntmachung ist im Rufbüehlein 
nieht erhalten. 

9) Sie erreichten Einsiedeln in 4 Tagen, also am 1 3. Juli ; s. Cod. A X n, 6> 
a.a.O. 



[224^] Der kri^eg von Basel anno 45 1). 

1446 Die von Basel leittend ein sture an, uff reminiscere anno 
domini 46. was 14 jor alt was, mfist ser wuchen ein rappen 
geben, arm oder rieh, donoch ietliches von hundert guldin 
6 d.2); und geschetzet, was eins hatte, niitz nsszgenomen, geist- s 
Juni 11 liehen und weltlichen, weret bissz Barnabe apostoli anno 46'). 
Item der probst von sant Lienhart^) gab zer wuchen nit 
me denne 10 s. ^]; des nomend im die r6tte de^ stogbrunnen 
ein lange zitt<^}. 

1444 Item die Schinder die mArder komend quarta post Bar- lo 
tholomei fiir Basel mit setzigtusent mannen^), anno 44. frfige 
uff die 8 des tages beschach ein grosser strit und gefechte zu 
Sant Jocob an der Birsse^), zwuschend den Schindren und 
lantzlutten des adels und den Eygnossen. nemlich worent der 
Switzer 2000*), fiengend an z& uberMlen die Armjecken sfi is 
Brattlen; do wart erslagen wol 40 man^®). zugent bisz gon 

1. UnmitUlbur Toimiia g«bt auf BI. 114 eine QebeUparodie ; b. obes 8. 2U. 

1) Diese Uebersehrift besieht sich auf den Hauptinhalt der nachfolgenden 
Aufseichnungen, nAmlich auf Basels Krieg gegen Oestreich, welcher erst 1445 
offen ausbrach, obschon er durch die Ereignisse von 1444 veranlasst wurde. 

2) Ueber diese Steuer s. SchOnborg 189ff., wo auch 8. 202ff. das betref- 
fende Gesetz, und S. 573 ff. das theilweise Verzeichniss der Besteuerten. Die 
Namen der mit dem Einzug betrauten Rathsglieder s. Ob. I, 252. — 1 Rappen 
galt 2 Pfennige St&bler. 

3) D. h. bis zum Friedensschluss. 

4) Peter Rosegg, vielleicht ein Sohn Heinrichs, des Ammeisters von 1385 
und 1389; s. Mülinen, Helvetia sacra I, 149. 

5) Er war nur auf 11 s. 2 d. taxiert; s. Schönberg 221 und 585. »10 s.< 
scheint daher verschrieben aus: 1 s. (X statt I). 

6) Ueber diesen Brunnen s. Fechters Top. 75. 

7) Ueber diese Zahl s. Brüglinger S. 178, Anm. 6. 

8) Ueber diese Schlacht vgl. ebend. S. 1 76 ff. Ueber ihre Dauer s. u. S. 256. 

9) Vgl. BrQglinger S. 176: by 1500. 

10) Wie BrQglinger, so vermengt auch Appenwiler den ersten Angriff bei 
Pratteln und das Treffen bei Muttentz, welche beide in der Morgenfrühe er- 
folgten und der Hauptschlacht vorausgiengen, zu einem einzigen Gefechte. 
Nur auf Muttenz beziehen sich die hier erwähnten 40 Todten : vgl. hierüber 
A. B., Schlacht bei St. Jakob, S. 10 ff. 



1444. 255 

Sant Jocob. haltend die von Basel inen ein soldner gesant, 
SU aü wenden^); den eistochend die Eignossen, und das pherid. 
do sd komen an die Biisse, do komead die Schinder an sü 
als yil lAp und grassz, und fochtend, das die Eignossen mit 
5 macht komend fiir das hus uff den rein 2). als worend ein 
teil enit dem wasser bliben^); von truwen zugend sii wider 
hindersich^), innen zu hilffe. do umbsugend die Schinder sü 
mit gewalt, das sü komend in die kilchen'^]; wurdent vil er- 
slagen. donoch komend su in das hua^); das stiesszend die 
10 Schinder mit dem landadel an, das vil z& beden sitten yer- 
brent, erslagen wurdent. do wichend die Eignossen in den 
garten 7); do worend 4 tarrasbuchsen , die zu allen orten in 
schützend, [225] das su den garten gewunnent. der Eignossen 
erslagen wart by 1500^), der Schinder 1000^); do under we- 
is rend 4 groffen — wurdend zwe gef&rt gon Munpelgart^<^), 2 gon 
Yssenhm^i) — das der Telffin weindo; sprach: »ich wolte, das 
die noch lebtendj das kein Eignosz erslagen werelc^^) her 
Burekart Munch^') sach in den garten, sprach: »ich siehe in 

1] Ueber diesen Boten vgl. BrOglinger S. 176. 

2) Der Zusammenstoss mit der feindliehen Hauptmacht, der hier gemeint 
ist^ erfolgte auf dem offenen Felde oberhalb St Jakob, als die Eidgenossen die 
Birsbrücke und das Siechenhaus hereits hinter sich hatten. Vgl. Brüglinger 
S. 177, auch A. B., Schlacht, S. 15 ff. 

3) Ueber diese ZurQckgebliebenen Tgl. A. B., Schlacht, 8. 26 und 40. 

4) Dieser Rückzug erfolgte erst nach yierstQndigem Kampfe, gegen Mit- 
tag; Tgl. A. B., Schlacht, S. 17 und 26 ff. 

5) D. h. sie yerlegten ihnen den Rückweg über die Birs, so dass sie im 
Siechenhaus und dessen Kirche eingeschlossen waren ; vgl. A. B., Schlacht, S. 27. 

6) Vermuthlich wurden die Eidgenossen aus der Kirche, wie nachher aus 
dem Siechenhause selbst, durch Feuer Tcrtrieben. Diese Kirche stand wohl, 
gleieh der jetzigen, ausserhalb des ummauerten Gehöftes. 

7) Der Guten war ummauert ; s. Brüglinger S. 1 79, auch A.B.,Schlacht,S.28. 

8) Vgl Brüglinger S. 180 : wol by 12 oder 1300. 

9) Vgl ebend. S. 184: ob 2200. 

10) Vermuthlich wurden sie dort in der Schlosskirche St fifainboeuf be- 
stattet, deren zahlreiche Grabsteine 1793 zerstört wurden ; s. Tuetey, Les Ecor- 
cheurs sous Charles VII, Bd. I, S. 230, Anm. 3. 

11) Zu Issenheim, 4 St. unterh. Mülhausen, hatte der Antoniterorden ein 
Krankenhaus. Ein Brief des dortigen PrSceptors oder Vorstehers an den Rath 
Ton Strassburg, Tom 5. Sept. 1444, erw&hnt nur den Tod Roberts de Brez6, des 
Qrossmeisters der Johanniter in Frankreich, der nach der Schlacht an seinen 
Wunden starb; s. Tuetey II, 512. 

12) VgL ähnliche Aeusserungen in einem Briefe Berns an Bibrach, Eidg. 
Abschiede H, 184, und bei Etterlhi 172. 

13) B. Münch Ton Landskron. Ueber seinen Antheil an der Berufung und 
Führung der Armagnacken s. namentlich J. Chartier, abgedr. in der Sfteular- 
Schrift Ton 1844 zur Schlacht bei St Jakob, S. 101. Was hier Appenwiler Ton 



256 Appenwiler. 

ein ro88q;arten, den min fordren geret hand vor 100 jorenlc^ 
wart geworffen zem fisiei in^), das er gef&rt wart gon Landser'), 
donoch kein wort nie geret und starb, do wolt die stat von 
Basel den lichamen nit inlon^); men mflst in f&ren gon Nu- 
wenburg^). 5 

Item die Schinder, die erslagen wurdent, flurttend sti gon 
Mütentz, Rinach<^), Gundoltingen, und brantentz, das niemand 
seche iren yerlust; und huwend den Eignossen allen die kelen 
abe^). was ein edelman erslagen ,. was fil lenger denne groff 
Hans von Thierstein; wart grosser adel erslagen. der strit lo 
werte von firAge zu 8 bisz nacht zu 9^^; hielt der Telffin den 
tag on essen in grosser hitz, bisz zem ende; donoch branttend 
SU Sant Jocob gar. die Schinder verlurend vil schöner henge- 
sten^); was so fil erslagen, das sü logen bisz zem galgen^^), gon 
MutentZy zem Rotten Husz. wenne ein teil der Schinder mäde is 
was z& fechten, kam ein ander schar dar. so trang dotend 
die Eignossen: men hette ein karren mit bAgenpfilen funden, 
was die Oberlender erslAgen mit hallebarten zd gründe ^^). die 

6. Ha.: fftttand. 8. Hi.: »Ue die. 15. H«.: MvttenU. . 18. Es.: luülebvto. 

ihm berichtet, geschah noch vor dem Ende des Kampfe«, als er mit den Eid- 
genossen unterhandehi sollte; g. Georg Schamdocher, bei Oefelius, Seriptores 
rer. Boicanim I, 317, und ygl. A. B., Schlacht, S. 32 ff. 

1) Ueber den Sinn dieser Worte s. A. B., Schlacht, S. 35. Doch ist bei- 
zufügen, dass überhaupt Kirchhöfe oft als »Rosengarten« beseichnet wurden. 

2) VgL Schamdocher a. a. 0. : der tet sein tschelem auf oder visier; dem 
warf ain Schweitzer mit aim fiauststein unter das antlits, das er am dritten 
tag starb. 

3) SchlosB und Herrschaft Landser, bei Mfllhausen, war von Oestreieh 
seit 1406 an die Münche von Landskron yerpflndet; s. Schöpflin-Rayenes 
IV, 154. 

4) Seine Vorfahren lagen in Basel theils im Fredigerkloster begraben, 
theils im Monster, in der München-Kapelle. 

5) Dort wurde er yennuthlich in der Pfarrkirche begraben, welche spftter 
sammt einem Theile des Stftdtchens vom Rhein hin weggespült wurde ; s. Huggle, 
Gesch. der Stadt Neuenbürg, 214. 

6) Reinaeh im Birsthai, 1 Vs Stunden von Basel Weitere Orte s. oben bei 
BrüglingerS. 180. 

7) Ausführlicher hierüber ist Fründ 208, unter Berufung auf den Priester 
von St. Jakob. 

8) D. h. es wurde 9 Uhr (nach der Basler Uhr), bis der Dauphin, der den 
ganzen Tag über mit der Reserve bei Hegenheim stehen blieb, dort die Mel* 
düng vom Ende des Kampfes erhielt. Ueber die Stellung des Dauphins wih- 
rend der Schlacht s. A. B., Schlacht» S. 14. 

9) Ueber die Pferde vgl. Fründ 208, auch A. B., Schlacht, S. 44, Anm. 1. 

10) Der Galgen lag vor dem St Albanthor, am Ende der jetrigen Qellert- 
Strasse. 

11) Ueber den Kampf mit den Bogenschützen vgl. Brüglinger S. 179« 



1444. 257 

Yon Basel zagend mit der baner zem keppelen zu Eschmertoi ^). 
werend su furcher gezogen, were die stat gewunnen gesin, und alles 
ertättet über 1 2 jor, geistlich, weltlich, und diehusser, hfiffe öUe ge- 
buttet ^ ; denne unsei frowe hatt sii behfittet. die Schinder hattend 

» 20000 in 4 huffen verslagen^). Heniman Sevogel wart erslagen^). 

Item donoch am fritag zugend die Schinder gon Se^ingen, ^^c^* ^ 
LAffenberg, Waltzhüt^). woltend mit dem heltüm engegen sin 
gangen, sprachend: es werend hotten von gotte. do wart alles 
genomen Ton silberschirre, gewand, huszrot, deider. was sü 

idnit f&ren mftchtend, wurffend sü in den Bin: heffen, buchsen; 
doz& die frowen geschendet hattend sü. von gotz hotten manig 
biderman verdarb. 

Item donoch am samstag^] fordert der Telfin — er hetteAng. 29 
das feit behebt 3 tag noch strittes recht — an die von Basel : 

issü soltend die sinen tr&sten, wolte er ouch tun, das iederman 
den sinen suchte, das beschach; körnend 2 herolt dar: get6rste 
niemand kein messer mit imme dar tragen, do worend Pre- 



diger, Augustiner, Barfftssen [225^ 



und sust lutt, mit stosz- 



^Larren und sust karren, die das volck zanmen f&rttend, sams- 
»tag, sunnentag^). worend so vil, das gar ab zem wasser mittAng.29a. 30 
dotten erfüllet wart, der kilchen glich ^] ; denecht über ein jor 
fand men lutt ligen im wasser und studen. do wart maniger 
am dritten tag brocht lebendig^), do wurdend drige grüben 
gemacht, dorin geleit alle gemeine ^o). 

3. Hb.: werde die etat. 14. Hs.: strittes rech. 23. Hs.: broch. 24. Hs. : 

gemach. 

1) Die St. Katharinenkapelle, an deren Stelle jetzt das Denkmal steht* 
Ueber diesen Auszug der Basler am Vonnittag, s. BrOglinger, S. 177 ff. 

2) Ueber die Absichten des Feindes vgl. A. B., Schlacht, S. 9 und 23 ff. 
3] Vgl. Schamdocher a. a. O. : mer den mit 16000 pf erden, mer dan in aim 

endt. — Ueber ihre Aufstellung vgl. A. B., Sehlacl^t S. 13 ff. 

4) Er führte die Liestaler und WaldenburgÄ* s. Etterlin 171. — Für 
Näheres über ihn s. K. Vischer-Merian, Henmann Seevogel und sein Geschlecht. 

5) Ueber diesen Zug vgl. Beinheim BL 2. 

6) Ueber die vorausgegangenen Verhandlungen vom 27. und 28. Aug. s. 
Brüglinger, S. 180 ff. 

7) Vgl. Beinheim, Bl. 1^ : Und weret das begraben bisz uff den sontag ze 
nacht, und woren dozü gegenwiirtig ob 400 personen, man und frowen. 

8) D. h. der Baimi zwischen der Kirche und dem vorbeifliessenden 
Teiche wurde zum Kirchhofe geschlagen. — Nur auf die Begrabenen dieser 
zweiTage beziehtsichdieZahl 1168 bei Fründ, S. 208; vgl. A.B., Schlacht, S.42. 

9} Vgl. Beinheim a. a. O. : Wurdent ouch zween in den bürsten lebendig 
gefunden, fürt man ouch in die statt, stürben ouch bed. — Die sonstigen Ver- 
wundeten, welche nach Basel gelangten, hatten sich schon währenddes Kampfes 
bis zur Stadt geschleppt; vgl. A. B., Schlacht, S. 41. 

10) Vgl. Beinheim: Was namhafftiger woren, fürt man in die statt; die 
übrigen vergrub man zft Sant Jacob. 

Basier Chroniken. IV. * 17 



258 Appenwiler. 

Sept. 29 Item uff Michahelis gab das concüium grossen aplas allen 
den, die zu Sant Jacob rumetend die kilch und hoffstat. do 
was vil lüttes do, umb des aplos willen; wart maniger man 
erst funden verbrennet, verfallen^). 
oet. 16 Item uff Galli wichte Marsiliensis der bischoff ^) die kilchen, s 
und an der den kilchAff ussz basser, als er zen Uchren zu dein 
was. do fiOirt Gemler und Scheckeburlin ') die Herren zem 
Tantz^) in die herberg zem imbes. 

Item der Telffin macht einen fiiden mit der stat Basel ^). 
Aug. 31 nndreit 2 cardiuel und min her von Basel ^) zem Telfin gon Alt- i» 
Sept. t8-i9 j^jjpjj^ g^jj Enszhin. was von Basel was, das ein fenlin hatte 

mit der stat ingesihel, körn und anders zu reichen, wer des 
Telfins fenlin hatte mit dem sigel, soltend sicher sin. in der 
Sicherheit und geleit wart manig bidermaQ gefangen, erslagen, 
erhenget; sü hieltend eid noch ere nit. ab die herren zu Ensz- n 
hin worend, solte der Telfin su geleittet han gon Basel; kam 
der bischoff kum derfon''). 

9. Hj.: mach einen. 

1) S. hierüber Hemmerlin, im Dialogus de nobilitate. Die betreffende 
Stelle abgedruckt in der S&cularschrift 1844, S. 60. 

2) Bischof Stephan von Marseille gehörte zur Gesandtschaft des Concils 
auf dem Tage zu Rheinfelden, im M&rz 1445 ; s. Eidg. Abschiede II, 185. 

3) Hans Zscheckenbürlin, der spätere Oberstzunftmeister, erscheint als 
Pfleger des Siechtohauses St. Jakob in einer Urkunde vom 18. Dec. 1451 ; 
s. St. A. Spital No. 499. Wohl in derselben Eigenschaft erscheint hier neben 
ihm der Rathsherr Hans Oemler. lieber Letztem s. Säcularschrift 1844, S. 25, 
und B. Jahrbuch 1879, S. 140 ff., wo statt 1412 zu lesen: 1415. 

4} Das Haus am Fischmarkt, jetzt No. 2, das sowohl hier als unten 
S. 272 gemeint ist, hiess »zum vorderen Tanz«, zum Unterschied von dem 
hinten anstossenden Hause »zum Tanz« an der Eisengasse, jetzt No. 20, wel- 
ches später durch Holbeins Malereien herühmt wurde. 

5) Am 27. Aug. wurde freies Geleit zugesichert und am 31. Aug. Waffen- 
stillstand geschlossen, der in der Folge bis in den Oct Terlängert wurde, d. h. 
bis zum förmlichen Friedensschlüsse; s. Brflglingeri S. 181 ff. 

6) Der Cardinal von Arles, und Johann von Torrequemada, Bischof von 
Segovia, der von Felix V. zum Cardinal von St. Calixtus war ernannt worden, 
femer Bischof Friedrich ze Rin. Diese Gesandtschaft, vom Concil abgeordnet, 

* unterhandelte mit dem Dauphin am 31. Aug. zu Altkirch und vom 13. bis 
19. Sept. zu Ensisheim; vgl. Brüglinger a. a. O. 

7) Am 18. Sept stellte der Dauphin zu Ensisheim dem Bischof Friedrich 
ze Rin einen Geleitebrief aus (abgedruckt bei Trouillat V, 385), und am 2u. 
schrieb Letzterer aus Basel an den Bischof von Constanz, Heinrich von Höwen, 
aber die allgemeine Lage der Dinge; s. Pachter, Taschenb. 1862, S. 5S ff. 
Durch diesen Brief jedoch wird Appenwiler nur insofern best&tigt, als vor 
Malhausen — das der Bischof auf seiner Rackkehr von Ensisheim berühren 
musste — am 18. Sept. die Armagnacken die herausziehenden Bürger dieser 
Stadt überfielen. 



1444—1445. 259 

Item von des krieges wegen zwuscend der herschaff von 
Oesterich und der stat Basel do wärt mftnig tag umb ge- 
leisten ^) von mim her von Basel und den stetten. was allewend 
der herschaff rede: woltend die von Basel der Eignossen mflsig 
3 gon^}, so woltend sü der von Basel gut frunt sin. das möcht 
nit gesin; do hüb sich krieg und figentschaff zwuschend der 
stat und der herschafft). 

Item ist zb. wissen, das die herschaff von Oesterich, groffen, 
ritter, knechtj gebursemi, der stat von Basel vil leides det und 
M schaden, obe sü ir ere ie gewartend mit absagen 4), das erber 
stete innen ungelinpff seitten. 

[226] Der erste strussz*), von Rinfelden wegen. 

Item tertia post assumptionis Marie 45 zugend die von 1445 
Basel mit macht, mit 200 wegen, karren, mit grossem gezüge "^' 
15 gon Rinfelden. der zug werte von 8 bis 10^); die zall was 
5000 man^j. for den zwein grossen buchsen worend 60 pherid^). 

Item der fürst-, hertzog Olbrecht von Oesterich, hatt ein 
leger uffgeslagen gegen Rinfelden ^) , mit eime grossen reisigen 

2. X Hb. : geleiflten min her von. lt. Hb.: innen. 12. Hs.: Der este struBsz. 

16. Fol^ ZwiBchennnm Ton V« Seite. 

1] Hieher gehört namentlich der Tag zu Rheinfelden, vom 7. bis 16. März 
1445; 8. Eidg. Abschiede U, 185 ff., auch Brief b. IV, 234. Hierauf bemflhte 
siqh Bischof Friedrich bei Herzog Albrecht um einen neuen Tag. doch ohne 
Erfolg; 8. Anonymus im Cod. Beinheim, Bl. 38, auch Briefb. IV, 237. 

2) D. h. den Bund mit Bern und Solothum aufgeben. Vgl. Brügl. S. 181. 

3) Ueber den Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Basel und ein- 
zelnen östreichischen Vasallen, im April 1445, und über die förmliche Kriegs- 
erklärung an Oestreich, am 24. Juli, s. Brüglinger, S. 184 ff. 

4) S. Basels Klagen in der Colmarer Richtung, Bl. 85^ ff., und nament- 
lich Bl. 102b— 114, femer auch Ob. I, 287 und 362. 

5} Ueber diesen Zug vgl. oben Brüglinger, S. 193 ff.,- ferner Offenburg, 
Bl. 37 ff., und Beinheim, Bl. 8 ff., sowie auch Beiträge XI, 95 ff. — »Der erste 
struBSZ« heisst er hier vermuthlich deshalb, weil er der erste war, auf welchem 
Appenwiler selber mitzog. — Ueber die kriegerischen Ereignisse vor diesem 
Zuge 8. oben Brüglinger, S. 185 ff., sowie auch unten S. 267, 275 ff. und 278 ff. 

6) D. h. beim Aufbruch wurde es 10 Uhr, bis der letzte Wagen die Stadt 
rerliess. 

7) Ueber diese Zahl vgl. Brüglinger, S. 187, Anm. 6. Auch hier sind 
jene 600 Bemer uifd Solothumer inbegriffen, welche als erster Zuzug schon 
seit Juli in Basel waren ; vgl. Beinheim, Bl. 7, und Offenburg, Bl. 37. 

8) Statt LX lies : XL pherid. Die grösste Büchse brauchte 26 Pferde, 
QBd die zweitgröBSte 16, also zusammen 42 Pferde. S. die Kriegsordnung für 
Aufzüge, im Liber Div. Herum, Bl. 86, welche bald nach der Belagerung von 
I^ofenburg erlassen wurde, also gegen Ende 1443. 

9) Vgl* Offenburg, Bl. 37 b: uff der von Bütkhen matten und dodurch 

17* 



/ 



260 Appenwiler. 

gezuge und fuszvolck, mit vil wegenen. slüg do sin feld mit 
Sept. 4vil gezelten uff ge^en den von 9&8el, sabato ante nativitatis 
Marie 45. schossz do treffenlichen mit buchsen gon Rinfelden 
in die stat, zer Sunnen ^) 2 z& tode, das man grossen schaden 
doTon nam. & 

Sept. 9 Item an domstag donoch brach der fürst mit den sinen 
uff und brant die hutten; und das herr det die gezelt nider, 
by 60. zoch mit sinem gezuge , was er by imme hatte, und 
wegen fiir das Hom^) und bisz gon Riechen, Lftrach^), den 
dag. das arm f&szfoick vom Briszgowe lag leider mflde und lo 
hellig am berge, hungers dot^). quinta hora gieng ein roch 
zu Famsperg uff^]; do zdch der fürst mit sime gezuge wider 
hindersich und legert sich die selb nacht mit macht vor Krentz- 
ach, sliüg sine gezelt uff und grossen füren®). 

Item des wurdent die von Basel zfl Rinfelden in herr is 
gewar und santten meister Johan mit hagel- und tarrasbuchsen 
zu nacht gegen sime herr, und schussend trefflich über Rin 
in das herr, das der fürst zornig wart und das herr anstiessz, 
von dannan zoch^). 
Sept. 10 Item an fritage, frflge uff die 3, anno 45, branttend sü2o 
dem von Hegenhtn^) sin wigerhus, mit schüren, was do was, 
zu Krentzach; vil buchsen, arenbrost und plunder genon. der 
fürst was selb im hus, liessz 10 knechte äbziechen. mit knuwen 

18. Hl.: tamibaehaea. 

harab bergshalb — also oberhalb der Stadt, gegen das Deatsohordenshaua 
Beuggen bin. 

1) Das Wirthshaue zur Sonne, am Rhein gelegen, bildet jetzt einen Theil 
der Brauerei zum Sahnen. — Diese Beschiessung scheint erst am 6. Sept be- 
gonnen zu haben; vgL BrQglinger, S. 194. 

2) Das Ghrenzacher Hom, Vs St. von Klein-Basel, bildet den ftussersten 
Vorsprung des Dinkelberges, zwischen dem Wiesenthal und Rhein. 

3) Riehen, 1 St von Basel, gehörte dem Bischof, und Lörrach — damals 
ein Dorf — zur hochbergischen Herrschaft Röteln. 

4) Die Reisigen aber hielten bis 5 Uhr Abends vor Klein-Basel; s. Offen- 
bnrg, Bl. 37b, und Beinheim, Bl. 8b. 

5) Vermuthlich ein yerabredetes Signal, dass neue Zuzüge der Eidge- 
nossen im Anmärsche seien. Vgl Beiträge XI, 107. 

6) Auf dem Felde zwischen Grensach und Wihlen; s. Offenburg. Bl. 3S, 
und Beinheim a. a. 0. 

7) Ueber diese Beschiessung vgl. BrQglinger, S. 195. 

. 8) Peter von Hegenheim sass als Achtbürger im Rath und war mehrmals 
Oberstzunftmeister, gab jedoch 1449 sein -Bürgerrecht auf und starb 1451; 
s. Ob. I, 442 und Wurstisen 391. Ueber seine Nachkommen s. Schönberg 618. 
— Er war nicht im Schlosse, als die Besatzung sich am Abend des 9. Sept 
ergab} s. Offenburg, Bl. 38. 



1445. 261 

erbotten sü in umb das leben i); doch sü müstend sweren, 
wider die heischaff nit z& tünde. des kam der kilcher von 
ELrentzach umb 20 viemtzel kam; 20 sSm wins was uff dem 
hus82. 

3 [226*^] Item der fürst brach an fritag uff 6 uff, anno 45, 
zoch wider in sin leger gon Bughin, uff die von Rinfelden^), 
das er gemne zu hilffe wer komen den im slossz. 

Item do logend 5 grossz hAbtbuchsen vor dem slossz, sust 
darras- und handbuchsen by 300, die dag und nacht giengend. 

10 das SU alwend im slossz kost genüg hatten vom ennerin lande, 
das versochend die von Bassel, schussend den tum an der brug 
enzwey^), die bruge euch abe, das sü nit mSchtend hilff han (juu 2*.)) 
an dem ende; denne grossz herschaff im slossz was. do was 
Stuber 'mit sime werff^), das stund zu Rinfelden uff kilchoff; 

15 det in grossz schaden, das er zem lösten müst grabstein werffen. 
des hattend sü im slossz ein bolerlin, was des marggroffen 
Yon B6tlin gesin; domü dodent.sü ouch schaden. 

Item der von Basel buchsen, die vor Famsperg wart ge- 
non^), kam in das slossz gon Rinfelden. die det Rinfelden 

20 schaden; doch erschutte sü das hus. 

Item do was ein sneck im turne verborgen^), das ieder- 
man uff und abe gieng; do wurdent 24 höbtschutze zu ge- 
schossen, obe er genon wart''), hat einre geseit, was zu nacht (Sept. a) 
in das herr komen vom slossz^); do was ir ding nütz. ' 

2& Item do die brug abgeschossen wart, hattend *sü zwei seil (Ende Jnii) 
gespannen vom slossz an den usseren turn^). do hieng ein 

7. Hfl.: hiffe. 9. Hs.: dagandnMh. 10. Hb.: Tom enmerin. 14. Hs.: st&n zfi. 

1) Sie waren 8 Tage vorher mit dem Tode bedroht worden; s. Offenbürg, 
BI. 37. 

2) Oberhalb -Rheinfelden, gegen dem Deutschordenshause Beuggen hin; 
vgl. oben 8. 259, Anm. 9, und Offenburg, Bl. 37»» und 38. — Ueberden völligen 
Abzug des Entaatzheeres, am 11. Sept, 8. Brüglinger, S. 195. 

3) Den Bögersthurm; s. Wurstisen 397. — Ueber diese ersten Erfolge 
der BeschiesBung, die schon Ende Juli erzielt wurden, vgl. Brüglinger, S. 27, 
und Offenburg, BL 33b. 

4) Ueber Stuber und das Gewerf vgl. BrQglinger, S. 193 und 194. 

5) Die »Rennerin« ; s. Brüglinger, S. 1 97. 

6) D. h. im Hauptthurme des Schlosses, bei Brüglinger der »hohe Thurm« 
genannt Diese Wendeltreppe war vermuthlich in der Mauerdicke angebracht 
und bildete mithin eine schwache SteUe, die jedoch von aussen nicht erkenn- 
Wwar. 

7] Ueber den schliesslichen Erfolg dieser Besehiessung, der in der Nacht 
Tom 8./9. Sept. eintrat, vgl. Brüglinger, S. 193 und 194. 

8) Ueber diesen angeblichen Ueberlfiufer vgl. Beiträge XI, 105. 

9) Vgl. im Briefb. lY, 235 einen Brief des Raths von Rheinfelden an 



262 Appenwiler. 

broimülten an, das man zu in, von in kam, ouch kost genüg. 
Sept. 12 am andren tage, obe es gewannen wart, kam in zwen ochsseu 
in stucken inhin. die mülte wart, das seil, zwirend abgeschossen, 
zwen zu tode; wart alwend wider gemacht, zwei schiff am 
slossz zerschossen. 5 

Item der von Basel buchsen im slossz wart mit flissz an 
das ende geschossen, das die buchs verfiel, das sü kein schade 
m6cht me tun. 

Item SU hattend zwei schiff am husz mit schellen, do sü 
botschaff zu nacht santend; wurdent mit dem werff zerbrochen, lu 
* einer dorinn. 

Item do was vil adels uff dem hus^): von Blümneg^), 
von Landeg^), von Halwiler^), von Falckenstein*), von Stöffen- 
berg^J, sust vil, die alwend mit der mülten ussz und in komend 

Item die im slossz nomend zu nacht und leittend strow is 
uff die Rinbrug zwuschend dem hus und der stat, bezattend 
das mit buchsbulffer, stiessend es an, das die bruge gar verbran, 
bisz an ein tanböm. 

Item die von Basel zugen über Rin, mit 500 mannen und 
gezüg, und branttend den Dinckelberg, nomend vil viches und so 
sust ding^). 
Sapt.i2v.i3 Item sunnentag, mendag post nativitatis Marie 45 be- 
schohend 300 schütz in das hus, tag und nacht, besunder am 
mendag, als ich und Schalteübrant in der forstat uff wacht 
giengend, von 8 zaltend wir 74 höbtschütz bisz fr&ge uff 4""). 25 

[227] Item die von Basel dotend dehein schütz mit der 
grossen buchsen, er stund 4 guldin^). 

7ß. Aaf Bl. 227 ist die Schrift thoilweisa durch Feachtigkeit Tenraschon und deh- 
halb undeutlich. 27. Us.: XV HUtt IV. 

Basel , 8. d. , doch jedenfalls noch vor dem 1 7. Aug. : usz dem sumcrhus 
hinüber zem thiirn^ da die falbnigg ingat. — Dieser Thorthurm, auf einem 
Felsen ganz nahe dem rechten Rheinufer, und mit diesem nur durch die Fall- 
bracke verbunden, heisst auch bei Offenburg, B1.33b nur >»der äussere Thurm«. 

1] Hauptmann der ganzen Besatzung jedoch war keiner dieser EdelleutC; 
sondern Jakob Trapp; s. Colmarer Richtung, Bl. 61. 

2; Balthasar von Blumeneck ; s. Offenburg, Bl. 38^. 

3) Vcrmuthllch Hans von Landeck, Ritter; s. Schreiber, Gesch. von Frei- 
burg III, loi. Die Landeck gehörten zu dem im Breisgau weitverzweigten 
Geschlechte der Schnewlin. 

4) Thüring v. H. d. j.; s. Brüglinger, S. 197. 

5) Hans v. F. ; 8. Beinheim, Bl. i). 

6} Friedrich Bock von Staufenberg' gehörte zu den Verbannten vom 
21. Juli 14-15; 8. Säcularschrift 1844, S. 41. 

7) Zu diesem Zuge vermag ich kein Datum anzugeben. 

S) D. h. in der Nacht von Montag auf Dienstag, 13./14. Sept. 

9) Mit der pHfire«; s. Brüglinger, S. 193. Dieses Geschütz war übrigens 



1445. 263 

Item ipsa die Kunigundis^] 45 körnend die von 6em;(AQg. i9) 

denne die von Basel müstend den leger 3 tage beiigen ^) mit 

eim höbtbaner. die yon Tune, die von Biel, von der Nuwen- 

stat^), von Buxgdorff, wol mit 3000 mannen^), 20 wegen, karren, 

&3 wegen mit buchseü; ein teil schützend 8 stein eins moles! 

Item die von Sibental Nidren, mit der höbtbaner, zwei 
wissz tomne^j, mit 100 rossen geladen mit spis, nativitatis 8«pi. (!>) 
Marie 45 <^). 

Item sexta post nativitatis Marie komend die von Obren sept. lo 
1» Sibental, von Sanen, Arburg^), Fmtingen, mit der höbtbaner 
und sust 5 baner, wol mit 2000^), 200 pherd, vil sömer mit 
yil kost, was den wart, stuletz als^). wo sü priestergarten, 

schwerlich viel grösser als die firühere grösste Büchse, welche 1425 vor H6ri- 
court diente und zu jedem Schuss 20 Pfimd Pulyer brauchte; s. Liher Divers. 
Herum 145b Da nun 1444 der Zentner Pulver 20 Gl. kostete (s. Ob. I, 318), 
so kam wirklich 1 Schuss von 20 Pfund auf 4 OL zu stehen. 

1} Obschon dieses Datum, vom 9. Sept, nur zum zweiten Zuzüge der 
fiemer stimmt, so lassen doch schon die »3 Tage« — sowie auch die Zahl 3000 
und das Geschütz — kaum einen Zweifel darüber, dass hier Berns erster Zu- 
zug gemeint ist, welcher laut Beinheim, Bl. 8, schon am 19. Aug. eintraf, und 
den wir sonst einzig bei Appenwiler nicht erw&hnt finden. Zu diesem früheren 
Zuzüge nun, den er also hier nachholt, setzt Appenwiler aus Versehen das Da- 
tum des späteren, dessen Erzählung gleich nachher folgt Dieses Datum ist 
demnach zu ersetzen durch den 1 9! August. 

2j Vom 17. bis 19. Aug.; s. Beinheim, Bl. 8. 

3) Biel und Neuenstadt, obschon unter Oberhoheit des Bischofs von 
Basel, hatten schon seit 1352 und 1388 ein ewiges Burgrecht mit Bern; s. 
TrouOlat IV, 20 ff. und 510 ff. 

4) Diese Zahl erreichte dieser erste Zuzug mit Inbegriff der Solothumer ; 
s. Anonjmus im Cod. Beinheim, Bl. 42. 

5) Das Wappen der mit Bern verburgrechteten Herren dieses Thaies, 
Dämlich der Freiherren von Weissenburg. — Dieser Zuzug zählte 400 Mann 
und zog direkt nach Basel ; s. Beinheim, Bl. 8^. 

6) Genauer: crastina n. M., d. h. 9. Sept Vgl. Beinheim, Bl. S^, und 
oben : ipsa die Kunigundis. 

7) Die Freiherren von Aarbiurg hatten ein Burgrecht mit Bern seit 1406. 
Wahrscheinlich ist jedoch hier nur die Herrschaft Simmenegg im Unter- 
Simmenthai gemeint, welche Bern schon 1391 von Rudolf von Aarburg ge- 
kauft hatte, und deren Leute in ihrem Panner vermuthlich das Wappen ihrer 
früheren Herren beibehielten; s. Justinger 177. 

.8) Auch diese 2000 scheinen, wie die vorhergehenden 400, sofort nach 
Basel gezogen zu sein, ohne Rheinfelden zu berühren. — Statt dieses Zuzuges 
Tom 10. Sept. erwähnen sowohl Beinheim, Bl. 8b, als auch Offenburg, Bl. 3b^ 
weitere Zuzüge zum 12. und 13. Sept., deren Gesammtstärke Beinheim auf 
3000 schätzt, aber Offenburg nur auf 1500. 

9) Die Klagen, welche hier folgen, treffen wohl die Zuzüger aus den vor- 
her genannten Thälem des Bemer Oberlandes, nicht aber die gesammte Mann- 
schaft dieses Zuzuges überhaupt Vgl Brüglinger, S. 198. 



264 Appenwiler. 

reben wüstend, luffend sü dorin, watend was do was, trügen 
trüben mit secken, und hiltt, bflsem fol, zi\ veressen; meindend, 
sü woltend den priestern durch die hüsser löffen. sü brochend 
den edelen die hoffe uff^), das man fiir latt gieng; bettend es 
äie rette nit understanden, do were ein mort worden, die ritte 5 
sprochend: woltend sü nit gon Rinfelden in das berr^ das su 
denne wider hein zügen; die von Basel dSrffend samliches 
volckes nit 2). als zoch ein teil hein, ein teil in das berr. sü 
stulend zu Liestal, Waideburg, was in wart; ouch bezaltend 
sü nütz. 10 

Sept. t4 Item tertia exaltationem sancte crucis hat der fürst ge- 
meinet das slosz Rinfelden zu entschutten^]. als der stürm 
angeleit, geordnet was, die lutt bichtet hattend, zugend die 
von Basel mit eime stafcken züge*), reisig, fÖszgenger, mit 
buchsen, nach mitternacht uff 3 über Rin ussz gon Rinfelden, is 
do enit zu behutten, obe der fürst keme, das niemand ussz 
dem slossz keme. sü fürend ouch vil schiff mit gezüg, bruggen 
und anders, das zem stürm gehört, da die im slossz sochend 
die von Basel enit Rins ouch uffziechen, und das höbtbaner 
und ein blosz swert, und ufftrumtend und am andren sitten » 
zem Sturm rüstend mit leittren, katzen, bruggen, und alle 
buchsen geladen worend, ein teil usszgelon; do sü sochend, 
das sü zu beden sitten belegen worend und nütz den ein sterben 
machen mochtend komen, und kein entschutten was — worend 
sü erstorben, und rüff Uolrich Schutz zu den von Basel gnedek- 2s 
lieh umb einen friden 72 stunt, mit innen zu reden, es halff 
nütz; und liessend, cfie von Basel 3 buchsen ussz, erschussend 
1 frowe, 2 man. als schruwend sü alle gemein: »gnedigen 
herren von Basel! farend ritterlich an uns! gend uns ein fHden, 
mit uwen gnoden zu reden in denne es [227^] stünde innen ao 

5. Hb. : die ratte. 

1) Ueber ähnliche Ausschreitungen, die am 8. Aug. nach der Rückkehr 
vom Breisgauerzuge erfolgten, s. Offenburg, Bl. 36, und Anonymus im Crod. 
Beinheim, Bl. 41^. 

2j Diese Ausweisung aus der Stadt galt jedenfalls nicht dem ganzen 
Zuzug, sondern nur den Schuldigen, d. h. den Zuzügem der oben erwähnten 
Landschaften. Denn die Uebrigen zogen am 14. Sept. auf dem rechten Rhein- 
ufer gegen das Schloss. S. Brüglinger, S. 196, auch Beinheim, Bl. 8^ und 
Offenburg, Bl. 38b. 

3) Seit dem 11. Sept., wo das Entsatzheer sich aufgelöst hatte, lag Her- 
zog Albrecht nur noch mit 200 Pferden zu Seckingen; s. Brüglinger, S. 195, 
und Beinheim, Bl. 9. 

4) Beinheim, Bl. 8b, schätzt sie auf 800. Die Zahl der mitziehenden 
Bemer ist unbekannt. Bei Offenburg fehlt in der Hs. gerade hier ein Blatt. 



1445. 265 

herte. das werte lange; doch wart ein fride ger Äffet, rede und 
Widerrede z& verhörend*). 

Item sprach Uolrich Schutze: »gnedigen herren von Basel! 
wir sechend wol, wie im ist, das nütz anders ist, denne ein 

5 sterben, bitten wir alle uwer gnode gnedeklichen, das ir das 
hus von uns uffnemend und uns des lebens tr&sten, mit unser 
habe abzuziechen. das wend wir ewiklichen umb üch ver- 
dienen, das wir by dem leben bUbend!« wart innen abgeslagen, 
sprechend: der stürm were bereit; weitend sü sich an gnode 

1) geben, das'mSchtend sü t&n. 

Item zem andren mole rüfftend sü die von Basel an und 
bettend als vor; stundend alle in blossem kurissz nebend ein- 
ander, mit erschregem hertzen. 

Item zem dritten mol bettend sü als vor, so vil me : »lieben 

isgnedigen herrenl mag uns gnode nit beschehen, noch anders 
sin mag, wir müssend dem hencker under sin band zu sterben, 
so wend sant Jergen anrflffeli und das beste tun! so müsz so vil 
lattes mit uns dorumb verderben, das man sieht, das wir uns 
ritterlichen weren! wend ritterlichen sterben It 

20 Item bettend aber umb das leben; giengend die von Basel 
zu rotte, sprach her Hans RAtt der burgermeister zu innen: 
obe dehein edelman de were bi innen, das sü das seittend 
und dehein bergen doran dettend. denne sü wol sechend, es 
were z& beden sitten nütz denne ein sterben ; denne sü weitend 

25 das hus'ie han. sprach Uolrich Scutze by sime eide: nein; 
der adel were abe, und nütz denne gütgesellen und gütgewun- 
ner. bedochtend sich die rette mit den von Bern, werte 6 
stunden^; wart geantwurt: »wend ir das hus uffgen uff, gnode, 
so wend wir das nemmen, nit anders.! findend wir aber kein 

^ edelman dorinne, so ist es als abe, als bettend wir es gewunnen 
mit dem stürme! ist üch das eben, das sige! ist es üch nit 
eben, so tünd das beste; wend wir euch tun!« 

Item als noch irem bedencken rüffend sü den von Basel 
wider und gebend innen das hus uff, uff gnode on furwort, und 

^das sü innen seitten, obe der von Basel buchsen^) do were. 
sprochend sü: »jo!a — «so zAgend sü uns!« als wart sü gezöget; 

1 ) Die nachfolgiende Unterredung geschah auf den Trünunem der ver- 
brannten RheinbrQcke, zwischen Stadt und Schloss; s. oben S. 262 und Brüg- 
linger, S. 196. 

2) Vgl. unten Anonymus, Bl. 207 : bisz mittage. — Der erste Ruf von 
Seite der Belagerten war Morgens 7 Uhr erfolgt, als der Sturm beginnen sollte; 
1 BrOglinger, S. 196. 

3) Die Rennerin ; s. oben S. 261 Anm. 5. 



^ 



266 Appenwiler. 

was verfallen mit dem gemüre. als nomend sü das hos inu, 
stallend ir baner und Bernne uff das slossz^]. als dotend sü 
den gesellen gnode, liessend sü abe ziechen^ nit me denne mit 
Iren kleidren. als werend die von Basel gesin, sü werend er- 
slagen^). denne woiend vil adels, die man nit kante, als süs 
beschissen, bestöbet worend ; bettend die von Basel umb geleit, 
das in nütz besehe, satzetend sü alle in ein schiff, was spote: 
der fürt sü bis gon Hunigen^}. als luffeud sü by nacht 
gon Seckingen; dem fursten was nit so leidig umb das slossz, 
allein umb die getruwen gesellen; do er sü ersach, do weinde 10 
er for frAden. die von* Falckenstein, Blümneg, Wiszneck^) 
worend dorinne, sum by SO personen. do wart grossz gut 
umesig dofunden, von sident&chren, guttren, buchsen; besunder 
ein trog mit itel [228] brieffen, besunder alle brieff, wie der 
Telffin kam uff die von Basel von des krieges wegen ^]; das i& 
sich die von Basel wundertend an dem von Grönenberg, asso 
holt sü imme worend^). 

Item die von Sanen, Sibental luffend in das slossz, nomend^ 
was sü tragen mochtend, das beste, tdcher, kleider, und zugend 
hein^); das sü umb eide und manen nütz goben, das sü und 20 
die von Bernne und Solotorn weitend einander erslagen han, 
so bfisse volg ist es gesin. 

Item worend im slossz 70 bet, das dozü gehört, 6 füder 
wins, 40 Sitten fleisch, 4 ochssen im saltz, saltz genüg. 

Item do worend by 35 buchsen^); ein teil worend der von 2s 
Hastat d). 

10. lt. Em,: weinder er. 13. Hb.: besunde. 24« H0. : oaaen im wüts säte genäg. 

1) »Die förmliche Uebergabe erfolgte um Vesperzeit; s. Beinheim, BL 9, 
und Offenburg, Bl. 38»». 

2) Ueber die Stimmung der Bemer vgl. BrOglinger, S. 196 ff> 

3) D. h. bis zur Klybeck, zwischen Basel und Klein-Hüningen, am rech- 
ten Ufer; s. Beinheim und Offenburg a. a. O. 

4) »Heinrich von Wissnegke der junge« trat 1436 in die Rittergcsellachaft 
zum St. Georgenschild, der auch die meisten der oben S. 262 genannten Edel- 
leute angehörten ; s. Lichnowsky V, Reg. No. 3658 ff. 

5) Hieher gehören 2 Briefe vom 10. April und 12. Juli 1444, welche in 
der Cohnarcr Bichtung Bl. 231^ ff. copiert und ebend. Bl. 231. 577^ erwfihnt 
sind. Sie sind abgedr. bei Brückner V, 461 ff.; s. auch S&cularschrift 1844, 
S. 26 und 27. 

6) Ueber Wilhelm von Grünenberg, den abwesenden Pfandherren des 
Schlosses, s. oben Rathshücher S. 55, Anm. 4. Basel z&hlte ihn Übrigens 
schon geraume Zeit zu seinen Feinden, und deshalb gehörte er auch zu den 
Verbannten vom 21. Juli 1445; s. S&cularschrift 1844, S. 41. 

7) Ueber diese Plünderung vgl. Brüglinger, S. 198. 

8) Den Antheil Basels an der Beute s. Ob. I, 378. 

9j Hans Oswald von Hadstadt, Ritter, sandte an Basel seine Absage erst 



1445. 267 

Item an sunnentag vor Mathei anno 45 zugend die vonsept. to 
Basel mit den Eignossen^], wol mit 10 000 mannen^), für 
Seggingen, donoch ssu vespei zoch der groff von f elidisz und 
groff Hans von Friburges gezug^). der gezug werte mit wegen 

5 und karren von 8 fr&ge bisz uff 12, das man sehatzete, das 
die fordren z& Rinfelden worend, do die lesten denecht zu 
Basel worend^). des volckes was so vil, das der leste resig 
zug hielt bie dissent dem Homne zu vesper. die selbe nacht 
logend SU zu Bughin ^}, zu Swertzstat^j. 

10 Secunda frflge wart Swertzstat das slossz gantz verbrennet, sept. 20 
grosz gut von wine, von körn, huszrat on zall^). 

Item sexta ante festum asumptionis Marie 45^) zoch mauAag. 13 
U83Z mit der baner gon Fürt; brantend das stetlin, was dorinne 
was, grosz gut mit körn , huszrat. sü schussend manigen schütz 
]5 mit darrasbuchsen, das keim mönschen kein leit nie beschach, 
on zwei kint wurdent erschossen. 

Item Alten Fhirt wart ouch verbrennet; vil koms wart 
gon Basel gef&rt^). 

6. Hj).: worend do liesten. 11. Folgt leerer Zwischenraum von iJ4 Seite. 

am 6. Biai 1446; 8. Brief b. V, 25. Neben ihm erscheint 1448 unter Basels Fein- 
den noch Wigelitz (Wigalois) v. H.; s. Ob. I, 397. 

1) D. h. mit dem Belageningsheere von Rheinfelden, das am 17. Sept. 
nach Basel gezogen war; s. Brüglinger, S. 19S. 

2) Vgl. Beinheim, Bl. 9»»: by 8000. 

3) Diese letztem Zuzüge , vom Grafen Hans von Aarberg- Valangin ge- 
filhrt, zählten 500 Mann und sind in den 8000 bei Beinheim inbegriffen ; s. ein 
Fragment über diesen Zug in Berlingers Zusätzen zu Etterlin, Bl. 94. 

4) D. h. die einzelnen Abtheilungen folgten sich in grossen Zwischen- 
räumen, ohne rechte Ordnung. 

5) D. h. in der Ebene zwischen Rheinfelden und Beuggen, wo bis zum 
II. Sept. Herzog Albrecht sein Lager gehabt hatte; s. Berlingers Zusätze 
a. a. 0., und vgl. oben S. 259, Anm, 9. 

' 6) Schwörstadt, 2 Stunden oberhalb Rheinfelden, gehörte den Brüdern 
Hans und Jakob von Schönau; s. Cohnarer Richtung BL 08. Dieses Dorf war 
schon auf einem früheren Zuge geplündert und gebrandschatzt worden; s. unten 
S.279, zum7. Julil445. 

7) Schloss und Dorf wurden von den Bemem verbrannt, gegen den Willen 
der Basler, welche noch am 15. September für das Dorf einen Brandschatz von 
300 Gl. quittiert hatten ; s. Berlinger, a. a. O., und Cohnarer Richtung, Bl. GS ff. 
und 276. — Ueber die vergebliche Belagerung von Seckingen , die nun folgte, 
B- Brüghnger, S. 108, und über die weiteren Ereignisse vom October und No- 
vember d. Jahres s. unten S. 270, auch Beinheim, Bl. 10»» ff. 

B) Dieses Datum bezeic&net nur den Aufbruch, bei einbrechender Nacht, 
l'eber diesen Zug vgl. Brüglinger, S. 192; auch Beinheim, Bl. 8, und Ob., 
Bl. 36b 

9) Ueber die frühere, nur vorübergehende Einnahme dieses Schlosses, 
am 3. Mai d. J., s. unten S. 276. 



268 Appenwiler. 

8ept. 15 Item quarta post exaltationem sancte crucis 45 nomend 
die figend dem spitel zu BaseP) das viche bi Guiidoltiiigen. 

Dec.4/5 [228^] Item sabato post Andiee 45 zugend die von Basel 
ussz, z& nacht zwuschend 2 und dru^], mit 100 pherden, 600 
fuszgenger; zugend in Landserampt, des ersten gon Slierbach^). s 
woiend alle geflochen in die kilchen und tum mit geschutse; 
hattend das dorff biantschetzet für 200 gL do die von Basel 
dennan weitend ziechen, schussend sy abe dem tumne figent- 
liehen, das drige geschediget wurdent. slügend die von Basel 
wider umb, brechend mit grossen höltzeren die kilchen uff. lo 
do sü die tur nit mochtend gewunnen, leittend sü holtz, strAw 
an, stiessend an, das die kilche gantz verbran. was dorin ge- 
flöchted was, kam nütz usz, on ein teil des heltums. das dorff 
Dietwiler gantz verbrennet; win, kom, vil viches genon wart 
und eil gefangnen. u 

Item der schulthessz von Landser brecht die dSrffer umb^): 
er wolt nütz Ion geben. 

Item Geispeltzhin, Uffhin, Waltenhin^), Sieren tz die mulen 
gar und gantz verbrennet, mit Slierbach. 
D«c. 5 Item dominipa post Andree 45 komend die von Nuwen-20 
burg^) mit 30 pferden, brantend die segen^ schüren zu Cluben^], 
das sesszhus lostend die frowen. 

Dec. 20 Item secunda ante Thome^) hattend die fuszgenger') von 

(•d. 13 ?J 0-0/ 

1. Hb.,: XLVI. 13. Hs. : kan ntiti nsz. 

1) lieber den Spital, der bis 1845 auf dem Areal der jetzigen Kaufhaus- 
gasse lag, s. Fechters Top. 29 ff. 

2) B. h. in der Nacht vom 4. tum 5. December; vgl. Beinheim, Bl. 1 1^ 

3) Schlierbaeh und Dietwiler, beide bei Landser, gehörten theilweise 
Hans Bernhard ze Rin, dessen dortiges Weiherhaus gleichfidls verbrannt wurde ; 
s. Colmarer Richtung, Bl. 43 und 422^ 

4) Dieser Schultheiss Jakob Buchser, der die Herrschaft Landser für den 
landesabwesenden Hans MQnch von Landskron verwaltete, gehörte zu den Ver- 
bannten vom 21. Juli d. J. ; s. Sficularschrift 1844, S. 42. 

5) Diese 3 Dörfer liegen zwischen Landser und Sierenz, und letzteres 
halbwegs zwischen Basel und Mülhausen. 

6) D. h. die dort liegenden östreichischen Söldner; s. Brüglinger, S. 199, 
Anm. 4. 

7) Klybeck, damals ein Weiherhaus, am Rhein, Va Stunde unterhalb 
Klein-BaseL 

8) Genau genommen stimmt dieses Datum nur zum 20. December. W&re 
jedoch dieser Tag gemeint, so würde er wohl schon hier — wie gleich nachher 
— »vigilia Thome« heissen. Es scheint daher eher der vorhergehende Montag 
gemeint zu sein, d. h. der 13. December. 

9) Ausser den reisigen Söldnern und den Schlossbesatzungen hielt Basel 



5 



1445. 269 

Basel gefangen Hans von Ramstein i) by Habgeszliin^), und 
gefÜrt gon Basel, bot 60 guldin, das man in nit fiirt gon 
Basel; es mocht nit sin. der wart ertrencket. 

Item vigilia Tbome zugend die von Basel in Pfirteramptoec 20 
mit wegen; brochtend grosz gut mit, kom und anders. 

Item ipsa die Thome 45 ssü nacht bran es in der deinen Dec. 21 
stat. der selbe wart ouch yerbrent selbander; hattend 14' s. 
genon^). 

Item ipsa die Thome 45 frAge uff 5 brantend die figendeDee. 21 
loBiningen, Botmingen ^); was der von M&rsperg selb do. 

Item sabato post^j zoch man gon Tannekileh. nomendD«e. (is) 
dem kilcheren ^)/ was er hatte; wart z& Basel am marget ver- 
köfft; dorzü gewundet. er hat den yon Basel übel geret. 

Item sexta post Bartholomei 45^) kam ein reisig züg, hielt Aug. 27 
13 gegen Riechen uff dem felde, nomend das viche^) zu der 
deinen stat. 

Item am fritag ante nativitatis Marie 45 wart dem von sept. 3 

Baden Liell verbrennet, vast geplündert^ der wiger gefischet ^j. 

« 

10. Hb.: M^sperg. 

in diesem Kriege noch 49 Söldner zu Fusa, die von der Stadt aus Streifzüge 
imteniahmen ; s. Ob. I. 260. 

1) Et war ein Bastart und gehörte zu den Verbannten Tom 21. Juli; 8. 
Sftcnlanchrifti S. 42. Der Rath zahlte für diesen Fang 45 Ql.; b. Jahrrechnung 
1446, S. 429. 

2) Habsheim bei Mfllhausen. 

3] D. h. sie waren vom Feinde zur Brandstiftung gedungen und hatten 
vorläufig als Angeld 14 s. erhalten. Vgl. unten zum 3. April 1449 einen fihn- 
liehen FaU. 

4) D. h. die Dörfer, nicht aber die Weiherh&user; s. BrOglinger, S. 203. 

5] Annähernd zu diesem Datum, d. h. ztun 24. December, erwähnt einzig 
die Strassburger Archivchronik — und ihr nach Wurstisen 401 — einen Streif- 
zug Ton 80 Baslem in's Elsass, der mit einem Verlust von 18 Todten endete, 
aber mit dem hier erzählten nichts gemein hat ; s. Code historique de Stras- 
Ixmrg n, 173. — Zum hier erzählten Zug hingegen ist statt »sabato post« zu 
lesen: sabato ante (18. Dec.}. Denn schon am 19. December schrieb Markgraf 
Radolf Ton Röteln deshalb an Basel, um sich über diesen Ueberfall zu beklagen ; 
B. Cohnarer Kichtung, Bl. 428^. 

6} Tannenkirch, 4 Stunden von Basel, gehörte zur Herrschaft Röteln, 
welche in diesem Krieg als neutral galt; s. BrQglinger, S. 187, Anm. 7. — Der 
Pfarrherr hiess Joseph Hager und war Johanniter; s. Colm. Richtung, Bl. 44^ 

7) Ueber diesen Angriff, der während der Belagerung des Schlosses Rhein- 
felden erfolgte» Tgl. Ob., Bl. 37. 

8} Vgl. Etterlin 175: ob 200 houpt vich. 

9} Liel, 5 Stunden nördlich von Basel, gehörte Niklaus von Baden, eiftem 
Basier Bürger aus altem Rittergeschlecht. In seiner Abwesenheit hatte die 
Beflatzung schon am 25. August das dortige Schloss übergeben; das Datum des 



270 Appenwiler. 

uct. 27 [229] Item vigilia Symonis et Jude 45, frflg uff 9, kam 
ein reisig geziig gerant für die deine stat, wol 400 pferd^}. 
als zoch das baner mit einem resigen zug^). als sprach Diet- 
rich Amman 3): »ziechen alle!« und domitte floch er, sprach, 
das sü zu den gesellen zuchend; griffend sü frisclichen an die 5 
figend. domitte rittend die figend mit eime huffen in die ge- 
sellen von Basel in den garten, do nam Dietrich Amme mit 
den sinen die flucht und rantte manigen nider^); die figend 
erstochend manigen, by 16*),- Claus Wartenberg*), Burekart 
Ziegler ^). als wolte Juncker C&nrat von Löffen^j in erstochen io 
han, sprach: »du bdszwichtl du hast hüt manigen biderman 
mit dinen mortlichen sachen schaffen erslagen!« do hies 
Amman den von Löffen liegen, do zucht der von LSffen das 
swert, der knecht die glenen under sich; werend lutt gesin, 
er hette die glenen durch in gerant. were der tich*) gesin, is 
do were grossz mort beschehen. das baner zoch in uff 5. stund ^^). 
men meinde, es were der von Wirttenberg gesin ^^), 

3. September bezeichnet daher nur dessen Zerstörung. S. oben Rathsbücher, 
S. 54, auch Ob., BL 37, und den Brief Arnold Bentzels, des Hofmeisters zu 
Röteln, vom 27. August 1445, im Briefb. IV, 253. 

1) Vgl. Beinheim, Bl. 10»»: by 300. — Diese 300 waren in 3 Haufen ge- 
theilt, Ton welchen die Basler anfangs nur einen sahen; s. die Strassbarger 
Archivchronik, im Code historique de Strasbourg Et, 173. 

2) Das Fanner mit der Hauptanacht zog erst später aus, nachdem 200 Mann 
mit 1 Geschütz unter Dietrich Ammann. ohne Geheiss des Rathes, bis gegen 
Riehen gezogen waren und die hier erzählte Niederlage erlitten hatten; s. 
Beinheim, a. a. 0. 

3) Dietrich Ammann war einer der 4 Hauptleute der Stadt, welche im 
April 1445, in Folge der Rathsänderung, neu waren ernannt worden; s. Ano> 
nymus im Codex Beinheim, Bl. 39. Er sass nicht im Rathe, sondern wurde 
1446 Schultheiss von Klein-Basel; s. Ob. I, 317. 

4) Der Rath ordnete nachher eine Untersuchung an , doch ohne Erfolg ; 
8. Ob. I, 237. 

5) Den Gesammtverlust an Todten und Gefangenen schätzt die Strass- 
burger Archivchronik auf 50, und Etterlin, S. 175, auf 40 Mann. Ausserdem 
wurden Viele verwundet und gieng das Geschütz verloren ; s. Beinheim. — Der 
Feind verlor nur 3 Mann; s. Wurstisen 400. 

6) Vgl. über ihn Beinheim: hatt die gemein uffgewicklet hinuszzeloufFen. 

7) Er war zünftig zu Weinleuten ; s. Schönberg 531, z. J. 1429. Vermuth- 
lich gehörte er zu dem in Klein-Basel sesshaften Geschlechte Ziegler, das sich 
früher »von Hiltalingen« nannte ; Tgl. oben Rathsbücher, S. 33, Axan, 6. 

8) Er war bei der Rathsänderung vom April 1445 aus dem Rathe getreten ; 
8. Offenburg, Bl. 21»». 

9) Der Mühlteich Klein-Basels, welcher halbwegs zwischen Riehen und 
der Stadt aus der Wiese sich abzweigt Laut Beinheim gieng die Flucht über 
den Fluss selbst, also noch oberhalb des Teiches. 

10) Vgl. oben Anm. 2. 

] 1 ) Die Grafen Ludwig und Ulrich von W. waren beide mit Oestreich ver- 



1445—1446. 271 

Item sexta post epiphanya domini 46 woiend 300 pheidi446 
vor der deinen stat, nomend zwei geschirre mit wine; gehört 
gon Arowe*). 

Iteni sexta 'post Yalentini 46 worend die figend^) by GunrFebr. i8 
sdoltingen uff dem reine 3), fiengen 4, tertia hora. 

Item die von Basel zugen mit der baner bisz gon Ober- 
wiler^), erschussent 5 gesellen. 

Item sabato post Agnetis 46^) hattend die von Basel ge-jan. 22(?) 
fangen wol 20 <^), und 16 rosz, geladen mit spise; gehört gon 
ij Nuwenbui^. beschach in des marggiaffen land^); wart ein 
grosz stürmen von den buren. als was 6 erstochen; des marg- 
groffen buren -müstend sich gon Basel antwurten oder 800 gl. 
geben. 

Item tertia post^) fiengend der von Basel soldner 10 vonJan. 25(?) 
liNuwenbui^, und ranttend den höbtman nider, hies der Bel- 
lenter^). als bat er umb das leben, gab swert, harnst von 
im; gelobt bi feltsicherheit , sich in 10 tagen gon Basel ant- 
wurten. der dicke gemant wart; er hielt weder eid noch ere. 

Item quarta ante Mathie 46 ranttend die vigend zem He- Febr. 23 
ä)ligen CTatz^^)y jochtend wip und man in die stat; ein koren- 
messer wart erstochen. 

7. Ha.: esclinssdnt. 11. 12. He.: der margroffen boren. 14. Hb.: flengend 

die Ton Bftsel soldner. 

bündet; doch ist hier wohl der Erstere gemeint, der seit 1444 die Grafschaft 
Moiitb61iard besai». Jedenfalls kamen diese Reisigen von Neuenburg a. Rhein ; 
denn dorthin brachten sie das erbeutete Geschütz. Vgl. Beinheim. Bl. 11^ und 
Etterlin 175. 

1) Zwei andere Begebenheiten vom Januar 1446 s. unten 8. 275 und 278. 

2) Laut Beinheim BL 27 waren es Armagnacken und zwar dieselben, welche 
in der darauf folgenden Nacht mit Peter von Mörsberg das Schloss Pfeffingen 
überfielen; Aber letzteres s. unten 8. 278. 

3} D. h. auf der Ebene oberhalb St Jakob, welche die Oberländerstrasse 
beherrscht; s. Beinheiili, a. a. O. 

4) Im Leimenthal, IV2 Stunden von Basel und 2 Stunden von Pfeffingen. 

5) Kein anderer Zeitgenosse erwähnt unter diesem Datum einen Zug 
dieser Art Hingegen hat das hier Erzählte einige Verwandtschaft mit dem, 
was Beinheim Bl. 25 zum 27. April d. J. berichtet. Sollte sich nun Appenwiler 
wirklich im Datum geirrt haben, so würde diese Nachricht zusammenhängen 
mit dem, was er unten S. 273 zum 30^ April berichtet 

6) Wurstisen 401, der hier unsermTexte sonst wörtlich folgt, hat nur 8Mann. 

7) Ueber die Neutralität dieses Gebiets s. Brüglinger, S. 187, Anm. 7. 

8) VgL Beinheim, Bl. 25^, wo die Gefangennahme des Hauptmanns von 
Neuenbürg zum 6. Mai datiert wird. 

9} Bernhard von Pelleyten oder Pellüten erscheint als Hauptmann zu 
Neuenburg vom Juli 1445 bis April 1446 ; s. Brief b. V, 6 und 20, auch Colmarer 
Richtung, Bl. 147. 

10) Die Kapelle zum hl. Kreuz vor dem Spalenthor; s. Wurstisen 401, auch 
Fechters Top. 145. 



272 Appenwücp. 

Item quarta predicta gieng die Btuben zem Tantz am Visch- 
merget an z& nacht; bran, was doiinne was. 

Von Pfeffingen wegen^). 

M&rz 3 [229^] Item quinta ante inTOcavit 46 giengend die soldner 
von Basel zu nacht ussz mit den rei9igen, bUbend über nachts 
umb Pfeffingen. firflge erstochend sü drige ; drige fiengend su, 
brochtens in die stat^). 
Min 28 Item secunda post letare frfige uff 4, 46, zugend die von 
Basel mit der baner und gezüg für Pfeffingen'). zu stunt 
fiengent sü an sturqien treffenlichen, das sü drü tor uffhuwent lo 
mit macht, des maniger geletzet wart^); der Sturm weret 6 
stunden, zem lösten kam der von MunstroU^) mit der stat in 
bis Min si eius umb ein friden bisz domstag. dozwuschend weitend sü 
irren obren enbietten ®), obe man das slossz gebe minem herren 
von Basel in^), das der stat dorussz dohein schade beschehe, » 
bis der krieg gericht wurde ; des solte die stat sich bedencken. 
bis domstag wolt er sü ein aiitwurt lossen wissen ; es solte 
fride denne sin^). 

M&rz 29 Feria tertia post letare 46 hatt Eberhart Ziegler*) der Zunft- 
meister karren, wegen gesant gor Vischingen ^®) noch wine; hat 20 
er do kAfft^^). worend verrotfi ^komend die figend an sü; 
wurdent 8 erstochen, die wine i ^ ' n. Heini Pfirter starb do. 

1) lieber die früheren Ereignisse zu Pfeffingen s. unten 8. 278. 

2) Laut Wurgtisen 401 wurden diese drei Gefangenen enthauptet. 

3) Ueber diesen Zug b. Brüglinger, S. 200. 

4) Ihre Anstrengung scheiterte an einem vierten Thore; s. Beinheim, 

EL 14. 

•«> 

5) Wie Peter von Mörsberg, der Eroberer des Schlosses, so gehörte auch 
Hans von Münstral zu jener Gesellschaft von Edelleuten, welche seit Ende 
1445 zu Altkirch war und Graf Hans von Tierstein zum Hauptmann hatte; 
B. Beinheim, BL 12. Deshalb erscheint* er hier als Schlossrogt fQr den ab- 
wesenden Grafen. 

6) NSmlich der schon erw&hnten Gesellschaffc zu Altkirch. 

7) Bischof Friedrich ze Rin, der Lehensherr von PfefBngen, hatte über- 
diess durch seine persönliche Dazwischenkunft diesen Vertrag vermittelt; 
8. Beinheim, Bl. 14. 

8) Nachdem die Basler noch am Abend des 28. Mfirz heimgekehrt waren, 
sandte ihnen Peter von Mörsberg am 31. einen Brief, in welchem er die Ueber- 
gäbe rundweg verweigerte ; s. Brief b. V, 43. 

9) E. von Hiltalingen gen. Ziegler ; s. oben Rathsb. S. 33, Anm. 6. 

1 0) Fischingen, 2 St von Basel, war markgrftfisch, also neutral. 

11) Ueber den Weinhandel w&hrend des Krieges vgl. Beinheim, BjL 13. 

l 



1446. 273 

Item quasimodo geniti 46 nam der riffe, was usszkei was;Aprii24 
denne das wetter was heissz^). 

Item balmarum 46 was ein samlichen grossz wind , mit Aprii lo 
keltin, mit sne, des geUchen nie kein mau gedockte, 
s Item balmarum gab man 1 bering umb 14 d. Aprii i 

Item der mertz anno 46 was so grimme keisz, das alleii&rz 
fruucbt, blüst und anders, usser was; er gab ein bössen swantz 
mit riffen. 

Item secunda post pascba 46 zugend 600 zu ftisse^) zu April is 
10 nacht gon Zell, mit buchsen, arenbrost; fiengend 40 man 3) 
und Scbfichlin den vogt^), brocbtend 400 höbt viches*), wart 
4 tag buttet, vil buszrotz, gütgewant, 20 gütter gantzer tflcher; 
in eime lebend 400 guldin. SchAchlin bot 600 guldin. 

Quinta post pascka 46 nomend die von Pfeffingen das Aprii 21 
15 vicke zu Gempen«), 40 kftbt. 

Item sexta post quasimodo 46^) zugend die von Basel zÜAprii(22) 
nacht ussz gon Altkilch, nomend alles das viche, nütz ussz- 
genon, by 600 höbt^), erstächt ^d an der muren 4 man, 10 ge- 
fangen; Karispach, Hirtzbach^), noch zwei i&TSer^^) verbrennet. 
20 graff Hansel) entran kum. Hirsingen wart [230] brantschetzet 
für 400 guldin i^j. ^«Himqjg^erman wart im walde erstochen. 
2 ochsen gebuttet für 15 gl y^^ verend des von Ramstein ^^]. 

Item sabato post*^) zu<* < • ' )0, rittend und gonde, für die Aprii (30) 
dein stat, slügend den t';*'^ e; broch das wür^ 

22. Hb.: woredend des. 23. Es.: ritten nnd gonde. 

1 ) Ueber diese Witterung vgl. Beinheim, Bl. 1 2^. 

2) Vgl. BrOglinger S. 201 • wol 200. 

3) Genauer Beinheii^ JSl- . ^^' 

4) Ueber Schüehlin s! unten S. 274, und vgl. BrOglinger, S. 202. 

5) Vgl Beinheim a. a. O. : 200. 

6} Qempen, 2 St. östlich von Pfeffingen. 

7) »Quasimodo« ist zu streichen, oder aber »pos^( zu ersetzen durch : ante. 
— Vgl. Brüglinger, S. 202, und Beinheim, Bl. 25. 

8) Vgl. Cohn. Richtung, Bl. 67b: 200. — Dieser Raub geschah in der 
Frühe des 23. AprU ; s. Brüglinger a. a. O. 

9) Karsbach und Hirzbach, beide an der lU, oberhalb Altkirch. 

10) Bettendorf und Wiler, welche beide nur theilweise abbrannten; s. 
Ck>lm. Richtung a. a. 0. 

11} Der Graf von Tierstein; s. oben S. 272, Anm. 5. 

12) Vgl. Beinheim a. a. O. : 200 Gl. 

13) Heinrich von Ramstein, der Ffandherr von Altkirch; s. Brüglinger, 
S. 1 74. 

14) Erg. hier: quasimodo. — Vgl. Beinheim, Bl. 25, zum 30. April 1446. 

Basier Chroniken. IV. 18 



274 Appenwüer. 

lui 18 Item quarta ante Uibani anno 46, zu nacht uff 9, zocb 
ein gezüg reisig und f&szgenger, mit buchsen, arenbosten. zugend 
ob Seggingen durch zwo mechtigi letzen uff den Walt^) mit 
macht und kumber, brantend 5 dörffer, vil sweighfiffe^; 34 
erstochen, 10 gefangen 3). nömend 100 ochsen, 300 kfige, schoff, s 
swin 300, 44 rossz und merchen, 10 pantzer. were der nebel 
gesin, in were grosz gut worden. 

Item Schftchlin wart 4 werb gemartelt, fiir geriebt gefurt. 
das man wolt gericht han, anno 46^}. 

Mai 23 Item secunda ante assensionis domini 46 zugend die von lo 
Basel ussz mit 1400 mannen, mit eim reisigen züg, mit buch- 
sen, hinderPfirt; brantend 10 dArffer zu gründe^), z& Felpaeh 
des probstes hus, wol 19 personen, und fil erstochen, 6 ge- 
fangen^), yil rossz, kflge genon. die vingend zugend alwegen 
den von Basel mit macht noch, bis sü in die stat körnend; dois 
hieltend sü zu sant Margrethen^) und brantend Bencken^). 
Mai (22/23) Item Urbani 46^) branttend sü die mulen und schüren zu 
Binningen bi nacht. 

Item die figend brantend zu Haltingen ^o) zwo trotten; des 
zoch man noch gon Nuwenburg, und nomend 20 pherd, gultend 20 

Mai 31 70 fl., tertia post Urbani 46. 

1 ) Auf den Schwarzwald, d. h. zunfidiit in's Wehrathai ; b. BrQglinger, 
S. 202. — Der Eingang des Thaies, den diese Letzen schlössen, liegt 1 St. 
hieher von Seckingen. Die Heiligen jedoch «({gen bis Yor dieses St&dtchen; 
B. Beinheim, Bl. i5b. '*' 

2) Vgl. Beinheim : ein dorff und vü hftff. — Daa Dorf Oeflingen« am Ein- 
gang des Thaies, besteht aus 4 kleinen Dörfern, und überdieBB wurde auch zu 
SchwörBtadt das Wenige verbrannt» was seit der früheren Verheerung vom 
20. Sept 1445 wieder war gebaut worden; b. oben S. 267, und Colm.Ri<Ätong.. 
Bl. 69b. 

3) Vgl. Beinheim a. a. O. : 4 gefangen. 
4] Ueber Schüehlin vgl. oben S. 273. 

5) Vgl. Brüglinger, S. 203 : 7 d&rfer. 

6) Die Cluniazenserpropstei zu Feldbach fanden die Baaler von den 
Dorfbewohnern besetzt, und alB diese mit der Uebergabe zögerten, drangen 
Bie mit Gewalt hinein, wobei 6 erstochen und 6 gefangen genommen wurden. 
S. die Klagen und Kundschaften in der Cohn. Richtung, Bl. 64^, 272, 400 ff. 
und 946 ff. 

7) St. Margrethen, die Kirche auf der Höhe bei Binningen. 

8) Zu Benken, im Leimenthal, waren die basier Oeschlechter Schaler und 
von Laufen begütert; b. Brückner IV, 299 ff. 

9) Diesen Handstreich Peters von Mörsberg ISast BrOglinger, S. 203. dem 
Zuge nach Feldbach noch vorausgehen, und auch Beinheim, BL 25^ setzt ihn 
in die Nacht vor dem 23. Mai. Vor »Urbani« ist demnach zu erginzen : se- 
cunda ante (23. Mai). 

10) Haltingen, in der Herrschaft Röteln, H/s St von Basel. 



1446. 1445. 275 

Item quaita post Eraszmi 46 zugend die von Basel gon Juni s 
Otmerszhin bi nacht und branttend es zu gründe, und das 
closter^); erstochend in der eptischen hus^) Hans Pfaff^] von 
Hungen selb 6, donoch verbrennet, 10 gefangen^), do tourdent 
5 8 d6rffer verbrant*), Blodetzhin, Yessenhin, RumerszUn, Tes- 
senbin, Hirtzvelden, den von Nuwenburg die brug am Giessen, 
400 höbt viches genon; 100 engieng in das holtz®). bette man 
Ottmerszhin nit verbrent, so were in 1000 höbt worden, vil 
gefangen^). 

iu Item die von Basel zugend mit 2000 mannen, mit gezüge, y^ 

Anthonii 46®), gon Wilen, und 300 karren, wegen; lüdent die 
gescbirre mit wine, mit gewalt. donoch am dritten dage ge- Jm. 20? 
lieber wise als vor^). 

Item dominica post Philipi et Jacobi 45 wart min her von 1445 
i*^ Beinwiler ^<>} gefangen, frfige uff 3 ; dotend die von Mörsperg^^). 
wart gefürt gon Pfirt, donoch gon Tattenriet. 

11. Hb.: ÄnthOnU XLV. 

1) lieber diesen Zug s. BrOglinger, S. 204, sammt Beilage 11, S. 217 ff. 

2) Aebtissin und Convent waren schon längst weggezogen; B.'Colm. 
Richtung, EL 433b und 440^. 

3) Zwei Söldner d. N., beide aus dent Elsass, erscheinen in einem Fehde- 
brief vom 14. Jan. 1446; b. Brief b. V, 58. 

4) Lies: 5 gefangen; s. oben S. 219. 

5) Brüglinger, S. 204, der noch Banzenheim nennt, zählt nur 6 Dörfer. 

6) In die untere Hardt. 

7) ' Ueber den während dieses Zuges zu Constanz geschlossenen Frieden 
8. BrOglinger, S. 204 ff. 

8} VgL Beinheim, Bl. 12^. — Wie die Jahrzahl, so scheinen auch die 
Zahlen der Mannschaft und der Fuhrwerke — 2000 und 300 — Yerschrieben 
aus 200 und aus 30. Vgl. hierüber Ob. I, 257, 313 und 364, wonach etwa 
200 Mann auszogen und 22 Fuder Wein als Beute vertheilt wurden. Dieser 
Wein war Übrigens, wie sich nachher herausstellte, theilweise baslerisches 
Eigenthum. 

9) Dieser Zusatz, als ob nach 3 Tagen ein neuer Zug gefolgt wäre, wird 
durch keinen anderen Bericht bestätigt 

10) Als Abt dieses Benedictinerklosters erscheint 1443 Johannes Streng, 
und 1447 Johannes von Etingen; s. Mülinen, Helvetia sacra I, 70, und Stadt. 
Urk. 1447 Sept. 13. — Graf Hans von Tierstein, als Kastvogt des Klosters, be- 
klagte sich, dass der Abt mit Basel ein Burgrecht geschlossen hatte, und 
Ijetxterer blieb in Gefangenschaft bis zum Frieden vom 9. Juni 1446. S. Colm. 
Richtung, BL 28 und 102b. 

1 1) Peter und sein Bruder Konrad. Letzterer besass damals pfandweise 
die dstreichische Herrschaft Delle oder Tattenried, zwischen Beifort und 
Pruntrut 

18* 



/ 



276 Appenwiler. 

(Mfti 3/4) Item die von Basel zugend gon Alten Pfirt '), brochtend 

100 viemtzel koms^). 

Item Urbani anno 45 wart Waltikoffen, die wigerhusser^), 
Mai (20) das dorff , gantz verbrennet, do fand man vil hamesch , der 

zu Sant Jacob was gesin; vil korns gon Basel gefArt. & 

[230^] Der zug in das Briszgowe*). 

Item die von Basel zugend ussz mit dem höbtbaner, wol 
Aug. 3 mit 4000 mannen, tertia, inventione Stephani 45; zugend in 
das BriBzgow, ein mil von Brisach und Friburg, legend mit 
macht im land 3 tage, des lag ein mechtig reisig züg züie 
(Ang. 4)Kilchoffen, do umbe. als ordent die von Basel sich zem strit, 
das rosszfolck zem spitz; do wart dem Slosser von Bern das 
baner empholen, der was in zweien stritten gesin. denne der 
fürst hat innen enbotten zu stritten^), als zugend die von 
Basel ussz der legerstat furher und furcher, noch strites recht is 
do kam niemand; die figend legend still, do es sich nit 
machen wolte, als stiessend die von Basel ein mechtig dorff 
an brennen <^), do grosz gut von körn und win was, obe der 
fürst mit den sinen komen wolte; worend nit ein fiertei mü 
von einander, do der fürst nit an wolte, zugend die von Basel üb 
mit der baner furcher ab zwo milen, brantend 10^} der besten 
dörf&en die im Briszgowe legend, on zwei dörffer^) wurdent 
brantschetzet fiir 1400 guldin; des gab ein edelfrowe iren sun 
zu f&ren gon Basel, bis das gelt kam. der schade wart über- 
slagen für 8000 guldin; denne kom und win was unmessig fil, £ 
das verbran. für 2 dorffer. Tunsei, noch eins, wolt man han 

23. Hb: bantschetz«! far XIIII« gnldin. 

1] Ueber diegen Zug vgl. Brüglinger, S. 185, auch Beinheim, BL 5^», und 
Offenburg, Bl. 28. Der Aufbruch geschah in der Nacht vom 3./4. Mai 1445. 

2) Vgl. Beinheim : 500 viemtzel. 

3) Von diesen 2 Schlössern, welche ohne Widerstand übergeben wurden, 
gehörte das eine Konrad von Eptingen gen. Huser; s. Golm. Richtung, Bl. 40. 
— Der Aufbruch zu diesem Zuge, der ursprünglich nicht dieses Ziel hatte, er- 
folgte in der Nacht vom 19./20.Mai; s. Beinheim, Bl. 5i>, und Offenburg, B1.2S. 
Das Datum »Urbani« w&re demnach zu ergänzen durch: quinta ante (20. Mai\ 

4) Ueber diesen Zug s. Brüglinger, S. 187 ff. 

5} Ueber Herzog Albrechts persönliche Gegenwart s. Brüglinger, S. 192. 

6) Feldkirch ; vgl. oben Brüglinger, S. 190, Anm. 3. 

7} Ueber diese Zahl vgl. Brüglinger, S. 190, Anm. 6. 

8) Bremgarten und Eschbach; s. Colm. Richtung, Bl. 44^ und 427 ß^ 
femer Ob. I, 302. Der Brandschatz für Bremgarten betrug 200 Gl ; für beide 
Dörfer also jedenfalls eher 400 Gl. als 1400, wie die Hs. hat. 



1445. 277 

• 

geben 1100 guldin^); hattend geseit itkAgstricher« ; do müst 

68 brennen, die von Basel zugend für die stat Nuwenbuig ; (Aug. 3) 

es kam abei niemand^). 

Item an witwnchen zugend die vigend den von Basel noch, An?. 4 

b wol mit 1000 mannen 3), bisz gon Sliengen, das sü nie dorstend 
angriffen, do stalletend sich die von Basel aber zu strit, we- 
rend.sin fro gesin. als hattend die figend einen graben inne, 
weitend nit an. als stiessz der buchsemeister hagelbuchsen 
an^], schossz under sü, den fender selb 5 zu tode. die figend 

lu zugend gon Nuwenburg; was ein grossz macht komen. die 
von Basel logend zu Bellicken über nacht, do hattend die 
fiend einen retscher, solte sü verbrant han; der wart gefangen, • 
der kopff abgehowen. als zugend die figend gegen tage den (^ug. s) 
von Basel noch, bis gon Kilchen^). sü schüffend nütz und 

to zugend gon Bamnach^); das wart verbrennet, und Eckenhin, 
das gon Basel hort^). 

Item obe die von Basel in die stat komend, uff dornstagAng. 6 
45, brantend su Otlicken das hübsche wigerhus. morndes wartAag. e 
der wiger gefischet, ein hört von vischen gefangen. 

20 Item die priesterschaff wachte uff dem richthussz, und 

tünherren; den gab man genüg, was sü woltend. 

Item wenne man sturmde, was der stiff^) ir ende geben 
mit hamesch uff der Pfaltz, und die von sant Martin und 
sant Peter uff Platz»). 

2s Item ich Erhart Appenwiler wachte 8 necht uff richthussz. 

Item der adel und achtburger wurdent ussz dem rat ge-t445 
stossen misericordia domini 451^). als komend sü wider in ^" 



1) XI*^ vielleicht verschrieben statt III*^. Vgl. oben S. 188, Anm. 8. 

2) Was hier von Neuenburg gesagt ist, gehört zum 3. August, während 
alles vorhergehende imd nachfolgende den 4. betrifft; s. BrOglinger, S. 187. 

3) Sowohl Offenburg, Bl. 35, als Brflglinger, S. 189, schätzen das feind- 
liche Heer weit höher. 

4) S. Wurstisen 395 : die hagelbüchse, welche 9 röhr auff einer achsz hat. 

5) Kirchen, am Rhein, 2 St. von Basel. 

6) Bamlach, bei Belligen. Alle diese Dörfer, von Schliengen aufwärts 
bis Kirchen, gehörten dem Hochstifte Basel. 

7) Eggenen, 1 St. östlich von Schliengen, gehörte dem Basler Borger 
Nikiaus von Basel; s. Colm. Richtung, Bl. 109. 

8) D. h. der Geistlichkeit des Münsters und den Schreibern des geist- 
lichen Gerichts. 

9) Die Aüarmplätze der Bilrgerschaft s. bei Offenburg, Bl. 2SK 

10) S. hierüber Offenburg, Bl. 20 ff., auch Anonymus bei Beinheim, Bl. 38 ff. 



278 Appenwiler. 

Not. (4) Martini ^), on der von Berenfeltz und Surlin; hattend ir br&der 
under den Agenden 2). 

1446 [231] Feria sexta post Valentini 46, noch mitternachts), 
Febr. 18 Qfg^jg ^^j y^j^ Morsperg YteSingen und fieng alle, die do 
worend, zammen in die Stuben ; band innen die hende, Dietrich s 
Surlin und sime sune euch, plündert, was der Surlin do hatte, 
als wüste Isselin al gebunden zer muren ussz, bi grosser fin- 
steren; die andren körnend in die turne, der Surlin wart wunt, 
und mit sime sune gebunden gon Pfirt in den tum gefiirt; 
doch der Surlin was schuldigt). lo 

» 
Jan. 14 Item Anthonii, sexta ante, anno 46, wart Slatter erstochen 
vor Eschemertor^]. 
1445 Item die von Basel gewunnent Blotzhin das slossz, Marci 45 ^). 

April (13) 

(April 20) Wie Pfeffingen zem ersten gewunnen wart, tertia 

post Martini 45^). . ^^ 

Item die von Basel zugend ussz mit eime grossen voick 
und gezuge, mit der baner^), für Pfeffingen, in der meinung 

4. Di« obere £cke Ton Bl. 231 abgeriuen: daher in der He. nnr: Pfeff.... 13. B».: 
Marci XLYl. 

1) Genauer: quinta ante M. (4. Nov.) ; 8. Beinheim, Bl. 11. 

2) Adelberg von Bärenfels, der zu den Ausgewiesenen vom 21. Juli ge- 
hörte, war Arnolds des BOrgermeisteni Bruder; s. Boob 860. — Oberstzunft- 
meister Hans Surlin war der Schwager Heinrichs von Ramstein ; s. Briefb. IV, 
215. Diese Ausschliessung galt übrigens nur für die Dauer dieses Krieges; 
8. die Bathserkanntniss s. d. im Cod. Beinheim, Bl. 42. 

3) D. h. in der Nacht vom 18./19. Febr.; vgl. oben 8. 271, Anm. 2. — 
Ueber diesen Ueberfall vgl. Brüglinger, S. 199, und Beinheim, BL 13. 

4) Vgl. Brüglinger : wan sy hatent ein dorlich wacht. — Auch der Rath 
machte ihn für den Verlust des Schlosses verantwortlich und weigerte sich 
deshalb, ihm den rückständigen Sold zu zahlen. Nach langjfihrigem Streite 
wurden die beidseitigen Klagen schliesslich einem aus drei Rathsglledem be- 
stehenden Schiedsgerichte vorgelegt, welches im Nov. 1450 entschied, daas 
die beidseitigen Forderungen sich gegenseitig aufheben, und mithin beide 
Parteien davon abstehen sollen . S. den Auszug aus diesem Urtheil in Wurstiaens 
Analecta, S. 402. 

5} Ueber den Tod Hug Schlatters des Rathsherm s. Beinheim, BL 12*». 

6) Blotzheim wurde am 13. April eingenommen; s. Beinheim, BL 5, und 
vgl. Brüglinger, S. 184, auch Offenburg, Bl. 24. 

7) Statt »post Martini« lies: ante Marci (20. April} ; s. Beinheim und 
Offenburg a. a. O. 

8] Das Panner mit der Hauptmacht zog erst Nachmittags aus, nachdem 
die Reisigen schon Morgens, jedoch vergeblich, die Uebeigabe gefordert hatten ; 
s. Beinheim. 



1445. 279 

das zu slissen uff dezr grünt, do sü sich nistend den gesnig 
zu schiessen, do die firowe^) sach die macht komen mit der 
baner, do erschrack sü von der kinden wegen'] und schre 
mort über groff Hansen^), hüb sich übel, als kam min her 

5 von Basel und Juncker Rüdolff von Ramstein^). mit grosser 
not wart tegdinget mit der stat, das sü das slossz innomend 
on brechen, und was dozü ouch gehört, lüt, gut, dirffer; was 
im slossz was^), wart verlorn. 

Item Juncker Rüdolff von Ramstein nam die von Tierstein 

10 hinder sich uff das pherd, mit iren cleidren, cleinAt, und die 
jungen herren, und fürt sü mit im gon Zwingen^), do sü für 
das slossz kam^), schrey sü mort uff die von Basel, do sprach 
der von Ramstein: sswig; oder du und ich komend umb das 
leben !« 

u Item qarta post Martini 45^) nomend die von Solotom (Apru 21) 
Tierstein das slosz ouch in. 

Item die von Basel nomend das viche in den dörfren (Jnii 7/8) 
Swertzstat^), Nollingen, Herten, Willen, Warenbach ^®) und 
anderswo, by 1100 höbt viches; wart buttet für 1400 gl 20 

i. H. : kam mim her. 

1) Oertrad von Wineck, Graf Hans von Tierstein's Gemahlin ; s. Brief b. 
IV, 205. — Vom Schlofls aus ist die Strasse bis Basel theilweise sichtbar. 

2} Sie hatte ihre noch jungen Sdhne bei sich, Oswald und Wilhelm, 
sammt ihrem Neffen Friedrich, dem Sohne des 1437 verstorbenen Grafen Bern- 
hard v. T. ; s. Offenburg. BL 24^. 

3} Er war abwesend zu Ensisheim, und die Besatzung Hess die Gräfin 
im Stich; s. Beinheim, Bl. 5. 

4) Bischof Friedrich und R. von Ramstein waren schon Mittags einge- 
troffen; s. Anonymus im Cod. Beinheim, BL 39^ 

5) S. die ausführlichen Inventarien vom 27. April und 18. Mai d. J., im 
St. A., Geh. Reg. F. I F und F. I G. 

6) Das nahe Zwingen, an der Birs, war der Wohnsitz seiner eigenen 
Familie; s. Beinheim, Bl. 16. 

7) D. h. vor das Schlossthor von Pf ef fingen hinaus. 

8) Wie oben, so lies auch hier statt »post Martini« : anteMarci (21. April) ; 
B. Beinheim, Bl. 5b und Offenburg, Bl. 27b. 

9) Der Aufbruch zu diesem Zuge geschah in der Nacht vom 7./8. Juli 
1445; s. Offenburg, Bl. 33. -• Ueber Schwörstadt, das um 300 Gl. gebrand- 
sehatzt wurde, vgl. oben S. 267, Anm. 7/ auch Offenburg a. a. 0., und Colm. 
Richtung, Bl. 68b. 

10) Herten und Wihlen wurden gleichfalls gebrandschatzt, Nollingen 
und Warmbach aber verbrannt; s. Offenburg, auch Colm. Richtung, Bl. 30b 
und 32b Alle diese Dörfer, ausgenommen Schwörstadt, gehörten zur Herr- 
flchaft Rheinfelden. Der Zug galt mithin Wilhelm von Grflnenberg, dem 
dortigen Pfandherm. 



280 Appenwiler. 

wurdent gefangen, die von Seckingen fiengend Lienhart Gold- 
smit den soldner von Basel ^j. 

(jnii 17) Item post Johannis anno 45^) zugend die von Basel ussz 
mit dem fenlin, mit eim reisigen ziig und f&szfolck, und schnit- 
tend mit gewalt das körn uff dem Melifeld^) bisz gon Seckingen; s 
doch worend die von Rinfelden ein teil ouch doby. das kom 
wart gon Rinfelden geffirt, das su zu essen hettend. 

(Juli 11) Item quinta post vincula Petri^) anno 45 zoch der von 
Falckenstein ^) mit ^en von Segginen, mit eime uffsatz für Rin- 
felden, blögete sü ussz der stat. do wurdent 17 erstochen, 5 i» 
gefangen; der von Seckingen 8 erstochen. 

(Jnii27f) [231^] Item tertia post vincula Petri 45^) zugend die von 
Basel mit eime reisigen züg gon Seckingen , vor tage, uff das 
viche; wart verwarloset. des kam der fürst ^) von LAffenberg, 
wolt gon Seckingen sin. des wurdenddie von Basel innen ;i& 
mit grosser not das er entran wider gon LAffenberg. 

Item die von Mörsperg ^) und ander figend hattend under- 
standen zu weren das kom schniden. des schnittend die von 
Basel ir körn, was zu der stat gehört, mit gewalt, das in nie 

4. Hs. : f&tzforck. 5. Ha. : dem ellfeld. 15. Ha. : gon Seekiagvn gvsis. 

1) Beinheim, Bl. 6^ erwähnt zum »7. Juli« einen Zug der Basler bis Tor 
Seckingen. Jedoch bleibt es fraglich, ob damit wirklich derselbe Zug gemeint 
sei, welchen Offenburg, Bl. 33, unter diesem Datum erzfihlt, oder ob »7. Juli* 
bei Beinheim entstellt sei aus »27. Juli«. In letzterem Falle wSre dieser Zug 
bei Beinheim identisch mit demjenigen, welchen Appenwiler weiter unten 
erz&hlt. Vgl. Anm. 6. 

2) D. h. erst am 17. Juli; s. Beinheim, Bl. 7, und Offenburg, BL 33. Vgl 
BrOglinger, S. 186. 

3) Die Ebene zwischen Rheinfelden und Möhlin; s. Offenburg, Bl. 33t>. 

4) Lies eher: dominica ante Henrici imperatoris (11. Juli). VgL Bei- 
lage IV, auch Beinheim,. Bl. 6^ und Offenburg, Bl. 33. 

5] Vennuthlich Hans von Falkenstein; Tgl. Offenburg, Bl. 37, zum 
2. Sept. d. J. 

6) Dieses Datum (3. Aug.) ist jedenfalls irrig, da an diesem Tage Basel 
mit ganzer Macht in's Breisgau zog; s. oben S. 276. Das hier Erz&hlte hat 
aber einige Verwandtschaft mit dem, was Beinheim, Bl. 6^« von einem Zuge 
berichtet, den er zum »7. Juli« datiert. Sollte nun letzteres Datum yerschiie- 
ben sein aus »27. Juli«, so würde es zu unserm Texte stinunen. sobald wir hier 
statt »post« einfach »ante vincula Petri« lesen. Sollten wir aber »quarta post 
Petri et Pauli« lesen, so wftre hier derselbe Zug vom 7. Juli 1445 gemeint, der 
schon oben Anm. 1 erwähnt ist. 

7) Noch am 26. Juli urkundete Herzog Albrecht in Waldshut; s. Lich- 
nowsky IV, Reg. No. 1046. 

8) Peter und sein Bruder Konrad v. M. 



1445. 1447. 1448. 281 

leid beschach; on ein holtzhower wart zu Hegenhin an 8ineT(JnU23) 
erVeit selbander erstochen^). 

Item des zugend die von .Basel gon KnAringen^) und bran-(jiüi 23) 
tend do, und 6 erstochen. 
b Item Galli 45 wart Jegerhenszlin selb dritt gefangen byoet. i6 

Bamnach zu nacht, die köpff zu Basel abgeslagen ; nit me be- 
Schach innen. 

Item ipsa die Mathei apostoli anno 47 galt zu Basel ein 1447 
moBSK wins 14 d.; tertia die post galt mensura 6 d. , quartas«pt26n.27 
10 4 d.3]. 

Item anno 48 galt im Elsas ein ome wins am birge dezi448 
besten ein omen 2 plaphert, ein f&der gef&rtes wins, vas und 
win, 8 guldin^). galt das vas allein 3 gl., und in 100 joren 
grösser brest an Tassen nie wart, wer ein fas, grossz oder 
IS dein, hett geben, men hette imme eins mit wine gefuUet. 

Item des selben jors wart manig herlich win verdorben 
an den reben, vassen halb und armüt, das grösser armüt nie 
gesechen wart an barschaff, und niemand dem andren halff. 

Item anno predicto galt im Elsas quartale siliginis 3 s. 
20 rappen*^), gersten und habren geUch. 

Item zu Basel 1 viemtzel eque 12 s., ein söm 12 s.®), 
ziblen ein sester 10 d. 

Item 

10. Hier hört di« fortUnfende Schrift »af; du Folgend« ist «piter geselirieben. 
23. Mit »Item« bricht der Teit »b. Der Fnes Ton Bl. 231^ iet leer. 

1) Diesfl geschah am 23. Juli; 8. Beinheim, Bl. 7^ und Tgl. Brüglinger, 
S. 185. 

2) Knöringen, hinter Folgensburg, 3 St von Basel. Ueber die Ver- 
folgung des Feindes bis in diese Oegend, am 23. Juli, Tgl. Braglinger, S. 186, 
auch Beinheim, Bl. 7, und Offenburg, Bl. 34. 

31 VgL dieselbe Notiz, nur ausführlicher, auf Bl. 181; s. unten S. 282. 

4) Ein Fuder hielt 24 Ohmen, und ein Ohm 32 Maass ; ein Plappart galt 
2 s. oder 24 d. Stäbler (gewöhnliche Pfennige) oder 12 d. Rappen, und ein Oulden 
galt 23 s. St&bler. — Ueber den niederen Weinpreis d. J. Tgl. noch unten 
S. 282, zum 10. August 1448. Der Preis sank noch weiter im October d. J., 
d. h. nach der Weinlese ; Tgl. unten S. 285. 

5) Ein d. Rappen galt 2 d. Stftbler, also 1 s. Rappen 12 x 2 « 24 d. 
St&bler. 

6) Ein Saum Weins hielt 3 Ohmen. Diese in Basel bezahlten Preise 
sind in Baslermanze Terstanden, also in Stählern, und nicht in Rappen, wie 
im Elsass. 



1447 [181^] Anno domini 1447 Mathei apostoli galt z& Basel 
fi«pt!a?a'27cüi mosz wins 14 d., tertia die 6 d., quarta die mensura 4 d.') 

uff dem Heissen Stein 2); item ein sAm wins 30 s. 

1448 Item Laurentii anno 48 galt der best win 2 d., und 2 mosz 
Aug. 10 3^^ und ein mosz 1 haUer^); item 1 viemtzel koms 14 s.;& 

wenig obeis. 

nm oe(. 16 Item auuo domini 48 circa festum Galli hatt hertzog Ol- 
brecht von Oesterich ein span mit den von Colmar, von Eber- 
lin des Juden wegen ^), den wolt er von innen han; der wart 
im verseit. zugend uff hertzog Ludwig^); reit Gilge Kempff^) m 
mit dem Juden gon Heidelberg, dozwuschend det der hertzog 
den Juden in ocht, und wer in husete^ herbergete, hilff und 
rat dete. also dotend die von Colmar sin wip, kint, gesinde 
ussz dem hussz und stat, leittend 2 der retten, den gericht- 
schriber^) in das husz, zu behfltten, was do was, pfand und i& 
anders. 

7. Am Bande, roth: nota. 8. Hs. : Erberlin. 16. Folgt ZwisokenniiB von 

>|« Seite. 

1) Dieselbe Notis vgl. oben S. 281. 

2) Diesen Namen, fOr den ich keine genügende Erkl&rung kenne, trug 
der zum Weinhandel bestimmte Theil des Kornmarktes; s. Fechters Top. 43. 
— »Der heisse Stein« hiess auch ein Spiel; s.Strobel, Gesch. d. Elsasses IQ, 103. 

3) 1 Haller oder Heller galt ungefi&hr dasselbe wie 1 d. St&bler. — Ueber 
diese Preise z. J. 1448 vgl. oben S. 281. Ueber ihr weiteres Sinken, im Oct 
d. J., s. unten S. 285. 

4) Herzog Albrecht forderte von Eberlin im Namen des Königs die 
Steuer des goldenen Pfennigs, welche dieser an Ludwig von der Pfalz, als den 
hiezu berechtigten Reichsvogt im Elsass, schon entrichtet hatte ; s. Mossmann, 
Etüde sur Thistoire des Juifs k Colmar, S. 19. 

5) D. h. Colmar appellierte an Ludwig von der Pfalz, als den Reichsvogt 
im Elsass. 

6) Von 1436 bis 1447 war G. Kempf mehrmals Oberstmeister, d. h. erster 
BQrgermeister von «Colmar, und noch 1450 erscheint er als Vertreter dieser 
Stadt vor König Friedrich ; s. Mossmann, Recherches sur la Constitution de la 
commune ä Colmar, S. 102 und 151. 

7) Das Amt eines Stadt- und Gterichtschreibers versah zu Colmar seit 
1431 Oesewin von Winningen, laut gefl. Mittheilung von Heim X. Mossmann. 



1448. 283 



Wie Rinfelden böszlichen falschlichen gewannen 

wait 1). 

Item anno domini 48 quarta post Luce körnend 4 schiff oct. 23 
mit bilgerin^); was der von Bechberg, Hadstad, ander edel 

5 lütten j brüder Lienhart, Yalckenstein^], yil adels und sust; 
komend gon Rinfelden über die bruge^). Uesz man in, fordert 
den zoll; den gebend su. dozwuschend, als sü stundend under 
dem tor^), komend 2 schiff, als es holtz f&rte; was yol folckes, 
reisig gezug. do sü usszgiengend, sprach der zoller : »gend den 

lozoUff. der wart erstochen; luffend mit gewalt uff brugen, zu 
dem von Rechberg under das tor, erstechend etliche, als wart 
Rinfelden mortlichen böszlichen gewunnen. luffend in die stat 
mit verhencten messeren, besunder für rat, fiengend die obersten 
in turnne. ein teil wart erstechen, 44; besunder den schriber 

15 und sin mithelffer tröwetend sü zu dötten*]. 

Item sü stiessend die frowen, kint, meittlen ussz der stat, 
und süchtend den frowen an den fuden gelt, den kinden im 
munde; das Kristenortten ie hat vemomen!^) 

[182] It;em donoch suchtend sü in den husseren, enheins, 

8. Am Bande, loih: nota. 14. Hs. : beaander der sclurlbttr. 18. Hs. : kriBtenotten. 
19. Hs.: sQCbend. 

1) lieber dienen ELandstreich vgL Beilage V, ferner zwei Briefe Basels 
Tom 23. und 25. Oct, abgedruckt im Schweiz. Geschichtsforscher XII, 112 ff., 
wwie auch Beinheim, Bl. 19b ff. und die Constanzerchronik bei Mone, Quellen 
I, 345, oder bei Henne, Slingenbergerchronik 352 i. d. Anm. 

2) D. h. es kam nur ein Schiff voll angeblicher Pilger, und auf dieses 
folgten die 2 weiter unten erwähnten, mit Holz überdeckten Schiffe ; s. unten 
Beilage Ya. 

3) In der Absage vom 24. Nov. 1448 erscheinen neben den Hauptleuten 
Hans von ßechberg von der Hohenrechberg und Thomas von Falkenstein 
auch noch Hans von Rechberg d. jüngere und Hans von Falkenstein von Ram- 
stein (in Schwaben), femer Hans Oswald und Wigelitz von Hadstadt, sammt 
vielen andern, im Ganzen 133 ; s. Ob. I, 397 ff. — Ueber Lienhard Zobrer von 
Wolfsbach, gen. Bruder Lienhard, s. Rufb. I, 167, femer St&dt. Urk. 1447 
Nov. 8 und Missivenb. V, 31. Seine Absage sandte dieser erst am 7. Dec. 
1418; s. Ob. 1,402. 

4) D. h. sie landeten am rechten Rheinufer und kamen über die Brücke. 

5) Dieses Stadtthor zur Rheinbrücke war bereits besetzt durch sechs an- 
gebliche Pilger, welche Morgens zu Fuss gekommen waren ; s. unten Beilage Va. 

6) Vgl. den Brief vom 25. Oct , im Geschichtsforscher XH, 114: Und dem 
Btatschriber daselbs meinent sy einen langen todt anthan. — Laut Jahrrech- 
nung 1448/9 lieh der Rath von Basel Hans Ortlin, dem »alten« Stadtschreiber 
von Rheinfelden, sein Lösegeld von 200 Gl , und ebensoviel an Walther Baum- 
garter von Basel, seinen Mitgefangenen. Ueber Letzteren s. oben S. 137. 

7] Ueber diese Rohheiten vgL den Brief im Geschichtsforscher XÜ, 113. 



284 Appenwiler. 

hindangesetzet, das grossz gut fanden wart, die buben und 
adel zu herren wurdent, die hussz bestellet, und die gantz 
stat mit irem gewalt; manige frowe geschendet. 

Item der von Rechbeig sprach, do ier die stat gewan: >hie 
Rechberg! retta Gränenberg!«^) luffend fiir die rette, die sossend s 
denecht^); sprechend: »nü rottend unsz ouch! es det üch nie 
so nottltr zugend von leder: der dannan kam, kam zem leben. 

Item dem probst^) beschäch giossz kunber. dem wart 
genon, was er hatt, 7 kostliche fuchszrSge und mentel; einen 
liessz man imme, den besten, denne ir worend 8. man liessz im 
imme nütz; doch meinde man: er hett es beschuldet wol, er, 
sin brfldei^), die sinen, umb her Wilhelm von Gr&nenberg, 
das sü im vil zu leide geton bettend. 

Item Hans Spitz ^) kam derfon. der were in gar liep ge- 
sin; doch wart in das gut gantz und gar. lies sich zer muren » 
ab, nam ein feldsiechenrösszlin^j, rechte sin sune im holtz, 
für gon Liechstal mit kranckeit^]. Cünrat Gurley verlor grosz 
gut, kam mit not über die muren ussz, und etlicher me, die 
ich nit nemen kan. 

Item wart geseit: bettend sü zu Rinfelden gefeiet, es were 2t) 
über Clein Basel gangen. 

* Item die gon Basel komen, frowen, kint, man, die nütz 
hatteUj leittend die rette in die nuwe eilende herberg^); und 

1. Hinter »warte in Hs. ein Tintenflecic. 8. Hs.: probt. 9. He.: fnesroge. 

16. Hs. : inn holti. 19. Folgt freier Raum fUr einige Zeilen. 

1) Der Ueberfall geschah im Auftrage Wilhelms von Grünenberg, de« 
Pfandherm von Rheinfelden ; b. seinen Brief an Basel, vom 28. Oct 144S, im 
Geschichtsforscher XII, 115. Er selber kam jedoch erst am 25. Oct. nach 
Rheinfelden ; s. Beinheim, Bl. 20. 

2] Es war um 10 Uhr Vormittags ; s. unten Beilage Va. 

3) Ubich Schwab war 1441—1463 Probst des CoUegiatstifte St Martin 
zu Rheinfelden ; s. K. Schröter, Die Pröbste von Rheinfelden, S. 8. 

4) Ueber Konrad Schwab, des Probstes Bruder, s. Schröter a. a. O. 

5) Ueber Hans Spitz den altern von Rheinfelden , der zugleich Basler 
Bürger war und vor 1452 starb, und über Hans Spitz den jungem, seinen Sohn, 
den spätem Zunftmeister zum Schlüssel, s. Missivenb. V, 124 und 128, auch 
Ob. I, 4t 1 und 448, und St&dt Urk. 1452 Jan. 10. 

6) D. h. ein Pferd aus dem Siechenhause, das unterhalb der Stadt lag. 

7) Zu Liestal war an diesem Tage Jahrmarkt, weshalb viele Rheinfelder 
schon Morgens, vor dem Ueberfall, sich dorthin begeben hatten ; s. Beinheim, 
Bl. 20. 

8) Die Elende Herberge war erst seit 1441 auf dem Areal der jetzigen 
Herberggasse eingerichtet, in Folge der Schenkung Konrads zum Haupt, der 
übrigens in diesem seinem Hause auf Lebenszeit verblieb und 1454 noch lebte. 
Sie heisst hier die neue, zum Unterschied von der alten, von Joh. Wiler bei 
dem inneren Spalenthor gestifteten. In noch firüherer Zeit war eine Herberge 



1448. 285 

gab man dem meister i) gelt, sü seü besorgen, umb eilendes und 
erbennde willen, als sü usszgestossen wnrdend nagendig und 
blossz von exe und gut. das was ein fromkeit an den yon 
Basel. 
5 Item man meinde, das in barschaff- von golde funden wart 

hunderttusend guldin^); ein viemtzelsag mit plapharten, metz- 
blancken, dein gelt; item Silbergeschirre unmesig vil, das nit 
zii sebetzen was. 

Item anno 48 Galli wart so vil wins im Elsas, das einoetie 
id teil an den reben verdarb, das in niemand vassen mocht, bre- 
sten halb fassen ; ouch vil altes wins usszgelon wart, ein f&der 
gefurtes wins umb 4V2 S^-')) ^^i omen umb 9 rappen, zu Gebeis- 
wiler^) 4 mosz umb ein rappen. 

Item der von Rechberg und Gr&nenberg, Rocenhussen^),(Oct. 2411.2») 
15 Valckensten und ander stiessend die frowen von Rinfelden ussz, 
blossz in den cleidren^); wurdend ersuchet allenthalben, be- 
sunder die frowen, die vor in der stat verliben worend, ge- 
suchet in der schäm. 

[182^] Anno domini 1448 uff sant Martins nacht hat der Nov. lofu 
2i>apt von Mürbach?) ein samlunge, by 400 pherden; überzoch 
heimlichen, ungewarneter sachen die stat Gewiler. wart er- 
stigen und gewunnen, des menig m6nsche dorumb verdarb, 

4. Buidbemerkiiiig Ton Wylen H«ad; •. nnten Beilage YII. 17. Hf.: in der Mt. 

mit dem Spital verbunden. S. St. A. Elende Herberge No. 19 und 20, auch 
Schönberg 641, und Fechters Top. 32 und 93. 

1) Er hieBB HanB Herweg; b. St. A. Elende Herberge No. 19 ff. 

2) Diese Übertriebene Summe hat auch die Constanzerchronik a. a. O. 

3) Bei diesem Preise sind — wie oben S. 281 — 3 Gulden für das leere 
Fass gerechnet. Der Wein allein galt also nur 1 V2 Gulden, und dieser Preis 
für das Fuder stimmt in der That zu demjenigen von 9 Rappen für 1 Ohm. 

4) Geberswiler bei Colmar. — Ueber diesen Herbst vgl. oben S. 281 
und 282. 

5} Dietrich von Ratsamhausen zum Stein, ein Enkel des bei Sempach 
gefallenen D. v. R.; s. Ob. I, 397, auch Schöpflin-Ravenez V, 801. 

6) Diese Austreibung der Bewohner, sowie auch die Plünderung, erfolgte 
zum Theil erst am 24. und 25. Oct. Deshalb wird hier auch W. von Grünen- 
berg genannt, obschon er erst am 25. Oct eintraf; s. Constanzerchronik a. a. O., 
auch Beinheim, Bl. 20. 

7} Bartholomäus, ein Sohn Walthers von Andlau; s. X. Mossmann, im 
Bulletin de la soci6t6 pour les monuments historiques d'Alsace IV, 70 ff. 



286 Appenwiler. 

des falschen ufibatses der edelen. wurdent zwei husser an- 
gestossen, domit wart der falsch yerbrocht^). 

Not. (16) Item feria tertia post Martini^) hat der von Valckenstein 
* und Rechbeig einen reisigen gezüg ligen im hMtslin by dem 

Bothen Husse. was karren von Bratlen und anderswo wollend & 
gon Basel zu mergte und zins fflren, die nomend sü uff mit 
gewalt, müstend sweren gon Binfelden zu faren. rittend ein 
teil gon Basel zem keplen'] zu Eschmertor zühin. 
Not. 19 Item feria tertia ante Cecilie 48 wart ein gel5ff zft Basel: 
Eschmertor were gewunnen. was der von Rechberg, Falcken- id 
stein mit eime gezuge, und nomend dem probst z& sant Alben *) 
500 schoff. wurdent 2 erstochen^); wolte niemand nochin. 

Item des selben obens branttend die vigend die mulen zu 
Ougest«). 
Not. 20 Item an mitwuchen vor Ceciliee 48 wart gesturmet zu is 
Basel; rittend die vigend an die dein stat. wart yerbrent dem 
von Hegenhin Krentzach zem andren moll^); worend 4 knecht 
doruff, Stuber der zimbermann und 3. d<ns& wart die schüren 
euch verbrent; dorinne worend 200 viemtzel kom, habren, 
on how. M 

Nor. 31 Item am domstag vor Ceciliee anno 48 hattend die rette 
von Basel mit eime gezüge vor tage uff 6. stunde, woltend wol 
20 wegen geleitten mit wine gon Liechstall. do worend die 
vigend by Brattelen an sü, das sü die wegend umb sich slu- 
gend; was der reisig gezüg gon Liechstall, zu zeren. das ge-s 
schree kam gon Liechstall ; sant man 200 gesellen zu den von 
Basel, das ein geschre wart, das die von Basel zugend mit der 
. baner nohin ^), das sü zamen komend mit geschutz und schar- 

1) Ueber diesen Verrath vgl. Hans Stoltz's Chronik der Stadt Gebweiler, 
Ausgabe von J. See, Colmar 1871, S. 16. Die Jahrzahl ist dort irrig, 

2) Vermuthlich ist hier der Angriff vom 16. Nov. gemeint; über diesen 
8. Beilage IV b, sowie auch den Brief Basels an Bern, vom 17.Nov^ im Ge- 
schichtsforscher XII, 118. — Statt »feria tertia« lies daher: »sabato«. 

3) St Katharinenkapelle vor dem Aeschenthor; s. Brüglinger S. 177, 
Anm. 11. 

4) Feter L6wlin; s. Mülinen, Helvetia sacra I, 130. 

5) D. h. mehrere wurden verwundet» wovon einer tödtlich ; s. Beilage IVb, 
Beinheim, Bl. 21, und MiBsivenb. V, 59. 

6) Die Mühle beim jetzigen Dorfe Basel-Augst — Zu diesem Brande 
s. Etterlin 178: das sy gesechent die schaff über die Ergnitz das wasser ze 
triben. — Die steinerne Brücke daselbst, welche im Kriege von 1445 oder 1446 
war zerstört worden, wurde erst 1458 wieder hergestellt; s. Rufb. I, 199^ 

7) Ueber den früheren Brand, vom 10. Sept. 1445, s. oben S. 260. 

8) In Folge dessen wurden am 23. Nov. drei neue Bürger aufgenommen : 



1448. 287 

mutzelen, das den vigenden 5 wegen wuident. der woiend 
Peter Endliches 2 ; die gesellen erstochen^ und nenilich Lien- 
hart Brotkorb ein winmesser, wurdend abgezogen, den von 
sant XJiban^} nomend su ein tDogen mit vassen, slügend die 

s bödmen ussz, den knecht erstochen; der wart gon Basel gef&rt. 
das baner kam wider gon Basel zwnschend 6 und 7. do zugend 
wir pfaffen mit dem leyeschen folck mit unserem venlin hin 2). 

[183] Item an samstag vor Katherine würdent genon vonNor. 23 
den von Rinfelden vor der deinen stat Basel 5 wegen, gefurt 

10 gon Binfelden, anno domini 1448 ^j. 

Item an sünnentag zu vespeizit vor Katherine anno 48 Nor. 24 
widerseitt erst der von Grfinenberg, Von Rechberg, von Bolsen- 
hin, von Wisszneck, von Falckenstein, von Blümneg, von Pforr, 
mit andren büren tmd sust^). sü hattend aber die stat Basel 

s vor angriffen schantlichen und boszlichen, ungewamet, doby 
allen umbsessen vom adel gebotten, geschriben: nütz in die 
stat z& f&ren, öder sü weitend imme hend und füsse abh&wen, 

Item an zinstag vor Andree 48 widerseit her Hans von Valcken- not. 26 
stein, Cünrat Dürre und ander ^). 

20 Item die von Rinfelden band sant Johanns closter®] ge-NoT.30 

süssen, verbrent, Andree 48; das ist nit cristenlichen geton. 

Item die f&szgenger brochtend ein röp in, crastina Barbere, dm. s 
von Wilen. 

7. B«ndb6merIniBg ton Berlingers Hand: Hie sind pfkiFen kriegslntt worden. 

amb das wj mit der banner ussgesogen warent gen Hulfftengraben. S. Ob. I, 
394. Diese 3 Namen stehen auch imVeneichnisB im Rb. 8.210; 8. oben S.55, 
Anm. 8. — Der Hilftengraben liegt oberhalb Pratteln, gegen Liestal hin. 

1] Das Cisterzienserkloster St. Urban hatte in Basel einen Hof, jetzt 
S&gerhof genannt, am Blumeniain No. 19; s. Fechters Top. 93. 

2] Wegen des Sturmgeläutes war Alles in Waffen; s. Ob. I, 394. 

3) YgUunten BeflagelVb. 

4) 8. das Verzeichniss der Absagenden, mit 133 Namen, im Ob. I, 397 ff. 
— W.TonQrOnenberg, Hans von Rechberg, Thomas von Falkenstein, Balthasar 
von Blumeneck und Hans von Bolsenheim galten als die fünf Hauptleute. 
Hingegen findet sieh im Verzeichniss kein Wisseneck; Aber diesen s. unten 
S. 288, Anm. 4. 

5) Unter den 16, welche am 26. Not. absagten, steht KonradDOrr, fraher 
Basels Söldnerhauptmann, obenan ; s. Ob. 1, 400. Ritter Hans von Falken- 
Btein jedoch, der Herr zu Famsburg und Bruder des Thomas, galt bis gegen 
Ende des Jahres noch als neutral ; s. Basels Briefe an ihn, vom 29. Nov. und 
26. Dec., im Missivenb. V, 66 und 76, femer Ob. I, 420. Hingegen erscheint 
schon unter den Absagenden yom 24. Nov. ein anderer Hans von Falkenstein 
"Von Ramstein« (vom Schlosse d. N. in Schwaben) ; s. Ob. I, 397. 

6) Dieses ältere Ordenshaus der Johanniter lag ausserhalb der Stadt. 
Erst der sp&tere Neubau, dessen Kirche noch steht, wurde in die Stadt verlegt. 



288 Appenwiler. 

Dec. 6 Item an fritag fr&ge bracht das f&szvolck von Basel ein 
rAp von Wüen ussz kilchoff. 

Dec. 7 Item an samstag brochtend die f&szknecht 15 Y2 föder 
wins von Krentzach, 48. 

Dec. 8 Item an unser frowen tag conceptionis 48 f&rend die von s 
Rinfelden abher und brantend dem von Hegenhin ein kostlich 
torhussz^) z& Krentzach, was vor beliben; zugend foU abher 
zu Basel zu. zugend die von Basel zu innen bisz an das Hom; 
die flucht nomend die von Binfelden. 

Item der von Rechberg hat vor Rinfelden obsich uff uns m 
geleibt, als abgeslissen, gebrent. 

Dec. 11 Item quarta ante Lucie band diebSszwicht von Rinfelden 
gesellen angerant, die gon Basel zins brochtend , dem einen 
bede hend abgehowen; zwen entrunnent. 

Dec. 12 Item Fulistorff wart verbrent quinta ante Lueie 48 2). 15 

Dec. 14 Item sabato post Lucie geleittend die von Basel 19 ge- 
schirr mit wine zu mittemacht von Basel ussz bisz gon Liech- 
stal; gab ieder wagen 2 guldin den geleittzgesellen. do sü 
wider hein zugend, machtend sü umbendum für, hattend trüm- 
bleu und pfiffelen, tantzetend, obe die vigend woltend komen; » 
sü sochentz wol, sü getorstend sich nit wogen. 

Dec. 14 Item sabato post Lucie anno 48 fuit talis ventus et hör- 
ribilis in Basilea, quod omnis homo credebat perire propter in- 
gnem, si indicisset; sed deo dante nichil operabatur. 

Dec. 16 Item secunda post Lucie 48 hattend die von Rinfelden 2s 
ein frowen ertrencket, in eime bössen schifflin gon Basel ge- 
sendet mit eime brieff, hattend sü ira zübunden; der wart 
funden. 

Item ist ein tag gesin mit 72 richstetten, als die die von 
Basel band angerflffet^) umb den grossen mort und unrecht, so 
unwiderseitter sachen, die der von Gr&nenberg, Rechberg. 
Yalckenstein, Landeg, Wiszneck^), Hadstat, ander ira falschen 

10. 11. Hfl.: nir bhU geleibt. 31. Hs.: nnwiderseitten saohen. 

1) Vgl. MisBivenb. V, 83: das thorhüsdin, den katzenst^e und anders. 

2) Fallinsdorf, zwischen Liestal und Äugst, war seit 1439 vom Bischof 
an die Stadt Basel verpfändet ; s. Boos 833. 

3) Am 4. Nov. richtete Basel an 19 Reichsstädte ein Schreiben, in wel- 
chem es zu dem hier erwähnten Tage auf den 6. Dec. nach Lindau einlud; 
s. Missivenb. V, 47 und 74. 

4) Im Verzeichniss der Absagenden, im Ob. I, 397 ff., findet sich weder 
einer von Landeck noch von Wisseneck. Hingegen nennt Appenwiler beide 
Namen schon z. J. 1445, unter den Vertheidigem des Steins zu Rheinfeldeu; 
8. oben S. 262 und 266» und vgl. S. 287, Anm. 4. 



1448. 289 

helffer innen erzöget hand. was der tag Nicolay zu Liiidowe;Deo. 6 
wart ein uffslag bis Anthonii 49^), wie die stett weitend eini449 
anslag tun und den von Basel z& lulff komen. uff dem tage ^"^ ^^^^ 
was her Hans Rott, Meltinger, Halbyssen^). die yon Zürich 
iund von Costentz hiessz man von den stetten usztretten'). 

[183^] Anno domini 1448 sabato ipsa die Thome z& nacht i448 
hand die von Basel verbrent Bintzen das slossz^), und berAbet ^' ^ 
der yigenden gut. 

Item dominica post Thome 48 hattend die von Rinfelden De«. 22 
loberöbet Riechen, uff min herren von Basel ^); was von viche 
do was, wart genon ungewamet. 

Item die von Basel zugend mit der baner ussz und mit 
eime resigen gezüg, mit 2 buchsen, bis gon Wilen; es mocht 
aber nit erreten werden, doch stiessz man z& Willen an bren- 
15 nen, und zu Elrentzach des kilcherren hus WBit euch verbrennet, 
dominica post Thome 48. Dm. 22 

Item ipsa die Johannis ewangeliste^) anno 48 hattend dieoM. 27 
Ton Rinfelden ein reisigen gezug und fäszgenger, brantten 
Lupsingen ^) gantz abe, on ein hus, was ein kintbetterin. 3 her- 
20 liehe gesellen wurdent erstochen, einer verbrennet, das viche 
genomen. Sant Pentilon^j beröbet, dem priester die bftcher 
an strossz geworffen. 

Item Sil hattend ein resigen gezug und 300 fuszgenger, 

hattend 4 hfttten geslagen uff Liechstall, liessend das viche do 

25triben, obe sii uszher wurden komen. als hattend die bftsz- 

wich die brücke über das wasser abgelossen^}. die von Liech- 

2. Hs.: Anthonii XLYIII. 24. 2&. Hfl.: dx 'vielian do tribon, obe tA nuhor 

werden komen. 

1) Genauer: dominica post Antonii (19. Jan. 1449). Ueber diesen neuen 
Tag zu Lindau s. den Brief v«om 10. Febr., im Missivenb. V, 88. 

2) Ludmann Meltinger und Heinrich Halbisen; b. Ob. I, 418. 

3) Zürich hatte Bein BündnisB mit Oestreich noch nicht aufgegeben, Bon- 
dem wartete hierüber noch auf einen Schiedspruch, der erst am 13. Juli 1450 
erfolgte. 

4) Binzen, 2 8t. von Basel, gehörte W. von Grünenberg; b. Cohn. Rich- 
tung, BL 31. 

5) Riehen gehörte dem Bischof von Basel, der an dieaer Fehde nicht be- 
thdligt war; 8. Beinheim, BL 21^. 

6) VgL Beinh. a. a. O. : am aambstag (28. Dec). 

7] Lupaingen, 1 St BÜdwestlich von Liestal, gehörte lum baseUBchen 
Amte Waidenburg; b. Boob 800. 

8) St Pantaleon, zwischen Lupsingen und Liestal. 

9) Vielleicht die Brücke über die Ergolz. 

Beeler Chioniken. lY. 19 



290 Appenwiler. 

stal an sü widerumb; do sochend sü ein veiborgen hütt, 

zugend in die stat^), schützend mit buchsen und arenbrost.in 

sü, das sü nütz schüffen; doch bianttend sü Frenckendorff. 

1449 Item 49 am achten tag, frAge uff 2, zeuch ein reisiger 

^^' ^gezüg, 100 pfert; vil füszgenger, zu Basel ussz uff offentur uff& 
die von Binfelden; als fluchend die von Rinfelden. 

Jan. 3 Item sexta ante epiphanie domini 1449, firAge uff 3, kam 
Warnung: sü bettend liechstal umbiegen, zoch man ussz mit 
der baner und mechtig reysig und füszgenger; und do sü ko- 
mend noche zu, kam dem volk mere\ es were nütz, worendi» 
betrogen gesin ; des wurdent 2 gefangen, die man meinet yeretter 
zu sinde. 

Jan. 6 Item epiphania domini anno 49 komend die vigend für 
Basel gerennet, bi 100 pf erden, rittend bi Gundoltingen müt- 
willen, branttend Binnigen^). als für der reisig züg uff sü, is 
donoch das höbtbafier mit grossem volck, by 3000 mannen'), 
yiengend an zu scharmutzlen by Sant Margrethen; aber das 
recht beschach zu Hesingen by der mulen. komend die Switzer^) 
und der reisig züg an die vigend mit grossem schiessen, stechen, 
hSwen; der vigend vil verwüstet, rosz tmd lutt, zugend gon» 
Habgoszhin. ein teil wurdend,zü Hochkilch^) b^raben, ein 
teil gef&rt gon Landser, ein teil zu Habgoszhin begraben, der 
von Bl&mneg wart mit grossem smertzen gefürt gon Iltzich^^j, 
by 20 gefürt gon Enszhin, vil gon Nuwenburg, vil sturbent; 
Valckenstein ^) und Cünrat Dürr grfiszlich gewüstet die vor-2& 
genant grosse dott dettend die soldner von Basel ^) mit grossen 
hertzen und eren. were innen nit so not gesin, bisz das baner 

9. Hfl. : nndo an. 13. Hb. : ephyania domini. 26. Hb.: Lm Sande, rotk : 

nota b«ne. 

1 ) In einer besondem Instruction, vom 25. Nov., hatte Basel die Hanpt- 
leute und den Rath zu Liestal ermahnt, bei Ausftllen auf der Hut zu sein ; 
8. Missivenb. Y, 63. 

2) D. h. ein Haus daselbst; 8. Rathsb. S. 82. 

3) Diese Zahl ist jedenfalls zu hoch. 

4) Nftmlich Söldner; vgl. den Brief Tom 8. Dec 1448, im Missirenb. 
V, 72 : die laufenden knecht von unser Eidgenossen landen, die nu hie sint 

5) Habsheim, bei Mülhausen, und Hochkirch, halbwegs zwischen Basel 
und Mülhausen. 

6) Aus dem Schlosse lUzach, 1 St. yon Mfllhausen, wurde Basel in ähn- 
licher Weise bekriegt, wie aus Rheinfelden ; s. Basels Brief an Cohnar, Tom 
12. Febr., im MissiTcnb. V, 90, femer Ob. I, 403. 

7) Vermuthlich Hans yön Falkenstein yon Ramstein; s. oben S. 287, 
Anm. 5. 

8) Vgl. oben: die Switzer. 



1448. 1449. 291 

komen were, 8Ü werend 611e eralagen^}. die von Basel hattend 
manigen gefangen; 3 sturbend von Basel. 

Quere ulterius in tertio folio^} de causa Rinfeldensium. 

[185] Item secunda post Martini 48 was der groste ert-t448 
5 bidme zu Bome, den kein man ie gedockt, das grosz kusser ^^^' ^^ 
uff das pkunment fielend; werte yon 8 fr&ge bisz nackt. 

Item anno predicto was die pestilencie xd Borne, Parussz^), 
Florentz so grossz, das grosz weit snell starb; nie so grosz kein 
man gedockt. 
10 Item für ein grossz kurtisan von Bome, möckt in 100 millen 

weder zu essen nock zu trincken finden, in kein slossz nock 
stat komen, sterbentz kalb, die kurtisanen, was zt Borne was, 
flock dannen, bisz an 3 kardinell. 

Item es kattend astronimy geseit, das im nösten sumer 
IS der gxdste sterbat solte im lande werden, der in 200 joren ie wart. 

Item quarta ante Lucie anno 48 ist bebest Felixs sun, deri>ee. ii 
kertzog von Saffoy, gewaltiger kertzoge' worden zu Meyglant, 
mit einkellickeit der stat, des landes und gütten willen ^j. 

Anno domini 1449 secunda post judica^) resingnavit do-i449 
20 minus Felix principatum *) et assumpsit sibi nomen Amedeus ^^^"^ ^' 
clementissimus ; et factus est legatus in toto terretorio suo 
et, dicunt aliqui, in episcopato Basiliensi, Constantiensi, Argen- 
tinensi, et cardinalis sancte Sabine, primus post papam^). 

[187] In causa Binfeldensium^). 

2s Item min ker von Basel und die rStte fürend zem tage 

3. Biete Zeile in Hi. %m Bande. 

1) Ueber die Unordnung beim Panner b. Rufb. I, 181i> ff. 

2) Nftmlich BL 187 ; s. unten Z. 25 und ygl. oben die Einleitung S. 232. 
— Den Inhalt Ton Bl. 184 8. oben S. 249 ff. Den obersten Theil Ton Bl. 185 
Hess Appenwiler leer; er wurde ap&ter ausgefüllt von H. Synners Hand; 
8. unten z. J. 1474. Bl. 185i>— 186t> sammt dem Fuss Ton BL 185 sind durch 
spätere Eintragungen Appenwilers und Sinners gefüllt; s. oben S. 227, Anm. 5, 
S. 232 und 237 der Einleitung. 

3) Perugia. 

4) Herzog Ludwig d. ä. von Savoyen, der Schwager des am 13. Aug. 
1447 Terstorbenen Philipp Maria, des letzten Visconti, wurde zwar zum Herzog 
Ton Mailand gewfthlt, yerglich sich jedoch bald nachher mit seinem Qegner 
Franz Sforza. 

5) Statt »judica« lies: »palmarum« (7. April). 

6) Statt »principatum« Ües: »pontificatum«. 

7) Nikolaus V. 

8) Was unter dieser Ueberschrift folgt, bildet die directe Fortsetzung 
zuBl. 183^)8. oben Z. 3. 

19» 



292 Appenwfler. 

gon Nüwenburg, den gemacht hatt der margraff von Nidren 

(Jml 7) Baden, 49^). 

Jan. 10 Item sexta ante Hilarii anno 49 zagen die von Basel mit 
grossei macht mit dem höbtbaner, mit ein reisigen gezüg ussz, 
mit etlichen buchsen, vor tage uff zwei, mit grossem geschirre s 
yon wegnen, karren, gon Binfelden uffhin^); brochtend 90^ 
halbe f&der mit wine, 8 wegen mit grossen fiissen ; 2 erstochen. 

j«u 15 Item quarta feria anno 49, frfige uff prima hora, zugend 
die von Basel ussz mit ein reisigen züg und f&szgenger, 
einen wilden weg^j; logend, obe iemand von Rinfelden wolte.vio 
ze jüngste zugend sü für die statt, das sü mit steynen wurfend 
in die stat; erschussend 3 am grendel, brantend die mulen, 
etwe manig hus an der stat zu Keisten^), und Melen das dorff*). 
SU weitend aber nit usher. sü schussend vigentlichen mit bus- 
sen uszher, das ein Eignosz erschossen wart, was eia figen- is 
liehen schiessen von beden partigen: als do niemant usszher 
wolte, zugen die von Basel hein. 

(Jan. 7) Item min her von Basel und die stat band taget mit dem 
hertzogen von Oesterich zu Nuwenburg. fordert der forst, im 
zu liehen 24000^) guldin 10 jor umb sust, donoch öUe jor zu 20 
b^zalen 2000 guldin, bisz die sume abe keme; dotur z& under- 
pfand zu geben Löffenberg, Waltzhüt, Seggingen, den Swartz- 
walt^). er wolte aber die slossz innehan, noch als vor. 

2. Folgt freier Banm für einige Zeilen. 

1) Markgraf Jakob von Baden, als Schwager Henog Albrechts, hatte 
diesen Tag su Neuenburg i. B. veranstaltet, der vorn?. Jan. bis 2.Febr.wfihrte. 
S. Basels Brief an Bern, vom 21. Dec. 1448, im Geschichtsforscher 'XTT, 121, 
sowie zwei weitere, vom 6. Febr. 1449, im Missivenb. V, 84 if., und femer die 
Briefe der Basler Gesandten auf diesem Tage, vom 19. Jan. bis 2. Febr. 1449, 
im Briefb. VI. — Basels Gesandte waren: Henmann von Offenburg, Heinrich 
von Beinheim, Hans Surlin, Andreas Ospemell, Hans Bremenstein und der 
Stadtschreiber Konrad Küenlin; s. Ob. I, 418. 

2) Auf dem rechten Rheinufer; vgL oben Rathsb. 8. 83: unts gonWüen. 
Ueber diesen Zug s. auch Missivenb. V, 80, 83 imd 89. 

3) XC scheint verschrieben aus XL 

4) Also vermuthlich durch den Olsberger Wald. 

5) Keisten oder Kesten hiess eine Gerichtst&tte vor der. Stadt Rhein- 
felden, wo das Landgericht gehalten wurde; s. die Urk. vom 7. Juni 1453 bei 
Tschudi, Chron. U, 573. Vermuthlich lag dieselbe bei den Mühlen vor dem 
Obern Thor. 

6) Mölln, 1 St. östlich von Rheinfelden. 

7) XXIVM scheint verschrieben statt XXVIM; s. die Breisacher Rich- 
tung vom 14. Mai 1449, im Auszug bei Ochs IV, 27. 

8) Diese Bedingung wurde schon damals von Basel angenommen ; s. Basels 
Brief an Bern, vom 6. Febr., im Missivenb. V, 85. 



1449. 293 

Item die f&szgenger luffend uff her Dietrich von Rotzen- 
hassen, uff sin gesesse under Sletstat^}, sexta ante Vincentii 49. Jan. i? 
[187^] Feria tertia ipsa die Angnetis anno 49 zagend die Ju. 21 
von Basel mit eime starcken folck ussz, gegen tage äff 12, 

5 anit Rins und diszhalb Rins fui Rinfelden , und weitend die 
stat erstigen han. als su im graben hieltend, worend sü do 
gewarnet, wurffend ab der muren brennend strow abher in den 
graben, das dovon ein grossz heittery wart. 

Item tertia ante purifficationis hora 10. de sero, anno 49, Jan. 28 

10 zugend die von Basel mit eim reisigen ziig und f&szfolck gon 
Rinfelden, weitend den Stein 2) erstigen han. als kam der 
von Rechberg mit eim starcken gezüg ungewamet, woltend 
für Basel sin. als komend die von Basel an sü mit macht, 
das der von Rechberg mit den sinen die flucht nam, sin rog 

15 abwarff und salerr; der rog wart dem trumbeter. die andren 
wurffend mentel, arenbrost, salerr von innen uff die flucht, 
die von Basel illetend noch bisz gon Rinfelden ein teil; ein 
edelman wart erstochen, were do Hans Smit^) der soldner 
gesin, die von Basel bettend ere und gut gewunnen, gerecht 

20 die stat. denne sü gantz erschrocken, verzwiffelt worend; sü 
vielent von den pferden, das sü luffend in den studen allent- 
halben. 

Secunda post purifficationis 49. 

Item an mentag frfige uff 2, post purifficationis ^j, rittend F«i>r* 3 
25 die von Basel ussz zu besechen , wie man möcht Yltzich be- 
iigen und gewunnen. als es finster was, wolt meister Heinrich 
der buchsenmeister in die Ylle ritten selbander; was das wasser 
grossz, fielend in, ertrunckend. wart funden sabato anno 49; Febr. 8 

2. Hb. : XLTUI. — ■ Auf den leer 'gebliebenen Fnsi dieeer Seite gebrieb Appeniriler 
epUer ans dem Anonymiks den Anfang des Abacbnittes vom Concil. welcben er aber 
voUatindiger anf Bl. 186^ eintrug; e. nnten die Anonyme Baeler Fortaetznng in 
Konigebofen. 7. Hi.: brennen strow. 27. Es.: ritten seibanden. 

1) BatsamhauBen bei Schlettstadt. 

2) Seit der Zerstörung des Schlosses, im Febr. 1446, stund auf der felsigen 
Insel, über welche die Rheinbrücke führte, nur noch ein Thorthurm, der aber 
immerhin die Brücke beherrschte. Den Zugang zu dieser, vom rechten Ufer 
her, auf welchem die Basler zogen, verwahrte überdiess noch ein äusserer 
Thurm. 

3} Hans Schmit gen. Kolbe, von Buchau, erlangte als Söldner sein Bürger- 
recht 1443 auf dem Zuge nach Laufenburg; s. Rb. 204. Als »neuem Söldbier 
erscheint hierauf Hans Schmit z. J. 1447; s. Ob. I, 291. — Anfangs Februar 
1449 wurde gegen ihn eine Untersuchung angeordnet, und schon am 21. März 
d. J. erscheint er unter Basels Feinden; s. Ob. X, 410, 421 und 448. — Ueber 
einen Wachtmeister d. N. s. unten z. J. 1456. 

4) YgL Beinheim, Bl. 21t>: an mitwuchen . . . . ze nacht (5. Febr.). 



294 Appenwfler. 

wart meiste! Heinrich begraben z& Mülhussen by sinen vette- 
ren, als holet in sin wip und Gotschalck^). wart wider ussz- 
graben, gon Basel gef&rt, ein nacht durch ussz ; kam gon Basel 
Febr.ii(i8?)tertia ante Valentini^); anno predicto, frflge. in der folge, als 
man im folget, man det den sarg uff: lag er rotten, als ob er s 
lebte ; wart im der munt uffbrochen, luff finisch blüt von imme. 
zarttend den tag ze Spinwerters hus^], fruge und zh nacht; traff 
den man 20 d. 

Item des eddelen mans knecht von Zuttren^), der mit im 
ertranck, was denecht uff den vorgenanten dag nit funden. i« 
den künde der Juncker for siner £romkeit und biderbekeit nit 
volle clagen; denne er in von einem kinde uff erzogen hatt. 

Item meister Heinrich vorgenant, do er uff das pherd wolt 
sitzen vor siner turen, sleffte es in, das er möst sich anders 
cleiden. donoch wolte es mit im in den graben gesprungen ih 
sin ze sant Alban^]; im Koremerg warff es in abe. was meister 
Heinriche ein grosz wamung von ungefel und ein übelstunden, 
leider got erbarm eö, das ich Erhart von Appenwiler, sin nester 
nochbur<^), ie bekante sin firomkeit und zucht in allen sachen, 
allen nochburen; was mir leit. » 

Febr. 17 [188] Item secunda ante kathedera Petri^} anno 49 brocht 

man meister Heinrich seligen, als er funden was. wart be- 
graben z& Mulhusen, wider usszgraben, zu Basel zu sant Alban 

Febr. (18) begraben, wart im gefolget die predicto^); wart der böm uff- 

12. Hb. : yon einen kinde. 

1) Nikiaus Qottscbalck erscheint als Mitglied der Krfimerzunft 1429 — 1475, 
8. Schönberg 530, 608 und 768, und ygL unten z. J. 1462. 

2) Statt »ante« ist vennuthlich zu lesen: post Valentini (18. Febr.); Tgl. 
unten. 

3) Das Zunfthaus der Maurer und Zimmerleute, zu welcher Zunft auch 
Meister Heinrich als Büchsenmeister gehörte. Ueber dieses Haus, jetzt Eisen- 
gasse No. 7, und über seinen Namen s. Fechters Top. 52 und B. Taschenb. 
1853, S. 193 ff. 

4) Peter von Zeutem gehörte zu einer Gesellschaft von Söldnern, welche 
seit Dec. 1448 im Dienste Basels stand; s. Stadt. Urk. 1448 Dec 16. — Später, 
1466, diente er in gleicher Weise der Stadt Ulm; s. StMin, Wirtemb. Gesch. 
ni, 561. 

5) Der innere Stadtgraben, zwischen dem St Alban- und Aeschensehwib- 
bogen. 

6) Meister Heinrich bewohnte das noch jetzt nach ihm benannte Haus 
»zum Roggenburgn, jetzt St Albanvorstadt No. 84, und neben diesem lag 
Appenwilers Haus; s. Fertigungsb. U. S. 111, im Gerichtsarchiy. 

7] D. h. in der darauf folgenden Nacht, von Montag auf Dienstag, wurde 
die Leiche von Mülhausen nach Basel gebracht; vgl. oben. 
8) D. h. Dienstags am 18. Febr.; vgl oben. 



1449. 295 

brochen: was er denocht als hubesch, als er gelebet hett; lüff 
das firusch blüt von imme. 

Item sexta ante Fridolini 49 zoch Clinghamei der hdbtmanFebr. 28 
von Basel ^) in ein hüt zu Rinfelden. als trabtend 3 von Rin- 

& felden heiussz. men meinde, es were der yon Rechberg, wolt 
uff die warte lügen; denne man meinde, do werend 4 wegen 
°ü^ S^t geladen, weitend enweg. als brach der höbtman ussz 
der hütt, rant den drigen noch bisz gon Bugken, das sü an 
einander worend. do det man grendeldor uff, Uessz die drige 

10 in, bslussend grendeltor, machtend sich uff den turn mit ge- 
schutz. begert der hfibtman sin vingend ; men wolt es nit t&n. 
er begert 3 inhin zu Ion uff recht; es was nütz^). als seitte 
der hdbtman dem hussz und dem gantzen orden ab für sich 
und sin helffer, brant ein dorff^), nam rossz, köge und puren, 

15 was sü fundent; wart zu Basel buttet sexta, sabato post Fri- (Pebr. 28 a. 
dolini 49^). donoch schreib der fürst gon Basel: man solte ^'^ ^^ 
widerkeren, er were kastvoget^). 

Item quinta post do decoliert man zu Basel 3 stroszröberMine 
von der von Rinfelden teil®). 

20 Item an samstag donoch worend 5 zu Rinfelden gefangen M&n 8 

von der von Basel teil^). die ertranckent sü, satzent sü in 
ein tennelin in iren hemlin uffrecht, santten sü gon Basel aü 
schalckeit; hat nie kein man böszheit nie gehört von in. 

Item tertia ante Gregorii 49 weitend die von Rinfelden m&xx ii 

25 win und anders gereichet han zu Herten, des zugend die 
von Basel ussz mit der baner, jochtend sü bisz gon Rinfelden 

5. Hb.: TOlt. 7. Ha.: gelanden weitend. 15. Hb.: war z& Bm61. 

1) Claus Yon LangenlAr, gen. Klinghamer, gehörte zu derselben Söldner- 
gesellschaft wie Peter von Zeutem ; b. St&dt Urk. 1448 Dec. 16, wo auch sein 
Siegel. Ueber sein späteres Leben, im Dienste Nürnbergs, s. B. Zinck in den . 
Chron. d. d. Städte V. 

2) Ueber diesen VorfaU Tgl. Basels Brief an Herzog Albrecht, vom 
9. März, im Missivenb. V, 94. 

3) Riedmatt wurde verbrannt, und Karsau geplündert; s. Ob. 11, 180. 

4} Entweder ist »Fridolini« zu streichen, oder «post« durch »ante« zu er- 
setzen, da sonst das Datum erst auf den 7. und 8. M&rz lauten würde. 

5) Sein Brief, der verloren ist, wurde am 9. März von Basel beantwortet; 
B. Missivenb. V, 94. 

6) Ueber diese Hinrichtung s. Basels Briefe vom 14. und 20. März, an 
die Hauptleute zu Rheinfelden und an die ReichsfOrsten, im Missivenb. V, 
97 und 103. 

7) Bure Namen s. Ob. I, 433. Femer s. Missivenb. Y, 97 und 103, auch 
unten Beilage V^. 



296* Appenifiler. 

zem grendel in ; sii spienend die pfert von den geschirren, fikr- 
tend ein teil gon Basel, branttend Hertten zu gründe. 

Hin 17 Item secunda ante Benedicti anno 49 zoch ein gezüg von 
Basel ussz, zu f&sse, z& rosse, gegen tage uff die zwey, mit vil 
karren, wegen; zugend gon Herten; nomend vil wins, koms 
Tind hAwe, und brantend Herten, Seile >) , Tegerfelt, NoUingen 
und sust anders, als der gezug wider gon Basel f&r, hattend 
sich 6 gesellen ob Bughin versumet. als reichtend die von 
Rinfelden win; körnend die 6 gesellen, nomend 7 gut rosss 
mit gewalt. als ranttend die yingend in noch bisz gon Basel; lo 
SU schüffend aber nütz, am heinziechen branttend m zu 
Ejrentzach Schurers herberge. item Reisse swam z& über Rin 
und huwe 2 grosse schiff ab und ein tennelin, kam gon BaseL 

MftR 18 Item tertia post branttend die von Rinfelden Ougest, umb 
das die armen lutt z& Basel worend ingeflochen. i& 

M&n 19 [188^] Item feria quarta zu nacht ante Benedicti 49 zugend 

die von Liechtstall ussz in das Frigtal, nomend ein röb und 
50 pherd mit 50 seggen mit mell und habren, die weitend gon 
Farnsperg^) sin, und geleittend sü die tou Se^ngen'). 4 er- 
stochen, 6 gefangen; griffend es manlichen an. do wart den» 
von Liechstal ein gut benAge. 

M&n 21 Feria sexta ante letare 49 hat der reisig zug und f&sz- 
genger, hattend vor Rinfelden hütten geslagen, das 2 erstochen 
wurdend. ein reisiger wart geschossen mit 9 pfilen, kam uff 
brug zu Rinfelden, fiel ab dem hengest, starb, was uff demss 
felde was, floch zu holtz; brochtend vil schoff mit gewalt. 

xin 28 Item sexta ante judica anno 49 worend die von Rinfelden 
wol mit 500, resig und sust^), gezogen fiir Liestal, das ein 

19. Hl.: S«ggin6ii. 21. Hb.: gfit betntige. 

1) Vermuthlich Eichsel, das gleich den übrigen hier genannten Dörfern 
nördlich von Rheinfelden liegt. 

2) Famsburg gehörte dem Freiherm Hans von Falkenstein, der sich an- 
fänglich neutral gestellt hatte; s. oben S.'287, Anm. 5. Schon im Dec 144S 
jedoch hatte Basel über Feindseligkeiten zu klagen, die aus diesem Schlosse 
verübt wurden; s. den Brief vom 26. Dec, im Missirenb. V, 76. 

3) Wie die östreichischen Besitzungen überhaupt, so hatte auch Seckingen 
in dieser Fehde bisher als neutral gegolten ; s. den Ruf vom 28. Nov. 1448, im 
Bufb. 1, 180^ ff. Schon seit Januar jedoch kam es zu fortwährenden Reibungen 
mit Christoph von Rechberg, dem Hauptmann zu Seckingen, welchem Basel 
vorwarf, dass er den Feinden zu Rheinfelden Vorschub leiste; s. Basels Briefe 
an ihn, vom 13. und 28. Jan. und 8. und 23. Febr., im Missivenb. V, 80, 83, 
89 und 90. 

4) Von diesen 500 waren wohl 170 zu Ross, die übrigen theils Bauern, 
theils Söldner, worunter etwa 20 von Seckingen. Tags zuvor hatten sie einen 



1449. 297 

grosz Scharmützeln beschach g&tz mutz zu beden sitten. der 
von Liestal wurdend 2 erstochen in den reben; 3 Eignossen 
wurdend die köpfF abgeslagen. 

Item des selben dages zugend von Liestal wol 60 gon Rin- m&r 2s 
5 feldeQ, wüstend enhein teil vom andren; weitend .dem von 
Gränenberg ein wiger han gevischet. .wurdend 5 gefangen, 
2 erstochen, 3 priester gejaget, das sü ir kleider liessend fallen; 
ein teil swumend über Bin. do wart des von Grfinenberg sil- 
bren ingsigel und yil slussel genon, das die priester hattend. 
10 die gefangnen wurdend zu Liestal gefoltert, gon Basel gef&rt 
an sunnentag fr&g uff eins in der nacht, und do euch gefroget. Mftn 30 

Item quinta ante Ambrosii 49 hat man einen jungen kna-Apru 3 
ben verbrent; gab sich ussz für einen munch, hat von dem 
Ton Kechberg genon 1 guldin, solt die dein stat verbrent han, 
15 donoch soltend imme worden sin 10 gl.; was nit 20 jor alt. und 
einer mit im enthAbted, und vor drig Schinder enthftbtet. 

Quinta predicta ffir min her von Basel, die rette, von Bern, ipru 3 
Solotren, Switzer, gon Brisach zem tage umb ein richtung^). 

Item Herman von Eptingen seitte abe , und hatt vor an- (April 5) 
20 griffen; das stot dem adel woll^). 

Item quinta post pasche anno 49 fbr Clinghammer derAprii n 
hdbtman von Basel mit sime resigen gezüg U7id mit dem f&sz- 
folck für Rinfelden; brochtend 11 gefangen, 15 gütter rossen; 
rittend in grossem regen, were in nit so not gesin, so were 
25 in 10 reisig worden. 

Item tertia ante Jeorji anno 49 brant man zu Basel einen Apru 22 
böswicht; hat zu Egringen^) ein hus verbrent, 3 kint dorinne 
tend einen sw^chen man, die Stuben verbunden, das- sü nit 
möchtend usszkomen. 

10. Am B&nde, roth: nota bene. 

Hinterhalt beim Ghrenzacherhom und bei Wilen. 8. die Kundschaft über |die 
Feindseligkeiten der Seckinger, in Stadt Urk. 1449 April 21. 

1) Zu diesem Tage, auf welchem Bischof Friedrich und Markgraf Jakob 
▼on Baden zwischen Basel und Herzog Albrecht zu yermitteln suchten, 8. Basels 
Einladung vom 18. M&rz, im Missiyenb. V, 102. Er hatte keinen andern Er- 
folg, als dass ein neuer Tag ebendorthin auf den 27. April angesetzt wurde ; 
über letztem s. imten S. 299, auch Beinheim, BL 23. — Das Datum bei Ochs 
IV, 14, Tom 6. April, statt 3., scheint auf Irrthum zu beruhen. 

2} Seine Absage erfolgte am 5., diejenige seiner Söldner erst am 2 5. April; 
B. Ob. I, 412 und 413. — Vom 24. Nov. 1448 his April 1449 war übrigens kaum 
eine Woche, in der nicht neue Absagen erfolgt wSren; s. Ob. I, 397~-413. 

3) Egringen, 3 St. nördlich von Basel — Ueber diesen Vorfall ygl. die 
Notiz im Ob. I, 441, von Ende April oder Anfangs Mai 1449: Als Jerg von 
Tegemow (Vogt zu Röteln) und der kilcherr. von Röteln gebetten band für die 
gefangen von Egringen, euch den armen yerbrenten kinden hilfilich zu sin. 



298 Appenwiler. 

[189] Item vom Blochmunt ^). 

April 25 Item feria sexta post Jeorji 4 9 2] zugend der von Basel ge- 
sellen^) U88Z für Blochmunt, und erstigend den yorhoff und 
brantend^) in zu gründe, zwei tor, 10 gütter hengsten und 
was do was, buchsen und anders, und die schüren, was dos 
stund und in werden mocbt^). 

April 27 Item an sunnentag nach sant Jeigen tag was noche ein 
ufflSff worden zu Basel, die zunfite ein teil machtend sich 
uff in den Korenmerget, woltend die rotte zwingen ussz zu 
ziechen für Blochmunt; das die Metziger, Winlutt, Reblutt, i« 
Zimberlutt, Schüchmacher und ander mit gewalt ir banner 
usszstiessend, niit der deinen stat, die hat es mitt innen, die 
in der deinen stat zugent mit gewalt, mit drigen bannerin ^], 
mit den Metzigerin für das richthus, fordertend das hftbtbaner 
ussz zu stecken und domitte gantz ussz zu ziechen mit dem is 
gezüge. noch allen Sachen zugend sü wider des rotz willen^ 
ussz gon Blochmunt, das ein teil sust ouch nochin zoch ein- 
zigen, und ein grosz murmelin wart; das es got understund, 

4. Ha. : X g€tten Hengsten. 

1) Ueber die Eroberung von Blochmont, 2 St südwestlich yon Pfirt und 
6 St yon Basel, TgL oben Rathsb. S. 56, auch unten Anonymus, EL 208, femer 
Beinheim, El. 22, und ausserdem noch Eeitrfige XU, 125 ff. 

2) An diesem Tage war aus dem Schloss ein höhnischer Fehdebrief nach 
Easel gesandt worden ; s. oben S. 297, Anm. 2, und vgl. unten S. 300. Der Ueber- 
fall geschah in der Nacht yom 25./26. April; s. Basels Brief an Bern, als 
Concept yom 26. April, im Missiyenb. V, 118. Dieser Brief, durch welchen 
Bern zum Zuzüge gegen Blochmont aufgefordert wird, scheint erst folgenden 
Tags ausgefertigt und abgeschickt worden zu sein. Denn Berns Antwort, yom 
29. April, erwähnt nur einen Brief Basels yom 27. April, während ein solcher 
im Basier Missiyenbuche nirgends sich findet. Diese Antwort Beins, yom 
29. AprU, 8. im Basier Briefb. VI (z. Z. noch ohne Paginatur); nach ihrem 
Concept im Bemer Missiyenbuch ist sie abgedruckt im Qeschichtsforacher 
Xn, 123 ff. 

3) Vgl. Basels Brief yom 26. April, im Missiyenb. Y, 118: etlich soldner 
und fuszknecht — Es waren etwa 40 Mann; s. Beiträge XII, 138. 

4] »brantend« ist hier nur auf die Qebäude zu beziehen, nicht auf die 
Pferde u. s. w. ; ygl. unten S. 300, wo drei besonders werthyolle Pferde aus- 
drücklich unter der Beute erwähnt werden. 

5) Vgl. den Brief yom 26. April: das sy den yorhoff, yorthore und schi&re 
am slosze ze Blochmont uf hinnacht gantz yerbrennt band; und stat in sein- 
licher masze umb das schlosze, das wir zu got getruwen, das wir das in gar 
kurtzem zyt eroberen und, ob got wil, ere bejagen wellent. 

6) D. h. mit den Fahnen der drei Gesellschaften Klein-Basels. 

7) Ueber die Bedenken des Raths gegen den sofortigen Auszug s, Bei- 
träge xn, 145. 



1449. 299 

das kein ufflSff wart; das m minem herren von Basel vast 
züreddent: er were ein yerretter und bösszwicht. were er im 
Korenmerck gesin % es were zwiffelichen gesin, men hette in 
erslagen; und loere ein teil gefolget, men were imme für sin 

5 hoff 2) gezogen, als uff den sunnentag 49. 

Item an mendag nochhin uff dru gegen tage ^), 49, zoch Apru 28 
die stat mit der höbtbaner und mit dem gezüge fiir Bloch- 
munt mit.krafft. 

Item an zinstag reit juncher R&dolff von Ramstein in das Aprii 29 

10 herr umb tegding; was Hermann von Eptingen wegen, als 
wolt er nit uffgeben. do das die gemeinde erhörte, rettend 
sü schraff mit dem von Bamstein: es wer kein Sachen z& 
s&chen; sü weitend lip und gut han; dorumb werend sü do. 
und berüfftend einen frigen merget, das koste do genüg was, 

t5 so lange sü do legend. 

Item an zinstag noch sant Marges dag 49 komend die von April 29 
Stroszburg, der margroffen^) botschaff von Nidren Baden, mit 
andren botschaften gon Basel, vom fursten; meindend: der 
fürst und herren weitend zem tag zu Brisach nütz tun noch 

20 Ton der richtung zu hören, die yon Basel zugend denne vor 
vom slossz. die schüffend nütz; denne der gewalt was vor 
dem slossz. als wartend .sü der beschaff. 

Item an mitwuchen, was der meyeobent anno 49^), hatApnido 
man angefangen graben, das man was noch in das hus. als 

25 wart das hus Blochmunt gewunnen , Herman von Eptingen 
genomen selb 17.®], mit 3 edeP) gefiirt in das herr, getröstet 

16. Ha. : Bant Xarged das XLIX. 25. Hinter »gewunnent folgt ^\\ Zeile leer. 

1) «Bischof Friedrich war in Breisach, wo gerade an diesem Tage die von 
ihm betriebenen Friedensunterhandlüngen aufs neue begannen ; s. Beinheim, 
Bl. 23. 

2) Seine Residenz war der Schfirhof ; s. oben S. 57, Anm. 5. 

3) Vgl. den Brief vom 28. April an Bern, im Missivenb. V, 119: ufF hin- 
nacht umb die mittemacht. 

4) Auf dem Tage zu Breisach, von welchem diese Gesandtschaft abge- 
ordnet war, hatte Markgraf Jakob yon Baden seine beiden Söhne Karl und 
Bernhard bei sich ; s. Beinheim, Bl. 23. 

5) Dieses Datum bezieht sich nicht auf den Anfang der Untergrabung, 
sondern auf die Uebergabe des Schlosses durch die Besatzung; über diese 
s. Beinheim, BL 2^\ 

6) Vgl. S. 300 : selb 15. — Ausser H. von Eptingen, der schon am 5. April 
abgesagt, enthält der Fehdebrief der Besatzung, vom 25. April, die Namen von 
17 Mann; s. Ob. I, 4*13. Doch wissen wir nicht, ob die Besatzung yieUeicht 
in der Nacht Tom 25./26. April einigen Verlust erlitt; ygL unten Anonymus, 
BL 208 : 6 erstochen. 

7) Vgl. Beinheim, BL 22^: H. von Eptingen .... sampt zweyen edlen 



300 Appenwilcr. 

uff gnode fär den grossen rott zu BaseP). als wurdent sd ge- 
bunden behalten im volcke. das hus wart geleret, yfl dorinne 
funden, vil melwes, und gespiget und angestossen zu brennen, 
do der von Eptingen sach sin hus brennen, in der nacht uff 2, 
weinde er, sprach: »ach das got erbarm, das ich in mütterlips 
ie kam vor leydelor 

Mai 1 Item am meyetage anno 49 uff die viere broch man Her- 
man von Eptingen gebunden selb 15.^) und zu f&sse gon Basel 
mit eime resigen gezüg, und geleit in gefengnisse. 

Item der hund Telfin , domit er der stat hat abgeseit '), ti 
wart vor im am seile geffiret gon Basel. 
Mai 1, 2 [189^] Item domstag, fritag fiengend sü das slossz an zu 

graben und undersetzen. als wart es gefellet, on ein teil 
mures was do zem Wortzeichen. 3 beugest wurdent genon, 
wolt er fiir 300 gl. gelösset han, 49. » 

Mai 3 Item an samstag noch dem meyetag zugend die von Basel 
mit dem zuge wider hein, die von Solotren mit^); wart über- 
slagen 250 wegen und karren, im herre gab man die grosse 
mosz umb 2 d. do wart euch geseit : man wolte sü vom felde 
slachen^). do die von Basel lange wartend, es kam niemantz. 2§ 

Item werend die in der deinen stat gesin, der zug were 
nit beschechen ; denne es wider der rotten willen was, anno 49. 

3. Nach »melwes« folgt 1/4 Zeile leer. 10. Htt.: Item den hand. 

genant Degelin usz dem Briszgow. — Wilhelm und Cunrat Tegelhyn oder 
Tegenlin von Wangen stehen auf den Absagen vom 24. Not. und 14.Dec. 144$; 
s. Ob. I, 399 und 404. 

1) D. h. es wurde Urnen das Leben zugesichert bis Basel, wo der Grosse 
Rath über ihr Schicksal entscheiden sollte. Vor dieser Entscheidung rettete 
sie jedoch der Friedensschluss vom 14. Mai; s. unten S. 301. — Zum Grossen 
Raule, der nur in besonders wichtigen Fällen versammelt wurde, gehörten 
ausser dem alten und neuen Käthe namentlich die alten imd neuen Sechser 
der 15 Zünfte, also im Ganzen über 200 Mitglieder; s. Heusler 382 fL 

2) Vgl. oben S. 299: selb 17. 

3) Unter den Ahsagenden vom 25. April standen am Schlüsse die zwei 
Namen : Schwab, j ^^^ ßlochmont. 

S. Ob. I, 413. 

4) Bern und Solothum waren gemäss dem Bunde von 1441 durch Brief 
vom 26. oder 27. April zum Zuzüge gemahnt worden ; s. oben S. 298, Anm. 2. 
Die Bemer erfuhren den Fall des Schlosses noch unterwegs und kehrten daher 
um; s. Beinheim, Bl. 22t>. Die Solothumer hingegen tri^en laut Anonymus, 
Bl. 208, kurz nach der Uebergabe im Lager ein ; laut Beinheim jedoch kamen 
400 Solothumer nur bis Basel und kehrten folgenden Tags wieder heim. 

5) Ueber die Rüstungen Herzog Albrechts vgl. Beinh. a. a. O. 



1449. 301 

Glogenlutter ^) rü£ft im herr: wer win tooH und anders, umb 
gesellen willen und vergeben, der mocht es reichen. 

Item tertia post jubflate anno 49 zoch Valckenstein, Rech- Hai 6 
berg und die von Binfelden gon Arowe, mit eime reisigen 
5 züge und f&szgenger, zu beden enden der Aren, nomend das 
▼iche zA Arowe und in drigen d&rfferen, by 300 gehurnetz viche, 
on T088Z und anders, man meinde 28 erstochen, 9 gefangen; 
doch wurdent 15 zft Arowe begraben, bisz man die andren funde. 

Item der krieg zwuschend den von Basel und dem hertzogen (Mai i4) 

10 ist gericht gantz^), das die von Binfelden sollend sweren an 
das hus von Oesterich und wider inziechen und insitzen ; was 
vorhanden sige, sol innen wider werden, als wart der friden 
gerfiffet an der uffart zfi Basel, anno 49 3); liessend die woniuin 
Basel Herman von Eptingen und ander gefangen ussz, me 

15 denne 30: als morndes am fritag woltend die von Rinfelden Mu 23 
hein sin, zu dem irren lügen, als der fride beslossen was, und 
die rStte von Basel mitte, do wolte man die rette noch die 
von Rinfelden nit inlon; müstend wider enweg gon Basel. 
Rechberg, Falckenstein und ir helffer fftrend mortlichen in der 

20 stat noch dem friden, brachend stubenturen, turlin, ÖjSen, 
stubenvenster, Steinwerg und glaszwerg, und was sA brechen 
und wüsten mochtend, mortlichen, schantlichen, das sü selb 
einander erstochen woltend han von sSllicher boszheit wegen. 
SU hattend understanden die stat zu brennen, an samstage vor Mai 24 

25 TJrbani anno predicto. 

Item ipsa die trinitatis^) anno 49 kam hertzog OlbrechtJuni 8 
ingeritten gon Rinfelden, wart mit dem heltüm erlichen en- 
pfangen ; es was aber nütz in der stat. müst ritten gon Bughin; 
do assz er und lag do. wart vil tedinget zwuschend dem 

30 hertzogen und den usseren von Rinfelden , das sü nit moch- 
tend inkomen bisz zinstag uff 7 zu nacht; do wart es erst Jam 10 

3. Am Bande, rotli: nota bene. 9. Am Bande eine Hand. 

1] Konrad Glockenlüter ; b. Schönberg 603. 

2] Durch die Breisacher Richtung; 8. Stadt Urk. 1449 Mai 14, abgedr. 
bei Chmel Materialien zur Oestreich. Gesch. I, 2, S. 302 ff., auch Tgchudi ü, 
529 ff., in der Anm. 

3) S. den Buf im Bufb. I, 1 82^ jedoch ohne Datum. 

4) Vgl. Beinheim, Bl. 24 : am nechsten tag (9. Juni). — Vielleicht kam 
Albrecht schon am 8., nahm aber erst am 9. die Huldigung der Bürgerschaft 
entgegen, welche Beinheim ausfOhrlich enAhlt. Laut Letsterm blieb er su 
Bheinfelden oder in der Nähe bis zum 18. Juni. 



302 Appenwiler. 

bed^dinget 1), das sü inkomen in ein ödes nost; sust nutz 
do was. 

jnua [190] Item an sunnentag post Uolrici in der nacht, 
anno 49, was ein samlich wetter am himel, und frflge gegen 
tage, das samliches himels ie gesechen was: blow, giun, swartz, 6 
wisz, rott. und zergieng zti Basel wol; aber z{l Rinfelden slüg 
das wetter, was im banne stund: win, körn, boltz, ander firucht, 
nütz usszgenomen, allein in dem banne, und anderswo nit. 

Nota bene miraculum. 

Ang. 4 Item an mentag vor Oswaldi anno 49 zu nacht uff die i<^ 
10. stunden komend samliche ungestAme blitzigen und domren 
unzemlichen, uff die 11. stunden kam ein samlichen unge- 
stflme gTulich bAsse wetter, das keinre zu Basel von samlichem 
wetter ie gehört noch docht. dei wind was so grulichen gros», 
das er die ziegeltecher uffhüb , das grosser siegeregen durch n 
g&t techer in die husser Iftff, das die kamren und husser als 
fol Wassers wart, und was in den husszren was, als zu schän- 
den wart ec. 

Item der wind was so grossz, das er mechtigi grossz lin- 
den zu Basel uff Burg mit gewalt ussz dem gründe hüb und 20 
niderwarff. des ertzbriesters gericht gar nidergeworffen wart^). 
des ze Bine des sengers hoff ^} , des von Busznang hoff^] der 

72. Hl.: Bnisiug. ^ 

1) Laut Beinheim leisteten 140 Vertriebene schon Montags den 9. Juni 
dem Herzog den Huldigungseid. Andere jedoch blieben noch in Basel und 
kehrten erst Samstags den 5. Juli, unter Begleitung einiger Rathsglieder, nach 
Rheinfelden zurück, nachdem sie wegen des Huldig^ngseides unterhandelt 
hatten; s. Basels Briefe vom 23. Juni und 6. Juli, im Missivenb. V, 124 u. 12S. 

2) Des Erzpriesters Gericht wurde bei günstiger Witterung unter der 
grossen Linde auf dem Münsterplatz gehalten, und bei ungünstiger in des 
Erzpriesters Bichthaus, jetzt Münsterplatz No. 7 ; s. Wurstisen, in den Bei- 
trfigen XII, 477 und 479, und vgl. Fechters Top. 19. Ueber dieses geistliche 
Gericht s. Heusler 211 ff.' 

3) Johann ze Bin, ein Vetter Bischof Friedrichs, folgte als Domsfinger 
im Mai 1449 auf den verstorbenen Johann Ulrich Truchsess, und erscheint 1455 
als Dekan ; s. TrouiUat V, 801 und Boos 938. — Als Wohnung des Domsftngers 
diente im XIH. Jahrhundert der spätere Lichtenfelserhof, jetzt Münsterberg 
No. 9; s. Fechters Top. 21. Später jedoch, wenigstens vor der Befonnation, 
diente hiezu der jetzige Andlauerhof, Münsterplatz No. 17. 

4) Konrad von Bussnang, 1439 zum Bischof von Strassburg ervfihlt^ re- 
signierte bald nachher diese Würde, erhielt dafür als Entschädigung die 
lebensl&ngliche Herrschaft über die Obere Mundat, und starb 1471 ; s. Berler, 
im Code historique de Strasbourg II, 50 ff. Im Basler Domkapitel erscheint 



1449. . 303 

wind niderwarff ; on unzalichen grossen schaden, der zä Basel 
von dem wind genon wart, me denne man gesagen kan; das 
man wonde, die weit wolt undergon. der nuwe tum zu sant . 
Alben was mit tuen gedecket ^) ; nam der wind die tilen gegen 

& dem Kine anhin mit gewalt, warff sii mit andrem zimberholtz 
über den turn zu sant Alban in den kilchoff, das unsäglichen 
ist ec. 

Domitte kam ein samlich hagelwetter mit schiblechten 
steinen, ein teil als hflmeyer, ein teil mit antlidren; nam alles, 

10 das in der stat Basel und dorumbe was von frucht; det ouch 
unmessigen schaden au kilchfensteren und andren fenstren; 
zerslüg mir Erhart von Appenwiler, caplan der stiff, min tag- 
tach, das ich 200 ziegel müst wider decken; leich mir meister 
Thoman Rode^). die techer wurdend so zerbrochen, ein teil 

15 gantz abgeworffen , das man ein thusend schindlen gab um 
^Vs ^'9 S^^ forhin 7^2 &• iiian fand ouch nit tachziegel, als 
notdurfftig was. 

Die weit was erschrocken, das sü giengend, als obe sü 
dot werend vor widermüt. das wetter und wind worend so 

20 grosaz und starck, das beslossen turlin uffwegtend, das man 
nit ein turlin mochte zütün vor stercky des windes, das man 
zu Basel in den kilchöffen me denne 1000 vfigel hette uffge- 
lesen, von Otlicken 3) bisz an die Wissen me denne 300 her- 
licher bfime das wetter vom gründe niderwarff. wo das wasser 

t2& in die husser oder gedmer kam, das smachte by 8 tagen und 
brentzte, a& obe es das heische für were gesin; das man ouch 
meinde. 

Item anno domini 1449 secunda ante Oswaldi was das Aug. 4 
vorder jomer und schaden, der beschach, zu Basel Zugängen; 

30 was ein wind z& schetzen wider zu Binfelden. was samlich 
jomer, das su noche verzwifelet werend, das die lutt und* ir 
kint in die kelr fluchend, das sii meindent, die weit wolt 
undei^on; das grulichen strolen schussend in die turne und 

22. H0.: M Ttfgel. 

er schon 1431 als Enpriester; 8. Boos 794. Sein Hof war der spätere Regis- 
heimerhof, jetzt Münsterplatz No. 10; s. Fechters Top. 21, Anm. 1. 

l)'Seit 1435 wurde an der Restauration des ganzen Baues gearbeitet; 
B. die Inschrift am Thurme, bei Rahn, Gesch. d.bild. Künste i. d. Schweiz, 479. 

2) £r war doctor decretorum, Erzpriester und Domherr zu Basel« starb 
aber 1453 zu Magdeburg und wurde dort begraben; s. das Gr&berbuch des 
Basler Münsters, zum 1 2. Januar. 

3) Das Dorf Oetlingen, auf der Höhe, liegt 1 V2 St. Ton der Wiesenbrücke. 
Ueber das Tiel näher gelegene Schloss d. N. s. oben Brüglinger, S. 192, Amn. 5. 



304 Appenwiler. 

sich enzünttend, das on zall was. der wind und wetter und 
hagel worend so mechtig, das im schAnen eychwalde vor der 
stat by 40 grosser mechtiger eychbome ussz dem ertrich er- 
weget wurdend und uff den grünt geworffen; das keiner z& 
Binfelden so alt was, der samliches gedocht oder geh&ret hette 5 
des grossen jomers und schaden, der do für was gangen zu 
Basel und zu Rinfelden, gelich uff ein stund und zitt. 

1450 [190^] Annodomini 1450 ist gesin annus jubileus 
ad curiam Romanam^]. 

Item das dehein man ie gedocht samlicher grosser vart to 
von kiancken frowen, Ton krancken mannen, von jungen 
lütten, knaben und meitlen, das etliches tages gon Basel ke- 
rnend by 1000 bilgerin. 

Item man fand ein mossz wins zil Basel, den hosten von 
Elsass, umb 4 d. ; sust landwin und Briszgower ^) ein mosz is 
umb 3 und umb 2 d. 

(1449) Item der winter anno predicto a nativitate was als warm, 
^^' ^ das des geliehen keiner gedocht, bisz aprilis ; do kam die gröste 

kelty, und ungehüre kalte winde und riffen, das man bott zu 
Basel zA allen kilchen frage noch mittemacht trefflichen Z&20 
lütten, als wart got erbetten, das das kalt wetter und wind 

(1450) und riffen abegieng, secunda post misericordia domini anno 50, 

April 20 j . 

und warm wart. 

April 2s Item tertia post jubilate anno 50 wart Dietrich Swertfeger 
der amptknecht zu Basel für gericht gestellet, und für ein^ 
mort uff in geclaget; dennen er sin elich wip ermurdet und 
getdtted hat, Gr edlin Wildenwurtz. er wart usszgefürt und 
enthSbtet; doch gab man im das sacrament. drige tage Yor- 
hin was giossi bit; es halff aber nütz. 

Item hertzog Olbiecht von Oesterich reit zu. Basel in her- 3« 
Aug. 19 lieh'], an mitwuchen Tor Bartholomey anno 50. wart im gross 
Aug. 2ozuucht uud eic eibotten^), an domstag zer Mügen ein her- 

5. H«. : dem «amliches. 14. Am Saade, roth : nota bene. SO. Am Bande, 

Toth, eine Hand nnd: nota bene. 

1) Ueber das Jubeljahr TgL unten S. 307, auch Beinheim, BL 24**. 

2) »Landwein« hiess in Basel der Wein der n&chsten Umgegend, bis 
Mfllhausen und bis an die Sausenhardt Jenseits dieser Gbrenten wuchs links- 
rheinisch der »Elsftsser«, rechtsrheinisch der »Breisgauer*; s. Fechters Top. 43. 

3) Er kam von Freiburg im Uechüand, auf eine Einladung des lUths; 
s. den Ruf Tom 15. Aug., im Rufb. I. 185^. 

4) Ueber den Empfang ygl. Beinheim, Bl. 27b, und Adelb. Meyer, BL32. 



1450-1451. 305 

liehen tantz gemacht und kostlichen, was er und die sinen 
alle verzartend Und bruchtend, bezaltend die r6tte; dorzü ein 
köstlichen kopff mit guldinen geschencket. was im sust ge- 
schencket wart von win und fütter, verköfft sin kuchinmeister. 
5 am firitag reit er im grossen regen gon Enssiszhin. die ere, Aug. 21 
die im beschach, nam er yast viir g&t von der stat uff. 

Item feria sexta ante Bartholomei anno domini 1450 handAiig..2i 
die von Bern und gemein Eignossen und der h^rtzog von 
Safoy zamen geswoien 100 jor und einen tag^). was 13 jor alt 
10 was, müste sweren zu einer gedechtnissz. 

Item des selben tages sworend die von Zürich und die 
Eignossen wider zamen zu den Einsidlen uff dem PrfllP)) und 
den alten büntbrieffen noch zu gonde; alle nuwe bunde abgeton. 

[191] Frimo') de episcopo Friderico Basiliensi. 

15 Iste fuit in processione in die conceptionis beate Marie Dec 8 

virginis anno 50^), et tenuit festum^) in Birsseg^). i>«e.(25) 

Item intravit cum suis in vigilia circumcisionis, ostende- Dec, 31 
bat se infirmum in Basilea. sabato post ministrarunt sibi sa-1451 
cramentum, de sero horaoctava; et moriebatur in vigilia epi-ju!5 

20 phania domini hora vesperarum. et permansit in curia sua ^) 
uszque ad diem epiphania domini. hora vesperarum fuit jan. 6 

9. Ht.: VUI statt XIH. 14. Hb.: de epiaoopo Frideriei Bm. 

1) Am 4. Aug. hatte Bern mit Herzog Ludwig von Sayoyen den Vertrag 
Yom 23. Febr. 1448 wegen Freiburg LU. erneuert und ergfinzt; 8.Eidg. AbBch. 
U, S. 246. 

2) Am 13. Juli hatte zu Einsiedeln der Schiedspruch Heinrichs von 
Bubenberg, durch Aufhebung des östreichischen Bündnisses von 1442, den 
letzten Streitpunkt zwischen Zürich und den Eidgenossen erledigt; s. Eifg. 
Absch. n, S. 844 £ 

3) Vor diesen Abschnitt gehört nach der Zeitfolge die auf Bl. 193 be- 
findliche Witterungsnachricht vom 18. Oct. 1450; s. unten S. 307. An ihrer 
Stelle steht hier auf Bl. 191 die Ueberschrift »Coronatio regis Frideriei de 
Austria Romanorum regis«, die sich auf die 1442 zu Aachen vollzogene Krönung 
zu beziehen scheint Ueber diese Ueberschrift s. Beilage III, sowie auch 
oben S. 233. 

4) Ueber diese Prozession, wie sie zu Basel gehalten wurde, s. Briüngers 
Ceremoniale, S. 69. 

5) Zu sfestum« erg.: nativitatis (25. Dec). 

6) Schloss Birseck, bei Ariesheim, war früher verpfbidet, aber unter 
Bischof Johann von Fleckenstein wieder eingelöst worden imd diente seither 
hfiufig als bischöfliche Residenz. 

7) Im Schürhof; s. oben Rathsb. S. 57, Anm. 5. 

Basier Clironilceii. IT. 20 



306 Appenwfler. 

ductus ad ecclesiam aperte, anno domini 1451, et ifai aepiil- 

tus^). requiescat in sancta pace. amen. 

Item man hat dem bischoff von Basel köstlichen gefolget 
Jan. 2iquinta post Anthonii anno 51. 

Item man hat 2Y2 centneren waches, 24 stangkeitasen, s 

6 guldin tflcher uff sime grabe und im köre uff der bore. 
Item man gab iedem priester, der messz hat, ein mete- 

plangen , allen cldstern und stiffien win , allen armen lütten 

win und brott, allen priestren kertzen. 
Jan. 29 Item feria sexta ante purifficationis Marie anno domini 10 

1451 hat das cappitel von Basel einhelliklichen erweit sem 

obersten höbt und zem bischoff meister Amolt Yon Bopetg 

den t&ntechan uff der stiff^) ; on zweigung beschach die kürr'). 
April 27 Item feria tertia post festum pasche, anno ut supra, ye- 

nerunt littere confirmationis a Boma domino nostro Basiliensi; u 

et factus fuit dominus de Fleckenstein decanus chori Basüien- 

sis^), anno ut supra. 
Jnni 13 Item dominus Basiliensis fuit consecratus in episcopum 

ipsa die penthecostes a tribus episcopis, scilicet Wormaciensi, 

Argentinensi, Basiliensi, anno domini 1451^). ^ 

Item dominus Basiliensis Arnoldus de Rotberg celebravit 
Juni 24 primam ^ missam suam ipsa die corporis Christi in ecclesia 

Basiliensi, et portavit sacramentum in processione, sicut moris 

est, anno domini 1451. 

1450 [191^1 Item Albertus dux Austrie intravit Romam cumss 
suis Lucie anno domini 1450, cum fistilatoribus et trometis. 
fuit valde honorabiliter acceptus et hospitiatus in Castro Angeli 
Item dominus papa ^) dedit sibi omnes expensos honora- 
biliter, fecit ipsum militem, proponavit sibi pretiosissimum 

2. Hb. : reqnieacaai. &. Hb.: XX7I sUtt XXIY. 

1) Ueber sein Begr&bnuB 8. oben Rathsb. 8. 57. 

2) Dekan war er seit kunem, da sein Yoigfinger, Job. Wiler, erst am 
27. Aug. 1450 gestorben war; s. Tonjola 8. 

3) Diese Einstimmigkeit hatte bei der letiten Biaohofswahl, 1437 , ge- 
fehlt; s. Gerung 341. 

4) Friedrieh, ein Neffe des 1436 yerstorbenen Bischofii Job. Ton Flecken- 
stein, starb zu Strassburg am 20. Dec. 1453 ; s. Trouillat Y, 808. lieber seinen 
gleichnamigen Vater s. unten Anonymus z. J. 1431. 

5) Vgl. die Zus&tse su Oerung, Ausg. Ton Th. yon Liebenau im Anseiger 
f. Schweizer. Qeseh. 1879. 8. 187 : ab Argentinensis, Wormatiensis et CoMtan- 
tiensis episcopi suftaganeis.* 

6) Nikolaus V. 



1450^1451. 307 

gladium de aurato, et seeundum diotum omnibus propensus 
fuit in yaloie sex milia dugatorum et maxime ultra. 

Item sabato ante Thome anno 1450 was so giossz folg züdm. i9 
Rome, das der bost verkiint Fronicam^) sü wisen, den aplas 
& zh verkünden, den segen xft geben uff 2. hora. do was so 
YÜ Tolckes, das es geschetset wart ftir hundertmolen hundert- 
tbusend. was birge, feit, Strossen, alles vol, das sieb der 
bebst wundert und sich gesegnet, was sin meinung : das T9lck 
solte mom &Ag enweg gon, das das ander volck dester witerDee. 20 

10 hette. 

Item do das volck enweg eouch, wart das grAste jomer uff 
der Tiberbruck^) von grossem volck und nott, das me denne 
400 inönschen') sertretten, ertrucket» erstecken wurdend und 
in die Tyber fielen, ertrunckend. do halff got eime ussz; dem 

15 reisz ein Komer die kelen abe umb sin g&t. do kam ein car- 
dinal uff die brücken, clen wolte man erslagen hau ; doch wart 
im zwei mull erscossen, 4 diener zh tode. slflgend die Unger 
und Romer die tor sü, slügend mit bengelen, mU messer in 
die armen bilgerin; dem got halff, der kam derfan. do verlor 

20 manig fromer gerader man, geistlichen, weldiehen , edel, un- 
edel, und frowen, schamlichen ir junges leben, bi den grosse 
g&t funden wart, hette man die tor nit beslossen an der 
Tiberbrucken, es were nit besehechen. 

Item momdes komend die kardinel mit iren dieneren, D«e. 21 

2» weitend aber über die Engelbrüge ritten s& hoffe, do worend 
bilger, üngeren und ander, weitend sü erstochen, erslagen 
han; m&stend einen andren weg ritten. 

Item do wurdend drige grüben gemacht uff dem gotsacker, 
umb die armen bilgerin willen 4). 

30 [193] Anno domini 1450 dominicä post festum sanctioetis 

Galli^) kam ein g^ulich grosse keltin mit dürrem gefirust on 

4. H»nd am Ksnde. 19. Hs.: do Telor. 20. Ha.: geraden man. 21. Hinter 
»leben« nachtrftglich eingeschaltet: »Terlarendc 

1) Das Tuch der heiL Veronica, mit dem Abdruck des Antlitzes Christi. 

2) Die Brücke swischen der Stsdt und der Leoninischen Vorstadt, also 
zur St. Peterskirche. Wegen der nahen EngeUburg hiess sie auch, wie noch 
jetzt, die Engelsbracke; vgl. unten Z. 26. 

3) Andere Berichte sprechen von 200. S. Gregorovius, Gesch. der Stadt 
RomVU, 113. 

4) Ueber Bl. 192, das erst später beschrieben wurde, s. oben S. 227, 
Amn. 5, und S. 232. 

5] Nach der Zeitfolge gehört diese Nachricht auf BL 191 ; b. oben S. 305, 
Anm. 3. Ueber die Ursache ihrer Verschiebung s. oben S. 233. 

20* 



308 Appenwfler. 

sne, das es die weit umblichen nam, das ein teil brunnen z& 
Basel überfioiend. 

1451 Item anno domini 1451 dominica ctnte Johannis baptiste 

Juni fMl • 

macht min her von Basel, her Amolt, sinen prüder her Bern- 
hart von Roperg zem burgermeister^). s 
Jitni 24 Item anno domini 1451 kam festum Johannis baptiste uff 
corporis Christi. 

« 

Aug. 13 Anno domini 1451 feria sexta ante assumptionis MEarie 
wart der Hin snell so grossz^), das er zu Basel gieng zem 
Suftzin, und grosser schade beschach Ton brücken, die enw^ lo 
runnent, zu Seggingen und anderswo ; z& Nuwenbuif; das würe 
und husser enweg ran. 

Item samlicher grosser schad beschach von der Birsse, be- 
sunder zfl Ldffen. 

Not. 17 Itcm an mitwuchen fieng ein grosser Sturmwind an uff i^ 
die dritte stund, und werte die gantz nacht, das man wende, 
Basel wolte undergon; vor sant Elisebeten tag anno 51; und 
frugenlichen geregnet. 

Not. 18 Item an dornstag Tor Elisabete zu dem nachtmoU kam 
aber ein gruwlich wind und mit eime hagel, das grpssz steinst 
fielend, das die stein momdes untz mittentag denecht uff Burg 
uff dem miste legend, anno 51. 

• 

Anno domini 1451 was pestelende zu Basel ^), doch nit 
zu grossz. aber dem der sine abegieng und schaden beschach, 
hatte sich zu clagen. doch starb me mannesnamen denne ^ 
frowennamen. 

1459 bis 1461 Anuo domini 59 was pestilency z& Basel, aber nit gresi. 
duravit succesive duos annos. 

1451 [193^] Anno domini 1451 zugend die von Basel uff sant 

21. Bf.: nuB mittontog. 28. dnimTit ec mit andrer Tiat«. Der Fuu dor 

Seite leer. 

1) Der Bflrgermeister wurde allj&hrlich vom Rathe gewählt und Tom 
Bischöfe nur bestätigt; 8. Heusler 38U. 

2) Ueber diese Uebenchwemmung vgl. Beinheim, Bl. 27i>.. Gegen die- 
selbe, sowie gegen die gleichzeitige Pest (s. unten), yerordnetCL der Rath auf 
den 14. Aug. einen Bittgang; s. Rufb. I, 190^ sum 13. Aug. 

3) Vgl. Anm. 2. 



1451—1452. 309 

Martins ti^O ^ kumg Fridrich Ton Oesterich mit andren Not. (lo) 
stetten und fil herren über berg, als er gon Rom för noch 
der kaiserlichen cronen. doch lies er die stette lang zitt das 
ir vertzeren an manigen enden trefflich, obe er zu den stetten 1452 
&kam^) mit kunig Laszlaus von Behem^) und sinem brüder^}.^ "*'^ 
Item purif&cationis anno 52 ^) wurdend Behem, Ungren, Febr. 2 
Oesterich vor Wien zammen ritten^), und treffenlichen mit 
macht und gewalt zu rotte einhellicklichen ; und nomend Wien 
und gantz Oesterich in, in ir band und gewalt. und allen 

10 gewalt, den kunig Fridrich doran hatte, was Schatzes und g&tz 
und brieff er z& Wien in dem huse und Testen 7) hatte, wart 
als genomen von sime gewalt^). 

Item dem kunig Fridrich kam sin wip die kunigin von (Vebr. 23) 
Fortegal mit 1000 personen zd der Hohen Sien, secunda post 

15 occuli anno 52 ^). if&n (i«) 

Anno domini 1452 hat Hans Scheckeburlin ein kremer 
von Basel gestifilet das salve . regina zd singen uff Burg am 
samstag zu nacht ^<^), und begebet doran 200 guldin; wart an-Joiis 
gefangen ipsa die Kyliani et sociorum ejus, anno predicto. 

20 Anno domini 1452 sabato post nativitatis domini hora infraDec. 30 

quartam et quintam obiit ancilla mea Ennelin Baldenweg de 

7. Hfl.: Oeatorich und Wien. 15. Ha.: anno L. Folgt i/s Seite leer. 

1] Statt »tag« L: obend; 8. Anonymus, in der Forts, z. Kaiserchronik, und 
Tgl. Eathsb. S. 87. 

2) lieber diese Verzögerung s. Anonymus a. a. O. 

3) Ladislaus Fosthumus, geb. 1439 als König Ton Böhmen und Ungarn, 
stand unter Friedrichs Vormundschaft. 

4) Herzog Albrecht. 

5) Dieses Datum bezieht sich auf den Landtag zu Wels, wo die ober- 
östreichischen Stfinde sich dem Aufstande Niederöstreichs anschlössen, der am 
12. Dec 1451 mit dem Landtage zu Wien begonnen hatte; s. Lichnowsky VI, 
Reg. No. 1621. 

6) Die ungarischen St&nde schlössen erst am 5. Mftrz 1452 mit den- 
jenigen Oestreichs zu Wien ein Bflndniss gegen Friedrich; s. Lichnowsky VI, 
Heg. No. 1630. 

7) Die Wiener Hofburg, die schon seit Dec. 1451 sich in der Gewalt der 
AuiSrtfindischen befimd. 

8) Ueber den Ausgang dieses Aufstandes s. unten Anonymus, in der Forts. 
zur Kaiserchronik. 

9] Zu Siena empfieng Friedrich die Prinzessin Eleonora Ton Portugal 
schon am 23. Febr. Das Datum im Texte, welches statt »secunda« genauer 
»quinta« lauten sollte, bezieht sich auf die Vermählung, die am 16. M&rz zu 
Rom erfolgte. 

10) Ueber diesen Gesang s. Brilingers Ceremoniale, S. 80. 



310 Appenwücr. 

Keyaerstbl. et morabatur mecum IS ännos, et jacuit in egretu- 
dine peT octo septimanas. sepulta est in aandto Albano, ante 
cappcälam beate Marie tiiginis. 



[194] Benenatus civis Anchonitanus^) dicit omnia 
infra scripta Tidisse in Constantinopili, preter des 
i453morte inperatoris nisi ex auditu, anno 1453 apiilL 

April 4 Item quarta apriÜB imperator Turcomm^) venit cum exer- 
citu suo ipsa nocte ante civitatem Ck)n8tantinopolitanam; et 
April 5 die sequenti completus fuit exercitus per mare et terram col- 
locatus. 1« 

Item quod fuerunt paviloni 60 000 per terram, scüicet 
sexaginta milia per terram. 

Item fuerunt inter fustes, scilicet kaiken^}, et galeas per 
mare 300, scilicet tres centos. 

Item inter omnes homines /«eiunt per terram 6 000 000, i» 
scilicet centies sexaginta milia ^). 

Item fuerunt per mare homines 36 000, scilicet triginta 
sex milia. 

Item erat una bombarda, que semel emitebat lapides tres 
inequales^). item quod lapis major erat ponderis libris 1300, ao 
scilicet mille et trecentas libras. item lapides alii minoris 
erant ponderis, libris 300, scilicet trecentum. 

Item quöd stetit campus ejus siye exercitus ante dictam 
April 4 bu civitatem a dicta die quarta aprilis usque 29. maji, sunt 2 in- 
^ clusive quinquaginta sex. » 

4. Hl.: AnclieniUtns. 6. Hi.: OonfteatlBopiUB. 7. Hs.: qv*rte pott 

aprilia. 11. Alle grÖ«ier«n Zahlen dieaea Abachsltli kftkea is <«r Ha. ara> 

biache Ziffern. 17. Ha.: tringinU. 20. Ha.: 10000 acilk«t «flle et 
treeenataa libraa. 

• 

1) Vgl. unten S. 312: antedictuB consul Anchonitanim. — Ein ancona- 
tiscbes Schiff nahm an der Vertheidigung Constantinopeli TheO; s. Mordt- 
mann, Die Belagerung Constantinopeli S. 31. 

2) MohamedIL 

3) TOrkisch: kaik, d. h. Schiff. — Fustes lind SegdschüEa« im OegensaU 
zu den galeae oder Gfaleeren. 

4) Vielleicht entstellt aus: 160000 icilicet centum sexaginta miUa. — 
Diese Zahl erreichte das belagernde Fussvolk, hinter welchem überdieas noch 
100000 Reiter lagen; s. Hammer, Qesch. d. Osman. Reiches I» &2S» und TgL 
Mordtmann a, a. O., S. 41. 

5) Das Rieaengeschats, welches hier gemeint ist, solioas mag etnerlei 
Kugeln ; wohl aber standen neben ihm 2 andere Geschfltae, weklis die hier 
erwähnten kleineren Kugeln sehossaa. 8* Hammer I, 526w 



1453. 311 

Item qualibet die dabat bellum ter per tenam, in divenis 
locis, cum bombardis et sagitis et schopetis^). 

Item donec quod quidam Johannes Justinianus Longus 

Conatantinopolim custodiens simol cum imperatore et suis no- 

5 bilibus locum fractum per bombardas aufugit cum 36, id 

es« ] • • • • 

Item quod 28. die maji de nocte incepit bellum pei mareiui 28/29 
et pei terram circumcirca ciTitatem, et resistebant optime in 
existentibus muris ipsi Turcko. sed postquam dictus Johannes 
10 aufugit, idest recesst^ adveniente die 29. maji, media hora diel Mai 29 
capta fuit civitas Constantinopolitana. 

Item audivit ab uno trombeta, quod imperator fuit inter- 
fectus et ejus capud supra lanceam Turcorum domino presen- 
tatum. 

15 Item de reverendissimo domino caidinali^) nichil scitui 

de yeritate, nisi quod stabat supra muros ad custodiam. vidit 
tarnen multos ejici moituos, et unus viyus des muiis ejec- 
tus fuit. 

Item quod diebus duobus, antequam bellum terminaretur, (Mu si) 
20 emissum fuit a Turcorum imperatore barminum^) sive edictum, 
ut quisque Christianus libere exire posset per yiam Pere^); 
alias quicunque repertus esset in ciyitate post, si capi contigit, 
ab annis octo supra sine yenia morti daretur. 

Item imperator Turcorum per duos dies dedit civitatem, 
25 et omnia et singula, ad predam sacomannis. 

[194^] Item quod erant meruli custodiendi 11 000, scilicet 
undeiam milia«). 

Item erant tanti homines ad custodiendum dictorum mem- 

6. Bamn ftr einfga Zeilen freiflreluwn. 10. Ha.: svfttigit» idest reeerat. 

15. Hl.: Bicln] citw. 17. He.: mutko« «id. 36. Ha.: 110060. 

1) Hsndbüehieii, aua dem ItaKenischen : ichiopetto. 

2) Dieser Satz ist unyollstfindig. — Der vom Kaiser ConstantinDragoses 
mit dem Oberbefehl betraute Johannes Longus Qiustiniani war verwundet, als 
er die Bresche verliess. 

3) Cardinal Isidoma, ein gebomer Qrieche» war von Nikolaus V . auf den 
Wunsch Kaiaei Constantins geurndt worden, um die Vereinigung der griechi- 
■cfaen Kirche mit der rOmiaehen dmrchsnf&hren. Er gerieth in Qe&ngenschafk^ 
doeh ohne erkannt au werden, und entkam spiter. 

4) Einen Ferman. 

5] Per% Ton Constantinopd durch das Ooldne Hörn getrennt, gehörte 
den Oaiue«en und galt deshalb bis zu Ende der Bdagemng als nentraL 

6) Diese Zahl der Zitmen lunfaast die t;ffaMBintff Bin^nauer, sowohl auf 
der 8ee- ala Landseite; s. Mordtmann S. ^2. 



312 Appenwiler. 

• 

lorum, scilicet menias, simul cum reverendissimo domino car- 
dinali^), tlOOO scilicet undecim milia^). 

Item quod yisores^), qui duxenmt necessaiiai per terram 
solum erant 3000*]; quorum caput aut capitanius erat bavilus 
Venatorum predictus'^}, antedictus consul Anchonitanim®), et» 
mangnus dux baro imperatoris ^). 

Item quod predicti omnes provisores®), ut credit, inter- 
fecti fuerunt; ipse solus eyasit, quia remanserunt pedestres in 
platea^). 



Epistola missa a imperatore Turcorum domino 
nostro pape ad Romam anno 53^®]. 

Morbesanus Toresti [Ihesin] cum fratribus [Terabi et Vi- 

2. Hl.: 110000. 12. Cod. A: Mon Basinns Herebi Ihesin. 12. GoA. M : 

Carabi st VifbaUt. Cod. L nur: cum fratribuB snia. 

1) Cardinal iBidonis hatte nur 200 Mann mitgebracht; s. Mordtmann 
S. 46. 

2) Sonstige SchftUungen schwanken zwischen 7 und 9000 ; s. Sbxnm^ 
I, 528 und 543, auch Mordtmann S. 30. 

3) Vermuthlich entstellt aus : provisores ; rgL unten. — Unter provisore^ 
italienisch approvisionati, sind geringer bewafinete ELnappen oder Trabanten 
zu verstehen. Diese hatten die zur Vertheidigung nöthigen Arbeiten zu rer- 
richten, d. h. Material zur Ausfüllung der Breschen herbeizutragen ec; daher: 
qui duxerunt necessaria. 

4) D. h. am bedrohtesten Theil der Mauer auf der Landseite waren 3000 
Mann postiert; die Aufstellung der übrigen 4000 s. bei Mordtmann S. 45 ß. 

5) Der oben erw&hnte Genuese Giustiniani, der neben dem Kaiser diese 
3000 befehligte, scheint hier verwechselt mit Hieronymus Minoto, dem BaQo 
oder Consul der Venezianer, der mit letzteren einen mehr nördlich gelegenen 
Theil der Mauer vertheidigte; s. Hammer I, 542, und Mordtmann S. 46. 

6) Dieser Consul der Anconaten — ohne Zweifel der in der Uebersdirift 
erwähnte Augenzeuge — wird in keinem andern Berichte genannt. 

7) Vermuthlich ist hier Lucas Notaras, der Grossherzog des griechischen 
Kaiserreichs, gemeint; dieser vertheidigte jedoch die Nordseite der Stadt, 
Iftngs dem Goldnen Hom. S. Hammer I, 543, und Mordtmann S. 47. 

8) S. oben Anm. 3. 

9] Er gehörte also vermuthlich zu denjenigen, welche zu Pferde sti^^ 
und den Hafen erreichten. Ueber diese s. Leonhardus Chiensis, De nrbis 
Constantinopoleos jactura, Bl. f 2 der Nürnberger Ausg. von 1544. 

10) Etwas besser, als bei Appenwiler, ist der nachfolgende Brief im Cod. 
Bas. E HI 15, Bl. 1 63 ff. erhalten, welcher einst dem Johann HeinHn de Lapide 
angehörte und mithin jedenfalls vor 1487, d. h. vor dessen Eintritt in's Kar- 
th&userkloster, gefertigt wurde. Wir legen daher unserm Texte diese letztere 
Hs. zu Grunde, doch unter Vergleichung der Abschrift AppenwQers, sowie 
auch des Murbacher Cod. No. 45, Bl. 9 ff., jetzt in der Stadtbibliothek zu Col> 
mar, dem wir einige Varianten entnehmen. Was wir im Texte aus Appenwiler 
ergänzen, ist durch Klammem imterschieden , während wir bei den Varianten 



19 



1453. 313 

schick], impexatoris Urganei^) collaterales piigiles et in pai- 
tibus Achaye^) domini, magno sacerdoti Bomanorum juxta 
merita dflectionem. 

Nuper auribus nostris intonuit, quod in partibu8 Italic, 

5 ad preces et postulationem populi Venetoium, in basilicis yestris 
publice divulgari facitis^], quod quicumque aima sumpserint 
contra nos et nostros, suorum in hoc secido remissionem ac- 
cipient peccatorum, eisque beatam vitam promittitis in futuro. 
cujus [enim] rei yeritatem oculata fide comperimus per ad- 

10 yentum quorumdam peditum cruciferorum, qui nupei [huc] in 
YenetOTum nayigiis transfretarunt. 

Piopter quod admirari cogimur yehementer. quia dato, 
quod a summo tonante yobis esset concessa potestas absol- 
yendi animas yel ligandi, tarnen maturius in hüs procedere 

\i deberetis, neque Christianos et maxime Italicos crucis caractere 
insignitos inducere super nos ; cum scimus, quod patres nostri 
ante dixerunt nobis, quod populus noster Thurcorum innocens 
fuerit mortis et injurie yestri Christi crucifixi; et cum loca et 
terre, ubi sanctuaria yestra sunt, minime possideantur per nos. 

3oimmo populos Judeorum exosos semper habuimus, et [etiam 
adhuc] habemus; quia, prout in historüs antiquis et cronicis 
nostris audiyimus, ipsi proditorie et per inyidiam eumdem 
Christum yestrum prophetam Iherosolimis tradiderunt presidi 
Bomanorum, quem in crucis patibulo mori fecerunt. ac in* 

25 super, admirari et dolere conpellimur, quod insurgant contra 
nos Italici; cum latens amor nos incitet ad dilectionem ipsorum, 
80 quod ipsi et ipsorum magnalia et parentes a Trojanorum 
sanguine processerunt. quorum auctores fuisse scimus yera- 
citer Anthenorem et Eneam, de sanguine magni Priami pro- 

30 creatos. in cujus locum adepturi sumus imperium in partibus 
Europe, secundmn fepromissiones, quas a düs nostris patres 
nostri habuisse noscuntur. et Trojam magnam intendimus 

2. Cod. L: domians. 3. Cod. L: diloeto. 6. Alle drei He.: iompnerit. 

8. Cod. A: in fatornm. 9. Cod. A und L: ocnlta. Cod. M: oenlate. ^ 9. Cod. 

A und M : flde deeeraimne. 30. Cod. L: locum dacturi eumve. 



die drei Hm. mit L (Lapide), A (Appenwiler) und M (Murbach) bezeichnen. 
— Im übrigen rgl. über diesen fingierten Brief Hegel, in den Chron. d. d. 
St&dte X, 200/ Aaul 2. Die dort erw&hnte Münchner Hs. wurde hier nicht 
Terglichen. 

1) D. h. Orohan. 

2) In Griechenland hatten die TOrken schon seit 1397 festen Fuss gefasst. 

3) Falls dieser Brief erst 1453 yerfasst wurde, so ist hier die Kreuzbulle 
Nikolaus Y. Yom 30. Sept. 1453 gemeint. 



314 Appenwfler. 

restaurare et ulcisci san^inein Hectoris ac Hilyonis ruinamiK 
nobis Grreconim imperium subjugando, et dee no«tre PaUadis 
factum punire in transgressorum heredes. insuperque inten- 
dimus Cretam et alias marinas insulas, quas Venetorum po- 
puluB antedictus violenter extorsit a nobis, nostro imperio re-» 
promissas totaUter vindicare, [195] easque dominationi nofltre 
subicere jurisdictionique. 

Idciico prudentiam vestram attente requirimus et logarnns, 
quatenus epygramatibus vestris per terras Italie missis ad in- 
stantiam supradicti populi Venetomm silentitun imponatis, non m 
proTocantes contra nos amplius sub pietatis specie populnra 
Christianum; cum erga vos et ipsum nullam guerram proptei 
credulitatis differentiam habeamus. cum enim nihil nobis re- 
ferat, si ipsum Colitis Christum, quia et nos ipsum reputamus 
fuisse prophetam magnum , neque enim tos ex lege ipsiiis, » 
prout audivimus, potestis aliquem ad credulitatem compellere. 
si autem lis aliqua vel discordia orta est inter nos et populnm 
Venetomm, hoc accidit, quia ipsi indebite [et] nulle justitie 
muniti colore, nön sub cesaris nomine Tel alterius monarche, 
cui ex lege aliqua temporalia sint promissa, sed ex sna super- n 
bia ac temeritate, jam dudum quasdam marinas insulas et 
alia loca, que nostro, ut supra diximus, sunt repromisaa im- 
perio, crudeli tyrannide subjugarunt. que toUerare de celero 
non possumus, cum futurum tempus nostre promissionis in 
proximo nunc instet, propter que et alia potestis et debetiss 
merito ab inceptis desistere, et specialiter cum audiTerimns 
ipsum populum Venetorum fore alienum a vita et moribus 
Romanorum, quia secum legibus viTunt, nee moribus aliorum 
conyertuntur, 'sed se solos existimant cunctis circa se adjacen- 
tibus populis meliores. quorum yesaniam superbiamque deo-» 
rum nostromm et summi Jovis auxiUo ad extremum deda- 
cemus. 

Alioquin, si ab inceptis vestra prudentia non desistat, 
ampliare curabimus vires nostras, sumpto divini imperatoris 
U^anei auxilio et aliorum orientalium regum et prineipum, ss 
qui Simulant se hodie dormire. quorum muniti presidio tra- 
hemus a finibus terre armatonim acies navesque copiosas. per 
quas non solum contra vestros pedites crudfeios resistemus, 

28. Cod. L: nee aecnm. 29. Ood. L: oontiintiir. Cod. A und M: oofmBtv. 

29. Cod. L: e8tim»iit. 30. Cod. L: inisniam. 33. Cod. A. nad X: detistei« 
notaerit. 34. Cod. L: diTini. Cod. A: domiao. Cod. M: doniiii. 

1) Der Name "^rei wurde abgeleitet Ton Teueri, daher ihre Herkunft 
▼on Troja. 



1453^1454. 315 

* veTumque, si contra nos Bomanam ac Germanicam et Gralli- 
cam militiam provocetis, mtendimus hostiliter obTiare; ac de- 
mum, favente Mercurio Neptunoque, per mare Ponticum, 
Helespontiacum, [Albaniacum] et Dalmaticum cum innume* 

& Tabili clasae nostroque nayigio henri flatibus peiducti, inflanti* 
buaque velis aitificiose ductis lemigio, intendimiu pertransire 
et septentrionalem plagam, presertim [circa] Cioatiam et Dal* 
Tnatiam, Tisitare. 

Datum anno Machumeti septingenteaimo quadrageaimo 
loquinto^X üi introitu mensis hasiensis^) ec, in palatio nostro 
triumpbali. sigillata ec, registiata ec. 

Anno domini 1453 omnium sanctorum soch ein giosszNov. i 

gezüg z&samen, das die von Basel von manigen enden gewamet . 

worend, das man die cleini stat wolte bekunbret han zu ge* 
15 wunnen, das grossz h&t die gantz nacbt was offenlichen und 

heimlichen, die rotte sossend von 10 zu nacht bisz 4. 

Item der vorder gezug, do er nütz mAcht schaffen, zugend 

sü fiir Schofhussen^), dotend grossz schaden; besunder dem 

spital branttend su dArffer, trotten; und etliche brantschetzet 
20 und denecht das ir genomen, maniger erstochen, anno 53. 

her Caspar von Kopolstein, her Adan von Asoltzhin^j) der von 

Bechbei^ worend hSbtlut^}. 

[196^] Feria quinta post Erhardi anno 1454 was sam-1454 
liehen ungestümer grossz wind, und ein teil mit regen, des *"' 

3. 4. Cod. L: PoBticam Halemontam et DalmatUim. — AlbMiUenm Bur Cod. M. 
10. Cod. A: VIKXLIX. Cbd. L: Mptinsentecimo qnadringOBletimo quinto. ->• Cod. 
▲ : Bouk MldM. Cod. M: «Mais ««im. 

1) Dieses Jahr 745 würde dem christlichen 1348 entsprechen. Zum Jahre 
1 453 hingegen würde das mohamedanische 856 stimmen. Es ist daher möglich, 
dass das Datum dieses Briefes ursprünglich DCCCLVI lautete, aber durch 
Abschrift in DCCXLV entstellt wurde. 

2) Vielleicht Dsul Hedje, der achte Monat des mohamedanisehen Jahres. 

3) Ueber diesen Anschlag Hans von Rechbergs auf Schaffhausen Tgl. 
Th. von Liebenau, im Geschichtsfreand XXXn, 65. 

4) Adam tob AnsoHsheim, Ritter, lebte mit Basel seit 1451 in fottwihren- 
dem Streit, so dass im Herbst 1452 der Rath sich berieth: ob man gelt uff in 
bieten welle. Seit 1. Oet 1453 war er überdiess von einem westphtiiscben 
Gerichte geächtet; s. Stftdt Urk. 1451 Jan. 20 und 1453 Oct 1. femer Ob. II, 
182 und 207. — Ueber die Schlichtung dieser Fehde dxath Hersog Albiecht 
s. SlÜt Urk. 1454 Jan. 5 ~ April 30, auoh OK U, 246. 

5) Den Inhah von Bl. 195^—196 s. unten als Beilage m. — Hieket 
s. J. 1453 gehört nach der Zeitfolge audi die Nachricht von der Niederlage 
der Qenter b« Qavre, vom 22. Juli 1453, welche Appenwüer auf Bl. 181 unter 
der Niederlage der Lflttiebcr von 1408 eingetragen hat; s. Beilage U, und 
T^ oben die Binleitnng S. 233. 



316 Appenwiler. ^ 

geliehen lang nie gehört ward, tag und nacht; werte untz 
Jan. itt mitwuchen ante Anthonii, anno predicto. 

lui 10 Anno domini 1454 feria sexta ante jubilate, hora quasi 
quinta, wart her Hans Münch^) uff. Burg zu Basel vor dem 
paradis^) gefangen von Hans Waltenheim sime süne^) unds 
Peter Offenbu^ sime vettert) frefenlichen, mit gewalt gef&rt 
in des jungen Waltenhins hus ^) . als bot man den rotten zu- 
samen: denne sü nütz dorumb wüstend, als wart er vertr&stet 
für 20 000 guldiu; in drigen wuchen zem rechten zu Basel zu 
stonde ec. ^). k< 

lUi 12 Item an sunnentag, mitte meyen, zi nacht anno 54 was 
ein samlich grossi keltin mit lutrem himel, das man uff 10 
anfieng in allen kilchen und clostern zfl lütten gar starg, bis 

Mai ismentag frflge uff die 6. stund, do kam ein grossz nebel; were 
der gesin, der riffe hette genon, was uff dem velde were gesin. u 
der Blöwe^) lag vol snewes, das untzalichen was. 

Jaul 15 Item vigilia trinitatis anno 54, scilicet in fine junii, was 
samlichen kelten und regen, das ich mftst min stuben heitzen. 

Jniii Anno domini 1454 secunda ante visitationis Marie intra- 

6. Hl.: Waltheim. 6. Hs.: sime TaUer. 8. Hb.: ▼entr^ftot. 12. Hs.: 

grStd keltin. 

1 ) Hans M. von Landskron ; s. oben Rathsb. S. 59. 

2) Also vor dem westlichen Hauptportal des Münsters. 

3) Hans von Waltenheim d. jüngere, ein Sohn Hans ▼. W. des filteren, 
des Rathsherm der Hausgenossencunft, und Neffe Jakobs ron W., s. oben 
Rathsb. S. 154, Anm. 2. 

4) Durch seine Schwester Brigitta, seit 1416 vermfihlt mit Hans ▼. Walten- 
heim d. filtern, war Peter von Offenburg der Oheim Hans v. W.'s d. jungem ; 
B. den Offenburgischen Stammbaum, im Cod. N k 169 der königL Bibliothek 
SU Augsburg. 

5) Beide Waltenheim , Vater und Sohn, wohnten neben einander am 
Rheinsprung; s. Schönberg 604. — Die Ursache dieser Qewaltthat ist unbe- 
kannt. Vermuthlich aber betraf der Streit die Hohe Stube cum Brunnen, 
welcher sowohl Offenburg als Waltenheim angehörten; ygl. unten S. 318, 
cum 19. Aug. 

. 6) Also auf den 21. Mai ; dasUrtheübuch des Stadtgerichts, im Gferidits- 
archiv A 26, enthfilt jedoch keinen Spruch in dieser Sache. — Am 22. Mai er- 
liess hierauf der Rath ein allgemeines Verbot der Appellation von Stadtgerichts- 
Sprüchen, und am nfimlichenTage wurde auch mit Hans von Waltenheim dem 
filteren in diesem Sinn gesprochen; s. Ob. II, 241, %. Theil abgedruckt in 
den Rechtsquellen No. 146. — Ueber den weiteren Verlauf s. unten S. 318. 
7] Wohl schwerlich der Jura-Blauen, sondern die Schwarzwaldspitse d.N. 



J454. 317 

Tit dux Burgundie^), dux Austrieb), Otto') et Ludwicus duces 
BaTarie^), maichioBrandenburgensifl, duomarchionesBadenses^), 
episcopiis Argentinensis. in numero fuerunt quatuor duces, 
9 piincipes, etiam cum magna comitiva sine numero, cum 

& duxissa Austrieb) et soror inperatoris^). intrarunt ad Fri- 
burgum; et fiiit magnum festum usque secunda ante Heinricijous 
inperatoris, in hastiludendo et curisando. 

Item dux Burgundie intravit ad castrum RAtlin tertia ante Jnii 9 
Heinrici inperatoris, anno 54, cum tres centum equis; et 

10 marchio ^) benigne traxavit eum. 

Item quarta ante Heinrici 54 dedit dominus. BasiliensisJou lo 
obyiam cum magna comitiva duci Burgundie, et duxit eum 
ad Basileam hora octava. Basilienses benigne traxtaverunt 
eum cum suis comittibus, militibus, baronibus; positus fuit in 

15 curiam Surlin, scüicet Schonen Ort^). 

Item quinta ante Heinrici inperatoris anno 54 Bemhart Jnii ii 
SeYOgeP^) et Johannes Waltenhin*^) hastiluserunt in presentia 
domini ducis Burgundie .et sua comittiva. et Sevogel obtinuit, 
hora quasi quinta; et Waltenhin fuit inunctus cum extrema 

20 uncione, et quasi hora undecima fuit mortuus in domo medici, 
et sepultus apud Idinoribus ^2). 

21. Eine Bftndbemerlraiig von Wylers Hand i. nnten Beili^e YII. 

1) Herzog Philipp war auf der Rückkehr Ton Regensburg, wohin der 
Xaiger einen Reichstag wegen eines Türkensuges ausgeschrieben hatte ; s. unten 
Anonymus s. J. 1454. 

2] Herzog Albrecht ; s. ebend. 

3) Otto von Mosbach, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Baiem , ein 
Sohn König Ruprechts. 

4) Ludwig der Reiche, von Baiem-Landshut 

5) Karl I. und Bernhard der Heilige, die filteren Söhne des 1453 yer- 
storbenen Markgrafen Jakob. 

6) Herzog Albrecht war seit 1452 vermfihlt mit Mathilde, einer Tochter 
Amadeus VIIL von Savoyen und Wittwe Gh'af Ludwigs von Würtemberg- 
Urach; s. Lichnowsky VI, 8. 129. 

7} Katharina, seit 1447 yerm&hlt mit Markgraf Karl von Baden. 

8) Markgraf Wilhelm von Hochberg. 

9] Sonst auch zum »schönen Haus«, und sp&ter zum »schönen Hof« ge- 
nannt, jetzt Christliches Yereinshaus, Nadelberg No. 6. Der Name »zum 
schönen Ort« bezieht sich nicht auf die Lage dieses Hauses, welches niemals 
ein Eckhaus war; sondern er ist wohl eher eine Anspielung auf den »Ort«, 
d. h. Sparten, im Wappen der Sürlin. Dieses Wappen s. bei Wurstisen 337. 
— In diesem Hause wohnte 1454 Hans Sürlin, der frühere Oberstzunftmeister 
sammt der Wittwe Dietrichs und ihrem Sohne Thomas; s. Schönberg 64*2. 

10) Ueber diesen Sohn Henmann Seevogels s. K. Yischer-Merian, H See- 
TOgel, S. 49 ff. 

11) Der jüngere d. N.; s. oben S. 316, Anm. 3. 

12) Ueber seinen Tod vgl. unten Anonymus z. J. 1454. 



318 Appenwfler. 

jaii 12 [197] Item feria sexta hora sexta recessit dux Buigandie, 
anno 54 ad Liechstal; et Banlienaes conduxenmt eum in ex- 
penais uaque Solodram cum magna honoie reverenter. 

Aag. 19 Item secunda ante Baitholomei anno 54 wart her Hans 
Munch von den buigern sü Basel ^) für recht gestellet, do & 
hat her Hans uff sin teil 15 ritter, 4 frye herren; det der 
marschalck von Oesterich, her Turing von Halwil, die rede 
treffenlichen und hoch, das gericht werte von -8 bis uS die 
vierde stunde. 

Aig. » Item am linstage donoch nam min her von Basel die sache i» 
für handen, mit andren rittren und henen; wart die sache 
aast übertragen, oa recht. 

Anno domini 1454 fienge frugenlichen an regnen, vor 

ögst, und werte tag und nacht, mit grosser kelti, das etlichen 
Sept. 1 1& Basel die Stuben heitEtend uff Veiene; der regen und* kelti » 

werte bisse in septembri. 
Sept. 2 Item secunda post Verene hatte man rt allen küchapelen, 

und besunder uff Burg, ein singen messs umb schAny willen, 

doizft manig messe gesprochen an vil enden. 
Sept. 15 Anno domini 1454 dominica ante Mathei apostoli frflge» 

zA mitternacht kam ein grossz ertbidem, und dovor z& zeche- 

nen ouch einer; frfige zfl funffen kam ein grosser, als ich sas 

und betted horas meas. 

Johannes von gote gnaden margraf 

zd Brandenburg^). - is 

unser frundichen gebot und dienst zevor. erwurdiger in 

got| besunder lieber her und frunti wir sendent üch gftte 

oet. 3 mere, und uff gester ztL obend von unserm prüder margraff 

Fridrich zükomen, harinne verslossen. der mere woltend wir 

nit spam noch vorhalten; denne wir wol wussend, das ii die» 

oct.4gernne hörend, datum Blassenberg'}, sexta post Michaelis 54. 

Dem er würdigen in gotte, hem Anthenie bischoff zu 

Benbenbe^^), unserem besundren lieben herren und frunde. 

2. 9. He.: et in expeneie. 6. He.; Ton den buifea. 

1} D. h. von den Aohtbflirgem der Hohen Stube sum Bronnen; s. oben 
8. 316, Anm. 5. 

2) Johann von Zollem, Burggraf tu Nürnberg, ein jOngerer Bruder Kur- 
fürst Friedrichs II. 

3) Flassenburg bei Cqhnbach, in Ober-Franken. 

4) Anton von Rotenhan, Bisehof Ton Bamberg, hatte einige Besidumgen 



U54. 319 

Erwurdiger heireP) in diser stunt ist har komen Fritz 
von dem Mereden, hertzoges fiüdolffen von Sagen ^) scriber 
und caplan. die sind by dem strit ^) gewesen und sagend, das 
sü hertzog Büdolffeh begraben babent, der im strit dot yer- 

5 üben sige, am mitwuchen in der fronfasten zu berbste 54. diesept. is 
Tuschen Herren battend' nit willen zu stritten, sunder an 
domstag domocb. als sü denne über die beide körnend, zu-sept. i9 
gend die Bolender^) zu innen, und uberslügend su nit bocber 
denne uff 3000 man^), und die Tuscben Herren zugend wider 

10 zti innen, do zocb der kunig von Polant^) über berg^), wol 
mit dnsigtusent mannen^), und komend also anander, do 
gab got, das die Polender fluchend; und slügen die Tuschen 
Herren die Pellender wol uff zwo millen weges, bisz sü die 
nacht abtreib, und habend der PoUende wol drutusend erslagen 

15 tmd hundert drisig sesherren, fryen, graffen, ritter gefangen ; 
doby ist der Scharlantze ^) gesin, ein alter höptman des kunigis 
von Polant. sü habend innen euch [197^] abgewunnen zwei 
höptbaner, nemlich des kunges von Poland und Littower baner, 
und 16 stritbuchssen und ein grosse buchsen, zugend 18 pferid 

20 vor. die herren des Ordens habend by 60 mannen verlorn, 
zwen Tutsche Herren, die erslagen sind ; ir ist aber vil wund. 

zu Cohnar ; s. Trouillat V, 820. Auf diesem Wege darfte Appenwiler eine 
Abschrift dieses Briefes erhalten haben. 

1) »Erwirdiger« stammt wohl erst aus der für den Bischof Ton Bamberg 
gefertigten Abschrift, und nicht aus dem Original, das fOr den KurfQrsten 
Friedrich verfasst war; s. unten die Adresse. — Grossentheils auf diesem nach- 
.folgenden Briefe beruht augenscheinlich der Schlachtbericht von Konitx in 
der su Utrecht verfassten jüngeren Hochmeisterchronik; s. Scriptores rer. 
Pmssicarum y, 140. 

2) Budolf, ein Bruder Johanns, des letzten Herzogs Ton Sagan, war im 
Sommer 1454 dem schwer bedrftngten Deutschorden su Hilfe gesogen; s. die 
ältere Hochmeisterchronik, in Scriptor. rer. Pruss. HI, 678 ff., sowie auch 
432 ff. 

3) Bei SLonitx, in Westpreussen. Ueber diese Schlacht rgl. die schon 
erwähnten Berichte in der Script, rer. Prussicar. III, 678 und V, 140, femer 
ebend. IV, 136, 432 und 510. 

4) D. h. die Vorhut des polnischen Heeres. 

5) Die Angaben Über die wirkliche Zahl des Deutschordensheeres 
schwanken zwischen 4 bis 7000 Mann; s. Script rer. Prussicar. HI, 679 in 
der Anm. 

6) Kasimir IV. 

7] D. h. auf einer Anhöhe, von der er auf die Deutschen herabsah; s. 
Script rer. Pruss. IV, 136. 

8) Vgl. ebend., wonach die Deutschen 5000 Maim zahlten, die Polen aher 
das sechsfache. Unter letztem waren jedoch nur 16000 Wohlbewaftiete ; 
s. Script rer. Pruss. IH, 678 in der Anm., auch IV, 432. 

9) Scherlensky; s. ebend. V, 140. 



320 Appcnwilcr. 

8Ü habend ouch die Cunitz gespiset uff zwei jor ^), und zugend 
fuibas uff Mergenburg^); sü habend die Cunitz mit trabanten 
bewait. die in der C&nitz gelegen sint, körnend, do die Po- 
lender die flucht nament; der sind 6 tot beliben, und der von 
Zunenberg^) wart gefangen, der in fieng, wart erslagen; do» 
wart die gefangen wider ledig gemacht^]. 

Item der kunig von Poland was selb im feld. su habend 
ouch des kunigis hengst und hamesch gewunnen, das er des 
tages gehept hat, und wussend nit, war der kunig ist komen. 
das alles habend die gefangen Polender geseit. su hand ouch lo 
grosz gut im her genomen, des kuniges kostlich silbergescliirre, 
ouch ander gut in dem her genomen, und fundent im her 
me spise, denne sü in die Kfinis zem slos f&ren woltent. su 
sagend: der hochmeister ^) habe die Tantziger vor Madenbuig*) 
geslagen, gon Tursalan ^) getriben und ein stetlin gewunnen, i& 
genant der Nuwe Tich^), und usz den stetten^) vil do inne 
Sept. 27 erslagen. datum sexta ante Michaelis anno 54. 

Uwer gnedigen gnaden williger Paul von Cronstorff, 
lantvogt in der Nuwenmarck^^). 

Dem hochgebomen fursten und herren, hem Fridrich^o 
margraffen ze Brandenburg und burgrauff ze Nflrenberg, minem 
gnedigen herren. 

■ 

12. Ha.: in her. 

1) KonitE war seit Ende M8n d. J. von den Polen belagert; b. Scriptor. 
rer. Prosa. UI, 667. 

2) Marienburg. 

3) Bernhard von Zinnenberg gehörte nicht tut Besatzung von Konits, 
sondern er führte im ' -^ -'itzheere die böhmischen Söldner ; s. ebend. HI, 678, 
auch IV, 510. 

4) Vgl. ebend. ' ^37 und 140. 
5] Ludwig von Elrichshausen. 

6) Entstellt aus: Mergenburg oder Marienburg. Dieser Ordenssitz wurde 
seit Anfangs März d. J. belagert durch ein Heer der Stadt Danzig; s. ebend. 
m, 668. 

7) Vgl. ebend« V, 140: Dersouwe (Dirschau). — In der Nacht von 12./13. 
Sept. verliessen die Danziger ihr Lager vor Marienburg, um sich bis Dirschau 
zurückzuziehen, und erlitten unterwegs von den verfolgenden Ordensleuten 
einigen Verlust; s. ebend. DI, 676. 

8) Neuteich, bei Marienburg, wurde am 12. Sept. erstürmt; s. ebend. 

9) D. h. aus Danzig imd den anderen St&dten, die sich gegen den Orden 
erhoben hatten. 

10) Die Neumark war vom Deutschorden durch Vertrag vom 22. Febr. 
1454 an Brandenburg verpfändet; s. ebend. IQ, 677. 



1454—1456. 321 

Anno domini 1456 sexta ante Bamabe äpostoli hat mani456 
gesechen ein comet genant, ein Sternen; gieng uff zu nacht ^^ 
uff die 11. stund, vei^eng noch 12, und zwuschend zwein 
and drigen gieng er aber uff bis zh vieren, was ein grossz 

sunmessig sterne und liessz vor im ein grossen mechtigen 
breitten strymen, by der wile zweier spiessen lang, vast lutter. 
und etwenne worend die strymen klein und dunckel, under- 
wilen schussend die strymen snelle. und grosse weit zu nacht 
und frflge zCi Basel uff der Pfaltzen, uff der Rinbrucken worend, 

10 den planeten zu besechen durch des Wunders willen, by der 
wile worend die strymen vast rott^). 

[199^] Littera missa a inperatore Turcorum 

duci Purgundie^). 

Machmetus, by der gnoden des grossen gottes ein rechter 
15 erbe genant kunig Alexander und Hectoi von Troye, soldan 
von Babilonie, kunig von Troya, von Alkeyren % von Delecten, 
von Verlon, von Sussis*), von Jherusalem, kunigstabel von 
Cusia und princeps von Jericho und Damasco, margroff Titro- 
pici^) und marschalck des grossen landes Indee, des hymels 
20 und der helle beschirmer und aller Heidnen vater untz zu 
dem yrdeschen paradissz, ein her aller herren, princeps aUer 
fursten, die sich herren schribend zu lande oder zu wasser 
oder under dem wasser, die die sunnen oder der mono be- 
griffen hat, von der sunnen ufgang bis zu undergang, aller 
25 lender die do sind obe dem wasser, wanne sü alle von lins 

20. Hfl.: alles heidnen. »yater« nur i. d. Nftmberger Hs. 23. »oderc nnr i. d. 

Nürnb. Hs. 

1) Ueber diesen Cometen vgl. Wursti8en421.. "^^ 3h der Zeitfolge ge- 
hört dieser Abschnitt erst hinter Bl. 199^; s. die Ei .ang S. 233. — In der 
Hs. folgt Bl. 198 — 199 die Todtenliste von Sempach, snmmt einer Eintragung 
Yon Wylers Hand; s. Einleitung S. 226 und Beilage Yi^ 

2) Vgl. denselben Brief, nach einer Nürnberger Hs., in Chron. d. d. 
St&dte X, 212 ff., sowie auch eine Wiederholung, von 1479, an die Adresse 
Maximilians, in B. Chron. III, 267 ff. und 6:i8. — Von dem lateinischen Ur- 
texte, der vermuthlich zu Grunde liegt, kenne ich keine Hs. — Einen älteren 
Brief dieser Art s. unten bei Anonymus z. J. 1430. 

3} AI Xayr, Cairo. Hierauf bezieht sich auch der Titel »Sultan von 
Bahylon«, womit das Abendland die in Cairo residierenden Mameluckensultane 
TOD Egypten bezeichnete. Zu letzterem Reiche gehörten auch die hier ge- 
nannten Städte S3rrienB, soweit ihre Namen erkennbar sind, nämlich Jerusalem, 
Jericho, Bamascus, Tripolis. — Bei Knebel enthält dieser ganze Titel zum Theil 
andere Namen ; s. B. Chron. HI, 267. 

4) Susa? 

5) Tripolis? 

Basier Cbroniken. lY. 21 



322 Appenwiler. 

zu lechen sint worden, ein hene des Rdmschen tempels und 
des grossen pfafFen, der do sich schribet pabest, und über die 
pfaffen der kilchen von Ytalien, und aller herren, die sich 
herren schribent der Cristenheit und lender« alle m&ssend 
unsrem gotte anheilen und gehorsam werden ; oder wir wellend i 
die alle vertilgen und zu nicht machen. 

Wussest, hertzog von Burgunne^ wir enbiettend dir un- 
seren grimlichen zorn und unser grosse yigentschaf. wanne 
wir vernomen hant, das du dich wider unser macht wilt 
stellen und uns zu widerstand, darzü du dich in kurtzem f&gen lo 
wilt; da wissz, das uns groszlichen noch dir belanget, noch 
diner macht und dinen belferen, und obe du es nit weitest 
bringen, so wis, das wir mit unser macht wellend komen und 
dich mit ernst zu suchen in unseren landen, der du dich herre 
schribest. do wirstu dich bekeren ; oder wir wellend die und u 
ander land zd nicht machen und vertilgen, und du ouch nit 
doran gedenckest, das dir s6Iiche gnode bewisen werde von 
uns, also dinem Vatter von unserem lieben herren und vatter 
bewiset wart^]. geben in unser stat Constantinopli, unlang 
gewunnen, in der angesicht tusent herren, die uns alle ge-2> 
willig und gehorsam sind, geben in der begynis der weite 
6964 jar^), in dem jare unser geburt 26 jor, in dem jor dines 
gottes von Nasarett, Josephe sun von Davide« gesiechte des 
i455Stammen Yesse, im 1455 jor, im 26. ti^ September 3). 

Sept. 26 

1456 Anno domini 1456, vigilia assensionis domini, post horamäs 
^^^nonam de sero, band zwen Wachtmeister, genant Kalpsmul^} 

14. Hfl. : da dich here. 22. Ha. : LXII Btatt LXIY. IHin am Bande, tob W jle» 

Hand: Notandnm, der weit Jonall. 23. Das Ergftnzte ans Enebel. 

1) Anspielung auf die Gefangenschaft Herzog Johanns, Philipps des 
Guten Vater, nach der Schlacht bei Nikopoli; s. unten Anonymus z. J. 1396. 
Bajazed, der Sieger von Nikopoli, war Übrigens Vater Mohameds I., also Ur- 
grossvater Mohameds II., der hier z. J. 1455 gemeint ist. 

2) Das byzantinische Jahr der Welt 6964 entspricht unserem 1455, und 
zu diesem stimmt auch das 26. Lebensjahr Mohameds II., welches alle Hss. 
haben. Bei Knebel ist 6964 entstellt in »6644« ; s. B. Chron. IE, 268. 

3) Dieses Datum bezieht sich vermuthlich auf den Jahrestag der Schlacht 
bei Nikopoli, welche nach den meisten Berichten am 25., nach andern jedodi 
erst am 28. Sept. geschah ; s. hierüber Anonymus z. J. 1 396, in der Anm., und 
YgL oben Anm. 1. 

4) Hans Walther gen. Kalbamul war einer jener Söldner gewesen, welche 
nach dem Constanzer Frieden von 1146, wegen rückstandigen Soldes, vom 
Schlosse Hohenkrähen aus die Eidgenossenschaft befehdet hatten ; a. Th. von 
Liebenau, Die Böcke von Zürich, S. 14 ff. — In den Basler Rathsbüchem heiaaX 
er Walther Rutschlin oder Rüszly; s. Ob. III, 14 und IV, 56. 



1456. 323 

und Hans Smit^), schamlichen und mortlichen erstochen und 
eimurdet yoi sime liuse her Pentelin, miner herren schafher 
der stifF zu Basel ^) . do was man in allem Basel angesungen, 
denne mit beslossener tur uff Burg, und alle horas gelessen ^j . 
s Item uff mitwuchen post assensionis domini wurdent die Mai 12 

m5rder yeirechtigen und verrAffet fiir möider, das sü deheinen 
friden haben sollend von der sunnen uffgang bis undergang^). 

Item ecclesia fuit relaxata vigilia penthecosten, hora vespe- Mai 15 
rarum, per dominum Basiliensem et capitulum^^. 
to 

[200] Anno domini 1456 uff sant Johans nacht zu sun-Jiuii24 
gichten, von der nünden stund bis zu drigen, was zu Basel 
ein samlichen wetter von donren und blitzigen, das erschröken- 
liehen was. und slüg das wetter mit eim grossen ungehflrten 

t5 donren z& Basel dur den torn uff Burg ^) ; vast schaden be- 
schach. donoch wol 5 tag nütz anders det denne regnen. 

Anno domini 56 dominica ante Margrete hora vesperarum Jau 11 
kam zu Basel ein samlichen grosz ungestAm wetter mit regen 
und doren, das die weit mdcht verzaget sin. doby ein sem- 

20 lieber grossz hagel mit grossen steinen , und slAg umb Basel 
komund win, das grossz schade beschach; euch an andren 
stetten. der regen tag und nacht nie underUben hatte. 

Item feria quinta scilicet Oswaldi anno 56 hat episcopusAag. 5 
Basiliensis ein processio uffgesetzet mit allen clostren und 

25pfarren^), ad sanctum Johannem^). er was in presencia, umb 
schAny; denne niemand mocht schniden vor dem regen. 

7, Hs. : miiier herre. 7. Hb. : habend sollend. 

1) Wohl schwerlich derselbe Hans Schmit, welcher 1448 als Söldner 
diente, aber schon 1449 wieder Basels Feind wurde: s. oben S. 293, Anm. 3. 

2) Der Mord geschah in Folge eines Wortwechsels; s. Ob. III, 14. 

3) Ueber das Ceremoniell für solche Fälle s.Brilinger8 Ceremoniale S.88. 
4] Die Mörder flohen in die Gegend von Zürich. Nach 10 Jahren, am 

12. Mfirz 1466, erlaubte der Rath dem Walther Rüszly die Rückkehr nach 
Basel, doch unter Vorbehalt der Zustimmung des Bischofs. Rfiszly bewarb 
sich hierauf schon im Sept. d. J. um eine erledigte Wachtmeisterstelle ; s. Ob. 
in, 14, und IV, 56 und 69. 

5) Hieher gehört nach der Zeitfolge noch die Nachricht vom Cometen 
vom Juni 1456; s. oben S. 321. 

6} Der nördliche oder St. Georgsthurm des Münsters, vollendet 1426. Der 
südliche oder St. Martinsthurm wurde erst 1489 — 1500 ausgebaut; s. £. La 
Roche, in den Beitr. zur Gesch. des Basler Münsters II, 26 ff. 

7) Ueber diesen Bittgang s. den Ruf vom 4. Aug., im Rufb. I, 173. 

8) D. h. die Procession gieng aus vom Münster und gelangte auf Um- 
wegen wieder auf den Münsterplatz zurück, zur St JohannnskapeUe , jetzt 
No. 2. 

21» 



324 Appenwiler. 

jou 22 Anno domini 1456 uff sant Marien Magdalenen tag be- 
Schach ein grossz strit und yecht vor Wissenburg in Ungern ^). 
als was der Turckisch keyser mit 200 tusend mannen gezogen 
über die Tünowe^), mit allem ziige von buchsen und sust, mit 
vil galenen^ mit dem besten und köstlichsten Tolck das er 5 
mScht han, und hat die stat Vissenburg belegen und genötiget 
tag und nachty und mit grossen höbtbuchsen geschossen , die 
muren gantz abegeschossen^). 

[Dem groszmechtigen herren Ladislao von Gara, des 
Hüngerischen richs pfaltzherren, unserem erlichen herren^ .] lo 

Groszmechtiger herre, [uns erlich]! disse nüwe mere 
mugen wir wol uwer herlicheit schriben: wie der Turckesche 
keyser mit sinem mechtigen gewalt und [mit vilen gereit- 
schuften^) zu uszkriegen das erlich slosz Nondoralba^}, zu 
Dutsche Kriesch Wissenburg, mit sollichen stritten und listen, is 
die nie kein ouge hat gesechen noch erden cken] möcht, hat 
in solicher mosse das slos mit buchsenschutzen zerschossen, 
zerbrochen, das wir es nit ein slossz nemend, denne ein Telt, 
wanne die mure des slpsses bis uff den hert zerbrochen ist^. 

4. Hfl.: bnclieii und ragt. 5. Hs.: koatlichen. 8. Ht.: ab«sehoa««B. 

12. Es.: hericheit. 13. Hb.: mit sinem mechtigen gewalt und «tlielii »deleB, 

als ie gesechen wart nnd selb nit getrachten m^ht. 

1) Belgrad, latein.. Alba Ghraeca, xu deutsch Griechisch- Weissenbaig, 
wurde 1425 yon Serbien an Ungarn abgetreten; 8. Pray, Annales regum 
Hungariae II, 290. 

2) Nicht über die Donau, sondern Iftngs derselben herauf, auf dem rechten 
Ufer, auf welchem Belgrad liegt. 

3) Die nachfolgende Uebersetzung zweier lateinischer Briefe findet sich 
auch in der Speirer Chronik, in Mones Quellen zur Qesch. d. Badischen Lan- 
des I, 407 ff. Die Ergfinsungen, welche dieser letztere Text beim Vergleich 
mit Appenwiler bietet, unterscheiden wir durch Klammem. Den lateinischen 
Urtext geben wir in der Beilage VI a und b, soweit uns derselbe in der schon 
früher erwähnten Murbacher Hs. No. 45 der Stadtbibliothek zu Colmar er- 
halten ist; s. oben S. 312, Anm. 10. In dieser Beilage lassen wir unter c noch 
einen dritten lateinischen Brief folgen, von Johann Hunyady am 24. Juli an 
König Ladislaus gerichtet, dessen Inhalt mit demjenigen des ersten Briefes 
theilweise wörtlich übereinstinunt 

4] LadislauB von Gara, Palatinus von Ungarn. 

5) »etlichi edelen«, wie Appenwiler hat (s. Varianten), beruht nur auf 
Verwechslung von »ingeniis", wie der Urtext hat> mit »ingeliuis« ; s. Beil. VI a. 

6) Nandor Alba, der ungarische Name von Belgrad. Unter »slosz« — im 
Urtexte »castrum« — ist in diesem Briefe durchweg die Stadt zu verstehen, 
und nicht etwa speziell das Schloss von Belgrad, die jetzige Citadelle. 

7) Ueber diese Zerstörung durch das türkische Geschütz, welche haupt- 
B&chlich die äussere Mauer der Stadt betraf, s. den Brief des BarfOssers Johann 
von Tagliacozzo an seinen Ordensbruder Jakob vonMarchia, beiPray, Aimales 
regum Hungariae HI, 171 ff. 



1456. 325 

zem lesten uff mitwuchen nöchest veigangen, noch yespeizitt ^), Jau 21 
hand sü, die Tuicken, by dem selben slossz so vientlichen und 
grimeklichen ein stürm geton, der die gantze nacht bis uff 
domstag zimbes weret, alsso das wir zwey molen gestritten Juu 22 
5 hand mit innen [in dem selben slosz], als ob es in eime felde 
were gesin^]. uff das leste sind wir ussz dem slossz usszher 
zfi innen komen, und hand mit innen ein strit gehaben bis 
uff die nacht, und habend den selben keyser der Turcken 
mit gotz hilff von dem obgenanten slosse getriben, und alle 

10 sine buchsen und gewere behalten ^] . und er alleine , mit 
dennen er beliben ist, uff fritag z& nacht ^] hat sich so züJnU23 
flucht gekerty [gescheut] und gantz zerstöret. 

Alsso ; obe iemand zu diser zitt wider den selben keysser 
beweget were zu f&sse oder zu rosse zt ziechen, das were 

15 niemer besser sin rieh zu gewinnen, denne zu diser zitt. denne 
sin obersten und sin mechtigesten von sime volck^), besunder 
das füszYolck, gantz erslagen und verderbet ist und verlorn; 
von dem obgenanten strit und vor dem slossz die genanten 
fuszfolcke des Turckescen keyser, [die sin folcker furtraffen] ^J, 

20 gantz vemutiget sind. 

Wir sind ouch mit unserem eigenen libe in dem schlossz 
gewesen; ouch sint vil von unseren dieneren und lütten do 
gewundet, ein teil do dot beliben. aber von gotz genoden so 
ist nie kein Turckescher keyser so mit grosser schänden von 

25 dem felde zä flucht gekert, als er hette, gantz usszgestritten. 

1. Hb.: Tergangen noch %%. drigen noch TMpenitt. 20. Hs.: gantz Tenmaiget 

sind. 24. 26. Hs. : schänden vom dem felde. 

1) Vor »noch yesperzitt^ setst einzig Appenwiler den Zusatz »noch z& 
drigen«, der in diesem Zusammenhang keinen Sinn hat, da die Vesperzeit erst 
nach 4 Uhr beginnt. Immerhin stimmt dieser Zusatz — für sich allein g^ 
nommen — zu dem zweiten hier folgenden Briefe, vom 2. Aug., welcher den 
Kampf nicht Abends, sondern am frühen Moi^^ beginnen lässt; s. unten 
S. 327. Dennoch aber hat die Angabe »noch yespeizitt« ihre volle Berechti- 
gung, da sie sowohl mit dem lateinischen Texte des vorliegenden ersten Briefes 
als auch mit demjenigen an König Ladislaus übereinstimmt, welche beide von 
Johann Hunyady yerfasst sind; s. Beilage VI aund c. — Ueber die abweichende 
Angabe, yom Beginn des' Kampfes am frühen Morgen, s. unten S. 327, Anm. 5. 

2] D. h. im Innern der Stadt; s. oben S. 324, Anm. 6, und ygl. den schon 
erwähnten Brief Tagliacozzos, bei Pray m, 177. 

3) Ueber diesen Ausfall s. Hammer, Gesch. des Osman. Reiches U, 24 fi^ 

4) D. h. in der Nacht yom 22./23. Juli; s. den Brief an König Ladislaus, 
Beilage VI c. 

5) VgL Beilage VI a: principales et capitales gentes sue, et signanter 
pedites. 

6} Die Janitscharen; s. Hammer a. a. O. 



326 Appenwüer. 

(jaii 14) Ouch haben wir zu diser zitt *) aber ein strit und fechte 
gehaben mit den Heidnen uff dem wasser, und habend eüich 
von den selben galenen behebet; und die andren, die in be- 
Juli 22 üben sint, uff [den benanten dornstag]^), als wir wider die 
selben galenen woltend ziechen, habend sü sich balde zu flucht 5 
gekeret, und sint vil lüttes [200^] ussz den galenen gesprungen: 
und band sü selben die galenen verbrant. 

[Nu wissen wir nit, was wir tun sollen mit dem vorbe* 
nanten slosz ; dann wir mögen es nit geheissen ein slosz, sünder 
ein feit, durch sin brache und Zerstörung.] t« 

jnii 24 [Geben zCl Nondoralba, uff samsztag vor sant Jacobs dag 

anno 56.] 

[Johannes von Hängat, ewiger grave zu Bistricien]^). 

(Attg. 1) Erwurdiger herre*)! [uff gestern] als mir [z&kamen] be- 
slossen brieffe^), die wir üwer erwurdikeit schicken soltend, m 
so sind [damit] nüwe mere von Ungeren komen, die wor sint, 
dorinne üwer gnode nit zwifelen sol, und mugend das üweren 
gütten frunden sicherlichen sagen. 

(jau 2u) Es wirt mom 8 tage®), do komend zwen, die etwenne 

4. Hb. : äff die mitwncl&en ftls wir. 14. Hb. : ala wir die brieffe beslosscB h»b«Bd 

1) Diesea Gefecht auf der Donau und Save erfolgte schon am 14. Juli; 
8. TagliacoKzo, bei Fray III, 172 ff. — »Zu diser sitt« beruht auf der falschen 
Lesart »ad presens«, wie sie die Murbacher Hb. hat Vermuthlich lautete 
diese Stelle etwa wie im Briefe an König Ladislaus: per prius enim, ante pre- 
dictam pugnam. Vgl. Beilage VI a und c. 

2) Ebenso der Brief an König Ladislaus: feria quinta. Der lateinische 
Text des vorliegenden Briefes hingegen, in der Murbacher Hs., hat: feria sezta. 
S. unten' Beilage VI a und c. — »die mitwuchen«, wie einsig Appenwüer hat, 
beruht entweder auf Verwechsluüg von quinta mit »quarta«, oder von feria VI 
mit »feria IV«. 

3] Johann Hunyady starb bald nachher, am 11. Aug. 1456. Die Graf- 
schaft Bistritz in Siebenbürgen besass er als Erblehen seit 1452; s. Praylll, 125. 

4) Diese Anrede, sammt dem weiter unten folgenden »üwer gnode», l&sst 
yermuthen, dass dieser Brief, dessen Adresse und Unterschrift in allen Hss. 
fehlt, an einen Bischof gerichtet war. Ebenso zeigt S. 328 der Ausdruck »min 
brüdera, dass auch der Verfasser demselben. Stand angehörte. 

5) Der Wortlaut bei Appenwiler, »als wir die brieffe beslosaen habend«, 
entspricht dem »clausis litteris« der Murbacher Hs., wo jedoch yermuthlich ein 
»cum« zu erg&nzen ist; s. Beilage VI b. 

6) Vom Datum dieses Briefes aus gerechnet, d. h. yom 2. Aug., ist diese 
Angabe jedenfalls irrig. Vermuthlich ist sie wörtlich herabergenommen aus 
einem andern Briefe, den der Verfasser vielleicht von Belgrad her in Wien er- 
hielt ; Tgl. unten S. 328 : der selbe brieff ist gestern ec. — Dem Zusammenhang 
gemäss muss das hier erzählte am 20. Juli geschehen sein, d. h. am Vorabend 
des Sturms, also nicht 8, sondern 14 Tage vor »mom«, d. h. vor dem 3 Aug. 



1456. 327 

Ciisten sint gesin, von des Turcken schar und [warnten] den 
hdptman oder guberniere ^) : [wie] der Turcke und [alle] sin 
edelsten bettend gesworen by Macbmet: sy woltend ir leben 
verlieren , oder woltend das slosz Wissenburg die Kriechen^) 

5 gewannen; und wie sü bereit werend, uff mitwuchen an santJQii2i 
Marien Magdalenen obend anzufachen, als liesz der höptman 
Hungat in der selben nacht über die Tünow^) von sinem - 
folcke heimlichen by 40 tusent föszfolck und 1000 zu xossz^;, 
und er mit innen, und koment also heimlichen in das slosz 

10 noch mittemacht uff die zwei, [und uff den mitwoch des mor- 
gens^), als die benanten zwen sagten,] do vielen t die grimen 
tier, die Turcken, in die stat vor dem slosz <^), und strittend 
mit den unseren ein lange zit, und wurdent von gottes gnoden 
von den unseren nidergeleit. do komend uff ein nüwes ander, 

15 die nit müde worend, und strittend aber; dornoch die dritten, 
die logend ouch gar noche dernider. do stund brüder Hans 
Capistran^ uff ein höchy am [schinberlichsten] orte [des slosses], 
hat ein crucifix in der band und schrey mit weinenden ftgen 
und grymer stime: »o min got, o min got Jhesus, wo ist dine 

20 alte erbarmhertzikeit ! o kum zu hilffe, nit sume dich 1 erlöse, 
die du mit dinem kostbaren bl&t hast erl5sset! kum, und 
sume dich nit! das die ketzer nit sprechen mugend: wo ist 
ir got?« 

[Diso dinge Stent nit in des gubemators brieff^) ; aber die 

1. 2 Hb.: und sprochen der bSptman oder der gubemlere der gemeinen Tarcken. 

1 ) Johann Hunyady, welcher gegenüber von Belgrad, jenseits der SaTe, 
bei Semlin ein Entsatzheer sammelte. 

2) Wörtliche Uebersetzung von : Alba Graeca. — Den Titel eines GKiber- 
nators von Ungarn hatte er schon 1452 mit demjenigen eines Reichshaupt- ^ 
manns oder »capitaneus generalis« yertauscht. 

3) Genauer : über die Save, da sowohl Semlin als Belgrad auf dem rech- 
ten Ufer der Donau liegen. 

4) Diese St&rke hatte allerdings das bei Semlin gesammelte Heer. Doch 
kamen von diesem je und Je nur kleine Abtheilungen über die Save nach 
Belgrad, zur Verstärkung der Besatzung; s. Tagliacozzo, bei Pray III, 175. 

5) Demnach müsste das Stürmen IVs Tage gedauert haben, nämlich 
von Mittwoch Morgens bis Donnerstag Mittags. Vielleicht aber ist im latei- 
nischen Text dieses Briefes »mane feria quarta« verschrieben aus: »quinta«; 
s. Beilage VI b. Der Hauptsturm mag daher erst Donnerstags den 22. Juli in 
aller Frühe begonnen haben, nachdem schon Mittwoch Abend, wie der erste 
Brief berichtet, ein erster Sturm erfolgt war. Vgl. oben S. 325, Anm. 1. 

6) In diesem Briefe bezeichnet »slosz« immer die jetzige Citadelle von 
Belgrad, zum Unterschied von der Stadt. Vgl. oben S. 324, Anm. 6. 

7) Der Barfüsser Johann von Capistrano. 

. • 8) Hier kann der oben mitgetheilte Brief Hunyadys an Ladislaus Gara 



328 Appenwiler. 

daher koment, beweient das, ab] hei Michel Balduff, der 
[nechte spate] ist komen vom legaten^); der hat gesechen [z4 
Padauwe]^} sölich jubel und fröude mit allen glocken, und 
fiiren von fiöden. 

Also, [myn brfider], hat der strit vil stunden gewert, unds 
[habent si] drige stiirme geton. als hat got die sinen erhört 
und [ist] mit innen gesin. als nomend die unglAbigen die 
flucht, und sint do erslagen hundert tusent und doüber'). 

[Der selbe brieff^) ist. gestern dem herren von Padaue^) 
gelesen worden, so hat ouch her Hans Mülfelder *) uns also to 
gesagt, das] der Huntigat der hSptman schribet: das so vil 
erslagen sige , das er die zal nit geschriben kan ^ ; und ist 
innen nochgezogen 8 mile. und sind die armen Cristen^} so 
begirig gewesen, das sü nit band geacht umb silber noch golt, 
und alle ding, buchsen, wegen und essenspis underwegen gelon. » 
und innen grimlichen nochgefolget und so vil an der flucht 
erslagen, das die zall niemant geschriben kan. [davon got der 
herre sy gebenediet.] 

[Es sint ouch wenig edellute alda gewest, alleine hant- 

1. 3. Hs.: do kam her Michel Baldolf der kam TOm Itgaten. 3. 4. Hs.: frS«de 

mit allen glorien nnd fnren. 11. He.: als echribet der HantigaU 

gemeint sein, aber noch eher der unten ausdrücklich erw&hnte Brief an seinen 
Sohn Ladislaus Hunyady; s. unten S.^28, Anm. 4 und 7, und 329, Anm. 5. 

1) Päpstlicher Legat zum Kreuzzuge gegen die Türken war der Spanier 
Johannes Carvajal, Cardinal von St. Angeli, welcher in Ofen blieb und ron 
dort aus noch am 13. Juli den Kreuzfahrern Ablass verkündete; b. Pray UI, 
164 und 170. 

2) Vgl. unten in der Beilage VI b den lateinischen Text in der Mur- 
bacher Hs. : qui yidit quod pridie tantus jubüus fuit. Sollte jedoch «Padauwe^ 
nicht aus »pridie« entstellt sein, so dürfte Buda (deutsch: Ofen) gemeint sein, 
wo der Legat sich aufhielt. 

3) Die höchsten Sch&tzung^n, in den Briefen von Tagliacozzo und Joh. 
von Capistrano, bei Pray III, 1 79 und 1 82, gehen nicht über 24 000. 

4) D. h. der wahrscheinlich aus Belgrad gesandte Brief, der dem vor- 
liegenden, am 2. Aug. in Wien verfassten Briefe bis hieher zu Grunde liegt ; 
Tgl. oben S. 326, Anm. 6. 

5) Vgl. Beilage VI b: domino Pataviensi. — Ulrich von Nussdorf, Bischof 
von Passau, gehörte zu den Rathgebem des Königs Ladislaus. 

6) VgL unten Beilage VIb: dominus Johannes Mulfuldensis. 

7) Mit diesem Briefe Hunyadys kann weder der obige an Ladislaus 
Gara gemeint sein, noch derjenige an den König Ladislaus, den wir unten als 
Beilage VI c folgen lassen — wohl aber der jetzt rerlome Brief an seinen 
Sohn Ladislaus Hunyady, welcher nachher noch ausdrücklich erwihnt wird ; 
s. unten S. 329, Anm. 5. 

8) VgL den lateinischen Text in der Beilage VI b: pauperes Christi. 



1456. 329 

weickslute ^) . beschemt syen die verwibten edellute, das si 
ein alsolich zierlich geschieht habent versumet; alleine der 
hoffart nachfolgende, und was üppig ist, si tribent, und nit, 
die do gots ere sint und irs stats.] 

5 Item der Turcke hat alle sine edelen, die besten, verlorn, 

und des keysers stathalter^). item band verlorn 12 die grösten 
buchsen, der iedy 32 spang lang was, und 7 spangen [wyt^j; 
und huffenitzbuhssen^), das sint] darrasz- und jagbuchsen, 
200 und doruber. 

10 [Das schribet der gubemator sime sone^), das er das dem 

konige ^ zu stunt sage: ob sin majestat und die Krieschen 
riche der herlicheit widerbringen wellen und das groste teile 
der sinen^), das er komme und nit verspate; itzunt ist der 
weg siner majestat gemacht, der brieff ist gestern spate geia 

15 Baden ^) geschieht, und uff hüte ein botschafft wider her ge- 
sant und geritten durch die stat mit drumpeten, ruffende: wer 
do wolle nemen solt von dem konige, der solt komen, wil 
man ine allen zuflieszende geben.] 

Item die Turcken, die uff dem wasser worend in den 

20galenen, do sii sochend ir ungefelle also grosz, haut sü ir 
galeyen gelossen und sich z& dem ertrich gezogen, und band 
ein teil galeyen zerbrochen, ein teil haut sü lossen ston^). 

[Usz Wiene, in ilunge, uff sant Stephans dag des babstSAng. 2 
und mertelers, in dem* 56 jare]^^j. 

• 

7. Hb.: 7 spangen hocli, darrMi nnd jagbachsen. 21. Hs.: gezogen bant nnd 

kaad. 

1) Vgl. in der Beilage VI c, im Brief an KOnig LadislauB, die Klage 
Hunyadys über den geringen Zuzug, den er erhielt. 

2) Karadflcha, der Statthalter von Rumelien, der die Belagerung leitete, 
wurde schon am 20. Juli von einer Geschfltzkugel getödtet; b. Hammer 11, 24. 

3) Ueber die Zahl und GröBse dieser Geschütze vgL die Briefe von Taglia- 
eoczo und GapLitrano, bei Pray III, 171 und 182. 

4) Haubitzen. 

5) Yermuthlich Ladislaus Hunyady, Johanns älterer Sohn, welcher 1457 
enthauptet wurde. Der jüngere Sohn Matthias, der sp&tere König, war damals 
erst 13 Jahre alt; s. Pray HI, 13. — Ueber den hier erw&hnten Brief, der ver- 
loren ist, vgl. oben S. 327, Anm. 8, und 328, Anm. 4 und 7.- 

6) König LadiBlauB war Ende Juni bis zum 26. Aug. in Wien; b. Pray 
m, 170 und 187. 

7) »ob sin majestat« ec. ist wörtlich übersetzt aus dem lateinischen Text, 
wie ihn die Murbacher Hs. hat; s. BeiL VI b. 

8) Baden, zwischen Wien und Wiener Neustadt. 

9) Vgl. den lateinischen Text: aliqui inciderunt aquam. sie galeas stare 
dimiseront 

10) Die Unterschrift fehlt in allen Hss. 



330 Appenwiler. 

jnii2i Der obgenant stuim beschach vigilia Marie Magdalene 
anno 56 *). 

Juni 24 [^^l] Anno domini 1456 ist von sungichten bis Galli nie 
biB Oet. 16 g^^g^ gesin 4 tage anander, nie 14 tag schfine, denne allezit 
geregnet, das die fruueht vom wetter nit mocht sdtig werden. » 
was gut körn, aber der regen het es verderbet; und der win 
nit mocht zitigen, sür als agrast. 

1457 Anno domini 1457 uff sant Johans tag zu sungichtin ist 
^^ das heische fiir komen gon Durch triet^), het grossz schaden 
ton, umb 1800 husser do verbrent, das niemand zu hilff mocht lo 
komen; kein wasser halff. wol 12 kiel uff dem see, gut und 
als, verbran zA bulffer bis in das wasser. vil g&tz in das münster 
wart geflöchtet, über zwen tag das heische für kam, verbran 
in das munster, und was dorinne was von gezierde und sust. 
die monstrantz verbran ; beschach dem sacrament nütz, denne u 
es besenget wart, vil lutes verbran; das was ein grossz blow 
von gotte. 

Anno domini 1457 ist in Kurwalchen^) ein rotter sne ge- 
fallen, als obe es falw blüt were gesin, und lag ein gut zitt 

Not. 80 Auno domini 1457 circa festum Andree sind vil junger sd 
knaben und alt lut, frowen und man , durch Basel gezogen 
mit offen banern gon Sant Michel^), und sprechend: das su 
müstend ziechen, achtend nit umb aremüt, allein das sü enweg 
kemend; und vil volcks zoch. 

Not. (23) Anno domiui 1457 ipsa die Katherine^) band die Behemi^ 
vergeben dem edlen kunig Lasszlaw, kunig zu Behem, zu 

22. Am Rande, Ton WilerB Hand : Notabene Under, sant Micbel. 21. Ht. : enw^ 

kemd. 

1) Ueber dieses Datum vgl. oben S. 325. Anm. 1, und S. 327, Anm. 5. 

2) Dordrecht. 

3) Jetzt Graubündten. 

4) Die Abtei Mont St. Michel, auf einer Insel an der ELQste der Nor- 
mandie. Ueber diese Wallfahrt Tgl. Speirer Chron., bei Mone I, 419, femer 
Eickhart Artzt, in den Quellen zur Bair. Gesch. II, 147, und Koelhoff, in den 
Chron. d. d. Stfidte XIY, 799. — In Basel beeidigte der Rath am 3. Dec. acht 
M&nner, welche unterwegs für die Kinder sorgen und sie nicht Terlassen soll- 
ten ; 8. Ob. in, Bl. 59b 

5) Genauer: quarta ante K. — oder auch: ipsa die dementia pape 
(23. Nov.). 



1457—1458. 331 

Ungern, her z& Oesterich und zu Merken; beschaeh z& Prowe, 
als er wolt hochzit han mit der kunigin von Franckrich^). 

Anno domini 1457 post purifficationis Marie ^j obiit fraternaehFebr. 
Johannes de Appenwiler in Peris'), irater mens. 

5 Anno domini 1458, sabato post Philipi Jacobi, Ainoldus i458 

de Raperg episcopus Basiliensis posuit se sane dormitum quasi ^'^ ^ 
hora decima; mortuus fuit bora prima, sine confesione, circa 
meridie noctis^). 

Feria sexta post fiierunt solempnissime obsequie^), cumiuin 
10 24 mangnis scilicet stanckertzen ; und wol 100 messen, iedem 
priester 2 s. 

[201^] Anno domini 1458 quarta ante pentecosten fuit Main 
electio canonicorum Basiliensium. cantarunt missam de sancto 
spiritu, et omnes canonici, scilicet decem, comunicarunt , et 
15 dominus decanus celebravit , dominus Johannes de Venigen, 
et hora nona intrarunt ad caippitulum <^j pro electione, et per- 
manserunt in electione de hora nona oiszque post horam un- 
decimam, et concorditer elegerunt pro episcopo Basiliensi 
dominum Johannem de Venigen decanum Basiliensem. et per 
20 mangnas preces canonicorum et ob reverentiam beate virginis 
acceptavit, et fuit stolatus. 

Item sciendum est, quod dominus Basiliensis acceptavit 
episcopatum coram capitulo sabato post Mauritii '') . (Juni 3) 

Anno domini 1458 feria sexta ante Leonardi venit prin-Nor. a. 
25 ceps Sigiszmundus dux Austrieb) cum uxore, filia regis 

2. Ha. : wolt hochzit wolt han. 10 Es. : XXY sUtt XXIY. 14. Ha. : et 

omnea canonici acilicet decem et omnee comnnicamnt. 

1) Marg^etha, Karls VII. Tochter, hatte Frankreich noch nicht ver- 
lassen, als von Prag die Todesnachricht eintraf. 

2} Vor »post« ist vermuthlich zu ergänzen: dominica{6. Febr.). 

3) Das Gistenienserkloster Fftris. 

4) Ueher seinen Tod vgl. Gerung 349. 

5) Die sog. Folge; die Bestattung selbst erfolgte schon am 7. Mai; 
s. oben Bathsb. S. 60. 

6) Das Kapitelhaus, abgebrochen 1885, lag hinter dem Münster, auf dem 
Areal der untern Realschule 

7) »Mauritii« scheint verschrieben für : Marcellini — also nicht 23. Sept., 
sondern 3. Juni. Denn am 17. Juni ertheilte Bischof Johann die Handfeste, 
und am 12. Juli erfolgte zu Korn durch Calixtus III. die Bestätigung seiner 
Wahl; 8. Stadt Urk. 1458 Juni 17, und Trouillat Y, 419 ff. 

8) Sigismund, der Sohn des 1 439 verstorbenen Herzogs Friedrich, hatte 



332 Appenwiler. 

Scotie^), cum magna comitiva. et noluit intrare cmtatem, et per- 
mansit et exivit de navi^) et loquebatur cum consulatu. fecit 
colationem, et uxor et omnes, cum speciebus et malvasia. con- 
solatus intrayit ad navem ad dominam duxissam, et conver- 
saiunt in simul; consolatus fuit contentus de reversione principi $ 
Nov. 4 et principe, et conmisit domino Basiliensi, quod in crastinum 
deberet accedere ad eum ad Novum CaBtrum ; sie &ctuin fuit. 

Not. u Anno domini 1458 uff zinstag noch Martini, zu nacht uff 
das ein, komend me denne 20 wilder swinen zu Basel zu dem 
tor in der deinen stat bj sant Claus brunnen ^). des wurdent i» 
die vischer innen , komend an die swin und fiengend 9 swin, 
jung und alt. 

1459 Anno domini 1459 dominica post Ambrosii episcopus Ba- 
Avni 8 g^Q^gjg {^{^ consecratus a tribus suffraganiis, scilicet Bisunti- 
nensiy Argentinensi, Basiliensi; et mandavit, quod omnes mu- is 
lieres expellerentur de choro, et ceteros laycos. 



20 Anno domini 1459 trinitatis müst man die Stuben heitsen. 
iui22 Item tertia ante Urbani post^), gegen tage, nam der riffe 
allen den win, der umb Basel was und am bii^e umbendume^). 

1460 Anno domini 1460 sexta ante palmarum ist das Studium sd 
^'"^ ^ zu Basel confirmiert mit geistlichem und weltlichem ratt ^} ; 
und ist min her von Basel cantzler worden studü, der t&n- 

20. Am Bande, von Wylers Hand: Academie BasilieBsis origo. 

durch Vertrag yom 10. Mai 1458 yon Herzog Albrecht, seinem Vetter, die 
dstreichischenBesitsungenimElsass und Breisgau ühemommen ; s. Lichnoirsky 
Vn, S. 12. 

1) Eleonora, Tochter Jakobs I. von Schottland. 

2) D. h. er trat nur aus dem Schiff, um die Begrüssung des Raths ent- 
gegenzunehmen. Er kam rheinabv&rts und wollte nach Neuenbürg L B. ; 
8. unten. 

3) Dieses Thor gegen den Rhein stand an der Stelle des jetzigen Durch- 
ganges unter dem Oesellschaftshause, wo noch jetzt ein Brunnen. Neben 
diesem Thor und dem Brunnen, und gleichfaills auf dem Areal des jetzigen 
GeseÜBchaftshauses, stand die St. Nildauskapelle; über letztere s. Fechters 
Top. 138. 

4) Vielleicht bedeutet dieses »post«, dass es in der folgenden Naoht ge- 
schah, also vom Dienstag auf den Mittwoch (22./23. Mai). 

5) Ueber die Pest d. J. s. oben S. 308, den Zusatz auf BL 193. 

6) Ueber diese Eröffnungsfeier s. W. Vischer, Geschichte d. UniTenxtät 
Basel, S. 33, und ebend. S. 282 ff. den ofEziellen Berieht des bischöflichen 
Notars Friedrich von Monderstadt 



1459—1460. 333 

probst der von Andlow ^) rector universibttis, Knebel notarius ^) , 
Hug BöwiP) pedelliis. hat min her von Basel messz, in pre- 
sentia totius cleri et omnium mendicantium ; et fuit consulatus 
in presentia. et fuerunt lecte 4 bulle inpetrationis et confir- 
i mationis *) ; et omnia privilegia, que habet Studium Bononiense, 
habet Basiliense etiam. 

Item sabato post fiiit factum primum actum in liberiaAprUs 
majoris ecclesie^). 

[202] Anno domini 1460 het her Hans Wemher von 
10 Flaszlanden, techan der stiff zu BaseH), erworben a sanctissimo 
domino nostro Pius applos von pin und schulden — on dni stuck: 
die fert zem Heiigen Grab, gon Rom, gon Sant Jocob^ — der 
stiff zft Basel; und wered drü jor^), und vacht an nativitatis sept. 8 
Marie ®} nSchest, und weret 1 5 tage des ersten jors, die andren 
15 12 tage. 

Item ist zu Basel im stiff die brieffe zu Latine zu Tusch 
verkundet durch den Crutzer^^^), mit brennenden kertzen, in 

1) Georg Yon Andlau, früher Dekan, wurde 1432 Domprobst und starb 
1466;. 8. Boos 794, 10 und 799, 27. femer seine Grabschrift im Münster, abge- 
druckt bei Wurstisen, Epitome IS. 

2) Hans Knebel, der Chronist. — 13 eher das Amt des Üniyersit&tsschrei- 
bers B. Vischer a. a. O., S. 127. 

3) Ueber Hug B6wil oder B6wli von Seckingen s. ebend. S. 129, auch 
Schönberg 612. 

4) Die StiftungsbuIIe Pius H., Tom 1 2. Nov., samnit drei weiteren Bulleh 
Tom 26. und 31. Dec. 1459, abgedruckt bei Vischer, S. 268 ff. — • Diese Bullen 
wurden später, Sonntags den 21. Sept 1460, auch der yersammelten Bürger- 
schaft auf dem Münsterplats vorgelesen ; s. den Ruf vom 20. Sept, im Rufb. 
n, 5b abgedruckt bei Vischer 309. 

5) Diese Bibliothek war erst kurz vorher im Obergeschoss des Zwischen- 
baue« zwischen beiden Xreuzgfingen errichtet worden, und wurde nach der Re- 
formation zerstreut ;s.Wurstisens Beschreibung des Münsters, in den Beiträgen 
XTT, 462. Als »Doctorsaal« diente dieses Lokal bis in unser Jahrhundert zur 
Abhaltung akademischer Feierlichkeiten. — Unter dem »primum actum« ist ^ 
vermuthlich die Immatriculation der ersten Studenten zu verstehen. Doch 
begannen am 5. April auch schon die Vorlesungen; s. Vischer, S. 35 und 292. 

6) Der spätere Domprobst: s. oben Rathsb. S.81, Anm.3. Er war päpst- 
licher Kammerherr und verweilte als solcher 1459 längere Zeit bei Pius H. in 
Mantua; s. Vischer S. 14. 

7) Santiago de Compostella. — Ueber diesen Ablass, dessen Ertrag 
theilweise zum Ausbau des Münsters bestimmt war, vgl. Gterung 351, sammt 
der Fortsetzung im Anzeiger für Schweiz. Gesch. 1879, S. 218. 

8) Die Verlängerung s. unten z. J. 1463. 

9) Oder genauer : vigilia n. M., hora vesperarum. S. den Ruf vom 6. Sept 
1460, im Rufb. U, 5. 

10) Johann Crützer von Gebweiler war seit 1459 in Basel als Domherr und 



334 Appenwüer. 

gegenwurtikeit mins herren Ton Basel und techan und capplan^), 
jani 3 gesungeu »te deum laudamus«, ipsa die Eraszmi. 

Jnii 26 Anno domini 60 uff samstag in der nacht post Jacobi kam 
ein samlichen wetter von torren^ das es vast erschrokenlichen 

Jaif27was. momdes am sunnentag uff die 11 im ymbis kam by& 
stillem wetter ein samlicher tomslag, des glichen nie gehSrt 
wart, das die weit vast erschrag. und slüg ein kalt stroll in 
Esselturlin^), lag ein m&rder, slüg nebent imme in das ertrich; 
und ein füren stroll zt den Augstinerin ') in das gloghus, das 
was mit bly decket, das niemant dorste dozü komen, als das » 
bly smaltz, do das gloghusz gans verbran und abher viel, were 
de nit grosz helf gesin, das closter were verbrennet^). 

[211] Wie die Eigenossen zugend uff hertzog 
Sigmund von Oesterich ungewarnet. 

(1460) Anno domini 61 uff Michahelis ^) zugend die Switzer und is 
^^ ' Zürich für Tiessenhofen, und todend grossz schaden, das man 
grossz mangel hatte, das sü es uffgobend^). und gewunnent 
Frowenfelt^), und einen kilchoff^) ; wart veibrent, und vil er- 
stochen. Wintertur wart euch belegen; sü schüfend aber nutz^): 

2. Ha.: ie deum landAbas. 11. H«.: gans verban. 12. untere Hillte von 

Bl. 202 blieb leer. 16. He.: groiss aehaden nnd man. 

Bomprediger. Ueber ihn 8. Berling^rs Ztusfttse zuEtterlin, Bl. 95^ auch Beiler, 
im Code historique de Strasbourg 11, 70 ff. 

1) »capplan« vielleicht yerschrieben statt: cappiteL 

2) Diese durch die innere Stadtmauer gebrochene Pforte führte vom 
Barfüsserplatz zur Steinenyorstadt Der anstossende Eselthurm, abgetragen 
1810, diente als Geftngniss. Vgl. Fechters Top. 66. 

3) Ueber das Augpistinerkloster, auf dem Areal des jetzigen Museums, 
s. Fechters Top. 24. 

4) Ueber Bl. 202b— 211 g. Einleitung S. 227 und 233. 

5) Dieser Abschnitt kann, wie sein Inhalt zeigt, erst um Weihnachten 
geschrieben sein. Deshalb setzt Appenwiler irrigerweise hier schon die Jahr- 
zahl 61 statt: 1460. Das Tagesdatum 29. Sept. bezieht sich speziell auf die 
Kriegserklärung ZOrichs; s. Eidg. Absch. II, S. 307. Die Belagerung von 
Diessenhofen begann erst am 18. Oct: s. Tschudi, Ghron. II, 603. 

6) Die Uebergabe erfolgte am 28. Oct. ; s. Eidg. Absch. 11, S. 309. 

7) Frauenfeld wurde schon im Sept. eingenommen; s. ebend. II, S. 310. 

8)' Mit diesem »kilchoff« ist Yermuthlich das Schloss Fussach im Vorarl- 
berg gemeint, dessen Erstürmung und Zerstörung noch im Oct erfolgte, und 
dessen ganze Besatzung erstochen wurde. S. hierüber Tschudi II, 603, sowie 
auch die Klage der Ostreich. R&the vor demRathe zu Basel, vom 29. Oct 1460, 
im Ob. m, 1 12b abgedruckt in den Eidg. Absch. II, S. 308. 

9) Die Belagerung von Winterthur begann am 30. Sept. und endigte am 



1460—1462. 335 

doch wart gemacht, sü soltend stille sitzen, Eigenossen und 
Oesterich halb, zugend in das Sungowe und rdbtend vil, und 
yil erstochen 1). wart ein friden gemacht durch min herren 
von Basel bis pfingsten^); dozwuschend solte men tagen zübisM»i24 
sCostantz^). Veltkilch wart verbrent*).- 

[2lP] Anno domini 1461 circa Galli wart verdinget dasoct. ic 
münster uff Burg zft Basel ^] meister Hans von Tanne ^) für 
500 lib. : sol man im als holtz weren an die stat, und sol er 
das abholtz nemen. 
to Item secunda post circumcisionis anno 62 fieng er an zAi462 

wercken mit 23 knechten. '^*°* * 

Dominica ante Valentini worend 631 tagwon beschechen. Febr. 7 
Suma der gantzen tagwon des zimbers am münster: 3000 
tag minus 2V2 tag*^). 

15 [208^] Anno domini 1462 post festum pasche band die nMh April is 

Ton Basel gemüntz 900 marx, dorussz gemacht nütz denne 
dein phennig^); was die müntz zem Storeken am Vischmergt^). 

« 

5. D«ii Fqss Ton Bl. 21t Bammi dem gröaeereB Theil Ton Bl. *illb f Allen Abschriften 
ans Königshofen. 14. Folgt ein Zneatx ron Wjlwn Hand; 0. Beilage YII. 

am 11. Dec. mit einem Neutralit&tsvertrag; 8. Tschudi 11, 604 und 609, auch 
Eidg. AbBch. U, 312. 

1) Ueber dieften Zug der Solothurner gegen Pfirt, Anfangs Dec 1460, 
3. Trouillat Y, 824. — Tschudi 11, 610, scheint ihn su yerwechseln mit dem 
Zuge gegen Montb^liard, vom Dec. 1465 ; über letsteren 8. unten S. 346, Anm. 4. 

2) Bischof Johann und der Rath von Basel, Bammt andern Vermittlem, 
yereinbarten am 7. Dec. eu Constanz einen Waffenstillstand vom 10. Dec. bis 
24. Mai 1461 ; s. Eidg. Absch. U, S. 883 ff. 

3) Am 1 7. Mai 1 46 1 wurde der Waffenstillstand verlängert bis lum 4 . Juni, 
worauf am 1. Juni zu Constanz zwischen Oestreich und den Eidgenossen ein 
15j&hriger Friede geschlossen wurde; s. Eidg. Absch. U, S. 317 und 886 ff. 

4) Feldkirch im Vorarlberg. Ueber diesen Brand, vom 16. Not. 1460, 
s. Berlingers Zusätze zu Etterlin, Bl. 80, aoich Speirer Chron., bei Mone I, 448. 

5) D. h. die Erstellung des Dachstuhls über der ganzen Kirche, welche 
seit dem Erdbeben yon 1356 noch immer nur mit einem provisorischen Noth- 
dache bedeckt war; s. E. La Roche, in den Beiträgen zur Gesch. des Basler 
Münsters m, 39. — Dieser hölzerne Dachstuhl von 1462 wurde 1887 durch 
einen eisernen ersetzt. 

6) Unter den Zimmerleuten erscheint er schon im Steuerbuche von 1429; 
8. Schönberg 542. Seit 1445 war er ihr Zunftmeister. 

7] Vorausgesetzt, die Zahl der Werkleute sei immer auf 23 geblieben, 
so war mit diesen 2997 Arbeitstagen das ganze Werk vor Ende Mai vollendet. 

8) Nämlich Stäbler und — zum ersten Mal — Vierer; diese letztere 
Münze galt 4 d. Stäbler. Aus 1 Mark Silber wurden damals 1056 Stäbler oder 
280 Vierer gsprägt; b. Schönberg 122 ff. 

9) D. h. im Hause No. 8 am Fischmarkt, dem Gasthof zum Storchen 



336 Appenwiler. 

April 24 [212] Anno domini 62 sabato ante Marci kam als ein un- 
gehurlichen grosz sne, das unsäglich was, das er an einteil 
enden böme nidertranck; werte 9 stunden on ufhören^]. 

Juni 30 Anno domini 1462 quarta ante üolärici ist ein grossz ge- 
slacht und niderlege beschechen , das der von Wirtenberg, 5 
margroff Karle von Baden, der biscboff von Mets des margrafen 
brüder, und ander fil herren, frien und grofen^ ritter und dienst- 
lutt den paltzgroffen meindent zu smecben und schedigen^. 
zugend mit 1200 pferden'^j gon Heidelberg in den tierwalt^), 
woltend mit gewalt jagen, das wilde vertriben. des wart der i« 
paltzgroffe innen, machte sich uff mit 800 pferden^), kam in 
das feit, sas abe, bat got: bette er ere und recht, das im got 
hulffe. slfig vil zu ritter, und reit zwirend an sü; zem dritten 
mol brach er hindurch, gab im got das geluck, das 700 settel 
wurdent gelert®). der von Wirtenberg kam in des paltzgroffen ts 
hende, das grossz fechten zwuschen innen beschach. stach 
den von Wirtenberg durch bede backen, wolte in ertÖted han. 
kam der von Sigingin^), sprach: »gnediger herr, nit gechend! 

1. Em,: ipio die aabAto. 4. Hb.: UoUrice. 15. Ht. : Wirtenberg kmn in. 

gegenüber. Dieses Haus, jetzt zum goldnen Stern, hiess froher «zur alten 
MOnzec In seiner N&he lag noch im XIV. Jahrhundert die Laube der 
Wechsler; b. Fechters Top. 86. — Später wurde die stftdtische Münzstätte in 
No. 9 der jetzigen Münzgasse verlegt. 

1) Vgl. dieselbe Nachricht unten S. 339, d. h. auf Bl. 21 2^ Die ganze 
Vorderseite von BL 212 scheint Appenwiler erst Ende 1462 beschrieben zu 
haben, d. h. erst nach denjenigen Aufzeichnungen über dieses Jahr, welche 
sich auf Bl. 2]2b_213 finden; s. unten S. 338, Anm. 10, und S. 342, Anm. 2. 

2) Ueber diesen Sieg Friedrichs von der Pfalz über Qraf Ulrich von 
Würtemberg, Karl von Baden und Bischof Johann von Mets vgl. oben Rathsb. 
S. 65. — Der vorliegende Bericht stammt offenbar aus pf&lzischer Quellt; des- 
halb lesen wir hier durchweg »paltzgroffe«, während Appenwiler sonst immer 
»pfaltzgroffe« schreibt 

3) Andere Sch&tzungen schwanken zwischen 700 und 1000 Pferden; vgL 
Speirer Chron. bei Mone I, 472, femer Matthias von Kemnat und Eickhart 
Artzt, beide in den Quellen und Forschungen zur Bair. Geschichte II, 42 
und 192. — Das Fussvolk mit der Wagenburg blieb 2 Meilen rückwärts stdien. 

4) Vgl. M. von Kemnat a. a. O. : bei Seckenheim am Fronholtz. — Von 
Heidelberg ist das Schlachtfeld noch über 2 Stunden entfernt 

5) In dieser Zahl ist der Zuzug Dietrichs von Ysenburg nicht inbegriffen, 
der erst wenige Stunden vor der Schlacht eintraf. Ueberdiess hatte Friedrich 
20U0 Mann Fussvolk bei sich. 

6) VgL die genaueren Angaben in Oerungs Fortsetzung der Flores tem~ 
porum, im Cod. D IV 10, Bl. lOJ, wonach im Ganzen, neben etwa 40 Todten, 
328 Gefangene gemacht wurden. 

7) Obschon mehrere Sickingen im pfUzischen Heere fochten, so scheint 
doch hier dieser Name auf Verwechslung mit »Gemmingen« zu beruhen. Laut 



H62. 337 

« 

sechend uwer ere an; er git sich gefangene doch dei paltz- 
groffe wart ouch wund, wart vil herren, groffen, fryen, ritter 
und knecht erslagen^), by 400 gefangen ^J. 

Anno domini 62 quinta post Margarete^] ket der pfaltzgroff jiiU22 
5 gewellet das vicbe nemen vor Lutterburg^); lies sick mit einem ^***^*'^ 
deinen züge secken usser dem walde. do kam der resig züg 
an sü rennen ussz der stat. do bliessend die uff mit einer 
kinderküt, und an su. wurdend Switzer^) und ander erstocken, 
by 130 gefangen; was der von Ruseck^}, zwen von Risckack 
10 und ander, wante wenig, die stat were imme worden. 

Anno ut supra, die Alexi?], ist von den ricksteten in Swo-Jaü i? 
ben, und von Brandenburg^) und dem adel, ein mecktig folck 
mit einer wagenbu^ gelegen by Gundelfingen^)/ uff bertzog 

Stalin, Wirtemberg. Geschichte III| 538, Anm. 1, war es nftmlich Hans yon 
Gemmingen, der den Grafen Ulrich bewog, sich gefangen zu geben. — Die 
Terschiedenen Gemminger und Sickinger, welche in dieser Schlacht mitfochten, 
s. in M. Beheims Beimchronik, in den Quellen zur Bair. Gesch. III, 112. 

1) Auf dem Schlachtfelde blieben nur 40 Todte; doch unter den Ge- 
fangenen starben yiele nachher an ihren Wunden. S. Eickhart Artzt und 
M. Beheim a. a. O. n, 42 und III, 129 ff., und ?gl. oben S. 336. Anm. 6. 

2} Vgl. oben S. 336, Anm. 6. — Ueber die Auslösung der drei gefangenen 
Fürsten s. unten S. 342 ff. 

3} Nach dem Kalender der Bisthümer Basel und Strassburg, wo der 
Marg^arethentag am 15. Juli begangen wurde, weist dieses Datum auf den 
22. Juli. Jedoch lag Lauterburg im Bisthum Speier, wo dieser Tag auf den 
13. Juli fiel, und mithin der Donnerstag nach demselben, für 1462, schon auf 
den 15. Juk. 

4) Lauterburg, an der Mündung der Lauter in den Rhein, gehörte zum 
Gebiete des Bischofs von Speier, Johanns von Hoheneck, der sich seit Mai 
1462 den Feinden Friedrichs von der Pfalz angeschlossen hatte; s. Schöpflin- 
Ravenez IV, 401, und Speirer Chron. bei Mone I, 470 ff. Diese Feindschaft 
erw&hnen auch M. von Kemnat und £. Artzt, beide in den Quellen zur Bair. 
Gesch. II, 45 und 93. Das hier erzählte Treffen jedoch berührt keiner dieser 
Berichte. 

5) Ueber die Schweizerischen Söldner in diesem Kriege vgl. unten S. 338. 

6) Vielleicht Jakob von Rüssegg; s. Ob. IV, 58, z. J. 1466. 

7) Dieses Datum stimmt zum Treffen bei Heidenheim, welches zu der 
hier erz&hlten Schlacht bei Giengen, vom 1 9. Juli, das Vorspiel bildete ; s. Speirer 
Chron.. bei Mone I, 473, und vgl. Stfilin, Wirtemb. Gesch. III, 539 £ 

8) Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach, zugen. »Achilles«, ein 
Bruder des KurfQrsten Friedrich II., führte in der pfüzisch-bairischen Fehde 
gegen Ludwig den Reichen von Baiem-Landshut das Reichsheer, zu welchem 
31 Reichsstädte von Schwaben und Franken Zuzüge gestellt hatten; s. Stalin 
a. a. 0. 111,533. 

9] Gundelfingen, zwischen Ulm und Donauwörth. — Bis zum Treffen vom 
17. Juk lag das Reichsheer vor Heidenheim, 4 St. von Gundelfingen. Die 

BMler Chroniken. IV. 22 



338 Appenwiler. 

Ludwig Ton Lantzhüt. des ist der hertzog komen mit 10 000*) 
(Jaiii9)an süy bet innen die Wagenburg abgewunnen, 500 erstochen, 
200 edel und unedel gefangen; wele entrannen sind, komend 
in die stat des ricbes Giengen, het der bertzog die stat um- 
legen, das niemand dorin, nocb dorusss mag komen, und bets 
grosse macbt und gezug dorror^); und des noch tegelicb z&- 
zucbet dem bertzogen zu bilff. bet den steten abgewunnen 
allen Iren geziig, der yast kostlicben was, by 500 wegenen^ 
das velt bebalten 3 tag, wol 1500 rosz gewunnen. juncber 
Peter von Eptingen^) lag kostlicben dernider mit 8 stuck beng- m 
sten, wart gefangen uff ein widerantwurten; docb lies in der 
bertzog ledig, durcb des geslecbtes willen. 

oet. 38 Anno domini 62 Symonis et Jude^) wart Mentx Terrotten 
und by nacbt scbamlichen gewunnen zu der Gauporten ^) durcb 
den biscboff von Nassowe^), den swartzen bertzogen ^], groffis 
Olwig Yon Sultz^) und vil S witzer. und wart grossz gut do 
genon und sagman gemacbt, besunder im kSfbussz unmessig 
gut funden, ein tonfasz mit golde binder den Juden, binder 
der priesterscbaff und geistlicben genon, was sii battend, die 
stat an menigen enden verbrennet, vil lüttes erstocben. was» 
der biscboff von Yssenburg^) in der stat, kam zu nacbt über 
die muren ussz; er were anders erslagen^<^). 

t. Hs. : LM sUtt XM. 8. Hs. : XV« statt V«. 

Schlaeht vom 19. Juli aber, welche hier ersfthlt wird» geschah bei Giengen, nur 
2 St. von Gundelfingen ; 8. StBlin III, 539 £ 

1) Ueber diese Zahl s. ebend. 

2) Die Belagerung von Giengen wthrte kaum eine Woche und blieb er- 
folglos; 8. 8t&lin III, 541. 

3) Mit seinem filteren Bruder, dem Ritter Hermann y. £. von Blochmont. 
erschien er am 11. Aug. d. J. wieder in Basel Tor dem Rath, doch in der Ab- 
sicht, aufs neue in den Krieg zu ziehen; s. Ob. III, 138^ 

4) In der Nacht vom 27./28. Oct; Tgl. oben Rathsb. z. J. 1462, auch 
unten S. 341 die nochmalige kürzere Nachricht hierüber. Femer vgl. hierüber 
Speirer Chron., bei Mone I, 475 ff., Eickhart Artzt in den Quellen zur Bair. 
Gesch. II, 193 ff., und yerschiedene Berichte bei Janssen, Frankfurts Reichs- 
correspondenz II, 218 ff. 

5} Dieses Thor führt von Westen her in den höchstgelegenen StadttkeiL 

6) Der von Pius II. 1461 zum Erzbischof ron Mainz ernannte Adolf von 
Nassau. 

7) Ludwig der Schwarze ron Veldenz, Pfalzgraf bei Rhein. 

8) Dieser war Hauptmann Adolfs Ton Nassau; s. Stfilin DI, 541, Anm. 5. 

9) Graf Dietrich Yon Ysenburg, der bisherige, 1461 von Pius IL abge- 
setzte Erzbischof von Mainz. Ueber seine Flucht am frühen Morgen vgL Beinen 
eigenen Brief, bei Janssen a. a. O., S. 221. 

10) Alles Folgende auf BL 212b und 213, soweit es noch das Jahr 1462 



1462. 339 

• 
[2} 2^] Anno domini 1462 was es so kalt, fieng an Thomei46i 
61, dBBLS in 30 joren nie so kalt wart^ mit gutem sne. und Ti-im 
motei was der Rin zu nacht gar noche überfroien^], das z& ^' 
nacht aUe zimberlutt und knecht mfustend der brücken z& 
5 Basel h&tten und wercken, das das ysz nit die brücke enweg 
stiesz; das die joch kracketend — man hört es zu den Kar- 
tusseu — das die zwen flössz, die dö worend, das yssz enweg 
stiesz, als man ein nuwe joch machte^], momdes worend nitJan. 25 
me denne zwei joch am Rintor^) ledig, das das wasser sin owe- 
10 weg hatt z& gond vor dem yssz. was der Rin zft Ougest und 
zu Rinfelden überfroren ^ das man mit karren doruber f&r. 
do mans brach, in crastinum purifficationis, was das yssz 6 Febr. 3 
scüche dicke ^). 

Item quarta post purifficationis Marie anno predicto hat- Febr. 3 
15 tend die von Basel 30 knecht, die das yssz ufFhuwend; gab 
man eim 2 s. zu lone. was das yssz eins halben mans dicke; 
mochtend es in 2 tagen nit tun, das grosz erbeit do was und 
sorge, die yon Segingen, L Affenberg, und was dorumbe was, 
müstend malen zu Waltzhüt. 
20 Item der Rin zwuschend Basel utid Waltzhüt was an dri 

enden überfroren. 

Item Brisach; Nuwenburg und do umb müstend malen zu 
Friburg; und was am Susenhart ^) was, mül zu Will^). were 
das wetter ütz lenger gesin, es were grosz not worden. 
25 Anno 62 uff samstag vor Marci kam als ein grossz sne Apru 24 

9 stunden an einander, by zweien schuhe dicke ^). 

An zinstage vor süngichten viel zu Rufach und do umb Jani 22 
ein sne, der lag denecht zem nachtmol. 

Anno domini 62 uff fritag noch Heraszmi kam das grostijonii 
30 wetter im Elsas; vieng an zu Morswiler, gieng bis gon Sigoltz- 

2. Am Bende, ron Berlingere Hand: em neeheten tag ror lant Pealtii bekemng. 
IX Hs.: XYI statt Tl. 

betrifft, scheint früher geschrieben su sein als die ganze Vorderseite von 
BL 212 ; s. die Einleitung S. 233, und ygL oben S. 336, Anm. 1 . 

i) VgL hieraber Berlingen Zus. zu Etterlin, Bl. 60. 

2] Die hölzernen Joche, auf der linken Rheinseite, mussten periodisch 
erneuert werden. 

3) Dieses Thor, abgebrochen 1839, bildete den Zugang von Oross-Basel 
zur Rheinbrücke. Die Strömung ist auf dieser linken Rheinseite am stärksten. 

4) VgL unten : eins halben mans dicke. 

5) Sausenhardt heisst ein Ausl&ufer des Schwarzwaldes , welcher vom 
Blauen ausgeht und als Isteiner Klotz den Rhein berührt 

6) Weil, 1 St nördlich von Basel. 

7} Vgl. dieselbe Nachricht oben S. 336. 

22» 



340 Appenwiler. 

hin abhin, das nie kein man giSsser bAser wetter ie gesacb, 
das die von Amerswiler^) mere die stat verloren bettend als 
die reben. denne das wetter den grünt Ton den reben floszte, 
das grosz jomer do was; es were ein dein ding gesin umb 
dem win. ^ 

Aug. 28 Anno domini 1462 uff sant Augustinus tag gieng ein schiff 
zb, Rinfelden under an der brug'^J, dorinne vil kSfmanschatE 
was und kostlich, das vast undergieng, und wol 30 sentner 
Stachels. Gotschalg^) wart vil von spetzerig yerlom, kam von 
Venedig; ein teil neglin und bowelen wart imme, müst mani» 
sunnen. doch was nütz umb das gut, was ein dein ding: 
es ertrunckend by 60 mönschen: von Basel die zem Schiff 
genant von Eptingen^), irs brüders sun her Erhart caplan zu 
sant Peter, Juncker Peter Offenburgs frowe^) mit eim kinde, der 
lupriester von Mutetz semet tertius, der apt von Wettingen ^).is 
als das schiff enzwei brach, kam er und 10 mit imme, das sü 
komend bis gon Ougst. f&rend zwen mit weidlingen; den 
wolte er hau geben 60 guldin, das sü innen geholffen bettend. 

Avg. sowoltentz nit tun; müstend [213] ertrincken. der wart an men- 
tag funden. sust vil lutes, von K61en und umbendum har, 2v 
als sü von unser frowen ^) komend und von Baden, und euch 
Studenten; und grosz barschaft mit innen verloren wart; worend 
euch vU ander volck umbendum her. der ein schiffman von 
Seggingen mit wib und kint ertranck, der kein schuld doran 
hatt; der ander bAszwicht kam darvon, geheissen der Sasinger^). v, 

1. H>. : kein mag grjfiss bXser wetter. 9. Am Bande, von Wrlen Hand: Notaa- 

dnm Ooiaclialg kouiElutt. 15. Ha. : mntetx met. 18. Em. : geholfen. 

1) Obermoraweiler liegt 2 St oberhalb Colmar, SigoUheim und Ammen- 
Weiler 2 St unterhalb dieser Stadt, und alle drei «m Fuss der Vogesen. 

2) Die Strecke von Beuggen hinab bis sur Rheinfelder Brücke ist ge- ' 
f&hrlich wegen ihrer yielen Strudel und heisst deshalb der Höllhacken ; Tgl. 
Wurstisen 41. 

3) Nikiaus Gottschalk; s. ebend. und vgl. oben S. 294, Anm. t. 

4) Ueber Gredanna von Laufen, gen. zem Schiff, die Wittwe Antons 
Ton Eptingen, gen. Huser, s. B. Chron. I, 332 in der Anm. Ihr Gemahl wurde 
Bürger 1 433 ; s. Rothb. 360. 

5) Er war seit 1452 in dritter Ehe yerm&hlt mit Agnes von Laufen; s. die 
Offenburgische Familienchronik, im Cod. N K 169 der Stadtbibliothek zu 
•Augsburg. 

6} Johannes Wagner von Baden im Aargau ; s. Mülinen, Helvetia sacn 
I, 200. Das Cisterzienserkloster Wettingen war in Basels Umgegend begütert, 
namentlich zu Riehen. 

7) Von Einsiedeln. 

8) Welti Sassinger erscheint unter den Geftchteten, welche am 3. Sept 



1462. 341 

• 

Änno domini ut supra an fritag nach Francissi uff quartaoct. 8 
hoira kam by heitrem himel grossz donren und vingeliche 
grosser regen, das ungehört vorhin was. 

Anno domini 62 uff samstag'post Luce sind die von Basel oct. 23 
5 usszgezogen mit 12 wegenen, 12 karren mit gezüg, 6 buchsen 
und steinen und ander gezug, uff die nüne, und wol mit 200 
gutter gesellen >), wol mit 30 pferden. zugend fiir Hoch Küngs- 
perg und m&t hattend, gelunge in, sü woltend fiir Hoch 
Hadstat^]. was der bischoff von Stroszburg, von Lupffen^), 
10 von Ropoltzstein^], die lantschaff von Oesterich*), Stroszburgß), 
von Busznang^}, und begerttend von den von Basel nit folck, 
denne aleine irren gezug mit den wergmeisterin. her Hans 
von Flaszlanden was höbtman; her Hans von Berenfeltz was 
do mit 8 pherden^), in namen der stuben zem Suftzin^). 
15 Anno predicto uff zinstag vor omnium sanctorum zoch des oet. 26 

bischo& von Basel volck ussz, mit fuszgengerin wol gefasset 
und resig gezug, mit zwein wegnen, 3 karren, ouch für Hochen 
Kunigsperg, und mit gezug und tertschen. 

20 Anno domini 62 vigilia Symonis et Jude^^) ist Mentz demoet.(28) 

von Nassowe und dem swattzen hertzog Ludwigen von Peyern 
mit verretery und falsch ingen von den metzigerin und etlichen 
andren zunften. und hand grosz volck erslagen, geistlichen 

1473 beim Einzüge Kaiser FriedrichB wieder nach Basel kamen, aber mit Ein- 
willigung des Kaisers am 11. Sept. neuerdings ausgewiesen wurden. S. Ob. 
V, 103^ wo hinter Sassingers Namen die Bemerkung: schiff verfurt 

1) VgL oben Rathsb. S. 65: mit 100 fusxknechten. 

2] Diese Burg liegt 1 St vom Dorfe Hadstadt, zwischen Rufach und 
Colmar, und wurde 1466 wirklich zerstört; s. Schöpflin-Ravenez IV, 182. 

3) Des ]437.Ter8torbenen Grafen fiLans Ton Lupfen gleichnamiger Sohn, 
der von Oestreich die Herrschaft Landsberg zu Lehen trug; s. Schöpflin 
a. a. .O. IV, 252, und vgl B. Chron. II, 14, Anm. 6. 

4) lieber Wilhelm, den Sohn des 1450 verstorbenen Freiherm Schmass- 
mann von Rappoltstein, *s. B. Chron. III, 34, Anm. 8. 

5) Oestreichischer Landvogt im Elsass und Breisgau war damals Peter 
von Mftrsberg; s. oben S. 62, Anm. 3. 

6) Die Stadt, zum Unterschied vom Bischof. 

7) Konrad von Bussnang als Herr der Obern Mundat; s. obem S. 302, 
Anm. 4. 

8) Vgl. oben Rathsb. S. 65: mit 6 pferden. 

9) S. ebend. richtiger: von der Hohen Stuben. — Diese bestund damals 
noch aus zwei Gesellschaften, zum Brunnen xmd zum Seufzen. 

10) D. h. in der Nacht vom 27./28. Oct; vgl. oben S. 338 die ausfOhr- 
lichere Nachricht hieraber, welche Appenwiler wohl erst nachträglich erhielt, 
nachdem die vorliegende bereits geschrieben war. 



342 Appenwiler. 

und weltlichen grosz gftt do genomen. wondent den pfitltz- 
groffen do funden han*]; were er ouch ermurdet und die sinen 

gesin^). 

1463 Anno domini 63 sexta ante assensionis domini galt zu Basel 
^ ein huffen salmen und ein sack rocken gelich, ietliches 7 s.'}. s 
Anno ut supra sind so yü graszwurm gesin, das nie kein 
man gedoch, und in sundera alle bSme gantz blut gessen wur- 
dendy das dekein frucht mochtend von komen*). 

Anno domini ut supra het ein bischoff von Basel, genant 
von Yenigen, erworben am bobst Pius, das man im bistum in lo 
der Tasten mag ancken essen ^); und dorumb alle jor*) iegelichs 
opfferbar mönsche geben sol 4 d. an den costen. 

Die schatzunge margroff Karly von Baden und des 
herren von Wirtenberg, als der ^{eiltzgr oft ff ef an gen 

hatt sü bede^). is 

Item der margraff ist geschetzt: uff Crutznach und was 
dorzu gehört^) 45 tusent guldin, uff Besicken^] 25 tusent guldin, 
Mff Beinhin *®) 1 tusent guldin. 

5. An der untern Hilft« von Bl. 213 fehlt der Bftnd, nnd mithin die Enden der 
Zeilen; daher die Ergänzungen im Texte bis 8. 343, Z. 3. 

1) Zwischen den kriegführenden Parteien war auf den 28. Oet. zu Mainz 
ein Tag angesetzt, auf welchem auch Pfalzgraf Friedrich erscheinen sollte; 
jedoch blieb er die Nacht vom 27./28. noch in Oppenheim; s. Speirer Chron. 
bei Mone I, 475 und 479, auch Janssen, Frankfurts Reichscorrcspondenz 
11,219. 

2] Erst nachdem Bl. 212^ und 213 bis hieher beschrieben waren, scheint 
Appenwiler noch weitere Nachrichten von 1462 auf der Vorderseite Yon BL212 
eingetragen zu haben; s. oben S. 338, Anm. 10. 

3) Vgl. oben Rathsb. S. 66, woraus die Lücke im vorliegenden Text er- 
gänzt ist. 

4) Schon im März d. J. traf der Rath Massregeln zu ihrer Vertilgung; 
8. den Ruf vom 16. März, im Rufb. II, 7. 

5) S. die Bulle, Stadt Urk. 1463 April 13. In Baael vnirde sie am 
29. Mai verkündigt; a. Gerung^ Forts, d. Flores temporum, BL 110(>. 

6) D. h. nur die drei nächsten Jahre; s. ebend. 

7) DieAnnahme der nachfolgenden Friedensbedingungen — und mithin die 
Entlassung aus der Haft — erfolgte für den Markgrafen von Baden am 20. April 
1463, und für Graf Ulrich von Würtemberg am 27. April ; s. Eickhart Aitzt, in 
den Quellen zur Bair. Gesch. II, 197. — Die Lücken unseres Textes sind er- 
gänzt aus demjenigen in der Speirer Chron., bei Mone I, 482 ff., der übrigens in 
den Zahlen zum Theil weniger genau ist als der vorliegende; vgLMone IH, 149. 

8) Kreuznach an der Nahe, mit der Hälfte der vordem Grafschaft 
Sponheim. 

9) Besigheim am Neckar, jetzt würtembergisch. 

10) Beinheim im Unter-Elsass hatte Markgraf Bernhard von Baden 1402 
von den Freiherren von Fleckenstein gekauft; s. Sehöpflin-Ravenez IV, 541. 



1463, 343 

Item er sol Pfortsbin zu lechen enpfohen vom pfaltz- 
ffraven^), und nit ufbagen, er oder sin erben, si gebent for 
40 tosent gtddin. 

[213^] Item er sol des bobest und des bem keisers für« 
5 nemen abtragen 2) oder do für jorsfrist geben 30 tusent gülden; 
er sol in zweien zilen geben 20 tusent gülden'). 

Item er und sin geselschaff die gefangen niemetme wider 
die pfedtzgroyen t&n und alle ir erben. 

Item der margroff und sin erben sÄUent verziehen die ford- 
10 runge zwuscbend Gemerszhin und Seltz^), und Eppingen^). 

Item der von Wirtenberg sol geben dem pfaltzgroven 
40 tusent gl., und uff groff Eberbarten von Wirtenberg ^} 60 tu- 
sent gülden, uff der frouwen widmen^) zu verziehen, das ist 
Swetzingen mit siner zügeh6rend^). 
15 Item St&tkarten^] zft lechen enpfohen, und nit ufizüsagen, 

er oder sin erben, sy gebent den 30 tusent gl. 



1] Pforzheim war bisher ein ReichBlehen gewesen; s. Mone, Quellen sur 
Bad. Gesch. m, 1 49. 

2) D. h. er musste für Aufhebung des über den Pfalzgrafen verhängten 
Bannes sorgen, sowie auch für dessen Aussöhnung mit dem Kaiser. 

3) Die obigen Verpfändungen sammt dieser Zahlung bilden zusammen 
das auf den Markgrafen gesetzte Lösegeld von 100000 GL; s. Eickhart Artzt 
a. a. O. 

4} VgL M. von Kemnat, in den Quellen zur Bair. Gesch. U, 44: uff 
auwen, wiltbant und fischwasser am Rein zwuschen Germersheim und Seltz. — 
Diese beiden Orte waren pf&lzisch, und das gegenüberliegende rechte Rhein- 
ufer badisch. 

5) Vgl. M. von Kemnat a. a. O.: uff die lossunge an Eppingen und 
Heideisheim. — Diese zwei badischen Orte, bei Bruchsfd gelegen, waren dem 
Pfalzgrafen verpfändet; s. Menzels Regesten^ in den Quellen zur Bair. Gesch. 
n, 401. 

6) Eberhard der jüngere, Ulrichs Sohn, damals erst 16jährig. — Ueber 
diese Bedingungen ist die Speirer Chron. ausführlicher; s. Mone I, 483. 

7) Ulrich war seit 1453 in dritter Ehe vermählt mit Margaretha von Sa- 
vojen, der Wittwe Ludwigs des Sanftmüthigen und Mutter des Pfalzgrafen 
Philipp, welcher 1476 seinem Oheime Friedrich in der Regierung der Pfalz 
folgte. 

6) Diesen Zusatz über Schwetzingen. hat einzig unser Text. Das pfälzi- 
sche Witthum der Gräfin war jedoch nicht Schwetzingen, sondern. die Graf- 
schaft Löwenstein und das Städtchen Möckmühl; s. Speirer Chron., auch 
Stalin, Wiztemb. Gesch. III, 504 und 544, und Menzels Regesten, in den 
Quellen zur Bair. Gesch. II, 402. 

9) Stuttgart, wie auch Speirer Chron. hat, stand nur im ersten Entwürfe 
dieses Vertrags, und wurde hierauf ersetzt durch Marbach ; s. M. von Kemnat, 
in den Quellen zur Bair. Gesch. H, 45, auch Stalin UI, 543, und Menzels 
Regesten a. a. 0. 



344 Appenwiler. 

Item er sol des keyseis und hobest furnemen abtiagen, 
oder dofür geben 10 tusent guldin. 

Item was pfründe er zu liehen hat, sol er dem pMtzgroven 
z&stellen in sin gebiet. 

Item er und sin geselschaff, die gefjEipgen worent, dem» 
pfaltzgroffen verbuntlichen zu sinde, wider in niemerme zu 
tünde. • 

Item er sol achten, durch sin frowen die krönen und alle 
kleinöter, die sü von der bürge Heydelberg gefärt het, wider 
antwurten on verziechen. i» 

Disz gehört an das vorder plat*). 

TorJaiiis Anno domini 63 ante Margarete^) het die pestilencie zu 
Basel angefangen in der cleinen stat treflichen. 

▲og. 7 Anno predicto dominica ante Laurentii ist zd Basel ver- 
künden im münster der apelos , den der host Pius gon Basel i& 
gen hat dru jor noch einander') umb des willen, das clas 
münster vollebrocht muee werden; und vachet an uff unser 

(1464) ... 

icin 25 frowen tag in der vasten, anuntiationis, zu vesperzit*). 

]UMkJaiii5 Anno domini 63 post Margarete incepit pestilentia in mi- 
nori Basilea primo modicum, post in magna civitate. » 

Oet. 3 Eodem anno secunda post Michahelis hat die stifft und 
die rete von Basel ein processz geton gon SchSntal^) zu unser 
frowen, ernstlich und loblich, hattend die priester ein cnitz, 
die man ein crütz, die frowen ein cnitz ; getorste deheins under 
das ander komen. was kein underliBen, vom uszgang untzs 
wider gon Basel, denne singen und lesen von geistlich per- 
sonen. wart überslagen für 1500 personen. 

2. Hfl.: XXX tusent statt X tnsent. 8. 9. Hs.: alles klei&oeter. 2S. H&: 

uszgang and wider. 

1) Zum Bl. 212, d. h. zur bairisch-pfUzischen Fehde; s. oben S. 336 ff. 

2) Vgl. unten: post Margarete. — £b ist wohl dieselbe Pest) welche 
M. Berler ohne Jahrzahl erwähnt; b. Code histor. de Strasbourg 11, 73. 

3) D. h. eine Verlängerung des Ablasses von 1460 um wieitere 3 Jahre; 
8. oben S. .333. 

4) D. h. zur Vesperzeit des Vorabends, also am 24. M&rz; s« oben S.333, 
Anm. 9, sowie auch den Ruf vom 14. März 1464, im Rufb. II, 7, wo Übrigens 
statt »mendag« zu lesen ist : samstag vor dem pialmtag. 

5) Das Kloster St. Maria im Schönthal bei\Langenbruck, 7 St von Basel« 
war seit 1415 yon Marienbradem des Aug^stinerardens bewohnt und seit 1419 
mit p&pstlichem Ablass fOr seine Besucher begafir^;, der 1454 noch rermehrt 
wurde; s. Boos, S. 675, 716 und 932. ^ 






\ 
1 



1463—1465. 345 

Anno domini 63 quaita post Martini was ein grosz ge* Nor. le 
schre zä Basel umb mittentag, Clein Basel were gewunen, das 
man yingenlich sturmde mit dem baner uff dem Kornmerget, 
das iederman umb den andren lief yon*schrecken. zem lesten 
s bat ein schiffma^ Krotzenger M erslagen. were es nachtes be- 
scheehen, were ein grosz mort besehen und vil erslagen. 

[214] Anno domini 1465 sexta ante jubilate^) — wasi465 
cappitulum provinciale zu Basel zu den Bredigerin — galt ein ^** ' 
salm zwier s. me denne 18 seck mit roggen^); der salm kam 
\o zu den Bredigerin. 

Anno ut supra trinitatis ist ein grosser doctor , ein Bre- jnni o 
diger, komen gon Basel in den convent, doctor in omnibus 
facultatibus, des geliehen nit in mundo ist; het alle tag hora 
septima ein sermon ton ad clerum; was lux mundi de Neo- 
15 pelim. 

Anno domini 65 sexta post Verene het ein sftm wins undsepte 
6 yiemtzel koms geliehen gulten^). 

Anno domini 1465 quinta post nativitatis Marie, horasept. 12 
prima, ist Wersich yon Stdffenberg mit eim rosigen gezüg und 
20 300 Switzer komen mit eim grossen röb, 500 stüg, ussz Wel- 
schen landen^), weitend die von Tanne nit über die Steige 
Ion; komend gon Munster in Sant Jergen tal®). weitend die 
staf^) gewert han, das sü nit dodurch zogen werend, und 
erstochend einen edelman^) und sust zwen. wurdent der von 

1) Kiotzinger wohnte 1453 in der St. Jobannvorstadt, wo überhaupt die 
^chiffleute Chross-Baselfl wohnten; s. Schönberg 636. Henni Krotzinger der 
Schiffinann von Belliken hatte 1440 das Bürgerrecht gekauft; s. Rothb. 191. 

2) Dieses Datum bezieht sich auf den Markttag, während das Ordens- 
kapitel Sonntags, den 5. Mai, begann ; s. Johann Meiers Chronicon de Praedi- 
catoribus, Hs. der Universitätsbibliothek £ lU 13, BL 140, wo auch die früheren 
KU Basel gehaltenen Provinzialkapitel, BL 135 ff., erwähnt sind. 

3) Ueber diesen Preis s. oben Bathsb. S. 66, Anm. 6. 

4i Der Viemzel Korn galt dieses Jahr 6 bis 8 s. ; s. Wurstisen 428. — Ueber 
den missrathenen Wein s. M. Berler, im Code bist, de Strasbourg 11, 73. 

5) Wersich Bock von Staufenberg war auf der Heimkehr aus Lothringen, 
wo er einige EdeUeute befehdet hatte; s. ebend. S. 71 ff. 

6} Münster im St. Gtregorienthal. ' 

7) Oder vielmehr das Thal überhaupt. Denn letzteres hatte mit der 
Stadt ein Burgrecht, und die Mannschaft beider griff den Feind im offenen 
Felde an, da sie sich durch ihren Vertrag mit Lothringen hiezu verpflichtet 
hielten ; s. Berler a. a. O., auch SchöpfUn-Ravenez V, 278. 

8} Diebold Stör von Störenberg, der mit Staufenberg gezogen war, wurde 
erst bei der Verfolgung der besiegten Thalleute durch einen Pfeilschuss aus 
der Stadt Münster tödlich getroffen; s. Berler a. a. O. 



346 Appenwiler. 

Munster 24 erslagen^) und in ein gruben geleit, der banerher 
in stucken serhAwen, und das baner wart verloren, 30 uff den 
dot wund 2), 10 gefangen. 

1466 Anno domini 66 quinta ante purifßcationis Marie ist zu 
'^°'^ Basel ein böszwicht^) gefierteilt; den hattend die Eignossens 
Ju. 1 überkomen ^), das er am achtenden tage^) solte zem Snabel in 
der herberge*) für in han geleit und im Baihoff, wenne das 
für were angangen, als die von Solotom, graff Oswald und vil 
Zwitzer tagtend mit dem von Wirtenberg ^), soltend su an 
Escemertor sin do geloffen und ingenon, und ein gezüg Ton« 
dem tor, und die stat Basel also gewunnen han^). das gieng 
durch die von Solotom zA^]; der mort wart zem Holder '^'J 
angetragen, als noch der vergicht^^} santend die von Basel 

1) Vgl. Berler: 18. 

2) VgL ebend.: by den 20. 

3) Er hiess Rudolf SrOm und war von Bern; i. Ob. IV, bZ^, und die 
Fortsetzung zu Beinheim, Bl. 29. 

4) D. h. in seinem GestftndnisB nannte er einige Söldner aus der Eidge- 
nossenBchaft als Beine Anstifter; 8. Ob. IV, 55. In der That lagen um die 
Jahreswende etwa 200 solcher Söldner in Basel cur Herberge, welche aus der 
Fehde Graf Oswalds von Tierstein gegen den Oralen Eberhard von Wüztem- 
berg^Montb^liard heimkehrten; s. Beinheim a. a. O., und Tschachtlans Bemer- 
Chronik, S. 221 der Ausg. von Studer. 

5) Am Neujahrstage wurden alljährlich auf allen Zünften Mahlieiten ge- 
halten ; s. Beinheim a. a. O. 

6} Das Gasthaus zum Schnabel, jetzt »zur Post«, gegenüber dem Bauhof 
oder Kaufhaus, dem jetzigen Postgeb&ude. 

7) Zur Schlichtung der Fehde des Grafen von Tierstein mit Eberhard 
von Würtemberg war auf den 29. Dec. 1465 in Basel ein Tag angesetst, dessen 
Verhandlungen am 7. Jan. mit einem Schiedspruche Bischof Johanns schlössen;« 
s. Ob. IV, 48b und Eidg. Abschiede 11, S. 349 ff.— Solothum war hiebei direkt 
betheiligt» weil Graf Oswald mit dieser Stadt ein Burgrecht geschlossen hatte: 
8. Beinheim, Bl. 2S. 

8) Nftheres über diesen Anschlag s. bei Beinheim. — Schon Mitte Dec 
1465 waren hart vor der Stadt zwei mit gespannter Armbrust lauernde Söldner 
verhaftet, aber aus Rücksicht für Solothum und Graf Oswald auf Urfdide 
wieder freigelassen worden; s. den Brief an Solothum, vom 24. Dec, im 
Missivenb. XI, 1 06. 

9) Neben Solothum nennt Beinheim noch ausdrücklich den Grafen von 
Tierstein. Dieser allgemein verbreitete Verdacht gegen Solothum «tütete sieh 
jedoch auf keinen sicheren Beweis und wurde auch vom Rathe Baseis in aller 
Form als gmndlos erkUrt; s. im Missivenb. XI, 108 den datumlosen Entwurf 
zu einem nicht abgesandten Briefe an Solothum, sowie auch Ob. IV. 55. Statt 
dieses Briefes gieng eine Gesandtschaft nach Solothum, welche am 27. Jan. 
vor dem dortigen Rathe erschien; s. Ob. IV, 53^ 

10) Dieses Wirthshaus, spftter zum »kleinen Holder« genannt, lag an der 
Eisengasse, jetzt No. 10. ^ 

1 1 ) Das Gestftndniss des Angeklagten wurde schon auf dem oben erwähnten 



1466. 347 

gon Solotom: men wolte richten, als möchtend sü gon Basel 
komen, sich zu verantwurten^). das beschach; der seckel* 
meistert) kam an das gericht, lette mit dem schdlmen'): es 
were nit. sprach er: »was ich verjechen han, das ist woro. 
5 als starbe er^], das der mort uff den tag solte vergangen sin^). 

Anno domini 66 quarta post balmarum zh nacht hora 12.*)^prii tß 
ist zu Clingental der tormenter^) schedlichen yerbrent, und 
g^ssz gut, das man den schaden schätzte ob 12 tosend guldin; 
denne was gütz im closter was, ist am selben ende gesin: ein 
10 silbren schiff, drige kostlich kunigi von silber und golde, als 
verbrent^), grosz gut von huszrot, barschaff, sflbergeschirr, 
100 bet kostUch. 

Anno domini 66 ipsa die transzlationem Nicolai, als die von M«i 9 
Keysersperg, Könszhin, Amerswil wider einander sint^), ist 

11. Der SehliiBs, nach >TW^r«;itc, i«t nftchtriglicher Ziitatz, mit anderer Tinte. 

Tage zu Basel vorgelesen, also noch vor dem 7. Januar; s. oben Anm. 7, und 
Missiyenb. XI, 108. Basels Gesandtschaft hingegen erschien erst am 27. Jan« 
SU Solothum ; s. oben Anm. 9. 

1) Biese Einladung geschah nur auf Solothums ausdrückliches Ver- 
langen, und der Gerichtstag, der auf den 25. Jan. angesetzt war, wurde deshalb 
auf den 30. yerschoben;. s. Missiyenb. XI, 108. 

2) Konrad Schüchlin, Seckelmeister, erscheint als Bote Solothums auf 
dem oben erwähnten Tage zu Basel; s. Eidg. Abschiede II, S. 350. 

3) Ueber dieses Gespr&ch s. Genaueres bei Beinheim a. a. O., auch Ob. 
IV, 55. 

4) D. h. wohl: er betheuerte bis zu seinem Tode, dass auf den 1. Januar 
ein Territherischer Ueberlall geplant war. 

5) Das Gerücht, welches Solothum der Urheberschaft beschuldigte, hörte 
auch nach der Hinrichtung nicht auf, so dass der Rath von Basel noch am 
26. Febr. eine neue Gesandtschaft Solothums durch wiederholte Erkl&rungen 
und Zusicherangen berahigen musste ; s. Ob. IV, 55. 

6) In der Nacht vom 1./2. April; vgl. oben Bathsb. S. 66, femer eine 
Notiz im Cod. Bas. E II h, BL 432. 

7) Vgl. ebend. : der nüw dormentter yerbran gants und gar bis an die 
kUchen. — Ueber das Conyentgeb&ude, in welchem das Dormitorium lag, 
8. Mittheilungen VIII, 37. 

8} Es wurde ein wfthrend des Brandes verübter Diebstahl vermuthet; 
0. ebend. 

9) Von diesen Städtchen, welche alle drei nahe beisammen und unweit von 
Colmar liegen, stund Kaisersberg als Reichsstadt unter Friedrich von der 
Pfalz, als dem ReichsTogt im Elsass ; Kiensheim und Ammersweiler hingegen 
gehörten nur theilweise zur Reichsrogtei, zum andem Theil aber zur üerr^ 
Schaft Landsberg, welche Graf Hans von Lupfen vom Herzog Sigismund von 
Oestreich zu Lehen trug. Ueber die Fehde zwischen Pfals^praf Friedrich und 
dem Grafen von Lupfen s. den schon erwähnten Cod. Bas. E I Ih, femer 



348 Appenwiler. 

uff disen tag 52 man dernidergelegen dot von den drigen steten, 
und ein teil Switzei ouch, die do worend. 

8ept23 [214^] Anno domini 66 tertia post Mathei^) het min her 

von Oesterich^) Könszhin gespisset^), wol mit 300 pferden, 
800 f&szknechten, mit geschutz; grübent den rein abe, domitte & 
die von Keyseisperg das wasser genon hattend, und ward innen 
das wasser wider, und etliche erslagen^J. 

Sept. 26 Anno ut supra Justine het der Ringreffe der lantvoget^) 
Amerswiler belegen^) und dristund gesturmet, und folg verlorn, 
das man sii uff karren dannen fürt, wart bedegdiget '), das sii lo 

(Oct. 23) soltend gen 900 gl. und 40 f&der wins, soltend fry sin, dem 
von Lupffen do von sinem teil geben; samlichs ist ouch Mors- 
wiler, Wintzenhin^) betegdinget. und vil volces zu beden 
sitten erslageii; den sü keinen gefangen nement: nutz ist 
denne sterben. u 

Oct. 12 Anno 66 dominica ante Galli ist min her von Oesterich, 
Sigmunt, zu Basel ingeritten mit 400 pferden®),^ kostlichen, 
mit uffgeworfher baner. die von Basel im grossz ere erbotten 
und gantz gelifret hand, und alle nacht ein kostlichen tantz 

M. Berler im Code higt. de Strasbourg II, 73 und 74, auch M. yon Kemnat in 
den Quellen zur Bair. Gesch. II, 47, und Schöpflin-Ravenez IV, 249 ff. Doch 
ist das Gefecht vom 9. Mai dort nirgends erwähnt. 

1) Noch am 12. Sept. war zwischen den kriegführenden Parteien zu 
Gobnar verhandelt worden, doch ohne Erfolg; s. Ob. IV, 69^. 

2) Herzog Sigismund selber kam erst im Oct. über Basel in's Elsass; 
s. unten. 

3) Kiensheim, das sich völlig auf Seite des Pfaligrafen gestellt hatte, 
war durch einen Handstreich vom Grafen von Lupfen wieder erobert worden ; 
8. die oben S. 347, Anm. 6 und 9, erwähnte Notiz im Cod. £ 1 1 h. 

4) Sie zerstörten auch die Weinberge yt>n Kaisersberg; s. ebend. 

5) Johann IV., Wildgraf zu Dhaun und Rheingraf zum Stein, versah die 
Reichsvogtei im Elsass als Untervogt für den Pfalzgrafen ; s. Schöpflin-Ravenez 
V, 566 ff. 

6) Gegen Ammersweiler, wo die Anhänger des Grafen von Lupfen die 
Oberhand hatten, war schon im März d. J. ein pfälzischer Anschlag misslungen; 
s. Berler a. a. O., S. 74. 

7) Am 23. Oct wurde zu Strassburg durch Vermittlung Henog Sigis- . 
munds ein Friede geschlossen; s. Lichnowsky VII, Reg. No. 1108^ auch 
Menzels Regesten in den Quellen zur Bair. Gesch. U, S. 432. 

8) Nieder-Morschweiler, bei Ammersweiler, und Winzenheim, näher bei 
Colmar, waren in denselben Herrschaftsverhältnissen wie Ammersweiler ; 
s. Schöpflin-Ravenez IV, 248, auch Menzels Regesten a. a. O. 

9) Vgl. die oben S. 347, Anm. 6, erwähnte Notiz im Cod. £ I Ih: wol 
mit 200. — Er kam aus Tirol; s. Lichnowsky VH, Reg. No. 1102 und 1104. 
— Ueber seinen Empfang vgl den Ruf vom 10. Oct, im Rufb. 11, 8b. 



1466—1467. 349 

zer Mügen, mit kostlichen hofflichen fiowen, bis mitwuchen ^). bis oet. 15 
an mentag'gieng er zu kilchen uff Burg; der bischoff z{l Basel oct. 13 
und der junge margrove^) enpfiengend in. an mitwuchen 3) zäoctis 
11. stunden fär er mit drigen kostlichen schiffen mit siner 
5 herschaff gon Stroszburg^), min her von Basel mit; do kam 
der pfaltzgroff, der rieh hertzog*), der von Wirtenberg®), mar- 
groff von Baden und ander fiirsten. log in des von Löffen 
hoff und Schönckinden''). 

Anno domini 67 kam hertzog Sigmund^], sin frowe, diei467 
10 groffen von Sultz^), des von Burgune^^) und des keysers bot- 
schaff, von einer e wegen ^*]; und hat der hertzog sin fasznacht 
zd Basel, was ein hübsch leben mit stechen, mit tantzen: der 
hertzog stach selber mit dem von Halwiler ^^), und luff mit den 
firowen beremet durch die stat^^) am wuscheltag^*). FeVr. 6? 

3. Es.: mar^owe. 6. Es.: derich bertsog. 13. Am Bande, Ton Wylers 

Eand : Salvüer. 

1) Ueber die damaligen Verhandlungen zwischen ihm und dem Bath, 
wegen Verpfändung der Herrschaft Rheinfelden, s. Ochs IV, 149 ff. 

2) Rudolf V., der zu Röteln regierte, indess sein Vater Wilhelm sich 
aufwärts im Dienste Oestreichs befand. 

3) Vgl. die schon mehrmals erwähnte Notiz im Cod. £ I Ih: am dons- 
tag (16. OctJ. 

4) Ueber den Frieden, welchen Sigismund am 23. Oct. dort vermittelte, 
8. oben S. 348, Anm. 7. 

5) LuJwig der Reiche von Baiem-Landshut. 

6) Vermuthlich Graf Eberhard, der später »im Bart« genannte, dem die 
würtembergischen Besitzungen im Elsass gehörten. 

7) Hans von Laufen und Peter Schönkind hatten ihre Höfe neben- 
einander, jetzt St. Petersgasse No. 34—38; s. Schönberg 641. 

8) Ueber diesen neuen Besuch vgl. Forts, zu Beinheim, Bl. 30. — Am 
13. Febr. verpfändete Sigismund an Basel die Herrschaft Rheinfelden; s. Stadt. 
Urk. 1467 Febr. 13. Vor und nach seinem Besuche verweilte er im Elsass ; 
8. Lichnowsky VII, Reg. No. 1133 und 1160. 

9; Die Brüder Rudolf und Alwig; über Ersteren s. Ob. IV, 75b 

10) Herzog Philipps des Guten, der'am 15. Juni d. J. starb. 

11) Wohl mit Recht vermuthet Ochs IV, 151, Anm. 2, dass es sich schon 
hier um die Verlobung Maximilians, damals 6j ährig, mit Maria von Burgund 
handelte. 

12) Walther, ein Bruder des spateren Domprobsts Hartmann v. H.; s. 
Forts, zu Beinheim a. a. O. • 

13) Am 25. Febr. 1466 hatte der Rath beschlossen, das »Berämen«, d. h. 
Beschmieren, und anderen derartigen Unfug künftig vor jeder Fastnacht durch 
öffentlichen. Ruf zu verbieten ; s. Ob. IV, 54b Aber das Rufbuch schweigt 
hierüber. 

14) Vielleicht der Donnerstag vor dem Aschermittwoch, sonst »Weiber^ 
fastnacht« genannt, der 1467 auf den 5. Febr. fiel. 



350 Appenwfler. 

Fabr. 2 Aüxio 67 ante purifficationis fieng man das werck an der 
Pfaltzen an sü graben zem pfunment. clet das wassei Tom 
Rine und bnineodren als not, das etliche tage 30 worend sii 
scliApffen, und etliche nechte man durchusss müst wercken. 
wenne man das nit det, was die 20 oder 30 knechte im tage & 
hatten usszgeschfipffet, was morges das wasser als grosse als 
for, das es liber da« gemure gieng. ist im phunment by 400 
grosser quoder geleit ec. 

Ang. 3 Anno domini 67 secunda^) ante Yerene het das Sungowe, 

und was umb Basel ist obsich und nitsich, het man gon Basel io 
geflüchtet lip und güt^). an mentage noch mittentag bis zins- 
tag fdirend 700 karren und wegen mit gut, und stund das tor 
s«pi 1 z& Spalen die nacht offen, an zinstage, frAge bis vesper, f &rend 
zu Spalen 900 karren und wegen zu demme tore in, on das 
sept.1— 3zti den andren toren in kam. von zinstag bis domstag 2500 » 
karren und wegen von Spalen. 

Jan! 24 [215] Anuo 67 Johanms baptiste het zu Basel die pesti- 
lency angefangen groplich»). 

Anno predicto galt 100 kabes 3 s., t sester r&bin 2 d^ 

• 
1468 Anno domini 1468 an sant Gregorien nacht,- was der» 
12. tag im mertzen, fiel der grSsti sne, me denne einer eilen 
tieff, das nie gedocht wart so spote. 

Mai 16 Anno domini 1468 uff mentag Brandani, was der 16. tag 
im mejen, uff die 6. stunde post vesperas ist zd Basel mit 
hübschem himel on hitz snel komen das grösti ungehurlich 2S 
Wetter, das kein man nie gedocht, mit hagelsteinen und regen, 
das das rissen und' hagel so tieff fiel als einer starken spanne 
dige, und werte 1 halbe stunde on underlosz. was es begreif, 

2. Am Band«, toh Wrlen Hand: fl67 Pfaltxban. 5. Hs.: was nan dl« XX 

oder XXX. 8. Zwischeiiranm fflr einig« Z«ilen. 9. Hs. : sexta statt se- 

onnda. 25. Hs.: das grdsii nagehnrlieh. 

1 ) VgL unten Z. 1 1 : an mentage. 

2) Die östreichiBchen Unterthanen flflchteten damals in das neutrale 
Basel, weil ein vorläufiger Waffenstillstand, der zur Verhatung des «wischen 
Oestreich und den Eidgenossen drohenden Krieges war vermittelt worden, 
mit dem 2. Sept ablief! Durch weitere Unterhandlungen wurde jedoch der 
offene Ausbruch dieses Krieges noch hingehalten bis cum 18. Juni 146!:^. 
S. Berler, im Code hist. de Strasbourg II, 78, und Eidg. Abschiede 11, 8. 367 iL 
und 379, femer H. Witte, im Jahrbuch für Schweizer. Gesch. XI, 280 ff. 

3; Ueber diese Pest vgl. Berler, & 79. 



1467—1468. 351 

« 

in den garten und sust, was als zerslagen. donoch der grSsti 
regen; und was nienen denne zu Basel in der stat und wenig 
▼or dem tor. 

Anno domini 68 vigilia Johannis baptiste sind die Switzer juü 23 

5 gelegen zu Mutentz, Brattelen^), Munchenstein, mit grossem 
folcky mit 100 karren, wegen , mit 1000 halebarten^); worend 
die von Bern, und das zu innen gehört^ mit dem höbtbaner, 
sust 12 fenlin, und tarrasbuchsen, das gescetzet wart 5000 3).(jaiii28) 
donoch komend Solotom ^), Zürich, und das iozä gehört, über 

10 8 tag komend Lutzem, Glaris, ünderwalden, Switz^j, Wallis, Jui 3o 
Sibental und ander lender, das geschetzet wart das gantz folck 
für 12 tusend man. ' und brantend des ersten Blotzhin mit dem 
wigerhus, Barthenhin, Slierbach, Escholtzwiler, Habgoszhin^), 
das gantz Sungowe, on alle erbermde beslichen schamlich, man 

iswolte han gen für Habgoszhin^) 2000 gl.: müste brennen, 
nomend, was sü fundend, das man sprach, mit wegen, karen 300. 
wart Landserampt gantz verbrent, on 4 dörffer^); Altkilchampt 
wart brantschetzet umb 1000 gl.; Pfirterampt wart nit so gar 
verwfistet. die schelmen leittend sich für Tanne und weitend 

30 stürmen, were den von Tanne nit zu not gesin, bettend su 

9. Hs. : nndu dos&. 14. Hs. : beBcliclien Bcbamlicli. 

1) Zu dem Zuge, welchen die Eidgenossen zum Schutze der von Oestreich 
bedrängten Stadt Mülhausen unternahmen, war Pratteln als Sammelplatz be> 
stimmt worden. Das dortige Schloss wurde verbrannt S. den Brief Berns 
an Uri, vom 12. Juni, bei Mossmann, Cartulaire de Mulhouselü, No. 231, 

. und Berler a. a. O., S. 84. 

2) Statt »mit 1000 halebarten« lies eher: mit 1000 spiessen. Denn die 
Hellebarte war bei den Eidgenossen die allgemeine Waffe, wfthrend nur die 
vordersten Glieder den langen Spiess führten. 

3) Vgl. Tschachtlan, Ausg. von Studer, 234: ob 7000. 

4) Solothum kam schon mit Bern. Hingegen zog Schwyz mit Zürich; 
s. ebend. S. 235. 

5] Statt »Switz« lies eher: Uri und Zug. S. ebend. in der Anmerkung die 
Zus&tze Schillings. — Allen diesen ZuzQgen sandte Basel auf ihr Begehren 
Proviant ; s. Ob. V, 1»». 

6) Die Strasse nach Mülhausen führte damals über filotzheim nach 
Baitenheim, und von hier, wie noch jetzt, über Schlierbach, Escholzweiler und 
Habsheim. Diesen Weg zogen übrigens nur Bern und Solothum; die übrigen 
Orte bildeten zwei weitere Haufen, welche auf anderen Wegen das Land durch- 
zogen, um alles zu verwüsten. S. Tschachtlan.und Berler a. a. O. 

7) Das Dorf Habsheim hatte bisher dem Feinde gegen Mülhausen als 
Stützpunkt gedient und war deshalb stark verpalissadiert, so dass es »die 
eichine statt« genannt wurde. S. Tschachtlan 23(> und Berler 83. 

8) Diese Herrschaft, welche die Gegend zwischen Basel und Mülhausen 
umfiewste, zählte im Ganzen 31 Dörfer; s. Schöpflin-Ravenez IV, 139 ff. 



352 Appenwiler. 

• 

inen grossz schaden geton ; doch wart maniger Switser eischos- 
sen^). Alten Tanne, Hohen Rodren, UfhoLs^ und ander d6rf- 
fer wurdent verbrent, Watwiler gewunnen^;. und hand ouch 
grossen schaden genon, das enteil in drigen tagen nie brot 
hattend. s 

jou (10) Item uff sunnentag noch Margarete ^j zugend sü wider ob- 
jnu (i2)8ich, logend bis zinstage umb Basel; wart frucht und als ver- 
Juli (11) wfistet. uff mentag machtend sü sich als uff in zweien huffen. 
woltend an die stat sin mit gewalt und wolt^it^ über Rin sin, 
als sü sprochend^). do man das nit tun wolt, brochtend sü lo 
die stat in samliche not, Asls alle turne, letzen, muren toI 
lüttes was, mit buchsen und ander geschutze; als not dotend 
sü an zweien toren^). die zunfte und alle winckel logen toI 
geharnschet lütte, die priester uff der Pfaltzen; die priester 
müstend zu nacht wachen, do die- schelmen sochend, das sü li 
gefeiet hattend, do brechend sü die züne und luffend durch 
die reben: was sü gewAsten möchted, das dotend sü schäm- 
jiüi (12) liehen, am zinstag fruge zugend sü enweg. 

jnu 26 Anno domini 68 uff sant Annen tag zu nacht noch zechen- 
stunden ist zu Basel ein samlichen grossz wetter komen Tonso 
dorren und plixin, des geliehen nie gehört wart, das man sich 
verwent hatt underzügon und schamlich verderben, und grosser 
schrecke in dem Yolck was. was kein underlibe, me denne 
2 stunden, das man det rflffen durch die stat, alle für zu lö- 
schen, das grösser dorren, snell und grossz, nie gehört worend. 2s 

Item das wetter slüg eiiit Rins in Oswalt Strdlins schüren : 
verbran grosz gut von kom, höwe, und ob 30 fiüder holtz, 3 
pferd. kam ein grosz regen im wetter; es were anders die 
deine stat schedlich verbrennet, ouch slüg das wetter in den 
Rin, in das closter an den Steinen^), ein kalte strol zu den so 

« 

1. Hl.: einen grosse. 3. Hs.: Terbrens. 0. Hi.: weit nberin nn. 14. Hs.: 

gebanscher. 22. Hs. : verwen bati. 26. Hs. : da« wedetter. 29. Hb. : das 

wetten in den Bin. 

1) Ueber den Widerstand von Tann s. Tschachtlan 239 ff. und Beiier S5. 

2) Diete drei Dörfer nahe bei Tann. 

3) Ueber die Einnahme des Städtchens Wattweiler, 1 St. Ton Taon, 
s. Tschachtlan a. a. O., auch Berler 84 und 87. 

4) Statt »nocha lies: vor Margarete (10. Juli). S. oben Rathsb. S. 68, 
Anm. 5. 

5) Vgl. hierüber ebend. 

6) Vermuthlich am Spalen- und Aeschenthor, als den wichtigsten Thoren 
GroBS-Basels. 

7) Ueber dieses Kloster s. Fechters Top. 108 ff. Es lag auf dem Areal 
des jetzigen Theaters und wurde 1874 abgebrochen. 



1468. 353 

Barf&sen^), ein kalte stroll in den tum an den Spalen, undenan 
an das tor^), vast schedlich, des geliehen nie z& Basel gehört 
wart die stat in giossz leid und kumber fcas, als sust vast 
gross wacht und hüt was, soigenhalp der stat'). 

5 [215^] Anno domini 68 ante Magdalene^} siAd die Zwitzer vor Jou i 

gesogen för Waltshüt mit macht, von allen lendren, und mit buch- 
sen und mit ander gezug, das man meinte 16000 man^). legend 
do by 6 wuchen tag und nacht, Schüssen inhin. was das slosz 
wol besorget mit g&tem adel und sust redliches volckes; hSbtlut 

10 her Wemher von Schinen, der groff yon'Metsch, der groffe 
von Bitsche. durch des adels und g&tter gesellen willen liesz 
hertsog Sigmunt ein richtung treffe durch die von Basel und (Aug. 27) 
den bischoff^), und durch den bischoff von Costantz^, das das 
folck absoch. wurdend der Switzer by 300 erschossen, er- 

15 stechen^), one die ertrenket wurdend. sü Waltshüt nit me 
kam umb denne 8 personen. die Switzer verlurend vast tref- 
lichen lutte, das sü weitend, das der zug nie beschehen were 
gesin; und wurdet misseheilig und stAssig. were die richtunge 
nit beschehen — was ein rede — sü werend dannen gesogen; 

20 das man meinde : von dem tage, das sü das Sungow brantend 
und von Waltzhüt hein körnend, kostet es sü obe 200 tusend 
guldin; das man meinde: die wile sü usse worend, das sü 
nnder 700 mannen nit verlurend. bettend sü costen und scha- 
den for gewusset, sü werend heime beliben. 

1. 2. Hfl.: nndiuui an das tor. 

1) Ueber das BarfUsserkloster s. Mittheilungen III, und Fechters Top. 
33 iL 

2) Spalenthurm hiess das innere Spalenthor, das zugleich als Oefkng- 
niss diente. 

3) Wegen des noch währenden SLrieges; s. unten. 

4) Der Zug begann am 21. Juli von Baden aus; s. Tschachüan, mit den 
Zus&tzen Schillings, in Studers Ausg. S. 246. 

5) Diese StSrke' erreichte das Heer erst gegen Ende der Belagerung, 
nachdem von allen Orten noch ein zweiter Zuzug eingetroffen war; s. ebend. 
S. 250, auch Edlibach, Ausg. Yon Usteri, in den Mittheilungen der Antiquari- 
schen Gesellschaft von Zflrich, Bd. IV, S. 128. 

6) Eine Gesandtschaft Bischof Johanns und des Raths war seit Mitte 
August in der N&he von Waldshut s. Eidg. Abschiede 11, S. 381 ff. Den 
Friedensvertrag, vom 27. Aug., s. ebend. S. 900 ff. 

7) Dieser Bischof kam selber in's Lager; s. Tschaohtlan 258. Doch 
wird er im Friedensvertrage nicht erwähnt. 

8) Weder diese noch die folgenden Angaben Aber grosse Verluste und 
Kosten der Eidgenossen werden durch andere Berichte bestätigt 

BMler Chroniken. IT. 23 



354 Appenwüer. 

Oet.22 Anno domini 68 an samstag vor Symonis et Jude ist der 
hertzog von Bui^unne mit dem kunig von Fxanckrich gezogai 
far Lutich ^) mit grossem unmesigem yolck; het zwen tage ge- 
Sturmet an die stat, das er verlor 9 tusend man^ der besten, 

oct. 30 die erslagen wurdend. * dominica post Symonis et Jude zock s 
er und der kunig von Franckrich mit macht aber für Lutich^). 
und wondenty der kunig wer irenthalp, denne er zti innen ge- 
sworen hatt^), liessend sin volck in^); do hatte ers mit dem 
hertzogen. gewunnend die stat, und wart vaste obe 40 tosend 
man erslagen®), 12000 frowen ertrencket und erslagen, als su t» 
in schiffen enweg woltend sin, one kint, die ouch erslagen 
wurdent^. und het die stat ze gründe geslissen, one etliche 
kilchen^), und grosz unmesig gut genomen. were der kunig 
in falsch gesin, es were dozü nit komen. demme getruwend 
SU wol und wondent, er were an irer sitten, noch der ver* is 
buntnissz; do was er Burgunnisz. 

Donoch zugend sü für Oche, uimb das sii die Lutticher 
enteil der besten enthalten hatten; wolte die stat überhAbt 
gewunnen han und geton als zu Lutich. als überkomend su 
'n>it grosser not und gebend imme ein grossz gtit*), und er-^ 

» 

1. Am Bande eine Haad and: Not». 18. Hi«; einttl. 

1) Ludwig XI. sog mit Karl dem Kühnen, gemftn dem kurz vorher 
(14. Oct) zu P^ronne geschlossenen Vertrage. Am 22. Oct begann die Be- 
lagerung. 

2) D. h. die Lfltticher unternahmen zwei nftchtliche AusfUle, wobei die 
Burgunder über 600 Mann verloren; s. Phil, de Commines, Ausg. von Buchon, 
Ghoix de chroniques, S. 52 und 55. 

3) D. h. an diesem Sonntag wurde die Stadt erstürmt; s. ebend. 

4) Ludwig XI. hatte den vorjährigen Aufstand der Lutticher gegen 
Burgund unterstützt, und deshalb war auch jetit ihr Feldgeschrei: Vive le roy l 
S. ebend. S. 55. 

5) D. h. der Widerstand war gering, theils aus Sorglosigkeit, theila wegen 
Ermüdung; s. ebend. S. 57. 

6] Auf diese Zahl schätzte man nicht die Todten, sondern die Vertheidiger 
überhaupt; s. ebend., sowie auch eipen Brief vom 30. Oct in der Speirer 
Chronik, bei Mone I, 498 ff. 

7) Ueber diejenigen, welche als Gefangene ertränkt wurden, oder auf 
der Flucht ertranken, s. Commines S. 58 ff. 

8} Die Stadt wurde verbrannt, nachdem der Herzog am 9. Nov. sie ver- 
lassen hatte ; s. ebend. S. 59. 

9) Als Karl von Lüttieh her noch unterwegs war, zu Maestricht, kam ihm 
eine Gesandtschaft von Aachen entgegen und erkaufte seine Qnade mit 
80 000 Gl., zahlbar in 3 Jahren. S. Le Petit» Ghande chronique de Holland« 
I, 477. auch B. E. von Rodt, Feldzüge Karl» des Kühnen I, 172. — Ueber den 
Empfang dieser Gesandtschaft vgl. Berlingers Zus. su Etterlin, Bl. 84. 



1468—1471. 355 

gobend sich an in und für einen henen han, sines grossen 
gwaltz halp. 

Anno domini 69 circa Uolrici nam der hertzog von Bur-ueQ 
gönne das land im Elsas, und was des hertzog Sigmuns von ™» ^^^ * 
5 Oesterich was, stette, und am Rin bis gon Tflngen uffhin in ^) ; 
und sworend imme, und der Swartzwald euch, was margroff - 
Rüdolff von Röteliü an des herüsogen stat do^). 

Anno domini 70 an fritag, frAge vor f&nfien, noch Valen- 1470 
tini kam ^ti Basel ein grosser ungehurer ertbidemme, der vast'*^'' ^^ 
10 schütte das ertrich. 

Anno domini 71 an mitwuchen vor Albani, hora Yespera-uTi 
mm, kam ein samlichen wetter mit ungef&gen torren. und'^^^' 
slüge der donre zu Basel in den chor, nebent dem sacrament- 
huazlin') in den pfiler, grosz stein ussz, und in die nebentturen 
15 in die kruft. was der kor ittel für, donoch ein rdch mit bösem 
gesmag, das man den altera) nit sechen mocht^). 

7. Hb.: ain gnser. 11. Ha.: in der chor. 

1 ) Thiengen oberhalb Waldshut. — Die Besitznahme dieser östreichischen 
Gebiete geschah in Ausführung des Vertrages von St Omer, Yom 9. Mai d. J., 
durch welchen sie um 50 000 Gl. an Burgund yerpftndet waren. 

2) Markgraf Rudolf war das Haupt einer Commission, welche vorläufig 
die Regierung dieser Gebiete übernehmen und ihre Verhältnisse untersuchen 
sollte. S. hierüber H. Witte, in der Zeitschrift für Gesch. des Oberrheins, 
N. F. I, 134 ff. 

3) Ueber das Sacramenthäuschen des Münsters s. E. La Roche, in den 
Beitr. zur Gesch. des Baaler Münsters HE, 39. 

4) Den Hochaltar. 

5) Hier schliessen die Aufzeichnungen von Appenwilers Hand. Den 
Inhah von Bl. 216 s. unten S. 357. 



23* 



Fortsetzung 

von unbekannter Hand. 



1473 [217] Anno 1472 was ein generale cappitulum Barf&sser- 

Ordens ze Basel, und worend do von ferren landen, die ob- 
Mfti 17 servantz hieltend; was das cappittel uff pfinsten. im jor als» 

obstat, do galt ein mosz wins 3 und 2 d. , was ein gut joie : 
Aug. 23 fand man nuwen win dominica ante Bartolomei. anno seqnenti 

1 mosz fui 3 d.^). 
1473 Anno 1473 was euch ein generalcappittel Bredgeroidens 
Juni 6 uff pfinsten; und was applosz zu Bredgeren aUen den, die im lo 

bistum worend, von pyn und schuld^), gieng der aplos an 
Juni 6/« am pfinstobeu, und weiet von der vesper bitz momdee am 

pfinsttag ze vesper. 

Des selben jores was ein beisser summer, des glichen kein 

man gelept, der do ze mol lept^); und fant man zittig ertberen \% 
M&n 25 anuntiationis Marie, kirsen und biren und das frug ops was 
Jnnieze pfinsten, des glichen körn, als wol zittig; euch fand man 
Juni 20 zittig thibel uff suntag vor Jobannis baptiste. galt ein mosz 

wins die best 4 d.; man fand oucb 1 mosz umb 2 d., 2 mosz 

umb 3 d., etzlicb mosz für 1 d. ; galt 1 viemzal kom 10 s. 20 
In disem jar zugend wol 7 hundert von Eignossen mit 

Philip monsignor von Savoy in Katelony, in des küngs von 

Franckrichs dienst^). 

12. Hb.: bitx mordens. 

1) lieber die Witterung von 1472 Tgl. Gening, im Cod. DIV 10 BI x, 
und aber 1473 s. unten. 

2) 8. den AblaBsbrief Sixtus IV, vom 9. April d. J., im St A., Prediger- 
kloster, No. 1036. 

3) üeber diesen Sommer b. unten S. 357, und vgl. Gcrung a. a. O., auch 
Knebel, B. Chron. H, 17 und 20, femer Berlingers Zus. «u EttcrKn. BL 97b. 

4) Philipp, Herr von Bugey und spftter Hersog von Savoyen, war ein 
Jüngerer Sohn Ludwigs des filteren von Savoy^n. Im Dienste Ludwigs XI. 
führte er ein Heer nach RoussiUon, dessen Hauptetadt Perpignan sieh von 



1472—1473. 357 

* Item es zugend ouch xlb Lamparten ze rosz und ze f&sz 
by 6 hundert dem herzog von Burgundy ze dienst^]; liesz man 
dhern ze Basel in; doch vor der stat hin liesz man sy ziehen 
on schaden. 

s Item im 1473 jar, als es 2 monat nit geregnet^), wurdend 

die matten und als, das uff der herd was, also verdorret, ouch 
bdm in weiden, als ob es wienacht war. gulten uff samstag Ang. 21 
vor Bartlomei 2 kabesköpf, die nit vast grosz ^orend, als vil 
als 12 mftsz wins^], den ein ieglich mönsch mit eren in sinem 

w hus getrunken het; komen von Müspach^) gon Basel fiel, wann 
sust dheyn funden wart in der gegne. 

[216] Anno 1473 jare uff'mitwuchen in der karwuchen^) April (o) 
zoch der herzog von Lutringen ^) mit einem uffisatz für die stat 
Metz, die in ze nemen. also was ein wagen bestelt, der solt 

15 undei dem tor still halten, und so der schutzgatter fallen 
wurd, so solt er uff den wagen schiessen, und domit solt das 
folck hinin kommen. a)so was der schutzgatter also zügericht, 
das ein pfiler noch dem andren herabschossz , und etzlicher 
schossz vor dem wagen nider, wann der wagenman nit gnüg 

20 ferr hinin gefaren was. und domit komend by 200 hinin, 
und hat der pfaltzgraff ein fenlin dorin^. der wurdend die 
von Metz innen und zugend gegen dem tor, die vigend wider 
hindersich ze triben und ir stat ze schirmen, als es billich 
was; als sich ouch wip und man ouch erlich gewert hattend, 

2s und besunder ein alt wip, die mit steinen redlich wer tet, und 

4. Zwiscben diesem und dem folgenden Absclinitt 1/3 Seite frei gelassen, spftter zum 
Theil anageffillt durch Synner; s. unten S. 360. 

Frankreich losgesagt und dem König Johann n. von Arragonien gehuldigt 
hatte, und belagerte diese Stadt yom April bis Ende Juni, doch ohne Erfolg. 
S. Thomas Basin, Ausg. von Quicherat 11, 304 ff. 

1) Dieser Zusug mochte zu den Rüstungen gehören, welche Knebel zum 
Sept. d^ J. erwähnt; s. B. Chron. 11, 16, 14. Ueber burgundische Werbungen 
in Italien aus dieser Zeit s. Gommines, bei Buchon, S. 1 15. 

2) Nfinüich seit dem 20. Juni ; s. Gerung a. a. O. 

3) NSmlich 2 s. : s. ebend. 

4) Musbach bei Folgensburg, 3 St. von Basel. 

5} Ueber diesen Anschlag ygl. Calmet, Histoire de Lorraine U, 895 ff. 
(Ausg. von 1728), wonach derselbe am Freitag vor Palmsonntag geschah, d. h. 
am. 9. ApriL 

6) NiUaus, ein Enkel Kenatus von Anjou, des Titularkönigs ¥on Neapel, 
regierte seit 1471. 

7} Friedrich Ton der Pfalz hatte dem Herzog einen Zuzug von 300 Pfer- 
den gesandt ; s. Calmet II, 896. 



358 Appenwiler. 

doch 80 wart sy zu lest erschossen, doch gewuimeiL die vob 
Metz den sig und tribend die figend hindersich, und ersltigend 
etzlich in der stat, und etzlich gefangen wurdend ertrenckt 
do des der herzog enpfand, und die sach und anslag gefellet 
hat, und der sinen erstochen und gefangen worend, und die> 
Yon Metz die ertrencken weitend, enbot er hinin: ob sy sin 
•einen man ertranckten, wolt er lip und gCit doran setzen; das 
doch den von Metz wenig ze schaffen gab. 

Juli 21 Also stundend sy in vigentschafft die zit, bis uff mitwuchen 
vor sant Jacobs tag in dem selben jore^]; hat sich der hertzog lo 
von Lutringen widerumb gerüstet und mit siner macht» buch- 
sen, wegen, kost und lüt, wider für Metz ze ziehen; wolt got 
nit verhengen. wart der herzog kranck; wan er, als man 

^uii S2 sprach, war in dem bad gesin uff donstag vor sant Jacobs tag 
ut supra; imd als er us dem bad komen was, solt er ein byren » 
essen und alsbald anheben kranck ze werden 2). wie dem 

Jnii 24 allem, so starb er an sant Jacobs äben ut supra; ward ze 
Nanse vergraben, und wurdend etzlich edel gefangen, die im, 
als man sprach, vergeben soltend haben mit der biren; wart 
kuntlich, das er sust gestorben was. s» 

Item wart erweit der graff von Widmunt') zft einem her- 
zogen zu Lutringen. ' 

[216^] Anno im 73 jar nach Christi gehurt kam keyser 
8«pt. aPridrich von Oesterich gon Basel, uff fritag vor unser lieben 
frowen gehurt tag^), und mit im sin sun Maximilianus, was» 
by 14 joren alt ein hubscher jungling, und des Türkischen 
keysers brftder, der zft der selben zit Türkischer keyser was, 
und herzog Ludwig von Peyem, den man nampt der swartz 
herzog, und herzog Albrecht von München, euch ein Peyer- 
scher her; item der margraff von Baden, Karle genant, und» 
sin sun Albrecht, item der bischoff von Mentz, item der bi- 
schoff von Bisentz^), item der bischoff von Eystet, und sust 

19. Ht.: Tergebend soltend. 

1) Seit dem 17. Juli jedoch wfthrte ein 12tftgiger Waffexutilktaad ; s. 
Calmet 11, 897 ff. 

2] Ueber die Ursache seiner Erkrankung vgL ebend. 

3) Renatus von Vaudemont war durch seine Mutter Jolantha ein Bnkel 
des Königs Renatus, und als solcher der rechtmissige Nachfolger des kindei^ 
losen Heixogs Nikiaus. 

4) Ueber diesen Besuch ^. oben Rathsb. S. 69 ff. 

5) Erzbischof Karl von Besan9on, ein Sohn Graf Theobalds IX. von 
Neuenburg in Burgund, kam nicht mit dem Kaiser, sondern war Tags nivor 
von Besan9on her zu dessen Empfang in Basel eingetroffen; s. Brilingers Cere- 
moniale S. 86. 



1473. 359 

vil gräffen, fryen, ritter und knecht, item und die Eidgnossen 
von 6 ortren^] körnend zu im gon Basel; enpfieng sy gfltlich. 
schied von Basel uff donstag nach unsei fröwen gehurt tag;s6pt9 
also hleib ei von fritag untz an nechsten donstag domach ze 
5 Basel, wart im erlich geschenckt in einem stauff tusent gül- 
den, und sinem sun funffhundert gülden in einem stauff, one 
win und habei; wart geschetzt uff 4 tusent gülden 2) die 
schenken dem keiser, sim sun und den andren herren. zoch 
von Basel uff den weg zu dem herzog von Burgundy^). 

5. Hs. : geschenck in einem. "^ 

1) Zflrich, Bern, Luzem und die drei Waldstftdte; s. oben Rathsb. S. 69. 
*^ Ueber ihren Empfang beim Kaiser vgL Knebel, B. Chron. n, 5 ff. 

2) Diese Scbätztmg ist um die Hälfte zu hoch; s. B. Chron. 11, 8, Anm. 2. 

3) Nämlich nach Trier, zur verabredeten Zusammenkunft; über diese 
s. ebend. S. 26 ff. — Den Inhalt der untern Hälfte von Bl. 216^ s. unten 8. 361 
und Beilage VII; denjenigen Ton BL 217 s. oben 8. 356. 



Znsätze nnd Fortsetzung 

von Heinrich Sinner. 



1427 [1S&] Anno ec. 27 da verscliied von diser wellt der er- 
^^ '^ ^ wildig her^ her Claus Synner, genant von Tachsfelden, thüm- 

her der hohen stifft Basel ^). & 

U31 Anno ec. 3 t da verschied Peter Synner, genant von Tachs- 

felden, von diser wellt zu Franckfort, und wart har gen Basel 

in einem vasz gefflrt und begraben ^j. 

1450 Anno ec. 50 umb sant Paulus bekerdtag da nam ich Hein- 
rich S]mner, genant von Tachsfelden^], Margreden Eberlerin, \» 
genant Gr&nezwigin, zu der heiigen ee^). 

1451 Item anno 51 genasz min huszfrow obgenant einer tochter, 
genant Elszbeth^), uff donstag nach der heiigen dru küngen 
tag, in der nacht zwiischen vieren und funffen; und was der 
heiigen drii küngen tag uff der mitwochen^). ts 

1474 [217] Item anno ec. 74 uff dem nächsten mentag nach 
^" Östren, der da was der 10. tag im abrellen^), da wart her Peter 

1) Vgl. das Jahrzeitbuch des Münsters, zum 20. Sept.: 1428. — Tonjola, 
S. 7, las seine Grabschrift: »1424«. Das Qräberbuch, zum 20. Sept., nennt keine 
Jahnahl. — Als Domherr erscheint er schon 1409; 8. Lb. II, 57. 

2) Er war Künftig zum Schlüssel und wurde im Kxeuzgang des Münsters 
neben dem obgenannten Domherrn begraben. S. Schönberg 527 undJahrzeitb. 
des Münsters zum 14> M&rz. ^1410 erscheint er als Pannerherr ; s. Lb. U, 60. 
— Nikiaus und Peter waren die Söhne eines filteren Nikiaus Sinner, dessen 
Wittwe 1428 noch lebte; s. Lichnowsky V, Reg. 3021, wo die Jahrzahl 1428 
entstellt ist in *1431ff. 

3) Ueber Heinrich, den Sohn des obgenannten Peter, s. oben die Ein- 
leitung S. 237 ff. 

4) Sie lebte noch 1490, wo Mathias Grünenzwig der jüngere als ihr 
nächster Verwandter erscheint; s. Ob. VII, 2. 

5) Ueber diese s. unten Beilage VII. ' 

6) Den sonstigen Inhalt von Bl. 185 s. oben S. 291. 

7) Auf den 1 0. April fiel der Ostersonntag. — Ueber das hier Erzählte 
s. B. Chron. n, 77 ff. 



1474. 361 

• 

Ton Hagenbfich, der landvogt im Elsas, gefangen zu Brisach 
Ton sinen f&szknechten und der gemein daselbs. und darnach 
uff mentag, der was der 9. tag im meygen, da wart er züiuid 
Brisach für recht gestellet, und mit urteü und recht das houpt 
s abgeslagen, ze nacht zwuschen 9 und 10. und schätzt man, 
das von allen landen da umb ob 6000 menschen da weren 
"und me; da warent von Basel me dann 200 man da^]. 

[216^] Anno ec. 74 hatt der stattschriber von Solotom, 
genant Hans voia Stall, lassen buwen zu Solotom die capell 

10 by dar Aren 2). .und als man hatt wellen die fundament suchen, 
da hatt man geftinden ettlichen heiigen begraben von sanct 
Ursen gesellschafft ^j. etlicher heiig hatt sin houpt zwuschen 
den beynen, ettlicher in sinen armen ec. und sind also erhept 
worden durch bischoffen yictxrium*) nS mentag^) nach quasi- April (i7) 

\b modi ec. in dem obgenanten jar. und darnach schancktent 
die von Solotorn gen Basel ein teil des obgenanten heilthüms; 
und wart gebracht gen Basel uff donstag, der da was derJanis 
ander tag im brachmonadt. und wart ein erliche processz 
inen engegen geschickt von denen zu sanct Peter und zu 

20 sanct Martin zu Basel; und schätzt man, das inen engegen 
giengent von firowen und mannen by 1000 menschen und 
mar. und wart disz heilthüm geteilt, ein teil gen sanct Martin, 
ein teil gen sanct®) Peter, 

1) Den sonstigen Inhalt von Bl. 217 s. oben S. 357, und über Bl. 218 
s. die Einleitung S. 227 und 240. 

2) Ueber diesen Umbau der St Feterskapelle und den hier erwähnten 
Fund s. Hans vom Stal's eigenen Bericht, im Auszug bei Ha&er, Kleiner 
Solothumischer Schauplatz Ö, 179 fip. — Diese Kapelle bezeichnet die Stelle, 
wo schon 930 die Gebeine der Theb&er waren gefunden worden; s. ebend.S. 36. 

3) Von der thebäischen Legion. 

4) Solothum gehörte zum Bisthum Lausanne, welches Sixtus IV. 1472 
seinem Neffen Julian della Kovere, dem späteren Papst Julius IE., verliehen 
hatte. Es ist also hier der Weihbischof dieses Letzteren gemeint. 

5) Statt »mentag« lies: suntag (17. April). S. den schon erwähnten Be- 
richt bei Haffiier a. a. O. 

6) Mit »sanct« bricht der Text mitten in der Zeile ab. Den sonstigen 
Inhalt Yon BL 216^ s. theils oben S. 358, theils unten Beilage VIL 



Beilagen 



zur Chronik 



Erhards von Appenwiler. 



L 

Die Basler Zusätze zur Sächsischen 

Weltchronik. 



Schon in der Einleitung wurde bemerkt ^j, dass die Handschrift^ 

s in welche Appenwiler seine Aufzeichnungen eintrug, von allen an- 
dern Handschriften der Sächsischen Weltchronik durch verschiedene 
Zusätze sich unterscheidet. Zugleich aber sahen wir auch, dass 
diese Basler Handschrift in ihrem Texte selbst von den am näch- 
sten mit ihr verwandten Handschriften unabhängig ist, indem die 

10 erste bairische Fortsetzung , welche jene nur in verstümmelter Ge- 
stalt aufweisen, bei ihr allein sich vollständig findet. Wir haben 
daher keinen Gnmd , für alle solche Stellen , welche der Basler 
Handschrift eigenthümlich sind, von vornherein einen besonderen 
Verfasser zn vermuthen, d. h. einen späteren als denjenigen der 

15 soeben erwähnten Fortsetzung. Denn so gut wie der Schluss dieser 
Fortsetzung schon in den nächstverwandten Handschriften wegfiel, 
so können auch im übrigen Text einzelne Stellen ausgefallen sein, 
welche jetzt, gleich jenem letzten Stücke der Fortsetzung, nur einzig 
in der Basler Handschrift erhalten sind. Als spätere Zusätze sind 

20 demnach einzig solche Stellen auszuscheiden , in welchen deutliche 
Merkmale darauf hinweisen, dass sie aus einer späteren Zeit stam- 
men als jene um 1350 geschriebene Fortsetzung, oder doch wenig- 
stens aus einer Gegend, welche dem wittelsbachisch gesinnten Fort- 
setser von 1350 ferne lag. 

2s Blicken wir aus diesem Gesichtspunkt auf den Text unserer 

Handschrift, so finden wir gerade im letzten Theile der Fortsetzung, 
welcher allen anderen Handschriften fehlt ^j, gleich nach dem Re- 
gierungsantritt Karls IV . drei zusammenhängende Abschnitte , welche 
im Anschluss an das Erdbeben von 1348 zu Villach von dem Bas- 

soler Erdbeben von 1356, sowie von der Pest und der Judenverfol- 
gung von 1349 und 1348 berichten. Hier lesen wir von einem 
beim Erdbeben von 1356 geretteten Wiegenkinde: ndas ward ein 

1) S. oben S. 224. 

2) Gedruckt ist dieser Theil bis jetzt einzig im Anseiger f&r Sehweis. 
Geschichte 1882, S. 44 ff. und daraus in Separatabzügen. 



366 Appenwfler. 

wib und gewan vil kinden« — und wiederum von der Pest von 
1 348 : »und hat es denocht in den 50 joren nüt volgangen. do 
ward Seh ze Basel gestorben« u. s. w. Wir haben also hier Zu- 
sätze .vor uns, welche kaum vor 1400 geschrieben sein kOnnen, 
und überdiess verräth ihr weiterer Inhalt einen Verfasser, der eine & 
genaue Ortskenntniss der Stadt Basel als etwas selbstverständliches 
voraussetzt. 

So sicher wir nun in diesen Abschnitten die Spur eines um 
1400 in Basel schreibenden Verfassers haben, so möchten wir doch 
keineswegs dafür bürgen , dass ihm die fraglichen .drei Abschnitte i» 
in ihrem vollen Umfang angehören. Allerdings unterscheiden sie 
sich vom sicheren Texte der Fortsetzung schon äusserlich dadurch, 
dass sie nicht, wie letztere, die Ereignisse nach Regierungsjahren 
der deutschen Könige datieren, sondern wirklich die Jahre nach 
Christi Geburt angeben. Halten wir uns jedoch nur an dieses » 
äussere Merkmal, so erscheinen die fraglichen drei Abschnitte ein- 
geschaltet zwischen das Erdbeben von 1348 und die Geissler von 
1349^); aber es fehlt alsdann im alten Texte der Fortsetzung jede 
Spur von der Pest und der Judenverfolgung von 1348 und 1349. 
Es dürfte daher der zweite Abschnitt, der gerade von diesen beiden ^ 
Ereignissen handelt, wohl zum Theü noch dem alten Texte der 
Fortsetzung angehören^. Immerhin lässt sich hier das Alte vom 
späteren Zusätze nicht durchweg mit völliger Sicherheit ausscheiden, 
und deshalb ziehen wir es vor, im nachfolgenden Texte auch diesen 
Abschnitt ebenso vollständig wiederzugeben wie die anderen , und ^ 
die muthmassliche Grenze zwischen Altem und Späterem nur in den 
Anmerkungen anzudeuten. 

Ausser diesen drei Abschnitten, welche in die Regierungszeit 
Karls IV. eingeschaltet sind, finden wir noch bei Caesar, bei Hein- 
rich n. und bei Rudolf von Habsburg weitere Zusätze dieser Axt, so 
die wir wohl demselben Basler Verfasser zuschreiben dürfen, da sie 
sich ausschliesslich auf Basel und dessen nächste Umgebung be- 
ziehen. Die wenigen sonstigen Stellen jedoch, welche beim Ver- 
gleich mit den übrigen Handschriften noch als Zusätze erscheinen 
können ^) , weisen uns durch keinerlei Merkmal auf einen anderen s 
Verfasser als denjenigen der ersten bairischen Fortsetzung^). Die 
Basler Zusätze, deren Entstehungszeit um 1400 zu setzen ist, be- 
schränken sich daher, ausser drei kurzen Stellen zu Caesar , su 
Heinrich 11. und zu Rudolf von Habsburg, auf jene drei Abschnitte 
zur Regierung Karls IV. « 

1) S. Anzeiger a. a. O., S. 50 und 52. 

2) Die Jahrzahl 1346, womit dieser Abschnitt beginnt, konnte auch der 
Fortsetser nicht in Regierungsjahren ausdrOcken, da fQr ihn die Regierang 
Karls IV. erst im Oet 1347 beginnt, d.h. erst nach dem Tode Kaiser Ludwigs. 

3) Abgedruckt im Anseiger a. a. O., S. 42 ff. 

4) Auf diesen wittelsbacnisch gesinnten Fortsetzer von 1 350 weist na- 
mentlich der Zusatz zurErmordunff Philipps von Schwaben, wofür den Königs- 
mörder Otto von Witteisbach mildernde Umstände vorgebracht werden. 



Beilage I. 367 

So gering nun der Umfang dieser Zusätze ist^ so zeigt uns 
doch schpn ein Blick auf die Stelle über König Rudolf, dass hier 
nündestens ein Satz fehlen muss, und dass mithin selbst dieses 
Wenige nur in verstümmelter Gesialt uns erhalten ist. Dennoch 
5 sind wir einzig auf diese nachlässig gefertigte Handschrift ange- 
wiesen. Denn lediglich auf ihr beruhen die Auszüge in der 1545 
gefertigten sog. Beinheimischen Chronik i) . Wir müssen uns daher 
im nachfolgenden Texte darauf beschränken, die mehr oder weniger 
augenscheinlichen Lücken und Entstellungen in den Anmerkungen 
10 hervorzuheben. Hinsichtlich der Orthographie aber bemerken wir 
nur, dass die Handschrift die Diphtiionge ou imd uo nicht unter- 
scheidet, sondern beides durch u gibt, mit einziger Ausnahme des 
Wortes euch, welches immer ribckn geschrieben wird 2). Hingegen 
schwankt der Schreiber zwischen ie und ei, so dass wir neben »hieng« 
15 auch »verheing« und »verkreigt« finden. Die Abkürzungen wurden 
im Druck immer so aufgelöst, wie die betreffenden Wörter in un- 
serem Texte in ausgeschriebener Form vorkommen; deshalb lesen 
wir für Xps hier »Cristus«, und für wz und dz immer »was« und 
iklasc. Doch ist zu bemerken, dass bei den Zeitwörtern in der drit- 
te ten Person der Mehrzahl im Indicativ die Enduhg ent nur selten 
ausgeschrieben, sondern meistens ersetzt ist durch dieselbe Abkür- 
zung, welche sonst nur die Endung en andeutet; diese Abkürzimg 
wurde deshalb im Drucke durchweg nur in en aufgelöst und nie- ' 
mals in ent. Endlich erwähnen wir noch, dass das verstärkte z im 
25 Auslaut in der Handschrift immer cz geschrieben, im Drucke aber 
durch tz gegeben ist. Zum Schlüsse bemerken wir überdiess, dass 
in der Handschrift die Ränder neben dem Texte, sowie auch die 
Zwischenräume, schon von Appenwiler mit Inhaltsangaben und son- 
stigen Eintragungen bedeckt wurden, zu welchen später Hans Wiler 
30 und schliesslich sogar noch BerHnger ihre Bemerkungen hinzufügten. 
Es finden sich darunter Notizen, die zum Anonymus bei Appen- 
wiler gehören^); das übrige jedoch besteht aus sehr entbehrlichen 
Aufschriften und nichtssagenden Bemerkungen, die wir glauben 
völlig übergehen zu dürfen. 

1) 8. Cod. Beinheim, Bl. 45b-.46 und 711^73. Selbst die Entstellungen 
der Jahnahlen sind dort dieselbe wie in unserer Hs., z. B.'1368far 1348. 

2) Ausserdem nur noch der Ortdname Agst, für Ougst. 

3) 8. unten den Text dieses Anonymus, dib z. J* 1432. 



1 



368 A|ypcnwi)cr. 



a) Zusats zu Caesars Feldiügen in Gallien ^}. 

[69 1] Do wart die grossy stat Oiigst^) zerstftrt am 
und ward sich Ton allen Tutschen nie so ritterlich gewc 
[69*] als Yon der selben stat, do beschochen dry strit tot. 
lest ward sy gewunen und yerbemt. 

b} Zur Regierung Heinrichs II.f). 

[136^] Er brecht Ach Basel wider, das die Hünen 
zerstört hatten^), und begebet das münster mit einer giil< 
[136^ taffel^) und einer silbrin krön*), die hieng er in d< 
kor, die sider ein kapittel yerkreigt hat wider ein bischoff toi 
Bassel^. 

2. In Hs. Back «Ottgitc kniM Ltejce mUsMB. 9. Ht.: tob Bllea tack< 

5. Folgt ijt Spalt« loor. 11. Folgt Vs Spalte, «nprtBgtich loor, dnick Eia- 

tngBBgoB TOB spktoror Haad aBigofbUt 

I 

1) Dieser Zussts folgt auf die Worte: und betwang die land mit grossen | 
eren von dem Rin unts au Britanya. — Vgl. den Text der Siehs. Weltchronik, 
in Monum. Genn., Deutsche Chroniken U, 85. 

2) Bei Äugst. 2 St von Basel, liegen die Trümmer Ton Augusta Rauriea. 
Da jedoch in der Hs. hinter »Ougst« eine kurze Lücke gelassen ist, so bleibt 
immerhin ^e Möglichkeit, dass dieser Name hier entstellt sei aus ■Oug^burg:'. 
und dass mithin auch die Worte »am Rin« eine sp&tere Zuthat seien. Soll* 
diess aber der Fall sein, so w&re allerdings diese Stelle eher dem Yerüasse'' 
der bairischen Fortsetzung zususchreiben, und nicht demjenigen der BaslL- 
Zusfttze. Biit dem Inhalte vgL übrigens die alte Sage von den drei Kfanpfen 
Caesars mit den Schwaben, von welchen Kfimpfen der eine an den Lech bei 
Augsburg verlegt wurde; s. Massmann, Kaiserchronik I, 24 u. DI, 323 u. 466. 

3) Dieser Zusatz folgt auf den Schluss der Regierungsgeechichte Hein- 
richs IL; s. Sftchs. Weltchronik a. a. O., S. 168. 

4) S. Hermannus Augiensis z. J. 917, inMon. S.S. V, 112. 

5) lieber diese Altartafel, jetzt in Paris befindlich, s. W. WaekemageL 
in den Mittheilungen VII. 

6) lieber diesen Kronleuchter vgl. ein altes Brevier, abgedruckt bei 
Trouillatl, 142. 

7) In der Hs. steht hiebei folgende Anmerkung von Hans Wylers Hand 
Ich findtk er hab geheissen Ludovicus Qarvardus, under Frederico dem ersten 
und dem bapst Lucio dem HI gevessen circa annum 1 180 jor. — Dieser Bischof 
Ludwig, ein Bruder des Grafen Volmar von Froburg, wurde in der That zwei- 
mal abgesetzt, nftmlich 1176 und 1179; s. Trouillatl, 344, Amn. 1. Jedoch 
erscheint es sehr zweifelhaft, ob Wyler hier auf eine zuverl&ssige Quelle sich 
stützt, und so könnte mit dem ungenannten Bischof, den unser Text erwfihnt. 
möglicherweise ein viel sp&terer als jener Ludwig gemeint sein, also z. B. 
Johann von CbAlons, welcher ebenfalls mit dem Domkapitel in Fehde lebte, 
bis er 1335 starb. 



BeOage I. 369 



c) Zur Wahl Rudolfs von Habsburg. 

[160**^] Do in die fürsten erküren ze Frankfurt, do lag(i273) 
er Tor der vesti ze Basel, die was des biscboffs von Basel, mit 
dem er ze den selben zitten urliegte^). und lag uffsantMar- 

sgrette'n berg^) mit sinem her, und under dem berg bi dem 
Wasser, das geheissen ist der Birsich. und geschach im leides 
▼il von des biscboffs manen. der woren enteil geheissen die 
Güssen 3j, und dornoch wurden si geheissen die Münch, und 
fiäxtten ein merkatzen [161^] in dem obren teil des schilttes, 

10 und der under teil des schilttes von ortten *) , und ein guldin 
katz uf dem heim, und enteil hiessen die Scholler, fürtten 
wis weken in rotten schiltten. undetlich hiessen die Riehen^), 
fiurtten swinspies-issen in iren schiltten und guldin lüewen uff 
dem heim, und enteil hiessen von Berenffels^^), fürtten beren 

10. Hb.: der nder teil. 

1 } Bis hieher gehört der Text noch zur S&chs. Weltchronik ; ygL Mon. 
Genn., D. Chron. II, 328. — In seiner Fehde mit Bischof Heinrich von Neuen- 
burg lag Rudolf von Habsburg im Sommer 1273 nur wenige Tage vor Basel, 
und ziff^ar geschah diess laut Annal. Basil. schon Mitte Juli (circa festum stae 
Margaretae), lautWurstisen aber — der hiereiner unbekannten Quelle folgt — 
erst Mitte September (um des h. Kreuzes Tag z. Herbst) ; vgl. Annal. Basil. in 
MoD. 8. S. XVII, 195. mit Wurstisen 1H2. Wohl auf die Kunde von seiner 
bcrorstehenden Erwählung zum Könige schloss hierauf Rudolf schon am 
"^^ Sept. mit dem Bischof einen Waffenstillstand, aus welchem bald ein form- 
huiier Friede wurde; s. die Urkunde bei Wurstisen 13:^. 

2} Dieses Lager bei St Margrethen, der Pfarrkirche von Binningen, 
.1/2 St von Basel, wird ohne Datum erwähnt von Matthias von Neuenburg, 
8. 1 1 in Studers Ausg., und ebenso vom Chron. Colmar. in Mon. S.S. XVII, 242. 
Die Annales Basil., ebend. 195, datieren es zum 15. Juli, Wurstisen 132 hin- 
g^en erst zum 14. Sept 1273. 

3) Dieser Name ist in keiner Urkunde mehr erhalten, sondern schon 
s. J. 1 207 erscheint dieses Geschlecht nur unter dem Namen »MQnch« ; s. Trouillat 
I, S. 433. 

4) D. h. Sparren. Das hier beschriebene Wappen führte noch 1237 
Konrad Münch; s. dessen Siegel an einer Urkunde d. J., im K. Bezirksarchiv zu 
Oofanar. Dasselbe Wappen s. auch in Konrad Schnitts Wappenbuch, Bl. 123^, 
im Baaler St. Archiv. — Auf dieses ältere Wappen, an dessen Stelle schon im 
Xm. Jahrhundert der schwarze Mönch trat, bezieht sich wohl auch der Name 
des Hauses »zur Meerkatze«, jetzt Petersberg No. 19, in dessen Umgebung die 
MOnche damals viele Liegenschaften besassen. Ueber letztere s. Fechters 
Top. 91 und 93. 

5; Laut Matthias von Neuenburg, S. 8 in Studers Ausgabe, gehörten 
wohl dieMünche und Schaler zur Partei der Psitticher, d.h. zu den Anhängern 
des Bischofs, die Reich hingegen zur Partei der Sterner, welche aus der Stadt 
vertrieben waren und erst nach dem Friedensschluss zurückkehrten. 

6} Dieses Geschlecht erscheint urkundlich erst 1307; s. Trouillat III, 115. 

Basler ClironikeD. lY. 24 



370 Appenwiler. 

in eim guldin schilt uf rotten bergen, und was groff R&dolff 
von oben harab komen, solt in sin her^]. das zogen si als 
umb in den widen an der Birs^ und fürtten es in die TestL 
es mocht ein gesel kum bi dem andren beliben, noch einer 
noch [161^ dem andren geritten, inen wurd ir Ach entefl. s 
niemen gedorst wol sin ros do getrenken, es wer den in gros* 
«en bersten. 

. d) Zur Regierung Karls lY. 

isse [175^1] In dem 1356 jor von Cristus gebiirt kam der 

yorgeschriben ertbidem ^) in Tütsche land und sunderlich gon i« 
Basel, das die stat verfiel, und das mün- [175^^] -ster^) imd 
all kilchen und vil hüsser, und bi dryhundert mönsdien. do 
det der bidem kum als vil schaden als das fiir; das verbrant 
die hüsser, so si vervallen woren. do verfiel Ach vil vestin 
an dem Bio wen ^). des ersten zwei Schouwenbui^^) und diu» 
Warttenberg^), Münchenstein, Richenstein, Dornach, Angen- 
stein, Berenvels®), Obren Echs*). do lag ein frouwe von Frick**) 

9. Oberhalb dieteii Abscbnitta i/i Spalte nnprftnglicb leer, dnreb sp&tere EiatragaBgefi 

anegefftllt. 

1) Entweder dieser oder der folgende Satz ist unvollstbidig. 

2) Vielleicht entstellt aus: an dem Birsich. Vgl. oben 6. 369, Z. 6. 

3) Nämlich das Erdbeben Ton Villach, vom 25. Januar 1348, wdches in 
der Hs. den hier folgenden Abschnitten unmittelbir vorausgeht. Dieser Be- 
richt vom Villacher Erdheben gehOrt zum letzten Theil der fortgesetzten Siehg. 
Weltchronik» welchen die Ausgahe in den Mon. Genn. nicht hat» sondern bis 
jetzt einzig die Basler Hs. lieber diesen letzten Theil s. oben S. 224 und 365. 

4) lieber das Münster vor und nach dem Erdbeben s. E. La Roche, in 
den Beiträgen zur Gesch. d. B. Münsters, III. — lieber das Erdbeben über- 
haupt vgl. oben Rathsb. S. 17. 

5) Dieser Name umfasst hier nicht nur den Jura -Blauen im jetzigen 
Sinn, d. h. den Höhenzug westlich von der Birs, sondern auch dessen Ostliche 
Fortsetzung jenseits der Birs, also denjenigen Theil des Jura überhaupt, weleha 
für Basel gegen Süd und Südosten den Horizont begrenzt — Das hier fol- 
gende Verzeichniss z&hlt die zerstörten Burgen in ihrer Reihenfolge Ton Ost 
nach Westen auf. Einen weiteren Umkreis, mit mehr als 50 Burgen, um&sst 
die sog. ELlingenbergerchronik, S. 99 in Hennes Ausg. Auf diesen zwei Ver- 
zeichnissen, die sich gegenseitig ergänzen, beruhen die Angaben aller späteren 
Chronisten. 

6) Jetzt ist nur noch Eine Ruine d. N. vorhanden. Die Urkunden untei^ 
scheiden jedoch die Schlösser Alt- und Neu-Schauenburg. 

7) Die vordere, mittlere und hintere Burg, alle drei auf dem Berge d. N. 

8) Bärenfels, oberhalb Angenstein. 

9) Ober-Aesch, nahe bei Bärenfels. 

10) Vermuthlich Jacatte von Neuenstein, die Gemahlin Ritter Lütholds 
Ton Frick, welcher seit 1353 urkundlich vorkommt und noch 1381 zu Basel im 



Beilage I. 371 

in lanizbetty und als das hus fiel, do viel die kintbetterin mit 
dem hus heiab in die halden uf einen boum, und ii jungfiou 
und das kind in der wagen, und beschach in allen diyen nüt, 
das ze klagen wer. do verviel Ach Pfeffingen [176^] und ein kind 

sin einer wagen i); des götti was der bischoff von Bassel, der 
kam momendes ritten und wolt gon BasseP). do frogt er, ob 
sin got wer uskomen; do sprochentz si: nein, do hies er das 
kind suchen in der halden; do ward es funden zwussent zwein 
grossen steinen und weinet in der wagen, das ward ein wib 

10 und gewan vil kinden^)« fleh verfiel Scholberg*), Froburg*), 
Klus*), Fürstenstein, zwei Lantzkron^), Waldek^), Biedertal®), 
Landenberg ^®), Blochmund. fleh beschach vil wunders ze Basel, 
es ward ein spruch gemacht, der altten geschrift noch^^), das 
was also: 

Rathe sass; s. Boos 308, und vgl. Wurstisen 129, wo die Jahrzahl »1345« wohl 
nur ein Druckfehler ist. 

1) Yermuthllch Verena, die Tochter jenes Grafen Walraff von Tierstein. 
mit welchem 1403 die altePfeffinger Linie dieses Grafenhauses erlosch. 8. oben 
8. 23, Anm. 4. 

2} Bischof Johann Senn von Münsingen kam vermuthlich von Delsherg, 
dessen Schloss ehenfalls eingestürzt war ;s.Klingenherg 99, auch Wurstisen 12. 
Die Strasse von dort nach Basel führte üher die Höhe der »Platte« und durch 
die Klus, V2 St. von Pfeffingen. 

3) Verena von Tierstein vermählte sich in erster Ehe mit Hans Ulrich 
von Hasenhurgi der 1386' bei Sempach fiel, und in zweiter mit Peter von Cly, 
dem Herrn von Roche d'Or; s. die Stammtafel der Freiherren von Hasenburg, 
bei TrouiUat IV, 896. 

4) Ueber Schalberg s. Wurstisen 22. 

5) Froburg, am untern Hauenstein, verfiel allerdings auch ; s. Klingen- 
berg 99. Doch ist es auffallend , dass dieses entlegene Schloss hier mitten 
unter den Burgen am Blauen genannt wird. Vielleicht ist »Froburg« hier ent- 
stellt aus »Rotberg«s das laut Wurstisen 19 gleichfalls verfiel und nach seiner 
Lage eher hieher passt, oder auch aus »Vorburg»«, bei Delsberg, oder endlich 
aus »Burg«, am Blauen, 4 St. von Basel. 

6) Klus liegt westlich von Pfeffingen. 

7) Unter der zweiten Landskron ist vielleicht Stemberg zu verstehen, 
das der Landskron gegenüberliegt, oder das nahe Rineck, dessen Ueberreste 
1515 zum Umbau der Landskron verwendet wurden ; s. Schöpflin-Ravenez IV, 82. 

8) Ueber Waldeck s. Trouillat III, 22, Anm. 1. 

9) Biedertal oder Biedertann hiess eines jener Schlösser, deren Trümmer 
neben dem noch stehenden Schloss undDorfe Burg sichtbar sind; s. Quiquerez, 
im Bulletin de la BociM des monuments d'Alsace IV, 125 ff. Das jetzige 
Biedertal, Vs St. unterhalb Burg, war damals noch ein Hof, ohne Schloss. 

10) Vielleicht entstellt aus »Leuwenberg» oder »Löwenberg«, westlich von 
Blochmont ; s. Klingenberg 99. 

11) Dieser Reimspruch setzt noch Majuskelschrift voraus, wfthrend der 
Verfasser dieser Zusätze sich bereits der im XV. Jahrhundert üblichen Fractur- 
Schrift bediente. 

24» 



372 Appenwiler. 

Ein rink mit sinem dorn, 
[176^] Dm rosissen userkom, 

Ein zimerax, dei kniegen zal^), 
Do verfiel Basel überall. 

Es wolt einr von Berenfels fliechen us dem Fischsmerkt % 
uf den Platz; do er nf sant Petters bräclin^) kam, do slfig 
ein zinn herab und slfig in ze dot. hievon wer vil ze schii- 
Oct. isben. dis beschach aUes uf sant Lux tag 3). 

1346 [176**] In dem 1346 jor von Cristus gebürt hüb sich 
enhalb des mers ein gros lüttensterbeit, dem von angenge der lo 

1847 weit nie ^lich ward, darnoch in dem nechsten jor brochtten 
es die von Genue herüber, von gotz räch, in Welschi land. 
das beschach, [176*^^] das der von Genue vil gewoffhetter fiiren 
uf dem mer^); do lagen vil Heiden vor einer Cristenen stat 
uf dem mer^) und konden ir nüt gewinen, do hotten die Hei- u 
den die von Genti^, das si inen hulffen die stat gewinen und 
inen als g&t forus betten, das verheing got, wond er es an 
der Cristenheit wolt rechen ; und gewunen die stat, und nomen 
das gut; die Heiden nomen die lüt, und ward die stat zer- 
brochen, das räch got des ersten an den selben und an den» 
von Genue: do si hein komen, si stürben alle gehes dodes, 
und alli, die si Sachen, die stürben öch; alle, die [177*] die 
dritten ie gesehen, die sturbent Ach, und also starb ie eines 

1348 von dem andren, darnoch in dem nechsten jor kam er gon 
Oesterrich, das nüt der 6. mAnsche bleib, und darnoch in allen s 
Tütschen landen^); und hat es denocht in den 50 joren nüt 

8. Sowohl die untere Hälfte dieser, als die obere der folgenden Spalte nrsprftnjrlick 
leer, durch spUere Eiatragongen ausgefAllt 0. Hs.: LXYI. sUtt XLTL 

14. Ha. : einer criatenner «tat. 

1) Die seehs Krüge der Hochzeit zu Cana. 

2) Die Brücke des Thürleins in der Stadtmauer, welches von der St Peters- 
kirche über den Graben hinaus auf den St Petersplats führte; s. Fechters 
Top. 99. 

3) Das Nachfolgende, bis »in allen Tütschen landen«, kann möglicher- 
weise noch zum Texte der ersten bairischen Fortsetzung gehören; s. oben 
8. ab6. 

4) Nämlich Seeräuber. 

5) Vermuthlich ist Lajazzo an der Südküste von Eleinasien gemeint 
welche Stadt seit 1346 vom Sultan von Egypten belagert und 1347 erobert 
wurde. Ueber diese Stadt s. den Bericht Jakobs von Bern, abgedruckt bei 
Rörichtund Meisner, Deutsche Pilgerfahrten, S. SJ der I. Auflage. 

6) In Deutschland erreichte die Pest ihren Höhepunkt 1349. — Das 

Folgende »und hat es denocht den druy« gehört jedenfalls zu den Basier 

Zusätzen. 



Beilage I. 373 

irolgangen^). do ward öch ze Basel gestorben, das von Esch- 
semeitor untz an das Rintor, die selbi gas durch nider^), das 
zwei ellichi gemachel nienen bi enander beliben, den druy*). 
es stund ein gross lumdung uff, das die Juden die Cristenheit 

5 däken woltten mit vergift, die sy heinlich über mer har brocht 
betten, und [177^] das si lang daruf gedacht betten, wie si 
die Cristen getilketten, das ir minder wurd, und das si si den 
slüegen; man Tand Ach manig seklin in wasser und in brunen, 
die vergift woren. des ward menig Kristen genAttiget und be- 

10 wegen; die meisteil verjahen, das si gut von den Juden ge- 
nomen betten und die Cristen getilket soltten han. etlich ver- 
jähen under in : so si die Juden dinkten, das in ir hochmeister 
uf den fbs drette und die band uf das houbt leiti, und etlich 
vil wort sprechent, so wurd in also ernst, mAchtten sy all 

15 Cristan eins tages getAttet han, si betten [177^^] sich nüt ge- 
sumt^). do dire lumdung von den Juden ufersttind, do swo- 
rent die heren etwe vil über die Juden ^) und slügen si öch; 
kurtzlich si slügen all heren, on der her von Oesterrich, der 
hielt si lenger ^). do si in des riches steten dis ersacbent, 

20 etwo verbrantten si sich selb, etwo verbrant man sy mit be- 

dochttem müt, etwo die gemeinde über des ra